Konfuzianisch – chinesisches Menschen- und Gesellschaftsbild, Revolutionäre Tradition

 

Konfuzianismus (“Kommunismus”)-Westen, unterschiedliche politische Systeme sowie Gesellschafts- und Menschenbilder im Vergleich

1. Anthropozentrismus bereits in der Antike ( Πρωταγόρας: Πάντων χρημάτων μέτρον εστίν άνθρωπος», Protagoras:“Der Mensch ist das Maß aller Dinge“, ). Allein das Wort Anthropos (Ανθρωπος ) heißt: in wörtlicher Übersetzung„nach oben schauen“ und allgemein bedeutet u.a. : aufrecht gehen, niemandem Untertan sein, Druck von oben und Tyrannei nicht dulden. In der konfuzianischen Tradition ist der Mensch hingegen nur Untertan, hat zu gehorchen, es herrscht also ein Kaiserzentrismus bzw. Staatszentrismus.

2. Die Demokratie gab es schon in der griechischen Antike. Hinzu ist der von den Engländern erfundene Parlamentarismus gekommen. Die konfuzianische Tradition, egal welcher Färbung, kannte in der Vergangenheit nur den Alleinherrscher und kennt das autoritäre Regime mitunter mit totalitaristischen Tendenzen.

3. Das Individuum (Individualität) mit seiner Willensautonomie und Entscheidungsfreiheit ist die Grundlage der westlichen Gesellschaft. Im Unterschied dazu stehen in der konfuzianischen Tradition im Mittelpunkt die Familie und die Gesellschaft. Es gibt schon den Einzelnen, jedoch nicht in der Gestalt des Individuums, das als Produkt des Westens strikt abgelehnt wird. Noch schlimmer, jedwede Berufung auf die Individualität wird als Provokation betrachtet, als westlich diffamiert und entsprechend verfolgt

4. Der Citoyen (Staatsbürger) mit seinen subjektiven Menschenrechten und Pflichten in ihrem dialektischen Zusammenhang und seinem Selbstbewusstsein stellt in der westlichen Kultur die Grundlage der Staatlichkeit dar. In der konfuzianischen Tradition hingegen ist der Staatsbürger ein Buch mit sieben Siegeln. Der Mensch als Untertan hat in erster Linie objektive Rechte, d.h. diese Rechte werden von der Obrigkeit dem Untertan „geschenkt“ und nach Bedarf wieder zurückgenommen.

5. Gleiches gilt auch für die in den internationalen Konventionen universellen Charakters verankerten Grundfreiheiten. Auch auf diesem entscheidenden Gebiet kann China über seinen konfuzianischen Schatten nicht springen. Die Berufung auf die Freiheiten gilt als Dreistigkeit und Unverfrorenheit und wird bestraft. Menschen, die sich auf die Grundfreiheiten stützen, werden häufig als „Agenten des Westens„ (Standard-Formulierung) diffamiert.

6. Der Rechtsstaat und die Gewaltenteilung sind integraler Bestandteile der westlichen Demokratie. Im Unterschied dazu sind beide in der konfuzianischen Tradition unbekannt. Es herrscht schlicht und einfach die Kommunistische Partei(also nicht Herrschaft des Rechts, sondern der Partei). Die Gewaltenteilung steht nur auf dem Papier. Dennoch ist der chinesische Führer auf dieses politische System stolz und hebt seine hypothetische Überlegenheit gegenüber jenem des Westens expressis verbis hervor. Ich vermag nicht zu sagen, was dies in den nächsten Jahrzehnten bedeuten wird.

7. Im Bildungswesen kritisch-kreatives Denken im Westen – auswendig Lernen, das kritische Denken ist unerwünscht in China.

8. Kreativität im Westen (Erfindungen, Hochtechnologien, Nobelpreisträger) – Vorwiegend Kopieren westlicher Technologien in China.

9.Weitere Unterschiede: Langsame Entwicklung im Westen- beeindruckende Dynamik in China.

-Panos Terz, Menschenbild und Recht in den alten Hochkulturen: Eine universalhistorische und komparative Betrachtung, ISBN: 978-620-0-27129-7, Saarbrücken 2019, 223 S.(Vollständiger Titel: Menschen- und Gesellschaftsbilder sowie Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen in den Schriftdokumenten der alten Hochkulturen, Eine komparative philosophiehistorische Untersuchung);

-Panos Terz, Völkerrecht und Internationale Beziehungen, Populärwissenschaftlich, ISBN: 978-620-0-44645-9, Saarbrücken 2020.

Süddeutsche Zeitung (5.7.14.,29.5.20), Die Welt  (19.12.18), Neue Zürcher Zeitung 29.12.18, 5.2.19, 14.3.19 , 29.5.20, 23.2.21), Die Zeit (4.1.19, 30.4.19, 11.5.20), Wiener Zeitung (7.1.19, 29.5.20), Die Zeit  (9.1.1), Focus  (11.2.19,15.5.19),  FAZ (13.2.21), Berliner Zeitung, Zeit (25.5.22), taz (4.6.22), BZ (4.8.22), Süddeutsche Zeitung), Neue Zürcher Zeitung (5.8.22), Wiener Zeitung (8.8.22), Berliner Zitung (28.11.22)

-Panos Terz, Menschenbilder und Rechtsvorstellungen in den alten Hochkulturen, ISBN: 978-620-0-27129-7, 2019.

-Panos Terz, Völkerrecht und Internationale Βeziehungen, ISBN: 978-620-0-44645-9, 2020.

-Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Eγκυκλοπαιδική και Γενική Μόρφωση, Δεύτερος Τόμος, Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολογία, ISBN: 978-620-0-61339-4,  2020.

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Es herrschte ein ausgesprochener Sinozentrismus und zwar in dem Sinne, dass China der Mittelpunkt der Welt sei. Als der Gesandte der englischen Krone Ende des 18. Jh. in Peking weilte und vom chinesischen Kaiser empfangen wurde und ihm Geschenke im Namen des englischen Königs überreichen wollte, brachte der chinesische Kaiser seine Genugtuung zum Ausdruck für die Vasallengeschenke (!). Als jedoch der englische Gesandte vorschlug, Handelsbeziehungen aufzunehmen und dem Kaiser einige englische mechanische Erfindungen zeigte, sagte der Kaiser sinngemäß, wir haben alles , deswegen brauchen wir ihre lächerlichen Sachen nicht.
Das war die Zeit, als die Chinesen OFFIZIELL von den westlichen Barbaren sprachen.
Übrigens, das Toponym Viet Nam ist von den kulturell höher stehenden Chinesen geprägt worden und bedeutet “Das Land im Süden”. Die Zeit (3.1.19)

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Kommunistisch-konfuzianisches Herrschaftssystem in China, Xi Jiping als der neue Mao, Revolutionäre Tradition, Eine sachliche Betrachtungsweise
Das chinesische Herrschaftssystem stellt einen kommunistisch-konfuzianischen TOTALITARISMUS dar, in der Wirtschaft mit einigen kapitalistischen Elementen. Es ist zu empfehlen, zum punctum quaestionis dieses Systems vorzudringen: Konfuzianisches Menschen – und Gesellschaftsbildbild, Hauptmerkmale. Zunächst sei eine Binsenwahrheit: Will der Angehörige eines anderen Kulturkreises den Kulturkreis des Westens verstehen, so muss er sich zunächst mit dem westlichen Gesellschafts- und Menschenbild befassen, sonst besteht die Gefahr, aus lauter Bäumen nicht den Wald zu sehen. Gerade dies geschieht in den meisten Artikeln und Kommentaren in der Presse. Zum besseren Verständnis der chinesischen Innenpolitik ist es unbedingt empfehlenswert, auf das konfuzianische Gesellschafts- und Menschenbild kurz einzugehen, das immerhin seit 2500 Jahren gilt und heute die weltanschauliche Grundlage des Konfuzianischen Kulturkreises darstellt, zu dem auch andere asiatische Länder wie z.B. Japan. Korea, Vietnam etc. gehören. Speziell in China liegt eine Synthese von konfuzianischer Tradition und Hochtechnologien vor, etwa ähnlich wie früher in Europa zwischen dem Protestantismus/Calvinismus und der industriellen Revolution. Die Hauptmerkmale des Konfuzianismus sind die folgenden: a) Autoritäres und totalitäres System, früher mit dem Kaiser, heute mit dem Politbüro der KP an der Spitze. Die Demokratie gehört nicht zu der konfuzianischen Tradition (Ausnahmen: Taiwan, Südkorea, Japan ,, von den USA übernommen). b) Hierarchien vorwiegend patriarchalisch ausgerichtet: Respekt gegenüber dem Vater und dem älteren Bruder, alle gegenüber dem Fürsten (jetzt Parteisekretär), alle gegenüber dem Kaiser (jetzt Politbüro, „rote Kaiser“). c) Absolute Priorität der Familie und der Gesellschaft gegenüber dem Einzelnen. Das Individuum im Sinne des Kulturkreises des Westens existiert nicht. d) Absolute Priorität des Staates gegenüber dem Untertan. Der Citoyen (Bürger) ist nicht vorhanden. e) Infolgedessen gibt es keine Demokratie und speziell keine subjektiven und einklagbaren Menschenrechte. Die Rechte der Untertanen haben objektiven Charakter und werden von dem Staat gegeben und je nach Belieben wieder rückgängig gemacht. Hierin liegen die meisten innenpolitischen Probleme Chinas. Jede Berufung auf individuelle Menschenrechte wird als Provokation qualifiziert und mitunter werden die betreffenden Personen als Agenten des Westens diffamiert und bekanntlich hart bestraft. Besonders große Probleme zwischen dem autoritären Staat und den Intellektuellen gehören eigentlich zu der chinesischen Tradition. Vor etwa 2300 Jahren sind z.B. sind unter dem berüchtigten Innenminister Han Fei 600 Philosophen lebendig begraben worden, weil sie angeblich „Unruhe unter dem Himmel stifteten“ ! f) Hohe Arbeitsethik (in Europa protestantische), Leistungsprinzip (in Europa kalvinistisch) und Konkurrenzdenken sind feste Bestandteile des Konfuzianischen Gesellschafts- und Menschenbildes. g) Wettbewerbsgedanke: Sei der Beste, als Li-Norm. Siehe ausführlich:

-Panos Terz, Menschenbild und Recht in den alten Hochkulturen: Eine universalhistorische und komparative Betrachtung, ISBN: 978-620-0-27129-7, Saarbrücken 2019, 223 S.(Vollständiger Titel: Menschen- und Gesellschaftsbilder sowie Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen in den Schriftdokumenten der alten Hochkulturen, Eine komparative philosophiehistorische Untersuchung);

-Panos Terz, Völkerrecht und Internationale Beziehungen, Populärwissenschaftlich, ISBN: 978-620-0-44645-9, Saarbrücken 2020.
Veröff.  auch in: Zeit (16.11.18, 5.2.19, 22.10.20,8.11.22), Welt (19.12.18), NZZ (6.5.19), Wiener Zeitung (6.5.19), Süddeutsche Zeitung (29.5.20)
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Alte revolutionäre Tradition in China
a) Die Chinesen haben ein überentwickeltes historisches Nationalbewusstsein, das eine kontinuierliche Kulturgeschichte von viertausend Jahren umfasst.
Vor etwa viertausend Jahren wurde im “Buch der Geschichte” ( Shudshing ) erwähnt, dass der Kaiser das Volk gut behandeln muss, weil der Himmel es schützt ( Naturrecht, ius naturalis ). Im 3. Jahrhundert v. Chr. schuf der Philosoph Möng-ds (Mencius) die chinesische Theorie des “Vertrags der Macht” (Herrschaftsvertrag), in der die Ge-Ming (“Wegnahme des Befehls des Himmels” durch den Kaiser, Recht auf Widerstand) erwähnt wird!
Bereits 260 Jahre später führte das Volk auf der Grundlage dieses Vertrags eine Revolution durch und stürzte den tyrannischen Kaiser.
Der Experte für die Theorie des Staates Han Fei-Tse (2. Jahrhundert v. Chr.) Innenminister, bekannt als der chinesische Drakon, hat in seinen Schriften über die Macht betont, dass Untertane böse seien, so dass die Regierung ihnen nicht vertrauen sollte. Alles, was sie verdienen, strenge  und strafende Gesetze.
Er hat die erste Staatssicherheit der Welt geschaffen. Außerdem hat er angeordnet, 600 Intellektuelle (fast alle Philosophen) lebendig zu begraben, weil sie zu viel “geplappert” und die Welt unter dem Himmel durcheinander gebracht hätten.
Die Haltung der derzeitigen chinesischen Regierung gegenüber Intellektuellen ist also nicht , sondern hat eine lange Tradition. Die chinesische Führung hat tatsächlich Angst vor dem Volk.
b) erhoben sich die Chinesen unter der Führung von Mao Tse-tung und legten den Grundstein für das heutige China.
c) China entwickelt sich zu einer Supermacht und steht in wirtschaftlicher Hinsicht an zweiter Stelle in der Welt, aber das Volk und insbesondere die Bauern leben miserabel, während China die meisten Milliardäre der Welt hat!
Dies bedeutet eine Verschärfung der Klassengegensätze, die in Zukunft unweigerlich zu Kämpfen führen wird.
d) Die wachsende Mittelschicht fordert Menschenrechte, die die Chinesen in Taiwan haben und die Einwohner von Hongkong bereits  jahrzehntelang hatten.
Die Chinesen  sehen, dass die Taiwanesen unter einem liberalen Regime leben und einen viel höheren Lebensstandard haben. Es versteht sich daher von selbst, dass auch sie bessere Lebensbedingungen und Freiheiten fordern werden.
Die oberste Führung kann nicht ewig die Rolle des Herrschers spielen. Sie muss den Menschen schrittweise Freiheiten geben, was bedeutet, dass der Einfluss der Partei, die sich kommunistisch nennt, aber in Wirklichkeit nichts mit den kommunistischen Idealen zu tun hat, die Mao Tse-tung zu verwirklichen versuchte, gemildert wird.

e)  Das Internet erleichtert soziale und politische Bewegungen. Die chinesische Regierung hat jetzt vor allem Angst vor politischen Bewegungen und kontrolliert daher das Internet streng.
Im Allgemeinen handelt es sich in China um ein totalitäres  Herrschaftssystem
Siehe ausführlicher:-Panos Terz, Menschenbild und Recht in den alten Hochkulturen: Eine universalhistorische und komparative Betrachtung, ISBN: 978-620-0-27129-7, Saarbrücken 2019, 223 S.(Vollständiger Titel: Menschen- und Gesellschaftsbilder sowie Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen in den Schriftdokumenten der alten Hochkulturen, Eine komparative philosophiehistorische Untersuchung);-Panos Terz, Völkerrecht und Internationale Beziehungen, Populärwissenschaftlich, ISBN: 978-620-0-44645-9, Saarbrücken 2020.Berliner Zeitung (28.11.22)

 

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