China, Friedliche Supermacht

China, Anderer Kulturkreis
Wir haben die Pflicht, die objektive Realität sachlich, ohne Glaubenssätze und ideologischer Voreingenommenheit zu widerspiegeln. Ansonsten bin stolz auf das westliche Gesellschafts-und Menschenbild (Individuum, Bürger, Menschenrechte, Freiheiten, Gewaltenteilung etc.) Jedoch unser Gesellschaftsbild ist historisch gewachsen und kann nicht universell sein. Deswegen kommt international nur eine Friedliche Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Kultur- und Rechtskreise in Frage. Zeit (11.5.20)
-China, Eine friedliche Supermacht
Im Gegensatz zu den amerikanischen Politologen hat der chinesische Politologe Yu Xintian ein hoch interessantes und generell beruhigendes Konzept für die Zukunft Chinas in den internationalen Beziehungen bis 2020 entworfen. Danach wird sich China auf die ökonomische Entwicklung und die Modernisierung konzentrieren. Das Ziel ist dabei, ein „scientific concept of development“, d. h. aus China ein prosperierendes, demokratischen und kulturvolles Land zu machen. In der Außenpolitik soll Sicherheit durch Kooperation gestützt werden. China wird seine Teilnahme an dem internationalen Dialog und an den internationalen Kooperationsmechanismen intensiviert. Gleiches gilt auch für das große Feld der internationalen Diplomatie. Die Weltmacht China wird mehr für die „soft power“ in den internationalen Beziehungen eintreten.
Die Basis dieser auf Frieden, Harmonie und Kooperation ausgerichteten Außenpolitik liegt in der chinesischen Tradition, denn es handelt sich um Werte dieser Kultur. Es wird seiner Meinung nach zu grundlegenden Veränderungen in den internationalen Beziehungen kommen wie z. B. die folgenden:
a ) Friede und Entwicklung als die Hauptströmung in der Welt;
b ) nicht Feindschaft, sondern „cooperation and competition“ werden in den internationalen Beziehungen vorherrschen;
c ) die Rolle der kleinen und mittleren Staaten wird wachsen. So werden sie einen eigenen Beitrag zur Stabilität der internationalen Ordnung leisten.
Yu Xintian bezeichnet diesen Zustand nicht als „balance of power“, sondern vielmehr als „balanced policy“. Ferner geht er davon aus, dass die USA die letzte Supermacht sind, die in der Welt dominieren kann.91
Die bisherige 4000jährige Geschichte – defensive Theorie und Praxis – gibt Anlass zu der Annahme, dass China keine Ambitionen hat, irgendeine Hegemonialposition einzunehmen oder etwa als ein „Imperium Sinicum“ in der Welt zu dominieren. D. h., China wird auch als Supermacht weder seine Nachbarn bedrängen, noch den Weltfrieden bedrohen.
Das schließt jedoch nicht aus, dass die bereits vorhandene Konkurrenz zwischen den USA und China in der Zukunft noch stärker sein wird. Wiener Zeitung (29.5.20)
-Autorengespräch:Welche China-Strategie sollte die EU verfolgen?
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Die Politik der Friedlichen Koexistenz zwischen China (Konfuzianischer Kultur -und Rechtskreis) und der EU (Kulturkreis des Westens) auf der Basis des Internationalen Rechts und insbesondere der Prinzipien der Friedlichen internationalen Zusammenarbeit (gegenseitiger Vorteil) und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen. Hierbei handelt es sich um eine völkerrechtsgemäße und pragmatische Position. Nicht vergessen, dass die beiden Kulturkreise nicht nur unterschiedliche, sondern auch entgegn gesetzte Menschen- und Gesellschaftsbilder aufzuweisen haben. Völkerrecht, Theorie der Internationalen Beziehungen, Süddeutsche Zeitung (29.5.20)
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“Markus Lanz”Sicherheitsexperte warnt: “China hat den Systemwettbewerb laut und klar ausgerufen”
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Eigentlich geht es darum, die USA als einzige Supermacht zu überflügeln. Es geht auch um den Wettbewerb zwischen dem Kulturkreis des Westens und dem Konfuzianischen Kulturkreis, zumal der Wettbewerb zu den wichtigsten Säulen des Konfuzianismus gehört. Focus (28.5.20)
-Die USA habe vor China Angst

Erschrocken beobachten die USA das ständige Wachsen der zweiten Supermacht. Sie können sich auf den Kopf stellen, aber sie können diesen Prozess nicht bremsen, es sei denn sie riskieren einen dritten Weltkrieg.
Alles deutet darauf hin, dass dieses Jahrhundert das CHINESISCHE Jahrhundert sein wird. Welt (27.5.20)
Indien-China, Unterschiede
Indien kann hinsichtlich des Lebensstandards der Bevölkerung China nicht das Wasser reichen.
Man denke auch an das 3500-jährige Kasten- System, dass zwar juristisch abgeschafft worden ist, allerdings die Lebensrealität der Inder weiterhin bestimmt. Es gibt noch einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Konfuzianischenauf der einen und dem hinduistischen Kulturkreis auf der anderen Seite: Der Konfuzianismus ist seit vier Tausend Jahren pragmatisch, ohne Götter und Klerus. Der Hinduismus jedoch zeichnet sich durch einen hoch entwickelten Mystizismus aus, der fast fünf Tausend Jahre alt ist, über 300 000 Götter und dazu noch den raffiniertesten Klerus in der Menschheitsgeschichte und zwar die Brahmanen, die Erfinder des Kasten Systems hat.
Zeit (12.5.20)
-Peking verspielt Chinas internationale Vertrauenswürdigkeit, US-Präsident Donald Trump macht die USA weltpolitisch belanglos. Wo bleibt Europa in der Corona-Krise? Theo Sommer

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Eine andere Sicht
China stellt objektiv die Führungsmacht innerhalb des Konfuzianischen Kulturkreises mit einem besonderen Menschen- und Gesellschaftsbild, hat eine viertausendjährige Friedenspolitik aufzuweisen, hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant zu der zweiten Supermacht der Welt entwickelt und wird spätestens snah ca. zehn bis 15 Jahren die USA auf allen Gebieten überflügeln. Dieses Imperium Cinicum Maximum wird im 21. Jh. eine Pax Cinica schaffen und Geschicke der Menschheit bestimmen.
Die Präsidentschaft des unberechenbaren Trump ist ein Zeichen dafür, dass die USA als Supermacht versagt haben und sich im Abstieg befinden.
Die EU kann es sich leisten, auf Distanz zu den beiden Supermächten zu gehen und sich von Fall zu Fall über eine mögliche Nähe zu den USA oder zu China entscheiden. Sie ist zwar eine ökonomische Supermacht (US-Nobelpreisträger Krugmann), jedoch als strategisch-militärischer Zwerg wird sie in den internationalen Beziehungen nicht als gleichwertiger Player auftreten können. Zeit (11.5.20)