Konfuzianisches Menschen- und Gesellschaftsbild

Konfuzianisches Menschen –  und  Gesellschaftsbildbild, Hauptmerkmale

Zunächst eine Binsenwahrheit: Will der Angehörige eines anderen Kulturkreises den Kulturkreis des Westens verstehen, so muss er sich zunächst mit dem westlichen Gesellschafts- und Menschenbild befassen, sonst besteht die Gefahr, aus lauter Bäumen nicht den Wald zu sehen. Gerade dies geschieht in den meisten Artikeln und Kommentaren in der Presse.

Zum besseren Verständnis der chinesischen Innenpolitik ist es unbedingt empfehlenswert, auf das konfuzianische Gesellschafts- und Menschenbild kurz einzugehen, das immerhin seit 2500 Jahren gilt und heute die weltanschauliche Grundlage des Konfuzianischen Kulturkreises darstellt, zu dem auch andere asiatische Länder wie z.B. Japan. Korea, Vietnam etc. gehören. Speziell in China liegt eine Synthese von konfuzianischer Tradition und Hochtechnologien vor, etwa ähnlich wie früher in Europa zwischen dem Protestantismus und der industriellen Revolution.

Die Hauptmerkmale des Konfuzianismus sind die folgenden :

a) Autoritäres und totalitäres System, früher mit dem Kaiser, heute mit dem Politibüro der KP an der Spitze. Die Demokratie gehört nicht zu der konfuzianischen Tradition (Ausnahmen : Taiwan, Südkorea, Japan ).
b) Hierarchien vorwiegend patriarchalisch ausgerichtet: Respekt gegenüber dem Vater und dem älteren Bruder, alle gegenüber dem Fürsten (jetzt Parteisekretär) , alle gegenüber dem Kaiser ( jetzt Politbüro, „rote Kaiser“).

Hierarchien vorwiegend patriarchalisch ausgerichtet: Respekt gegenüber dem Vater und dem älteren Bruder, alle gegenüber dem Fürsten (jetzt Parteisekretär) , alle gegenüber dem Kaiser ( jetzt Politbüro, „rote Kaiser“).
c) Absolute Priorität der Familie und der Gesellschaft gegenüber dem Einzelnen. Das Individuum im Sinne des Kulturkreises des Westens existiert nicht.
d) Absolute Priorität des Staates gegenüber dem Untertan. Der Citoyen (Bürger) ist nicht vorhanden.
e) Infolgedessen gibt es keine Demokratie und speziell keine subjektiven und einklagbaren Menschenrechte. Die Rechte der Untertanen haben objektiven Charakter und werden von dem Staat gegeben und je nach Belieben wieder rückgängig gemacht. Hierin liegen die meisten innenpolitischen Probleme Chinas.

Jede Berufung auf individuelle Menschenrechte wird als Provokation qualifiziert und mitunter werden die betreffenden Personen als Agenten des Westens diffamiert und bekanntlich hart bestraft. Besonderes große Probleme zwischen dem autoritären Staat und den Intellektuellen gehören eigentlich zu der chinesischen Tradition . Vor etwa 2300 Jahren sind z.B. sind unter dem berüchtigten Innenminister Han Fei 600 Philosophen lebendig begraben worden, weil sie angeblich „Unruhe unter dem Himmel stifteten“ !
f) Hohe Arbeitsethik (in Europa protestantische), Leistungsprinzip (in Europa kalvinistisches) und Konkurrenzdenken sind Feste Bestandteile des Konfuzianischen Gesellschafts- und Menschenbildes.

Hieraus kann man ableiten, dass soziale Massenbewegungen durchaus zu der chinesischen Tradition gehören und angesichts sich anbahnender politischer und sozialer Spannungen in der Perspektive es zu größeren Unruhen, sogar zu revolutionären Bewegungen kommen könnte.

Süddeutsche Zeitung (5.7.14.), Die Welt Facebook  (19.12.18), Neue Zürcher Zeitung Facebook (29.12.18, 5.2.19, 14.3.19 ), Die Zeit (4.1.19), Wiener Zeitung Facebook (7.1.19), Die Zeit Facebook (9.1.1), Focus Facebook (11.2.19)

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Es herrschte ein ausgesprochener Cinozentrismus und zwar in dem Sinne, dass China der Mittelpunkt de Welt sei. Als der Gesandte der englische Krone Ende des 18. Jh. in Peking weilte und vom chinesischen Kaiser empfangen wurde und ihm Geschenke im Namen des englischen Königs überreichen wollte, brachte der chinesische Kaiser seine Genugtuung zum Ausdruck für die Vasallengeschenke (!). Als jedoch der englische Gesandte vorschlug, Handelsbeziehungen aufzunehmen und dem Kaiser einige englische mechanische Erfindungen zeigte, sagte der Kaiser sinngemäß, wir haben alles , deswegen brauchen wir ihre lächerlichen Sachen nicht.
Das war die Zeit, als die Chinesen OFFIZIELL von den westlichen Barbaren sprachen.
Übrigens, das toponym Viet Nam ist von den kulturell höher stehenden Chinesen geprägt worden und bedeutet Das Land im Süden. Die Zeit (3.1.19)

 

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