Weltraumvertrag

Nach dem Weltraumvertrag, Grundlage des Weltraumrechts als Zweiges des Völkerrechts, ist dies strengstens verboten. Siehe genauer: “Vertrag
über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums
einschliesslich des Mondes und anderer Himmelskörper”
Abgeschlossen in Washington, Moskau und London am 27. Januar 1967,
Unterzeichnet von der Schweiz am 27. Januar 1967:
Artikel IV
“Die Vertragsstaaten verpflichten sich, keine Gegenstände, die Kernwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen tragen, in eine Erdumlaufbahn zu bringen und weder Himmelskörper mit derartigen Waffen zu bestücken noch solche Waffen im Weltraum zu stationieren.
Der Mond und die anderen Himmelskörper werden von allen Vertragsstaaten ausschliesslich zu friedlichen Zwecken benutzt. Die Errichtung militärischer Stützpunkte, Anlagen und Befestigungen, das Erproben von Waffen jeglicher Art und die Durchführung militärischer Übungen auf Himmelskörpern sind verboten. Die Verwendung von Militärpersonal für die wissenschaftliche Forschung oder andere friedliche Zwecke ist nicht untersagt. Ebenso wenig ist die Benutzung jeglicher für die friedliche Erforschung des Mondes und anderer Himmelskörper notwendiger Ausrüstungen oder Anlagen untersagt.”

Die ehemalige UdSSR, die USA und die anderen Atom-Mächte haben bereits dieses gewichtige Dokument ratifiziert. BZ,NZZ , Zeit (15.2.24)

Deutscher Staatspatriotismus

Deutscher STAATSPATRIOTISMUS
Der sprachliche Ursprung des Patriotismus ist das griechische Wort Patir (Πατήρ, Genetiv πατρός: Patros) und nicht das lateinische Wort Pater (Patris). Im Mittelalter tauchte das Wort Patriot (jemand aus der gleichen Εthnie, Landsmann) als Ausgangspunkt für das lateinische Wort Patriota und später für das französische Wort Patriote . Allmählich wurden die Wörter Patrioticus und Patriotique sozusagen als die Voraussetzung für den internationalübernommenen Begriff Patriotisme, der genau in der Encyclopedie de Diderot et d’ Alembert geprägt worden ist. Es fällt auf, dass diese Entwicklungen in Frankreich stattgefunden haben. Es verwundert daher nicht, dass der Patriotismus ein Produkt der Französischen Revolution von 1789 war. Es liegt ein consenscus generalis professorum et doctorum darüber vor, dass der Patriotismus “als politische Tugend eines sozialpolitischen Verhalten ist, indem nicht vorrangig die eigenen, die individuellen Interessen handlungsleitend sind, sondern das Wohl aller Mitglieder einer politischen Gemeinschaft” (Nation, Staat, D. Nohlen und F. Grotz (Hrsg.), Kleines Lexikon der Politik, München 2015, S.461).
Der Patriotismus weist neben dieser rationalen auch eine emotionale Dimension auf, die in den anderen Ländern Europas als “Vaterlandsliebe” bekannt ist, d.h. der Bürger ist auf die Gesamtheit des politischen Gemeinwesens fokusiert und bringt sich real für die Belange des Gemeinwesens bzw. für das Vaterland ein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen unter Beachtung der Verbrechen während des Krieges Begriffe, wie Nation, Nationalbewusstsein, Vaterland, Patriotismus, Wehrtüchtigkeit etc., die bei allen anderen europäischen Nationen hochgehalten werden, verdrängt und diese sind hierdurch in Vergessenheit geraten bzw. werden von bestimmten politischen Kräften, wie z.B. von den Linken, den SPD-Linken und den Grünen vehement abgelehnt. Inzwischen haben sich auch andere Bürger in der fast 80-jährigen eigentlich in einem Schlaraffenland der Rechte und der Sorglosigkeit bequem eingerichtet und zugleich sind sie nicht bereit, auch Pflichten zu übernehmen und z.B. das Erreichte zu verteidigen, egal ob im östlichen Teil Europas der Autokrat Putin an IMPERIALPARANOIA leidet, vom „Tausendjährigen russischen Reich“ sowie von „Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok“ spricht und immer wieder gegen europäische Staaten Drohungen ausstößt. Spätestens seit dem brutalen und völkerrechtswidrigen russischen Angriff auf die Ukraine ist es deutlich geworden, dass die EU über eine angemessene Verteidigungsfähigkeit verfügen muss, und zwar schnellstens, um überleben zu können.
Die unabdingbare Voraussetzung hierfür speziell, was Deutschland anbelangt, ist ein gesunder Patriotismus. Ich schlage vor, ihn mit dem deutschen Staat in Verbindung zu bringen, um auch alle mitzuerfassen, die keine ethnischen Deutschen sind, jedoch ohne Wenn und Aber zum deutschen Staat stehen. Ich würde daher diesen Patriotismus als STAATSPATRIOTISMUS bezeichnen.
Eine der wichtigsten Dimensionen des Staatspatriotismus ist die Bereitschaft, auch mit der Waffe in der Hand für die Verteidigung des deutschen Staates mit seinen Grundwerten wie Demokratie, grundlegende Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten zu kämpfen, denn diese werden durch die Autokratien /Diktaturen und generell durch totalitäre Herrschaftssysteme bedroht.
Eine Verteidigungsfähigkeit setzt natürlich konkret die öffentliche Aufwertung der Bundeswehr voraus, was wiederum mit der patriotischen Erziehung der Jugend in enger Verbindung stehen sollte.
Schlussfolgerung: Deutschland benötigt dringend einen WEHRHAFTEN STAATSPATRIOTISMUS. Focus (21.12.23). Stern (22.12.23)

Durchsetzbarkeit des Völkerrechts

 

Durchsetzbarkeit des Völkerrechts

Antwort an eine Leserin: Liebe Frau Kallweit, ich danke Ihnen für die ausführlichen Bemerkungen, Ich verstehe schon Ihre Enttäuschung, aber Sie gehen von einer absoluten Prämisse aus und zwar von der absoluten Effektivität des Völkerrechts aus. Diese Fragestellung war im Rahmen der Ausbildung immer Gegenstand eines zweistündigen Seminars. Hierbei handelt es sich um ein sehr komplexes Phänomen, das im Wesentliche die folgenden Dimensionen aufzuweisen vermag:

1. Im Allgemeinen wird Recht, ich meine das nationale Recht, in erster Linie mittels Druckausübung bzw. Gewalt durchgesetzt. Im Unterschied dazu gibt es in den internationalen Beziehungen weder einen Weltstaat noch eine Weltregierung, die in der Lage wären, die Einhaltung des Völkerrechts mit Gewalt zu erzwingen.
2. Prinzipiell hängt die Durchsetzung des Völkerrechts vom jeweiligen internationalen Kräfteverhältnis ab. Daher ist die Realisierung der Verantwortlichkeit bei Völkerrechtsverletzungen seitens der Supermächte weitestgehend ausgeschlossen, zumal sie zugleich als ständige Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates über das Veto-Recht verfügen. Aber gegen mittlere und kleinere Staaten ist es grundsätzlich durchaus möglich, völkerrechtsgemässe Maßnahmen einzuleiten.
3. Das Völkerrecht hat in bestimmten Situationen, wie z.B. im Kampf gegen den Kolonialismus, eine herausragende Rolle gespielt. Sogar Aggressoren versuchen gelegentlich, völkerrechtlich zu argumentieren, indem sie das Recht im eigenen Interesse auslegen (z.B. die USA vor der Intervention in den Irak und Russland gleich nach der Aggression gegen die Ukraine). So ist es auch zu erklären, dass kein Staat sich direkt gegen das Völkerrecht wendet. Dies gilt auch für die UNO, denn kein Staat fordert die Abschaffung diese universelle Organisation.

4. Nun, das Völkerrecht stellt durch die zahlreichen internationalen Übereinkommen universellen Charakters die absolut notwendige Regulierung der wichtigsten Bereiche der internationalen Beziehungen dar. Hierzu gehören die Völkerrechtszweige Internationales Vertragsrecht, Internationales Gewohnheitsrecht, Diplomaten- und Konsularrecht, Internationales Seerecht, Weltraumrecht etc. Bei ihnen  gilt das grundlegende Prinzip der Vertragserfüllung nach Treu und Glauben (pacta sunt servanda: Verträge sind einzuhalten).
5. Aus der Verletzung des Rechts kann man beim besten Willen nicht die Schlussfolgerung ableiten, dass das Recht aufgehoben wird. In Staaten mit sehr hoher Kriminalität, wie z.B. in den USA und Süd-Afrika, wird das Strafrecht durch die Kriminellen nicht beseitigt. Auch im Völkerrecht ist es ähnlich: Die Aggression Russlands stellt zwar eine schwerwiegende Verletzung des grundlegenden Prinzips des Verbots der Gewaltandrohung und Gewaltanwendung, dar, aber hierdurch wird dieses Prinzip nicht aufgehoben.
6. Schließlich die Kriegsverbrecher-Prozesse in Den Haag haben doch gezeigt, dass das Völkerrecht, in diesem konkreten Fall das Internationale Strafrecht nach wie vor eine große Evidenz besitzt.
7. In der Völkerrechtswissenschft gibt es übrigens auch die VölkerrechtsSOZIOLOGIE. Siehe z.B. Panos Terz, Völkerrechtswissenschaft: Völkerrechtstheorie, Völkerrechtsphilosophie, Völkerrechtssoziologie, Völkerrechtsmethodologie,ISBN: 978-620-0-27090-0, Saarbrücken 2019

China und Indien, Die großen Rivalen

China und Indien, Die großen Rivalen
1. China ist bereits eine echte Supermacht und hinsichtlich a) des Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022/23 in Billionen Dollar ca. fünfmal stärker als Indien (China: 19,4; Indien : 3,7) und des b)des BIP pro Kopf 2021intausend Dollar ca. fünfmal stärker als Indien (China: 12,55; Indien: 2.,256).
2. Zwischen den beiden asiatischen Giganten gibt es nicht nur Grenzstreitigkeiten, sondern China beansprucht den indischen Bundesstaat,
Arunachal Pradesh im Nord-Osten Indiens (83.745 km2). In einer neuesten chinesischen Karte erscheint diese indische Region als chinesisches Gebiet mit der Bezeichnung “Süd-Tibet” ( “Zangnan“) umbenanntsowie die Bergregion Aksai Chin westlich von Tibet.
3. In einer anderen offiziellen chinesischen Karte wird deutlich, dass China Seegebiete aller Nachbarstaaten im “chinesischen Meer” für sich beansprucht, obwohl dies sich gegen die Internationale Seerechtskonvention von1982 (Grundlage des Internationalen Seerechts oder Seevölkerrechts) richtet. China hat dieses universelle Dokument weder unterzeichnet noch ratifiziert. Die bedrängten Staaten suchen Schutz bei den USA und Indien. Somit entsteht zwischen China und Indien in dieser brisanten Region eine starke Rivalität.
4. Eine weitere Konkurrenzsituation entsteht sukzessiv über die bestimmende Rolle bezüglich des “Globalen Südens”. In ihren Überlegungen spielt Rest-Russland bereits kaum eine Rolle, obwohl dieses Land krampfhaft versucht, im Rahmen der BRICS und allgemeiner gegenüber dem “Globalen Süden”eine eigentlich hypothetische führende Rolle zu spielen.
5. Man kann auch einen eher ethnologisch-mentalen Unterschied konstatieren: Die Chinesen sind sehr dynamisch, die Inder sind hingegen in ihrer Geschichte eher passiv gewesen. Hierdurch ist es Eroberern gelungen, sie reativ leicht zu besiegen (Perser,Araber, Mongolen-Afghanen, Engländer).
Kurzum, die Beziehungen zwischen China und Indien beinhalten ein großes Sprengpotential.
Der Westen hat in der Vergangenheit den Kardinalfehler begangen, in China massiv zu investieren und zugleich Indien zu vernachlässigen, obwohl Indien eine Demokratie ist, während in China der Totalitarismus herrscht. Normalerweise sollte Indien ideologisch-politisch zum Westen gehören. Es ist also an der Zeit, Indien für den Westen zu gewinnen (Intensivierung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und der Hochtechnologien, umfangreiche Investitionen in Indien etc.). Man kann schon zunehmende Aktivitäten von EU- Staaten, allen voran Frankreichs, in Richtung Indien konstatieren. Die Logik des Gleichgewichts, hier des Gegengewichts gegenüber dem sukzessiv aggressiv werdenden China, fordert auch im wohlverstandenen Interesse des Westens gebieterisch, Indien umfangreich zu unterstützen bzw. zu stärken.
Weiterführende Literatur
-J.Klenk / F. Waschek, Chinas Rolle in einer neuen Weltordnung,Wissenschaft, Handel und internationale Beziehungen, Baden-Baden 2022.
-H. Rupold, Supermacht China – Die chinesische Weltmacht aus Asien verstehen: Geschichte, Politik, Bildung, Wirtschaft und Militär, Brzezia Laka 2020.
-A.Görlach, Alarmstufe Rot: Wie Chinas aggressive Außenpolitik im Pazifik in einen globalen Krieg führt, Hamburg 2022.
-H. Rupold, Supermacht Indien – Die indische Weltmacht verstehen: Geschichte, Politik, Wirtschaft und Militär des indischen Subkontinents, Expertengruppe Verlag 2021. -Panos Terz, Völkerrecht und Internationale Beziehungen, Populärwissenschaftlich, ISBN: 978-620-0-44645-9, Saarbrücken 2020.
Prof.Dr.,Dr.sc.,Dr.habil., Völkerrecht, Theorie der internationalen Beziehungen
Berliner Zeitung (1.9.23), NZZ (6.9.23)

Aristoteles und die Demokratie

Aristoteles und die Demokratie
Aristoteles in seinem weltberühmten Buch “Πολιτικά” (“Politik”), die Bibel der Politologie sinngemäß: Wir hatten bis heute mehrere Herrschaftssysteme, und zwar die Aristokratie, die Ochlokratie (Pöbelherrschaft”), die Oligarchie und schließlich die Demokratie. Es hat sich gezeigt, dass Systeme der Extreme nur zu Katastrophen führen. Deswegen ist es besser, sich für die Mitte zu entscheiden (Mesotes-Prinzip, aurea mediocritas). Damit ist dieMittelschicht gemeint. So erreichen wir einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Klassen und Schichten in der Gesellschaft. Ich weiß schon, dass die Demokratie auch ihre Probleme hat (sie werden aufgezählt, wie heute!). Aber es hat keinen Sinn, sich eine vollkommene bzw. absolute Demokratie zu wünschen. Nichts ist absolut, sondern alles ist eigentlich relativ. So ist die Demokratie, verglichen mit den oben erwähnten Herrschaftsformen doch die beste. NZZ (13.10.23)

China, Seestreitigkeiten mit allen Nachbarstaaten

China, Seestreitigkeiten mit allen Nachbarstaaten
Einige notwendige Bemerkungen aus der Sicht des Seevölkerrechts (Internationales Seerecht) oder im UNO-Original United Nations Convention on the Law of the Sea von 1982
1. Ohne Kenntnisse der gewaltigen Seerechts-Konvention mit ihren über 300 Artikeln und den zahlreichen Anlagen ist es nicht möglich, sich zurechtzufinden. Des Weiteren bedarf es Kenntnisse des Völkerrechts, sonst besteht die große Gefahr, das InternationaleSchiedsgericht (ad hoc Gerichtsbarkeit) in Den Haag mit dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg sowie mit dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu verwechseln.
2. Mitte der 80er Jahre habe ich die wissenschaftliche Betreuung der ausgezeichneten Diplomarbeit eines vietnamesischen Beststudenten zum Streit zwischen China und Vietnam über die Paracel-Inseln. Er konnte anhand der Seerechts-Konvention exakt nachweisen, dass sie zu Vietnam gehören. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass China das gesamte „Chinesische Meer“ für sich beansprucht, ohne auf das Völkerrecht und speziell auf die Seerechts-Konvention und schließlich auf legitime Rechte anderer Staaten Rücksicht zu nehmen. Sie haben auch Rechte, wie vor allem auf die ausschließliche Wirtschaftszone und den Festlandsockel.
3. Es ist besonders verwerflich und beunruhigend, dass China sich der internationalen Gerichtsbarkeit nicht unterwirft und danach strebt, mit den anderen interessierten Staaten auf bilateraler Ebene das vorhandene schwierige Problem der erwünschten Regelung der „9 Strich Linie“ zu zuführen : Das gesamte „Chinesische Meer“ würde zu China gehören.
4. Es ist international gang und gäbe, dass strittige Seerechtsfragen nach erfolgter Übereinstimmung der Streitparteien von dem Internationalen Seegerichtshof oder von einem internationalen Schiedsgericht entschieden werden können.
5. Das aggressive chinesische Vorgehen hat dazu geführt, dass die vietnamesische Kriegsmarine und Teile der amerikanischen Pazifik-Flotte gemeinsame Manöver im „chinesischen Meer“ durchgeführt haben. Wer hätte das gedacht.
Ergänzung :
Das Völkerrecht stützt sich auf sieben grundlegende Prinzipien (UNO-Chata), die jus cogens-Charakter besitzen, d.h. sie sind zwingend verbindlich für alle Staaten. Zu diesen Prinzipien gehört auch die friedliche Streitbeilegung (Art. 2. Abs.3 der Charta): “Alle Mitglieder legen ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel so bei, dass der Weltfriede, die internationale Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden”.
In der Prinzipien- Deklaration der UNO von 1970 wird auch diese Bestimmung authentisch (verbindlich) interpretiert: “… Die Staaten sollen folglich nach einer rechtzeitigen und gerechten Lösung ihrer internationalen Streitigkeiten durch Verhandlungen, Untersuchung, Vermittlung, Vergleich, Schiedsspruch, gerichtliche Regelung, Inanspruchnahme regionaler Organe oder Abmachungen oder durch andere friedliche Mittel eigener Wahl suchen. … Die an einem internationalen Streit beteiligten Staaten sowie die anderen Staaten sollen von jedweder Handlung absehen, die geeignet wäre, die Lage zu verschärfen , so dass die Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit gefährdet wird und haben in Übereinstimmung mit den Zielen und Prinzipien der Vereinten Nationen zu verfahren”.
Es sei darauf hingewiesen, dass es hierbei um verbindliches internationales Recht handelt, welches zugleich Ausdruck der Zivilisation ist.
Für die Unterzeichner-Staaten der Seerechtskonvention von 1982 gilt das im Teil XV (Art. 279 ff.) verankerte spezifizierte Prinzip der friedlichen Streitbeilegung . Es werden u.a. der Internationale Seegerichtshof sowie ein internationales Schiedsgericht hervorgehoben.
Sollte China weiterhin nicht bereit sein, das vorhandene Problem friedlich zu lösen und außerdem Militärmaßnahmen zur Einschüchterung den kleineren Nachbarstaaten einleiten, so müsste sich das höchste Organ der UNO, der Sicherheitsrat damit befassen, und allgemein sollten die Alarmglocken schlagen. Siehe ausführlich: Panos Terz, The science of international law, ISBN: 978-620-3-97855-1, Saarbrücken 2021;Panos Terz, Ausgewählte Probleme des Völkerrechts, Gesammelte Schriften,ISBN: 978-620-0-44679-4, Saarbrücken 2021.
Neue Zürcher Zeitung (20.12.23)

Ultras bei den Palästinensern und den Israelis

Ultras bei den Palästinensern und den Israelis
Der israelische Siedlungsbau ist extrem völkerrechtswidrig, aber dies berührt nur Kompetenzen der moderaten PLO und nicht der Terrororganisation der Hamas. Insgesamt berechtigen die Völkerrechtswidrigkeiten Israels die Bestialitäten der Hamas-”Kämpfer” keinesfalls. Ferner kann sachlich konstatiert werden, dass Israel nicht bereit ist, eine 2-Staaten Lösung zu akzeptieren. Auch in Israel gibt es ultranationalistische Kräfte(jetzt in der Regierung) , die von Eretz Isael (vom Nil bis zum Euphrat) träumen. Auf der Seite der Palästinenser wiederum hat die Hamas (nicht die PLO) in ihrer “Verfassung” die Zerstörung Israels festgeschrieben. Für die Zuspitzung der Lage im Nahen Osten trägt die jetzige israelische Regierung Mitverantwortung. All dies vermag allerdings die Barbareien der Hamas nicht zu rechtfertigen. In diesem Fall darf Israel von seinem Selbstverteidigungsrecht natürlich unter Beachtung des Humanitären Völkerrechts (frühere Bezeichnungen Kriegsrecht, oder Gebräuche und Gesetze des Krieges oder Jus in bello) Gebrauch machen. Es sei auch klargestellt: Es gibt keine kollektive Verantwortung und infolgedessen keine kollektive Bestrafung. Allerdings in der orientalischen Tradition ist dieser Grundsatz kaum bekannt. Siehe auch das gezielte Massaker durch die Hamas an Israelis. Der Befehl lautete so viele wie möglich Israelis zu töten. Das ist barbarisch. Aber auch Israel als Staat muss sich daran halten: Keine kollektive Bestrafung. BZ (21.10.23)
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Hamas ist gegen eine friedliche Regelung des Konfliktes
Fast 25 Jahrelang hatte ich auch mit palästinensischen Studenten und Doktoranden zu tun. D.h., ich habe sie im Fach Völkerrecht (genauer: Internationales öffentliches Recht) ausgebildet und als Tutor bei der Anfertigung ihrer Diplom- bzw. Doktorarbeit wissenschaftlich betreut. Ich konnte oft das folgende Szenario der Hamas konstatieren:
1. Etappe: Die PLO in ihrer Eigenschaft als legitime Vertreterin despalästinensischen Volkes führt durch internationale Vermittlung Normalisierungsgespräche mit Israel. Hamas ist dagegen, diffamiert die PLO als Verräterin und verlangt die Vernichtung des israelischen Staates, was als Hauptziel in ihrer “Verfassung” verankert ist.
2. Etappe: Die Hamas verübt Attentate in Israel oder greift Israel direkt mit dem Ziel an, eine adäquate Reaktion durch Israel zu provozieren. All dies wird von der PLO als heldenhaft bewertet und zugleich will sie den Palästinensern zeigen, dass nur sie für das palästinensische Volk kämpft. Mögliche Verhandlungsergebnisse werden sabotiert.
3. Etappe: Israel schlägt mitunter erbarmungslos zu, womit die Hamas im Voraus gerechnet hat.
4. Etappe: Die Hamas spielt lautstark die Rolle des Opfers und organisiert in der gesamten arabischen Welt Solidaritätsaktionen sowie eine regelrechte anti israelische Kampagne, der sich vor allem linke Kräfte im Westen anschließen.
Die Hamas erreicht ihr Ziel: Mögliche Verhandlungsergebnisse werden sabotiert.
Der Saudi-Prinz unterstreicht diese Feststellung: Die Hamas wolle eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts sabotieren. Turki ibn Faisal
ist ein Sohn des saudi-arabischen Königs Faisal ibn Abd al-Aziz al-Saud
(1906–1975). Ibn Faisal leitete 24 Jahre lang den saudischen
Geheimdienst und war danach Botschafter in den USA (Information von BZ, 20.10.2023)

Zivilgesellschaft

Die richtige Zivilgesellschaft stützt sich auf civilis (citoyen),der folgende mit folgenden prägenden Merkmalender folgende prägende Merkmale aufweist: Staatsbewusstsein, Rechtsbewusstsein, Steuerbewusstsein, Umweltbewusstsein, Gemeinwohl und Anerkennung des dialektischen Wechselverhältnisses von Rechten und Pflichten. Der Bürger wiederum hat als solide Basis das Individuum (Atomon) mit folgenen essenziellen Merkmalen: Autonomie, eigener Wille, Entscheidungsfreiheit, Würde, Selbstvertrauen, Selbstachtung, Selbsterkenntnis, Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein (andere sind nicht schuld am eigenen Versagen), Gesellschaftsbewusstsein. BZ,Oktober 2023

UNO Hamas Israel

Eklat im UNO-Sicherheitsrat
1. Guterres hat es versäumt, beim Thema zu bleiben: Massaker an den Israelis. Hierüber sollte eigentlich eine SR-Resolution zur Verurteilung der Hamas verabschiedet werden und nicht über den Gesamtkomplex des Palästinenser-Problems. Inzwischen hat der UNO-Generalsekretär wortreich die Hamas verurteilt.
2. Der israelischeAußenminister wiederum hat bei allem Verständnis für seinen Zorn den Bogen überspannt, indem er den Generalsekretär beleidigte-sehr ungehörig und die Absetzung des UNO-Generalsekretärs forderte. Es ist zwar wohlbekannt, dass Israel eine sehr negative Haltung zu der UNO sowie auch zum Völkerrecht hat, aber sein Auftreten entsprach nicht den Gepflogenheiten des wichtigsten UNO-Organs. Er hat damit der eigenen, berechtigten Sache geschadet. FAZ (26.10.23)

Palästiner-Demonstrationen

PLO, Hamas, Israel und die Pro-Palästina -Demos
Jahrelang hatte ich Studierende (Studenten und Spezial-Doktoranden ) aus Palästina. Darunter befand sich auch der Adoptivsohn von Arafat, der persönlich vom PLO-Führer Yassir Arafat den Auftrag erhalten hat, sich ausschließlich völkerrechtlich mit dem Palästina-Problem zu befassen. Speziell sollte er die Postion der PLO auf der Osloer -Konferenz durch seine Doktorarbeit vorbereiten. Als sein wiss. Betreuer (Tutor) habe ich ihmempfohlen, im Anhang einen Friedensvertragsentwurf zu erarbeiten. Die Konferenz war sehr erfolgreich und mein Doktorand machte als Völkerrechtsberater und Diplomat eine glänzende Karriere. Aber kurz danach geschah das Übliche: Die Hamas hat durch gezielte Attentate in Israel mit zahlreichen Toten den weiteren Verlauf torpediert. Die Hamas hatte somit wieder ihr Ziel erreicht.
Und jetzt habe ich folgende Fragen: 1. Warum haben die tausenden von Menschen arabischer Herkunft auch in Deutschland die unvorstellbaren Bestialitäten der Hamas frenetisch gefeiert und Süßigkeiten verteilt? 2. Warum ist in der”Verfassung der Hamas immer noch als Ziel die Vernichtung des Staates Israel verankert? Das ist eine permanente Aggression. 3. Warum haben die Friedensbewegten diese Barbareien nicht verurteilt und sofort danach und bevor Israel darauf regiert hat für Palästina demonstriert? 4. Allein in Deutschland leben fast vier Mill. Muslime. Sie demonstrieren lauthals für Palästina, ohne zwischen der PLO und der verbrecherischen Hamas zu differenzieren. 5. Israel hat das Selbstverteidigungsrecht (Art. 51 der UNO-Charta). Dabei muss Israel natürlich das humanitäre Völkerrecht im Rahmen des möglichen respektieren. Die Hamas jedoch tritt dieses Recht seit Jahrzehnten mit Füßen und schießt weiterhin Raketen gegen israelische Städte, ohne zwischen militärischen und zivilen Zielen zu unterscheiden. Schlussfolgerungen: 1.Die Hamas muss so zerstört werden, dass sie keine Gefahr für Israel darstellt und Friedensbemühungen nicht immer wieder torpediert. 2. Israel ist völkerrechtlich verpflichtet, keine illegalen Siedlungen mehr auf palästinensischem Gebiet zu bauen. 3. Israel muss den Einfluss die ultranationalistischen Kräfte zurückdrängen. 4. Israel muss verpflichtet werden, auf der Grundlage Abmachungen ausschließlich mit der PLO als der einzigen Vertreterin des palästinensischen Volkes über die Gründung eines palästinensischen Staates zu verhandeln.
Andernfalls wird es in dieser Region keinen Frieden (Schalom Salam) geben.
Berliner Zeitung (30.10.23)
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Araber in Deutschland jubeln für die Barbareien von Hamas-”Kämpfern”
Wer für die Barbareien und Bestialitäten (auf der Leiche eines Soldaten tanzen, die Frauen neben ihren getöteten Männern vergewaltigen, Mütter mit Babys sowie Omas entführen, ganze Familien mit Kleinstkindern töten etc. ) der Hamas- “Kämpfer” im Blutrausch jubelt, ist paranoid, zutiefst unmenschlich und pervers. Die Hamas-”Kämpfer, die sowas getan haben, befinden sich auf der niedrigsten Zivilisationsstufe. Zeit (11.10.23)
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Am Tag der Verbrechen der Hamas Palästiner – Solidaritätskundgebungen !
Es ist ein Gebot der Vernunft, des Anstandes, der Menschlichkeit und der Zivilisation, gegen die Barbareien und Bestialitäten der Hamas zu protestieren, denn Israel hat in diesem konkreten Fall nicht den Gaza-Streifen angegriffen. Es geschieht jedoch etwas Unverständliches, fast Paranoides: Solidaritätsproteste für das palästinensische Volk, ohne zu differenzieren zwischen der Terror-Organisation derHamas und der moderaten Autonomie-Behörde in West-Jordan. Warum werden die Gräueltaten der Hamas-Kämpfer nicht kritisiert?
Es ist doch bekannt, dass die Hamas und die Fatah (PLO) fast verfeindet sind.
BZ (11.10.23)

Humanitäres Völkerrecht vs Rache

Ist die Rache im Humanitären Völkerrecht erlaubt?
Ηistorisch richtig: Das jus talionis wurde zum ersten Mal im Codex Eschnuna vor über viertausend Jahren verankert. Dieses wurde durch den Codex Hammurabi vor ca. 3.800 Jahren übernommen. Viel später haben es die Hebräer übernommen. Siehe Freydank/Reincke/Schetelich/Thilo, Der Alte Orient in Stichworten, Leipzig 1978, S.132, 171.
Dieses archaische Recht der Rache ist mit dem humanitären Völkerrecht (jus in bello, Gesetze undGebräuche des Krieges und überholt “Kriegsrecht”) nicht zu vereinbaren. Stattdessen kennt das Völkerrecht das “Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung” (Artikel 51 der UNO-Charta), allerdings ist dabei der Grundsatz der Proportionalität ( Verhältnismäßigkeit) zu beachten, andernfalls kommt es zu einem verbotenen Exzess (Verwandlung des Rechts durch Übertreibung in Unrecht).
Im konkreten Fall vom 7.10. haben die Täter, die im archaischen und barbarischen Blutrausch nicht einfach Morde, sondern regelrechte Bestialitäten begangen haben, wodurch ihr extrem niedriger Zivilisationsstand gezeigt wurde, haben mit der Anwendung des humanitären Völkerrechts nicht zu rechnen.BZ (1.11.23)

Befreiung Deutschlands ?

Befreiung des Deutschen Volkes durch die Siegermächte ?
Das ist ein Mythos, denn die Befreiung eines Volkes erfolgt, wenn dieses gegen ein Regime ist und dies auch bezeugt z.B. durch einen Aufstand. Das deutsche Volk hat allerdings bis zum bitteren Ende das nationalsozialistische Regime unterstützt (Goebbels: „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ Antwort: JA!!!). Es ist daher kein Zufall, dass im Potsdamer Abkommen sinngemäß steht, dass Hitler von der übergroßen Mehrheit desdeutschen Volkes gewählt wurde und den Krieg unterstützt hat, und so hat „Deutschland die Gemeinschaft der zivilisierten Nationen verlassen“. Deswegen wird es zur Verantwortung gezogen (Verlust von 30% des gesamten Staatsgebietes, Reparationen etc.). Der Krieg wurde durch die BEDINGUNSLOSE Kapitulation beendet, und das total besiegte Deutschland wurde von den Siegermächten besetzt. Der Mythos von der „Befreiung vom Nationalsozialismus „ ist viel später entstanden. Das ist nichts Neues, denn alle Völker und Nationen haben ihre Mythen. Die schlauen Österreicher haben z.B. sofort nach dem Krieg den Opfer-Mythos geschaffen. NZZ (14.9.23)

Balten und Russland

Die Balten und Russland
Den Letten sowie den anderen baltischen Völkern geht es sehr gut. Hinzu kommt nicht die liberaldemokratische Grundordnung mit den bekannten Menschenrechten und Grundfreiheiten. So betrachtet, leben Russen und Balten in zwei entgegengesetzten Universen: Einerseits die Demokratie und andererseits die ewige rückständige russische Autokratie. In allen drei Ländern besteht allerdings eine relativ starke russische Minderheit. Das birgt große Gefahren insich, denn es wird dem Verfechter des primitiven und zugleich hochtoxischen Panrussismus Putin relativ leicht fallen, irgendwelche “schwerwiegende Verletzungen der Menschenrechte” der jeweiligen russischen Minderheit zu behaupten, um auch dort eine”Spezialoperation” zu starten, allerdings alle drei Länder sind NATO-Mitglied. Die Rumpf-Sowjetunion würde es in einem solchen Fall mit der geballten Ladung (Beistandspflicht, casus foederis) der NATO, der größten Militär-Allianz in der Menschheitsgeschichte zu tun haben.
Aussagekräftig wäre übrigens ein Vergleich zwischen den allseitig entwickelten baltischen Ländern einerseits und dem ebenso allseitig aber rückständigen Russland andererseits: Es geht um das Bruttoinlandsprodukt PRO KOPF in Tausend Dollar von 2021: Russland: 12.194 (weniger als China); Estland: 27.943; Littauen: 23.123; Lettland: 21.149. Ferner sind auf dem Gebiet der Volksbildung alle drei baltischen Länder Russland haushoch überlegen.
Weiterführende Literatur:
-N. Angermann/ K. Brüggemann, Geschichte der baltischen Länder, Leipzig 2018.
-O. Morwinsky/ D. Krieva/ S. Pääru, F.Simaityte, Die drei Baltischen Staaten: Politische und gesellschaftliche Auswirkungen ein Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, Entschlossenheit und Einigkeit,
Conrad Adenauer Stiftung (28.2.2023);
-H. Adomeit, Die baltischen Staaten und ihr schwieriges Verhältnis zu Russland,
Aus Politik und Zeitgeschichte (17.02.2017)
BerlinerZeitung (16.9.23)

Mittelasiatischen Republiken

Die Mittelasiatischen Republiken befinden sich im Interessen-Koordinatensystem von zwei Supermächten (USA, China) und der Großmacht Russland als Schrumpf- Sowjetunion. Die ökonomisch und hochtechnologisch stärkeren Supermächte werden sich durchsetzen, während das wirtschaftlich geschwächte und hochtechnologisch zurückgebliebene Russland auf der Strecke bleiben wird, es sei denn Russland wird nach dem üblichen Muster “militärische Spezialoperationen” einleiten. Zu diesemZweck stehen schon die russischen Minderheiten in diesen Ländern bereit. Diesbezüglich gibt es bereits entsprechende Erklärungen von Medwedew und vom Präsidenten der russischen Duma.
Es ist ferner von hohem Interesse zu registrieren, dass Politiker in den Mittelasiatischen Ländern auf ihre Kolonisierung durch das zaristische Reich mit Nachdruck hinweisen. Es sei in diesem Kontext daran zu erinnern, dass Lenin das zaristische Reich als “Gefängnis der Völker”angeprangert hat. Kurzum: Russland war eine KOLONIALMACHT. BZ (20.9.23)

UNO

Manche Leser unterschätzen die UNO
Irrtümer
1. Wieso fordert niemand die Auflösung der UNO? 2. Der Völkerrechtsnihilismus ist eigentlich eine Sache der Aggressoren.3. Die UNO hat mehr als 13 Spezialorganisationen. Alle arbeiten erfolgreich. 4. Die UNO ist eine Widerspiegelung der realen Kräfteverhältnisse in der Welt. 5. Ist es unbedeutend, wenn zweimal die UNO-Generalversammlung mit über 140 Stimmen die russische Aggression gegen die Ukraine verurteilt? 6. Der Beitrag der UNOzum Zusammenbruch des Kolonialismus und zur Entstehung viele Staaten in Afrika und in Asien war gewaltig. 7. Im Rahmen des internationalen Normenbildungsprozesses beginnt alles bei der UNO (Generalversammlung, Rechtskomite etc.). Danach folgen konkrete Konventionen oft universellen Charakters. Soll man etwa diesen Rechtsmechanismus beseitigen? Das Recht ist Ausdruck einer höheren Zivilisationsstufe der Menschheitsgeschichte. Schlussfolgerung: Der Makrokosmos ist dem Mikrokosmos haushoch überlegen. Siehe sehr ausführlich: Panos Terz, Vertragsrecht internationaler Organisationen: Entstehung der Konvention von 1986, ISBN: 978-620-0-27201-0, Lehrbuch, Saarbrücken 2019; Panos Terz, The science of international law, ISBN: 978-620-3-97855-1, Saarbrücken 2021;
Panos Terz, Quelques problèmes de droit international, Recueil d’écrits, ISBN: ‎ 978-620-4-10192-7, Saarbrücken 2021;
Panos Terz, Панос Терц,Теория нормотворчества в международном праве, Saarbrücken 2022. NZZ (21.9.23)

Afrika Putsche

Putsche im Sub-Saharischen Afrika
Ich hatte auch aus diesen Ländern Studenten und daher glaube zu wissen, wie es läuft: 1. Es gibt kein National- oder Staatsbewusstsein, vielmehr existiert das Stammesbewusstsein. 2. Der Gemeinwohl-Gedanke ist unbekannt. 3. Sobald man an der Macht ist (Militärs oder Politiker) entfaltet sich eine unvorstellbare Korruption, und es macht sich eine Selbstbedienungsmentalität breit: Zuerst werden die Verwandten, dann die Stammesgenossen und danach die Freunde mit den heiß begehrten Posten in der Verwaltung versorgt. 3. Von den ausländischen Finanzhilfen wandert der größte Teil in die Taschen der führenden Politiker und der Regierungsmitglieder. Für das einfache Volk bleibt kaum etwas übrig. Die bislang nicht zum Zug Gekommenen, meistens Unteroffiziere, Putschen gegen die “korrupte” Regierung, übernehmen die Macht und verhalten sich genauso wie die vorangegangene Regierung. Dieses Phänomen ist nach der Erlangung Unabhängigkeit in fast allen subsaharischen Ländern zu beobachten. Neue Zürcher Zeitung (21.9.23)

Platon, Aristoteles, Demokrit

Platon, Aristoteles, Demokrit,
Platon (Πλάτων: Der mit den breiten Schultern) war der Begründer des subjektiven IDEALISMUS, aber sein bester Schüler Aristoteles (Αριστοτελης: Edler Zweck) gilt als Begründer der Soziologie und der Logik. Der philosophische Gegner Platons Demokrit (Δημόκριτος: Urteil des Volkes) wiederum begründete den philosophischen Materialismus: die OBJEKTIVE Realität und nicht irgendwelche Wünsche und Phantasien widerspiegeln.Platon hat leider dafür gesorgt, dass die meisten Schriften seines “Feindes” Demokrit auf der Agora öffentlich verbrannt wurden!
Noch mal Aristoteles über die Forschungsmethode: a) Deinen Blick auf die Natur, den Menschen, die Gesellschaft und den Staat richten. b) Lesen, was andere vor uns darüber geschrieben haben. c)Schließlich auf der Basis der Gesetze der Logik Schlussfolgerungen ziehen. Zeit (22.9.23)

Berg Karabach

Berg-Karabach
Bemerkungen aus Sicht des Völkerrechts
1. Jeder Staat besteht schon seit Aristoteles („Politika“) aus drei Elementen: Herrschaft(Regierung), Bevölkerung, Territorium (Gebiet).
2. Das Staatsgebiet ist die Basis der Gebietshoheit die sich in Verbindung mit der Herrschaft als Rechts- und Gesetzeshoheit äußert. Hieraus folgt, dass auf dem eigenen Staatsgebiet weder allgemeine Hoheitsakt, noch Rechtsakte eines anderen Staates gelten , es sei denn, es handelt sich ausSicht eines anderen Staates um eine Exklave und aus Sicht des betreffenden Staates um eine Enklave. Entscheidend ist, dass von der Enklave keine Gefährdung für die Sicherheit des Staates, dessen Gebiet die Enklave umschließt, ausgehen darf.
3. Ohne auf die verwirrenden Einzelheiten im Verlauf der Jahrzehnte einzugehen, kann der Status als unabhängiger Staat (schon ausgerufen) nicht bejaht werden. Es käme infrage der Status als Exklave, jedoch Armenien war damit einverstanden, dass bewaffnete armenische Einheiten auf dem Gebiet von Berg-Karabach ständig stationiert sind und es ferner zu militärischen Auseinandersetzungen gekommen ist, und das eigentliche Gebiet von Berg-Karabach gewaltsam erweitert wurde. Allerdings, hierdurch wurde der friedliche Charakter der Enklave nicht gewahrt.
4. Rechtslage-Problemlösung
a) Berg Karabach ist Bestandteil des souveränen Staates Aserbaidschan. b) Diesem Gebiet wird ein Autonomie-Status mit internationalen Garantien verliehen. c)Die armenische Bevölkerung darf weiterhin in Berg-Karabach leben. Aserbaidschan darf keinesfalls die armenische Bevölkerung gewaltsam vertreiben. Das gliche nach der gleichnamigen internationalen Konvention von 1948 einem Völkermord. Ihr wird ferner ein Minderheitenschutz mit internationalen Garantien verliehen. d) Die Armenier werden als aserbaidschanische Staatsbürger behandelt. In diesem Gebiet gilt aserbaidschanisch als die Hauptsprache und Armenisch als die Zweitsprache. Die erwirtschafteten Einnahmen verbleiben größtenteils in Berg-Karabach.
Prof.i.R.,Dr. Panos Terz, Völkerrecht
Neue Zürcher Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung; Zeit (22.9.23)

Lawrow

Lawrow,

ehemals ein exzellenter Diplomat, hat den völkerrechtlichen Kompass endgültig verloren. Er verkauft “Fischaugen als Perlen” (chinesisches Sprichwort) und versucht, mit
Allgemeinplätzen aus dem Abfallhaufen der Geschichte vom Hauptproblem abzulenken: Abrupte Beendigung des fast 80-jährigen europäischen Friedens durch einen brutalen und
völkerrechtswidrigen Aggressions- und Annexionskrieges im Sinne der Großmachtphantasien und der Imperialparanoia des Kriegstreibers und Kriegsverbrechers Putin. Leider gibt es hier (social medias) auch Individuen von hoher Ahnungslosigkeit und unvorstellbarer Primitivität, die Putin und seinem Diplomatie-Knecht Lawrow Glauben schenken. Aber eins muss
klar sein, wie das Amen in der Kirche: Über das Schicksal dieser abnormen und brutalen Rumpf-Sowjetunion werden genauso wie über die gescheiterte und untergegangene UdSSR, die WIRTSCHAFT, die Hochtechnologien, die Freiheit und die Menschenrechte entscheiden und nicht die wohlbekannten verlogenen und propagandistischen Äußerungen
Putins oder Lawrows. BZ (24.7.23)

Indoeuropäische Sprachen

Es sei darauf verwiesen, dass diese uralten Sprachen ausschließlich von europäischen Wissenschaftlern entschlüsset worden sind. Οhne sie hätten die Völker des Orients von ihrer beeindruckenden Vergangenheit nichts gewußt. Dies sei mit Nachdruck betont. Einigerepräsentative Bespiele für die Verwandtschaft zwischen den alten indoeuropäischen (nicht “indogermanisch”, da überholt) Sprachen:
-Verb ich gebe. didomi-δίδωμι(altgr.); dadami (sanskr.); dadami (altpers); do (lat.).
-Verb ich trage ; phero- φέρω(altgr.); bharami (sanskr.); fero (latin); bera (altslaw.).
-Verb sein. eimi-ειμί(altgr.); essmi (hett.); asmi (sanskr.); achmi und amiy (altpers.).
-Verb sein in der 3.Pers. esti-εστί (altgr.); eest(hett.); asti(pers.); asti (sanskr.); est(latin.); ist(germ.).
-Verb stehen. histamai-ίσταμαι (uraltgr.); sthanam(sanskr.);sthastha (altpers.); sto (latin.)
FG. Bodmer, Die Sprachen der Welt, Geschichte,Grammatik, Wortschatz in vergleichender Darstellung (Orig. The Loom of Language), ISBN 3-88059-880-0, Köln 1977 sowie Panos Terz, Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος: Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020.
NZZ, FAZ,Stern (26.9.23)

Russen Ethnogenese, Russen und”Goldene Horde”, Russen-Mentalität

1. Ethnonogenese der Russen

Um eine Nation  besser verstehen zu können, bedarf es unbedingt wichtiger Kenntnisse hinsichtlich ihrer Ethnogenese. Konkret geht es hier um die russische Nation nach ihrem eigenen Selbstverständnis und nicht um die zahlreichen Ethnien (übe 100), die in der Russischen Föderation leben.

Die ersten Einwohner im Gebiet zwischen der Ostsee bis zum Schwarzen Meer waren baltische Stämme.  Speziell im Gebiet der heutigen Ukraine ab dem Fluss Dnestr und im heutigen   Süd-Russland lebten bereits seit dem 6. Jh. v.Chr. iranische Skythen und zwar die friedlichen Bauern sowie die „Königlichen Skythen“ als Reiternomaden. Ihnen folgten die Reiternomaden Sauromaten („Echsenäugige“). Sie vermochten keinesfalls,  von den kulturell überlegenen Griechen auf der Krim Errungenschaften der griechischen Hochkultur zu übernehmen. Beide galten aus Sicht der alten Griechen, welche als erstes historisches Volk die Krim bewohnten, als unzivilisiert.

Vom Karpaten- und Weichsel Raum aus kommend, besiedelten etwa im 5. Jh. n.Chr.  in erster Linie die halbzivilisierten ostslawischen Stämme der Ilmenslawen, Kriwitschen, Polotschanen, Slowenen,  Dregowitschen, Wjatitschen,  Severjanen, Semeljanen,  Radimitschen, Derewjanen, Buschanen, Wolynier, Tiwerzen und Wessen das Gebiet des heutigen Russland.  Hinzu kamen baltische (Goljad) und finno-ugrische (Merja, Mari, Muroma, Meschtscheren, Liewissen, Tschuden etc.) Stämme, die sich mit den Nachkommen der Skythen vermischt haben. Auch diese Mischung galt in den Augen der byzantinischen Griechen als halb zivilisiert.

Im 9. Jh. erfolgte das Eintreffen der halb zivilisierten skandinavischen Wikinger mit dem späteren Namen  Waräger (Bezeichnung für Wikinger in dieser Region mit der Bedeutung „Schwurleute“, die Wikinger in Nord-Frankreich hießen hingegen Normannen, also Nordmänner)  zuerst in Nowgorod unter Rjurik und danach in Kiew unter Igor. Sie wurden als Russ genannt, vorüber es unterschiedliche Ansichten gibt. Die folgende Erklärung ist einleuchtender: Das Wort Russ  ist finnischen Ursprungs und bedeutet die Ruderer (Ruotsi). Als sehr dynamische Ethnie übernahmen sie mit Zustimmung der einheimischen Ostslawen die Führung, gründeten den ersten ostslawischen Staat überhaupt, und es begannen die jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den in den südrussischen Steppen eingefallenen Turk-Völkern der Petschenegen, der Polowzer und der Kipschaken (Kumanen),  die ursprünglich aus dem Ural- Altai-Gebiet stammten (siehe die Radziwill-Chronik, Rauchspur der Tauben, Leipzig 1986. In der Chronik werden diese Kämpfe ausführlich beschrieben).

Es kann konstatiert werden, dass die Ostslawen nicht fähig waren, einen eigenen Staat zu bilden.  An der Festigung des neuen Staatsgebildes haben sich insgesamt Ost-Slawen, Balten,  Finno- Ugrier, Waräger, Khasaren und Wolgabulgaren beteiligt. Diese Ethnien haben sich sukzessiv miteinander verschmolzen und hierdurch entstanden die  heutigen Russen.

Das einigende Band zwischen ihnen lieferte das hochzivilisierte Oströmische (Byzantinische) Reich: In erster Linie die Kultur, die Religion (Christianisierung) mit ihrer Mystik und Spiritualität und das Recht. Hinzu kam noch ebenfalls von den Griechen, speziell von den hochgebildeten Brüdern  Methodios und Kyrillos aus Thessaloniki das Alphabet, eine an das Slawische mit den vielen Zischlauten angepasste Variante des griechischen Alphabets. Die Russen haben ferner en mass  griechische Vornamen übernommen. Die Großfürsten haben damit angefangen: Jefstafi (Eustathios); Eupraxia, Katerina, Monomach, Jefrosinia (Efrosini), Andrej, Alexander, Jewfimia (Euthymia), Anastassija etc. Auch heute trägt manch ein wichtiger russischer Politiker einen griechischen Namen (z.B. DMITRI NOKOLAJEWITSCH Medwedew).  Die ersten Lehrer, Juristen, Bischöfe, Theologen und Wissenschaftler waren  byzantinische Griechen, die schon seit der Zeit  der Skythen mit einem starken Überlegenheitsgefühl auf die Bevölkerung in diesem Gebiet herabschauten. Was speziell die Waräger betrifft,  sprach man in Konstantinopel z.B. von den „Beilschwingenden Warägern“. Es ist nicht Aufgabe des vorliegenden Beitrages, ausführlich auf die weitere Zivilisierung der Russen in den späteren Jahrhunderten einzugehen. Es kann lediglich angedeutet werden, dass die weitere Zivilisierung der Russen durch Europa, vor allem durch Frankreich und Deutschland vorangetrieben wurde.

Schlussfolgerungen

1. An der Ethnogenese der Russen haben sich zahlreiche Ethnien recht unterschiedlicher Herkunft beteiligt.

2. Das gemeinsame Merkmal dieser Ethnien bestand darin, dass sie unzivilisiert oder halb zivilisiert waren.

3. Die byzantinischen Griechen haben den halb zivilisierten Russen Zivilisation und Kultur beigebracht.

Natürlich hatte später Russland später, begonnen mit der Öffnung des Landes gegenüber dem haushoch überlegenen Weste nach dem Zaren Peter, dem Großen und der ehemaligen deutschen Prinzessin und späteren Zarin Katerina der Großen die Möglichkeit, sich zu entwickeln, zu zivilisieren und ab dem 19. Jh. Schriftsteller und Dichter  (Fjodor Dostojewski, Alexei  Tolstoi, Alexander Puschkin, Alexander Solschenizyn) und Komponisten (Pjotr Tschaikowski, Michail Glinka, Alexander Borodin, Modest Mussorgski, Sergei Rachmaninow, Nikolai Rimski-Korsakow, Dmitri Schostakowitsch, Igor Strawinsky)  von internationalem Rang hervorzubringen. Die Kultur kann daher ohne Zweifel als europäisch eingeschätzt werden.

Dieser Beitrag ist weder diskriminierend noch diffamierend, noch rassistisch, sondern nach der Widerspiegelungstheorie des altgriechischen materialistischen Philosophen Demokrit eine wertende Wiedergabe der objektiven historischen Realität. Der Beitrag könnte dazu dienen, das nicht gerade hoch entwickelte  Grundverhaltensmuster der russischen „Elite“ seit der Zarenzeit besser zu verstehen.

2. Russen und das Erbe der mongolotatarischen „Goldenen Horde“

Der Begriff „Goldene Horde“ ist  inzwischen in der historischen Wissenschaft ein terminus scientificus (Fachbegriff), der von den unterworfenen Russen geprägt wurde,  um den großen Reichtum  der mongolotatarischen Eroberer zu zeigen. Das Wort “Horde” hatte nicht die heutige negative Bedeutung, denn  er stand vielmehr  für eine größere Militäreinheit  (mongolisch Ordon).  Die Mongolotataren benutzten ferner das Adjektiv „golden“ in einem ähnlichen Zusammenhang  (z.B.„Goldene Jurte“). Es gab ferner die „Blaue Horde“ und die „Weisse Horde“.

Es ist eine historische Wahrheit, dass die grausamen Mongolotataren die russische Mentalität negativ beeinflusst haben: a) der Zar als „Väterchen“ (Übersetzung des asiatischen Wortes Attila). Der spätere Zar hatte die gleichen Befugnisse wie der Khan der Mongolotataren.

b) Der Khan ernannte die Großfürsten, die genau und ständig kontrolliert wurden, ob sie die Steuern richtig eingetrieben haben. Wenn nicht, dann wurden sie hart bestraft. Sie wiederum wandten ähnlich brutale Methoden gegenüber ihren russischen Untertanen an.  Hierdurch ist eine ungebrochene Tradition der Gewalt und der Grausamkeit entstanden.

c) Die Gewalt und die Grausamkeit sind somit das wichtigste Mittel der Machterhaltung und Machtausübung gewesen (Khan, Zar, Iwan der Schreckliche, Lenin, Stalin, Putin). Vor der Herrschaft der Mongolotataren war es nicht so.

d) Ein weiteres Merkmal der Herrschaftsausübung war das Misstrauen (Khan, Zar, Iwan der Schreckliche, Stalin, Putin.).

e) Umfangreiche Bespitzelung im ganzen Herrschaftsbereich (Khan, Zar, Iwan der Schreckliche, Stalin, Putin).

Russland hatte das große historische Pech, nicht wesentliche Elemente der griechisch-römischen Kultur, der Grundlage des Westens, sondern die christlich geprägte mittelalterliche Kultur des byzantinischen Reiches (korrekter des Oströmischen Reiches, Imperium Romanum Orientalis) und vor allem den orthodoxen Glauben übernommen zu haben. Hierdurch ist ein Gesellschafts- und Menschenbild entstanden, das starke mittelalterliche Züge aufweist, wobei die Mystik und die Spiritualität als essenzielles Element der Orthodoxie eine große negative Rolle spielten und weiterhin spielen, obwohl mehrere Jahrzehnte ein atheistisches Regime herrschte. Es ist also kein Zufall, dass Putins (un)heilige Dreifaltigkeit wie folgt lautet: Imperium, Patriotismus, Orthodoxie. Das sind nicht gerade die richtigen Ideale eines Staates im 21. Jh.

Es entspricht ebenfalls der historischen Wahrheit, dass in Russland die Staatsgewalt spätestens seit der Zeit der „Goldenen Horde“in Form der Autokratie oder des Totalitarismus sich auf die Angst, die Einschüchterung, die Bespitzelung und die Gewalt stützt.

Dies ist die logische Konsequenz der Tatsache, dass Russland die italienische  Renaissance des altgriechischen Geistes, der Hauptgrundlage der westlichen Zivilisation, sowie insbesondere die europäische Aufklärung verpasst hat. Dieses Riesenland hat in seiner Geschichte damit eine ganze Etappe der europäischen Entwicklung, namentlich die bürgerliche, übersprungen. Das Jahrhunderte vorherrschende politische System ist daher nicht als europäisch, sondern eher als mittelasiatisch einzuschätzen. Lenin ist weitergegangen, als er meinte, dass Russland abseits der „Heerstrasse der Zivilisation“ liegt. Es kann daher geschlussfolgert werden, dass Russland sich hinichtlich des politischen Herrschaftssystems immer noch auf dem Weg nach Europa befindet.

Literatur

- G. R. Tsetskhladze, The Greek Colonisation of the Black Sea Area: Historical Interpretation of Archaeology, Montevideo 1998.

-M. Hildermeier, Geschichte Russlands, Vom Mittelalter bis zur Oktoberrevolution, München 2013.

-W. Duczko, Viking Rus, Studies on the Presence of Scandinavians in Eastern Europe, Koninklijke Brill NV, Leiden 2004.

-E. Hösch, Geschichte Rußlands vom Kiever Reich bis zum Zerfall des Sowjetimperiums, Stuttgart 1996.

-G. Schramm, Altrusslands Anfang, Freiburg 2002.

-S.Plokhy,The Origins of the Slavic Nations: Premodern Identities in Russia, Ukraine, and Belarus, Cambridge University Press 2006.

-L.Israelowitsch Albaum/ B. Brentjes, Herren der Steppe, Zur Geschichte und Kultur mittelasiatischer Völker in islamischer Zeit,  Berlin 1986.

-Ch. J. Halperin, Russia and the Golden Horde, The Mongol Impact on Medieval Russian History, Bloomington 1985.

-B. Spuler, Die Goldene Horde, Die Mongolen in Rußland 1223–1502, Wiesbaden 1965.

-A.P. Κashdan, Byzanz und seine Kultur (Übers. Aus dem Russischen), Berlin 1973.

-Κ.Σαββίδη, ΒΥΖΑΝΤΙΝΟ-ΡΩΣΣΙΚΑ- ΕΞΗΜΙΣΙ ΑΙΩΝΕΣ ΒΥΖΑΝΤΙΝΟ-ΡΩΣΙΚΩΝ ΣΧΕΣΕΩΝ, Θεσσαλονίκη 2018.

-A. Avenarius, Ο βυζαντινός πολιτισμός και οι Σλάβοι: το πρόβλημα της πρόσληψης και του μετασχηματισμού του Βυζαντινού πολιτισμού από τους σλαβικούς λαούς (από τον 6ο έως τον 12ο αιώνα), Αθήνα 2008.

-Σ. Ράμφος, Ο Καημός του Ενός, Κεφάλαια της ψυχικής ιστορίας των Ελλήνων, Αθήνα 2002.

 

 

 

 

Russland und Russen
Eine Analyse aus Sicht der Geschichte, der Politischen Theorie und der Ethnologie (Hintergründe)
1.Russland gehört zu jenen europäischen Ländern, die weder die Renaissance noch die Aufklärung (es gab nur Ansätze: Lomonosov), noch die bürgerliche Revolution, noch die Demokratie, noch den Rechtsstaat, noch das Individuum, noch den citoyen (Bürger), noch die bürgerlichen Freiheiten, noch die Menschenrechte, noch die Gewaltenteilung gekannt haben. Es gibt insbesondere keine demokratische Tradition und als Konsequenz auch kein entwickeltes und breit verbreitetes Demokratiebewusstsein.
Russland hat eine ganze Epoche der europäischen Geschichte übersprungen. Dieses historisch bedingte Zurückbleiben kann nicht nachgeholt werden. Somit gehört dieses Riesenland zivilisatorisch nur bedingt zu Europa. Man merkt es auf Schritt und Tritt. Hierdurch sind starke Minderwertigkeitskomplexe gegenüber dem weiter entwickelten Europa entstanden, die durch merkwürdige und fast lächerlich anmutende Selbstüberhöhungen kompensiert werden sollen. Russland bewundert und zugleich hasst den überlegenen Westen.
Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jh. haben russische Intellektuelle die Ratio (Vernunft) der europäischen Aufklärung schroff abgelehnt. Dabei führten sie folgende Hauptargumente ins Feld: a) Die westliche Denkart sei unterentwickelt (sic), weil sie sich ausschließlich auf die Ratio stützt und infolgedessen dem Menschen nicht helfen könne, den „richtigen Weg“ zu finden. Im Unterschied vom Westen würde sich die „russische Seele“ (sic) als eine mythische und mystische Erscheinung präsentieren. Sie betrachteten die rationalistische Klugheit als eine westliche “Krankheit“ und zwar als reine Klugheit ohne Weisheit und zugleich betonten sie die moralische Notwendigkeit, wie sie in den bekannten Romanen Dostojewskis verherrlicht wird wie z. B. „Eine Person kann weise sein, aber zum weisen Handeln reicht die Klugheit nicht aus .” Oder das Vielsagende, „Das für uns wahrhaftige ist für Europa fremd“! In Gesprächen mit Slawisten, Spezialisten für die russische Literatur, stellte ich mit Entsetzen fest, dass sie die Meinung Tolstois oder Dostojewskis als absolute und ewigeWahrheiten betrachten und nicht auf die Idee kommen, dass diese in der Tat Giganten der Weltliteratur in Kategorien der vorbürgerlichen, d.h., einer rückständigen Zeit, dachten.
Die Gegner des Westens wurden als „Slawophile“ (Freund der Slawen) genannt, zu denen auch Petro Kirijewski gehörte, der auf den großen Unterschied zwischen dem westlichen und dem „russischen Geist“ folgendermaßen hinwies: Der westliche Geist führe zum Individualismus (Verwechslung der Individualität mit dem Individualismus) und hilft dem Menschen nicht dazu, die Welt in ihrer Gesamtheit zu verstehen, während der „russische Geist“ (sic) , gestützt auf den christlichen Glauben in der Lage sei, das Wesen der Dinge in ihrer Gesamtheit zu erfassen! Der Patriach Kyrill hat all dies auf die Spitze getrieben und den Westen als völlig verdorben, fast als Sodom und Comorra beschimpft. Vor einigen Tagen sagte ferner Putin, Russland sei das wahre Bollwerk der europäischen Zivilisation. Putin hat Vieles verwechselt z.B. die Moderne mit dem MIttelalter, denn er weiß nicht, wovon er spricht.
Es fällt auf, dass solche Auffassungen eher der vorkapitalistischen Zeit entsprachen und eigentlich die russische Realität fast getreu widerspiegelten. Ihre Rückständigkeit ist durch nichts zu überbieten.
Das Unfassbare ist, dass derartige Ansichten in Russland in erster Linie von Theologen aber auch von Politikwissenschaftlern und einigen Philosophen vertreten werden. Es sei in erster Linie Alexander Geljewitsch – Dugin erwähnt, der im Allgemeinen als einfußreicher Berater führender Politiker, einige meinen, er sei Berater auch Putins, gilt. Seine Kernthesen sind die folgenden: a) Die Werte des Westens wie Demokratie, Parlamentarismus, Freiheiten, Menschenrechte etc. seien nicht universell. b) Die “russische Zivilisation“ sei vom orthodoxen Christentum geprägt. c) Die russische Zivilisation“ sei der westlichen Zivilisation überlegen. d) Infolgedessen Russland benötige nicht die westlichen Werte. e) Es sei notwendig, ein sacrales Großreich unter der Führung Russlands in Eurasien, d.h., von Lissabon bis Wladiwostok (sic) zu schaffen.
2. Russland hatte das große historische Pech, nicht wesentliche Elemente der griechisch-römischen Kultur, sondern die christlich geprägte Kultur des byzantinischen Reiches (korrekter des Oströmischen Reiches) und vor allem den Orthodoxen Glauben übernommen zu haben. Hierdurch ist ein Gesellschafts- und Menschenbild entstanden, das starke mittelalterliche Züge aufweist, wobei die Mystik als essenzielles Element der Orthodoxie eine große Rolle spielte und weiterhin spielt, obwohl mehrere Jahrzehnte ein atheistisches Regime herrschte.Es ist also kein Zufall, dass Putins (un)heilige Dreifaltigkeit wie folgt lautet: Imperium, Patriotismus, Orthodoxie. Das sind nicht gerade die richtigen Ideale eines Staates im 21.Jh.
3. Die wesentlichen Elemente dieses Gesellschafts- und Menschenbildes sind die folgenden: Jahrhundertelang konnte kein Individuum geformt werden, vielmehr war und ist der Mensch Einer in der Masse. Somit fehlen die wesentlichen Eigenschaften des Individuums wie z.B. die Autonomie (Selbstbestimmung), die Eigenverantwortung und der Entscheidungswille. Der Einzelne hat sich daran gewöhnt, dass andere, z. B. vor der Oktoberrevolution das “Väterchen Zar” oder die Regierung alles für ihn regeln. En passant sei auch der kommunistische Totalitarismus erwähnt, der das freie Individuum ohnehin strikt abgelehnt hat.
4. Weil das Individuum fehlt, konnte und kann sich kein moderner Bürger herausbilden, der normalerweise von der Wechselbeziehung von Rechten und Pflichten ausgeht. Aber gerade dies ist die conditio sine qua non für die Existenz eines Staatsbewusstseins. Jedoch als Kompensation für das fehlende Staatsbewusstsein ist speziell unter Putin zielgerichtet ein überdurchschnittlich starkes, fast krankhaftes Nationalbewusstsein im Sinne des Panrussismus geschaffen worden.
Somit gab es und weiterhin gibt es immer ideale Voraussetzungen für absolutistische, autoritäre und sogar totalitäre Regime. Daher ist es kein Wunder, dass Putin beim russischen Volk offenkundig beliebt ist. Dem Wesen nach ist Putin das neue „Väterchen Zar”. Es kann somit konstatiert werden, dass Putin für Russland der richtige führende Politiker ist. Er entspricht vollauf dem russischen Volk. Dieses Volk, abgesehen von dem Bildungsbürgertum in den Großstädten, kann tatsächlich mit der Demokratie nicht viel anfangen, denn sie ist für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Bis auf Weiteres wird Russland daher von autoritären Herrschern regiert werden.
Aus:Panos Terz, Völkerrecht und Internationale Βeziehungen, ISBN: 978-620-0-44645-9, 2020.
-M. Alexander, G. Stökl, Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 2009.
-A.P. Κashdan, Byzanz und seine Kultur (Übers. Aus dem Russischen, Moskau 1968), Berlin 1973.

-G.A. Fedorow- Dawydow, Die Goldene Horde und ihre Vorgänger (Übers. aus dem Russischen, Moskau 1968),Leipzig 1972.

-B. Spuler, Die Goldene Horde, Die Mongolen in Rußland, 1223 bis 1502, Leipzig 1943.

-D. Groh, Rußland und das Selbstverständnis Europas, Ein Beitrag zur
europäischen Geistesgeschichte, Neuwied 1961.
-A. Jakowlew, Ein Jahrhundert der Gewalt in Sowjetrussland, Berlin 2006.
-A. Politkowskaja, In Putins Russland, Köln 2005.
-A. Soldatow, I. Borogan,  The New Nobility, The Restoration of Russia’s Security State and the Enduring Legacy of the KGB, New York 2010.
-A. Dugin, Eurasische Mission, Geopolitischer Hintergrund zum Ukraine-Konflikt – Eine Einführung in den Neo-Eurasianismus, Bad Schmiedeberg  2022.
-Ch. J. Halperin, Russia and the Golden Horde, The Mongol Impact on Medieval Russian History, Bloomington 1985.
-G. Atai, die Wahrheit ist der Feind: Warum Russland so anders ist,2019   Hamburg.
-Panos Terz, Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος: Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Band 2) Δεύτερος Τόμος, ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020 (hier sehr ausführlich). Prof.i.R., Dr.,Dr.sc.,Dr.habil.

Die Zeit (7.12.18, 11.3.20, 17.12.21), Münchner Merkur (8.12.18), Neue Zürcher Zeitung (4.1.19, 16.4.19,21.4.22, 5.5.22), Der Tagesspiegel  (14.1.19), Münchner Merkur, Wiener Zeitung (11.3.20,23.3.22, 14.10.22), Süddeutsche Zeitung (3.7.20, 5.3.22), Stern (3.7.20), Neue Zürcher Zeitung (4.7.20), taz (22.6.22), Berliner Zeitung (24.6.22, 5.7.22, 21.7.22,10.8.22), Focus (14.10.22), FAZ (26.4.23)

 

 

 

Medwedew

Ο Μεντβέντεφ, νυν αντιπρόεδρος του ρωσικού Συμβουλίου Ασφαλείας, επεσήμανε ότι οι Ρώσοι και οι Ουκρανοί είναι ένα έθνος και ότι «πρέπει να πέσει» η ουκρανική κυβέρνηση, την οποία η Μόσχα αποκαλεί «το καθεστώς του Κιέβου».

Απειλές για πυρηνικό πόλεμο

Την Κυριακή, ο Μεντβέντεφ είχε εκτοξεύσει νέες απειλές κατά της Δύσης για ολοκληρωτικό πυρηνικό πόλεμο. Είχε επαναλάβει τη γνωστή του θέση ότι «οι πυρηνικές δυνάμεις δεν χάνουν ποτέ ένα πόλεμο» εφόσον υπερασπίζονται την πατρίδα τους.

Είπε επιπλέον ότι η επιστροφή της Ουκρανίας στα παλιά της σύνορα θα έρχονταν σε αντίθεση με το ρωσικό Σύνταγμα, καθώς τα κατακτημένα από τη Ρωσία εδάφη στην ανατολική Ουκρανία και την Κριμαία έχουν προσαρτηθεί.

«Πιστεύουν πραγματικά αυτοί οι ηλίθιοι (στη Δύση) ότι ο ρωσικός λαός θα δεχόταν έναν τέτοιο κατακερματισμό της χώρας του;» διερωτήθηκε και πρόσθεσε ότι αντίθετα, οι ρωσικές ένοπλες δυνάμεις θα ανέπτυσσαν ολόκληρο το οπλοστάσιό τους και θα εξαπέλυαν επιθέσεις στην Ουάσιγκτον, το Βερολίνο ή το Λονδίνο εκτός από το Κίεβο.

Nαυτεμπορική (22.2.24)

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Dmitri Medwedew ✔ Sunak, Scholz, Macron, norwegische, finnische, polnische und andere Führungspersönlichkeiten aus NATO-Ländern sagen: „Wir müssen auf einen Krieg mit Russland vorbereitet sein.“ Und obwohl Russland wiederholt davon gesprochen hat, dass es keine Pläne für einen Konflikt mit NATO- und EU-Ländern gibt, wird zu diesem Thema weiterhin äußerst gefährlich geredet. Die Gründe liegen auf der Hand. Es ist notwendig, die Aufmerksamkeit der Wähler abzulenken, um milliardenschwere Ausgaben für Banderas hasserfüllte „Ukraine“ zu rechtfertigen. Schließlich werden riesige Summen nicht für die Lösung sozialer Probleme in diesen Staaten ausgegeben, sondern für einen Krieg in einem sterbenden, den Steuerzahlern fremden Land, dessen Bevölkerung quer durch Europa geflohen ist und die Anwohner terrorisiert. Deshalb verkünden die Staats- und Regierungschefs dieser Länder jeden Tag: Wir müssen uns auf den Krieg mit Russland vorbereiten und der Ukraine weiterhin helfen, und deshalb müssen wir mehr Panzer, Granaten, Drohnen und andere Waffen produzieren. Aber alle europäischen Staats- und Regierungschefs belügen ihre Bürger zynisch. Wenn es, Gott behüte, zu einem solchen Krieg kommt, wird er nicht nach dem SVO-Szenario verlaufen. Es wird nicht in den Schützengräben mit Artillerie, gepanzerten Fahrzeugen, Drohnen und elektronischer Kriegsausrüstung durchgeführt. Die NATO ist ein riesiger Militärblock, die Bevölkerung der Bündnisländer beträgt fast eine Milliarde Menschen und ihr gesamtes Militärbudget kann eineinhalb Billionen Dollar erreichen. Aufgrund der Unvergleichbarkeit unserer militärischen Potenziale werden wir daher einfach keine Wahl haben. Die Antwort wird asymmetrisch sein. Zum Schutz der territorialen Integrität unseres Landes werden ballistische Raketen und Marschflugkörper mit speziellen Sprengköpfen eingesetzt. Dies basiert auf unseren doktrinären Militärdokumenten und ist jedem bekannt. Und das ist die sehr berüchtigte Apokalypse. Das Ende von allem. Deshalb sollten westliche Politiker ihren Wählern die bittere Wahrheit sagen und sie nicht als hirnlose Idioten behandeln. Erklären Sie ihnen, was wirklich passieren wird, und wiederholen Sie nicht das falsche Mantra von der Kriegsbereitschaft mit Russland. t.me/medvedev_telegram/443 1,0 Mio. Aufrufe bearbeitet 7. Februar um 10:06 Uhr

Απειλές Μεντβέντεφ για πυρηνική Αποκάλυψη: Δεν θα επιτεθούμε στο ΝΑΤΟ, αλλά όταν επιτεθούμε, θα είναι το τέλος των πάντων

 ”Βαλλιστικοί πύραυλοι και πύραυλοι κρουζ με ειδικές κεφαλές θα χρησιμοποιηθούν για την προστασία της εδαφικής ακεραιότητας της χώρας μας”

Νέες ευθείες απειλές για πυρηνική Αποκάλυψη στα κράτη του ΝΑΤΟ εξαπολύει ο αντιπρόεδρος του Ρωσικού Συμβουλίου Ασφαλείας Ντμίτρι Μεντβέντεφ σε ανάρτησή του στο

Telegram.

«Βαλλιστικοί πύραυλοι και πύραυλοι κρουζ με ειδικές κεφαλές θα χρησιμοποιηθούν για την προστασία της εδαφικής ακεραιότητας της χώρας μας. Αυτό βασίζεται στα δογματικά (σ.σ στρατιωτικό δόγμα) στρατιωτικά μας έγγραφα και είναι πολύ γνωστό σε όλους. Και αυτή είναι η περιβόητη Αποκάλυψη. Το τέλος των πάντων» αναφέρει χαρακτηριστικά o τέως πρόεδρος και πρωθυπουργός της Ρωσίας.

Ακολουθεί ολόκληρη η ανάρτησή του στο Telegram:

«Ο Σουνάκ, ο Σολτς, ο Μακρόν, οι Νορβηγοί, οι Φινλανδοί, οι Πολωνοί και άλλα αφεντικά του ΝΑΤΟ συνεχίζουν να λένε ότι «πρέπει να είμαστε έτοιμοι για πόλεμο με τη Ρωσία.Και παρόλο που η Ρωσία έχει επανειλημμένα πει ότι δεν έχει σχέδια για σύγκρουση με χώρες του ΝΑΤΟ και της ΕΕ, η εξαιρετικά επικίνδυνη φλυαρία για αυτό το θέμα συνεχίζεται. Οι λόγοι είναι προφανείς. Είναι απαραίτητο να αποσπαστεί η προσοχή των ψηφοφόρων για να δικαιολογηθούν δαπάνες πολλών δισεκατομμυρίων δολαρίων για την άθλια μπαντεριτική ‘’Ουκρανία’’. Εξάλλου, τα τεράστια χρήματα δεν δαπανώνται για την επίλυση κοινωνικών προβλημάτων σε αυτές τις χώρες, αλλά για τον πόλεμο σε μια ετοιμοθάνατη χώρα που είναι ξένη στους φορολογούμενους, της οποίας ο πληθυσμός έχει διασκορπιστεί σε όλη την Ευρώπη και τρομοκρατεί τους ντόπιους. Γι’ αυτό κάθε μέρα οι ηγέτες αυτών των χωρών λένε: πρέπει να προετοιμαστούμε για πόλεμο με τη Ρωσία και να συνεχίσουμε να βοηθάμε την Ουκρανία, και ως εκ τούτου πρέπει να παράγουμε περισσότερα τανκς, οβίδες, drones και άλλα όπλα.

Αλλά όλοι οι Ευρωπαίοι ηγέτες λένε κυνικά ψέματα στους πολίτες τους. Αν, Θεός φυλάξοι, γίνει τέτοιος πόλεμος, δεν θα ακολουθήσει το σενάριο της ‘’ειδικής στρατιωτικής επιχείρησης’’ (πόλεμος στην Ουκρανία) Δεν θα πολεμηθεί σε χαρακώματα με πυροβολικό, τεθωρακισμένα οχήματα, drones και ηλεκτρονικό πόλεμο.Το ΝΑΤΟ είναι ένα τεράστιο στρατιωτικό μπλοκ, ο πληθυσμός των χωρών της Συμμαχίας είναι σχεδόν 1 δισεκατομμύριο άνθρωποι και ο συνδυασμένος στρατιωτικός προϋπολογισμός τους μπορεί να φτάσει το ενάμισι τρισεκατομμύριο δολάρια.

Επομένως, λόγω του ασύγκριτου των στρατιωτικών μας δυνατοτήτων, δεν θα έχουμε άλλη επιλογή. Η απάντηση θα είναι ασύμμετρη. Βαλλιστικοί πύραυλοι και πύραυλοι κρουζ με ειδικές κεφαλές θα χρησιμοποιηθούν για την προστασία της εδαφικής ακεραιότητας της χώρας μας. Αυτό βασίζεται στα δογματικά (σ.σ στρατιωτικό δόγμα) στρατιωτικά μας έγγραφα και είναι πολύ γνωστό σε όλους. Και αυτή είναι η περιβόητη Αποκάλυψη. Το τέλος των πάντων.Γι’ αυτό οι δυτικοί πολιτικοί πρέπει να πουν στους ψηφοφόρους τους την πικρή αλήθεια, όχι να τους κρατούν ως ανεγκέφαλους ηλίθιους. Εξηγήστε τους τι πραγματικά θα συμβεί αντί να επαναλάβετε το ψεύτικο μάντρα της ετοιμότητας για πόλεμο με τη Ρωσία».Σκαι (7.2.24)

Сунак, Шольц, Макрон, норвежские, финские, польские и прочие начальники из натовских стран талдычат, что «мы должны быть готовы к войне с Россией».
И хотя Россия многократно говорила об отсутствии планов конфликта со странами НАТО и ЕС, крайне опасная болтовня на эту тему продолжается. Причины очевидны. Нужно отвлечь внимание избирателей, чтобы оправдать многомиллиардные траты на опостылевшую бандеровскую «Украину». Ведь гигантские деньги идут не на решение социальных задач в этих государствах, а на войну в чужой для налогоплательщиков умирающей стране, население которой разбежалось по Европе и терроризирует местных жителей. Поэтому каждый день руководители этих стран вещают: нужно готовиться к войне с Россией и продолжать помогать Украине, а потому – нужно выпускать больше танков, снарядов, беспилотников и другого оружия.Но все европейские начальники цинично лгут своим гражданам. Если, не дай Бог, такая война случится, то она не пойдёт по сценарию СВО. Она не будет вестись в окопах с применением артиллерии, бронетехники, дронов и средств РЭБ.НАТО – огромный военный блок, население стран Альянса – почти 1 миллиард человек, а их совокупный военный бюджет может достигать полутора триллионов долларов.

Поэтому, ввиду несопоставимости наших военных потенциалов, у нас просто не останется выбора. Ответ будет асимметричным. Для защиты территориальной целостности нашей страны будут использованы баллистические и крылатые ракеты со специальными боеголовками. Это основано на наших доктринальных военных документах и хорошо известно всем. И это и есть тот самый пресловутый Апокалипсис. Конец всему.

Поэтому западные политики должны говорить своим избирателям горькую правду, а не держать их за безмозглых идиотов. Объяснять им, что реально случится, а не повторять лживую мантру о готовности к войне с Россией.

1.0M viewsedited

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Medwedew

ist die Inkarnation vom historisch überholten Panrussismus, von einem infantilen Ultranationalismus, von verabscheuungswürdiger und brandgefährlicher Imperialparanoia und von unglaublicher politischer Rückständigkeit. Ferner kann er als ein Politiker mäßiger Intelligenz (große Denkdefizite) und Bildung (Niveau eines Gymnasiasten) eingeschätzt werden. Er versucht auf Biegen und Brechen, sich in Position zu bringen, um unbedingt Nachfolger Putins zu werden. Er macht offensichtlich die Rechnung ohne den Wirt (FSB). Eher ist damit zu rechnen, dass direkt oder indirekt ein Mann der russischen Stasi Putins Nachfolger wird, denn der FSB hält das Land fest in seinen Krallen.
Medwedew ist das typische Produkt eines Landes, das eine ganze Etappe der Entwicklung (Aufklärung, bürgerliche Revolution, bürgerlicher Staat, echte Gewaltenteilung, bürgerliche Freiheiten, Individualmenschenrechte) übersprungen hat (vom Feudalabsolutismus zum Stalinismus – „Kommunismus“-). Jetzt herrscht der Putinismus.

BZ (3.8.22, 29.12.22)

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Medwedew über den Westen

Im Juni erklärte er seine Hasstiraden mit den folgenden Worten: “Ich werde oft gefragt, warum meine Telegram-Posts so hart sind. Ich antworte: Ich hasse sie. Sie sind Bastarde und Abschaum. Sie wollen unseren Tod, den Tod Russlands. Und solange ich am Leben bin, werde ich alles tun, damit sie verschwinden.” Gemeint sind die westliche Welt und ihre Vertreter.

Nicht besonders weitsichtig in Richtung Kasachstan zeigte sich Medwedew auch in einem weiterenseiner bizarren Statements in seinen sozialen Netzwerken. Kasachstan sei ein “künstlicher Staat” und “ehemaliges russisches Gebiet”, schrieb Medwedew. In dem skandalösen Post beschuldigte er die kasachischen Behörden des “Völkermords an Russen” und versprach, die “verlorenen Gebiete” wiederzuerlangen. Neben Kasachstan gelte das auch für Georgien. Stern (10.8.22

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Medwedew-Homo sovieticus primitivus

Ich verfolge seit Langem schon aus ethnopsychologischem Interesse die zahlreichen explosionsartigen und äußerst primitiven Hasstiraden des berüchtigten Medwedew.

1. Sie sind Ausdruck zunehmender Schwäche und eines dahinschmelzenden Selbstbewusstseins.

2. Sie drücken ferner ein infantiles Denken aus nach dem Motto “Du, weiß den , wie stark ich bin” (es folgt eine ausführliche Aufzählung der imaginären “starken” Seiten) ? “Ich könnte, diesund jenes gegen Dich in Gang setzen”.

3. Es wird bestätigt, wie niedrig das Bildungs- und Kulturniveau der russischen “Elite”unter Putin ist. Kein führender Politiker in einigermaßen funktionierenden Staat weist ein derart plumpes, primitives und fast paranoides Grundverhaltensmuster auf. Nur mit den seligen Saddam Hussein und Gaddafi kann man diesen Vertreter immerhin einer gefährlichen Atom-Macht vergleichen.

4. Die Intensität und Häufigkeit der Hasstiraden könnte auch als eine krampfhafte Profilierung bzw. Vorbereitung darauf, Putins Nachfolger zu werden. Ihm fehlen allerdings die hierfür wesentlichen Voraussetzungen, wie eine breite Parteibasis und die Omnipotenz und Omnipräsenz des KGB/FSB. Nach Putin wird ohnehin das in Russland wegen des Fehlens demokratischer Strukturen Stechen und Hauen ausbrechen. Dabei wird der KGB /FSB ihn verdrängen bzw. brutal beseitigen (Z.B. “Fenstersturz”, Vergiftung etc.).

5. Putin hat systematisch das politisch ohnehin komplett rückständige Russland in einen KGB/FSB-Staat verwandelt. Hieraus folgt, dass nur ein Geheimdienst Grande Putin nachfolgen wird, was entsprechend der berüchtigten russischen Tradition (“russische Seele”) ein polychromes (mongolotatarisches, zaristisches, sowjetisches und nicht zuletzt putinsches) “Väterchen” ganz normal wäre. Berliner Zeitung (2.5.23)

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Russland, Zivilisation

Ohne Übertreibung: Russland ist ein Land des Rechts-Nihilismus. Leider (…) kann sich kein anderes europäisches Land mit einem solchen Ausmaß von Rechts-Missachtung rühmen. […] Heute ist dieser ‚Geist‘ der Missachtung des Rechts überall. […] Und schließlich offenbart er sich in schwerer wiegenden Vergehen – in Verbrechen, die leider in großer Anzahl begangen werden, einschließlich Korruption in der Regierung, Korruption, die heutzutage in enormem Ausmaß auftritt und deren Bekämpfung zu einem nationalen Programm werden muss. Wir müssen klar verstehen: wenn wir ein zivilisierter Staat werden wollen, müssen wir zuerst ein Rechtsstaat werden.“ – Medwedew: Rede vor dem Allrussischen Bürgerforum am 22. Januar 2008

-Ο πρώην πρόεδρος της Ρωσίας δημοσιοποίησε μάλιστα το σχετικό στιγμιότυπο, την ώρα που υπενθύμιζε στους συμμετέχοντες τα λόγια του Στάλιν: “Εάν σε λίγες ημέρες αποδειχθεί ότι παραβήκατε το καθήκον σας προς την πατρίδα, θα σας συντρίψω ως εγκληματίες”, διάβασε ο Μεντβέντεφ. “Είναι απαράδεκτο τα στρατεύματά μας να υποφέρουν στο μέτωπο λόγω της έλλειψης αρμάτων μάχης, ενώ εσείς εδώ πίσω τεμπελιάζετε”, έγραφε μεταξύ άλλων ο Στάλιν στο τελεσίγραφο που είχε στείλει το 1941 στους επικεφαλής στρατιωτικής βιομηχανίας, απαιτώντας περισσότερα πυρομαχικά για τα σοβιετικά τανκ.

“Σύντροφοι, θέλω να θυμηθείτε τα λόγια του αρχιστράτηγου”, είπε ο Μεντβέντεφ στους ηγέτες της ρωσικής αμυντικής βιομηχανίας. Cap.gr.,25.3.23

-αντιπρόεδρος του ρωσικού Συμβουλίου Ασφαλείας Ντμίτρι Μεντβέντεφ απείλησε την Τρίτη τις χώρες- μέλη του ΝΑΤΟ όχι μόνο με… (πυρηνική) Αποκάλυψη, αλλά και με αποφθέγματα του Λένιν και του Χρουστσόφ.

Ακολουθεί η ανάρτησή του στο Telegram:

«Οι Ουκρανοί εγκληματίες ανακοίνωσαν ότι εγκρίθηκαν τυχόν χτυπήματα εναντίον οποιουδήποτε ρωσικού στόχου, για παράδειγμα στην Κριμαία».

«Εάν είναι αλήθεια (και δεν υπάρχει λόγος να αμφιβάλλουμε τώρα), είναι άμεση νομικά σημαντική απόδειξη της συνενοχής της Δύσης στον πόλεμο κατά της Ρωσίας στο πλευρό του κράτους του Στέπαν Μπαντέρα. Ένα εκλεπτυσμένο casus belli, και για τη Ρωσία μια ευκαιρία να ενεργήσει υπό jus ad bellum (σ.σ συνθήκες υπό τις οποίες τα κράτη μπορούν να καταφύγουν σε πόλεμο ή στη χρήση ένοπλης δύναμης) εναντίον οποιουδήποτε και οποιωνδήποτε στις χώρες του ΝΑΤΟ».

Δυστυχώς, αλίμονο. Οι προβλέψεις της Αποκάλυψης πλησιάζουν.

«Οι άνθρωποι θα αναζητήσουν το θάνατο κατά τις ημέρες εκείνες, αλλά δεν θα τον βρουν• θα θέλουν να πεθάνουν, αλλά ο θάνατος θα φεύγει από αυτούς» (Αποκάλυψη. 9:6).

«Μας θυμούνται όσο ενοχλούμε τους άλλους (Β.Ι. Λένιν).»

«Είτε το θέλετε είτε όχι, η ιστορία είναι με το μέρος μας. Θα σας θάψουμε» (Ν.Σ. Χρουστσόφ).» Σκαί ( 29.8.23)

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Byzanz zwischen dem antiken griechischen Geist und der europäischen Renaissance

Byzanz zwischen dem antiken griechischen Geist und der europäischen Renaissance (Die vorliegende Studie ist eine symbolische Hommage an den größten Weisen aus dem Pontos (Kardinal der römisch-katholischen Kirche und lateinischer Patriarch von Konstantinopel, Philosoph, Theologe, Gelehrter, Humanist und Großer Förderer der Renaissance ), den genialen Trapezuntier Wasilios Wissarion (Βασίλειος  Βησσαρίων),

Gliederung

1.Terminologie, 2.Bestandteile des Imperium Romanum Oientalis, 3. Kultur von Byzanz, 4. Patriarch Photius und Michael Psellos, 5. Kritik, Zweifel, 6. Errungenschaften der Theologie, 7. Wissenschaft und Bildung, 8. Das antike griechische Erbe, 9. Probleme, Mangel an Kreativität, 10. Byzanz als kultureller Erbe der antiken griechischen Zivilisation, 11. Byzanz als Vermittler zwischen der Antike und dem Westen

1. Terminologie

Der offizielle Name des Reiches war Imperium Romanum Orientalis (Ost-Römisches Reich), aber nach dem 7. Jahrhundert wurde die Bezeichnung „Imperium der Römer“ eingeführt sie und blieb bis 1453 bestehen. Die kaiserliche Amtssprache war Latein, wurde aber zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert durch die überlegene griechische Sprache ersetzt, die ohnehin von den Gebildeten im ganzen Reich verwendet wurde, und die zweifellos ebenso haushoch überlegene griechische Kultur setzte sich durch, während im Westen das Lateinische die zahlreichen Sprachen der eroberten Völker verdrängen konnte. Mit anderen Worten, im Osten fanden die römischen Eroberer buchstäblich ihren Lehrmeister. Der große Politiker und Redner Cicero, als ob er auch dies vorausgesehen hätte, sagte (Zitat aus dem Gedächtnis: Wir haben Graecia militärisch besiegt, aber sie hat uns kulturell besiegt!). Die herrschende Klasse bestand vor allem aus Römern mit lateinischen Namen mit dem üblichen Suffix -us, das durch das griechische Suffix -os ersetzt wurde (z.B. Mutation von Constantius oder Constantinus zu Constantinos, was einfach Eustratios bedeutet, Iustinianus zu Justinianos, Paulus zu Pavlos etc.). Der Kaiser und angebliche “Heilige” Constantinus war also ein echter Romanus (Römer) und kein Grieche. Der Begriff Byzantinisches Reich wurde erst im 19. Jahrhundert von europäischen Historikern eingeführt, aber bereits im 16. Jahrhundert haben europäische Humanisten (griechische und lateinische Philologen) den Begriff Byzanz verwendet.

2. Bestandteile des Imperium Romanum

Die folgenden Bestandteile des Imperium Romanum Orientalis unterschieden es grundlegend vom Imperium Romanum Occidentalis (Westlich: ): Antike griechische Zivilisation, hellenische Zivilisation, römisches Recht, einige Errungenschaften der östlichen Zivilisationen, insbesondere der persischen (einschließlich Kleidungsinnovationen: Roben für alle, z.B. auch für Bischöfe, Kopfbedeckungen usw., die immer noch in Mode sind). Unter dem großen Einfluss des Christentums als einer gut organisierten imperialen Religion wurde eine interessante Synthese aus den oben genannten Elementen hergestellt, die den Grundstein für das 1000 Jahre andauerndes Imperium legte! Dies ist an sich schon eine enorme historische Leistung. Auf kulturellem Gebiet wurde der griechische Einfluss allmählich und systematisch verstärkt, während sich parallel dazu die christliche Religion durchzusetzen begann. Gleichzeitig hat sich Byzanz auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet zu einem neuen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem entwickelt, das sich weit vom ursprünglichen Imperium Romanum entfernt hat, von dem nur noch Namen und einige Traditionen in der Armee, der Verwaltung und natürlich im gesamten Rechtssystem übrig geblieben sind.

3. Kultur von Byzanz

Sein hochentwickeltes Wirtschafts- und Finanzsystem, seine Vormachtstellung im internationalen Handel, sein überentwickeltes Rechtssystem, seine in jeder Hinsicht überlegene Kriegskunst, seine perfekt ausgebildeten kaiserlichen Beamten, seine verfeinerte Kultur und seine allgemein überlegene soziale Fürsorge haben Byzanz eine internationale Vormachtstellung verschafft. In der Tat war Byzanz in militärischer, kultureller, wissenschaftlicher und diplomatischer Hinsicht eine Supermacht. Die byzantinische Zivilisation erreichte einen solchen Glanz, dass andere europäische Nationen sie bewunderten und daher Byzanz als das “Versailles des Mittelalters” betrachteten. Besonders in der Zeit zwischen 850 und 1000 hat Byzanz in der islamischen, slawischen und westlichen Welt so stark geglänzt, dass andere Völker und andere Reiche seine Kultur bewunderten und nachahmten, ohne jedoch sein Niveau zu erreichen. Dennoch finden wir in der Kulturgeschichte von Byzanz keine immer erfolgreiche Kontinuität. Die meisten Historiker bezeichnen die Zeit zwischen 650 und dem 8. Jh. wie auch das Mittelalter in West-Europa als “dunkel”, dennoch dennoch gab es dort beachtliche Entwicklungen, wie der Aufstieg des Bürgers in den Städten als Zeichen radikaler sozialer Veränderungen, die relative Autonomie des Bürgers gegenüber der Obrigkeit, vor allem der Kirche, und, besonders wichtig, die Ausrichtung des menschlichen Denkens auf irdische Probleme. Aber die Befürworter des europäischen Rinascimento (Renaissance) wollten die neue Ära sicherlich dadurch kennzeichnen, dass sie das gesamte Mittelalter verächtlich als “dunkles Zeitalter” bewerteten, was, wie bereits in den 80er Jahren von Fachleuten nachgewiesen wurde, eine große Übertreibung und damit eine falsche Wahrnehmung war. Die Humanisten begingen den gleichen Fehler, indem sie das gesamte Mittelalter als völlig rückständig verdammten und verachteten.Die oben genannten Merkmale des europäischen Mittelalters konnten in Byzanz zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert vor allem wegen der ununterbrochenen Kriege nicht auftreten. Im 9. Jh begann eine systematische Beschäftigung mit der antiken griechischen Kultur. Dieses Phänomen kann allgemein als eine Art “Renaissance” und “Humanismus” in Byzanz bezeichnet werden. Zwei herausragende Persönlichkeiten, nämlich der Patriarch Φώτιος und Michael Psellos (Ψελλός), taten sich dabei besonders hervor. Wir werden sie ausführlich erwähnen, denn sie sind unsere eigenen geistigen

4. Patriarch Photios und Michael Pellos

Unter den Byzantinologen besteht ein internationaler Konsens darüber, dass Patriarch Photios der größte Lehrer und der größte Weise des 9. Jahrhunderts, der bedeutendste Geist, der prominenteste Politiker und der begabteste Diplomat war. Er entschied, dass die Brüder Kyrill (Κύριλλος) und Methodiοs (Μεθόδιος) zu den Slawen geschickt werden sollten, um sie vermittels der christlichen Religion und Schrift zu zivilisieren. Er begründete auch die Theorie der zwei Gewalten (Kaiser und Patriarch als gleichberechtigte Gewalten). Er hat durch die “Bibliothek” (“Myriovivlos”) mit großen Studien und mit seinen eigenen Kommentaren zu 386 Werken der antiken griechischen sowie des byzantinischen Schrifttums erheblich zur Erschließung des Erbes beigetragen. Michael Psellos war der größte Enzyklopädist in der gesamten tausendjährigen Geschichte von Byzanz. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften in den Bereichen Philosophie, Geschichte, Rhetorik, Recht und Naturwissenschaften. Überdies hat er 500 Briefe geschrieben. Er war ein hervorragender Kenner des antiken geistigen Erbes. Internationale Byzantinologen heben seine seltene Fähigkeit hervor, historische Persönlichkeiten komplex und vielschichtig zu untersuchen und dabei ihre psychologischen Widersprüche aufzuzeigen. Die offizielle große deutsche Enzyklopädie Brockhaus schreibt über den großen Psellos folgendes sehr Beeindruckendes: “So kann Psellos als Vorläufer der Renaissance-Gelehrten gesehen werden” (Kunst und Kultur, Bd. 3, S. 668 ). Meiner bescheidenen Meinung nach gibt es keine größere Anerkennung für den brillanten Psellos.

5. Kritik, Zweifel

Um den Unterschied zwischen Byzanz und dem Westen besser verstehen zu können, ist die Kenntnis der geistlichen Traditionen der Orthodoxie und des römischen Katholizismus notwendig. Während z. B. die westliche Kirche auf den Ergebnissen des römischen Rechtsdenkens beruht, ist die Grundlage der Ostkirche der antike griechische Idealismus, insbesondere der Platonismus. Aus diesem grundlegenden Unterschied leiten sich die völlig unterschiedlichen Fragestellungen ab, die im Mittelpunkt der jeweiligen Betrachtung und Auseinandersetzung stehen. So hat sich die westliche Theologie vor allem mit Fragen moralischer Natur befasst, während die byzantinische Theologie im 9. Jahrhundert vor allem das Wesen der Heiligen Dreifaltigkeit und das Wesen Jesu Christi zum Hauptthema machte. Aus Platzgründen ist es nicht möglich, speziell auf die Frage des filioque einzugehen (nach katholischer Theologie ist nicht nur Gott der Vater die Quelle des Heiligen Geistes, sondern auch der Sohn Jesus Christus).Obwohl die Deutung des dreifaltigen Gottes bekannt ist, ist es nicht möglich, sie logisch und verständlich zu machen, wenn man nicht blind und unreflektiert an alle christlichen glaubt. Der oben erwähnte weise Psellos ging nicht diesen formalen Weg, sondern respektierte den Verstand, untersuchte die Dinge und war bestrebt, zum Wesen, zum punctum quaestionis der Phänomene vorzudringen. Er vertrat auch die Meinung, dass etwas, das der Natur widerspricht, keinen Platz in ihr hat. Es ist sehr interessant festzustellen, dass Psellos, wie der westliche Philosoph und Humanist Petrus Abaelard (11./12. Jh.) und der führende persische Philosoph al Farabi (10. Jh.), versuchte, den Glauben mit dem Diskurs der alten Griechen in Einklang zu bringen. So ist es kein Zufall, dass spätestens im 12. Jahrhundert die Gleichgültigkeit und der Zweifel der Gläubigen so stark zu werden begannen, dass die Kirchen nicht mehr so häufig gefüllt waren wie früher. Einige Feudalherren zeigten bereits ihre Verachtung für den Patriarchen. Nach und nach erschienen satirische Texte wie der folgende mit dem spöttischen Titel “Über die Verbesserung des Lebens der Mönche”. Sein Autor war Ευστάθιος (Eustathiοs) von Thessaloniki, einer der größten Philologen der altgriechischen Literatur, Professor an der Patriarchatschule in Konstantinopel und späterer Erzbischof von Thessaloniki. Auch Martin Luther, der Begründer des Protestantismus, hat solche Texte verfasst, allerdings dreihundert Jahre später! Die Werke weiterer Philosophen und Theologen weisen rationalistische Tendenzen auf. Die orthodoxe Kirche duldete natürlich dies nicht und begann, Rationalisten hart zu bestrafen. Zuerst bestrafte sie Johannes den Italiener, weil er grundlegende Lehren nicht anerkannte und außerdem wagte es, die Meinung zu äußern, dass die Vernunft (Aristoteles) Vorrang vor dem Glauben haben müsse ! Dies war ohne Übertreibung heldenhaft. Nach ihm wurde sein Schüler Eustratios von Nicäa bestraft, weil er in theologischen Dialogen Regeln der Logik, aber nie Zitate aus dem Evangelium und den Schriften der “Heiligen Väter” verwendete. Sein Kommentar zu Aristoteles war im Westen einflussreicher als im Osten ( A.P. Kaschdan, S.170. siehe in den Quellen). Im 12. Jahrhundert wurde Michael Glykas schwer bestraft, geblendet und in ein Kloster eingesperrt, wo er starb. In seiner Schrift “Über die göttlichen Mysterien” hat er fast alle Lehren der Orthodoxie angezweifelt, darunter auch die leibliche Auferstehung der Sterblichen. Er schrieb unter anderem, dass Jesus Christus für sich selbst gekreuzigt wurde, d.h. es hat sich um seine persönliche Sache gehandelt. Aber im Allgemeinen wollte die Kirche Menschen, die sich Gott und dem Kaiser fast als Gott unterordnen und nicht denkende und vor allem zweifelnde Menschen. Nun, die westliche Kirche hat verblendet, die Ostkirche hat ebenso verblendet und der Islam hat enthauptete die kritisch denkenden Rationalisten als “Ketzer” enthauptet. Meiner Meinung nach waren das Helden und Märtyrer des kritischen Denkens.

6. Errungenschaften der Theologie

Dennoch gab es große Erfolge in der Theologie, die einen bedeutenden Einfluss auf die Theologie im Westen ausgeübt hatten. Wir erwähnen hier nur einige wenige Errungenschaften, wie die Abhandlung des Bischofs Nemesios  (Νεμέσιος) von Emesa (5. Jh.) mit dem Titel «Περί της φύσεως του ανθρώπου» (“Über die Natur des Menschen”), welche die christliche Anthropologie des gesamten Mittelalters entscheidend beeinflusst hatte. Der Text wurde im 11. Jh. in Palermo ins Lateinische übersetzt. Wir erwähnen auch den Heiligen Vater Ioannes Damaskinos (Ιωάννης Δαμασκηνός, 7./8. Jh.), der ein bedeutungsvolles Buch über Philosophie und Theologie mit dem Titel «Η Πηγή της γνώσεως» (“Die Quelle der Erkenntnis”) verfasste. Darin geht es um interessante Themen wie « Τέχνη των καλών τεχνών» (“Kunst der schönen Künste”) und « Αγάπη στη σοφία» (“Die Liebe zur Weisheit”) als eine besondere Art des Denkens und der Manifestation der allgemeinen Bildung sowie als eine Lebensweise. Dieses Konzept ist in der Tat sehr zeitgemäß.

7. Wissenschaft und  Bildung

Im Allgemeinen gehörte die Wissenschaft mit einigen Einschränkungen zu den anerkannten Werten. Bereits im 9. Jh. kam es zu einem Aufschwung von Bildung und Wissenschaft. Es ist kaum zu glauben, aber Byzanz übernahm das gesamte altgriechische System der Schulbildung. Die Grundlage der Bildung waren in der Regel in erster Linie die homerischen Epen und die Bibel. Der Schwerpunkt des Unterrichts lag auf grammatikalischer Analyse, Syntax und rhetorischen Ausdrücken. Die höhere Bildung umfasste Rhetorik in Altgriechisch, Philosophie (Kenntnis und Interpretation der Werke von Platon und Aristoteles), Arithmetik, Astronomie und Musiktheorie. Die Byzantiner lasen mit besonderer Aufmerksamkeit und Freude die historischen Werke von Thukydides (Θουκυδίδης) und Polybios (Πολύβιος).

Obwohl die byzantinische Gesellschaft die Wissenschaft schätzte, gab es Kleriker, die sie als gefährlich ablehnten. Mit anderen Worten, es herrschte eine paranoide Situation, sodass man zwischen “echtem Wissen”, das natürlich ein Geschenk Gottes sei und für dessen Erwerb man sich nicht anstrengen muss, und dem sehr abschätzigen -”Pseudowissen” der alten Griechen unterschied. Kurz gesagt, Wissen wurde als etwas Wertvolles angesehen, vor allem wenn es dem Menschen half, Gott und die Ewigkeit besser kennenzulernen.

Es gibt aber auch eine wissenschaftliche Errungenschaft von Byzanz von globaler, vielleicht sogar weltgeschichtlicher Bedeutung, das Corpus Juris Civilis  Iustinianis  aus dem 6. Jh. Dieses Gesetzbuch ist wichtiger als der Codex Hammurapi (vor 3.700 Jahren) oder der Codex Eshnuna (vor 4.284 Jahren),  denn es ist das Zivilrecht fast der ganzen Welt. Seine Terminologie ist im Völkerrecht in der Tat international. Die byzantinischen Rechtsgelehrten haben es oft an neue gesellschaftliche Bedingungen angepasst. Im 11. Jh. hatte es bereits Italien erreicht (Pavia und Bologna) und war die Grundlage für die Ausbildung von Juristen. In Deutschland war der Kodex Juris Civilis die Grundlage für die Juristenausbildung an den Universitäten und viele seiner Regeln waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Kraft!

8. Das antike griechische Erbe

Obwohl sich die Bewohner des multiethnischen Byzanz Römer (Romaioi, Ρωμαίοι) nannten, was sich nur auf den Staat bezog, dessen Untertanen sie waren, war das Reich eine besondere Organisation, die auf der griechischen Kultur beruhte. Was die Bildung anbelangt, so “waren sie zweifellos die direkten Erben der alten Hellenen, deren Bildungserbe, in den christlichen Blickwinkel einbezogen, fast ohne Schwäche weiterlebte”. Ferner Wissenschaft, bildende Künste und Philosophie blieben “das kostbare Gut des christlichen Byzanz” (Große Enzyklopädie, 3, S.12). Auch auf sprachlichem Gebiet war Byzanz ein würdiger Erbe der Alten Griechen. Es war gerade die altgriechische Sprache, die innerhalb von etwa 300 Jahren das Lateinische als Reichssprache Sprache buchstäblich besiegt und eliminiert hat. Etwas Ähnliches ist im Mittelalter mit den militärisch mächtigen, aber kulturell völlig rückständigen Mongolen in China und Nordindien geschehen. Wir wiederholen: Byzanz rettete die altgriechische Sprache und hielt sie bis zum Fall Konstantinopels und darüber hinaus am Leben, und zwar durch die orthodoxe Kirche, der das gesamte Griechentum für diese geistige Leistung ewig dankbar sein sollte.

9. Probleme, Mangel an Kreativität

Es gab aber auch große Probleme bei der Bewertung des antiken griechischen Erbes. Nach der Proklamation des Christentums zur Reichsreligion, d.h. als politisches Werkzeug des Staates (ein bekanntes Phänomen in allen Religionen), begann die Ära der metaphysischen Spekulationen, der Mystik und der theologischen Konstruktionen in der unvorstellbaren Abstraktion komplexer und unverständlicher himmlischer Themen ( Heilige Dreifaltigkeit: 1+1+1=1 usw.). Die grundlegende Weltbild des Byzanz in seinem gesamten Verlauf und in Kontinuität in enger Verbindung mit der östlichen Orthodoxie liegt in der Tatsache, dass der menschliche Fortschritt durch die göttliche Offenbarung vollendet und abgeschlossen worden wäre. Dabei handelt es sich jedoch um eine starre, nicht-dynamische und vor allem nicht-kreative Auffassung von Zivilisation und Fortschritt. Die Annäherung an die Werke der Alten Griechen erfolgte meist mit größtem Respekt, aber in einer hochgradig philologischen, d.h. sterilen Weise, die ihre Vollendung in der Beschäftigung mit Grammatik, Syntax und vor allem mit der ständigen und ewigen Wiederholung findet. Das kritische Denken war unterentwickelt. Hierin liegt meiner bescheidenen Meinung nach der eigentliche Grund der Sucht im Bildungssystem Griechenlands nach Auswendiglernen und Nachplappern. Hierin  liegen auch die Ursachen für den Mangel an Kreativität.

10. Byzanz als kultureller Erbe der antiken griechischen Zivilisation

Obwohl dieser Punkt offensichtlich sein dürfte, werden wir versuchen, dies nachzuweisen, um auch die Zögerlichsten zu überzeugen. Byzanz hat die antike griechische Kultur vor allem in den entscheidenden Bereichen der Philosophie, der Bildung und der Literatur geerbt. Der Tradition ging jahrhundertelang der philosophische Ausgangspunkt des Neuplatonismus voraus, der die Auffassung vertrat, dass das Leben sinnvoll und nützlich sei. Nach dieser Auffassung entspricht die Welt der Weisheit Gottes, sodass jeder Versuch, die göttliche Ordnung zu verändern, blasphemisch und unnatürlich sei. So hat die christliche Weltanschauung die Tradition in ihren wirtschaftlichen und politischen Erscheinungsformen gerechtfertigt und verteidigt. Die Unveränderlichkeit der Werte war in ihrem Wesen die ideale Garantie für das sozio- politische System. Sie gingen sogar so weit, die Tradition als Ausdruck des göttlichen Willens zu betrachten. Gleichzeitig wurde die selbstverständliche menschliche Erfahrung abgelehnt, und man war nur an einer oberflächlichen Annäherung an die Phänomene des wirklichen Lebens interessiert. Nach der offiziellen Auffassung hatte die Tradition ihren Ursprung im “Wesen” der Dinge (göttlich), während die menschliche Erfahrung sich nur mit ihrer äußeren Form befasste. Hierin liegt der Schwerpunkt der Gründe für die ablehnende Haltung gegenüber Reformen in allen Ländern mit orthodoxer Tradition. Die Tradition hat sich durch vertraute Funktionen und zahlreiche Symbole gefestigt, die durch ihre Wiederholung letztlich eine wichtigere Rolle als die Handlungen selbst erlangt haben. Im gegenwärtigen politischen Leben Griechenlands ist etwas Ähnliches zu beobachten.

11. Byzanz als Vermittler zwischen der Antike und dem Westen

Wir haben bereits die wichtigsten Beispiele genannt, die belegen, dass Byzanz die Rolle des Vermittlers zwischen der antiken griechischen Zivilisation und der europäischen Renaissance mit großem Erfolg zu spielen vermochte. Das bereits erwähnte Standardwerk der deutschen Enzyklopädie schreibt aufschlussreich: “Ohne die höheren Schulen in Byzanz, ohne die berühmten Bibliotheken und ohne eine relativ große Schicht gebildeter Nichtkleriker wären Dokumente der griechischen Klassik, wie die Werke von Homer, Hesiod, Platon und Herodot, nicht überliefert worden” (Band 3, S. 685).

Konkret handelt es sich um die zahlreichen Schriften, die unmittelbar nach dem Fall Konstantinopels von byzantinischen Gelehrten nach Norditalien gebracht wurden, welche die europäischen Intellektuellen im Original lesen konnten, nachdem die byzantinischen Wissenschaftler ihnen die altgriechische Sprache beigebracht haben.   Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass der  Philosoph, Humanist, Theologe und Gelehrte, Wissarion (Βησσαρίων), dem die vorliegende Schrift gewidmet ist,  einer der ersten Kulturbringer und Lehrer des Westens noch vor dem Fall Konstantinopels war. So gründete er unter anderem die erste Akademie in Rom, an der Mathematik, Astronomie und klassische Literatur gelehrt wurden. In Venedig gründete er die damals größte Bibliothek Europas zum geistigen Erbe der alten Griechen.  Wissarion  trug wesentlich zu den intellektuellen Grundlagen der Renaissance und der humanistischen Bewegung bei. Seine Abgesandten reisten in das nunmehr osmanisch beherrschte Byzanz, um antike Schriften zu sammeln. Geflüchtete Gelehrte aus Konstantinopel fanden in seinem Kardinalspalast  Unterkunft und Übersetzerarbeit. Ein anderer Gelehrter, Γεώργιος Τραπεζούντιος (Georg der  Trapezuntier), der auf Kreta als Sohn trapezuntischer Eltern geboren wurde, erhielt eine Professur an der Universität von Venedig (siehe  Χ. Σαμουηλίδης, Ιστορία του Ποντιακού Πολιτισμού,  Αθήναι, S. 80-82).  Er gilt nach wie vor für die Wissenschaftler pontischer Abstammung als Vorbild und nachahmenswertes Beispiel.

Aber im Allgemeinen waren viele Werke der antiken Philosophen bereits im Westen und aus einer anderen Quelle bekannt: in Latein und Arabisch. Es ist bekannt, dass zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert eine besondere Form der Renaissance des antiken Geistes in den islamischen Ländern stattfand, und zwar auf der Grundlage zahlreicher Übersetzungen aus dem Altgriechischen ins Arabische in Damaskus und vor allem in Bagdad. Etwas später wurden in Spanien viele Schriften der antiken Philosophen aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt. So studierten westliche Philosophen schon Jahrhunderte vor dem Fall Konstantinopels zunächst einige Schriften auf Latein, dann im arabisch besetzten Spanien (Toledo und Gordoba) griechische Weisheiten auf Arabisch, dann auf Latein, und dann in Paris und Norditalien allgemein auf Latein

Doch als sie sie auf Altgriechisch studieren konnten, bedeutete dies einen gewaltigen sprachlichen und qualitativen Sprung in der systematischen Auswertung des antiken Wissens, den die Humanisten mit einem solchen Erfolg fortgesetzt haben, dass sie fast vergessen haben, woher das Licht des antiken Geistes kam,d.h. aus dem Byzanz oder aus Spanien der Omajaden.

Leider geschah auch etwas Unangenehmes und für das Griechentum   verheerendes: Westliche Wissenschaftler haben schon seit der Renaissance und der Aufklärung den antiken griechischen Geist erfolgreich ausgewertet, haben ihn vollständig kennengelernt, haben ihn auf ihre Weise interpretiert und auf dieser Grundlage ganze philosophische Denkgebäude errichtet (vor allem die deutschen Giganten der Philosophie I. Kant und Hegel ), während die Griechen von dieser Entwicklung durch die jahrhundertealte osmanische Herrschaft so abgekoppelt waren, dass die Philosophen und Wissenschaftler des Abendlandes inzwischen als die wahren Erben des antiken griechischen Geistes gelten.  Überdies ist es den Europäern  gelungen, entscheidende Elemente des antiken griechischen Geistes anzuwenden.

Literatur

-Der Brockhaus, Geschichte, II, Mittelalterliche Welt und frühe Neuzeit, Leipzig, Mannheim, Augsburg 2001, S.97.

-Der Brockhaus, Kunst und Literatur, 3, Mittelalter, Orient und Okzident, Leipzig, Mannheim 1997, S.630, 666-669, 685.

-Propyläen-Weltgeschichte, Berlin 1929-1933.

-Große Enzyklopädie, 3, Köln 1990, S.1250-1252.

-Grand Larousse Encyclopedique, Paris 1960-64.

-Encyclopedia Britannica, London 1921-1922.

-Σύγχρονος Εγκυκλοπαίδεια Ελευθερουδάκη, Αθήνα 1962.

-Νεώτερο Εγκυκλοπαιδικό Λεξικό Ηλίου, Αθήναι 1948.

-Geschichte der mittelalterlichen Philosophie, Berlin 1989.

-F. Thiess, Die Griechischen Kaiser, Die Geburt Europas, Augsburg 1992.

-A.P. Kashdan, BYZANZ und seine Kultur (Übers. Aus dem Russischen ), Berlin 1968, S.81, 86/87, 117/118,124-126, 128/129, 167, 169-172, 177.

- G. Ostrowsky, Die Geschichte des byzantinischen Staates, München 1963.

-M. Grünbart, Das Byzantinische Reich (Geschichte kompakt). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2014.

-S. Runcinam, Byzanz, Von der Gründung bis zum Fall Konstantinopels (Übers. Aus dem Englischen), München 1983

-S. Runcinam, Byzantine Civilization, London 1933.

-Τ. Warren, A History of the Byzantine State and Society, Stanford 1997.

-T. E. Gregory, A History of Byzantium , Oxford et alt. 2005.

- M. Angold, The Byzantine Empire, 1025–120: A Political History, London 1997.

-A. Cameron, The Byzantines, Oxford 2006.

-R. Guerdan, Byzance, Librairie Académique, Paris 1973.

-P. Lemerle, Le monde de Byzance, Paris 1978.

– E. CABRERA, Historia de Bizancio, Editorial Ariel, 1998.

–F. Cognasso, Bisanzio, Storia di una civiltà, dall’Oglio, Milano 1976.

–P. Cesaretti, L’Impero perduto, Una sovrana tra Oriente e Occidente, Milano 2006.

-G. Ravegnani, Introduzione alla storia bizantina, Bologna 2006.

P.S. Der Autor hat Wurzeln in Pontos und speziell in Trapezunt, daher betrachtet diese Studie-Hommage als eine moralische Verpflichtung und große Ehre.

veröffentlicht oft in der griechischen Presse vor allem in Καθημερινή (Kathimerini) und in efimerida  von 2014 bis 2018 in Auseinandersetzung mit griechischen Nationalisten.

aus meinem Buch Panos Terz, Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος: Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band), ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, S. 88-99.

 

 

 

Probleme zwischen Alten Griechen und den Hebräern, Seit wann und warum?

Probleme zwischen Alten Griechen und den Hebräern, Seit wann und warum?

Nach der Übersetzung des Alten Testaments in die griechische Sprache (Koine) durch72 hebräische Sprachkundigen zwischen 250 und 100 v.Chr. in Alexandria hatten die Gebildeten der damaligen Zeit endlich die Möglichkeit, den gesamten Text zu lesen und besser zu wissen, wie die Hebräer dachten.
Das Alte Testament, das später Septuaginta wurde, enthält die wichtigsten Informationen, welche die Hebräer über sich selbst und über die anderen Völker der Region hatten, und was ihre Religion war. Dieses Buch stellt dem Wesen nach die Mythologie der Hebräer dar, die jedoch nach Meinung der Hebräer historisches und zugleich ein heiliges Werk ist. Dieses ist in aber voll von Kriegen, Hass und Rassismus gegenüber den Nachbarvölkern. Ihr Gott Jahwe wird als enger militärischer Verbündeter in den endlosen Kämpfen der Hebräer gegen die kanaanitischen Völker beschrieben.
Der Höhepunkt der kulturellen, religiösen und ethnischen Nabelschau und Selbstverliebtheit war und ist die bekannte Äußerung, die Juden seien das “auserwählte Volk” Gottes, was bei allen Nachbarvölkern auf striktes Unverständnis sowie auf berechtigte Ablehnung stieß.
Die Gelehrten der griechischen Antike begannen sukzessiv damit, die Hebräer wegen ihrer besonderen Gewohnheiten zum Gegenstand von Untersuchungen zu machen. Der Direktor des berühmten Museums (Bibliothek) der griechischen Wissenschaft von Alexandria, der Grammatiker und fanatische Antisemit Apius, ging z.B. so weit, alles Antisemitische zu sammeln und zu veröffentlichen, was in den vergangenen Jahrhunderten im gesamten Hellenismus geschrieben und gesagt worden war.
Der jüdische Vertreter der Hocharistokratie, der zum Römer gewordene Flavius Josephus, einer der größten Historiker der Antike, stellte eine allmähliche Hellenisierung (Kultur, Sprache, Namen) der jüdischen Oberschicht in der Mehrheit fest und war überzeugt, dass die Gefahr des Aussterbens der Juden bestand. Das heißt, er konstatierte eine Krise der Identität der Juden.
In dem Bestreben, den nationalen Geist der Juden zu stärken, beschloss er, in einem historischen Buch zu beweisen, dass die Juden eine glorreiche Vergangenheit haben, und darüber hinaus ging er frontal auf Konfrontation mit Apios und mit der griechischen Kultur im Allgemeinen. Er hat sich systematisch und sehr detailliert mit allen antisemitischen Positionen des Apios auseinandergesetzt und dabei viele Zitate anderer griechischer Antisemiten verwendet.
Das Merkwürdige besteht darin,  dass Josephus in seinem umfangreichen Werk “Gegen Apion” (“Contra Apionem”) den Text des Apion gerettet hat, weil sonst von ihm nichts gerettet worden war. Kurzum, der jüdische Historiker wollte den Juden etwas Gutes tun und hat damit regelrecht den Antisemitismus entfacht! So wurde bekannt, welche antisemitischen Ansichten von bekannten Philosophen und anderen Gelehrten im antiken Griechenland vertreten wurden. Hier werden die bekanntesten Namen erwähnt: Theophrastos (Θεόφραστος (des Aristoteles bester Schüler und Nachfolger in der Πeripatetischen Schule (Περιπατητική Σχολή), der Historiker Lysimachus (Λυσίμαχος), der berühmte Sophist Poseidonius  (Ποσειδώνιος), der fast hellenisierte Ägypter Manethon (Μανέθων), ferner der  Berossos (Βηρωσσός), der Diodoros (Διόδωρος)  und der Historiker Damokrit (Δαμόκριτος).
Im Folgenden werden nur die wichtigsten Anschuldigungen gegen die Juden Erwähnung finden:
α) Sie sind Atheisten, weil sie nicht an anthropomorphe Götter glauben, sondern an einen sogenannten Gott, den niemand sehen kann. Wenn man ihn nicht sieht, kann er nicht existieren.
b) Sie betrachten sich als “auserwähltes Volk”, beleidigen damit andere Völker von höhere Zivilisationen, wie z. B. die Griechen, und grenzen sich deshalb von den Nachbarvölkern ab.
c) Als einziges Volk in der Region lehnen sie die Vermischung mit anderen Völkern ab. Dies ist beleidigend und stellt eine Rassendiskriminierung dar.
d) Sie essen kein Schweinefleisch wie andere Völker. Dies ist unverständlich, denn Schweinefleisch gehört zu der Grundnahrung der Völker.
e) Sie bewahren in ihrem Tempel einen Eselskopf aus in Gold.
f) Sie hassen die Griechen, die Ägypter und andere, ihnen überlegene Völker.
g) Sie verkehren nicht mit anderen Völkern.
h) Sie opfern lebende Tiere.
j) Anstatt die ganze Woche zu arbeiten, lassen sie freiwillig den siebten Tag aus.
Dann hat er in seiner Abhandlung “Jüdisches Altertum” die griechische Zivilisation und insbesondere die polytheistische Religion angegriffen und versucht, die Überlegenheit der jüdischen Zivilisation, vor allem der monotheistischen Religion, zu beweisen.
Als Josephus’ Pamphlet in Alexandria, dem damaligen Zentrum der griechischen Zivilisation, bekannt wurde, reagierten die Griechen sofort heftig auf die ihrer Meinung nach unverschämte Herausforderung durch einen jüdischen Historiker, der eine unbedeutende Zivilisation vertrat. Es kam zu großen Protesten der Griechen und hellenisierten Ägypter gegen die Juden; sie griffen sie zum ersten Mal an und töteten Tausende von Juden. Schließlich fand hierdurch das erste Pogrom gegen die Juden in der Geschichte der Menschheit statt.
Dieses Ereignis hat bei allen Juden in der ganzen Welt einen unvergesslichen Schock ausgelöst. Genau genommen, hat in Alexandria ein zugespitzter Kulturkampf in Form des ersten Pogroms zwischen den Alten Griechen und den Hebräern stattgefunden.

Literatur
-Flavius Josephus, Geschichte des Judäischen Krieges, Leipzig 1978.
-P. Schafer, Judeophobia : Attitudes toward the Jews in the Ancient, Harvard University Press, 1997. Der Autor untersucht die historische und die kulturelle Dimension dieses Phänomens. M.E. handelt es sich um die wichtigste Untersuchung zu diesem Thema.
-C.-P. Thiede/ U. Stingelin, Die Wurzeln des Antisemitismus, Judenfeindschaft
in der Antike, im frühen Christentum und im Koran, Basel 2002. Der besondere Wert dieses Buches besteht darin, zahlreiche antike Quellenzu enthalten.
-P. Birnbaum, Sur un nouveau moment antisémite, Paris 2015.
-R. Finzi, L’antisemitismo, Giunti 1997.
-F.Lillian, C., Antisemitism in the New Testament, University Press of America, 1994.
-C. Andersen et alt. (Edit. ), Lexikon der Alten Welt, Bände 1, 2, Tübingen und
Zürich 1990.
-M. Hengel, Judentum und Hellenismus, Tübingen 1988.
- Z. Yavetz, Judenfeindschaft in der Antike, München 1997. Auch in diesem interessanten Buch werden viele antike Quellen angeführt.
-Th. Klein et alt., Judentum und Antisemitismus von der Antike bis zur
Gegenwart, Düsseldorf 1984.
-L. Poliakov, Geschichte des Antisemitismus, I: Von der Antike bis zu den
Kreuzzügen, Worms 1977.
-G. Perednik, La Judeofobia, Barcelona 2001.

veröffentlicht 2014 und 2018 in der griechischen Zeitung Kathimerini (Καθημερινή) in Auseinandersetzung mit griechischen Neofaschisten, Rassisten und Antisemiten

Juden, Große wissenschaftliche Errungenschaften, Warum;

Große wissenschaftliche Errungenschaften der Juden, Warum ;
Aus wissenschaftlichem Interesse hat der Autor bereits Mitte der 1960er-Jahre damit begonnen, sich relativ intensiv mit den Juden (Herkunft, Geschichte, Kultur, Religion, Wissenschaft, Israel etc.) zu befassen. Methodisch stützt sich diese kleine Untersuchung auf die folgenden Grundsätze der Allgemeinen Methodologie der wissenschaftlichen Forschung: a) Die Wahrheit ist historisch bedingt und konkret. b) Soziale,politische usw. Phänomene sind komplexer Natur (Aristoteles). c) Objektivität: Das bedeutet, die Phänomene zu betrachten und sie objektiv zu reflektieren (Demokrit), d.h. nicht subjektiv oder freiwillig, mit Vorurteilen und diversen Scheuklappen. d) Dann erfolgt die Wahrheitsfindung auf der Grundlage der Regeln der Logik (Aristoteles). In Anwendung der oben genannten Grundsätze werden wichtige Ereignisse erwähnt, die einen direkten Bezug zu den Juden haben:
1. Die ersten Judenverfolgungen und Massaker fanden vor etwa 2000 Jahren in Alexandria statt, wo über 70 Prozent der Stadtbevölkerung Juden waren. Die vorherrschende Kultur war griechisch. Die Schlächter waren Griechen. Die Ursache war kultureller und religiöser Natur. Seitdem sind die Beziehungen zwischen Griechen und Juden gestört.
2. Die Juden sind die Erfinder des Monotheismus, auf den sich drei Weltreligionen stützen: das Judentum, das Christentum und der Islam. Das heißt, unter dem Einfluss der Juden hat sich die Geschichte der Menschheit stark verändert.
3. Die Bibel (Altes und Neues Testament) ist ein rein jüdisches Werk. Die Tatsache, dass Jesus Christus, seine Eltern und insbesondere seine Mutter Maria sowie die meisten Apostel Juden waren, ist allgemein bekannt. Die Bibel ist ohne Übertreibung das wichtigste Buch in der gesamten Geschichte der Menschheit.
4. Jüdische Sprachwissenschaftler der Diaspora übersetzten im damaligen arabischen Spanien (Toledo und Córdoba) im 9./1. Jahrhundert zahlreiche Werke der antiken griechischen Philosophen aus dem Arabischen ins Lateinische und machten sie in Europa bekannt, lange vor dem Fall Konstantinopels, als gelehrte Griechen mit antiken griechischen Schriften nach Venedig flohen. Viele Schriften der alten Griechen waren bereits im 8. Jahrhundert in Damaskus und vor allem in Bagdad aus dem Altgriechischen ins Arabische übersetzt worden. Eine enorme Rolle bei der Verbreitung des griechischen Geistes spielte in Spanien während der arabischen Periode der jüdische Philosoph und große Arzt Mose Ben Maimon (11. Jahrhundert), der aus Bewunderung für den antiken griechischen Geist seinen Namen hellenisierte und in Maimonides umbenannte!
5. Aus finanziellen Gründen waren die Experten für Steuerangelegenheiten in Spanien ausschließlich Juden. Die Inquisition vertrieb die Juden (Sephardim) aus Spanien, das damit das dynamischste und anspruchsvollste Element der geistigen Elite verlor. Die Geflüchteten gingen in andere europäische Länder und verbreiteten ihr Wissen in ihren neuen Heimatländern. Und so wurden die Niederlande zum Land mit den modernsten Banken, der Basis des Handelskapitalismus. England war bekanntlich das erste Land des Industriekapitalismus. Andere gingen ins Osmanische Reich, wo der Sultan ihnen die Leitung des gesamten Bankwesens übertrug. Einige wechselten den Glauben und besetzten höchste Ämter, z.B. einige brachten es bis zum höchsten Amt des Großwesirs (Premierminister).
6. Nach der Herstellung der rechtlichen und sozialen Gleichstellung (Emanzipation) der Juden in Europa im 19. Jahrhundert fand eine beispiellose multidimensionale (wirtschaftliche, soziale, juristische, naturwissenschaftliche, medizinische und in anderen Wissenschaften, in Literatur, in bildenden Künsten, in Musik, in Theater etc.) jüdische Explosion statt.
7. Seit dem 19. Jahrhundert standen vor allem deutsche Juden an der Spitze der internationalen Arbeiter-, sozialistischen und sozialdemokratischen Bewegung. Hier seien nur die bekanntesten Protagonisten genannt: Karl Marx, Ferdinand Lassalle, Karl Kautsky, Eduard Bernstein, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, in Russland Leo Trotzki, Kamenew, Sinowew und viele andere. Nebenbei sei erwähnt, dass der Großvater von Karl Marx ein jüdischer Rabbiner mit dem Familiennamen Mardohai war (Marx’ Vater änderte den Familiennamen), und dass Lenins Großvater ebenfalls ein russischer Jude war.
8. Vor allem in den Wissenschaften waren im 20. Jahrhundert die deutschen Juden führend. Beispiele. Etwa ein Viertel der 86 (!) Nobelpreise in Deutschland stammen von deutschen Juden, obwohl dort nur etwa eine halbe Million Juden lebten. Es sei ferner daran erinnert, daran, dass Juden weltweit 182 Nobelpreise erhalten haben (54 Physik, 55 Medizin, 35 Chemie, 27 Wirtschaft, 15 Literatur, 9 Frieden).
9. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden führende deutsch-jüdische Wissenschaftler gezwungen, Deutschland zu verlassen und sich in den USA niederzulassen. Nach dem Krieg blühten in den USA durch sie die Wissenschaft, die schönen Künste und das Kino auf. Während Deutschland bei den wissenschaftlichen Leistungen zurückgeblieben ist, haben amerikanische Juden mit deutschen Namen seit Dutzenden von Jahren die meisten Nobelpreise gewonnen. Dies wiederholt sich jedes Jahr. Die Nobelpreise für Wirtschaftswissenschaften sind fast ausschließlich amerikanischen Juden vorbehalten. Von den vier Nobelpreisen für Naturwissenschaften im Jahr 2011 gingen drei an amerikanische Juden. In den Jahren 2012 und 2013 erhielten sie ein Drittel bzw. die Hälfte der Auszeichnungen. Die besten Philosophen in den USA und Frankreich sind ebenfalls Juden. In allen Eliteuniversitäten der USA haben prominente Juden die Schlüsselpositionen inne und sind sogar in allen neuesten Wissenschaften und Erfindungen führend.
10. Juden machen nur 0,2 % der Weltbevölkerung aus, aber sie haben bisher 27 % der Nobelpreise in Physik und 31 % der Nobelpreise in Medizin erhalten. Juden sind außerdem zu 54 % Weltmeister im Schach. Ihre Schriftsteller haben ferner 51 % der Pulitzer-Preise (Literatur) und ihre Künstler haben 37 % der Academy Awards erhalten. Es gibt noch weitere interessante Informationen: Die Gründerväter von Hollywood, führende Filmregisseure (z. B. Spielberg und andere), der Erfinder der DNA sowie der Erfinder von Facebook Zuckerberg sind ebenfalls amerikanische Juden. Dasselbe gilt für bekannte Filmschauspieler (z. B. Douglas, Vater und Sohn, Curtis, Streisand und viele andere).
Was sind nun die Gründe für die wissenschaftlichen Erfolge der Juden in aller Welt?
Es geht um den Zeitraum vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Die folgenden Gründe sind hier zusammengefasst:
1. Vor allem die Nachkommen der sephardischen (aus Spanien stammenden) Juden lebten in Europa in großen Städten, in denen es höhere Schulen und Universitäten gab. Die meisten jungen Juden studierten.
2. Einige Berufe waren ihnen verschlossen. Daher konzentrierten sie sich auf Handel, Finanzen, Kunst und Wissenschaft.
3. Sie lernten, wie eine Selbstverständlichkeit, mindestens drei Fremdsprachen fließend.
4. Internationale Solidarität unter Verwandten und Freunden. Z.B. Austausch von Kindern zu Studienzwecken ohne allzu große Kosten und vor allem wie folgt: Ein junger jüdischer Junge aus Frankreich lebte während seines Gymnasiums oder Studiums für einige Jahre als Gast im Haus von Verwandten oder Freunden in Deutschland, England, Russland oder den USA, wobei er gelegentlich das Studienland wechselte, um die Sprache und die wissenschaftliche Terminologie zu lernen. Dies geschah und geschieht immer noch auf der Grundlage der Gegenseitigkeit zwischen Familien und Freunden.
5. Es gibt einen starken Willen, die Einheimischen zu übertreffen, um sich in der jeweiligen wissenschaftlichen Disziplin oder in anderen Bereichen durchzusetzen und voranzukommen. Das heißt, sie hatten und haben einen überentwickelten ethnischen und religiösen Ehrgeiz überall und immer den ersten Platz zu halten. Aber sie zeigen nie ihre innere Welt und sprechen nie über ihre großen Erfolge.
6. Bereits in der Grundschule systematisches Erlernen der Grundlagen von Logik und Dialektik (Dialog auf der Basis von Argumenten und Gegenargumenten, wie im antiken Griechenland !), während im islamischen Kulturkreis die sterile “Methode” des Auswendiglernens angewendet wird. Es ist daher kein Zufall, dass die führenden Philosophen in den fortgeschrittenen Ländern Juden sind.
7. Aneignung von Wissen als höchster moralischer Wert. Begeisterung für Bildung, unendlicher Durst nach Lernen.
8. Fleiß als Selbstverwirklichung des Individuums. Es ist im Allgemeinen zu bezweifeln, dass es faule Juden gibt.
9. Der Autor hat noch etwas gefunden: Jeder jüdische Wissenschaftler in einer hohen Position, z.B. Direktor eines Instituts von internationaler Bedeutung, vermittelt Stipendien für besonders erfolgreiche jüdische Absolventen aus der ganzen Welt. Er fördert sie systematisch, damit sie an seinem Institut bleiben oder bereitet sie darauf vor, verantwortungsvolle Positionen an anderen Universitäten oder in anderen Ländern zu übernehmen. Dies geschah zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg in London, wo der berühmte deutsch-jüdische Völkerrechtler Georg Schwarzenberger die Elite der osteuropäischen Universitäten in dem erstklassigen Institut für Internationale Beziehungen versammelt hatte, wo sie ein Aufbaustudium absolvieren, akademische Qualifikationen erwerben konnten und außerdem hatten sie die großzügige Möglichkeit, wissenschaftliche Studien zu veröffentlichen. Auf diese Weise erwarben sie sich rasch einen internationalen Ruf. Auf diese Weise konnten sie ihre Kollegen, die nicht über solche Möglichkeiten verfügten, relativ schnell überflügeln und Universitätsprofessoren, Institutsleiter etc. werden. Der Autor hatte die Gelegenheit, einige von ihnen kennenzulernen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jüdische Wissenschaftler bewundernswert sind und Respekt verdienen. Es überrascht zu konstatieren, dass amerikanische Juden an allen Eliteuniversitäten der USA in den entscheidenden Disziplinen wie Wirtschaft, Politik und Philosophie sowie in relativ neuen wissenschaftlichen Disziplinen wie Mikrobiologie, Astrophysik, Hochtechnologien und Neurowissenschaften Führungspositionen innehaben.
Klarstellung: Es war nicht das Ziel dieser kurzen Untersuchung, sich mit den Fehlern und negativen Aspekten der Juden in ihrer langen Geschichte zu befassen, z. B. Rassismus und Gräueltaten im Alten Testament, Hedgefonds, die von Juden aus dem Vereinigten Königreich und vor allem den USA erfunden wurden und die internationale Wirtschaft teilweise zerstört haben. Auch die rassistische, arrogante und ungerechte Haltung Israels gegenüber den Palästinensern und die Verletzung aller Grundsätze des Völkerrechts wurden in der Studie nicht thematisiert. Nicht erwähnt wird auch das bekannte tragische Ereignis des Holocaust (offiziell Shoah) an einem großen Teil der europäischen Juden. Die Täter dieses Völkermordes waren bekanntlich die deutschen Nationalsozialisten.
veröffentlicht von 2014 bis 2020 in den griechischen Zeitungen Kathimerini und Vima, zuletzt in Kathimerini in konträrer Auseinandersetzung mit griechischen Antisemiten, Rassisten und Ultranationalisten
aus meinem Buch (Panos Terz) Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος: Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band), ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, S.168 ff.

Achäer, Danaer, Ionier, Ηellenen, Griechen, Römäer, Zu den griechischen Ethnonymen

Achäer, Danaer, Ionier, Hellenen, Griechen, Romioi

Über die griechischen Ethnonyme in Geschichte und Gegenwart

 

Die oben genannten Ethnonyme haben im Laufe der Geschichte der Griechen zu Interpretationsproblemen geführt. Die Herangehensweise an das Thema basiert auf dem methodischen Prinzip der historisch spezifischen und relativen Wahrheit, das heißt, dass Ereignisse und Meinungen aus der Vergangenheit in ihrem historischen Kontext (Ort und Zeit) und nicht mit den Kriterien der Gegenwart betrachtet werden sollten, und dass die Wahrheit nicht absolut ist. Ein weiteres Prinzip liegt darin, dass Ethnonyme häufig von benachbarten Ethnien oder von Völkern mit einer höheren Kultur vergeben werden. Erwähnen wir auch das Prinzip der Veränderung von Begriffen und Phänomenen.

 

Achäer (Achäoi), Danaer

 

Unter diesen Namen waren die Vorfahren der alten Griechen in prähistorischen Zeiten bei ihren Nachbarn bekannt. Das Ethnonym Achaios (Αχαίος) wurde z.B. in assyrischen Dokumenten gefunden. Archäologen haben auch Keilschrifttexte der Hethiter gefunden, in denen einige Ahhijawa-Räuber erwähnt werden, die Troja (im Hethitischen Truisa) oder Ilios später Ilion (im Hethitischen Wilusa) angegriffen hatten. Der Schutzpatron Trojas war der Gott Apalunia (Apollo). Auch von Konflikten um die Stadt Milavata (Militos, Μίλητος) ist die Rede. Einige Archäologen lehnen jedoch diese Ansicht ab. Ferner wurden seit 1225 v. Chr. Hieroglyphentexte gefunden über den ägyptisch-libyschen Krieg, an dem auch einige Aqaiwascha (Achäer) als Söldner teilnahmen. Auch über diese Meinung herrscht unter den Althistorikern keine Einmütigkeit. In der Ilias (Ιλιάς) nennt Homer alle Teilnehmer des Trojanischen Krieges aus dem griechischen Raum Achäer. Nach vorherrschender Meinung unter den Althistorikern stellten die Danaer (Δαναοί) die kriegerische Aristokratie der Achäer dar. In einem offiziellen Dokument des alten Ägypten aus dem 12. Jahrhundert. z.B. erwähnt Pharao Ramses III. unter mehreren „Seevölkern“ und einigen Danuna (Danaer?), aber auch hier herrscht keine Einstimmigkeit.

 

Ionier (Iones)

 

Die Ionier (Iωνες) waren die älteste und zivilisierteste griechische Gruppe und erlangten nach der Besiedlung Westkleinasiens internationale Bekanntheit. In Ionia entstanden auch  nach heutigen Kriterien die Wissenschaft und die Philosophie.

Die Assyrer nannten die Ionier sie Yavnai, die Juden Javan und die Perser Yauna. Araber und andere östliche sowie kaukasische Völker verwenden noch heute das Ethonym Junan und das Toponym Junanistan. Das Ethnonym Junan ist bei manchen Völkern (Araber, Gorgier, Armenier) fast gleichbedeutend mit Weiser. Die meisten griechischen Kleinasiens (heutige Türkei) und die meisten Pontos- Griechen von den Küsten des Schwarzen Meeres, von Sinope bis Trapezunt, stammen von den Ioniern ab.

 

Hellenen (Ellines)

Das Ethnonym Ηellenen (Ellines, Ελληνες) war bereits in der Ilias allgemein bekannt. Die Helloi oder Selloi waren ein kleiner Stamm aus Dodoni oder aus Thessalien.Thukydides(Θουκυδίδης, i,3,2) (Ησίοδος) das interessante Ethnonym „Panhellenen“ (erg. 528) verwendet und Archilochos (Αρχίλοχος, fr. 52) alle Gruppen als Hellenen nennt. Die sprachliche Wurzel vertritt die Ansicht, dass Phthiotis (Φθιώτης) der Geburtsort der Hellenen ist, während Hesiod (Ησίοδος) das interessante Ethnonym “Panhellenen” (erg. 528) verwendet und Archilochos (Αρχίλοχος,

Fr. 52) alle bestehenden Stämme als Hellenen bezeichnet. Die sprachliche Wurzel ist dieses Ethnonyms ist das Wort selas, was symbolisch auch intelligent bedeutet. Herodot (Ηρόδοτος) versucht, die Gemeinsamkeiten aller hellenischen Stämme herauszuarbeiten: «Το ελληνικόν εάν ομαιμόν τε και ομόγλωσσον και θεών ιδρύματα κοινά και θυσίαι ήθεά τε ομότροπα» («Bluts- und Sprachgemeinschaft, die Gemeinsamkeit der Heiligtümer, der Opferfeste und Lebensweise.» Ηρόδοτος, Ουρανία, 144, Εκδόσεις Γαλαξίας 1971).

Der Rhetoriker Isokrates (Ισοκράτης) erhebt jeden Barbaren (Ausländer) zu einem Hellenen, der eine hellenische  Bildung besitzt: “τίνα γὰρ εὑρήσομεν τῶν τότε γενομένων, εἰ τοὺς μύθους ἀφέντες τὴν ἀλήθειαν σκοποῖμεν, τοιαῦτα διαπεπραγμένον, ἢ τίνα τοσούτων μεταβολῶν ἐν τοῖς πράγμασιν αἴτιον γεγενημένον; ὃς αὑτὸν μὲν ἐξ ἰδιώτου τύραννον κατέστησε, τὸ δὲ γένος ἅπαν ἀπεληλαμένον τῆς πολιτείας εἰς τὰς προσηκούσας τιμὰς πάλιν ἐπανήγαγε, τοὺς δὲ πολίτας ἐκ βαρβάρων μὲν Ἕλληνας ἐποίησεν, ἐξ ἀνάνδρων δὲ πολεμικούς, ἐξ ἀδόξων δ’ ὀνομαστούς” (Ευαγόρας). (“Was für Dinge geschahen damals, wenn wir auf die Mythen zielen, die die Wahrheit sagen, wurden sie begangen, oder was für Veränderungen in den Dingen waren die Ursache; Er machte sich selbst aus einem Bürger zum Tyrannen, und allen Menschen, die des Staates beraubt worden waren, gab die gebührenden Ehren zurück und machte die Bürger aus Barbaren Hellenen, aus Feiglingen Krieger und aus Männern ohne Ruhm Berühmte“ (Evagoras). Es beschreibt die offizielle Umwandlung von “Barbaren” in Ellines. Nochmals Isokrates, Panegyrikos (Πανηγυρικός,ιγ, 50 : “Τοσούτον δ’ απολέλοιπεν η πόλις ημών περί το φρονείν και λέγειν τους άλλους ανθρώπους, ώσθ’ οι ταύτης μαθηταί των άλλων διδάσκαλοι γεγόνασι και το των Ελλήνων όνομα πεποίηκε μηκέτι του γένους αλλά της διανοίας δοκείν είναι, και μάλλον Έλληνας καλείσθαι τους της παιδεύσεως της ημετέρας ή τους της κοινής φύσεως μετέχοντας” („So hörte unsere Stadt nicht auf, über andere Menschen zu denken und zu reden, bis dieselben Schüler anderer Lehrer wurden und der Name  Hellene sich  nicht nach der Herkunft, sondern nach  der Intelligenz richten muss…”  und “eher Hellenen nennt man diejenigen, die sich unserer bemächtigen und gemeinsam erleben”.  Isokrates betont besonders, dass alle, welche   die griechische Bildung besitzen und sich für sie einsetzen, als Hellenen betrachtet werden müssen.

Weltweit bekannt wurde das Ethnonym Ellines speziell in der Seeschlacht von  Salamis durch den  mächtigen Schlachtgesang der hellenischen Kämpfer ( Aischylos  „Die Perser“:” Ὦ παῖδες Ἑλλήνων, ἴτε, ἐλευθεροῦτε πατρίδ᾿ ἐλευθεροῦτε δέ παῖδας, γυναἰκας, θεῶν τε πατρώων ἔδη, θῆκας τε προγόνων· νῦν ὑπὲρ πάντων ἀγών” („Vorwärts Söhne der Hellenen, befreit  Euer Vaterland, befreit  die Kinder, die Frauen, die Götter Euerer Väter, die Gräber Euerer Vorfahren, wo ihre Gebeine liegen! Jetzt steht über allem der

Kampf“. Aufgrund der Erklärung des Christentums zur Reichsreligion im 5. Jh. wurden alle christlichen Bevölkerungsgruppen als Römer (Bürger des Römischen Reiches) bezeichnet, während das Ethnonym Ellines (Hellenen) offiziell als heidnisch abgelehnt wurde, aber später nach und nach verwendet wurde.Folgend sollen einige Beispiele erwähnt werden:

Konstantin Porphyrogenetos (Πρφυρογέννητος, „An seinen eigenen Sohn Romanon“) schrieb, dass die Maniaten von den Einheimischen als Ellines  genannt werden, weil sie früher wie alle Ellines  Heiden waren.  Anna Komnene  („Alexiada“) weist darauf hin, dass sogar Skythen  hellenisch sprechen und die Römer die  Schriften der Hellenen besser lesen können als manche ungebildete Ellines von heute. Der große Philosoph Photios (Φώτιος) bemerkt, dass die hellenischen Schriften  eine große Wertschätzung genießen.

Der große Gelehrte Psellos (Ψελλός) unterstreicht ιm 11. Jahrhundert die Vorzüge des Kaisers Romanos III., der eine „hellenische“ Bildung hatte, während Michael IV. keine „hellenische“  Bildung besaß. Im 14. Jahrhundert ο Nikolaos Kavasilas  (Νικόλαος Καβασίλας) nennt die Gelehrten von Thessaloniki Ellines. Unmittelbar nach dem 4. Kreuzzug und dem Fall von Konstantinopel verlor das Wort Ellines seine ursprüngliche Bedeutung als Heide  und bezeichnete in erster Linie die Bewohner von Konstantinopel, Kleinasien und Griechenland. Nikitas Choniatis (Χονιάτης, „Die Ereignisse in der Stadt nach Alosin“) möchte unbedingt, dass sie als  Εllines genannt werden. Nikiforos Blemmydis (Βλεμμύδις) nennt alle byzantinischen Könige Ellines. Der bedeutende österreichische Historiker Frank Thies hat ein Buch mit dem Titel „Die griechischen Kaiser, Die Geburt Europas“, 6. bis 8. Jahrhundert, Wien 1992, veröffentlicht. Der Kaiser von Nicäa, Johannes Vatatzis (Βατάτζης), betont in einem Brief an Papst Gregor IX. die Weisheit, die „im Geschlecht unserer Ellines herrscht“. Der Sohn des Vatatzis, Theodoros II. Laskaris (Λάσκαρης(, erwähnt den hellenischen Namen stolz wie folgt: „Die hellenische Sprache übertrifft alle Sprachen“ und „die ganze Philosophie und das Wissen der  Ellines sind vorhanden … Und du, oh Italiener, was ist der  Grund für deine Wut?“ Georgios Gemistos Plethon (Πλήθων) betont gegenüber Manuel Palaiologos (Παλαιολόγος), dass die von ihm geführten Menschen „von Geburt an Εllines sind, wie die Stimme und die väterliche Bildung bezeugen“,  während Laonikos Chalkokondylis (Χαλκοκονδύλης) fordert, den römischen Namen vollständig durch den hellenischen Namen zu ersetzen. Der letzte Kaiser, Konstantin Palaiologos, beschwört in seiner Rede vor der Armee die Jungfrau Maria als „Zuflucht der Christen, Hoffnung und Freude aller Ellines“ (Georgiou Frantzis, „Geschichte“). Es ist ferner bekannt, dass Persönlichkeiten des Westens ab dem 10.Jh. vom „Kaiser der Ellines“ sprachen. Das hing Möglichkeit damit zusammen, dass zwischen dem 6. und dem 7.Jh.im Imperium Romanum Orientalis die lateinische Sprache durch die weit überlegene griechische Sprache ersetzt wurde.

Jahrhunderte später,im 15. Jh. und im Kontext der europäischen Renaissance, haben die europäischen Humanisten,  im Wesentlichen Philologen und Bewunderer des antiken griechischen Geistes, das Konzept der Hellenen entdeckt. Aber mit dem griechischen Begriff meinten sie nur die alten Hellenen. Im Deutschen wird zwar das Toponym Hellas verwendet, damit ist aber nur das antike Griechenland gemeint, während das heutige Ellas bekanntlich als Griechenland bezeichnet wird. Im Westen bildet das lateinische Ethnonym Graecus in der Sprache vieler Völker die Grundlage für das griechische Ethnonym. Und wenn sie über Hellenen meinen sprechen, meinen sie ausschließlich die alten Griechen.  Das heutige Ethnonym Ellines (Hellenen) stammt aus dem 19. Jahrhundert und ersetzte offiziell die bekannten Ethnonyme Griechen und Romioi.

Grieche (Graecus)

Dieses Ethnonym ist sehr alt und stammt von einem kleinen Stamm aus Dodoni oder aus Böotien namens Graioi. Die Römer übernahmen es von den illyrischen Vorfahren der Albaner und Montenegriner oder von den griechischen Siedlern Siziliens und fügten das Ethnonymelement c hinzu, wie z.B. Germanus- Germanicus, Gallus- Gallicus. So entstand das Ethnonym Graecus, das in allen europäischen Sprachen von der Antike bis zur Gegenwart die Grundlage des griechischen Nationalnamens bildet. Das Ethnonym Graecus war zunächst völlig neutral. Später hat es jedoch eine so sehr abfällige Bedeutung angenommen, dass das Wort „grec“ im Französischen auch heute noch „Griechisch“ oder sogar „Betrüger“ bedeutet! (Rene Olivier, Wörterbuch Französisch-Deutsch, Leipzig, 1985, S.258). Wir kennen auch den verächtlichen Begriff Graeculus („kleiner Grieche“) mit der ursprünglichen Bedeutung „irgendein Grieche“. Das heißt, bereits in der Antike begann die Unterscheidung zwischen den glorreichen alten Hellenen  und den Griechen des großen Niedergangs. Die alten Römer haben das Wort Graecus geprägt, das alle anderen europäischen Völker zusammen mit dem Lateinischen übernommen haben.

Romios (Romäer)

Das Ethnonym Romios ( Ρομιός, Romäer) ist eine griechische Variante des Ethnonyms Romanus, also ein Untertan  des Oströmischen Reiches (Imperium Romanum Orientalis), unabhängig von seiner ethnischen Zugehörigkeit. „Byzanz war das griechische monokulturelle Reich, eine Mutation vom römischen zum christlichen, östlichen, mit Konstantinopel als Hauptstadt“, und jeder wurde als  Romios (Römer) bezeichnet. Im Oströmischen Reich lebten viele Völker (z. B. Armenier, Slawen, Illyrer, Syrer, Ägypter, Juden, Araber und zahlreiche Stämme Kleinasiens), die zwar Christen, aber keine Griechen waren. Die alten Pontos-Griechen  sowie die Konstantinopoliten sagten noch  in den 50-er Jahren, sie seien Romioi.

Literatur

-Lexikon der Alten Welt, edit. Von C. Andresen et alt., 3 Bände, Düsseldorf 2001 (Dieses  Standard-Lexikon (3500 Seiten) ist das Werk von 236 Fachhistorikern von  Universitäten aller deutschsprachigen Länder).
-Brockhaus, Weltgeschichte, 6 Bände, Leipzig, Mannheim 1997.
-Der Brockhaus, Geschichte, Frühzeit und Altertum, Grundlage der Geschichte, 3 Bände, Mannheim 2001.
-Große Enzyklopädie, 10 Bände, Köln 1990.
-Dictionnaire de la civilisation greque, Paris 1996.
-Lexikon der Antike, J. Irmscher (Hrs.), Leipzig 1987.

- F. Schachermeyr, Hethiter und Achäer, Leipzig 1935.
-F.Cassola, La Ionia nel mondo miceneo, Napoli 1957.
-J. Guter, Das große Lexikon der Völker, Köln 2006.
-H. Haarmann, Kleines Lexikon der Völker, München 2004.

-F. Cassola, La Ionia nel mondomiceneo, Neapel 1957.

-J. Guter., Das große Lexikon der Völker, Köln 2006.

Literatur über Griechen in Byzanz

-Ε. Γλύκατζη-Αρβελέρ, Ελένη, Η πολιτική ιδεολογία της Βυζαντινής Αυτοκρατορίας, Αθήνα 2012 (Die politische Ideologie des Byzantinischen Reiches).

-Ν. Σβορώνος, Ο μεσαιωνικός ελληνισμός, Aθήναι 1922 (Das mittelalterliche Griechentum).

-Δ. Α. Ζακυνθηνού, Βυζαντινή Ιστορία 324-1071, Αθήνα2015 ( Byzantische Geschichte).

- -P. Charanis, Ethnic Changes in the Byzantine Empire in the

Seventh Century, Harvard University 1959. Eine sehr ausführliche Studie über die sukzessive Verwandlung der zahlreichen Ethnien im Byzantinischen Reich.

-G.Bowersock, Hellenism in late antiquity, The University of

Michigan 1996.

-P. H. Wilson, The Holy Roman Empire, 1495–1806, London 1999.

-Μ. Angold, Byzantine ‘Nationalism’ and the Nicaean Empire, Byzantine

and Modern Greek Studies, 1975.

- G. Cavallo, The Byzantines, University of Chicago 1997.

- A. Heisenberg, J. Kromayer, U. v. Wilamowitz- Moellendorff, Staat und Gesellschaft der Griechen und Römer bis Ausgang des Mittelalters (Band. 2, Teil 4), Leipzig und Berlin 1923.

-A. Kaldellis, Hellenismus in Byzanz, The Transformations of Greek Identity and the Reception of the Classical Tradition, Cambridge University 2007. Eines der interessantesten Bücher über die Beziehung zwischen griechischer und byzantinischer Identität.

Veröffentlicht von  2014 bis 2018  in den griechischen Zeitungen  Kathimerini (Καθημερινή) und  iefimerida in Auseinandersetzung mit griechischen Nationalisten.

Aus meinem Buch, Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz): Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band), ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, 284 S., S. 133-139. griechisch).

 

Nächstenliebe

Nächstenliebe
Die Nächstenliebe wird gemeinhin als ein Prinzip der christlichen Moral bezeichnet, verbunden mit dem Glauben, dass nur die christliche Religion dieses wirklich erhabenste moralische Prinzip kennt. Mit diesem Kommentar soll gezeigt werden, dass dieses ethische Prinzip auch außerhalb des christlichen Universums bekannt ist. Der Autor stützt sich inhaltlich und quellenmäßig vorwiegend auf sein Buch Panos Terz, Menschenbild und Recht in den alten Hochkulturen, Eine universalhistorische und vergleichende Betrachtung, ISBN: 978-620-0-27129-7, Saarbrücken 2019 ( Kap. 2.2.2., S.51-57). Die Philosophen waren die ersten, die in besonderer Weise die Liebe zwischen den Menschen und vor allem zwischen den Unterdrückten und Armen, d.h. die Liebe zwischen den Angehörigen der einfachen Gesellschaftsschichten, gepredigt haben, obwohl der Ausgangspunkt der Menschenliebe die Tatsache war, dass alle Menschen Brüder und Schwestern seien. Aus diesem Grund muß die Nächstenliebe ohne irgendwelche Gegenleistung ausgeübt werden. Einer der wichtigsten Vertreter der “Dritten Generation”, der “römischen” Stoiker, der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca, hat den Begriff der Liebe in seinen “Briefen zur Sittenlehre an Lucilius” mit seinem berühmten Zitat “Homo res sacra homini” (“Der Mensch ist für den Menschen ein heiliges Ding”) entwickelt. Dies lässt die folgenden unterschiedlichen Interpretationen zu: a) Der Mensch als Bruder des Menschen ist etwas Heiliges und daher unantastbar. b) Der Mensch ist in seiner Eigenschaft als Schöpfung des Göttlichen heilig und daher verehrungswürdig. c) Der Mensch ist auch etwas Göttliches (pantheistische Interpretation). d) Die Maxime gilt für jeden Menschen unabhängig von seinem sozialen Status, z.B. auch für einen Sklaven, und unabhängig von seiner ethnischen Herkunft. Senecas Auffassung ist also vom Geist des allgemeinen und universellen Humanismus durchdrungen. Zweifelsohne wird es den eurozentristisch denkenden Lesern sehr überraschen, dass hier das methodologische Prinzip der Universalität angewandt wird. Dies erfolgte im Prinzip bereits in den 1970er -Jahren. Die alten chinesischen Philosophen waren die ersten, die sich systematisch mit der Liebe zum Mitmenschen natürlich auf ihre eigene Art und Weise. beschäftigt  haben. Unabhängig von der philosophischen Schule, wurde das grundlegende moralische Prinzip des Shen (Djenai ) nach und nach in Begriffen wie Humanismus, universelle Liebe, Menschenliebe und Liebe zu Anderen formuliert.
Es ist genau dieses oberste Prinzip, das der größte chinesische Philosoph und Theoretiker Konfuzius in seinem Werk “Lun Yü” als moralische Grundlage der Familie und des Staates anerkannt hat: Wer “brüderliche Liebe” praktiziert, leistet keinen Widerstand gegen die Oberen in der Gesellschaft (sic). Indem Konfuzius (6./5. Jh. v. Chr.) die Liebe in ein ideologisches und politisches Werkzeug verwandelte, leistete er einen großen Beitrag zur Beendigung der Klassenkämpfe und zur Herstellung der Harmonie (Stabilität) im riesigen chinesischen Reich. Konfuzius’ philosophischer Rivale Mo ti (Mo-Tzu, Motius, 5. Jh. v. Chr.) stellte dem konfuzianischen Konzept die “allgemeine Liebe”, die “vereinigende Liebe”, mit folgendem moralischem Inhalt entgegen: α) Alle Menschen, unabhängig von ihrem sozialen Status, sollten sich gegenseitig helfen. Der Himmel (Wort für göttlich) ist das oberste Prinzip und das höchste Wesen, das alle Menschen mit der gleichen Liebe umarmt. Nach dem Willen des Himmels müssen sich die Menschen gegenseitig lieben. c) Hierdurch wird eine Überwindung der sozialen Widersprüche erreicht (vgl. E. Steinfeld, Die sozialen Lehren der altchinesischen Philosophen Mo-Tzu, Meng-Tzu und Hsün-Tzu, Berlin 1971, S. 162). Diese philosophische Sichtweise ist die Grundlage der materialistischen Weltanschauung des Mohismus, der Ideologie der unteren sozialen Schichten in den Städten. Der bekannteste Philosoph dieser Konzeption Lao-Tze (Laozi, 5./4. Jh. v. Chr.) wollte die “allgemeine Liebe” nur unter den Angehörigen des unterdrückten und gequälten Volkes begrenzen (so etwas wie proletarische Solidarität). Er war der Verfechter der Interessen des arbeitenden Volkes, der einfachen und armen Leute, und er hasste klassenbedingt die Ausbeuter . Lao-Tze war jedoch ein Fatalist (siehe sein berühmtes Werk und philosophisches Gedicht Daudedshing: Das Buch von Dau und De, Leipzig 1973).
Ein anderer Philosoph, der Pragmatiker Meng-Tzu, gab dem Kaiser einen interessanten Rat: Ohne Güte kann man ein Königtum , aber kein großes Reich führen. Wer gut ist, liebt das Volk (Buch des Meng-Tzu, IV, II, 28). Der Zweck der Liebe zwischen den Menschen war es, die Lebensbedingungen der arbeitenden Massen, insbesondere der Bauern, zu verbessern. Das ist wirklich Humanismus par excellence.
Der große chinesische Demokrat und Patriot Sun Yat-sen ( Anfang des 20. Jahrhunderts) hat zu Recht seinen Stolz auf den chinesischen Humanismus zum Ausdruck gebracht, indem er die Rolle der Liebe wie folgt hervorhob: Sowohl der Humanismus als auch die Liebe sind tief in den moralischen Werten des chinesischen Volkes verwurzelt. “In unserer politischen Philosophie gab es zwei Prinzipien: “Das Volk wie seine Kinder zu lieben” und “Die Menschen zu lieben und alle Wesen menschlich zu behandeln”. Dies beweist, wie weitreichend die Bedeutung des Begriffs der Liebe in unserer klassischen Philosophie war” (Siehe G.K. Kindermann (Hrsg.), Sun Yat-sen, Drei Grundlehren vom Volk, Dokumente, Freiburg/Br. 1963, S. 93). Schlussfolgerungen α) Die “Nächstenliebe” war im konfuzianischen Kulturkreis bekannt, aber nicht in allen anderen Religionen, jedoch nur die christliche Religion hat sie als oberstes Prinzip proklamiert. Der Buddhismus kennt eher den Begriff der Barmherzigkeit als das höchste moralische Prinzip. b) Das bedeutet aber nicht, dass es im Christentum im Allgemeinen keine Probleme bei der Anwendung der “Nächstenliebe” gäbe. c) Es sei dennoch daran erinnert, dass die Christianisierung der kulturell rückständigen vielen alten Germanenstämme und vor allem in concreto die “Nächstenliebe” deren meist halb zivilisiertes und hochaggressives Grundverhalten stark verändert hat. d) Hier ist en passant bewiesen worden, dass es fast zur gleichen Zeit in Griechenland und China bemerkenswerte Philosophen gab, aber den chinesischen Philosophen nicht gelang, eine überlegene Philosophie, Theorie und Methodologie zu schaffen. Im Vergleich zu dieser ontologischen Liebe ist die “väterliche” Liebe Gottes eine imaginäre Liebe des imaginären Vaters jüdischen Ursprungs, im Grunde eine menschliche Erfindung, die christliche Theologen zu einem “ontologischen” Phänomen gemacht haben, als Zeichen des orientalischen Patriarchats gegenüber seinen “Kindern”, d.h. für Menschen ohne Selbstvertrauen und ohne wissenschaftliche Kenntnisse. Und die “Liebe” zum Vatergott gehört zur Phantasiewelt der transzendentalen Mystik, die dem Wesen nach auf der platonischen Mystik beruht, aber man hat sich nicht die Mühe gemacht, die altägyptischen Quellen der Hermetik (Hermes Trismegistus) zu studieren, die Platon in Ägypten gelernt hat und die später auch von den “Heiligen Vätern” des Christentums genutzt wurden.
In der Religionsgeschichte werden vor allem drei Religionen genannt, die durchweg mystisch sind, nämlich die altägyptische, der Buddhismus und der Hinduismus ( vgl. I. Shaw und P. Nicholson, Lexikon des alten Ägypten, Stuttgart 2010 (Orig. Dictionary of Ancien Egypt, London 1995); F. Ebeling, Das Geheimnis des Hermes Trismegistos, Geschichte des Hermetismus, München 2009; K.Mylius (Hrsg.), Altindische Poesie und Prosa, Vedische Hymnen, Legenden, Zauberlieder, philosophische und rituelle Lehren, Leipzig 1978; H. Mehlig (Hrsg. und Übersetzer), Weisheit des alten Indien, Band 1: Vorbuddhistische und nichtbuddhistische Texte, Band :Buddhistische Texte, Leipzig und Weimar 1987 (1200 Seiten).
veröffentlichτ in der griechischen Zeitung Καθημερινή (Kathimerini) im März 2020 in Auseinandersetzung mit griechischen Christianozentristen
aus meinem Buch: Panos Terz, Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος: Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, S.232 ff.

Europa im Spannungsfeld von Orient und Okzident

Europa im Spannungsfeld von Orient und Okzident
Versuch eines systematischen Herangehens
Das Thema weist verschiedene Dimensionen auf, die Gegenstand der Untersuchung  sind.
1.Mythologische Dimension
Nach der griechischen mythologie war Europa Tochter des Agenor, Königs von Phönizien und der Telephasa. Ihre Schönheit veranlasste den Göttervater Zeus, sie in Gestalt eines Stieres nach Kreta zu entführen. Dort gebar sie ihm die drei Söhne Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Ihr Vater Agenor schickte seinen Sohn Kadmos in den Westen, um dort nach Europa zu suchen. Hier wird mythologisch die Besiedlung von Hellas durch östliche Völker umschrieben, die den Vorfahren der Hellenen Kultur und Techniken beigebracht haben.
2. Linguistische Dimension
Das Wort Europa ist nicht griechisch. Die großen Seefahrer Phönizier waren das erste Volk, das den Begriff Vrp (Vrep ) verwendet haben, den die Griechen als Europe wiedergegeben haben, der als Westen übersetzt wird. Gemeint waren alle Länder westlich von Zypern. In der phönizischen Sprache (westsemitisch, später die offizielle Sprache des mächtigen Karthago) bedeutet brp dunkel oder westlich, und in historischer Zeit nannten die Hellenen, dieser Tradition folgend, die Region des westlichen Mittelmeers Hesperia (Westen oder Abend), daher auch Hesperios (der Westen). In der griechischen Mythologie waren die Hesperiden Töchter des Atlas, daher der Name “Atlasgebirge” in Nordwestafrika (Marokko, Algerien).
In Aischylos’ “Perser” wird das Land, in dem die Perser besiegt wurden, als das Land bezeichnet, “in dem die Sonne untergeht” (Westen, Abend), woraus sich der terminus scientificus “Abendland” ableitet. Lange vor den Griechen bezeichneten die Ägypter alle Gebiete westlich von Ägypten und Libyen als Westen oder Dunkelheit. Das Wort Europa wird in Griechenland selbst in offiziellen Wörterbüchern fälschlicherweise als “breites Gesicht” gedeutet.
Die praktischen Römer gaben den westlichen Regionen des Imperium Romanum den Namen Occidens (Westen) und den östlichen Regionen den Namen Oriens (Osten), zu dem die Cyrenaica (Libyen), Ägypten, Syrien-Palästina und Asia minor (damals ins Griechische als Μικρά Ασία (Klein-Asien) übersetzt ) gehörten. Vor etwa zweitausend Jahren wurde das Römische Reich in das Westliche (Imperium Romanum Occidentalis) und in das Oströmische Reich (Imperium Romanum Orientalis ) geteilt.
3. Prehistorische Dimension
Bereits vor 25 000 Jahren (weibliche Idole vielleicht von Gottheiten) und eine Flöte, vor 18 Tausend Jahren (Malereien) wurden in Europa in Altsteinzeit (700000-8000 v. Chr.) einige kulturelle Leistungen erzielt. Mit der Jungsteinzeit (5.500-2.500 v. Chr.) fand die “Landwirtschaftliche Revolution” statt und es begann die systematische Zivilisierung der Europäer begann (Siedlungen, Getreideanbau, Arbeitsteilung, Töpferei (5.000 v. Chr.) und eine Sternwarte (Stonehenge, 3.000 v. Chr.). Die ersten Bauern kamen aus dem Gebiet zwischen Ostkleinasien, Syrien und dem Irak. In Mittel- und Nordeuropa gab es bereits zwischen 5.500 und 4.500 v. Chr. eine landwirtschaftliche Zivilisation.
4. Historische Dimension
Der Nahe Osten war Europa in den Produktivkräfte voraus (Erfindung der Landwirtschaft bereits 9.000 Jahre v. Chr., Gründung von Staaten 3.500 Jahre v. Chr., der Gesetzgebung (erste Codices, wie z.B. der Codex von Urukagina bereits 2.240 Jahre v. Chr.), erste Alphabete etwa 3.000 Jahre v. Chr. (das griechische Alphabet wurde im 9. Jahrhundert von den Phöniziern aus Ugarit übernommen und umgeformt. Ab dem 6. Jh. v. Chr. begannen die Hellenen damit, Medizin, Gesetzgebungstechniken, Verwaltungssysteme, Architektur und Geometrie (Ägypten), Mathematik und Astronomie (Babylonien) zu übernehmen.

In Europa, diesmal im westlichen, vollzogen sich Ereignisse von historischer Bedeutung, wie im 15. Jh. die Renaissanse des antiken Geistes in Italien und im 18.Jh. die Aufklärung zuerst in England und danach in Frankreich, wo 1789 die bürgerliche Revolution stattfand, deren Errungenschaften wie der Bürgerliche Staat, die konkreten Menschenrechte und die bürgerlichen Freiheiten  internationale Ausstrahlung erlangten. Zu erwähnen ist ferner die Industrierevolution im 18. Jh. in England, die dem Wesen nach die Zweite große Revolution der Produktivkräfte in der Menschheitsgeschichte darstellt. Hierdurch konnte Europa, international betrachtet, eine führende Rolle spielen. Es ist allerdings auch darauf hinzuweisen, dass europäische Staaten einerseits fast die ganze Welt kolonisiert und im wahrsten Sinne des Wortes ausgeplündert haben. Andererseits jedoch brachten sie zu ihnen Errungenschaften der Industrierevolution (z.B. England in Indien).

Diese welthistorischen Ereignisse erreichten aber die Balkanvölker sowie die Russen nicht oder unvollkommen und sehr verspätet. Diese Völker haben weder die Rennaisance, noch die Aufklärung erlebt. Das ist der Hauptgrund dafür, dass z.B. Russland eine ganze Etappe der europäischen Entwicklung übersprungen hat und vom Feudalabsolutimus zum “Kommunismus“ schritt. So konnte sich kein Bürgertum entwickeln, worauf sich ein moderner Staat stützt, und Errungenschaften Europas, wie z.B. die Demokratie, die Gewaltenteilung, die Individual-Menschenrechte und die bürgrelichen Freiheiten auch dreißig Jahre nach dem Zusammenbruch des “real existierenden Sozialismus“ ein Buch mit sieben Siegeln sind. Es verwundert daher nicht, dass die Menschen in diesen Ländern weder ein entwickeltes Sozialbewusstsein, noch ein europäisches Staatsbewusstsein, noch ein modernes Rechtsbewusstsein besitzen. Möglicherweise als Kompensation dafür verfügen sie aber über ein überentwickeltes Nationalbewusstsein, das allerdings von Populisten reichlich instrumentalisiert wird.
5. Räumliche Dimension (Welche Völker gehören kulturell zu Europa?)
α) Europa umfasst geografisch alle Länder zwischen Portugal und dem europäischen Russland und zwischen Skandinavien und Griechenland.
b) Europa umfasst kulturell (West-, Mittel-, Nordeuropa, zum Teil die Balkanvölker, Griechenland wegen seiner Geschichte ohne Einschränkung), und Osteuropa (Russland, Weißrussland, Ukraine und Moldawien nur zum Teil).
c) Bereits vor 26 Jahren habe ich in meinen Universitätsvorlesungen die Auffassung von einem Europa der zwei Geschwindigkeiten vertreten. Dieses Konzept wurde damals als unfair und diskriminierend gegenüber den Ländern des europäischen Südens angesehen.
6. Ethnopsychologische Dimension (Balkanvölker und der Westen (Europa)
Es wird die Differenzierungsmethode angewandt, die eine der Grundregeln der Allgemeinen Methodologie der wissenschaftlichen Forschung ist:
a) Die orthodoxe Kirche und ihre Theologen lehnen den Westen wegen seines Atom- bzw. Individualzentrismus und seiner “Unmoral” ab. Hier stehen die Russen und die Griechen an der Spitze.
b) Die Kommunisten und einige Vertreter der radikalen Linken sind von Gefühlen der Ablehnung, teilweise sogar des Hasses, gegen den kapitalistischen (“imperialistischen”) Westen besessen. Mit anderen Worten, es handelt sich um eine besondere Ausprägung des “Klassenkampfes”.
c) Der Durchschnitts Balkanmensch bewundert den Westen wegen seines hohen Lebensstandards und seiner ebenso hoch entwickelten Kultur. Auf dem Balkan sind z.B. seit dem 19. Jahrhundert die folgenden Ausdrücke sehr verbreitet: “Wir und Europa” und mit Bewunderung man hat “in Europa studiert”. Damit wird die Bewunderung für die wissenschaftliche Überlegenheit der Europäer (historisch: Franzosen, Deutsche, Engländer) zum Ausdruck gebracht.
d) Kulturelle Minderwertigkeitskomplexe fast aller Balkanvölker gegenüber “Europa” werden ebenfalls festgestellt.
e) Weitere Beispiele für die Beziehungen zwischen europäischen Völkern werden ebenso angeführt: Die meisten Russen bewundern die Deutschen und lehnen sie gleichzeitig ab. Die meisten Polen bewundern und fürchten gleichzeitig die Deutschen. Die meisten Tschechen bewundern und  gleichzeitig beneiden Deutschen.
7. Säulen des abendländischen Kulturkreises

Nach dem methodischen Prinzip des consensus generalis doctorum et professorum (Allgemeine Übereinstimmung der Doktoren und Professoren)
das in angesehenen wissenschaftlichen Wörterbüchern und Universitätslehrbüchern formuliert wird, gehören zu den Säulen des abendländischen  Kulturkreises (Westen) vor allem die folgenden Säulen:
α) Die bekannte antike griechische Zivilisation (Ionien, Athen, Rhodos, Unteritalien, Sizilien, Alexandria).Europa hat von Hellas die folgenden zivilisatorischen und wissenschaftlichen Errungenschaften übernommen: Individuum, Bürger, Demokratie, Staat, Staatsbewusstsein, Rechtsbewusstsein, Freiheitsgedanke, Philosophie, Theorie, Methode, Logik, Geschichte, Rhetorik, Literatur, Poetik, Ästhetik, Theater, Epos, Drama, Satire, Komödie, Medizin, Mathematik, Geometrie, Architektur, Mechanik und Botanik, um die wichtigsten zu nennen. Die Römer und später die Italiener gaben Europa die hellenische Zivilisation und Wissenschaft weiter sowie ihr Recht (jus romanum), den großflächigen und kontinentalen Straßenbau, und ihre Groß-Architektur, ihren Imperialgedanken (Imperium romanum)  und ihre Verwaltungskunst,
b) das Alte und das Neue Testament als die Grundlage des Christentums) und
c) die europäische Aufklärung (England, Frankreich, Deutschland (in der Philosophie) und die USA), die durch die Befreiung des Menschen aus der Dunkelheit des Mittelalters und auf der Grundlage des Jus rationis (Rechte Vernunft ) den Lauf der Weltgeschichte verändert und die Grundlagen für die allgemeine Überlegenheit des westlichen Kulturkreises vor allem in den Wissenschaften und in den Hochtechnologien geschaffen hat.

Literatur

-H. Gärtner, Kleines Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Leipzig 1989.
-Brockhaus, Weltgeschichte, Band 1 (Anfänge der Menschheit und frühe Hochkulturen), Band 2 (Antike Welten) und Band 4 (Wege in die Moderne), Leipzig, Mannheim 1997.
-C. Andresen, H. Erbse, O.Gigon et alt., (Hrsg.),Lexikon der Alten Welt, drei Bände, Dsseldorf 200.
-J. Irmscher (Hrsg.), Lexikon der Antike, Leipzig 1987.
-B. Hrouda(edit); DerAlte Orient, Geschichte und Kultur des alten Vorderasien, München2003.
-H.Freydank, W.F.Reinicke, M. Schetelich, Th.Thilo, Der Alte Orient in Stichworten, Leipzig 1978.
Veröffentlicht zwischen 2012 und2018 in den griechischen Zeitungen Καθημερινή (Kathimerini), Το Βήμα (To Wima), Τα Νέα (Ta Nea), Πρώτο Θέμα (Proto Thema) und iefimerida in Auseinandersetzung mit graecozentristisch gesinnten griechischen Ultranationalisten
aus meinem Buch: Panos Terz, Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος: Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, S.101 ff.

Lernen von anderen Völkern in der Menschheitsgeschichte

Von anderen Völkern lernen, normal in der Weltgeschichte
(Regel der historischen Universalität, versus jedweden ethnozentristischen Ansatzes)
Folgend sollen einige interessante Beispiele des Lernens von anderen Völkern in der Geschichte der Menschheit angeführt werden.
Im Vorderen Orient lernten die Akkader von den vorangegangenen Sumerern, welche die erste Hochkultur in dieser Region (erste Hochkultur vor 5.5000 Jahren, Südirak, Südiran) schufen z.B. Staaten,Gesetzgebung, Schrift, Architektur, Schulwesen, Mythen etc.), die Babylonier und Assyrer lernten von den Akkadern, die Perser übernahmen ausnahmslos die gesamte babylonische Zivilisation, weil sie anfangs keine Zivilisation hatten. So gelang es ihnen, sich innerhalb von 110 Jahren von aggressiven Viehzüchtern zu einem hochzivilisierten Volk zu entwickeln. Außerdem übernahmen sie von den Syrern das Aramäische (die von Jesus Christus gesprochene Sprache) und machten es zu einer kaiserlichen Sprache. Nur im Palast wurde die persische Sprache gesprochen.
Die Hellenen (alte Griechen) haben Kultur und Wissenschaft (Gesetzgebung, Verwaltungskunde, Medizin, Architektur, Geometrie und Bibliothekswesen) von den Ägyptern übernommen. Es war üblich, dass die Söhne der reichen Hellenen nach Ägypten gingen, um zulernen. Der Fürst der Philosophen Platon erwähnt speziell den Fall Solons. (Πλάτων, Τίμαιος, 22b: “και τινα ειπείν των iερέων ευ μάλα παλαιόν”: “Ω Σόλων, Σόλων, Έλληνες αεί παίδές εστε, γέρων δε Έλλην ουκ έστιν…Νέοι εστέ”,(Platon, Timaios, 22b: “und was von den Priestern gesagt wird, ist schon alt”: “O Solon, Solon, ihr Hellenen seid immer Kinder, denn es gibt keine alten Hellenen…Ihr seid jung, sagte er”. Das bezieht sich auf die Studienreise des Staatsmannes, Philosophen, Dichters und Gesetzgebers Solon im 6. Jh. v.Chr. in Ägypten direkt beim Hohepriester, höchsten Wissenschaftler und Bibliotheksdirektor in der Hauptstadt des ägyptischen Reiches Theben. Ferner lernten die Hellenen bei den Babyloniern Mathematik und Astronomie. Von den Syrern haben sie das Alphabet und die Göttin der Liebe und der Schönheit Aphrodite (Astarte), die eigentlich ursprünglich aus Mesopotamien stammte: Ischtar) übernommen.
Die östlichen Völker haben in der hellenistischen Zeit und schwerpunktmäßig im 5. Jh. n. Chr. hellenische Wissenschaft und Philosophie erhalten. Somit wurden die Hellenen aus den Schülern der orientalischen Völker zu ihren Lehrern. Hierbei handelt es sich um eine gegenseitige Befruchtung historischen Ausmaßes.
Als Schüler der alten Hellenen gelten auch die Römer. Darauf machte bereits der Rhetor und Staatstheoretiker Cicero aufmerksam: ” Wir haben Hellas militärisch besiegt, aber Hellas hat uns zivilisatorisch und wissenschaftlich besiegt. Es ist sukzessiv zu einer Verschmelzung der haushoch überlegenen hellenischen Kultur mit der römischen Kultur derart gekommen, dass die europäischen Historiker den terminus scientificus Griechisch-römische Kultur geprägt haben. Das Recht (Jus romanum) gilt als die besondere geistige Leistung der Römer, was noch in der Gegenwart größtenteils präsent ist. Zu nennen ist auch der gewaltige Straßenbau fast in ganz West-Europa. Es wird also festgehalten, dass die Römer unmittelbaren Zugang zu den vielseitigen Errungenschaften der ersten Hochkultur Europas hatten, die ihrerseits all dies an die keltischen und die germanischen Völker weitergegeben hatten. Sie erhielten somit die griechischen Errungenschaften, verwandelt durch die Römer und daher somit geht es dem Wesen nach größtenteils um Kultur aus zweiter Hand. Aber insgesamt übernahmen die germanischen Völker und die Vorfahren der heutigen Völker mit romanischen Sprachen die griechisch-römische Kultur.
Zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert fand die erste Renaissance des antiken hellenischen Geistes in Damaskus und Bagdad statt, angeführt von syrischen und persischen Philosophen (z. B. Al Farabi, Ibn Rushd (Averroes), Ibn Sina (Avicenna), Ibn Chaldun und vielen anderen).
Sie alle haben auf der Grundlage vor allem der Philosophie des Aristoteles die ursprüngliche und sehr gefährliche Auffassung vertreten, dass der Logos dem Glauben überlegen ist, jedoch im11.Jh. konnte sich der Glaube in Verbindung mit einem radikalen Theozentrismus vollständig durchsetzen, wodurch der islamische Fundamentalismus entstand, der und muslimischen Länder um Jahrhunderte zurückwarf.
Seit dem 15. Jh. hat sich Norditalien auf der Grundlage einer kreativen Adaption, was im Oströmischen Reich (Byzanz) unbekannt war), der antiken hellenischen Kultur durch die Renaissance (Rinascimento) zu einem kulturellen und wissenschaftlichen Kulturspender ganz Europas entwickelt. Diese Leistung ist zweifelsohne von internationaler Bedeutung. Italienische Künstler, Architekten und Wissenschaftler stellten ihr Wissen allen Ländern Europas zur Verfügung, und Tausende junger Menschen gingen für verschiedene Studien nach Norditalien, um verschiedene Wissenschaften und Künste zu studieren.
In enger Verbindung mit der Aufklärung, die in Egland in breiter Front begann und später mit der französischen bürgerlichen Revolution 1789 und der Gründung des ersten bürgerliche Staates ihren Höhepunkt erreichte, wurde Frankreich zum Zentrum der europäischen Kultur und Wissenschaft. Die anderen europäischen Völker haben die neuen Ideen, das neues Gesellschafts- und Menschenbild, den bürgerlichen Staat, die Freiheiten und die Menschenrechte, befreit von der Dunkelheit und den Fesseln der römisch-katholischen Kirche, mit größter Begeisterung aufgenommen.
Angezogen von sozialen und politischen Erfolgen, haben viele Völker versucht, die Ideen vor allem der Aufklärung und insbesondere der Französischen Revolution aufzugreifen und anzuwenden, aber einige von ihnen, wie die Lateinamerikaner und die Balkanvölker, haben sich auf die Form beschränkt und die Substanz vernachlässigt, weil ihnen der kulturelle, politische und soziale Hintergrund fehlte, was auch heute teilweise noch gilt.
Von England hat die Menschheit den Parlamentarismus und den Industriekapitalismus (Industrielle Revolution, die Zweite Revolution der Produktivkräfte in der Menschheitsgeschichte), von denen fast alle großen Staaten der Welt profitiert haben. Speziell Deutschland hat fast alle Errungenschaften der englischen Industrierevolution relativ schnell und gründlich übernommen und konnte sich rasant zu einer Industrienation entwickeln.
Im späten 19. Jahrhundert schickte Japan Tausende von Studenten in die USA und nach Deutschland, um die damals fortschrittliche amerikanische und deutsche Industrie sowie das deutsche Straf- und Zivilrecht zu studieren. Das Wissen wurde in Japan angewandt, ohne dass die japanische nationale Identität verloren gegangen wäre, aber die japanische Lebensweise hat sich unter dem kulturellen Einfluss der USA nach dem 2. Weltkrieg gewandelt. Später taten die chinesischen Pragmatiker dasselbe, da es dort keine Priesterschaft, keine Mullahs oder Priester gibt, welche die Modernisierung des riesigen Landes verhindern könnten.
Auch gegenwärtig versuchen viele Länder von den USA vor allem auf dem Gebiet der Hochtechnologien zu lernen, zumal in diesem Land sich die Dritte große Revolution der Produktivkräfte in der Menschheitsgeschichte erfolgt. China hat z.B. hinsichtlich der Hochtechnologien viel von den USA und teilweise auch von anderen westlichen Ländern gelernt, aber zugleich das Übernommene weiterentwickelt und ist hierdurch dabei, sich ebenfalls zu einer Supermacht der Hochtechnologien zu entwickeln.
Abgesehen von der rückständigen Orthodoxie, hat der Islam aufgrund seines theozentrischen, teilweise theokratischen Systems auch große Probleme mit den Werten des westlichen Kulturkreises, wie Anthropozentrismus, Individualität, Demokratie, bürgerliche Freiheiten und Menschenrechte, während er gleichzeitig auf seine angebliche moralisch-ethische Überlegenheit hinweist. Dies ist jedoch in Wirklichkeit eine Kompensation für den Rückstand in den wichtigsten Bereichen des konkreten Lebens und Ausdruck von Minderwertigkeitskomplexen.
Schlussfolgerungen:
1. Die Aneignung von Kultur und Wissenschaft fortgeschrittener Völker war und ist in der Geschichte der Menschheit etwas Selbstverständliches und Vorteilhaftes.
2. Die größten Gegner der Übernahme von Errungenschaften anderer Länder oder Kulturen sind in erster Linie die Religion sowie rückständige soziale und nationalistisch gesinnte Gruppen.
Veröffentlicht von2012-2018 häufig in den griechischen Zeitungen Καθημερινή (Kathimerini), Τα Νέα (Ta Nea) und in efimerida.
Aus meinem Buch: Panos Terz, Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος: Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, S. 202.

Kasachstan, Russland, China

Kasachstan, Russland, China
1. Vor ca. drei Monaten sagte Medwedew Folgendes: Es gäbe keine kasachische Nation, und Kasachstan sei kein eigentlicher Staat. Kurz danach sagte der Vorsitzende der russischen Duma: 27% der kasachischen Bevölkerung, ca. vier Millionen Menschen, seien Russen. Wir erwarten, dass ihre Rechte al große ethnische Minderheit respektiert werden, andernfalls müssen wir um diesen Fall kümmern. Es ist daher anzunehmen, dass nach Beendigung des ukrainischenKriegsabenteuers, Russland sich Moldawien und kurz danach Kasachstan aufs Korn nehmen wird.
2. China zeigt reges Interesse an der Gesamtentwicklung Kasachstans und ist bereit, in diesem Land mit gewaltigen Rohstoffen und seltenen Erden riesige Investitionen zu tätigen, wozu Russland nicht in der Lage ist. Sukzessiv wächst der Einfluss Chinas auf Kasachstan, was in zunehmendem Maße Russland missfällt.
3. Es ist mir bekannt, dass an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sowie an einigen ausgewählten Universitäten Große Forschungsarbeiten vorangetrieben werden, die sich auf verschiedene Aspekte Mittelasiens und vor allem Sibiriens beziehen, wie seit wann gehört Sibirien zur Russland. War Z.B. Sibirien eine russische Kolonie? Auf alle Fälle zeigt China reges Interesse an den reichen Rohstoffen Sibiriens.
Was Mittelasien anbelangt, steht im Mittelpunkt der in derTat ungerechte russisch-chinesische Vertrag von 1856 über die Übertragung großer chinesischer Gebiete an Russland. In diesem Zusammehang sei auf den Grenzkrieg von 1969 am Amur/ Usuri zwischen den damals “ewigen Freunden” Sowjetunion und China erinnert. Des Weiteren hat China Interesse an der Ausbeutung der Rohstoffe auf der Arktis geäußert, obwohl China keine entsprechende Nordküste gegenüber der Arktis hat.
Kurzum: In den nächsten Jahren wird es für Russland seitens Chinas angenehme Überraschungen geben. Frankfurter Allgemeine Zeitung (25.4.23)

Völkerrecht und starke Staaten

Jemand behauptet, dass der gegenwärtig stärkste Staat machen kann, was er will.
Meine Antwort
1. Seit 1945 gilt die UNO-Charta als die ausschlaggebende Grundlage des Völkerrechts. Vor allem kleinere und mittlere Staaten berufen sich auf dieses Recht. In der Zeit des Kampfes gegen den Kolonialismus haben sich die betreffenden Völker auf dieses grundlegende Völkerrechtsprinzip mit Erfolg gestützt.
2. Heute geht es in erster Linie um das völkerrechtliche Grundprinzip des Verbotsder Gewaltandrohung und Gewaltanwendung, das hauptsächlich von den USA, sowie in Einzelfällen von Frankreich und dem U.K. verletzt wurde. Dennoch haben sich die Rechtsverletzer auf das Völkerrecht berufen, um sich zu rechtfertigen. Auch Russland hat sich bei der Rechtfertigung des Angriffskrieges auf die UNO-Charta (Art. 51, Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung) gestützt. In all diesen Fällen erfolgte jedoch eine missbräuchliche und willkürlich Interpretation dieser Charta-Bestimmung. Kein Rechtsverletzer hat wie vor dem Zweiten Weltkrieg expressis verbis erklärt, andere Staaten überfallen und annektieren zu wollen.
3. Auf der Basis des Internationalen Strafrechts wurden etliche ehemalige Präsidenten, Ministerpräsidenten und Minister sowie Generäle strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Allerdings das internationale Kräfteverhältnis spielt dabei eine eminente Rolle. Geht es z.B. um die Kriegsverbrechen der USA in Vietnam, war es kaum möglich, die verantwortlichen US-Präsidenten als Kriegsverbrecher zu bestrafen. Allerdings wurde ein internationales Tribunal, bestehend aus Völkerrechtlern aus einigen Staaten gebildet, das auf der Grundlage des Völkerrechts USA-Präsidenten als Kriegsverbrecher gebrandmarkt hat. Das ist nicht geringzuschätzen, denn es kann die internationale öffentliche Meinung erheblich beeinflussen.
4. In einigen Staaten mit überdurchschnittlich hoher Kriminalität (z.B. Süd-Afrika, Mexiko, teilweise auch die USA) wird das nationale Strafrecht tagtäglich tausendfach verletzt, wobei nicht alle Straftäter verfolgt werden können. Aber hieraus die Schlussfolgerung abzuleiten, dass es in diesen Staaten kein Strafrecht mehr gäbe, wäre völlig verfehlt. Also, um es rechtstheoretisch zu formulieren, die Verletzung des Strafrechts, in unserem Fall des Völkerrechts, hebt dieses nicht auf.
5. Das Völkerrecht hat mehrere Zweige aufzuweisen, wie z.B. das Internationale Vertragsrecht, das Diplomaten- und Konsularrecht, das Internationale Seerecht , das Weltraumrecht, deren Prinzipien und Normen durchaus auch im eigenen Interesse respektiert werden.
6.Schlussfolgerung: Es ist beim besten Willen nicht so, dass der Stärkere machen kann, was er will. So dachte auch Russland, das es gewagt hat, nicht nur einen Angriffskrieg vom Zaun zu brechen, sondern auch ukrainisches Staatsgebiet zu annektieren, mit den bekannten Folgen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung (27.5.23)

BRICS, Indien, China

Indien, China, USA
Obwohl China und Indien zu den wichtigsten BRICS -Staaten gehören, sind sie eigentlich nicht gerade befreundet. Jetzt sind sie im indopazifischen Raum Konkurrenten, nach einigen Jahren werden sie zu Gegnern, sogar zu Feinden. Indien wird in der Perspektive sukzessiv den Status einer Supermacht erreichen. Danach wird es konsequenterweise zu einer Festigung der Beziehungen zwischen Indien und den USA kommen, zumal in Indien das parlamentarische System herrscht. BZ(6.6.23)
______________________________________________________
China und Indien
1. China ist bereits eine echte Supermacht und hinsichtlich a) des Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022/23 in Billionen Dollar ca. fünfmal stärker als Indien (China: 19,4; Indien : 3,7)  und  des b)des BIP pro Kopf 2021in tausend Dollar ca. fünfmal stärker als Indien (China: 12,55; Indien: 2.,256).
2. Zwischen den beiden asiatischen Giganten gibt es nicht nur Grenzstreitigkeiten, sondern China beansprucht den indischen Bundesstaat,

Arunachal Pradesh im Nord-Osten Indiens. In einer neuesten chinesischen Karte erscheint diese indische Region als chinesisches Gebiet mit der Bezeichnung “Süd-Tibet”.  
3. In einer anderen offiziellen chinesischen Karte wird deutlich, dass China Seegebiete aller Nachbarstaaten im “chinesischen Meer” für sich beansprucht, obwohl dies sich gegen die Internationale Seerechtskonvention von1982  (Grundlage des Internationalen Seerechts oder Seevölkerrechts) richtet. China hat dieses universelle Dokument weder unterzeichnet noch ratifiziert. Die bedrängten Staaten suchen Schutz bei den USA und Indien. Somit entsteht  zwischen China und Indien in dieser brisanten Region eine starke Rivalität.
4. Eine weitere Konkurrenzsituation entsteht sukzessiv über die bestimmende Rolle bezüglich des “Globalen Südens”.  In ihren Überlegungen spielt Rest-Russland bereits kaum eine Rolle, obwohl dieses Land  krampfhaft versucht, im Rahmen der BRICS und allgemeiner gegenüber dem “Globalen Süden”eine eigentlich hypothetische
führende Rolle zu spielen.
5. Man kann auch einen eher ethnologisch-mentalen Unterschied konstatieren: Die Chinesen sind sehr dynamisch, die Inder sind hingegen in ihrer Geschichte eher passiv gewesen. Hierdurch ist es Eroberern gelungen, sie relativ leicht zu besiegen (Perser, Araber, Mongolen-Afghanen, Engländer).
Kurzum, die Beziehungen zwischen China und Indien beinhalten ein großes Sprengpotential.
Der Westen hat in der Vergangenheit den Kardinalfehler begangen, in China massiv zu investieren und zugleich Indien zu vernachlässigen, obwohl Indien eine Demokratie ist, während in China der Totalitarismus herrscht. Normalerweise sollte Indien ideologisch-politisch zum Westen gehören. Es ist also an der Zeit, Indien für den Westen zu gewinnen (Intensivierung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und der Hochtechnologien, umfangreiche Investitionen in Indien etc.). Man kann schon zunehmende Aktivitäten von EU- Staaten, allen voran Frankreichs, in Richtung Indien konstatieren. Die Logik des Gleichgewichts, hier des Gegengewichts gegenüber dem sukzessiv aggressiv werdenden China, fordert auch im wohlverstandenen Interesse des Westens gebieterisch, Indien umfangreich zu unterstützen bzw. zu stärken.
Prof.Dr.,Dr.sc.,Dr.habil., Völkerrecht, Theorie der internationalen Beziehungen
Weiterführende Literatur
-J.Klenk / F. Waschek, Chinas Rolle in einer neuen Weltordnung,Wissenschaft, Handel und internationale Beziehungen, Baden-Baden 2022.
-H. Rupold, Supermacht China – Die chinesische Weltmacht aus Asien verstehen: Geschichte, Politik, Bildung, Wirtschaft und Militär, Brzezia Laka 2020.
-A.Görlach, Alarmstufe Rot: Wie Chinas aggressive Außenpolitik im Pazifik in einen globalen  Krieg führt, Hamburg 2022.

-H. Rupold, Supermacht Indien – Die indische Weltmacht verstehen: Geschichte, Politik, Wirtschaft und Militär des indischen Subkontinents, Expertengruppe Verlag 2021.

Prof.Dr.,Dr.sc.,Dr.habil., Völkerrecht, Theorie der internationalen Beziehungen
Berliner Zeitung (1.9.23)

Deutschlan, Aufklärung, Demokratie

Aufklärung, Deutschland
1. Die Kirchenfürsten der Orthodoxie haben gegen die Aufklärung und ihre Konsequenzen (Individuum, Citoyen, Menschen- und Bürgerrechte, kritisches Denken, Anthropozentrismus gegen Theozentrismus etc.) Enzykliken herausgegeben. Noch heute wendet sich die russisch-orthodoxe Kirche massiv gegen die Grundwerte des Westens.
2. Die Aufklärung ist eine Errungenschaft der Engländer und später der Franzosen. Abgesehen von I.Kant, haben sich die Deutschen nichtan diesem Prozeß beteiligt. Errungenschaften der französischen Aufklärung sind von Napoleon gewaltsam in die deutschen Länder eingeführt worden, jedoch mit mäßigem Erfolg.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde nach der gescheiterten März-Revolution der Obrigkeitsstaat etabliert, der sich auf den berüchtigten deutschen Untertan stützte. Mit Ausnahme des kurzen Intermezzos der Weimarer Republik, herrschte ein totalitäres System, und im Osten Deutschlands folgte das totalitäre Herrschaftssystem kommunistischer Provenienz. Hieraus folgt, dass speziell im Osten Deutschlands die Menschen bis zum Zusammenbruch des “Real existierenden Sozialismus keine Demokratie-Erfahrung besaßen. Daher entwickelt sich das demokratische Bewusstsein, verbunden mit vielen ökonomisch-politischen und sozialpsychologischen Problemen sehr langsam. Gerade diese Situation wird von der AfD ausgenutzt. 22.6.23
_____________________________
In Deutschland gäbe es keine Demokratie, sondern eine Autokratie
Aristoteles vor ca. 2400 Jahren in seinem Standardwerk “Politik”): Wir hatten in der Vergangenheit mehrere politische Systeme: die Aristokratie, die Tyrannis (Pöbelherrschaft) und die Oligarchie. Jetzt haben wir die Demokratie. Ich weiß schon, dass sie nicht vollkommen und nicht absolut sein kann, aber sie ist viel besser als die Oligarchie und die Tyrannis. Gegenwart: Unsere Demokratie ist tausendmal besser als der chinesische Totalitarismus und die russische Autokratie. Natürlich ist sie nicht vollkommen. Und nicht jeder, der Fehler kritisiert, ist ein Demokratie-Feind. Es gibt aber eine Partei (AfD), deren Mitglieder größtenteils von autokratischen Herrschaftsstrukturen träumen. Gerade sie spielen die Protagonisten für die Demokratie, was eigentlich eine contradictio in terminis (Widerspruch in sich) ist. BZ (29.4.23)

“Wertbebasierte-”, Regelbasierte Außenpolitik”?

Die “Wertebasierte” oder “Regelbasiertete” Außenpolitik richtet sich gegen das Völkerrecht
1. Die internationalen Beziehungen stützen sich hauptsächlich auf die Interessen der Staaten als Akteure. Durch Koordinierung kommt es daher zu einem Interessenausgleich.
2. Die intern. Beziehungen werden durch das Völkerrecht geregelt, wozu die UNO-Charta und zahlreiche universelle Konventionen gehören. In diesem Zusammenhang spricht man von einem Rechtsmechanismus der IB.
3. Das aus Rechtsnormen bestehende Völkerrecht wurde und wird weiterhin gemeinsam von Staaten unterschiedlicher Kultur- und Rechtstraditionen geschaffen und stellt ein Minimum an Übereinstimmung dar.
4. Die Begriffe “Wertebasierte” oder “Regelbasierte Außenpolitik sind Erfindungen der US polical scienses, weil die USA nicht bereit sind, das KONKRETE Völkerrecht zu respektieren (ein gewaltiges Kapitel für sich). Kurzum, es handelt sich um irritierende und völkerrechtsnihilistische Worthülsen, die auf die Ablehnung seitens der Völkerrechtler stoßen. Dem Wesen nach richten sie sich gegen die internationale Rechtsordnung. Siehe ausführlich:
-Panos Terz, Völkerrechtswissenschaft: Völkerrechtstheorie Völkerrechtsphilosophie Völkerrechtssoziologie Völkerrechtsmethodologie, ISBN: 978-620-0-27090-0, Saarbrücken 2019;
-Panos Terz, Quelques problèmes de droit international, Recueil d’écrits, ISBN: ‎ 978-620-4-10192-7, Saarbrücken 2021;
Panos Terz, Theory of norm formation in international law: Norms of international law, political norms, moral norms, ISBN: 978-6204378848, Saarbrücken 2022.
- Panos Terz, Панос Терц: Наука международного права, ISBN: 978-620-3-97860-5, Saarbrücken 2021. 22.6.23

Afrikanische oder europäische Kultur?

Eine junge afrikanische Architektin lehnt die europäische Kultur ab und plädiert für eine reine afrikanische Kultur
Diese Auffassung ist absolut, unlogisch, falsch und unnütz. Sie gehört zu den hin und wieder auftretenden Übertreibungen, die den objektiven Interessen der afrikanischen Völker widersprechen. Offensichtlich hat sich die Dame nicht mit Weltgeschichte der Kultur und der Wissenschaft befasst. Es war immer so, dass man von den überlegenen Zivilisationen vielesübernahm und schöpferisch weiter entwickelte. Ohne die herausragenden Leistungen der Hochkulturen des Vorderen Orients wären z.B. die späteren Glanzleistungen der antiken Hellenen nicht möglich gewesen. Übrigens geht es nicht nur um Europa, sondern en general um den Westen und seine prägenden Errungenschaften ausnahmslos in allen Gebieten des Lebens. Das heißt jedoch nicht, dass die afrikanischen Völker ihre Identität aufgeben und zu Europäern werden.                         NZZ (28.6.23)

Interessentheorie

 

Interessentheorie. Eine Abhandlung im Kooordinatensystem von Philosophie, Epistemologie, Theorie der Internationalen Beziehungen und Völkerrechtssoziologie

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Panos Terz, Interessentheorie,

Eine Abhandlung im Koordinatensystem von Philosophie, Epistemologie, Völkerrechtssoziologie und Theorie der internationalen Beziehungen

In : Papel Politico , No. 1, Vol. 14, 2009,  pp. 223-274 , Universidad Pontificia JAVERIANA, Facultad de Ciencias Politicas y Relaciones Internacionales

In honorem philosophi Graeci, praestabilis Epicuri

(Αφιερωμένο στον έξοχο Ελληνα Φιλόσοφο Επίκουρο )

Das Interesse ist die einzige Triebkraft der menschlichen Handlungen (Helvetius)

Resumen

El concepto de interés expresa un fenómeno polisintético. Por ello, se debe abordar desde un
punto de vista interdisciplinario. Desde la Grecia Antigua, ha sido relacionado con lo útil. En
lo que concierne a su percepción, hay una relación estrecha entre las necesidades, la razón,
el entendimiento, la voluntad, el conocimiento y la conducta. La categoría de intereses de mayor jerarquía son los intereses de la humanidad, los cuales, con relación a los problemas globalenglobales, son la expresión de la razón de nuestro tiempo (ratio humanitatis universalis).
Dichos intereses constituyen el referente y el criterio para las demás categoría de intereses y
para la conducta de los Estados. Desde una perspectiva filosófica,el comune bonum humanitatis representa los intereses de la humanidad. El interés es una categoría principal de la Teoria de las relaciones internacionales e de la  Sociología del Derecho Internacional.

Abstract

The interest is a polysynthetic phenomenon. Therefore you have to applicable a transdisciplinary reflection. Since the Old Greeks is the question of the utility. Concerning the
perception there is an internal coherence between the reason, the intellect, the will, the
knowledge and the act. The highest category of interest is the interest of mankind, in connection  with the global problems of mankind an expression of the reason in our time. That interest is standard and criterion for the other categories of interest and for the act of states. In philosophical view the commune bonum humanitatis is an expression of the interest of mankind. Regarding the realisation of state interests there is a furher frontier: the basical principles of international public law. The interest is a category fundamental of theTheory of international relations und of  the Sociology of the international public law.

Resümee

Das Interesse ist ein polysynthetisches Phänomen. Daher muss man eine transdisziplinäre
Sicht anwenden. Seit den Alten Griechen handelt es sich um den Nutzen. Hinsichtlich
der Wahrnehmung gibt es einen inneren Zusammenhang zwischen den Bedürfnissen, der
Wahrnehmung, der Vernunft, dem Verstand, dem Willen, der Erkenntnis und dem Verhalten.
Die höchste Interessenkategorie ist das Menschheitsinteresse, in Verbindung mit Problemen der Menschheit ein Ausdruck der Vernunft in unserer Zeit (Ratio humanitatis universalis).
Dieses Interesse ist Maßstab und Kriterium für die anderen Interessenkategorien und
für das Handeln der Staaten.
In philosophischer Hinsicht ist das commune bonum humanitatis ein Ausdruck des Menschheitsinteresses. Bezüglich der Realisierung der Staatsinteressen gibt es eine Grenze: die grundlegenden Prinzipien des Völkerrechts.

Das Interesse ist eine Hauptkategorie der Theorie der internationalen Beziehungen und
der Völkerrechtssoziologie.

Prolegomenon

Begründung der Themenstellung und Methodologisches

Die Interessenproblematik ist in den internationalen Beziehungen stets von großer Bedeutung und hoher Aktualität gewesen. Speziell in der Epoche der Globalisierung und der Existenz einer polygonalen Welt ist eine wachsende Rolle dieser Problematik zu
konstatieren.
Weil es sich um ein multisynthetisches Phänomen handelt, bedarf es bei der Untersuchung einer transdisziplinären Sichtweise. Daher gilt es, vor allem philosophische,
epistemologische, historische, politologische, völkerrechtstheoretische und vor
allem völkerrechtssoziologische Aspekte der Interessenproblemstellung zu beachten.

In wissenschaftstheoretischer Hinsicht ist davon auszugehen, dass die Interessen eine theoretische (Was: Wesen, Arten etc.), eine philosophische (Warum: Gründe für
ihre Existenz und Bedeutung) und eine methodologische (Wie: Wege und Methoden der Untersuchung) Komponente aufweisen. Letzteres ist weitestgehend fast deckungsgleich
mit der Methodologie der Interessentheorie.

Die vorliegende Studie ist das Ergebnis wissenschaftlicher Teiluntersuchungen, die
genau 1970 im Zusammenhang mit der Inangriffnahme der  Habilitationsschrift1des Autors
begannen und in mehreren Publikationen2 ihren Niederschlag fanden. In völkerrechtswissenschaftstheoretischer Hinsicht erfolgten systematischere Studien Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts sowie Ende der ersten Dekade des laufenden Jahrhunderts.4

Bei der vorliegenden Studie geht es nunmehr darum, die Interessen als eine Kategorie in erster Linie der Völkerrechtssoziologie als Bestandteil der Völkerrechtswissenschaft sowie als
Wissenschaftsdisziplin in statu nascendi einer akribischeren Untersuchung im Sinne
einer Interessentheorie zu unterziehen.

Die vorliegende Studie stellt jahrzehntelangeGrundlagenforschung dar. Es wird Neuland beschritten und es geht insgesamt um Erkenntniszuwachs.
Die Methodologie der Interessentheorie stützt sich auf die folgenden Grundsätze:

a ) Komplexität : Es geht in erster Linie darum, die Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit
der Interessen zu beachten. Hierzu gehören z. B. nicht nur ökonomische, sondern auch politische, weltanschauliche, nationale, religiöse, diplomatische, wissenschaftliche,
linguistische und strategische Aspekte. Daher wäre es sehr einseitig und verfehlt, die Interessen vulgär-materialistisch zu betrachten, d. h. nur von ökonomischen Interessen zu sprechen. Dies wiederum darf an der mitunter entscheidenden Bedeutung dieser Interessenkategorie keine Zweifel aufkommen lassen. Insgesamt
handelt es sich um materielle und ideelle Aspekte.

b)Transdisziplinarität : Sie hängt zwar im Prinzip mit der Komplexität zusammen, weist jedoch eine eminente Besonderheit auf, denn es geht um die transdisziplinäre
Sichtweise durch einen und denselben Forscher. All dies setzt jedoch ein breites Wissen und eine gehobene Allgemeinbildung voraus. Das Wissen darf sich auf alle Fälle nicht auf die eigene Fachdisziplin beschränken, denn eine monoklonale Sichtweise kann kaum zu Erkenntniszuwachs führen. Das transdisziplinäre Denken entspricht eigentlich dem Aufbau des menschlichen Gehirns mit den 100 Milliarden Nervenzellen und den 20 Tausend Dendriden pro Nervenzelle, wodurch zahllose Synapsen entstehen ( M. Mac. Donald, „Your Brain: The Missing Manual“, 2008 ).

In Ländern mit einem traditionell starken Rechtspositivismus erfolgt im Rechtsstudium eine Beschränkung auf die Rechtsdogmatik. Die Studierenden werden durch dieses storchbeinige und schmalbrüstige Studium völlig monoklonal ausgebildet, denn Philosophie, Soziologie, Logik, Wissenschaftstheorie und Psychologie sind für sie wie ein Buch mit sieben Siegeln. Die dahinvegetierenden Wahlfächer Rechtsphilosophie
und Rechtssoziologie ändern daran nichts.

c ) Systemhaftigkeit : Die verschiedenen Elemente der Interessen existieren nicht losgelöst
voneinander, sondern stellen, systemtheoretisch betrachtet, ein System dar.
Zwischen ihnen bestehen Wechselbeziehungen und gegenseitige Beeinflussungen, die die Struktur dieses Systems ausmachen. Hierdurch gewinnt das Interessensystem
eine hohe Dynamik, die sich in ihrer Effektivität sowie in ihrer Entwicklungs- und Veränderungsfähigkeit ausdrückt.

d ) Globalität :Sie beeinflusst erheblich die vielschichtigen Interessen der einzelnen Staaten und vermag, den Interessen-Hierarchiekatalog insofern so zu verändern, dass die Menschheitsinteressen an der Spitze der Interessen-Pyramide stehen.

e )Differenziertheit : Hier gilt es, Kriterien zu erarbeiten, um die relativ vielen Interessenkategorien nicht nur voneinander zu unterscheiden, sondern darüber hinaus überzeugende Abstufungen und Hierarchien in der Interessen-Typologie zu erzielen.

f ) Historizität (historische Methode) : Sie bedeutet vor allem, dass bestimmte Interessen unter historisch-konkreten Bedingungen entstehen und dass sie Wandlungen unterworfen sind. Der Interessenforscher hat ferner die tatsächliche historische Interessenentwicklung sowie die sich darauf beziehenden philosophischen und anderen Anschauungen zu beachten.

g ) Komparativität : Sie bezieht sich auf den Vergleich zwischen den Interessen unterschiedlicher Staaten nach bestimmten Kriterien wie z. B. nach den Menschheitsinteressen und nach dem Völkerrecht. Erst dieser Vergleich versetzt einen Staat in die Lage, seine Interessen in das internationale Interessen-Koordinatensystem besser einzuordnen. Sie erstreckt sich ferner auf die Art und Weise der Interessendurchsetzung.

h ) Dialektik : Es geht um das logische Verhältnis von subjektiven und objektiven
Faktoren. Es ist z. B. unphilosophisch und zutiefst undialektisch, sich nach dem archaisch-primitiven, neurotischen und infantil-pubertären Prinzip „Entweder-Oder“ als Ausdruck intellektueller Immobilität zu richten, das seit der Antike bis heute im Westen fast uneingeschränkt gilt: Entweder Idealist- Oder Materialist, Entweder Naturrechtler- Oder Rechtspositivist, Entweder liberal- Oder konservativ, Entweder Katholik Oder Protestant, in den 30 Jahren des 20 Jh., in Deutschland Entweder Nationalsozialist Oder Kommunist , „Entweder mit uns oder gegen uns“ (Bush jr.), Entweder Tag Oder Nacht etc. Man kommt nicht auf die einfache Idee, die Natur genauer zu betrachten : Es gibt nicht
nur den Tag und die Nacht, sondern auch die Morgenröte und die Abenddämmerung.

Der konfuzianische Methodologie-Ansatz scheint empfehlenswerter zu sein: „Sowohl- als Auch“. Darin liegen Vernunft, Verstand sowie Dialektik und nicht zuletzt auch Pragmatismus.
Dieses Prinzip ist also überzeugender und dialektischer. So wäre es richtiger für einen Staat, sowohl seine eigenen Interessen als auch die Menschheitsinteressen in einem dialektischen Sinne zu betrachten. Die konfuzianische Methode könnte im „Abendland“ zur Lösung vieler wissenschaftlicher und anderer Probleme führen. Seine Anwendung könnte die Denkart der Wissenschaftler des „Abendlandes“ positiv beeinflussen, vorausgesetzt, dass sie willens, fähig und bereit sind, die allgegenwärtige eurozentrische Grundhaltung zu überwinden.

i) Realitätsbezogenheit : Sie ist nur dann möglich, wenn sich die von den Akteuren erkannten Interessen auf echte Wahrnehmung, Vernunft, Verstand sowie auf die
richtige Erkenntnis stützen. Andernfalls besteht die große Gefahr, dass man sich mitunter gefährlichen Illusionen hingibt und sich nach gefährlichen nationalen Mythen richtet, die mitunter zu gewaltigen nationalen Katastrophen führen können
( z.B. „Große Idee“=“Großgriechenland“, „Großdeutschland“, „Großserbien“,
vielleicht in den nächsten Jahren „Großalbanien“ oder „Großtürkei“). Je größer die vernunftwidrigen Phantastereien sind, desto größer ist das darauf folgende Desaster.

j ) Prognose : Sich in etwa vorstellen können, welche Interessenkategorien in der
Perspektive Gewichts-Priorität erlangen könnten. Gegenwärtig wird die Friedliche Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Kultur- und Rechtskreise angewandt.5
Zugleich existiert jedoch eine einzige Supermacht mit ihren besonderen Interessen.
Ansonsten ist die Welt polygonal. Von wissenschaftlichem Interesse dürfte ebenso die Frage danach sein, welche Haltung zu der Interessenproblematik die kommende Supermacht China haben wird.

Linguistische (etymologisch-semantische) Aspekte des Interessenbegriffes

Es erweist sich als absolut notwendig, bei einer seriösen Erforschung des Begriffes „Interesse“ terminologische Klarheit zu schaffen. Es steht fest, dass dieser Terminus nicht aus der römischen Antike stammt, sondern im europäischen Mittelalter geprägt worden
ist.
Er beseht aus zwei Wörtern inter- esse und bedeutet wörtlich: dazwischen sein in
Raum und Zeit, gegenwärtig sein, es ist von Wichtigkeit, es ist von Bedeutung6. Aus dieser
Substantivierung ist das Fachwort „Interesse“ zur Bezeichnung des aus Ersatzpflicht herrührenden Schadens (13. Jh.) entstanden.7 Es ging um ökonomische Verhältnisse
(z. B. Preise, Werte und Zinsen).
Erst im 15. Jh. ist dieses Fachwort für Nutzen, Vorteil
und Gewinn verwendet worden.8

In philosophischer Hinsicht taucht der Begriff „Interesse“ zuerst bei den französischenmaterialistischen Philosophen des 18. Jh., vor allem bei Helvetius und Holbach auf.
Es wäre kurzsichtig, an der sprachlichen Oberfläche zu verweilen und sich vor anderen
Deutungsmöglichkeiten blind zu stellen. Wie die weitere Entwicklung vor allem der europäischen Philosophie gezeigt hat, ging es dem Wesen nach um Nutzen bzw. Vorteil. Gegenwärtig ist es genau so. Unabhängig davon, welches konkrete Wort benutzt wird, bildet der Nutzen das Gravitationszentrum der gesamten Interessenproblematik.

Ob lucrum und utilitas (Latein), avantage (Französisch), advantage, benefit oder
interest (Englisch), provecho, ventaja oder beneficio(Spanisch) geht es um das, was die griechischen Sophisten und Epikur als Sympheron ( Συμφέρον ) bezeichneten.

Auf dieser realistischen Grundlage sind ganze Theorien entstanden, die noch heute der Schlüssel sind, um die Interessen-Problematik richtig begreifen zu können.

Philosophische und epistemologische Explikationen der Interessen-
Problematik

Es ist ein großes Faszinosum, wie bereits vor 2500 Jahren die Philosophen des Antiken
Hellas das Wesen und die Bedeutung des Sympheron (Interesse, Nutzen, Vorteil)10 erfassten.
In der Morgenröte der abendländischen Wissenschaft sind bestechende Gedanken,
wahre aeternae veritates, formuliert worden. In der Fruchtkapsel des antiken
philosophein (φιλοσοφεῖν )und theorein ( θεωρείν ) ist schon der Humus enthalten, auf dem die Philosophen des modernen Europa ihre beeindruckenden Denkgebäude
errichteten. Von Anfang an war das Sympheron mit dem Atomon ( Άτομον), dem
Individuum verbunden. Es wurde zur Grundlage des sozialen Verhaltens des Individuums.

Der streitbare Rhetor Lysias schreibt z.B. prägnant: „Ότι ου περί πολιτείας εισίν αι πρός αλλήλους διαφοραί, αλλά περί των ιδία συμφερόντων εκάστω“ Λυσία ( Δήμου καταλ. απολ. 10 ) „.11
Somit macht Lysias den Nutzen für den Polis-Bürger mit zur Grundlage der
Polis. Die Sophisten Antiphon, Karneades und  Protagoras wurden konkreter, was den Nutzen für das Individuum betrifft. Während aber Antiphon an das Individuum
dachte, ging es bei Protagoras um den gesamtgesellschaftlichen Nutzen12. Der
Unterschied zwischen Jeremy Bentham und John Mill wurde 2300 Jahre früher
vorweggenommen.
Der individualistisch ausgerichtete Nutzen fand bei dem Komödien-Dichter Terenz ( Publius Terentius Afer ) sein Crescendo: „Proxumus sum egomet mihi“13 (Andria
IV, I; V. 636, „Jeder ist sich selbst der Nächste“).14

Erst durch die direkte Verbindung von Nutzen und Vereinigungstheorie erlangte
das Sypheron eine gewaltige wissenschaftliche und soziale Bedeutung. Mitte des 5./ Ende des 4. Jh. v. d. Z., als in Athen die Polis-Demokratie voll entwickelt war, rückten
anthropologisch- zentristische Fragestellungen in den Mittelpunkt philosophischer Überlegungen. Ihnen lag, was das Menschenbild anbelangt, das selbstbewusste Atomon,
der Polis-Bürger zugrunde. Dabei wurden die Polites (Bürger) prinzipiell als gleiche angesehen.

Atomon, Selbstbewusstsein und Gleichheit waren somit Voraussetzungen, um den Zusammenhalt der Polis und der Gesellschaft philosophisch zu erklären. Zu diesem Zweck ist die Vereinigungs-, oder Vereinbarungs- oder Vertragstheorie erarbeitet worden.

Am Anfang dieser bahnbrechenden Entwicklung standen die Sophisten Antiphon15 und Protagoras.16 Sie waren der sensationellen Auffassung, dass die Gesellschaft durch die Vereinigung (Vereinbarung, Vertrag) von ursprünglich voneinander isolierten
Atoma (Individuen) entstanden ist.
Verglichen mit der Vereinigungskonzeption der Sophisten war jene des Epikouros,
der ebenfalls anthropozentrisch dachte, ausgereifter. Er betrachtete die erste Lebensform der menschlichen Gesellschaft als einen Zustand von isoliert lebenden Individuen, die
sich durch Abmachungen über die gegenseitige Wahrung des Nutzens und die Vermeidung von Gewalt zu größeren Einheiten zusammenschlossen.17 Betont realistisch
argumentierend, meinte Epikur in dem Hauptlehrsatz 31: „Das der Natur gemäße Recht ist ein den Nutzen betreffendes Abkommen mit dem Ziel, einander nicht zu schädigen
noch sich schädigen zu lassen“.18 So wurde von ihm das Sympheron zum Dreh- und Angelpunkt des sozialen Lebens erhoben.
Er betrachtet das Sympheron sehr differenziert: „Die inhaltliche Bestimmung dieses Sympherons ist jeweils nach den konkreten Bedingungen des Landes und der Gesellschaft verschieden“ (Hauptlehrsatz 36).19

Epikurs Nützlichkeitsdenken erfasst weitere Lebensbereiche. Zu nennen sind vor allem die Freundschaft,20 die Kunst21 und sogar die Tätigkeit eines Forschers.22
Die Nützlichkeitstheorie Epikurs ist fester Bestandteil seines philosophischen
Denkgebäudes, das sich auf die Glückseligkeit ( Ευδαιμονία: Eudämonie)23 und zwar in ihrer hedonistischen ( Ηδονή: Hedone) Ausprägung stützt.
Sein Hedonismus ist jedoch trotz seines Spruches „Der Anfang und die Wurzel alles Guten ist die Lust des Bauches „(Fragmente, Athenaios 12, 546 F)24 nicht einseitig sinnlich orientiert.18 Epikur schätzt das Recht als etwas „Nutzbringendes in der gegenseitigen Gemeinschaft“ ein: (Hauptlehrsatz 36).
Er erklärt sogar den Nutzen zum Kriterium für die Gerechtigkeit der Gesetze.
Bringen sie unter veränderten Bedingungen keinen Nutzen mehr, dann muss man sie verändern (Hauptlehrsatz 38). In: Griechische Atomisten, Texte und Kommentare zum materialistischen Denken der Antike (Übers. und Hrsg.: F. Jürß, R. Müller und E. G. Schmidt), Leipzig, 1977, S. 290/291. Das Zustandekommen der Gesetzesänderung reflektiert sich in erster Linie „als Problem der Erkenntnis“ des Nutzens. Erst sie befähigt dazu die Bürger, die richtige Entscheidung zu treffen.
Der Hedonismus ist „die ethische Lehre, nach der der individuelle Genuss“ im Mittelpunkt des menschlichen Handelns steht“. Das Ethische Element besteht darin, dass der Mensch den Lustempfindungen nicht blindlings, sondern Kraft der Weisheit über sie folgt. Als Begründer des Hedonismus gibt Aristippos, ein Schüler des Sokrates..
Der Hedonismus ist eine Sonderform des Eudämonismus.
Denkt der Mensch nur an sich und genießt das Leben auf Kosten anderer, dann ist dies ein
egoistischer Hedonismus. Er stellt klar: „Es ist unmöglich, lustvoll zu leben, wenn man nicht vernünftig, anständig und gerecht lebt“ (Hauptlehrsatz 5)25 und „…Daher sagte Epikur, die Philosophie sei eine Beschäftigung, die durch Gedanken und Diskussionen das glückliche Leben schafft“ (Fragmente, Sextus Empiricus, Gegen die Wissenschaftler 11, 169).26 Es entspricht der historischen Wahrheit, dass Epikur das gesamte Spektrum der „geistigen Genüsse“ höher als die sinnlichen schätzte, weil sie in der menschlichen Erinnerung reproduzierbar sind.27

Es erweist sich für die weitere Untersuchung als notwendig und nützlich, die Hauptgedanken Epikurs über das Sympheron zusammen zu fassen:

1. Der Mensch ( Άνθρωπος :Anthropos ) schafft Gesellschaft und Staat. Somit wurde
durch Epikurs Lehre die Entstehung des Staates „aus dem mystifizierten Dunkel
mythischer Berichte über göttliche Stifter und Gründer gerückt und auf menschliche Leistungen, bewusstes menschliches Handeln zurückgeführt.28

2. Den zwischenmenschlichen Beziehungen liegen utilitaristische Erwägungen zugrunde.
Dies veranlasst zu der berechtigten Feststellung, dass dieser Philosoph als
Begründer der Interessentheorie betrachtet werden könnte. Epikur hat doch sein Denkgebäude weitestgehend auf den Kardinal-Terminus Technicus Συμφέρον gestützt.

3. Es wird von der Gleichberechtigung der einzelnen Individuen ausgegangen. Sein Gesellschaftsvertrag Συνθήκη ( Syntheke ) hat den „Contrat social“ des Rousseau vorweggenommen.

4. Eine eminente Voraussetzung für das Zustandekommen der Syntheke ist die Freiwilligkeit, die sich wiederum nach dem Sympheron richtet.

5. Die Syntheke stützt sich außerdem auf die Reziprozität im Sinne des gegenseitigen Unterlassens.

6. Durch die Syntheke erfolgt eine Koordinierung des Nutzen der einzelnen Individuen.
Diesen Vorgang kann man modern formulieren, auch als Interessenausgleich bezeichnen,
was nur unter den Bedingungen von notwendigen Kompromissen zustande
kommen kann.

7. Epikur, ein materialistischer, realistischer, anthropozentristischer und humanistischer Philosoph, schuf eine überzeugende Nützlichkeitstheorie . Daher kann er als Begründer des antiken Utilitarismus mit seinen spezifischen Merkmalen bezeichnet
werden. Epikur hat seine Nützlichkeitsauffassung auch auf das Recht und
die Gerechtigkeit ausgedehnt. Er erklärte z. B. den Nutzen zum Kriterium für die Gerechtigkeit der Rechtsnormen: Solange die Rechtsnormen nützlich sind, sind sie
gerecht. Bringen sie unter veränderten Bedingungen keinen Nutzen, dann sind sie ungerecht (Hauptlehrsatz 38).29

8. Die Nützlichkeitstheorie Epikurs ist Bestandteil seines Eudämonismus, genauer des Hedonismus, der sowohl sinnliche als auch geistige Genüsse einschließt.

9. Der Nutzen muss erkannt werden (Verhältnis von Erkenntnis und Nutzen).
Hierbei handelt es sich um einen bahnbrechenden Gedanken der altgriechischen Materialisten.

Im 17./18. Jh. Haben sich unter völlig anderen historischen Bedingungen in erster Linie materialistische Philosophen nicht nur allgemein im Sinne des Eudämonismus mit der Nützlichkeitsproblematik befasst, sondern sie prägten den Begriff „interét“ in
der Philosophie.
So betrachtet Holbach die Nützlichkeit als den rechten Maßstab für die Urteile der Menschen: „allein die Nützlichkeit“ sei ein solches Kriterium. Nützlich
sein, heißt nach Holbach „zum Glück seiner Mitmenschen beizutragen“. Er stellt ferner klar, dass das Interesse stets nur das sein kann, was jeder von uns für seine Glückseligkeit als notwendig erachtet“.30 Dies ist Eudämonismus par excellence. Es
geht konkret um das Interesse des bürgerlichen Individuums. Dem Wesen nach ist das so verstandene Interesse Ausdruck der Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen,
sein Leben selbst zu bestimmen.Karl Marx meint zu Holbachs Auffassung: „Bei
Holbach wird alle Betätigung der Individuen durch einen gegenseitigen Verkehr als Nützlichkeits- und Benutzungsverhältnis dargestellt.“ Und weiter: „Der materielle Ausdruck
dieses Nutzens ist das Geld, der Repräsentant der Werte aller Dinge der Menschen und Gesellschaftsverhältnisse“.31

Während Holbach an den gesamtgesellschaftlichen Nutzen denkt, beschränkt
Helvetius ihn auf das Individuum, auf dessen Eigennutz. Die Überbetonung des Interesses
durch Helvetius erinnert stark an Epikur, vor allem, indem er das Interesse als „die einzige Triebkraft der menschlichen Handlungen“32 betrachtet. Er stellt eine
Verbindung zwischen dem Interesse und der Moral her, indem er seinen Blick auf die moralischen Überzeugungen der Menschen als Wirkung der Interessen ansieht.33 Im Unterschied von ihm will Rousseau die natürlich angelegten Interessen durch moralische Erziehung erst so ausbilden, dass sie zu Triebkräften moralischen Handelns werden. Helvetius
ist für das „interét privê“, während Rousseau eher für das „amour de l´ordre“ und das „interêt moral“ eintritt, was letzten Endes zu dem „volonté général“ führen kann.34 Insgesamt kann die Auffassung von Holbach und Helvetius als realistisch,
materialistisch und soziologisch eingeschätzt werden.35 Dabei sind die hedonistischen Züge nicht zu übersehen.36 Ihr Hedonismus hat eine bestimmte Stoßrichtung, die propagierte
Askese für die niedergehaltenen Volksschichten durch das religiöse Weltbild des Feudalabsolutismus.37

Während es bei der französischen Nützlichkeitstheorie mehr um moralische und philosophische Fragestellungen geht, führt Jeremy Bentham die ökonomische Komponente ein, zumal England sich dynamisch zu dem ersten industriekapitalistischen Staat
entwickelte. Bentham gilt als der Begründer des modernen Utilitarismus.

Im Rahmen seines hedonistischen Utilitarismus wird die Nützlichkeit grundsätzlich auf Freud und Leid zurückgeführt. Nach dem „Nützlichkeitsprinzip“ hängt die moralische Qualität der menschlichen Handlungen davon ab, ob sie das Glück aller Betroffenen vermehren („An Introduction to the Principles of Morals and Legislation“).38
Sein Gemeinwohl-Gedanke wird jedoch subjektiv aufgefasst und zwar über die
artikulierten Interessen der Bürger.39 Durch den Utilitarismus wird theoretisch das menschliche Handeln in dem Sinne erklärt, dass die Erziehung des Nutzens das treibende
Motiv des Handelns ist.40 Dabei handelt der Einzelne nach seinem anlagebedingten Streben nach ökonomischer Vorteilsmaximierung.41 Seine utilitaristische Auffassung
ist letzten Endes individualistisch ausgerichtet.42

Zu der Entwicklung des englischen Utilitarismus trug ebenso John Mill bei („Utilitarianism“).
Er sah sich veranlasst, klarzustellen: „Ich muss nochmals wiederholen,
was die Angreifer des Nützlichkeitsprinzips selten anzuerkennen bereit sind: Dass die
Glückseligkeit, welche für den utilitaristischen Moralisten den sittlichen Maßstab abgibt, nicht des Handelnden eigene Glückseligkeit, sondern die aller Beteiligten ist.43 Nach ihm strebt jeder Mensch nachdem, was ihm nützlich ist, und hierdurch seine Lust (Glück) vergrößert werden kann. Der Einzelne hat aber mehr Nutzen, wenn er sein Streben dem allgemeinen Ziel anpasst. So kann kein Widerspruch zwischen dem persönlichen
und dem allgemeinen Wohlergehen entstehen.44 Es ist nicht zu übersehen, dass Mills
Utilitarismus-Konzeption stark gemeinschaftlich orientiert ist.

Bentham und Mill schufen den englischen Utilitarismus, der eine universalistische Ethik konzipierte („the greatest happines of the greatest number“).45 Gerade
der englische Utilitarismus bildet die Grundlage und die Rechtfertigung nationalökonomischer Lehren des Liberalismus, nach dem die Maximierung des Nutzens des Einzelnen zur Maximierung des Wohls der Gesellschaft führt.46 Speziell die Auffassung
Benthams, dass nur anerkannt werden kann, was tatsächlich menschlichem
Verhalten ableitbar ist, führte zu einem regelrechten Credo der verschiedenen Schulen des Realismus.47 Bentham konnte nicht ahnen, dass 200 Jahre später die Profitmaximierung
im Sinne des Neoliberalismus zu Finanzorgien und Exzessen (z. B. die
„Hedge Funds“ im Stile einer vernunft- und moralischen Hybris etwa im Sinne der
altgriechischen Tragödien führen würde. Die Nemesis hat nicht lange auf sich warten lassen: Die größte kapitalistische Finanzkrise. Somit liegt eine neoliberale Pervertierung
des eudämonistischen und hedonistischen48 englischen Utilitarismus vor.
Aus heutiger Sicht stellt sich der Utilitarismus als eine der vielen Dunstwolken aus der Zeit des aufkommenden Bürgertums dar. Letzten Endes hat sich schon längst ein nicht nur individualistischer, sondern darüber hinaus ein egoistischer Utilitarismus durchgesetzt.
Dies hat sehr negative Folgen auch für die internationalen Beziehungen.
Für den weiteren Verlauf der vorliegenden Studie erscheint es als besonders nützlich,
die Kerngedanken der französischen und der englischen Materialisten zusammen zufassen:

Franzosen:

1. Die Nützlichkeit findet ihren eigentlichen Sinn darin, zum Glück der Mitmenschen
beizutragen (Holbach).

2. Die Nützlichkeit bedeutet Selbstbestimmung und Eigennutz des einzelnen (Helvetius).

3. Das Interesse ist unabdingbar für das individuelle Glück.

4. Das Interesse ist die einzige Triebkraft der menschlichen Handlungen.
5. Herstellung einer Verknüpfung von Interesse und Moral.

Engländer:

1. Die Nützlichkeit ist ökonomisch orientiert.

2. Die Erzielung des Nutzens ist das treibende Motiv des Handelns.

3. Verbindung von Nützlichkeit und Moral durch die Erlangung und Vermehrung des
Glücks aller (Mill).

4. Bei der Erziehung und Maximierung des Nutzens geht es in erster Linie um das
Individuum (Bentham).

5. Der englische Utilitarismus ist stets theoretische Grundlage des Liberalismus unterschiedlicher Ausrichtung gewesen.

Im Gegensatz zu den französischen und englischen Interessen-Forschern besitzt die Interessen-Konzeption der deutschen Philosophen einen erheblich höheren theoretischen Abstraktionsgrad und insgesamt eine größere philosophische Tiefe. Karl Marx:
Die anderen (Franzosen) haben die richtige Revolution gemacht, Deutschland hat die „Revolution im Denken“ realisiert. Ihr Interessenverständnis liegt im gedankenreichen und ausschlaggebenden Koordinatensystem der Kardinal-Termini Wahrnehmung, Vernunft, Verstand, Wollen, Erkenntnis und Verhalten.

Bereits in der griechischen Antike war dem Materialisten Demokritos, wenn auch
nur in allgemeinen Zügen, das Verhältnis von Wahrnehmung, Verstand, Vernunft und Erkennen bewusst: „Die sinnlichen Eindrücke bieten also lediglich Interpretationen
der Vorgänge auf atomarer Ebene. Nur der Verstand kann diese Prozesse erkennen –allerdings bedarf es als Basis der kritisch betrachteten, sinnlichen Wahrnehmungen.
Demokrit reflektiert dieses Problem, welche Lösung er selbst dafür bot: Demokrit („…ließ die sinnliche Wahrnehmung folgendermaßen gegen die Vernunft reden: „Unselige
Vernunft! Obwohl du von uns deine Beweise nimmst, streckst du uns zu Boden? Unser Fall ist dein Sturz“ (Galen, de med. empir. 15, 114, Walzer = DK 68 B 125).49 Porphyrios,
ein Neuplatoniker, stellt sogar eine direkte Verbindung von Erkenntnis und Nutzen her: Es ist die Rede von einer verstandsgemäßen Erfassung des Nutzens „sowie von einer unbewussten Wahrnehmung des Nutzens (Porphyrios, Über die Enthaltsamkeit“
1, 7-12, Hermarchos, Epistolika über Empedokles).50
Vor dem Verweilen in der Galerie der großen Geister Kant und Hege bedarf es auch in diesem Falle linguistischer Untersuchungen ad fontes, um terminologische
Klarheit über die Termini „Vernunft“ und „Verstand“ zu erlangen. Dabei erweist es sich als erforderlich, auf die adäquaten Begriffe des Altgriechischen als die erste und
einflussreichste Wissenschaftssprache zurück zu greifen.
Vieles, vor allem das Sprachgefühl der Kenner des Altgriechischen, spricht dafür, dass dem Begriff „Vernunft“ das altgriechische Wort νους (auch vóos) entsprich.51 Es wird als das „Vermögen geistiger Wahrnehmung“ definiert.52
Ihm ist adäquat das lateinische Wort ratio53 und nicht intellectus, wie im allgemeinen behauptet wird.54 Gerade durch die ratio erhebt sich der Mensch über das Tier.55 Es ist wohl kein Zufall, dass man in der Zeit der Aufklärung von einem ius rationis (Vernunftrecht) sprach. Dem Begriff„Verstand“ ist entsprechend das altgriechische διάνοια ( Verb : διανοέομαι : ich denke nach).56 Der adäquate Begriff hierfür im Lateinischen ist intellectus (geistiges Verständnis, Vorstellung der Begriffe).57

Kant versteht unter Vernunft das Vermögen der Ideen, des Unbedingten, der Totalität.58 Bei Hegel wird die Vernunft zum Weltprinzip erhoben.59 In etwa ähnlich formuliert Habermas die Vernunft: leitende Idee des Handelns des Menschen als Gattungswesen.60 Konkreter ist die Begriffsdefinition von Mittelstraß: „Bezeichnung für die Fähigkeit des Menschen sich gemeinsam über die aller Verstandestätigkeit und sinnlichen Wahrnehmungen voraus liegenden und
durch sie vorausgesetzten Prinzipien Rechenschaft geben zu können“.61 Dem Wesen nach handelt es sich tatsächlich um die prinzipiellen Bedingungen allen Erkennens und Handelns62 und um die Fähigkeit umfassender Geistestätigkeit des Menschen als Gattungswesen.63

Nach Kant ist der Verstand das menschliche Vermögen, Vorstellungen selbst hervorzubringen
oder die Spontaneität der Erkenntnis. Dieser Vorgang geschieht mit Hilfe
von Begriffen und Urteilen.64 Nach Hegel ist Verstand die aktive Geistestätigkeit, die auf abstrakter Ebene als Moment der Totalität zu betrachten ist.65 Insgesamt kann
der Verstand eingeschätzt werden als das theoretische und praktische Vermögen des Menschen, die objektive Realität einzufangen66 und in Begriffe zu fassen.67

Von ihm ist der Common sense (Sensus communis) zu unterscheiden, der in etwa dem deutschen Ausdruck „Gesunder Menschenverstand“ entspricht. Hierbei handelt es sich
um eine Schöpfung der „Schottischen Schule“, nach der sich die Erkenntnistheorie an der Erfahrung des „Mannes auf der Straße“ orientiert.68 Zu dem schwierigen Verhältnis von Vernunft und Verstand meint Kant, „dass die Vernunft über dem Verstand erhoben ist“,69 während Hegel klarstellt: „Die Vernunft ohne Verstand ist nichts, der Verstand
doch etwas ohne Vernunft“ (Aphorismen).70

Das Punctum qaestionis der Problematik der Vernunft ist die Verbindung mit
dem Interesse. In der europäischen Aufklärung war Rousseau der erste Theoretiker, der eine enge Verknüpfung von Vernunft und Interesse herstellte,71 zumal die Aufklärung
mit wissenschaftlichen Mitteln, vor allem mit philosophischen Denkgebäuden dem aufkommenden Bürgertum diente. Alles Überkommene, die Religion, die Naturanschauung, die Gesellschaft und die Staatsordnung „sollte sein Dasein vor dem Richterstuhl der Vernunft rechtfertigen oder aufs Dasein verzichten“. Das „Reich der Vernunft“brach an (Engels).72 Die Vernunft entwickelte sich derart zu einem Wundermittel, dass Vernunft mit Philosophie gleichgesetzt wurde. Somit ist ein progressiver Glaube, der Vernunftglaube, entstanden.73 Kant sieht, ähnlich wie Rousseau, einen inneren Zusammenhang zwischen der Vernunft und dem Interesse. Noch konkreter: Die Vernunft
wird durch Interessen definiert. (Vernunftinteresse). Nach Kant ist das Interesse der Vernunft die treibende und formende Kraft für die Erkenntnisbildung. Er unterscheidet dabei zwischen dem „Interesse der Vernunft“ (auch „interessierte Vernunft“) als ideologiekritisches
Instrument und der „Vernunft der Interessen“ (auch „vernünftige Interessen“) als Programm einer erkenntnistheoretischen Konzeption. Das Vernunftsinteresse ist nach Kant das „reine“, das „praktische“ Interesse.74
Das Interesse muss erkannt werden. Hierdurch gewinnt die Interessenproblematik
eine epistemologische Dimension, denn es geht um die Kardinalfrage der Gnoseologie.

Bereits Demokritos hat sich mit dieser extrem komplizierten Problematik befasst. „
In den „Regeln“ sagt Demokrit, dass es zwei Arten der Erkenntnisse gebe: zum einen mittels der sinnlichen Wahrnehmung, zum anderen jene durch den Verstand. Von diesen
bezeichnet er die verstandsmäßige als die „echte“ und bezeugt ihre Zuverlässigkeit, die
Wahrheit zu beurteilen: die Erkenntnis anhand der sinnlichen Wahrnehmung bezeichnet er hingegen als die „dunkle“ (Sextus Emp. Adv. Math. VII 137=DK 68 B 11b).75 D. h., Demokritos hat bereits vor 2400 Jahren zwischen der Sinneserkenntnis und dem
Denken unterschieden. Er gehört wie auch  Herakleitos und Empedokles zu der materialistischen Linie der antiken griechischen Philosophie. Seine glänzende
Idee berechtigt dazu, ihn als Begründer der Erkenntnistheorie zu betrachten.76

Nach dem gegenwärtigen Stand der Epistemologie bedeutet Erkenntnis das begründete Wissen über einen Sachverhalt. Es wird dabei zwischen der diskursiven und der intuitiven bzw. evidenten Erkenntnis unterschieden.77 Die Diskursivität charakterisiert ein methodisch fortschreitendes, das Ganze aus seinen Bestandteilen aufbauendes Denken.78
Die intuitive Erkenntnis hingegen bezieht sich auf die unvermittelte Erfassung von Gegenständen, Sachverhalten und Begriffen.79 Im Grunde genommen, geht es um das
geistige Schauen, Erfassen wollen der objektiven Realität unter Verzicht auf wissenschaftliches Denken. Insgesamt ist die Intuition auch als „schöpferische Eingebung“ bekannt.
Dieser Begriff geht auf den idealistischen Philosophen Platon zurück.80 Popper
unterscheidet ferner zwischen der subjektiven (Geistes- oder Bewusstseinszustand) und
der objektiven (sprachlich formulierter Theorien und Argumente) Erkenntnis.81

Bereits bei Demokrit und Epikur sind wesentliche Elemente der Abbild- bzw.
Widerspiegelungstheorie festzustellen. Sie sind neubegründet und weiterentwickelt
worden, in erster Linie durch den englischen materialistischen Sensualismus (Hobbes:
„Lehre vom Körper“ und Locke: „Über den menschlichen Verstand“) und etwas
später durch den französischen Materialismus (Holbach: „System der Natur“ und Diderot: „Elemente der Physiologie“).82 Das Erkennen eines Gegenstandes ist nur
auf Grund eines „Erkenntnisinteresses“ im Sinne des Wollens möglich (E. Husserl,
Erfahrung und Urteil, Untersuchungen zur Genealogie der Logik“).
Husserl ist der erste, der diesen Terminus geprägt hat. Diese interessante Wortschöpfung wird
definiert als eine „allgemeine Zwecksetzung, die die Konstitution und Ausdifferenzierung des (wissenschaftlich) erkannten Gegenstandes leitet! 83 Habermas geht weiter, indem er Wissenschaftstypen unterschiedlicher Erkenntnisinteressen annimmt. Dabei geht
Habermas von der Vernunft aus, die sich im Verlauf der menschlichen Gattungsgeschichte
in Erkenntnisinteressen fächert.
Die Erkenntnisinteressen wiederum institutionalisieren sich in entsprechenden Typen der Wissenschaft wie z. B. Aufbau der empirisch-analytischen Wissenschaften durch das technische Interesse, Aufbau der hermeneutischen Wissenschaften durch das praktische Interesse und Reflexion auf Wissensbildung (z. B. Philosophie durch das emanzipatorische
Interesse ( I. Habermas, „Erkenntnis und Interesse“ ).84

Diese Gedanken könnten bei Betrachtung des Menschen nicht nur abstrakt als
Gattungswesen, sondern z. B. auch als konkretes forschendes Wesen, weiter entwickelt
werden. Das Erkenntnisinteresse als emanzipatorisches Interesse veranlasst einen Forscher,
eine Theorie z. B. die Interessentheorie- Ziel des Vorliegenden Beitrage- oder sogar
eine neue Wissenschaftsdisziplin sukzessive zu erarbeiten. Voraussetzung hierfür sind
sein Verstand und sein Wollen, die mentale und geistige Nützlichkeit eines Forschungsgegenstandes zu erkennen. Hierin realisiert sich die Vernunft. Der konkrete Forscher denkt und handelt außerdem im Sinne des aretologischen Hedonismus des Aristoteles, denn es wird durch eine erfolgreiche geistige Tätigkeit Lust (Glück) erzeugt(Aristoteles: Die Erkenntnis als das höchste Menschenglück).
Hierdurch werden neue Erkenntnisse geschaffen. Dem entspräche der Begriff Forscherglück.

Nach den neueren Erkenntnissen der Hirnforschung setzt sein Gehirn drei mal Endorphine frei: Bei der Ideen Geburt, bei der Ideenrealisierung und nach dem Abschluss der Forschungsarbeit. Insgesamt schafft die schöpferische Unruhe einen Rauschzustand höchsten Menschenglückes.
Dies wiederum schafft Voraussetzungen für weitere erfolgreiche und Glücks bringende Forschungstätigkeit. Hierbei handelt es sich u. E. um die edelste und höchste Selbstverwirklichungsform des menschlichen Individuums. Der geistige Nutzen oder anders formuliert, das Forscher-Erkenntnisinteresse ist identitätsformend, identitätskonstitutiv
sowie identitätssichernd. Es geht im Prinzip um die Identität eines Forschers.

Das volitive Element spielt bei Hegel eine andere, entscheidendere Rolle als bei
Husserl, denn für Hegel ist das Interesse ein „identitätsbildendes und identitätssicherndes Wollen“, das aus praktischen Erfahrungen gewonnen wird. Dieses richtet sich auf allgemeine Formen des Lebens und Handelns. Es ist darüber hinaus Ausdruck der geistigen Identität einer Person. Ihr Leben und Handeln wird durch das Wollen im Sinne des Interesses geformt.85 Hegel liefert die wichtigste Erkenntnis, um das Interesse zu verstehen: Das Interesse entsteht aus dem Willen nach Objektivität. Es geht im Wesentlichen um die Objektivierung der subjektiven Zwecke.86 Das ist die hohe Schule der Dialektik. Es fällt auf, dass der Begründer der modernen Dialektik, des Kernstücks der Philosophie, nicht
statisch von subjektiven und objektiven Interessen spricht, wie dies vor allem in der Philosophie87 und in der Politikwissenschaft üblich ist. Dabei werden die subjektiven
Interessen definiert als „Vorlieben und Präferenzen, welche der einzelne … als seine eigenen wahrnimmt und sein Verhalten entsprechend ausrichtet“. Weiter werden die objektiven Interessen als „unabhängig von ihrer Wahrnehmung“ aufgefasst, „insofern sie essentiellen Bedürfnissen entsprechen“.88 Diese Auffassung wird von Vertretern des
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Dialektischen Materialismus mit besonderer Vehemenz vertreten: Die Interessen werden als „ideelle Erscheinung“, als „Zustand des Bewusstseins“, als „Gerichtetsein der
Aufmerksamkeit“ und als „bewusst gewordene Bedürfnisse“ aufgefasst. Die Interessen werden außerdem als „objektive Erscheinungen oder Verhältnisse“ definiert.89

Die Psychologie wiederum bedient sich naturgemäß einer subjektivistischen Begriffsbestimmung: Interesse als „Ausdruck der Anteilnahme und Aufmerksamkeit“ sowie als „individuelle und relativ konstante Bereitschaft, sich mit bestimmten Gegenständen, Zielen und Tätigkeiten zu beschäftigen, die subjektiv als besonders wichtig empfunden
werden“.90 Karl Deutsch weist wiederum auf die „Doppelnatur“ des Interessenbegriffes hin: zum einem die „tatsächliche Aufmerksamkeit“, zum anderen „eine wahrscheinliche
Belohnung“,91 also Vorteil.

Es fällt auf, dass bei den genannten Interessen-Definitionen in unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten die Interessenproblematik nicht in ihrer Komplexität betrachtet wird. Erkenntnisse der Grundlagenwissenschaft Philosophie scheinen auch keine Rolle zu spielen, als hätten es sie überhaupt nicht gegeben. Ein weiteres Problem liegt möglicherweise im Linguistischen.

Im Griechischen gibt es zwei Wörter für unterschiedliche Sachen: Sympheron für den Nutzen (Vorteil) und Endiapheron ( Ἐνδιαφέρον)für das Interessiertsein. Die historisch bedingt viel später entwickelten Sprachen wie die romanischen, die germanischen und die slawischen sind auf den im Mittelalter geprägten Begriff „Interesse“ angewiesen gewesen, der sehr interpretationsfähig und –bedürftig ist. Legt man aber den Begriff „Nutzen“, d. h. die deutsche Übersetzung des „Interesses“ in der Soziologie zugrunde, dann ist die Begriffsbestimmung fast problemlos: „Summe der Vorteile, welche dem Akteur aus seinem Verhalten erwachsen“.92

Eine Problemlösung ist nur auf der Basis der Hegelschen Dialektik möglich: Das denkende und tätige Subjekt besitzt den Willen, etwas als nützlich zu erkennen. Es stützt sich dabei auf die Vernunft und auf den Verstand.
Im Mittelpunkt steht somit das subjektive Element. Danach richtet der Mensch sein Verhalten. Es erfolgt die Objektivierung des nützlichen Charakters einer Erscheinung
bzw. eines Gegenstandes.

Hieraus folgt: Es gibt keine Trennung von subjektivem und objektivem Interesse. Das Interesse ist hingegen ein einheitlicher terminus scientificus mit subjektiven und objektiven Elementen. Dabei spielt das subjektive Element eine aktive Rolle und besitzt eine konstitutive Kraft. Subjektives und objektives Element bilden eine dialektische Einheit und bedingen sich gegenseitig. D. h., nur in dieser Wechselbeziehung, in diesem inneren Zusammenhang wird das Interesse geortet.

Gerade dies macht das Interesse zu einem dynamischen, entwicklungs- und veränderungsfähigen Phänomen.
Der Wille des Menschen (Subjekt, Akteur), eine Erscheinung als nützlich wahrzunehmen, stützt sich auf vielfältige Bedürfnisse. Hieraus ergibt sich auch die Vielfalt der
Interessen. Hierzu gehören vor allem ökonomische, politische, geostrategische, ideologische,
kulturelle, technologische , religiöse etc. Interessen,93 die gerade in der Epoche der Globalisierung von großer Bedeutung sind. Eine Einschränkung des Interesses auf die ökonomische Komponente wäre hingegen vulgärmaterialistisch.
Bedürfnisse, Interessen, Wahrnehmung, Vernunft, Verstand, Wille, Erkenntnis, Verhalten gehören epistemologisch derart eng zusammen, dass es als angemessen erscheint, sie als System zu betrachten. D. h. in concreto, zwischen allen Systemelementen gibt es
Wechselbeziehungen, die die Struktur dieses Systems darstellen. Hierdurch erlangt das System eine hohe Dynamik. Gerade in dem so verstandenen System bestehen Möglichkeiten für Erkenntniszuwachs.

Die hier entwickelten Gedanken sind für die völkerrechtssoziologische und die internationaltheoretische Dimension der Interessenproblematik von größtem Nutzen.

Folgend sollen die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst werden. Dies wird die Behandlung der völkerrechtssoziologischen und der internationaltheoretischen Aspekte der Interessenproblematik erheblich erleichtern.

1. Die Interessenkonzeption der deutschen Philosophie weist den höchsten Abstraktionsgrad
und die höchste philosophische und epistemologische Reife auf.

2. Zwischen den Bedürfnissen, der Wahrnehmung, den Interessen, der Vernunft, dem
Verstand, dem Willen, der Erkenntnis und dem Verhalten gibt es einen logischen
Zusammenhang.

3. Die Vernunft ist das Vermögen der Ideen, des Unbedingten der Totalität (Kant). Sie
stellt ein Weltprinzip dar (Hegel). Die Vernunft ist eine leitende Idee des Handelns
des Menschen als Gattungswesen (Habermas).

4. Der Verstand ist das menschliche Vermögen, Vorstellungen selbst hervorzubringen
oder die Spontaneität der Erkenntnis (Kant). Nach Hegel ist der Verstand die aktive
Geistestätigkeit auf abstrakter Ebene als Moment der Totalität zu betrachten. Insgesamt
bedeutet Verstand das theoretische und praktische Vermögen des Menschen,
die objektive Realität einzufangen und in Begriffen zu fassen.

5. „Gesunder Menschenverstand” ist das Erfahrungswissen des “Mannes von
der Straße”.

6. Die Vernunft wird durch Interessen definiert (Hegel). Das „Interesse der Vernunft“ ist die treibende und formende Kraft für die Erkenntnisbildung. Das „Interesse
der Vernunft“ („interessierte Vernunft“) ist ein ideologiekritisches Instrument. Die „Vernunft der Interessen “(„vernünftige Interessen“) ist Programm einer epistemologischen
(erkenntnistheoretischen) Konzeption (Kant).

7. Das Subjekt kann nur auf Grund eines „Erkenntnisinteresses“ (Husserl) im Sinne des Wollens einen Gegenstand erkennen (Hegel).

8. Die Vernunft fächert sich in der menschlichen Geschichte in Erkenntnisinteressen, die
sich in entsprechenden Typen der Wissenschaften institutionalisieren (Habermas).

9. Das Interesse ist „identitätsbildend“ und ein „identitätssicherndes Wollen“ (Hegel).
D. h., das Nützlichkeitsdenken ist jedem Menschen immanent.

10. Das Interesse entsteht aus dem Willen nach Objektivität (Objektivierung der subjektiven
Zwecke), (Hegel).

11. Die Trennung nach „subjektiven“ und „objektiven“ Interessen ist logisch nicht stichhaltig.
Sie ist außerdem überholt. Das Interesse weist sowohl subjektive als auch
objektive Elemente auf, die sich gegenseitig bedingen. Sie stellen eine dialektische
Einheit dar.

12. Der Mensch (Subjekt, Akteur) besitzt den Willen, etwas (Erscheinung, Gegenstand)
für sich als nützlich zu erkennen. Er stützt sich dabei auf die Vernunft sowie auf den
Verstand. Das subjektive Element ist konstitutiv. Die subjektiv erkannte Nützlichkeit
wird objektiviert.

13. Das Forscherglück ist eine besondere Ausdrucksform des Eudämonismus (Erkenntnis-
Glück) und des Hedemonismus (Erkenntnis als höchste Form des Genießens). Diese
ist Ergebnis sowie Ausgangspunkt erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit.

14. Bedürfnisse, Wahrnehmung, Interessen, Vernunft, Verstand, Wille, Erkenntnis, Verhalten
stellen in epistemologischer Hinsicht ein System dar. Die Wechselbeziehungen
zwischen den einzelnen System-Elementen bilden dessen Struktur. Hierdurch erlangt
das System hohe Dynamik.

Völkerrechtssoziologische Dimension und internationaltheoretische der Interessenproblematik
Es ist bereits in dem Prolegomenon der vorliegenden Studie darauf hingewiesen
worden, dass Forschungsneuland beschritten wird. Das Interesse gehört zwar u. E. in erster Linie zu den Hauptkategorien der Völkerrechtssoziologie als Bestandteil der Völkerrechtswissenschaft sowie als Wissenschaftsdisziplin in statu nascendi, und zur Theorie der internationalen Beziehungen  eine tiefer gehende und seriöse Auslotung der Interessenfrage hat sich jedoch uneingeschränkt auf philosophische und wissenschaftstheoretische Erkenntnisse zu stützen. Andernfalls bleibt es bei den bisher üblichen sporadischen und oberflächlichen Meinungsäußerungen
zu der Interessenproblematik.

Die meisten Arbeiten beziehen sich auf ganz konkrete Aspekte (Kategorie, Staat) des Gegenstandes. Die Kurzäußerungen zu theoretischen Teilaspekten muten ziemlich
voluntaristisch an, weil eben eine theoretische Konzeption fehlt.
Sicherlich wäre es prinzipiell möglich, die Zahl der Akteure etwa im Sinne einer Theorie der Internationalen Beziehungen wesentlich zu erweitern. Das würde allerdings
den Rahmen des vorliegenden Beitrages bei weitem sprengen. Es ist den Zielen dieses Abschnittes dienlich, zielgerichtet entscheidende philosophische und wissenschaftstheoretische Erkenntnisse zu bündeln:

1. Interesse bedeutet dem Wesen nach Nutzen, Nützlichkeit, Vorteil.

2. Das Interesse als Terminus scientificus ist eine Erfindung realistisch und materialistisch
denkender europäischer Philosophen. Die idealistischen Philosophen kamen
später (19.Jh.) dazu.

3. Das Interesse ist die wichtigste Triebkraft der menschlichen Handlungen. Die Erzielung
des Nutzens ist ein treibendes Motiv.

4. Die Nutzensrealisierung vermag, Glückseligkeit zu schaffen. Somit ist der Nutzen ( Interesse ) Grundlage des Eudämonismus und des Hedonismus.

5. Der Hedonismus erstreckt sich auf materielle sowie auf ideelle Genüsse.

6. Das Nützlichkeitsdenken ist dem menschlichen Individuum immanent. Insofern erfolgt die Nutzensrealisierung grundsätzlich individuell und ist Ausdruck der Autonomie des Individuums.

7. Die Realisierung des eigenen Nutzens auf Kosten der Mitmenschen ist egoistisch und damit amoralisch.

8. In der menschlichen Gesellschaft geht es um den Nutzen, um das Glück sowohl des Individuums als auch der ganzen Gesellschaft. Dies erfolgt in erster Linie auf der Grundlage der Verfassung.

9. Die Verfassung ist das Ergebnis des Interessenausgleichs der Bürger.

10. Die Interessen- (Vorteils-, Nutzens-) Maximierung führt grundsätzlich im eudämonistischen Sinne zu Glückserhöhung. Sie ist nicht egoistisch, sondern höchstens
individualistisch.

11. Die Interessenrealisierung zum Wohl der ganzen Gesellschaft im Sinne des Gemeinwohl-
Gedankens entspricht der Moral.

12. Das Interesse (Nutzen, Nützlichkeit, Vorteil) muss von den Akteuren zuerst wahrgenommen (Wahrnehmung) und erkannt (Erkenntnis) werden. Dazu bedarf
es des Willens (Wollen) und des Verstandes. Dies erfolgt auf der allgemeinen Grundlage der Vernunft.

13. Die Vernunft wird durch Interessen definiert. Während die Vernunft das Begreifen der Welt durch den Menschen als Gattungswesen bedeutet, bezieht sich der Verstand auf das Verstehen im konkreten Fall.

14. Das Interesse hat zwei Seiten: eine subjektive und eine objektive. Beide bedingen sich dialektisch gegenseitig. Die Trennung in „subjektive“ und „objektive“ Interessen
ist daher weder dialektisch, noch stichhaltig, noch überzeugend.

15. Bedürfnisse, Interessen, Wahrnehmung, Vernunft, Verstand, Wille, Erkenntnis und Verhalten stellen ein gnoseologisches System dar. Die Wechselbeziehungen zwischen
den einzelnen konstitutiven Elementen des Systems bilden seine Struktur. Hierdurch erhält das System eine hohe Dynamik, Entwicklungs- und Veränderungsfähigkeit.

Das Interesse als Hauptkategorie und Hauptgegenstand der Völkerrechtssoziologie und der Theorie der internationalen Beziehungen

Bei der hier erwähnten Völkerrechtssoziologie geht es nicht allgemein um soziologische
Aspekte des Völkerrechts, sondern konkret um einen Bestandteil der Völkerrechtswissenschaft sowie um eine Wissenschaftsdisziplin in statu nascendi. Es geht kurzum um die Völkerrechtssoziologie an sich.

Es ist bereits der Versuch unternommen worden, sie ,international gesehen, erstmalig zu erarbeiten.94 Hier soll daher nur kurz darauf eingegangen werden.

Die Völkerrechtssoziologie hat die folgenden Hauptkategorien: die globalen Probleme der Menschheit, die Menschheitsinteressen, die Staatsinteressen, den politischen Willen der Staaten, die Macht, den Einfluss in den internationalen Beziehungen, das Kräfteverhältnis,
das Gleichgewicht, die Stabilität, die Veränderung, die geopolitischen und
die geostrategischen Faktoren, das Verhalten der Staaten, die internationale öffentliche
Meinung, die Verhandlungen, die Konsultationen, die politischen Verhandlungen und Normen, das Verhältnis zwischen den politischen und den juristischen Normen, die
UN-Deklarationen/Resolutionen, die politische Verbindlichkeit, die Verantwortlichkeit sowie den Einfluss der internationalen Politik auf das Völkerrecht, um die wichtigsten zu nennen.

Die Völkerrechtssoziologie als Wissenschaftsgebiet in statu nascendi hat die folgenden Aufgaben: Untersuchung des eigenen Verhältnis zur Soziologie, zur Rechtssoziologie
und zu den politischen Wissenschaften, zur Lehre von den Internationalen Beziehungen sowie zu den anderen Bestandteilen der Völkerrechtswissenschaft (Völkerrechtstheorie,
Völkerrechtsphilosophie, Völkerrechtsdogmatik und Völkerrechtsmethodologie); Erforschung
und Aufdeckung der sozialen und politischen Grundlagen des Völkerrechts sowie einen Beitrag zu einer realistischen Einschätzung des Völkerrechts leisten; Bekämpfung immer noch vorhandener Erscheinungen des verknöcherten Rechtspositivismus und des Rechtsformalismus innerhalb der internationalen Völkerrechtswissenschaft; Verteidigung
der Völkerrechtswissenschaft vor Angriffen und Verdrängungsversuchen seitens der Lehre von den Internationalen Beziehungen; auf der Grundlage von Analysen der
gegenwärtigen internationalen Beziehungen prognostische Aussagen für die Zukunft treffen.95

Ein besseres Verständnis der Staatsinteressen erfordert die Herstellung einer engen
Verbindung mit den Eigenschaften des Staates als Völkerrechtssubjekt und allgemeiner als Akteur in den internationalen Beziehungen sowie mit den eigentlichen konstitutiven
Elementen des Staates, namentlich mit dem Territorium, der Bevölkerung und der Herrschaftsausübung.
Gerade auf der Basis dieser drei Elemente erwachsen Bedürfnisse,
von denen bestimmte Interessen abgeleitet werden. Derartige Interessen sind für die Staaten identitätsstiftend und identitätssichernd (Hegel). Hieraus leitet sich ihre herausragende Bedeutung für die Staaten ab. Man kann sie als originäre, grundlegende,
existentielle, vitale oder höchste Interessen bezeichnen. Die Verwendung dieser und ähnlicher Adjektiva im allgemeinen erfolgt in der Fachliteratur ohne Konzeption,
voluntaristisch bis willkürlich und größtenteils en passant, d. h. auf alle Fälle nicht überzeugend. Jeder Autor stellt dabei eigene Kriterien auf und ignoriert fast demonstrativ
die äußerst nützlichen Erkenntnisse der Philosophie und der Wissenschaftstheorie.
Hierdurch nimmt jedoch die Sache chaotische Züge an.96 Bei dieser Interessenkategorie geht es um das Überleben eines Staates.97 Infolgedessen sind die Staaten nicht bereit, noch nicht einmal partiell, auf solche Interessen zu verzichten. Es bedarf daher kaum besonderer Anstrengung (Wahrnehmung, Verstand), diese Interessen zu erkennen und sich in den internationalen Vertragsbeziehungen danach zu richten (Verhalten). Deswegen
wundert es nicht, dass fast alle Abrüstungsverträge zwischen den USA und der damaligen UdSSR die „Interessenklausel“ erhalten. So heißt es im „Vertrag zwischen der
UdSSR und den USA über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen“ (SALT II) vom 18. Juni 1979, Art. XIX, Absatz 3: „Jede Seite hat in Verwirklichung ihrer staatlichen
Souveränität das Recht, von diesem Vertrag zurückzutreten, wenn sie entscheidet, dass mit dem Inhalt dieses Vertrages zusammenhängende außerordentliche Umstände ihre
höchsten Interessen bedrohen“.98 Internationale Konventionen zu ähnlichen Materien enthalten ebenso diese Sicherheitsklausel mit der üblichen Standard-Formulierung
„höchste Interessen“.

Aus der großen Anzahl derartiger Vertragswerke sei beispielsweise die „Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung von bakteriologischen (biologischen) und Toxin-Waffen und über ihre Vernichtung“ vom 10. April 1972
genannt (Art. XIII, Absatz 2).99 Die UN-Generalversammlung hat oft im Zusammenhang mit dem Abrüstungsprozess auf die „vitalen Sicherheitsinteressen“ aller Staaten hingewiesen, so auch auf der Zehnten Sondertagung (23. Mai – 30. Juni 1978, (A/S-10/4).
Von der jedem Staat de iure immanenten Souveränität ergeben sich die Gebietshoheit und die Handlungsfähigkeit . Letztere wird in den internationalen Beziehungen
von dem Staat als das originäre und wichtigste Völkerrechtssubjekt abgeleitet. Hiermit werden seine Interessen bezüglich ihrer Realisierung internationalisiert. Bei der Durchsetzung ihrer Interessen neigen viele Staaten dazu, bestimmten Interessenkategorien ad hoc das Adjektiv „legitim“ zu verleihen, ohne allerdings dies zu begründen.100 In der
entsprechenden Literatur sieht es ähnlich aus.101 Es ist fast unvorstellbar, dass man nicht
auf die Idee kommt, das Adjektiv „legitim“ linguistisch, d. h. etymologisch-semantisch
zu hinterfragen. „Legitim“ (lex, legis) deutet doch auf das Recht, in diesem Falle auf
das Völkerrecht hin. Dabei sind die sieben grundlegenden Prinzipien dessen Kernstück.
Sie sind das Hauptkriterium für die Legitimität, für die Rechtmäßigkeit jedweder Interessenkategorie. Andernfalls besteht die reale Gefahr von willkürlichen und teilweise
auch von egoistischen Interpretationen.
Hieraus folgt: Alle Interessenarten, die dem Völkerrecht widersprechen, besitzen nicht die Eigenschaft des Legitimen. Hierbei handelt es sich um eine strenge völkerrechtsdogmatische Betrachtungsweise.

Bei dem Hierarchiekatalog der Interessen genießen Priorität die Menschheitsinteressen
(„Interessen der gesamten Menschheit“, „Interessen aller Staaten“, „Interessen
aller Völker“, „Interessen aller“, „Allgemeine Interessen der Menschheit“, „Allgemeinmenschliche Interessen“, „Internationale Interessen“). Hierbei handelt es sich nicht um die rechtspositivistische Konzeption von dem Interesse der Menschheit im Zusammenhang mit den internationalen Gemeinschaftsräumen (z. B. Antarktis, Hohes Meer, Meeresboden und Weltraum),102 sondern um jene besondere Interessenkategorie, die
mit den globalen Problemen der Menschheit verknüpft ist. Dies ist eine andere Konzeption.

Sporadisch ist bereits nach dem Ersten Weltkrieg und später auf die Priorität der Menschheitsinteressen gegenüber den nationalen Interessen hingewiesen worden,103 jedoch Wolfgang Friedmann („The Changing Structure of International Law“, 1964) erwähnte im Sinne des von ihm entworfenen „Law of Cooperation“ als erster die universellen menschlichen Interessen und damit den allgemeinmenschlichen
Charakter bestimmter Interessen.104
Unter den Bedingungen der allgegenwärtigen und omnipotenten Globalisierung ist es nunmehr an der Zeit, das Menschheitsinteresse konzeptioneller, d.h. in concreto,
philosophisch und epistemologisch zu betrachten. Das Menschheitsinteresse ist Menschheitsnutzen bzw. Menschheitsvorteil. Dem entspricht vollauf das Commune bonum humanitatis, einer Hauptkategorie der Völkerrechtsphilosophie.105 Das
Menschheitsinteresse entspringt Bedürfnissen, die bei den globalen Problemen der Menschheit angesiedelt sind. Es kommt nun darauf an, dass die Staaten dieses Interesse als nützlich für die gesamte Menschheit wahrnehmen und anerkennen wollen. Hierzu benötigen sie Willen,Verstand sowie Vernunft, sozusagen als ein „Weltprinzip“ (Hegel). Erst hierdurch kann man von einem „vernünftigen Interesse“ (Kant) sprechen. Unter völlig anderen historischen Bedingungen wurde die Vernunft als das umfassende höchste moralische Prinzip konzipiert, um dem Kampf des aufkommenden Bürgertums gegen die verrottete
Feudalabsolutistische Ordnung und gegen den finsteren Klerikalismus zu legitimieren. Es ging schlicht und einfach um die Interessen (Nutzen, Vorteil) der neuen sozialen Klasse.

Die Vernunft wird ohnehin durch Interessen definiert (Hegel). Es wäre daher durchaus möglich, den Gedanken des Commune bonum humanitatis als ideelle Widerspiegelung
der praktischen Menschheitsinteressen als Ausdruck der allgemeinmenschlichen
und universellen Vernunft in der Epoche der Globalisierung anzusehen. Was diesem Gedanken und damit dem Menschheitsinteresse widerspricht, ist unvernünftig und amoralisch. Das Gemeinwohl der Menschheit könnte das höchste Kriterium für alle
anderen Interessentypen sein. Somit gäbe es zwei Grenzen bei der Durchsetzung der Staatsinteressen, nämlich die universelle Vernunft sowie das Völkerrecht, vor allem
seine grundlegenden Prinzipien. Id est, die Realisierung egoistischer Staatsinteressen, d. h. Interessen auf Kosten anderer Staaten sowie der gesamten Menschheit ist sowohl
unvernünftig und amoralisch als auch völkerrechtlich untersagt, denn es wird unweigerlich das Völkerrecht in Mitleidenschaft gezogen.
Genau dies ist der Fall bei der Durchsetzung der amerikanischen Interessen (ökonomischen,
politischen, geostrategischen). Die USA waren jahrelang bis vor kurzem
nichts weiter als ein Imperium Supremum Americanum, Monstruosum et
Arrogans.106 Die jeweilige Regierung der USA denkt ausschließlich an die eigenen
„nationalen Sicherheitsinteressen“ und versuchte, sie vorwiegend auf Kosten anderer Staaten in die Tat umzusetzen. Zugleich wird das Völkerrecht gröblichst und massiv
verletzt (militärische Interventionen, Aggressionen etc.). Bisher haben die USA öfters unvernünftig, amoralisch sowie völkerrechtswidrig gehandelt.

Hieraus kann die folgende Schlussfolgerung gezogen werden: Der ehemalige Präsident Bush jr. besaß weder das Wahrnehmungsvermögen, noch den Willen, noch den erforderlichen Verstand – in diesem besonderen Fall geht es um das Fehlen des Denkens in logischen Zusammenhängen – die legitimen Interessen der anderen Staaten, geschweige denn das Menschheitsinteresse, auf der Basis der allgemeinmenschlichen Vernunft zu erkennen und danach zu handeln. Dennoch war er acht Jahre lang Präsident der einzigen Supermacht in der heutigen Welt. Es ist kein Zufall, dass die moralischen Folgen dieser Unvernunft tragische Dimensionen historischen
Ausmaßes angenommen haben. Eine relativ intensive Beschäftigung mit dem
US-amerikanischen Schrifttum in Völkerrecht und in der „Theory of International Relations“ in den vergangenen 40 Jahren hat ergeben, dass der Begriff „Menschheitsinteresse“
so gut wie unbekannt ist. Gleiches gilt auch für den Begriff „Commune
bonum humanitatis“. Statt dessen hat die Wendung „national interest“ eigentlich spätestens seit Anfang der 50er Jahre des 20. Jh. Hochkonjunktur. Vieles spricht dafür, dass diese unangenehmen Erscheinungen in den USA tiefere Ursachen haben und in der angelsächsisch-amerikanischen Tradition verwurzelt sind. Um es nach Hegel zu formulieren, das stark utilitarisch ausgerichtete individualistische und egoistische
„nationale Interesse“ der USA ist stets „identitätsstiftend“ und „identitätssichernd“ gewesen. Im Grunde genommen hat Jeremy Bentham die Engländer und die Amerikaner stark geprägt.

 

Speziell die USA hätten durchaus die Möglichkeit gehabt, nach
dem Zusammenbruch der UdSSR sich etwas nach dem utilitaristischen Verständnis von John Mill zu richten und die Führung des großen Kampfes um die sukzessive Lösung
der globalen Probleme der Menschheit im Sinne des Commune bonum humanitatis
zu übernehmen. Der jahrelange praktizierte extrem egoistische Hedonismus der USA bei der Erlangung ihrer eigenen Glückseligkeit macht andere Völker unglücklich.

Solcher Hybris folgt in der Regel die gerechte Nemesis. Nachträglich betrachtet, kann man das pervertierte Interessenverständnis in der “Bush-Ära“ nicht nur als extrem egoistisch, sondern darüber hinaus als masochistisch qualifizieren. Es wirkt wahrhaftig in hohem Maße selbstzerstörerisch.
Zu erwähnen ist noch ein Staat, namentlich Israel, der seine egoistischen Interessen auf Kosten der Palästinenser, vor allem durch den Bau immer mehr neuer jüdischer Siedlungen auf palästinensischem Gebiet, durchsetzt. Dabei denkt Israel nur an das Glück (Eudämonismus) der eigenen Bevölkerung. Gerade dieses Beispiel verdeutlicht die Tragik der Situation: Das Glück der Israelis bedeutet automatisch das Unglück der betroffenen Palästinenser. Israel kann man zwar bescheinigen, Verstand in diesem konkreten Fall zu besitzen, was den jetzigen Nutzen für die israelischen Siedler betrifft,
wahrzunehmen und kognitiv zu erkennen. Dieses Vorgehen stütz sich allerdings nicht auf die Vernunft des Menschen als Gattungswesen. Dies widerspricht ohnehin dem Völkerrecht. Es fragt sich, ob ein der menschlichen Vernunft widersprechendes egoistisches
Interesse letzten Endes ein „verum“ Interesse ist. Es gibt allen Grund dazu, dieses Interesse eher als „imaginarium“ (Pufendorf)zu qualifizieren, vor allem wenn man prognostisch denkt. Denn durch solche Praktiken stets gegen Vernunft und Völkerrecht werden alle Voraussetzungen für Tragödien unvorstellbarer Dimension in der Zukunft geschaffen. Alle Staaten, die bei der Durchsetzung ihrer Interessen eine Hybris nach der anderen begehen und weder in der Lage noch willens und bereit sind, Maß zu halten und die legitimen sowie grundlegenden Interessen anderer Staaten zu respektieren, führen
fast zwangsläufig ihre eigenen Völker in Katastrophen biblischen Ausmaßes.

Der unter US-amerikanischen Politologen und teilweise auch unter Völkerrechtlern verwendete Begriff „national interest“ sei zwar gleichbedeutend mit „Wert“,beschränkt sich letzten Endes auf die „nationale Sicherheit“.107 Sehr zutreffend ist
die von einem US-Politologen getroffene Definition des „nationalen Interesses“: „Unter nationalem Eigeninteresse wird eine Summe von Gegebenheiten verstanden, die allein unter dem Gesichtspunkt ihres Vorteils für den Staat bewertet werden“.108
Dies wird als Eigenliebe und Egoismus qualifiziert. Bei prinzipieller Zustimmung mit dem Inhalt dieser Definition, sei darauf hingewiesen, dass ausgehend von den bereits
gewonnenen philosophischen und wissenschaftstheoretischen Erkenntnissen über die
Interessenproblematik, sich hier um Individualismus und nicht unbedingt um Egoismus handelt, der noch etwas Zusätzliches voraussetzt: Interessendurchsetzung auf Kosten
anderer Staaten. Dass der Egoismus die Realität in der Außenpolitik der USA gewesen ist, ist eine andere Frage.
Inzwischen sind von den US-amerikanischen Politologen die Ansätze des Utilitarismus im Sinne einer „Theorie des utilitaristischen Liberalismus“ wesentlich weiter
entwickelt worden. Die Kernthese dieser durchaus als realistisch einzuschätzenden Strömung ist die folgende: Die Interessen gesellschaftlicher Akteure bestimmen das außenpolitische Handeln eines Landes. Man kann nicht umhin, die beeindruckende Ehrlichkeit dieser politikwissenschaftlichen Richtung zu registrieren. Es ist ferner die
Rede von „gesellschaftlichen Interessenvermittlungsstrukturen“. Es geht darum, dass die Interessen der gesellschaftlichen Akteure, die sich im „politischen Vermittlungsprozess“
durchsetzen, zum zentralen Bestimmungsfaktor des außenpolitischen Verhaltens werden.
Somit ist dem skrupellosen US-amerikanischen Lobbyismus sogar ein politikwissenschaftliches Denkmal gesetzt worden. Ein weiterer Grundgedanke dieser Theorie
ist die „Eigennutzmaximierung“ der materiellen sowie der immateriellen Gewinne. Ein Akteur orientiert sich an der Maximierung seines Eigennutzens. Gerade das ist sein Interesse.109 Letzten Endes feiert der„Homo oeconomicus“ Triumphe, allerdings
bis zu den „Hedge Funds“ und der masochistisch anmutenden Selbstzerstörung. Der
wissenschaftspolitische Boden für dieses Desaster ist bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch die realistische Schule vorbereitet worden. H. J. Morgenthau
(„Politics among Nations“, 1948) formuliert sein Interessenverständnis in enger Verbindung mit der Macht ziemlich deutlich: “Das hervorstechendste Wegzeichen,
an dem sich der politische Realismus im weiten Gebiet der internationalen Politik orientieren kann, ist der im Sinne der Macht verstandene Begriff des Interesses“.110 So versteht man besser die Militarisierung der US-amerikanischen Außenpolitik im Jahre
2001, als es darum ging, die „globalen Interessen“ der USA mit den„Machtprojektions
möglichkeiten“ in Übereinstimmung zu bringen.111

Verglichen mit den neueren, wahrhaftig tiefschürfenden Forschungsaktivitäten der amerikanischen Politologen, sehen die Ansichten europäischer Wissenschaftler sehr
dürftig und oberflächlich aus. Es wird z. B. auf das Verhältnis zwischen den Bedürfnissen und den Interessen112 oder lapidar und abstrakt auf eine mögliche „Lehre von den Interessen der souveränen Staaten“ als die eigentliche „Theorie der auswärtigen Politik“113 hingewiesen.

Die souveränen Staaten realisieren als Völkerrechtssubjekte ihre Interessen über die Außenpolitik. Weil jeder Staat so handelt, entsteht in den internationalen Beziehungen
ein engmaschiges Interessenkoordinationssystem, das sich gnoseologisch auf die
Kardinaltermini Bedürfnisse, Interessen, Wahrnehmung, Vernunft, Verstand, Wollen, Erkenntnis und Verhalten stützt. Dies aber gilt für viele Schein- oder Pseudostaaten
nicht, id est für Staaten, die im Grunde genommen dahin vegetieren und sich weder nach der allgemeinmenschlichen und damit universellen Vernunft, noch nach dem
internationalen Gewohnheitsrecht, noch nach dem allgemeingeltenden Völkerrecht
richten (failed states). Von ihnen gehen große Gefahren aus.

Hinsichtlich ihrer Realisierungsform lassen sich bestimmte Interessenarten voneinander unterscheiden. Hierbei handelt es sich um eine in der Lehre der Internationalen Beziehungen sowie in der allgemeinen Völkerrechtswissenschaft, insbesondere in der Völkerrechtsdogmatik, stark vernachlässigte Fragestellung. Möglicherweise eignet sich für die notwendige Problemfindung die Völkerrechtssoziologie, gestützt auf die bereits gewonnenen Erkenntnisse der Philosophie und der Epistemologie. Im großen und ganzen geht es um die folgenden Interessenarten, die sich vorwiegend auf die essentiellen, namentlich auf die ökonomischen, die politischen, die geostrategischen
und die ideologischen Interessen stützen.

a ) Die parallelen Interessen

Das Adjektiv der altgriechischen Sprache „strong „parallelos“ ( παράλληλος ) bedeutet in linguistischer Hinsicht „nebeneinander stehend“ oder „nebeneinander laufend“. Symbolisch bedeutet parallelos „gleichzeitig und voneinander unabhängig laufenden Prozesse“.114
Festzuhalten sind für die weitere Untersuchung die Wörter „nebeneinander“ oder auch
„gleichzeitig“, „voneinander unabhängig“ und „Prozesse“.115 Dies reicht allerdings nicht aus, um in das Wesen der parallelen Interessen tiefer einzudringen.

Die Staaten haben bestimmte Bedürfnisse, aus denen Interessen erwachsen. Bedürfnisse und Interessen werden zunächst wahrgenommen. Es erfolgt die gedankliche Verarbeitung des „Objekts“ durch den Verstand und auf der Grundlage der Vernunft.
Bei den Staaten entsteht der Wille, das Interesse im Sinne des möglichen Vorteils, Nutzens zu erkennen. Bereits nach diesem entscheidenden Studium dieses dynamischen Prozesses wird sein Verhalten im Ansatz beeinflusst. Es könnte hierdurch zu einem
qualitativen Sprung, d. h. zu einer Umwandlung dieser Interessen in eine qualitativ höhere Stufe kommen. Spielt sich dieser Prozess auch bei anderen Staaten ähnlich ab, dann könnten hieraus die folgenden Schlussfolgerungen gezogen werden:

Ähnlichkeit der Bedürfnisse, der Interessen, der Verstandeskapazität – sie ist nicht immer gegeben -, des Wollens, der Erkenntnisfähigkeit – sie ist durchaus nicht in jedem Falle vorhanden – sowie nicht zuletzt des Objektes; dieser Prozess verläuft bei unterschiedlichen Staaten verschieden und fast „im Verborgenen“; infolgedessen gibt es keinerlei Berührung der ähnlichen Prozesse; konsequenterweise sind in den zwischenstaatlichen Beziehungen
bei solchen Interessen keine Ergebnisse zu registrieren; die ähnlichen Prozesse sind prinzipiell veränderungsfähig.

b ) Die gemeinsamen Interessen

Auch hier gilt die Kette vom Bedürfnis bis zum Verhalten der in Frage kommenden Staaten.
Unabhängig voneinander erkennen die Staaten, dass eine Sache von Vorteil für sie ist. Dieses Erkennen geht jedoch über den eigenen Vorteil hinaus und registriert, dass ein ähnlicher Vorteil auch bei anderen Staaten, zumindest als Feststellung, vorhanden
ist. Der weitere Verlauf dieses eher kognitiven Prozesses hängt von dem Verhalten der Akteure ab. Sie können sich z. B. gegenseitig offiziell oder inoffiziell hierüber informieren,
oder etwas weitergehen, indem sie Kontakte, Konsultationen, Vorverhandlungen oder sogar Verhandlungen aufnehmen, um ein entsprechendes Dokument gemeinsam
zu erarbeiten. Erkennt nur ein Akteur „gemeinsame Interessen“ für mehrere Akteure, die noch nicht so weit mit solchen Erkenntnissen sind, dann kann er versuchen, die anderen dazu aufzurufen. Dies war in der Antike der Fall, als die Korinther die anderen
„Bundesgenossen“ zum Kampf an der Seite Athens gegen die Spartaner aufforderten ( Θουκυδίδου , Ἱστορία τοῦ Πελοποννησιακοῦ Πολέμου ).116

Es geht hier nicht so sehr um irgendwelche moralische Regeln, sondern um sicherheitspolitische und ökonomische Interessen.117 Thukydides mutet erstaunlich modern an. Dennoch hat die Supermacht USA Jahrzehnte gebraucht, um dahinter zu kommen, dass es zwischen ihr und anderen Staaten „gemeinsame Interessen“ gibt. In seiner Antrittsrede als Präsident kündigt Obama den „Dialog“ mit den Staaten des islamischen Kulturkreises erläuternd „neue Wege vorwärts, gegründet auf gemeinsame Interessen und gegenseitigen Respekt“an.118 Allem Anschein nach ist die islamische Welt mit derartigen Erkenntnissen und Bekenntnissen noch nicht so weit.

Die Nichtbeachtung philosophischer und epistemologischer Erkenntnisse, was bei
den Rechtspositivisten üblich ist, kann allerdings dazu führen, dass vor den gemeinsamen Interessen eine andere Interessenkategorie, namentlich jene der übereinstimmenden Interessen gesehen wird. Dies ist bei A. P. Sereni der Fall: „…an che quando si ha solidarieta
die interessi tra due o piú Stati, i loro interessi possono essere comuni sino ad un certo punto soltanto”.119 Es verwundert auch nicht, dass G. Morelli das „interesse commune“ oder die „comunanza o solidarieta di interessi“ nebenbei erwähnt,
Beispiele nennt, ohne zu erläutern, was die „gemeinsamen Interessen“ sind.120
Während die „gemeinsamen Interessen“ in der Realität der internationalen Beziehungen häufig vorkommen, ist die „Interessensolidarität“ eher als eine Wunschvorstellung zu werten, weil eben das Interesse Nutzen, Vorteil bedeutet, während die Solidarität
eher eine ethische Kategorie, genauer, was die internationalen Beziehungen betrifft, eine Kategorie der Völkerrechtsphilosophie ist. Als sehr problematisch ist ebenso die
Wendung „identische Interessen“, die schon logisch-etymologisch nicht tragfähig und überzeugend ist.

In linguistischer Hinsicht drückt die identitas im Spätlateinischen
die Wesensgleichheit, das „Selbst“121 aus. Daher können „identische Interessen“ in den zwischenstaatlichen Beziehungen kaum angenommen werden. Dennoch wird in der Fachliteratur die Existenz dieser Interessenkategorie hin und wieder behauptet.122

c ) Die konkurrierenden Interessen

Staaten erkennen die Nützlichkeit eines Objekts zwar unabhängig voreinander, aber zugleich wird ihnen bewusst, dass sich andere Staaten in einer ähnlichen Erkenntnissituation
befinden. Dabei könnte das Objekt beispielsweise eine wichtige geostrategische Region oder die Erdölfelder eines Landes oder sogar die Erforschung des Weltraumes sein.

Objektiv kommt es zunächst zu einer neutralen Berührung der Interessen, dem
Wesen nach der Vorteilserwartungen. Es ist von den bisherigen Beziehungen der in Frage kommenden Staaten untereinander abhängig, wie die „sich berührenden“ oder „sich kreuzenden“ oder schlicht die „konkurrierenden“ Interessen betrachtet werden. Davon
hängt es wiederum ab, wie die entstandene Problemsituation überwunden werden kann.

Grundsätzlich gäbe es die folgenden Möglichkeiten: Bei nur zwei Interessenlagen zieht der eine Staat seine Vorteilserwartung freiwillig zurück; es kommt zu einer Umwandlung der konkurrierenden in gemeinsame Interessen; man erzielt einen Interessenausgleich durch Kompromisse. Hieraus wird ersichtlich, dass die konkurrierenden Interessen eine hohe Wandlungsfähigkeit besitzen. Konkurrierende Interessen sind gegenwärtig hinsichtlich der Arktis und Antarktis, auf dem Kaukasus (Russland – USA vor dem russischen Einmarsch), auf den Weltmärkten zwischen den exportierenden Nationen, im Persischen Golf zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien etc. zu konstatieren.
Unter den Bedingungen der Globalisierung nehmen derartige Interessen zu.123

d) Die konträren Interessen (Antagonistische Interessen)

Ausgehend von unterschiedlichen Bedürfnissen sind die Staaten willens, durch Verstand und auf der Basis der Vernunft die Nützlichkeit eines Objekts (materiell oder ideell) zu erkennen und danach entsprechend zu handeln. Das tatsächliche Problem besteht mitunter aber aus verschiedenen Faktoren: extrem unterschiedliche Bedürfnislagen,
divergierende Verstandesfähigkeit der konkreten Akteure, divergierende Position zu der Vernunft, divergierende Widerspiegelung des Objekts – z. B. bei dem einen Staat einigermaßen korrekte Widerspiegelung, bei dem anderen eine verzerrte Widerspiegelung – und infolgedessen extrem unterschiedliche Erkenntnisintensität und Erkenntnisqualität.
Davon lässt sich ein gegensätzliches Verhaltensmuster ableiten. Hierbei geht es nicht um gegensätzliche Interessen ideologisch- weltanschaulicher oder religiös- traditioneller Art, sondern nur um einen auf Staaten bezogenen Interessengegensatz. Eine derartige
Situation führt nicht automatisch und nicht in jedem Fall zu einem Zusammenprall bzw. zu einem Konflikt. Die Staaten sind vielmehr völkerrechtlich verpflichtet, miteinander zu kooperieren. Die einzige vernünftige Lösung wäre ein Interessenausgleich,124 vorrangig durch vertragliche Regelung. Andernfalls könnte ein ernsthafter Konflikt entstehen.

Auch in diesem Fall gilt die völkerrechtlich verankerte Pflicht zu der friedlichen Streitbeilegung (Art. 33 der UN-Charta).
Am Beispiel des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern soll die Problematik der gegensätzlichen Interessen demonstriert werden. Die Probleme beginnen schon bei den entgegen gesetzten Bedürfnissen. Die Palästinenser streben die Schaffung
eines eigenen Staates an. Dies entspricht der Vernunft sowie dem Völkerrecht. Israel baut auf besetztem palästinensischen Boden immer mehr jüdische Siedlungen. Dies aber widerspricht sowohl der Vernunft als auch dem Völkerrecht. Die im Gaza-Streifen herrschende Hamas strebt letzten Endes die Vernichtung Israels an. Eine solche Haltung widerspricht dem „gesunden Menschverstand“, der Vernunft und dem Völkerrecht und stellt außerdem eine verzerrte Widerspiegelung der Realität dar. Im Grunde genommen, fehlen bei der Hamas die Ratio (Vernunft) sowie die Fähigkeit und der Wille, die Realität anzuerkennen. Ist Israel weiterhin gegen einen eigenen palästinensischen Staat, schon ist dies ein Beweis dafür, dass Israel zumindest in diesem Kontext die Ratio (Vernunft) abhanden gekommen ist. Diese Irrationalität beiderseits hat zur Schaffung von gefährlichen Konflikten und sogar schwerwiegenden militärischen Auseinandersetzungen
geführt. Es gäbe grundsätzlich eine Lösungsmöglichkeit des Konfliktes auf
der Grundlage eines Interessenausgleiches durch Kompromisse, vorausgesetzt, dass
das Handeln der Hauptakteure beiderseits sich nach der menschlichen Vernunft und nicht nach nationalen und religiösen Mythen und Dogmen richtet. Die wichtigste Voraussetzung
hierfür besteht darin, dass Israel mit der Durchsetzung seiner egoistischen
Interessen auf Kosten der Palästinenser aufhört. Israel sollte ferner das Mesotes-Prinzip
des Aristoteles, bekannt auch als „aurea mediocritas“, in dem Sinne beachten, dass die Proportionalität der eingesetzten militärischen Mitteln gegen die Palästinenser einigermaßen zur Anwendung kommt. Das ständige exzessive Grundverhalte Israels,
das ohnehin völkerrechtswidrig ist, stellt eine ungeheuerliche Hybris dar.

Das Interesse als Gegenstand der Völkerrechtstheorie, speziell der
Normbildungstheorie

Obwohl das Interesse für das Recht überhaupt von eminenter Bedeutung ist, kann darauf nicht ausführlich eingegangen werden, weil es über diese Thematik konkret als Interessenjurisprudenz zahlreiche Standardwerke gibt.125 Folgend sollen die Kerngedanken des Begründers der „Interessenjurisprudenz“, des „deutschen Bentham“126 Rudolf von Ihering („Der Zweck im Recht“) zusammengefasst werden.
Ihering verknüpft das gesellschaftlich Nützliche mit dem Sittlichen. Nach seinem Nutzens- und Interessendenken darf nur was die Gesellschaft fördert, zur rechtlichen Norm erhoben werden. Er polemisiert gegen die Idee des abstrakten Rechtswillens und stellt die Bedürfnisse und die Interessen in den Mittelpunkt des Rechtslebens. Ihering betrachtet das Recht als die Sicherheit des Genusses.127 In seiner Konzeption spielt die bei deutschen Juristen übliche mystisch anmutende „Rechtsidee“ keine Rolle.128 Nach Hermann Klenner
versucht Ihering den Inhalt des Rechts nicht mittels deduktiv-logischer Operationen, sondern aus den Zwecksetzungen des realen Lebens zu erschließen. Die Interessenjurisprudenz begibt sich von einem juristischen auf einen soziologischen Positivismus und diente zur damaligen Zeit (Ende des 19. Jh.) den herrschenden Produktions- und Machtverhältnissen.129 Es kann sachlich konstatiert werden, dass der gesellschaftliche Utilitarismus der Interessenjurisprudenz durch die Überhöhung der Rolle des Zwecks bei der Rechtsbildung den Bogen überspannt, denn es gibt tatsächlich keinen „mechanischen Transformationsakt“, der Umsetzung von Interessen in Rechtsnormen.130 Mit dieser Monoklonalität der Interessenjurisprudenz
kann die Völkerrechtswissenschaft nicht viel anfangen, wenn auch einzelne Völkerrechtler die Bedeutung des Interesses für den völkerrechtlichen Rechtsnormenbildungsprozess
hervorheben.131 Dies ist aber keine ausgereifte Konzeption, sondern lediglich Meinungsäußerung.

Folgend soll der Versuch unternommen werden, die bereits gewonnenen philosophischen und wissenschaftstheoretischen Erkenntnisse auf das Völkerrecht anzuwenden.
Spätestens seit Thukydides ist bekannt, dass das Interesse (Nutzen, Vorteil) die treibende
Kraft für das Verhalten der Staaten in den internationalen Beziehungen ist. Das Interesse ist auch für die Staaten „identitätsstiftend“ und „identitätssichernd“ (Hegel).
Im Allgemeinen leuchtet ein, dass die Staaten in dem engmaschigen System der internationalen Beziehungen ihre Interessen nicht uneingeschränkt durchsetzen können.
Daher kommt es unweigerlich zu einem Interessenausgleich. Konkretes Ergebnis dieses Ausgleichs ist, generell betrachtet, das Völkerrecht. Dies geschieht allerdings weder
automatisch noch im Selbstlauf. Dabei geht es nicht nur um politische132 oder nur um ökonomische Interessen. Dem Interessenausgleich geht eine Interessenkoordinierung vor. Nur die Interessenkoordinierung reicht allerdings nicht aus, um dieses Phänomen zu erklären.133

Neben der oben behandelten allgemeinen Bedeutung des Interesses für das Völkerrecht gibt es jene konkrete im Rahmen des internationalen Normenbildungsprozesses.
Diesbezüglich ist bereits vor ca. 25 Jahren134 eine eigene theoretische Konzeption erarbeitet worden, die über verschiedene Etappen in einer Monographie gipfelte.135 In diesen Arbeiten ist sukzessive eine normbildungstheoretische „Kette“ erarbeitet worden: Bedürfnisse – Interessen – Wille – Norm – Verhalten. Darauf stützt sich im wesentlichen der internationale Normenbildungsprozess, der mehrere Phasen durchläuft. Dieser Prozess besitzt einen konsensualen und dialektischen Charakter:

Zuerst wird von den Staaten erkannt, dass es bestimmte Probleme in den internationalen Beziehungen gibt: Hierüber entsteht ein Consensus generalis oder sogar ein Consensus omnium. Bereits an der kognitiven Seite des Consensus der Staaten sind mehrere Determinanten (materielle und ideelle, ökonomische und politische etc.)
in ihrer Komplexität beteiligt. In ihrer Gesamtheit und ihrem Zusammenwirkten bedingen sie die Staatsinteressen. Danach wird von einigen oder von mehreren Staaten
aus ähnlichen oder aus unterschiedlichen Gründen die Bedeutung der betreffenden Probleme erkannt. Hierüber kann ebenfalls ein Consensus generalis oder sogar ein
Consensus omnium entstehen. Erkennen danach die in Frage kommenden Staaten die Normierungsnotwendigkeit und die Normierungswürdigkeit an, dann wird auch hierüber je nachdem ein Consensus generalis oder sogar ein Consensus omnium bejaht. Danach erstreckt sich der Consensus der Staaten auf die klärenden Verfahrensfragen.
Er wird durch Verhandlungen und Kompromisse erreicht. Eine weitere Phase bezieht sich auf die Regelung der substantiellen Fragen. Sie ist deshalb die wichtigste.
In diesem Stadium spielen Interesse, Wille, Rechtsbewusstsein und Gerechtigkeitsempfinden eine entscheidende Rolle. Im Verhandlungsverlauf versuchen die Staaten, einen Interessenausgleich zu erzielen. In diesem Stadium spielen viele Faktoren eine beeinflussende
Rolle. Im Verhandlungsprozess koordinieren die Staaten ihre Interessen, die darauf fußenden Willen sowie die hauptsächlich von den Interessen beeinflussten
Opiniones (Überzeugungen). Das Ergebnis dieses Vorganges ist Ausdruck eines inhalts- und sachbezogenen Consensus. Er wiederum findet in recht unterschiedlichen Dokumenten Ausdruck (von völkerrechtlichen Verträgen bis zu Absichtserklärungen).
Diese Dokumente enthalten in normbildungstheoretischer Hinsicht Verhaltensregeln. Somit bezieht sich der erreichte Consensus der Staaten auf Inhalt und Form der angenommenen Dokumente. Erst bei der nächsten Phase des Normenbildungsprozesses wird darüber entschieden, ob sie Normen rechtlichen oder nichtrechtlichen Charakters schaffen wollen. Hierüber wird durch ihre gemeinsame Intentio ihre Voluntas oder
Opinio entschieden. In einer weiteren Phase bezieht sich der Staatenconsensus darauf, die geschaffenen Verhaltensnormen als verbindlich (rechtlich oder politisch oder moralisch) zu akzeptieren und sich entsprechend danach zu richten. Der gesamte Normenbildungsprozess
kann in zwei Säulen zerfallen: in einen rechtlichen (Rechtsnormen) und
in einen nichtrechtlichen (politische Normen, Moralnormen). Die Rechtsnormen sind Ausdruck des Consensus voluntatis (Willenübereinstimmung)136 Sie stellen keinen Gemeinwillen dar,137 wie verschiedentlich behauptet wurde. Dagegen gibt es zwar Einwände durch andere Völkerrechtler,jedoch ohne eine klärende Begründung.138

Gestützt auf philosophische und epistemologische Erkenntnisse, könnte die Begründung wie folgt lauten: Wie das Individuum Willensautonomie als Bestandteil seiner Identität besitzt, so verfügt auch jeder souveräne Staat über eine Willensselbständigkeit.
Deswegen kommt die Verschmelzung derartiger Identitäten nicht in Frage.
Diese theoretische Konzeption besitzt zwar durch jahrelange Grundlagenforschung einen gewissen Reifegrad, stützt sich jedoch nicht in jedem Falle auf ein solides philosophisches und epistemologisches Fundament. Erst durch die vorliegende Studie über eine mögliche Interessentheorie ist dem Autor die philosophisch-epistemologische
Dimension der Interessenproblematik bewusst geworden. Es ist erneut gezeigt worden, dass die Transdisziplinarität zu einer erheblichen Erweiterung des Forscherhorizonts zu führen vermag. Andernfalls besteht tatsächlich die große Gefahr, im eigenen Saft zu
schmoren, wie dies bei dem rechtspositivistischen Mikrokosmos üblich ist.

Auch bei der weiterentwickelten internationalen Normbildungstheorie wird von den Bedürfnissen (materiellen und ideellen) der Staaten als der wichtigsten Völkerrechtssubjekte
und Hauptakteure in den internationalen Beziehungen ausgegangen. Auf der Grundlage dieser Prämisse erfolgt bei den Staaten die sinnliche Wahrnehmung im Sinne der Widerspiegelung bestimmter Objekte, Angelegenheiten etc. Die Staaten bringen danach das Wollen auf, auf der Basis der Vernunft und vermittels des Verstandes die Nützlichkeit (Nutzen, Vorteil) dieses Objektes, d. h. ihr eigenes Interesse zu erkennen. Dabei erstreckt sich die Erkenntnis auch auf die wichtigsten Interessenkategorien in den internationalen Beziehungen wie die parallelen, die gemeinsamen, die sich kreuzenden (berührenden) sowie die gegensätzlichen Interessen. Wenn in etwa gleichzeitig mehr als zwei Staaten einen solchen Erkenntnisstand erreicht haben, konkretisiert sich ihre Erkenntnis durch die Regelungs- (oder Normierungs-) notwendigkeit,-würdigkeit und -möglichkeit der in Erwägung gezogenen Fragen. Hierüber entsteht zumindest gnoseologisch ein allgemeiner Consensus. Hierdurch wird das allgemeine Verhalten der Staaten beeinflusst. Gerade hierauf stützt sich die Bereitschaft, die Interessenfrage einer Regelung zuzuführen. Es muss aber zwischen den unterschiedlichen Interessenkategorien differenziert werden. Gegensätzliche Interessen führen in der Regel zu einem Interessenausgleich, der in der völkerrechtstheoretischen Figur der Willensübereinstimmung Ausdruck findet (z. B. durch einen Vertrag).139 Bei den parallelen Interessen wiederum besteht prinzipiell die Möglichkeit der Umwandlung in gemeinsame Interessen, durch beiderseitiges Erkennen als konsensuale Interessenlage die Qualität von übereinstimmenden Interessen erreichen. Dies ist dann der Ausgangspunkt für die Willensübereinstimmung in Form eines konkreten Dokuments. Während aber das Interesse subjektive sowie objektive Elemente aufweist, besitzt der Wille einen nur subjektiven Charakter. Im Verlaufe der Realisierung der angenommenen Dokumente kann es mitunter zur Herausbildung neuer Interessenlagen bei den Teilnehmern kommen, die zu unterschiedlichen Interpretationen oder sogar zu Vertragsverletzungen
führen können. In diesem Falle geht es im Wesentlichen um das Spannungsverhältnis zwischen dem Prinzip Pacta sunt servanda und der Spezialnorm Clausula rebus sic stantibus.140

Schlussfolgerungen, Erkenntniszuwachs

1. Die gesamte Studie stützt sich in methodologischer Hinsicht auf den konfuzianischen Grundsatz „Sowohl – Als auch“, der sich durch Logik und Dialektik auszeichnet.
2. Interesse (Sympheron) bedeutet seit ca. 2500 Jahren dem Wesen nach Nutzen,
Nützlichkeit, Vorteil.

3. Das Interesse ist dem Wesen nach eine Erfindung realistisch und materialistisch denkender europäischer Philosophen. Die idealistischen Philosophen kamen erst im 18./19. Jh. hinzu.

4. Das Interesse ist die entscheidende Triebkraft der menschlichen Handlungen. Die Erzielung des Vorteils ist ein treibendes Motiv des Menschen als Gattungswesen.

5. Die Nutzens- bzw. Vorteilsrealisierung vermag, Glückseligkeit zu schaffen. Daher ist
das Interesse Grundlage des Eudämonismus (Glückseligkeit) und des Hedonismus (Lust, materiell und ideell).

6. Das Nützlichkeitsdenken ist jedem  Menschen immanent. Deswegen erfolgt seine Realisierung grundsätzlich individuell und ist Ausdruck der Autonomie des Individuums.

7. Die Realisierung des eigenen Interesses auf Kosten der Mitmenschen und der Gesellschaft ist egoistisch und daher amoralisch.

8. In der Gesellschaft geht es sowohl um den Vorteil des Individuums als auch der ganzen Gesellschaft. Die Interessenrealisierung erfolgt in erster Linie auf der Grundlage
der Verfassung als Ausdruck des Interessenausgleichs der Bürger.

9. Die Vorteilsmaximierung führt in eudämonistischem Sinne zu Glückserhöhung. Sie ist nicht egoistisch, sondern höchstens individualistisch.

10. Die Vorteilsmaximierung zum Wohle der ganzen Gesellschaft im Sinne des Commune bonum – Gedankens entspricht der Moral.

11. Das Interesse (Nutzen, Nützlichkeit, Vorteil) wird von den Akteuren zuerst registriert
(Wahrnehmung, Abbild, Widerspiegelung) und erkannt (Erkenntnis). Dazu bedarf
es des Wollens (Wille) und des Verstandes. Dies erfolgt auf der allgemeinen Grundlage der Vernunft (ratio).

12. Die menschliche Vernunft wird durch Interessen definiert. Die Vernunft bedeutet das Begreifen der Welt durch den Menschen als Gattungswesen, der Verstand hingegen
bezieht sich auf das Verstehen im konkreten Fall.

13. Das Interesse hat zwei Seiten: eine subjektive und eine objektive. Beide Seiten bedingen sich dialektisch gegenseitig. Die Trennung im „subjektive“ und „objektive“
Interessen ist weder dialektisch noch überzeugend.

14. Bedürfnisse, Interesse, Wahrnehmung, Vernunft, Verstand, Wille, Erkenntnis und
Verhalten stellen ein gnoseologisches System dar. Die Wechselbeziehungen
zwischen den einzelnen konstitutiven Elementen des Systems bilden seine Struktur.
Hierdurch erhält das System eine hohe Dynamik, Entwicklungs- und Veränderungsfähigkeit.

15. Das Forscherglück ist eine besondere Ausdrucksform des Eudämonismus (Erkenntnis- Glück) und des Hedonismus (Erkenntnis als höchste Form der Lust im Sinne des Genießens).

16. Die Interessenproblematik ist mit dem Staat als souveräne Einheit sowie als Völkerrechtssubjekt/Hauptakteur in den internationalen Beziehungen zu sehen.
Grundlage hierfür sind die drei Elemente des Staates: Gebiet, Bevölkerung, Herrschaftsausübung.

17. Die mit den drei Staatselementen verbundenen Interessen sind grundlegend, originär, existenziell, vital und die höchsten. Sie sind für den Staat „identitätsstiftend“ und „identitätssichernd“. Bei diesen Interessen machen die Staaten keine Kompromisse.

18. Das wichtigste Merkmal der legitimen Interessen ist ihre Entsprechung mit den grundlegenden Völkerrechtsprinzipien. Dies ist ein Gegenstand der Völkerrechtsdogmatik.

19. Die Menschheitsinteressen (Nutzen, Nützlichkeit, Vorteil für die gesamte Menschheit) stellen in den internationalen Beziehungen die höchste Interessenkategorie dar. Sie sind Maßstab und Kriterium für alle anderen Interessenkategorien.

20. Die Menschheitsinteressen sind in enger Verbindung mit den globalen Herausforderungen der Menschheit, speziell in der Epoche der Globalisierung, Ausdruck von Bedürfnissen, Nutzen, Allgemeinwohl und Glück der gesamten Menschheit.

21. Die Menschheitsinteressen sind in Gestalt ihrer völkerrechtsphilosophischen Widerspiegelung im Sinne des Commune bonum humanitatis eine besondere Äußerungsform der allgemeinmenschlichen und universellen Vernunft einer Ratio humanitatis universalitatis, sogar eines Ius rationis humanitatis universalitatis.

22. Die egoistische Interessendurchsetzung, d. h. Durchsetzung auf Kosten der anderen
Staaten, richtet sich in der Regel gegen das Völkerrecht. Werden sie auf Kosten der gesamten Menschheit durchgesetzt, dann widersprechen sie der allgemeinmenschlichen und universellen Vernunft.

23. Die Anwendung des utilitaristischen Liberalismus in den internationalen Beziehungen schuf die internationale Variante des Homo oeconomicus. Der Siegeszug des
utilitaristischen Neoliberalismus in der Epoche der Globalisierung schuf eine zutiefst pervertierte Form des Menschen,, den Homo oeconomicus perversus.

24. Die parallelen Interessen der Staaten sind auf ähnliche Bedürfnisse, Wahrnehmungen, Vorteilsvorstellungen, Willensbereitschaft, Verstandeskapazität sowie auf ähnliche Erkenntnisfähigkeit der Akteure zurück zu führen. Die parallelen Interessen
sind auf das gleiche Objekt gerichtet; zwischen ihnen gibt es keinerlei Berührung; sie führen daher zu keinen Ergebnissen.

25. Bei den gemeinsamen Interessen verläuft ein ähnlicher Prozess ab (Bedürfnisse, Wahrnehmung, Wollen, Verstand, Vernunft, Erkenntnis), der gegenseitig und in der
Regel gleichzeitig registriert wird. Dies kann zu Konsultationen, Vorverhandlungen, Verhandlungen und konkreten Ergebnissen führen.

26. Die konkurrierenden (sich berührenden, sich kreuzenden) Interessen sind auf ein Objekt gerichtet und es kommt in der Regel zu einer neutralen Berührung
der Vorteilserwartungen, was zu einer Problemsituation führen kann.
Mögliche Lösungsvarianten: Umwandlung in gemeinsame Interessen, Erzielung eines Interessenausgleichs oder Verzicht auf die Interessenrealisierung oder allmähliche
Umwandlung in konträre Interessen.

27. Die konträren (gegensätzlichen, antagonistischen) Interessen stützen
sich auf extrem unterschiedliche, aufeinanderstoßende Bedürfnislagen, Wahrnehmungen, Verstandeskapazitäten, Erkenntnisfähigkeiten bzw. Erkenntnisqualitäten.
Hieraus ergeben sich konträre Verhaltensmuster. Durch einen Interessenausgleich, vorrangig durch vertragliche Regelung, kann eine Problemlösung herbeigeführt werden.

28. Das Völkerrecht als internationale Rechtsordnung ist , allgemein betrachtet, das Ergebnis der Koordinierung sowie des Ausgleichs der Staateninteressen.

29. Der internationale Normenbildungsprozess (INBP) weist eine relativ lange Kette auf:
Bedürfnisse, Wahrnehmung, Wollen, Vernunft, Verstand, Erkenntnis, (allgemeines) Verhalten. Wenn mehrere Staaten das Interesse (Nutzen, Nützlichkeit, Vorteil) sowie die Regelungsnotwendigkeit, Regelungswürdigkeit und Regelungsmöglichkeit erkennen, liegt in gnoseologischer Hinsicht ein Consensus generalis oder sogar ein Consensus omnium vor.

30. Es ist zwischen den unterschiedlichen Interessenarten zu differenzieren: Bei den
gegensätzlichen Interessen kommt es zu einem Interessenausgleich, der in der
völkerrechtstheoretischen Figur der Willensübereinstimmung (Vertrag) seinen
Ausdruck findet. Parallele Interessen können in gemeinsame Interessen umgewandelt werden.
Durch mehrseitiges Erkennen als konsensuale Interessenlage erlangen
die gemeinsamen Interessen die Qualität von übereinstimmenden Interessen. Sie wiederum werden in der Figur der Willensübereinstimmung ausgedrückt. Dabei besitzt der Wille nur subjektiven Charakter. Deswegen kann es weder „identische Interessen“ noch eine „Willensidentität“ geben.

31. Für die Verträge gilt das Prinzip Pacta sunt servanda. Gehen die Interessenlagen auseinander, dann besteht grundsätzlich die Anwendungsmöglichkeit der Clausula
rebus sic stantibus in der modernen Formulierung „Regel der grundlegenden
Veränderung der Umstände“. Es entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen dem
Prinzip Pacta sunt servanda und der Regel Clausula rebus sic stantibus.

 

Anmerkungen

 

1 P. Terz, Zur Bedeutung der Norm der grundlegenden Veränderung der Umstände in den internationalen
Vertragsbeziehungen und zu ihrem Verhältnis zum Prinzip Pacta sunt servanda (Ein Beitrag
zur Theorie des völkerrechtlichen Vertrages), Habilitationsschrift, vert. 1975, Universität Leipzig.
2 Id.: Das Problem der Interessen in den zwischenstaatlichen Vertragsbeziehungen, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Leipzig, 1/1976, S.37-43; Zu der Interessen- und Willensproblematik in den Vertragsbeziehungen, in: Przeglad Stosunkow Miedzynarodowych, 2/1978, S. 121-127 (in Polnisch); Interessendurchsetzung und Friedenswahrung, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin (Sondernummer: Völkerrecht als Friedensordnung), 2/1990, S. 194-197.
3 Id., Die Polydimensionalität der Völkerrechtswissenschaft oder Pro scientia lata iuris inter gentes, in: Archiv des Völkerrechts, 4/30/1992, S. 442-481.
4 Id.: Die Völkerrechtssoziologie, Versuch einer Grundlegung in den Hauptzügen, Defensio scientiae iuris inter gentes, in: Papel Politico, 1/11/2006, pp. 250-303 (hier pp. 273/274); P. Terz/E. Pastrana, El Derecho Internacional al despuntar el Siglo XXI,Un punto de vista sociologico del Derecho Internacional. Ad Defensionem Iuris inter Gentes, in: Papel Palitico, 2/12/2007, pp. 535-564 (hier pp. 546-551).

5 Diese Position ist vom Autor zum ersten Mal in Auseinandersetzung mit Samuel Huntingtons seltsamen, ja absurden These vom The Clash of Civilizations (New York 1996) erarbeitet worden.
6 Vgl. G. Lunk, Das Interesse, 2 Bände, Band 1, Leipzig, 1927, S. 8.
7 Vgl. H. Neuendorff, Der Begriff des Interesses, Eine Studie zu den Gesellschaftstheorien von Hobbes, Smith und Marx, Frankfurt/M., 1973, S. 10.
8 Vgl. O. Schwemmer, Stichwort, Interesse in: Enzyklopädie, Philosophie und Wissenschaftstheorie, (hrsg. von Jürgen Mittelstraß), Band 2, Stuttgart/Weimar, 2004, S. 268.
9 Vgl. in: Handbuch philosophischer Grundbegriffe (Hrsg. H. Krings et alt.), Band II, München, 1973, S. 740 sowie W. P. Eichhorn, Stichwort, “Interessen”, in: Philosophisches Wörterbuch (hrsg von G. Klaus und M. Buhr), Band 1, Leipzig, 1969, S. 534.
10 Vgl. in: Langenscheidts Taschenwörterbuch, Altgriechisch, Berlin et alt., 1990, S. 402.

11 „Die unterschiedlichen Ansichten zwischen den Menschen beziehen sich nicht auf das politische System, sondern auf die Privatinteressen jedes Einzelnen“, Quelle: Xap. ,1989, S. 95 (559).
12 Vgl. R. Müller, Das Menschenbild der sophistischen Aufklärung, in: id. (Hrsg.), Der Mensch als Maß der Dinge, Berlin 1976, S. 252, 255 sowie id., Menschenbild und Humanismus in der Antike, Leipzig, 1980, S. 339, 458. Für Protagoras ist außerdem der Nutzen weder subjektiv noch allgemeinmenschlich, sondern konkret.
13 Nach K. Böttcher et alt., Geflügelte Worte, Leipzig 1988, S. 57 (270).
14 Die Übersetzung durch Jörg Milbradt scheint korrekter zu sein: „Der Nächste – das bin ich mir, nicht der andere“. Terenz, Drei Komödien, hier „Das Mädchen von Andros“ (Zweiter Akt), Leipzig,1973, S. 29.
Im Allgemeinen ist nicht so sehr bekannt, dass solche Gedanken viel älter sind. So ließ
z. B. der Tragiker Sophokles in dem „Aias“ den Heerführer Agamemnon zu Odysseus sagen: „ So geht es immer: jeder müht sich nur für sich“. In: Sophokles, Aias, König Ödipus, Philoktet (Übers. von R. Schottlaender), Leipzig, 1977, S. 505 (Vers 135 ff.). Der andere große Tragiker Euripides legt in der „Medeia“ dem Erzieher der Kinder Medeias folgende Worte in den Mund, gerichtet an die Amme: „…Das siehst du jetzt erst ein: Es liebt sich jeder selbst mehr als den Nächsten…“. In: Euripides, Dramen (Alkestis, Medeia, Hippolytos, Hekabe, Die Hilfeflehenden), Übers. D. Ebener,Leipzig, 1976, S. 53 (Vers 63 ff.).
15 So schrieb Antiphon: „Und die Bestimmungen der Staatsgesetze sind das Ergebnis von gegenseitiger Übereinkunft, nicht aber gewachsen“. In: Die Vorsokratiker, Übers. W. Capelle, Berlin, 1961, S. 376.
16 Vgl. R. Müller, Antike Gesellschaftstheorie, in: F. Jürß (Hrsg.), Geschichte des wissenschaftlichen Denkens im Altertum, Berlin, 1982, S. 338 ff.
17 Vgl. R. Müller, Antike Gesellschaftstheorie, in: F. Jürß (Hrsg.), Geschichte des wissenschaftlichen Denkens im Altertum, Berlin, 1982, S. 338 ff.
18Vgl. R. Müller (Anm. 12), S. 252.
19 In: Griechische Atomisten, ibid., S. 291.
20 Hauptlehrsatz 23: „Jede Freundschaft ist um ihrer selbst willen zu wählen. Ihren Ursprung hat sie freilich im Nutzen“. Ibid., S. 296.
21 Fragmente, L 3: „Die Kunst ist eine Methode, die für das Leben das Nützliche schafft“, Scholion zu Dionysios Thrax, BAG S. 649, 26. Ibid., S. 306.
22 Hauptlehrsatz 29: „In aller Offenheit möchte ich lieber als Erforscher der Natur allen Menschen sagen, was ihnen nützt …“. Ibid., S. 296.
23 Vgl. F. Jürß, Griechische Weltanschauung und Philosophie, in: id. (Anm. 16), S. 391.
24 In: Griechische Atomisten (Anm. 18), S. 308. Der Eudämonismus (Glückseligkeit) ist eine „ethische Lehre, nach der das eigentliche Motiv, letzte Ziel und sittliche Kriterium des menschlichen Handelns die Glückseligkeit ist.“ Vgl. M. Buhr, Stichwort „Eudämonismus“, in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 9), S. 346. Der Eudämonismus ist keine „Abwandlung des Hedonismus“, wie irrtümlicher Weise behauptet wird. So z. B. H. Wienold/O. Rammstedt, Stichwort „Hedonismus“ in: Lexikon zur Soziologie, hersg. von W. Fuchs-Heinritz et alt., Opladen, 1995, S. 269.Vgl. M. Buhr, Stichwort „Hedonismus“, in: Philosophischen Wörterbuch, ibid., S. 471 Vgl. J. Mittelstraß, Stichwort „Hedonismus“, in : Enzyklopädie (Anm.8), Band 2, S. 47.
25 In: Griechische Atomisten, ibid., S. 284.
26 Ibid., S. 306.
27 Vgl. F. Jürß (Anm. 23), S. 390
28 Vgl. R. Müller, Die Epikureische Gesellschaftstheorie, Berlin, 1972, S. 64

29 In: Griechische Atomisten, ibid., S. 291.
30 P. T. D. Holbach, System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und der moralischen Welt (Übers. aus dem Französischen), Erster Teil, 15. Kapitel, Berlin, 1960, S. 229.
31 Weiter deckte Karl Marx auf: „Holbachs Theorie ist also die historisch berechtigte Illusion über die eben in Frankreich aufkommende Bourgeoisie, deren Exploitationslust noch ausgelebt werden konnte als Lust an der vollen Entwicklung der Individuen in einem von den feudalen Banden befreiten Verkehr“. Zit. Nach: M. Buhr, Stichwort „Utilitarismus“, in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 9), Band 2, S. 1110.
32 C. A. Helvetius, Werk vom Menschen (Übers. aus dem Französischen), Band I, Breslau, 1774, S. 247.
33 Vgl. O. Schwemmer, Stichwort „Interesse“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), S. 268.
34 Vgl. id., S. 269.
35 Vgl. Ähnlich R. Dubischar, Einführung in die Rechtstheorie, Darmstadt 1983, S. 14.
36 Vgl. ebenso J. Mittelstraß (Anm. 24), S. 47.
37 Vgl. auch M. Buhr, Stichwort „Hedonismus“, in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 9), Band 1, S. 471.
38 Vgl. O. Schwemmer, Stichwort „Utilitarismus“ in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 4, S. 461.
39 Vgl. H. R. Ganslandt, Stichwort „Bentham“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 1, S. 281.
40 Vgl. B. W. Reimann/H. Wienold, Stichwort „Utilitarismus“, in: Lexikon zur Soziologie (Anm. 24), S. 702.
41 Vgl. H. R. Ganslandt (Anm. 39), S. 281..
42 Vgl. auch Philosophen-Lexikon, Handwörterbuch der Philosophie nach Personen, Hrsg. W. Ziegenfuss / G. Jung, Erster Band, Berlin, 1949, S. 101.

43 In: Klassiker der Staatsphilosophie, Ausgewählte Texte (hrsg. von A. Bergstraesser und D.
Olerndörfer), Stuttgart, 1962, S. 139 ff.
44 Vgl. H. Poller, Die Philosophen und ihre Gedanken, Ein geschichtlicher Überblick, Freiburg, 2005, S. 299.
45 Vgl. J. Mittelstraß (Anm. 24), S. 47.
46 Vgl. B. W. Reimann/H. Wienold (Anm. 40), S. 702.
47 Vgl. R. Dubischar (Anm. 35), S. 15.
48 Insgesamt gibt es die folgenden Eudämonismus-Arten: a) hedonistischer E.: dauerhafte Lust (Epikur, J. Locke, J. Bentham); b) aretologischer E.: tugendhaftes Leben (Sokrates, Platon, Aristoteles, Stoa); c) ontologischer E.: vollständige Bedürfnisbefriedigung (Augustinus, Thomas von Aquin); d) voluntaristischer E.: Erfüllung menschlichen Strebens und Wollens als geeignetes Mittel zur Glückserlangung. e) egoistischer E.: eigenes Glück auf Kosten anderer Menschen; f) altruistischer oder sozialer E.: Glück anderer Menschen als oberstes Ziel des Handelns. Das gehört wohl in die Welt der großen Illusion. Vgl. M. Gatzemeier, Stichwort „Eudämonismus“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 1 S. 600. Nach Aristoteles bewirkt im Allgemeinen das geistige Leben das intensivste, das
eigentliche Glück gemäß der Arete (Tugend). Vgl. M. Simon, Die Aristotelische Gesellschaftstheorie, in: R. Müller (Anm. 12, S. 354/355.
49 In: Die Vorsokratiker, übers. und hrsg. von M. Hackermann, Köln, 2007.
50 In: Griechische Atomisten (Anm. 18), S. 368. Porphyrios war Vertreter des Neuplatonismus. Vgl. Lexikon der Antike (hrsg. von I. Irmscher), Leipzig, 1987, S. 464.
51 Langenscheidts Taschenwörterbuch, Altgriechisch, Berlin et. Alt., 1990, S. 394. Es muss allerdings konstatiert werden, dass auch Denkkraft (Verstand) und Geist bedeutet.
52 Benselers Griechisch-Deutsches Wörterbuch, Leipzig, 1981, S. 539.
53 K. E. Georges, Kleines Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch, Leipzig, 1890, S. 2157. Es werden auch andere Wörter erwähnt: Denkvermögen, Klugheit, Vernunftmäßigkeit, Vernünftigkeit.
54 Beispielsweise J. Mittelstraß, Stichwort „Vernunft“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 4, S. 518.
55 Vgl. auch O. Schwemmer, Stichwort „ratio“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 3, S. 462.
56 Ibid. (Anm. 51), S. 116 sowie ibid. (Anm. 52), S. 179.
57 Ibid. (Anm. 53), S. 1325. Der Terminus „Intellectus“ ist eine Sprachschöpfung der mittelalterlichen Philosophie. Vgl. R. Wimmer, Stichwort „Intellectus“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 2, S. 254.
58 Vgl. M. Buhr, Stichwort „Vernunft“, in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 9), Band 2, S. 1125.
59 Vgl. O. Rammstedt, Stichwort „Vernunft“, in: Lexikon zur Soziologie (Anm. 24), S. 716.

60 Vgl. O. Schwemmer, Stichwort „Interesse“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 2, S. 271.
61 J. Mittelstraß, Stichwort „Vernunft“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 4, S. 518.
62 Vgl. ähnlich C. F. Gethmann, Stichwort „Verstand“, in: Enzyklopädie, Band 4, S. 528.
63 Vgl. ebenso. O. Rammstedt (Anm. 59), S. 716.
64 M. Buhr (Anm. 58), S. 1125.
65 Vgl. O. Rammstedt, Stichwort „Verstand“, in: Lexikon zur Soziologie (Anm. 24), S. 720.
66 Vgl. M. Buhr, Stichwort „Verstand“, in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 58), Band 2, S. 1125.
67 Vgl. O. Rammstedt, ibid., S. 720.
68 Vgl. J. Mittelstraß, Stichwort “Common sense”, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 1, S. 409.
69 I. Kant, Kritik der praktischen Vernunft, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Leipzig, 1978, S. 271.
70 Zit. nach: C. F. Gethmann, ibid., S. 530.
71 Vgl. O. Schwemmer, Stichwort „Interesse“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 2, S. 268.
72 Zit. nach: M. Buhr (Anm. 58), S. 1124.
73 Vgl. ibid., S. 1124.
74 Vgl. O. Schwemmer (Anm. 71), S. 268-270. Der Begriff „Vernunftinteresse“ ist von F. Kambartel eingeführt wurden. Vgl. G. Wolters, Sichtwort „Vernunftinteresse“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 4, S. 524. Kant definiert das Interesse in Verbindung mit der Vernunft wie folgt: „Interesse ist das, wodurch Vernunft praktisch, d.i. eine den Willen bestimmende Ursache wird“. I. Kant (Anm. 69), S. 280.
75 In: Die Vorsokratiker (Anm. 49), S. 158.
76 Vgl. ähnlich A. Kosing, Stichwort „Erkenntnistheorie“, in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 8), Band 1, S. 317.
77 Vgl. J. Mittelstraß, Stichwort „Erkenntnis“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 1, S. 575.
78 Vgl. K. Lorenz, Stichwort “Diskursivität“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 1, S. 492.
79 Vgl. G. Wolters, Stichwort „Intuitive Erkenntnis“, in Enzyklopädie (Anm. 8), Band 2, S. 285.
80 Vgl. M. Buhr, Stichwort „Intuition“ in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 8), Band 1, S. 539.
81 Vgl. R. Klima, Stichwort „Erkenntnis“, in :  Lexikon der Soziologie (Anm. 24), S. 178.
82 Vgl. G. Klauss, Stichwort „Abbildtheorie“, in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 8), Band 1, S.
32/33. Die Abbild- oder Widerspiegelungstheorie ist Kernstück der dialektisch-materialistischen Dialektik: „Das erkennende Subjekt erzeugt im Erkenntnisprozess vermittels der analytisch-synthetischen Nerventätigkeit ideelle Abbilder der Objekte in anschaulich-sinnlicher Form (Empfindungen und Wahrnehmungen) und in abstrakt-logischer Form (Urteile und Begriffe). Vgl. ibid., S. 315.
83 Vgl. C. F. Gethmann, Stichwort „Erkenntnisinteresse“, in : Enzyklopädie (Anm. 8), Band 1, S.576.
84 Vgl. O. Schwemmer, Stichwort „Interesse“, in: Enzyklopädie (Anm. 8), Band 2, S. 271.
85 Vgl. id., S. 270.
86 Vgl. id., S. 270.
87 So beispielsweise J. Mittelstraß, Über Interessen, in: id. (Ed.), Methodologische Probleme einer normativ-kritischen Gesellschaftstheorie, Frankfurt 1975, S. 126 ff.
88 Kleines Politik-Lexikon, hrsg. von C. Lenz/N. Ruchlak, München 2001, S.98.
89 So beispielsweise W. P. Eichhorn, Stichwort „Interessen”, in: Philosophisches Wörterbuch (Anm. 8), Band 1, S. 536/537.
90 Der Brockhaus, Psychologie, hrsg. von der Lexikon-Redaktion des Verlages, Mannheim/Leipzig, 2001, S. 277.
91 Vgl. K. Deutsch, Analyse internationaler Beziehungen (Übers. aus dem Englischen von „Analysis of International Relations“), Frankfurt/M. 1968., S. 77.
92 So R. Lautmann, Stichwort „Nutzen“, in: Lexikon zur Soziologie (Anm. 24), S. 469.
93 K. Deutsch, ibid., nennt die Ökonomie, die Religion, die Ideologie und die Werte, S. 79.

94 Vgl. P. Terz, Die Völkerrechtssoziologie, Versuch einer Grundlegung in den Hauptzügen. Defensio Scientiae Iuris inter Gentes, in: Papel Politico, 1/11/2006, pp. 259 – 303 (hier pp. 276 ss).
95 Id., S. 274 – 278.
96 Stellvertretend für mehrere vgl.: vor allem E. D. Götz, Die völkerrechtlich geschützten Staatsinteressen, Dissertation, Würzburg, 1967, S. 40 – 42 („primäre“ und „sekundäre“ Interessen); W. Wengler, Prolegomena zu einer Lehre von den Interessen im Völkerrecht, in: Die Friedenswarte, 2/50/1950, S. 109, 111, 115 („finale“ und „modale“, „konstante“ Interessen) sowie„) A. Bleckmann, Die Funktionen der Lehre im Völkerrecht, Materialien zu einer Allgemeinen Methoden- und Völkerrechtslehre, Köln et alt. 1981, S. 204/205 („Individualinteressen“, „Gruppeninteressen“,„Allgemeininteressen“). Schon im 18. Jh. gab es Versuche, eine Interessen-Typologie zu erstellen: D. Diderot, Philosophische Schriften, hrsg. von Th. Lücke, 1. Band, Berlin 1961, S. 391 („Sagt man: Das Interesse eines Individuums, einer Körperschaft, einer Nation; mein Interesse, das Interesse
des Staates, ihr Interesse, dann bedeutet dieses Wort das, was dem Staat, der Person, mir usw.
zukommt“), Artikel aus der „Enzyklopädie über Philosophie und Moral“; S. Pufendorf, Einleitung zu der Historie der vornehmsten Reiche und Staaten, so itziger Zeit in Europa sich befinden, 1682, Band 1, Frankfurt 1684, S. HH („imaginarium“ und „verum“ Interesse).
97 Vgl. ähnlich J. Frankel, Nationales Interesse, München 1972 (Original: „National Interest“, London 1970), S. 77 – 79. Nach Frankel geht es um die „Erhaltung des lebenswichtigen Kerns“. Die Staaten sind nicht bereit, Konzessionen zu machen. Vgl. ebenso D. Schwarzkopf, Atomherrschaft, Politik und Völkerrecht im Nuklearzeitalter, Stuttgart-Degerloch, 1969, S. 93, 158. Er spricht von einem „primären vitalen Interesse“, wenn es sich um „die Erhaltung der eigenen Substanz“ handelt.

98 Text in: Völkerrecht, Dokumente (bearb. von P. Morgenstern), Teil 3, Berlin 1980, S. 1077.
99 Text in: ibid., S. 790.
100 So beispielsweise der österreichische Vertreter im UN-GV-Rechtskomitee am 2. 11. 1981
im Zusammenhang mit der Anwendung des Consensus-Verfahrens in UN-Organen (A/C.6/36/SR.38).
101 So beispielsweise M. Schmidt/W. Schwarz, Neue Anforderungen an Sicherheitsdenken und Sicherheitspolitik, in: IPW-Berichte 9/1986, S. 10/11. Die Autoren unternehmen den misslungenen Versuch, die „legitimen Interessen“ zu charakterisieren: Sie dürfen nicht auf Kosten anderer Staaten sein; sie müssen einen Beitrag zur Lösung der Überlebensfragen der Menschheit leisten; Durchsetzbarkeit ausschließlich mit friedlichen Mitteln; Einbettung in eine Sicherheit komplexen Charakters. Sie haben leider ausgerechnet das Völkerrecht nicht beachtet.
102 So beispielsweise H. Cassan, Humanité et développement, en: M. Flory et alt., La formation des normes en droit international du développement, Paris, 1984, p. 197 und A. Bleckmann, Die Völkerrechtsverbindlichkeit der deutschen Rechtsordnung, in: Die Öffentliche Verwaltung, 9/23/1979, S. 315 (Das „internationale Allgemeininteresse“ umfasse „den Schutz bestimmter fremder Interessen“).
103 So im „Vertrag über die Ächtung des Krieges“ (Briand-Kellog-Pakt) von 1928, Text in: Dokumente zur Abrüstung 1917 – 1976 (bearb. von P. Klein), Berlin 1978, S. 105; Isay, Völkerrecht, Breslau, 1924, S. 19; B. Pallieri, Diritto internazionale pubblico, Milano, 1962, pp. 505 ss.
104 Vgl. hier das Werk in der Auflage von 1966, p. 62
105 Vgl. hierzu ausführlicher: P. Terz, Die Völkerrechtsphilosophie. Versuch einer Grundlegung in den Hauptzügen. Pro scientia ethica iuris inter gentes, in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, 2/86/2000, S. 168 – 184.
106 Diese Formulierung ist zum ersten Mal in dem folgenden Beitrag geprägt worden: Die Völkerrechtstheorie, Versuch einer Grundlegung in den Hauptzügen, Pro Theoria generalis scientiae iuris inter gentes, in: Papel Politico, 2/11/2006, S. 683 – 737 (hier S. 686).
107 Vgl. W. Friedmann (Anm. 104), p.48.
108 R. E. Osgood, Idealismus und Egoismus in der Außenpolitik, in: H. Haftendorn (Hrsg.), Theorie der internationalen Politik, Gegenstand und Methode der Internationalen Beziehungen, Hamburg, 1975, S. 55
109 Vgl. hierzu sehr ausführlich die prägnante und informative Studie: D. Bienen/C. Freund/V. Rittberger, Gesellschaftliche Interessen und Außenpolitik. Die Außenpolitiktheorie des utilitaristischen Liberalismus, Nr., 33 der“Tübinger Arbeitspapiere zur internationalen Politik und Friedensforschung“, Tübingen, 1999, S. 2 – 6, 15, 25/26. In den 30er Jahren des 20. Jh. waren die Untersuchungsergebnisse noch abstrakter und idealistischer. So z. B. H. Kraus, Staatsinteressen im internationalen Leben, in: Internationale Gegenwartsfragen (Ausgewählte kleine Schriften). Nachdruck, Würzburg 1963, S. 53 ff.: Unter „Interesse“ versteht er „zunächst Wertvorstellungen und sodann Werterhaltungs- und Wertverwirklichungswillen“.
110 H. J. Morgenthau, Macht und Frieden, Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh 1963, S. 50. Es ist kein Zufall, wenn G.-K. Kindermann konstatiert, dass im „Denken der Realistischen Schule“, die „Lehre von den Interessen“ als unabdingbare Ergänzung ihrer „Lehre von der Macht“ sei: Vgl. Hans J. Morgenthau und die theoretischen Grundlagen des politischen Realismus, Einleitung zu: H. J. Morgenthau (ibid.), S. 26.
111 Vgl. sehr zutreffend S.Böckenferde, Zwischen der Durchsetzung nationaler Interessen und der Rolle als globaler Ordnungsmacht. Perpektiven künftiger amerikanischer Militäreinsätze, Berlin 2001, S. 9.
112 Stellvertretend für mehrere seien genannt: J. Kukulka, Probleme der Theorie der internationalen Beziehungen, Moskwa 1980, S. 271; E. A. Posdnjakow, Die Systembetrachtungsweise und die internationalen Beziehungen, Moskwa 1976, S. 121 (beides in Russisch).
113 So E. Fischer-Baling, Theorie der Auswärtigen Politik, Köln/Opladen 1960, S. 18.
114 Duden, das große Fremdwörterbuch, Mannheim/Leipzig et alt., 2000, S. 992/993.
115 So weit war bereits H. Kraus (Anm. 109), S. 53. Ihm folgen E. D. Götz (Anm. 96), S. 76 sowie indirekt G. Birkás, Das Staatsinteresse als Grundlage des Völkerrechts, Berlin, 1933, S. 75.
116 Thukydides, Geschichte des peloponnesischen Krieges, (übers. von Th. Braun, Erstes Buch, Kap. 124, Leipzig 1964, S. 92.
117 Vgl. ähnlich auch P. Cartledge, Thukydides, 2.500 Jahre alt und doch ein Zeitgenosse, in:
UNESCO-Kurier, 3/1990, S. 18.
118 Rede im Internet: www.tagesschau.de/multime dia/video/video 438452.htme.
119 A. P. Sereni, Diritto Internazionale, II, Organizzazione Internazionale, Milano, p. 773.
120 Vgl. G. Morelli, Nozioni di diritto internazionale, Padova 1963, 1967, pp. 1 – 6.

121 Duden, Das große Fremdwörterbuch, Mannheim/Leipzig et. alt., 2000, S. 593.
122 So beispielsweise G. Morelli (Anm. 120), p. 772 und F. C. Iklé, Strategie und Taktik des diplomatischen Verhandelns (Übers. von „How Nations Negotiate“, New York 1964), Gütersloh 1965, S. 43.
123 M. Virally wies bereits Mitte der 80er Jahre auf „sich kreuzende Interessen“ zwischen den USA und der damaligen UdSSR auf den Weltmeeren, auf ökonomischem, politischem und auf dem Handelsgebiet hin. Vgl. Panorama du Droit International Contemporain (Académie de Droit International), Dordrecht et alt., p. 39.
124 Das Völkerrecht vermag nach H. Lauterpacht gegensätzliche Interessen auszugleichen und zu regeln. Vgl. Privat Law sources and analogies of International. Law, London 1927, p. 31. Vgl. weiter ähnlich H. Neuhold, Abgrenzungen, Strukturmerkmale und Besonderheiten der Völkerrechtsordnung, in: H. Neuhold et alt. (Hrsg.), Österreichisches Handbuch des Völkerrechts, 1, Wien 1983, S. 5.

125 Stellvertretend für mehrere seien nur die folgenden erwähnt: P. Heck, Interessenjurisprudenz, Tübingen 1933; J. Edelmann, Die Entwicklung der Interessenjurisprudenz, Bad Homburg, 1967.
126 Vgl. R. Dubischar, Einführung in die Rechtstheorie, Darmstadt, 1983, S. 17/18.
127 Id., s. 18.
128 So W. Sauer, Einführung in die Rechtsphilosophie für Unterricht und Praxis, Berlin 1954, S.19.
129 Vgl. H. Klenner, Vom Recht der Natur zur Natur des Rechts, Berlin 1984, S. 151 – 153.

130 Sehr überzeugend Henkel, Einführung in die Rechtsphilosophie, München/Berlin, 1977, S.315.
131 Vgl. beispielsweise: W. Wengler, Prolegomena (Anm. 96), S. 108 (der Gestaltung der Normen liegen menschliche Interessen zugrunde, die „auf dem Wege über die positiven Rechtsnormen Befriedigung suchen“). Im Prinzip kann man dieser Auffassung zustimmen, obwohl eine überzeugende Begründung fehlt. Bereits Mitte des 18. Jh. wurde die Meinung vertreten, dass nicht „ein Natur- und Völkerrecht oder ein Jus publicum universale“, sondern die „Wissenschaft vom Interesse“ für die zwischenstaatlichen Beziehungen entscheidend sei. Vgl. J. J. Schmaußens, Die Historie der Balance von Europa, Leipzig, 1741, Aus der Vorrede. M. Boss richtet sich gegen die Überbewertung des Interesses im Völkerrecht und weist wohl rechtspositivistisch eher auf den Willen der Staaten hin. Vgl. Positiv International Law, in: Netherlands International Law Review, 1/XXIX/1982, p. 13.
132 M. Virally beschränkt sich auf die politischen Interessen. Nach seiner Meinung vermag jedoch das Völkerrecht nicht die gesamte politische Ordnung zu erfassen, die ohnehin ihre eigenen „Spielregeln“ besitzt. Vgl. Panorama (Anm. 123), pp. 30 – 33. Ähnlich geht W. Wengler vor: „Damit ist der Vorbehalt des Politischen gegenüber dem Rechtlichen zunächst als ein Werkzeug der besonderen Interessen – der Staaten… erkannt“. Vgl. Der Begriff des Politischen im internationalen Recht, in: Staat und Recht 189/190/1956, S. 33 – 35.
133 Dies ist der Fall bei vielen ehemals sowjetischen Völkerrechtlern. Stellvertretend für mehrere seien genannt: D. B. Lewin. Das Völkerrecht, die Außenpolitik und die Diplomatie, Moskau 1981, S.122; G. W. Ignatenko/D. B. Ostapenko (Hrsg.), Völkerrecht, Moskwa 1978, S. 30; J. G. Barsegow, Völkerrechtliche Aspekte der globalen Probleme der Gegenwart, in: Sowjetskoje gossudarstwo y prawo, 6/1983, S. 83 (alle drei Quellen in Russisch).
134 Vgl. beispielsweise P. Terz, Der Normbildungsprozess in den internationalen Beziehungen und speziell in Völkerrecht, in: Methodologie der Rechtswissenschaft, 12/1982 ), S. 281; id., Die Normbildungstheorie (Eine völkerrechtsphilosophische, völkerrechtssoziologische und völkerrechtstheoretische Studie, 9/XXXIV, Acta Universitatis Szegediensis, Szeged 1985; id., For a modern theory of the creation of norms in the nuclear-cosmic era, in: Pax-Jus-Libertas, Misc. in hon. D. S. Constantopuli, Vol. B., Thessaloniki 1990, p. 1163.
135 P. Terz, Cuestiones teóricas fundamentales del proceso de formación de las normas internacionales, Cali 1989, vor allem pp. 81 – 85.

136 Id., pp. 65 – 71.
137 Die folgenden Völkerrechtler waren in erster Linie Vertreter dieser These: H. Triepel, Völkerrecht und Landesrecht, Leipzig 1899, S. 26, 45, 50, 64 ff., 75, 82; K. Binding, Die „Vereinbarung“ , Ihr Begriff – ihre schöpferische Kraft; Zum Werden und Leben der Staaten, München/Leipzig 1920, S.215, 217; D. Anzilotti, Lehrbuch des Völkerrechts, Band 1, Berlin/Leipzig 1929, S. 31, 38 ff.
138 G. Morelli kritisiert an der Gemeinwille-These die Ungeeignetheit, ein einheitliches Völkerrechtssystem aufzubauen. Vgl. Nozioni (Anm. 120), p. 12/13. T. Giehl wirft ihr sogar Mystizismus (“unio mystica”) vor und schätzt ein, dass sie zum Scheitern verurteilt sei. Vgl. The legal Character and Sources of international Law, in: Scandinavian Studies in Law, Vol. I, 1957, p. 59.
139 Vgl. P. Terz (Anm. 106), pp. 683 ss. In diesem Grundsatzbeitrag werden Interesse und Willen als Kategorien der Völkerrechtstheorie aufgefasst.
140 Vgl. hierzu ausführlich: P. Terz, Zu der Abgrenzung der Norm der grundlegenden Veränderung der Umstände von einigen speziellen Bestimmungen der Wiener Vertragsrechtskonvention von 1969, in: Jogtudományi Közlöny, 3/1977, S. 162 – 168 (in Ungarisch); id., Wesen und mögliche Auswirkungen von grundlegenden Veränderungen der Umstände auf die Gültigkeit zwischenstaatlicher Verträge, in: Przeglád Stosunków Miedzynarodowych, 2/1978, S. 121 – 128 (in Polnisch).
 

 

 

 

 

 

 

 

 

China-Hochtechnologien

China und die Hochtechnologien
Lange vor China hat Japan zwar mit den Hochtechnologien angefangen, aber die hochtechnologische Revolution findet nach wie vor im Westen, und zwar in den USA statt. Japan hat kaum eine welthistorische Erfindung gemacht. Voraussetzungen: a) Das freie und kreative Individuum; b) Förderung der Kreativität durch das Schulsystem; c) Eine hoch entwickelte Allgemeine Methodologie der wissenschaftlichen Grundlagenforschung ; d) Jahrzehntelange Tradition in der GRUNDLAGENFORSCHUNG; e) Kontinuität der Forschung; f)Enge Kooperation von Grundlagenforschung und Anwendung; g) Umfangreiche Mittel für die Grundlagenforschung. Im gesamten konfuzianischen Kulturkreis (China, Japan, Korea, Vietnam etc.) stützt sich hingegen das gesamte Schulsystem auf das AUSWENDIGLERNEN. Das äußert sich später im genauen Kopieren der technologischen Errungenschaften des Westens. Das kritische Denken ist nicht gefragt. Ich hatte Jahrzehntelang Studierende aus diesem Kulturkreis. Sie waren sehr fleißig, sehr diszipliniert, jedoch mit dem kritischen Denken und der Methodologie gab es große Probleme. Neue Zürcher Zeitung (18.4.23)

Souveränität

Meinung des chinesischen Botschafters in Paris: Die ehemaligen Sowjtrepubliken (darunter auch die baltischen Staten!) besitzen heute keine Souveänität
Ein unfreundlicher und nicht gerade intelligenter lapsus linquae. Im Allgemeinen könnte man annehmen, dass der Botschafter als Diplomat eine Ausbildung auf dem Gebiet des Völkerrechts absolviert hat.
Also systematisch und sachlich.
Sowohl nach dem Staatsrecht als auch nach dem Völkerrecht besteht ein Staat aus drei Elementen(Aristoteles hat sie als erster genannt !): Herrschaft (Regierung), Bevölkerung und Territorium.
Nach Völkerrecht wird unterschieden zwischen der Unabhängigkeit (SOUVERÄNITÄT), der Gebietshoheit (hieraus abgeleitet die Recht-s, Gesetzgebungs- und Gerichtshoheit)und der Personalhoheit (hieraus abgeleitet die Staatsangehörigkeit und in Verbindung damit die Fürsorge- und Schutzpflicht des Staates gegenüber seinen Bürgern).
Jeder Staat ist de jure souverän, d.h. seine Souveränität ist prägendes Merkmal seiner Existenz und hängt nicht von der Anerkennung seitens anderer Staaten ab. Die Anerkennung hat keine konstitutive, sondern nur eine deklaratorische Bedeutung. Nur im Völkerrecht vor der UNO-Charta 1945 gab es tatsächlich auch halb souveräne Staatsgebilde. Auf Grund seiner Souveränität entscheidet jeder Staat über seine inneren und äußeren Angelegenheiten. Er tut dies, ausgehend von seinen Interessen und seinen sich aus internationalen Konventionen sowie aus bilateralen Verträgen ergebenden Verpflichtungen. Schlussfolgerungen: a) Der Herr Botschafter ist ahnungslos in völkerrechtlichen Sachfragen und irrt gewaltig. b) Natürlich besitzen alle früheren Unionsrepubliken Souveränität.
Siehe ausführlich:
- Panos Terz, The science of international law, ISBN: 978-620-3-97855-1, Saarbrücken 2021;
-Panos Terz, Wissenschaft vom Völkerrecht: Theorie des Völkerrechts, Philosophie des Völkerrechts, Soziologie des Völkerrechts, Methodologie des Völkerrechts, ISBN: 978-620-0-67264-3, Saarbrücken 2021;
-Panos Terz, Quelques problèmes de droit international, Recueil d’écrits, ISBN: ‎ 978-620-4-10192-7, Saarbrücken 2021;
-Panos Terz, Панос Терц, Отдельные проблемы международного права, ISBN-13: 978-620-4-10170-5, Saarbrücken 2021. Berliner Zeitung (24.4.21)

Biologismus. Soziologismus

Einige begründen alles soziologisch, andere wiederum nur biologisch.
Sowohl, als auch oder weder einseitiger Soziologismus, noch einseitiger Biologismus, sondern die konstitutiven Elemente des Anthropos (biopsychologisches Wesen, soziales Wesen, politisches Wesen etc.) bilden ein gnoseologisches und ontologisches System, wobei zwischen diesen Elementen wechselseitige Beeinflussungen bestehen.
Ist es ein Zufall, dass die alten Griechen fast alle philosophischen Richtungenentwickelt haben, und die Theorie, die Philosophie und die Methodologie, worauf sich die Überlegenheit des Westens stützt, erfunden haben? Warum haben die Nachbarvölker Illyrer und Thraker absolut nichts hervorgebracht? Warum haben die Römer kein eigenes philosophisches Denkgebäude geschaffen? Ich weiß wohl, dass der Soziologismus eine linke und unzureichende Auffassung ist, welche den Menschen in seiner Totalität nicht zu erklären vermag. NZZ (28.4.23)

Schwarze Kleopatra?

In einem Film wird die Rolle von Kleopatra von einer Schwarzafrikanerin gespielt. Die Ägypter sind empört.
Wichtiger ist eine andere historische Tatsache: Alexandria war das Zentrum der griechischen Wissenschaft. Speziell im Museion (Forschungszentrum) waren tätig auch Nichtgriechen, jedoch die Sprache war Griechisch. Es handelt sich dabei um eine wissenschaftliche Einrichtung, an der zum ersten Mal interdisziplinäre Forschungsgruppen tätig waren, und die Forscher erhielten,auch einmalig in der Weltgeschichte, vom Staat Gehalt. Dass Kleopatra (Bedeutung des griechischen Namens: Um den Ruhm des Vaters) eine Griechin war, dürfte selbstverständlich sein. Andererseits sollte man tolerant sein und die künstlerische Freiheit akzeptieren. Wie ist es eigentlich mit dem Inder Buddha, der als Chinese dargestellt wird? Auch Jesus Christus hat in Äthiopien eben äthiopische Gesichtszüge. Übrigens, auch die schöne Königin Nefertiti (Die Frau aus der Ferne) war keine Ägypterin, sondern eine hethitische Prinzessin. Ihre Physiognomie ist eindeutig indoeuropäisch. NZZ(28.4.23)

UNO-Sicherheitsrat, Ständige MItglieder

UNO-Sicherheitsrat, Ständige MItglieder
Seit Jahrzehnten fordern “junge Nationalstaaten”, “Entwicklungsländer”, Länder der “Dritten Welt”, “Nichtpaktgebundene Länder” und neuerdings “Schwellenländer”die Revision der UN-Charta und eine gerechte Vertretung im obersten Organ der UNO, was als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges geschaffen worden ist. Kriterium war der Beitrag zur Niederschlagung des deutschen Nationalsozialismus und des japanischen Militarismus. Gegen dieCharta-Revision und damit gegen die Sonderstellung der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates waren und sind weiterhin fast alle seine Mitglieder. Nach Art. 108 der UNO-Charta setzt aber die Revision die Zustimmung einer Zweidrittelmehrheit der Mitglieder der UNO Generalversammlung sowie aller ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates voraus. Dazu wird es wohl kaum kommen. Es wäre z.B. an der Zeit, in diesen exklusiven Kreis auch Japan und Indien, jedoch nicht unbedingt Nigeria und Brasilien, aufzunehmen. Was die Kriterien hierfür anbelangt, ergeben sie sich automatisch aus der Charta sowie allgemeiner aus dem Völkerrecht (viele universelle Konventionen). Es ist jedoch eine unbestrittene Tatsache, dass gerade Mitglieder des Sicherheitsrates, vor allem die USA, mit Abstand Frankreich und das U.K. sowie nicht zuletzt Russland die Charta-Prinzipien und damit das Völkerrecht mit Füßen treten. Neue Zürcher Zeitung (29.4.23)

Deutschland und Demokratie

In Deutschland gäbe es keine Demokratie, sondern eine Autokratie
Aristoteles vor ca. 2400 Jahren in seinem Standardwerk “Politik”): Wir hatten in der Vergangenheit mehrere politische Systeme: die Aristokratie, die Tyrannis (Pöbelherrschaft) und die Oligarchie. Jetzt haben wir die Demokratie. Ich weiß schon, dass sie nicht vollkommen und nicht absolut sein kann, aber sie ist viel besser als die Oligarchie und die Tyrannis. Gegenwart: Unsere Demokratie ist tausendmal besser alsder chinesische Totalitarismus und die russische Autokratie. Natürlich ist sie nicht vollkommen. Und nicht jeder, der Fehler kritisiert, ist ein Demokratie-Feind. Es gibt aber eine Partei (AfD), deren Mitglieder größtenteils von autokratischen Herrschaftsstrukturen träumen. Gerade sie spielen die Protagonisten für die Demokratie, was eigentlich eine contradictio in terminis (Widerspruch in sich) ist. BZ (29.4.23)

Gendern

Gendern als Hybris
Soll man etwa welthistorische Dokumente wie die Deklaration über die Rechte des Menschen und des Bürgers von 1789 in Paris, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, die beiden Konventionen über die politischen und zivilen Rechte bzw. über die sozialen, ökonomischen und kulturellen Rechte ändern, nur weil sie das Maskulinum ( zB. chacun, everybody, jeder) verwenden? Allmählich kratzt dieser Pseudofeminismus am gesunden Menschenverstand undbeleidigt die Sprachästhetik und das Sprachempfinden der Menschen. Aber es handelt sich offensichtlich um ein deutsches Problem (bräuchte man auch hie eine femininine Entsprechung?) FAZ (29.4.23)

Globalisierung

1. Die Globalisierung stellt einen objektiven Prozess und damit eine Gesetzmäßigkeit dar, die durch voluntaristisches bzw. unlogisches Denken keinesfalls gebremst werden kann. Infolgedessen ist die Nichtbeachtung bzw. die gezielte Verletzung solcher Gesetze masochistisch und kann als Hybris mit verhängnisvollen Folgen betrachtet werden.
2. Die Realisierung des Globalitätspostulats durch enge Wirtschafts- und Handelsbeziehungen entspricht vollauf dem völkerrechtlichen grundlegendenPrinzip der friedlichen internationalen Zusammenarbeit, natürlich auf der Basis des reziproken Interesses, Nutzens und Vorteils.
3. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist eine neue Friedliche Koexistenz entstanden, und zwar die Friedliche Koexistenz zwischen den Staaten unterschiedlicher Kultur- und Rechtskreis, wozu auch unterschiedliche bzw. entgegen gesetzte Menschen- und Gesellschaftsbilder (Geschichte, Tradition, Religion, Herrschaftssysteme etc.) gehören. 4. Hieraus folgt, dass die Grundwerte eines Kultur-und Rechtskreises nicht zum Kriterium und Maßstab erhoben werden dürfen, um andere zu be- bzw. zu verurteilen. Solche Bestrebungen widersprechen zutiefst dem Wesen des Völkerrechts als eines jus coexistentiae und jus cooperationis. Infolgedessen sind solche voluntaristische Polit-Konstrukte wie z.B. “wertebasierte” oder “regelbasierte” Außenpolitik nicht notwendig, sie stören bloß die friedliche internationale Zusammenarbeit.
5. Die allgemeine Grundlage der internationalen Beziehungen sind die legitimen, d.h., die dem Völkerrecht entsprechenden Interessen der Staaten. Konkret bedeutet dies, dass die Staaten als Player in den internationalen Beziehungen die in der UNO-Charta verankerten sieben grundlegenden Völkerrechtsprinzipien zu respektieren haben. Geht es allerdings um schwerwiegende, massive, grobe und systematische Verletzungen der Menschenrechte und der fundamentalen Bürgerfreiheiten, die in mehreren internationalen Konventionen verbrieft sind und damit universellen Charakter besitzen sowie um Fälle des Völkermordes, dann werden sich damit die zuständigen UNO-Gremien befassen und die einzelnen Staaten können sich entsprechend positionieren.
6. Aber die Staaten des Kultur- und Rechtskreises des Westens dürfen nicht verlangen, dass Staaten anderer Kultur- und Rechtskreise das westliche Demokratie-System übernehmen. Eine solche Forderung bzw. Bestrebung wäre anmaßend, arrogant, unangemessen und zutiefst beleidigend. Berliner Zeitung (1.5.23)
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Die Globalisierung ist ein objektiv bedingter Prozess. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jh. verteidigte Karl Marx die Internationalisierung der Wirtschaft als einen objektiven Prozess gegenüber Skeptikern und Gegnern. Weil jedoch die Globalisierung teilweise mit dem Neoliberalismus einhergeht, sind speziell für die ökonomisch schwachen Länder auch Kollateralschäden zu konstatieren. Ob jedoch der neue Verfechter der Globalisierung, namentlich China, neoliberal ausgerichtet sei, dürfte in Zweifel gezogen werden.NZZ (28.6.23)

Faschistischer Putsch auf Maidan 2014?

Russische Propaganda: Auf dem Maidan habe 2014 ein “faschistischer Putsch” (sic) stattgefunden!
Klarstellung nach Kriterien der Politologie (Politische Wissenschaft). Ein Putsch liegt vor, wenn MILITÄRS verfassungswidrig die Regierungsgewalt an sich reißen. Allerdings die billige russische Propaganda entweder hat Probleme mit termini scientifici (Fachtermini), oder verwendet sie absichtlich völlig falsch. Schlussfolgerung: Auf dem Maidan gab es einen VOLKSAUFSTAND. Das Volkdurstete nach Freiheit und Demokratie, nach höherem Lebensstandard und wollte in die EU, was bereits die baltischen Staaten realisiert haben und inzwischen auf allen Gebieten aufblühen. Putin jedoch und sein Gefolge sind nicht imstande zu verstehen, was Demokratie, Freiheit, Bürger- und Menschenrechte bedeuten. Sie sehen alles durch die Brille des KGB (“Agenten”, “Faschisten”, “Verräter” und grenzenlose Verschwörungsmythen für intellektuell Unterbelichtete und Ungebildete). Neue Zürcher Zeitung (10.5.23, 20.2.24)
1. Vergessen Sie nicht die Millionen Tote durch den Terror Stalins. 2. Auch nicht vergessen, dass hinter den kämpfenden Sowjetsoldaten KGB-Leute mit Maschinenpistolen standen und jeden erschossen, der zurückweichen wollte. 3. Auch zu beachten ist die Tatsache, dass 1937 fast der gesamte Generalstab der Armee auf Befehl Stalins hingerichtet wurde. 4. Es sei auch daran erinnert, dass durch große Fehler Stalins zu Beginn des Krieges zu einer regelrechten Militärkatastrophe gekommen ist (Niederlagen und Millionen Gefangener Rotarmisten). 5. Man darf auch die Tatsache nicht übersehen, dass die USA gewaltige Mengen an Konsumgütern und schwerer Waffen an die Rote Armee geliefert haben. Zeit (10.5.23)

Politik, Heuchler

Heuchler in der Politik
Hüte Dich vor Menschen, die zu viel von Moral, Ethik, Gleichheit und Gerechtigkeit reden, aber nichts zu sagen haben. Kommen Sie aber in wichtige Ämter, dann vergessen sie schnell ihre angeblichen Postulate und tun meistens das Gegenteil. Aber diese Metamorphosen sind eben menschlich. Bloß ihre Heuchelei ist streng zu verurteilen. Stern (15.5.23)

Russland, Drohung mit Atom-Waffen

Drohung mit Atom-Waffen
gehört zum Einschüchterungsarsenal des KGB/FSB. Weil drei NATO-Staaten über A-Waffen verfügen, und außerdem die NATO die mächtigste Militär-Allianz in der Menschheitsgeschichte ist, wird Russland bei aller intellektuellen Rückständigkeit es nicht wagen, A-Waffen einzusetzen. “Wer als Erster schießt, stirbt als Zweiter”). NZZ (17.5.23)
Russische Drohungen mit dem Einsatz von Atom-Waffen
Aus der Zeit des militärstrategischen Gleichgewichts vor allem bezogen auf die Atom-Waffen: “Wer als Erster schießt, stirbt als Zweiter”. Putin ist dies wohlbekannt. Aber die Einschüchterung gehört zu der DNA des KGB/FSB. Es gibt übrigens drei NATO-Mitglieder, die über Atom-Waffen verfügen (USA, U.K., Frankreich).
Panos Terz, Gleichgewichtstheorie: Geschichte, Gegenwart, Prognose, ISBN: 978-620-0-44488-2, Saarbrücken 2019. BZ (12.5.23)

G7- Staaten,Wirtschafts- und Wissenschaftspotenz

Wirtschafts- und Wissenschaftspotenz der G7- Staaten.
Bruttoinlandsprodukt: 40 Billionen Dollar; Nobelpreise: 708. Anwendung der komparativen Methode:Russland: Bruttoinlandsprodukt: 1,7 Bill; Nobelpreise: 26. Wer lesen und ein wenig denken kann, möge diese Zahlen lesen und Schlussfolgerungen über das bestehende Kräfteverhältnis ziehen. Auch wenn China dazu gezählt wird, macht das den erbärmlichen russischen Kohl nicht fett. Kurzum: Der Westen ist und bleibt das Wirtschafts-und Wissenschaftszentrum der Welt, während die BRICS-Staaten unglaublich schwach sind.
Berliner Zeitung, Zeit, FAZ(19.5.23)

Westen-Russland, Ein Systemwettbewerb

Westen-Russland, Ein Systemwettbewerb
In diesem dem Wesen nach System-Wettbewerb zwischen der Demokratie (liberal-demokratische Grundordnung) und der postsowjetischen Autokratie putinscher , d.h. KGB/FSB-Prägung wird der Westen durch die individuellen Menschenrechte, die bürgerlichen Freiheiten und den höheren Lebensstandard den Sieg davontragen. Gerade diese Vorzüge sind der größte Feind des rückständigen und menschenfeindlichen putinistischen Herrschaftssystems. Daher wirdauch dieses “Dritte Russische Reich”(Putinistisches Russland) genauso untergehen wie das “Erste Russische Reich” (Zaristisches Russland) und das “Zweite Russische Reich” (Sowjetisches Russland) untergehen. Neue Zürcher Zeitung (19.5.23)

“Letzte Generation”, Zeloten

Die “letzte Generation”
als eine neue”Geißel Gottes” (Zeloten/Eiferer, europäische Fundamentalisten, Zerstörer, Rechtsbrecher, Selbstgerechte, Chaoten, rücksichtslos, asoziales Verhalten). Bekannt bereits bei den alten Griechen vor 2500 Jahren: Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Die absolute Freiheit besitzt eine hochgradig zerstörerische Kraft gegen das Gemeinwesen.
Der Rechtsnihilismus der Mitglieder dieser fast paranoiden Bewegunggepaart mit einem archaischen Voluntarismus weist eine hohe Gefährlichkeit auf. Es ist daher an der Zeit, gegen diese irregeleiteten Rechtsbrecher vorzugehen, ihnen ihre Grenze zu zeigen bzw. sie in die Schranke zu weisen.
Berliner Zeitung, Zeit, Stern, Focus (23.5.23)

NATO-Mitgliedschaft, Kein Mitspracherecht Russlands

NATO-Mitgliedschaft, Kein Mitspracherecht Russlands
Es gilt das Souveränitätsprinzip(genauer: Souveräne Gleichheit der Staaten), das die Unabhängigkeit der Staaten hinsichtlich der Außenpolitik enthält, wozu in erster Linie Fragen der nationalen Sicherheit gehören. Die NATO-Mitgliedschaft der baltischen Staaten z.B. ist vollauf Ausdruck ihrer souveränen Entscheidungsfreiheit und stützt sich auf dieses Völkerrechtsprinzip. Ein mögliches “Mitspracherecht” ausgerechnet Russlandshingegen, würde der Souveränität dieser Staaten erheblich einschränken und somit eine schwerwiegende Völkerrechtsverletzung darstellen. NZZ (8.5.23)

Völkerrecht, Durchsetzung

Völkerrecht undMacht

1. Seit 1945 gilt die UNO-Charta als die ausschlaggebende Grundlage des Völkerrechts. Vor allem kleinere und mittlere Staaten berufen sich auf dieses Recht. In der Zeit des Kampfes gegen den Kolonialismus haben sich die betreffenden Völker auf dieses grundlegende Völkerrechtsprinzip mit Erfolg gestützt.
2. Heute geht es in erster Linie um das völkerrechtliche Grundprinzip des Verbotsder Gewaltandrohung und Gewaltanwendung, das hauptsächlich von den USA, sowie in Einzelfällen von Frankreich und dem U.K. verletzt wurde. Dennoch haben sich die Rechtsverletzer auf das Völkerrecht berufen, um sich zu rechtfertigen. Auch Russland hat sich bei der Rechtfertigung des Angriffskrieges auf die UNO-Charta (Art. 51, Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung) gestützt. In all diesen Fällen erfolgte jedoch eine missbräuchliche und willkürlich Interpretation dieser Charta-Bestimmung. Kein Rechtsverletzer hat wie vor dem Zweiten Weltkrieg expressis verbis erklärt, andere Staaten überfallen und annektieren zu wollen.
3. Auf der Basis des Internationalen Strafrechts wurden etliche ehemalige Präsidenten, Ministerpräsidenten und Minister sowie Generäle strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Allerdings das internationale Kräfteverhältnis spielt dabei eine eminente Rolle. Geht es z.B. um die Kriegsverbrechen der USA in Vietnam, war es kaum möglich, die verantwortlichen US-Präsidenten als Kriegsverbrecher zu bestrafen. Allerdings wurde ein internationales Tribunal, bestehend aus Völkerrechtlern aus einigen Staaten gebildet, das auf der Grundlage des Völkerrechts USA-Präsidenten als Kriegsverbrecher gebrandmarkt hat. Das ist nicht geringzuschätzen, denn es kann die internationale öffentliche Meinung erheblich beeinflussen.
4. In einigen Staaten mit überdurchschnittlich hoher Kriminalität (z.B. Süd-Afrika, Mexiko, teilweise auch die USA) wird das nationale Strafrecht tagtäglich tausendfach verletzt, wobei nicht alle Straftäter verfolgt werden können. Aber hieraus die Schlussfolgerung abzuleiten, dass es in diesen Staaten kein Strafrecht mehr gäbe, wäre völlig verfehlt. Also, um es rechtstheoretisch zu formulieren, die Verletzung des Strafrechts, in unserem Fall des Völkerrechts, hebt dieses nicht auf.
5. Das Völkerrecht hat mehrere Zweige aufzuweisen, wie z.B. das Internationale Vertragsrecht, das Diplomaten- und Konsularrecht, das Internationale Seerecht , das Weltraumrecht, deren Prinzipien und Normen durchaus auch im eigenen Interesse respektiert werden.
6.Schlussfolgerung: Es ist beim besten Willen nicht so, dass der Stärkere machen kann, was er will. So dachte auch Russland, das es gewagt hat, nicht nur einen Angriffskrieg vom Zaun zu brechen, sondern auch ukrainisches Staatsgebiet zu annektieren, mit den bekannten Folgen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung (27.5.23)

“Regelbasierte” bzw. “Wertebasierte” Außenpolitik?

Die “Wertebasierte” oder “Regelbasiertete” Außenpolitik richtet sich gegen das Völkerrecht
1. Die internationalen Beziehungen stützen sich hauptsächlich auf die Interessen der Staaten als Akteure. Durch Koordinierung kommt es daher zu einem Interessenausgleich.
2. Die intern. Beziehungen werden durch das Völkerrecht geregelt, wozu die UNO-Charta und zahlreiche universelle Konventionen gehören. In diesem Zusammenhang spricht man von einem Rechtsmechanismus der IB.
3. Das aus Prinzipien und Rechtsnormen bestehende Völkerrecht wurde und wird weiterhin gemeinsam von Staaten unterschiedlicher Kultur- und Rechtstraditionen geschaffen und stellt ein Minimum an Übereinstimmung dar.
4. Die Begriffe “Wertebasierte” oder “Regelbasierte Außenpolitik sind Erfindungen der US polical scienses, weil die USA nicht bereit sind, das KONKRETE Völkerrecht zu respektieren (ein gewaltiges Kapitel für sich). Kurzum, es handelt sich um irritierende und völkerrechtsnihilistische Worthülsen, die auf die Ablehnung seitens der Völkerrechtler stoßen. Dem Wesen nach richten sie sich gegen die internationale Rechtsordnung. Siehe ausführlich:
-Panos Terz, Völkerrechtswissenschaft: Völkerrechtstheorie Völkerrechtsphilosophie Völkerrechtssoziologie Völkerrechtsmethodologie, ISBN: 978-620-0-27090-0, Saarbrücken 2019;
-Panos Terz, Quelques problèmes de droit international, Recueil d’écrits, ISBN: ‎ 978-620-4-10192-7, Saarbrücken 2021;
Panos Terz, Theory of norm formation in international law: Norms of international law, political norms, moral norms, ISBN: 978-6204378848, Saarbrücken 2022.
- Panos Terz, Панос Терц: Наука международного права, ISBN: 978-620-3-97860-5, Saarbrücken 2021. 22.6.23.

Weltordnung, multipolar?

Die Welt ist unipolar, bipolar oder multipolar?
Bis zum Zusammenbruch der UdSSR war die Welt bipolar (USA, UdSSR) und danach fast drei Jahrzehnte unipolar (USA). In der Gegenwart entsteht eine neue Bipolarität der Supermächte USA, China und in der Perspektive wird die Welt tripolar (USA, China, Indien) sein. Der neue chinesische Botschafter in den USA stellte klar: Die Geschicke der Menschheit hängen von den USA und China ab.
Die “multipolare” Welt, ist ein Wunschtraum der russischen Außenpolitik, um zu zeigen, dass Russland immer noch ein wichtiger Player in den internationalen Beziehungen sei. Die BRICS wiederum sind heterogen und stellen daher kein Bündnis dar, wobei die wichtigen BRICS-Mitglieder China und Indien verfeindet sind. Sieh ausführlich:
-H. Rupold, Supermacht China – Die chinesische Weltmacht aus Asien verstehen: Geschichte, Politik, Bildung, Wirtschaft und Militär, Brzezia Laka 2020;
-J.Klenk / F. Waschek, Chinas Rolle in einer neuen Weltordnung,Wissenschaft, Handel und internationale Beziehungen, Baden-Baden 2022.
-H. Rupold, Supermacht Indien – Die indische Weltmacht verstehen: Geschichte, Politik, Wirtschaft und Militär des indischen Subkontinents, Expertengruppe Verlag 2021;
-Panos Terz, Gleichgewichtstheorie: Geschichte, Gegenwart, Prognose, ISBN: 978-620-0-44488-2, Saarbrücken 2019. NZZ (23.6.23)
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Ο Κινέζος πρόεδρος Σι Τζινπίνγκ εκτίμησε σήμερα ότι οι σχέσεις Ουάσινγκτον – Πεκίνου είναι αποφασιστικής σημασίας “για το μέλλον της ανθρωπότητας” κατά τη συνάντησή του στην κινεζική πρωτεύουσα με αντιπροσωπεία Αμερικανών γερουσιαστών υπό τον επικεφαλής των Δημοκρατικών στο σώμα Τσακ Σούμερ, μετέδωσε το πρακτορείο Xinhua.

“Οι σχέσεις μεταξύ της Κίνας και των ΗΠΑ είναι οι πιο σημαντικές παγκοσμίως. Ο τρόπος με τον οποίο η Κίνα και οι ΗΠΑ συνεννοούνται μπροστά σε έναν κόσμο σε κατάσταση αναταραχής θα είναι καθοριστικής σημασίας για το μέλλον και την τύχη της ανθρωπότητας”, υπογράμμισε ο Σι απευθυνόμενος στον Σούμερ.

Κίνα και ΗΠΑ, που αντιπαρατίθενται σε σειρά θεμάτων, έχουν ξεκινήσει τους τελευταίους μήνες διάλογο, με σειρά επισκέψεων Αμερικανών αξιωματούχων στο Πεκίνο οι οποίες έχουν στόχο να αμβλύνουν τη διμερή ένταση.in capitalgr. (9.10.23)

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Die Welt ist unipolar, bipolar oder multipolar?

Bis zum Zusammenbruch der UdSSR war die Welt bipolar (USA, UdSSR) und danach fast drei Jahrzehnte unipolar (USA). In der Gegenwart entsteht eine neue Bipolarität der Supermächte USA, China und in der Perspektive wird die Welt tripolar (USA, China, Indien) sein. Der neue chinesische Botschafter in den USA stellte klar: Die Geschicke der Menschheit hängen von den USA und China ab.
Die “multipolare” Welt, ist ein Wunschtraum der russischen Außenpolitik, um zu zeigen, dass Russland immer noch ein wichtiger Player in den internationalen Beziehungen sei. Die BRICS wiederum sind heterogen und stellen daher kein Bündnis dar, wobei die wichtigen BRICS-Mitglieder China und Indien verfeindet sind. Sieh ausführlich:
-H. Rupold, Supermacht China – Die chinesische Weltmacht aus Asien verstehen: Geschichte, Politik, Bildung, Wirtschaft und Militär, Brzezia Laka 2020;
-J.Klenk / F. Waschek, Chinas Rolle in einer neuen Weltordnung,Wissenschaft, Handel und internationale Beziehungen, Baden-Baden 2022.
-H. Rupold, Supermacht Indien – Die indische Weltmacht verstehen: Geschichte, Politik, Wirtschaft und Militär des indischen Subkontinents, Expertengruppe Verlag 2021;
-Panos Terz, Gleichgewichtstheorie: Geschichte, Gegenwart, Prognose, ISBN: 978-620-0-44488-2, Saarbrücken 2019. NZZ (23.6.23)

R.Dalio,Weltordnung im Wandel, Vom Aufstieg und Fall von Nationen, München 2022

 

 

Indien, China, USA

Indien, China, USA
Obwohl China und Indien zu den wichtigsten BRICS -Staaten gehören, sind sie eigentlich nicht gerade befreundet. Jetzt sind sie im indopazifischen Raum Konkurrenten, nach einigen Jahren werden sie zu Gegnern, sogar zu Feinden. Indien wird in der Perspektive sukzessiv den Status einer Supermacht erreichen. Danach wird es konsequenterweise zu einer Festigung der Beziehungen zwischen Indien und den USA kommen, zumal in Indien das parlamentarische System herrscht. BZ(6.6.23)
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Indien und der Westen
1. In Indien herrscht das parlamentarisch-demokratische System vor, in China der Totalitarismus und in Russland die Autokratie.
2. Indien und China sind fast verfeindete Nachbarstaaten. An der Grenze kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Im Falle eines großen Krieges zwischen China und Indien, könnte Indien mit der Unterstützung der USA rechnen.
3. Auf alle Fälle ist die Politik der Nichtpaktgebundenheit Indiens jahrzehntelang zuberücksichtigen.
4. Der Westen hat einseitig China durch Investitionen massiv unterstützt und leider Indien völlig vernachlässigt, vorüber die Inder verbittert sind. Es ist nunmehr an der Zeit sich intensiv Indien zuzuwenden, dort investieren und Indien auf die Rolle als kommende dritte Supermacht unterstützen. Neue Zürcher Zeitung (27.4.23)

Ukraine, Zerstörung des Staudammes

Ukraine, Zerstörung des Staudammes
Die Zerstörung von Staudämmen gehört nach Völkerrecht und genauer nach dem Humanitären Völkerrecht (früher als jus bellum, Gebräuche und Gesetze des Krieges oder einfach als Kriegsrecht bekannt) zu den schwersten Kriegsverbrechen. Folgend erwähne ich die konkrete Völkerrechtsbestimmung: Zusatzprotokoll
zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949
über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte
(Protokoll I)
Angenommenin Genf am 8. Juni 1977
Von der Bundesversammlung genehmigt am 9. Oktober 19811
Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 17. Februar 1982
In Kraft getreten für die Schweiz am 17. August 1982
“Art. 56 Schutz von Anlagen und Einrichtungen, die gefährliche Kräfte enthalten
1. Anlagen oder Einrichtungen, die gefährliche Kräfte enthalten, nämlich Staudämme, Deiche und Kernkraftwerke, dürfen auch dann nicht angegriffen werden, wenn
sie militärische Ziele darstellen, sofern ein solcher Angriff gefährliche Kräfte freisetzen und dadurch schwere Verluste unter der Zivilbevölkerung verursachen kann.
Andere militärische Ziele, die sich an diesen Anlagen oder Einrichtungen oder in deren Nähe befinden, dürfen nicht angegriffen werden, wenn ein solcher Angriff
gefährliche Kräfte freisetzen und dadurch schwere Verluste unter der Zivilbevölkerung verursachen kann.
2. Der in Absatz 1 vorgesehene besondere Schutz vor Angriffen endet
a) bei Staudämmen oder Deichen nur dann, wenn sie zu anderen als ihren gewöhnlichen Zwecken und zur regelmäßigen, bedeutenden und unmittelbaren Unterstützung von Kriegshandlungen benutzt werden und wenn ein solcher Angriff das einzige praktisch mögliche Mittel ist, um diese Unterstützung zu beenden;
b) bei Kernkraftwerken nur dann, wenn sie elektrischen Strom zur regelmäßigen, bedeutenden und unmittelbaren Unterstützung von Kriegshandlungen liefern und wenn ein solcher Angriff das einzige praktisch mögliche Mittel ist, um diese Unterstützung zu beenden;”
NZZ, Zeit,Stern, Focus (6.6.23)

Terrorismus

Terrorismus
Ein sachlicher, systematischer und populärwissenschaftlicher Ansatz
Zunächst werden wir uns mit dem Begriff des Terrorismus befassen, der
 eine Übersetzung des französischen Wortes terrorisme ist, das vom Wort terreur abgeleitet ist (Duden, Das große Fremdwörterbuch, Leipzig, Wien u.a., 2000, S. 1336), das wiederum auf das lateinische Substantiv terror (etwas, das Schrecken verursacht) vom Verb terrere (Schrecken verbreiten durch Gewalttaten) zurückgeht.
Der römische Geschichtsschreiber Livius verwendet z.B. die Ausdrücke “terror servilis” (“Schrecken, der von Sklaven ausgeht”) und “terrorem habere ab alga re” (“Schrecken vor etwas”), Latein-Deutsches Handwörterbuch, K.E.Georges, Leipzig, 1890, S. 2523 ). Der Begriff Terror gehört zur der Politischen Philosophie und zu der Politikwissenschaft.
Obwohl das Phänomen des Terrorismus, z.B. das Problem der gerechtfertigten Tötung von Tyrannen, bereits im antiken Griechenland bekann twar, wurde der Begriff Terrorismus durch die Französische Revolution geprägt, die einen soziopolitischen Charakter hatte. Zum ersten Mal haben die Jakobiner den gefürchteten Ausdruck “regime de terreur” (“Terrorregime”) eingeführt und verwendet, aber ihrer Meinung nach war dieser etwas Positives. Dies geschah am 5. September 1793, als die Nationalversammlung das berüchtigte Dokument “Terroristische Maßnahmen zur Unterdrückung konterrevolutionärer Handlungen” erließ, das zur Grundlage für die Ermordung von 40.000 Menschen in acht Monaten wurde. Diese besondere Form der jakobinischen Macht dauerte von 1793 bis 1794.
Der große deutsche Philosoph Hegel hat sich mit der terroristischen Herrschaftsform der französischen Revolutionäre in der letzten Phase der Revolution befasst und die Auffassung vertreten, dass eine revolutionäre Situation, die auf die Festigung der Freiheit abzielt, in Ermangelung staatlicher Institutionen zum Schutz der Freiheit allmählich in Terrorismus umschlagen kann. So wird eine politische Situation geschaffen, in der die “subjektive Tugend” durch die politische Meinung regiert, was zum schrecklichsten Terrorismus führt (Vorlesungen Philosophiegeschichte, Sämtliche Werke, Band XI, S. 561). Vor allem zwischen den 70er und 90er -Jahren haben sich Experten in Europa und den USA mit dem vielschichtigen Phänomen des Terrorismus beschäftigt. Wir werden versuchen, die wichtigsten Ansichten zu nennen.
Eine Sichtweise identifiziert den Kern des Terrorismus als das Ziel, Terror zu verbreiten. Eine andere Sichtweise verweist auf die Beziehung zwischen dem Ziel und den Mitteln, um es zu erreichen.
Letztlich geht es um die Anwendung von Gewalt gegen Menschen und Dinge, um politische oder “moralische” Ziele zu erreichen. Die verfassungs- und gesetzeskonforme Gewaltanwendung durch staatliche Organe gehört nicht dazu, es sei denn, die Gewalt ist menschenrechtswidrig, wie der Staatsterrorismus (z.B. in Nordkorea oder schon zu Zeiten Stalins, teilweise auch Lenins oder in Südafrika durch das Apartheidsystem). Was die Ausübung von Gewalt betrifft, so ist sie an sich rechtlich gesehen kriminell, unterscheidet sich aber generell von anderen Straftaten. Auf diese Weise unterscheidet sich der Terrorismus von der Anwendung von Gewalt im Rahmen von Kriegen, Bürgerkriegen und Guerillakämpfen.
Wir weisen auch auf einen weiteren Unterschied hin, nämlich die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Zwecken der Gewalt. Zur ersten Kategorie gehören politische Institutionen, gegen die sich die Gewalt richtet. Im zweiten Fall sind Menschen oder staatliche Einrichtungen das Objekt der Gewalt, um eine Regierung zu zwingen, das zu tun, was die Terroristen anstreben.
Was die Rechtfertigung betrifft, so gibt es einen Unterschied zwischen dem Staatsterrorismus und “revolutionärem Terrorismus”. Im ersten Fall wird seitens des Staates Gewalt gegen die Bevölkerung angewandt, und es gibt dabei  keine moralische Rechtfertigung. Der interessantere “Revolutionäre Terrorismus” hat als Hauptziel die Destabilisierung der oder eine Änderung des soziopolitischen Systems herbeizuführen. Solche Gewalt beruht nicht auf Institutionen, sondern auf der Selbstautorisierung von Gründen für die eigenen politischen Ziele. Aber auch bei der Rechtfertigung von “Revolutionärem Terrorismus” muss unterschieden werden.
α) Wenn unmoralische Zwecke verfolgt werden, wie z.B. die Durchsetzung von rassistischer Ideen. Hier gilt keine moralische Rechtfertigung.
b) Aber auch bei der Verwirklichung moralischer Zwecke, wie z.B. der Herstellung von Gleichheit und Gerechtigkeit, kann unter normalen Umständen keine Gewalt gerechtfertigt werden (Standard Enzyklopädie, Philosophie und Wissenschaftstheorie, J. Mittelstraß u.a. (Hrsg.),4 Bände, Band 4, Stuttgart, 2004, S.237).
Was bedeutet  der Begriff Terrorismus? Wer ist eigentlich in der Lage, eine überzeugende Definition zu geben? Sicherlich sind es weder Politiker noch Journalisten, sondern Fachleute, darunter, wie bereits erwähnt, Vertreter der politischen Philosophie, aber auch der Politikwissenschaft, Soziologen und Psychologen.
Doch zunächst seien  griechische Wörterbücher erwähnt.  Λεξικόν νέας ελληνικής γλώσσης (Γ. Ζευγώλη κ.α.,Αθήναι , 2ος τόμος, σ. 2424)  gibt folgende Definition: “Die Art und Weise, in der Vorherrschaft oder Aufzwingen von Macht in der sozialen Ordnung mit harten Maßnahmen:  Der “weiße Terrorismus”, der von der etablierten Bourgeoisie ausgeübt wird; der “rote Terrorismus”, der von den Revolutionären gegen die Bourgeoisie eingesetzt wird”. Diese Definition verwechselt zweifelsohne soziale Revolutionen mit dem Phänomen des Terrorismus und ist daher abzulehnen.
Die Definition im «Ετυμολογικό Λεξικό της Νέας ελληνικής γλώσσας», Αθήνα, 2010, σ. 1456/57  von  Μπαμπινιώτης beschränkt das Phänomen des Terrorismus auf die Dauer von Gewaltakten und Massenhinrichtungen im letzten Stadium der Französischen Revolution. Sie ist wegen ihrer Einseitigkeit und Oberflächlichkeit ebenso abzulehnen.
Die Definition der Soziologen wiederum sieht den Terrorismus als “eine Methode, durch den Einsatz von physischer und psychischer Gewalt und sogar physischer Zerstörung einen systematischen Terror zu erzeugen mit dem Ziel, den eigenen Machtanspruch gegenüber anderen Gruppen durchzusetzen” ( W. Fuchs-Heinritz et alt. (Hrsg.), Lexikon zur Soziologie, Opladen, 1995, S. 674). Aber auch diese Definition ist nicht völlig überzeugend.
Auf internationaler Ebene hat die UNO seit Anfang der 1970er -Jahre immer wieder große Anstrengungen unternommen, um eine Konvention über das Verbot und die Bestrafung des Terrorismus auszuarbeiten, aber die verschiedenen Staaten konnten sich nicht auf eine Definition des Terrorismus einigen.
Es gibt gegensätzliche Interpretationen, z.B. werden militante Palästinenser in vielen Ländern als Freiheitskämpfer betrachtet, andere Länder bezeichnen sie aber als Terroristen, in Israel ohnehin.
Bereits 1972 gab es Vorschläge, den Terrorismus als vorsätzliche Anwendung tödlicher Gewalt gegen Zivilisten zu politischen Zwecken zu definieren.  Ein Doktorand und zwei Studenten, die in den 1970er-Jahren unter der  wissenschaftlichen Aufsicht des Autors standen, haben in wissenschaftlichen Arbeit zu diesem Thema geschrieben und verteidigt.
Im Jahr 1992 wurde in der UN-Resolution 731 festgestellt, dass der Terrorismus, unabhängig von seinen Zielen, eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt.  Im Jahr 2001 wurde endlich eine überzeugendste Definition formuliert: “Terrorismus ist jede Handlung,  die den Tod oder schwere Verletzungen von Zivilisten verursachen kann … wenn sie durch die Angst der Bevölkerung oder einer Regierung motiviert ist, nach dem Willen der Terroristen zu handeln”.
Das “Internationale Übereinkommen zur Bekämpfung der widerrechtlichen Inbesitznahme von Luftfahrzeugen” (Flugzeugentführungen, hijacking. ) gibt es seit 1970. Ein sudanesischer Diplomat hat seine Doktorarbeit über dieses Thema unter meiner wissenschaftlichen Betreuung verfasst und 1978 mit magna cum laude verteidigt.
Es ist sehr interessant, den großen Wandel in der offiziellen Position der damaligen Sowjetunion zu dem damals aktuellen Thema der Flugzeugentführungen zu erwähnen. Jahrelang hatte die Sowjetunion die Aktionen der vor allem südamerikanischen Entführer als eine besondere Form des antiimperialistischen Kampfes bewertet. Als jedoch ein  Sowjetbürger ein Flugzeug entführte, änderte das damals mächtige Land sofort seine politische Haltung und begann, Flugzeugentführungen sowohl allgemein als auch im Rahmen der UNO zu verurteilen.
Aus methodischer Sicht wäre es besser, eine Synthese der oben genannten Definitionen des Terrorismus vorzunehmen, und zwar mit den folgenden Merkmalen:
α) Anwendung schwerer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, politische oder staatliche Einrichtungen.
b) Schaffung eines Klimas des allgemeinen Terrors.
c) Der Zweck besteht darin, zu beweisen, dass die Regierung unfähig ist, mit Terroristen umzugehen.
d) Das wichtigste Motiv ist die Verwirklichung extremer ideologischer und politischer Ziele, wie die Ablösung einer Regierung durch eine andere oder eines soziopolitischen Regimes durch ein anderes.
e) Terroristische Handlungen können nicht ideologisch, politisch oder religiös gerechtfertigt werden (z. B. Al Qaida, “Islamischer Staat”), da sie ihrem Wesen nach kriminell sind.
Nach dem kläglichen Scheitern und Zusammenbruch des “Real existierneden  Sozialismus” fragt man sich, was die terroristischen Pseudorevolutionäre wirklich noch wollen.
Schlussfolgerungen:
α) Griechische und auch lateinamerikanische Terroristen erheben ihre eigenen politischen Überzeugungen zum einzigen Prinzip und Kriterium dessen, was in der Gesellschaft richtig, moralisch und gerecht ist. Die griechischen Terroristen  sind von einem überdimensionalen Surrealismus besessen, weil sie davon überzeugt sind, durch Terrorakte die Macht in einem europäischen Land, das Mitglied der NATO und der Europäischen Union ist, übernehmen zu können, um ein soziopolitisches System vielleicht à la Pol Pot (Kambodscha) zu errichten, der ein Drittel der Bevölkerung im Namen des “echten Kommunismus” ausgelöscht hat.
b) Terroristen verleihen sich selbst Autorität (Selbstermächtigung) und agieren gleichzeitig als Polizist, als Staatsanwalt, als Richter und als Scharfrichter, obwohl die Tötung von Menschen nach internationalem, europäischem und nationalem Recht nicht zulässig ist. Dieses Verbot ist zweifelsohne ein Zeichen höherer Zivilisation.
c) Die Taten von Terroristen sind nach den oben genannten Rechtssystemen STRAFTATEN, d.h., dass die Terroristen sind kriminelle Elemente sind. Keine  Ideologie kann als Rechtfertigung für ihre Verbrechen gelten.
d) Sie sollten auf der Grundlage des Strafrechts exemplarisch bestraft werde
e) Parteien mit terroristischen gesinnten Funktionären sind höchst ungeeignet, um in einem europäischen Land die Macht zu übernehmen.
Weitere Literatur

-Dipak K. Gupta, Understanding Terrorism and Political Violenc, London, New York 2008.

-Κλειτσίκας,Ν./ A. Speranzoni, Φαινόμενα Τρομοκρατίας-Ο ελληνικός νεοφασισμός μέσα από τα αρχεία των Μυστικών Υπηρεσιών,  Αθήνα 2003.

-Nohlen D., F.Grotz, Kleines Lexikon der Politik, München 2015.

-Peil, F., Terrorismus – wie wir uns schützen können, Hamburg 2016.

-Waldmann P., Terrorismus. Provokation der Macht., München 1999.

-Whittaker D.J. (Hrsg.), The Terrorism Reader, Abingdon 2012.

Von 2014-2017 einige Male in den griechischen Zeitungen Καθημερινή (Kathimerini), Ta Nea (Τα Νέα) und To Wima (Το Βήμα)veröffentlicht.
Aus meinem, Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.204.

Revolution

Revolution

Das Thema weist mehrere Dimensionen auf und ist sehr anspruchsvoll. Folgend geht es nicht unbedingt darum, dieses in voller Breite zu behandeln. Daher erweist es sich als zweckmäßig, die wichtigsten Dimensionen in den Mittelpunkt zu stellen.

Gleich zu Beginn weisen wir auf das sprachliche Problem hin, das darin liegt, dass international in allen großen Sprachen der mittelalterliche Begriff revolutio im Lateinischen verbreitet ist.  Dieses   leitet sich von dem Verb revolvere ab und bedeutet (radikale) Veränderung des bestehenden soziopolitischen Systems (Duden, Das große Fremdwörterbuch, Leipzig, Wien et alt. 2000, S. 1175), d.h. es findet eine grundlegende qualitative Veränderung der Strukturen einer Gesellschaft statt. Diese Definition basiert auf der Etablierung des Begriffs “soziale Revolution.”  Nach diesem Begriff vollzieht sich die soziale Revolution  durch abrupte und radikale politische Veränderungen, die im Kern eine Veränderung des historischen Paradigmas darstellen ((Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Band 3, Stuttgart 2004, S. 607). Dies wurde durch die Ablösung des feudalabsolutistischen Systems (“Ancien Regime”) durch das bürgerliche soziopolitische System realisiert.

Aber auf eine andere, überzeugendere Sichtweise wird hingewiesen: Zwischen den Produktivkräften (Bürgertum) und den Produktionsverhältnissen (Ancien Regime), d.h. zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht, bestand ein Widerspruch, der durch die Revolution aufgehoben wurde. Deshalb wollte das Bürgertum politische und nicht wirtschaftlich-soziale Rechte erlangen. Es hat sich also gezeigt, dass die politischen Rechte des Menschen und des Bürgers zwar als universelle Menschenrechte deklariert wurden, aber in ihrem Wesen klassenbedingt waren, d.h., es ging um die politischen Rechte des aufkommenden Bürgertums. Bis zur Französischen Revolution von 1987 war das bestehende Sozialsystem ein integraler Bestandteil eines “göttlichen” Weltsystems. Das bedeutet, dass das das “göttliche” System war die allgemeine ideologische Grundlage und das Werkzeug des absolutistischen Systems zur Unterdrückung auch der neuen bürgerlichen Gesellschaftsklasse. Die Französische Revolution hat also in der Tat einen radikalen Wandel des historischen Paradigmas herbeigeführt. Der Wandel hat sich plötzlich und gewaltsam vollzogen. Wir haben es hier mit den charakteristischen Merkmalen der soziopolitischen Revolution zu tun.

Etwas Ähnliches ist mit der Großen Oktoberrevolution in Russland 1917 unter ganz anderen gesellschaftspolitischen Bedingungen (z. B. Erster Weltkrieg und wirtschaftliche Verarmung der Volksschichten) geschehen.  Die Bolschewiki führten die “sozialistische” Revolution in einem allseitig rückständigen Land durch, das die bürgerliche Revolution nicht richtig   erlebt hatte. Die “sozialistische” Revolution  war teilweise eine Veränderung des historischen Paradigmas, aber das neue soziopolitische System hielt sich nicht sehr lange und brach schließlich ohne einen allgemeinen Krieg oder Bürgerkrieg 1990 zusammen.

Damit ist hinreichend bewiesen worden, dass die bürgerliche Revolution erfolgreicher war und somit das kapitalistische System mit dem bürgerlichen Staat, der Demokratie,  Menschenrechten und den bürgerlichen Freiheiten dem Herrschaftssystem des “Real existierenden Sozialismus” haushoch überlegen war, obwohl dieses nicht als perfekt gelten kann, aber perfekte, makellose und ideale Systeme sind ausschließlich im Universum der gesellschaftlichen Utopien angesiedelt. .

Von der soziopolitischen Revolution ist die nationale Revolution zu unterscheiden, die im Kern ein Befreiungskampf besteht, wie dies bei den Völkern des Balkan Mitte des 19.Jh. gegen die osmanische Herrschaft der Fall war.  Damit war die Entwicklung des Nationalbewusstseins eng verbunden. Weil aber die bürgerliche Revolution nicht  stattgefunden hat, konnte sich kein Gesellschafts-, Staats- und Rechtsbewusstsein entwickeln. Daher kann man die Völker des Balkan nicht als moderne bürgerliche Staatsgebilde bezeichnen. Sie befinden sich auch nach 200 Jahren der Erlangung der nationalen Unabhängigkeit immer noch auf dem Wege zum hoch entwickelten Europa.  In Griechenland drückt sich diese ”Besonderheit” vor allem in den wirtschaftlichen Problemen seit der Staatsgründung bis heute sowie in der Existenz anarchistischer und terroristischer Gruppen aus, deren Mitglieder in einem  pseudorevolutionären Universum  leben und Gewalt bzw.Terrorismus mit einer soziopolitischen Revolution verwechseln.

Vor allem in südamerikanischen, afrikanischen und einigen arabischen Ländern war und ist die absichtliche Verwechslung von militärischen Bewegungen (Staatsstreich, “Palastrevolution”, “Operettenrevolution”, coup d’état, Aufstand etc.) sehr verbreitet. In den 70er und 80er-Jahren wurden solche Bewegungen von jeder neuen Regierung instrumentalisiert, um unter Berufung auf den Art. 62 (Klausel der grundlegenden Veränderung der Umstände bzw. clausula rebus sich stantibus)  der Wiener Vertragsrechtskonvention von 1969 die internationalen Abkommen der Vorgängerregierung für null und nichtig zu erklären, mit dem Ziel, die enormen Staatsschulden nicht zu begleichen. Unmittelbar nach dem Aufstand erklärten sie, dass es sich um einen Fall der sozialen, d.h., einer tiefgreifenden Revolution handelt!

Auf internationaler Ebene haben die beiden Konventionen (“Wiener Konvention  über die Rechtsnachfolge der Staaten in Bezug auf Verträge vom 23. August 1978″) und  (“Wiener Konvention über die Rechtsnachfolge der Staaten in Bezug auf Staatseigentum, Archive und Schulden vom 8. April 1983″) diesem unwürdigen Verhalten für immer ein Ende gesetzt.  Es wurde somit höchstoffiziell  klargestellt, dass das völkerrechtliche Grundprinzip (pacta sund servanda) einzuhalten ist. Der Autor hatte die Möglichkeit einen Beitrag als Gutachter zu der zweiten Konvention zu leisten.

Weitere Literatur

-Huntington S.P., Political Order in Changing Societies, New Haven 1969.

-Koepcke C., Revolution. Ursachen und Wirkungen,  München 1971.

-Nohlen D.,F. Grotz (Hrsg.), Kleines Lexikon der Politik, München 2015

-Huntington S.P., Political Order in Changing Societies, New Haven 1969.

-Tilly  Ch., Die europäische Revolution, München 1999.

Von 20214 – 2017 in den griechischen Zeitungen Kathimerini (Καθημερινή) und Bima (Βήμα) oft veröffentlicht.

Aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.201.

 

 

Populismus: Linkspopulismus, Rechtspopulismus

Populismus: Linkspopulismus, Rechtspopulismus

Begriffsklarheit  vs des  terminologischen Wirrwars

Der terminus scientificus der Politologie zeichnet sich durch eine hohe Komplexität aus und weist mehrere Dimensionen auf. Folgend sollen nur die wichtigsten Dimensionen  der Problemstellung im Mittelpunkt der Untersuchung stehen.

1.     Sozialpsychologische und politische Dimension

Es geht in erster Linie um das Bestreben eines Politikers, sich  beim Wahlvolk beliebt zu machen und seine Stimme zu gewinnen.   Zwecks Erreichung dieses Zieles  bedient sich der betreffende Politiker  passenter politischer Wörter, die die Wähler und überhaupt das Volk hören wollen.  Der Politiker appelliert niemals an die Vernunft der Leute, sondern versucht, mitunter fast theatralisch (Trump) ,Emotionen hervor zurufen. Je niedriger die Bildung des Durchschnittsbürgers ist, desto heftiger sind seine Gefühle, die das vernünftige bzw. das logische Denken, vorausgesetzt, dass dieses vorhanden ist,  zu vernebeln vermögen. Sein methodisches Vorgehen ist einfach,  aber sehr erfolgreich. Für alle Probleme, vor allem für die komplexen und komplizierten hat er einfache und schmerzlose Lösungen parat. Parallel dazu erfolgt ein Beiseiteschieben des logischen Denkens   und der ansonsten notwendigen ethisch-moralischen Bedenken bzw. Grundsätze.

Der Populist stellt sich gekonnt als den besten Vertreter der Interessen des “einfachen Mannes“ hin, weil eben nur er imstande ist , die Probleme  zu erkennen, dafür großes Verständnis zu zeigen.  Und se zufriedenstellend zu lösen. Somit entsteht zwischen ihm und dem „einfachen Mann“ manchmal ein merkwürdiges Vertrauensverhältnis. Das beste Beispiel hierfür ist das große Vertrauensverhältnis zwischen dem Milliardär Trump und mitunter seinen sehr armen Anhängern.

Die Populisten verwenden sehr geschickt solche allgemein gehaltene Wörter, wie  ”die Guten” (Volk) und  ”die Bösen” (Regierende) und Formulierungen wie das „das einfache Volk“, „der gesunde Menschenverstand des Volkes“,  „die Moral des Völkes„ „korrupte und lügnerische Elite“, „ nationale  Identität“, „nationale  Homogenität“, „Umvolkung“ etc.

2.     Rechtspopulismus und Linkspopulismus als zwei unterschiedliche ideologische Hauptrichtungen

a)   Rechtspopulismus

Im Mittelpunkt des Rechtspopulismus steht eine überdurchschnittlich starke Xenophobie, die in der Angst vor einer „Umvolkung“   und den Verlust der eigenen nationalen Identität besteht.  Hierdurch wird durch den Rechtspopulisten Angst speziell vor den Flüchtlingen, vor allem vor jenen aus den muslimischen Ländern so stark geschürt, dass nicht nur allgemein Ablehnung, sondern auch Ausländerhass oft mit tragischen Folgen entsteht. Im Mittelpunkt steht die Angst der Bürger vor der vermeintlichen schleichenden “Umvolkung”. Nolens volens trägt diese Art des Populismus darüber hinaus zur Entstehung bzw. Stärkung des Ultranationalismus, mitunter auch des Rassismus bei. Der wichtigste Vertreter des Rechtspopulismus in Deutschland ist die AfD, deren “Flügel” um den Politiker Höcke seit eh und je völkisch ausgerichtet ist und sogar faschistoide Tendenzen aufweist. Die wichtigsten Methoden der AfD sind Wut (“Wutbürger”), Verachtung gegenüber der liberaldemokratischen Grundordnung, Abwertung und Lächerlichmachen der gesamten Regierung. Sie träumt von einem autoritären Herrschaftssystem in Deutschland. Deswegen unterhält sie ausgezeichnete Beziehungen zu autoritären Herrschern. Die meisten Anhänger dieser Partei leben in dem demokratisch nicht gerade hoch entwickelten östlichen Teil Deutschlands. Der Rechtspopulismus ist in weiteren europäischen Ländern relativ einflussreich, wie z.B. in Frankreich (Le Pen), in Holland (Wilders) und vor Kurzem auch in Italien.

Eine weitere Erscheinungsform des Rechtspopulismus zeichnet sich durch einen starken Patriotismus aus, wie er in den USA unter Trump anzutreffen war. Die „Größe“ der eigenen Nation wird in den Mittelpunkt des Regierens gestellt. Das typische Beispiel hierfür ist der ehemalige US-Präsident Trump mit seinen fast lakonischen, jedoch äußerst schlagfertigen und erfolgreichen Slogans „ „Amerika first“ und „Make America Great Again“. Auch der ehemalige britische Premier  Johnson hat  etwas Ähnliches versucht, allerdings mit mäßigem Erfolg. Sein Populismus führte zu dem Brexit, jedoch ist es ihm nicht gelungen, aus Großbritannien ein neues British Empire zu machen.

Der Rechtspopulismus ist eigentlich ein unangenehmes politisches Phänomen   vorwiegend in den wohlhabenden Ländern, in denen ein Teil der Mittelschicht den Verlust ihres bisherigen Wohlstandes durch die Flüchtlinge befürchtet.

b)   Linkspopulismus

M.E. ist der Linkspopulismus zuerst in Latein-Amerika mit einer relativ starken antiamerikanischen Speerspitze entstanden.  Ein weiteres Angriffsobjekt Objekt war und ist weiterhin ist der Neoliberalismus, der wahrhaftig zu einer Verelendung nicht nur der Bauern und der Arbeiter und die Indigenen, sondern auch der Unterschicht und sogar von Teilen der Mittelschicht geführt hat. So erlangte der Linkspopulismus teilweise auch eine ethnosoziale Komponente.    Die Linkspopulisten spielen eher die Rolle des politischen Messias, aber letzten Endes haben alle versagt, darunter sogar zwei Vertreter indigener Völker, die besonders prononciert paradiesische Zustände, die absolute Gleichheit und vor allem die absolute Gerechtigkeit versprachen. Kaum waren sie an der Macht, vergaßen sie die vollmundigen Versprechen bzw. es begannen die „Mühen der Ebenen“ (B. Brecht). Insgesamt richtet sich der Linkspopulismus lateinamerikanischer Provenienz gegen die soziale Ungerechtigkeit, und gegen die Korruption der Oligarchie eigentlich als Wesensmerkmal der lateinamerikanischen Staatlichkeit.

In Europa hat sich in Griechenland hauptsächlich  in der Zeit der Wirtschaftskrise (ab 2009) vorwiegend durch eigene Schuld  hoch entwickelt.  Protagonist war dabei der Vorsitzende von SYRIZA, einer ultralinken politischen Partei eher lateinamerikanischen Typs., Tsipras.

Die wesentlichen Merkmale des griechischen linken Populismus sind die folgenden: Angriffe fast klassenkämpferischen Charakters gegen das gesamte Establishment, Anprangerung der überbordenden Korruption mit starken kleptokratischen Elementen, ungestüme Angriffe auf den Neoliberalismus und auf die EU-Staaten Deutschland und Frankreich, die von Griechenland endlich die Begleitung der astronomischen Kredite verlangten und natürlich nicht mehr bereit waren, weitere Kredite zu gewähren, Diffamierung der deutschen Kanzlerin Merkel und des französischen Präsidenten Sarkozy, die üblichen messianisch anmutenden Versprechen über Überwindung der Wirtschaftsprobleme wie mit dem Harry Potter Zauber Stab etc. Es gelang dem Partei-Vorsitzenden Tsipras, einem  ehemaligen Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes Griechenlands, endlich Ministerpräsident zu werden, ohne irgendwelche Qualifikation und Erfahrung. Mit logischer Konsequenz  brach die gesamte Wirtschaft zusammen und Tsipras ist auch über das Problem der Schulden gestolpert, denn er gab sich der Illusion hin, dass seine Regierung als “echte” Vertreter des griechischen Volkes nicht verpflichtet sei, die Schulden der bürgerlichen Regierungen zu begleichen.  Es gab ferner  Bestrebungen, die Gewaltenteilung anzugreifen.

Nach der katastrophalen Regierung des messianischen Populisten Tsipras bildete die konservative Partei Nea Dimokratia unter der Führung des Harvard-Absolventen (Wirtschaftswissenschaften mit sehr gut) Mitsotakis die Regierung, und Griechenland entwickelte sich sukzessiv zu einem normalen und geachteten Land, das gelernt hat, dass der Grundsatz pacta sunt servanda  unbedingt einzuhalten  ist und man die Schulden ohne Tricks zu begleichen hat. In der Tat, die Schulden gegenüber dem Internationalen Währungsfond sind endlich beglichen worden. Jetzt geht es um die Schulden gegenüber der Europäischen Bank.

Schlussfolgerungen

 1. Bei dem Populismus  handelt es  sich um eine sehr konservative rechte oder eine radikale linke Politik (Strategie und Taktik).

2. Er konzentriert sich auf weitverbreitete nationale, gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Anliegen und Stimmungen.

3. Er verfestigt diese Situation und schlägt eine vermeintlich einfache und schnelle Lösung  der bestehenden nationalen, soziopolitischen und wirtschaftlichen Probleme.

4. Es werden starke Tendenzen zu Messianismus und politischer Hexerei festgestellt, die im Wesentlichen falsch sind (z.B. Tsipras mit vielen Metamorphosen, kleinbürgerlich mit einer starken pseudorevolutionären Umhüllung).

5. Verfolgt ihre eigenen politischen Ziele, die in Wirklichkeit keinen direkten Bezug zur Substanz der bestehenden Probleme haben.

6. Die Populisten sind nicht in der Lage, nach dem Aufstieg durch viele Versprechungen an die Macht gelangt, sind sie nicht in der Lage, auch nur ein Versprechen einzulösen und tun sie meistens genau das Gegenteil. Trump ist eine große Ausnahme (siehe G. Seesslen).

7. Der Populismus könnte unter Umständen für die liberal-demokratische  Grundordnung gefährlich werden.

Literatur-Quellen

-Anselmi, M., Populism, An Introduction, London 2018.

-Connif M.L.(Ed.), Populism in Latin Amerika, Tuscaloosa/Alabama 1999.

-Decker F. (Ed.), Populismus, Wiesbaden 2006.

-Diamanti, Ilvo y Lazar, M., Popolocrazia, La metamorfosi delle nostre democrazia, Roma  2018.

-Dubiel, H. (Ed.), Populismus und Aufklärung, Frankfurt/M. 1986

-Hartleb,F., Rechts-und Linkspopulismus, Wiesbaden 2005.

-Melzer,R., Β. Küpper B., (Ed.), Wut, Verachtung, Abwertung: Rechtspopulismus in Deutschland, 2015.

-Müller, J.-W., Was ist Populismus? Ein Essay, Berlin 2016.

-Nohlen D./ F. Grotz (Hrsg.) Kleines Lexikon der Politik, München2015.

- Priester K., Populismus: Historische und aktuelle Erscheinungsformen, Frankfurt/M. et alt. 2007.

 -Priester K., Rechter und linker Populismus: Annäherung an ein Chamäleon, Frankfurt /M. 2012.

-Rosanvallon P., El siglo del populismo,  Barcelona 2020.

- Seesslen G., Trump! : Pοpulismus als Politik, 2017.

- Stegemann B., Das Gespenst des Populismus: Ein Essay zur politischen Dramaturgie, Berlin 2017.

-Σεβαστάκης N/Γ. Σταυρακάκης Γ. , Λαϊκισμός, αντιλαϊκισμός και κρίση, Αθήνα 2012.

 -Taggart P.,  Populism, Buckingham, Philadelphia 2000.

 Veröffentlicht 2016-2018 in Καθημερινή (Kathimerini), Το Βήμα (To Bima), Τα Νέα (Ta Nea) in Griechisch.

Aus meinem Buch Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.253.

 

Familienenherrschaft, Vetternwirtschaft a la grec

Familienenherrschaft,  Vetternwirtschaft a la grec

Nachdem ich  2012 auf die  Familienherrschaft bzw. die Vetternwirtschaft in Griechenland aufmerksam wurde, begann ich, mich systematischer mit diesem Thema zu beschäftigen. Die bloße Existenz der Familienenherrschaft würde ausreichen, um zu dem Schluss zu kommen, dass Griechenland kulturell nicht zu Europa, sondern eher zum Nahen Osten gehört.

Es gibt Grund, dieses mittelalterliche, orientalische und sehr problematische Phänomen genauer zu untersuchen. Zunächst stellt sich die theoretische Frage, was die Familienenherrschaft oder, allgemeiner ausgedrückt, die Vetternwirtschaft a la grec ist. Man muss von der Prämisse ausgehen, dass der Grieche ein Familienmensch ist. Ferner ist die Tatsache zu berücksichtigen, dass die Familie in Griechenland über den üblichen engen Familienrahmen hinaus geht. Hinsichtlich der Sippe kann sie mitunter auch die Cousins und Cousinen vierten Grades erfassen.

Im Allgemeinen gibt es in Griechenland zwei Kategorien der Familienenherrschaft. Die erste betrifft die Parteiführung und dann das Amt des Ministerpräsidenten und hat den Charakter eines relativ langen Prozesses: Der erste Schritt ist die Gründung einer Partei, die eng mit der Person des Gründers verbunden ist. Der Parteigründer hat eigentlich nur ein Ziel: das Amt des Ministerpräsidenten.

Eine der ersten Aufgaben des nepotistisch gesinnten Politikers ist es, seinen Sohn oder seine Tochter nach Erreichen seines Ziels zum stellvertretenden Minister und nach kurzer Zeit zum Minister zu machen, der in der Regel das Ministerium wechselt, um Erfahrung zu sammeln, d.h. sein Vater bereitet ihn systematisch auf das künftige Amt des Ministerpräsidenten vor.

 In der Tat ist das insbesondere in der „sozialistischen“ balkan-orientalischen PASOK, ein dynastisches Erbe, denn die offizielle Politik eines Staates wird allmählich zu einer Familienangelegenheit gemacht.  In Griechenland wird das schändliche und zutiefst undemokratische Spiel nicht in der zweiten Generation unterbrochen, sondern schamlos und automatisch in der dritten Generation fortgesetzt!  Dies ist der Fall bei der Familie Papandreou.  Das Schlimme ist, dass Heerscharen von Politikern und außerdem schleimige und widerliche “Kumpane” sowie monströse “Vielfraßnager” vom Parteivorsitzenden abhängen.

 Die Dynastie Karamanlis aus dem griechischen Makedonien ist von dem relativ erfolgreichen Politiker und Staatsmann Konstantinos Karamalis, Gründers der konservativen Nea Dimokratia, ehemaliger Ministerpräsident und Staatspräsident gegründet worden. Nach einem kleinen Intermezzo folgte in der zweiten Generation der Nepus und nicht gerade hochintelligente Kostas Karamanlis als Ministerpräsident. In der gegenwärtigen konservativen Regierung wird das Amt des Verkehrsministers von einem Vertreter der dritten Generation von dem Nepus wieder einem Konstantinos Karamanlis, der weder Lust, noch die Fähigkeit dafür besaß, ausgeübt.  Und das geschah ganz spontan, weil sich die zahlreichen “Kumpane” und auch hier die gefräßigen “Polit-Nager” an die Privilegien gewöhnt haben.

 Der ansonsten erfolgreiche Politiker, neuer Chef der Nea Dimokratia und spätere Ministerpräsident Konstantinos Mitsotakis aus Kreta hat die Familienherrschaft systematischer vorbereitet. E hat seine Tochter Dora in sein Kabinett als Ministerin aufgenommen, die wahrhaftig auch durch ihre Polyglottie ihr Amt erfolgreich ausgeübt hat. Sein eigentliches Ziel war, sie in der Perspektive zu Ministerpräsidentin zu machen. Die politische Dynastie der Mitsotakis wies eine systematischere Vorbereitung und Beförderung ihrer Mitglieder in höhere Ämter auf. Sie hatte lange den seltenen Vorteil, dass das Oberhaupt der “Sippe” noch lebte, der bewusst und geschickt in das politische Geschehen mit klugen Äußerungen eingriff, natürlich indirekt immer im Interesse seiner Dynastie. Ich verfolgte seine Methode und Strategie seit Jahren und habe folgende Taktiken beobachtet: Zuerst äußert sich das Oberhaupt zu einem politischen Problem und dann folgen Äußerungen seiner Tochter, seines Sohnes und gelegentlich auch seines Enkelsohnes, der inzwischen sich ebenfalls zum Politiker entwickelt hat! In manchen Fällen wurde versucht, den Eindruck zu erwecken, als gäbe es zwischen ihnen politische Meinungsdifferenzen.  Der Durchschnittsgrieche war selbstverständlich nicht imstande, dieses Polit- Schauspiel zu durchschauen.

Mit großer Verspätung ist die linke Variante des griechischen Nepotismus erschienen.  Es handelt sich hauptsächlich um Vertreter des Kleinbürgertums, interessanterweise linker oder besser pseudolinker Färbung, die relativ lange zumindest rhetorisch die Rolle der linken Revolutionäre und des Gralshüters der politischen Moral und Ethik spielten.  In der von der ultralinken Partei SYRIZA, deren Führungskräfte bis zum Zusammenbruch des “Realen Sozialismus” Mitglied der Kommunistischen Partei Griechenlands waren, haben eine linke Regierung gebildet. Dabei konnte das interessante Phänomen registriert werden, dass in einigen Ministerien der Ehemann Minister wurde, und die Ehefrau den Posten des stellvertretenden Ministers übernahm. Mitunter war der Generalsekretär eines Ministeriums Sohn oder Schwiegersohn oder Neffe des Ministers oder eines anderen Ministers. Fast sämtliche Positionen wurden mit Verwandten, Bekannten oder mit Parteifreunden besetzt. Das war sozusagen eine Art linker Solidarität. Somit waren alle nach Balkan-orientalischem Brauch waren bestrebt, an die staatlichen Futterstellen zu gelangen. Ob Konservative oder Linke, alle betrachten in Griechenland den Staat als Beute. Wer für paar Jahre an der Quelle sitzt, versucht, sich so viel wie möglich zu bereichern.

 Es gibt auch eine andere Form der modernen griechischen Vetternwirtschaft, die vor allem die Abgeordneten-Position betrifft, die sich in einen Familienbesitz verwandelt wird. In einigen Fällen waren drei Mitglieder der gleichen Familie in der gleichen konservativen Partei (Vater 50 Jahre im Parlament!), Sohn und Tochter aus Kreta) oder normalerweise waren Vater und Sohn oder Cousins zur gleichen Zeit Mitglieder des Parlaments. Offenkundig lohnt es sich in Griechenland, Parlamentsabgeordneter zu sein. Dabei geht es primär nicht um die übliche Abgeordneten-Abfindung, die in der Regel höher ist als in den wohlhabenden Ländern der EU, sondern um Bestechungen der Abgeordneten, was in Griechenland eben dazu gehört.

Wenn man die vergleichende Methode anwendet, stellt man fest, dass die Familienherrschaft in anderen europäischen Ländern nicht bekannt ist, d.h. er ist eine rein griechische “Besonderheit”, aber in den USA kommt sie gelegentlich auch vor (Kennedy, Busch). Es stellt sich die berechtigte Frage, warum es dieses beschämende Phänomen in Griechenland gibt, für das sich alle Griechen schämen sollten. Der wichtigste Grund besteht darin, dass das Individuum mit dem Gesellschaftsbewusstsein und der bewusste Bürger mit dem Staatsbewusstsein fehlen, denn Griechenland hat weder die Renaissance noch die europäische Aufklärung, noch die bürgerliche Revolution. Dies gilt übrigens für alle Balkan-Länder.

Aber schon im Mittelalter, genauer im 12. Jahrhundert, formulierte der große Theologe und Philosoph Thomas von Aquin das Bild des Individuums, das sich nach und nach durchgesetzt hat, während die Theologen und Philosophen des Oströmischen Reiches (Byzanz) leider vergeblich versuchten, ein ähnliches Konzept zu schaffen. So haben sich in Europa und im späten orthodoxen Osten zwei völlig unterschiedliche Menschenbilder herausgebildet.

Die bestimmenden Merkmale des Individuums sind im Großen und Ganzen die folgenden: Würde, Selbstachtung, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Autonomie des Willens und Entscheidungsfreiheit in allen entscheidenden Lebensbereichen. Im Idealfall setzt sich eine Gesellschaft aus solchen Individuen zusammen, aber noch nicht die griechische Gesellschaft. Fehlen die genannten Eigenschaften, dann ist der Einzelne nur einer unter anderen, welche die Masse bilden (Στέλιος Ράμφος, Ο Καημός του ενός, Κεφάλαια της ψυχικής ιστορίας των ελλήνων, Aθήνα 2002; “Die Wehmut des Einzelnen, Kapitel der psychischen Geschichte der Griechen”) und er ist das ideale Opfer der Populisten von Links und Rechts.  Seine Familie oder seine Sippe haben Vorrang gegenüber der Gesellschaft und dem Staat.  Aber aus dieser besonderen Beziehung in rückständigen Gesellschaften ergeben sich für viele Vorteile, wie die Familienherrschaft im politischen Leben Griechenlands. Jeder Politiker fühlt sich verpflichtet, Mitglieder seiner Sippe in der Verwaltung sogar, wenn möglich, in Ministerien unterzubringen.  Herkunft, Sippe und Name sind die entscheidenden Bedingungen für eine politische Karriere, nicht unbedingt die tatsächlichen Fähigkeiten.

 Weil das Individuum in Griechenland kaum existiert, fehlt automatisch die conditio sine qua non für die Existenz eines Bürgers, der sich in entwickelten Ländern durch folgende Merkmale auszeichnet: Staatsbewusstsein, Anerkennung des Wechselverhältnisses von Rechten und Pflichten, Rechtsbewusstsein, Steuerbewusstsein, Umweltbewusstsein,  Anerkennung des Vorrangs der Interessen des Ganzen (“κοινόν καλόν”:”koinon kalon” des Aristoteles) vor den Interessen des Einzelnen usw. Daraus lässt sich schließen, dass in Griechenland das Individuum mit dem Gesellschaftsbewusstsein (@und der Bürger mit einem Staatsbewusstsein fehlen.  Sicherlich gibt es auch einige Ausnahmen, sonst würde das gesamte Staatswesen zusammenbrechen.  Das ist der Hauptgrund dafür, dass es einigen Politiker-Familien gelingt, das Volk zu täuschen und sich beruflich auf sehr lukrative Weise in der Politik zu engagieren.

Fazit: Es handelt sich um eine Kaste von Berufspolitikern, die den drei politischen Dynastien angehören, sich gegenseitig und regelmäßig ablösen und es schaffen, das griechische Volk, das leider immer noch größtenteils politisch unzureichend gebildet und passiv ist, in jeder Hinsicht zu verhöhnen und auszubeuten.

 Veröffentlicht von 2013 bis 2018 oft in den wichtigsten griechischen Zeitungen   Καθημερινή (Kathimerini), Το Βήμα (To Vima), Τα Νέα (Ta Nea), iefimerida, Το πρώτο θέμα (To Proto Thema)

Aus meinem Buch  Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.216

 

Frankreich-Deutschland, Unterschiedliche Protesttraditionen

Frankreich-Deutschland, Unterschiedliche Protesttraditionen
Frankreich ist das Geburtsland a) der Revolutionen en general (Bürgerliche, Pariser Kommune), b) des selbstbewussten citoyen (Bürgers), der nur seine Rechte, aber keine Pflichten kennt und zum Staat ein gespanntes Verhältnis hat und c) des Individualismus. Das Individuum richtet sich grundsätzlich nach zwei Lebensprinzipien: geringste Anstrengung und Lebensgenuss. d) Die Kommunistische Partei Frankreichs übt auf die Gewerkschaften großen Einfluss aus. Sie betrachtet die Streiks als eine besondere Form des Klassenkampfes. So wundert es nicht, dass mitunter bei den Streiks rohe Gewalt seitens der Protestierenden angewandt wird. In Europa ist Deutschland das Geburtsland a) des Obrigkeitsstaates, b) des Untertanen (kein Individuum, kein selbstbewusster Staatsbürger, c)der Pflichtenethik durch die preußische Tradition, d) des Sozialstaates als Ergebnis des Kampfes der Arbeiterklasse, e)der nachgeahmten und auf der Strecke gebliebenen Revolutionen. f) Die Gewerkschaftsführung in Deutschland verfügt im Allgemeinen über ein entwickeltes Gesellschafts- und Staatsbewusstsein. g) Die Klassenkampfideologie ist im deutschen Rechts-und im teilweise übertriebenen SOZIALSTAAT auch wegen der untergegangenen DDR passe. Insgesamt sind die Mentalitäten sehr unterschiedlich.
 Zeit (10.3.23)

“Klientelstaat”, “Parteienklientelismus des Staates” oder “Klientelismus”?

“Klientelstaat”, “Parteienklientelismus des Staates” oder “Klientelismus”?
Es handelt sich um eine sprachwissenschaftliche, soziologische und ethnologische Untersuchung eines Aspekts des unterentwickelten griechischen Parteiensystems balkan-orientalischen Typs.
Es ist allgemein bekannt, dass nach der bürgerlichen Revolution in Frankreich im Jahr 1789, der Durchsetzung des bürgerlichen Staates, der rasanten Entwicklung der Wissenschaft und der Etablierung moderner Konzepte und Begriffe, die auf altgriechischen und lateinischen Wörtern basierend, alle Völker Europas damit begannen, diese direkt in der französischen Sprache zu verwenden oder in ihre jeweiligen Landessprachen zu übersetzen. Unter anderem wurden zahlreiche Begriffe, die auf -ismus enden (z. B. Patriotismus, Nationalismus usw.), international bekannt. Nach dem Ersten Weltkrieg geschah etwas Ähnliches mit dem Englischen, aber beide Sprachen basieren auf Altgriechisch und Latein. Wir müssen also ad fontes (zu den Wurzeln) gehen, um besser zu verstehen, worum es hier geht, denn die Gefahr einer Begriffsverwirrung ist in der Tat groß, wie sich in zahlreichen Kommentaren seit Jahren 2012 gezeigt hat. Im Altgriechischen leitet sich das Wort Klient in der Übersetzung von dem Verb πελάζω ab, was so viel bedeutet wie “sich nähern” (siehe Langescheidts Taschenwörterbuch, Altgriechisch, Berlin et alt. 1990, S.340 ) oder eine Person ist von einer anderen Person abhängig (siehe Benselers Griechisch-Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1981, S. 613 ). Diese Deutung ist sicherlich von Platon entlehnt worden: «ο αντι τροφών υπηρετών και προσπελάζων, από του πέλας ήτοι εγγύς  εκαλείτο ο δι ένδειαν  προσιών  μίσθιος δε υπηρετών « (siehe Γ. Μπαμπινιώτη, Ετυμολογικό Λεξικό της Νέας Ελληνικής Γλώσσας,  Αθήνα 2010, σ. 1073). Das Lexikon der neugriechischen Sprache Proίας (Λεξικόν της Νέας Ελληνικής Γλώσσης, Πρωίας (Αθήναι, ohne Jahr, zweiter Band, S. 1893) interpretiert das Wort Kunde wie folgt: “der sich Nähernde und besonders um Schutz bittende, der Beschützte, der Untergebene”. Die lateinische Sprache hat sich jedoch ursprünglich eher mit dem Wort cliens (Gen. clientis) durchgesetzt, das in diesem Fall weiter gefasst ist und folgende Interpretationen zulässt: geschützt, untergeordnet, der patronus hatte die Pflicht, den clienten zu schützen, während letzterer dem patron gegenüber Verpflichtungen hatte und zwischen ihnen ein gewisses Verhältnis der Gegenseitigkeit (clientula) bestand, (siehe K.E. Georges, Kleines Lateinisch-Deutsches Handwörterbuch, Leipzig 1890, S.434. Dieses “kleine” Wörterbuch hat 2700 dichte Seiten ! Ich habe einige Wörterbücher der neulateinischen Sprachen (Italienisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch) und eines der englischen Sprache verglichen und festgestellt, dass nur ein Wörterbuch der spanisch-lateinamerikanischen Sprache das Wort cliente im Sinne des Geschützten erwähnt. Letztendlich ist es mir ist es mir gelungen, einige soziologische und ethnologische Artikel über das Phänomen des Klientelismus zu finden, aber die Beispiele betreffen kein europäisches Land, sondern hauptsächlich afrikanische und lateinamerikanische Länder ! Abgesehen davon, konnte festgestellt werden, dass vor allem amerikanische und englische Soziologen und Ethnologen das interessante Phänomen des Klientelismus erforscht haben. Einige Interpretationsversuche von Spaniern, Italienern und Brasilianern sind ebenfalls zu verzeichnen. Es gibt auch einen kleinen griechischen Versuch, der das griechische Problem des “Klientelstaates” berührt. Wir stellen fest, dass der politische und journalistische Begriff des “Klientelismus” eine Übersetzung ins Griechische ist (Πελατειακό Κράτος)riechische
Das Problem ist jedoch komplexer, weil auch das Phänomen der “Parteiklientel” oder, richtiger gesagt, der “Klientelpartei” zu beachten ist. Gerade, als ich dies schreibe, fällt mir ein, dass der Ausdruck “Klientelpartei” in Europa häufig verwendet wird und leider nur auf politische Parteien in Griechenland zutrifft! Das bedeutet, dass diese Parteien, mit Ausnahme der Kommunistischen Partei, weder ein wirkliches politisches Programm, noch richtige Mechanismen haben und von wichtigen politischen Persönlichkeiten abhängig sind, die sich in der Partei durchsetzen und sie in einigen wohlbekannten Fällen sie zu einer Familienangelegenheit machen (Papandreou, Karamanlis, Mitsotakis). In diesem Fall gibt es eine enge Beziehung zwischen dem Klientelismus und Familienherrschaft (οικογενειοκρατία), Vetternwirtschaft.
Es empfiehlt sich, einigen Definitionen Aufmerksamkeit zu schenken: «Clientelism is definide as transactions  between politicians and citizens where be material favors are offered in return for political  support at the polls“ (L. Wantschekon, Clientelism and voting behavior Evidence from a Field Experiment in Benin, in : World Politics, 55/2003, p. 400. Hier geht es um ein Beispiel aus Afrika. Sehr interessant ist die Definition in einem lateinamerikanischen Artikel: Clientelismo: “relaciones interpersonales en el sistema politico ha incluido con frecuencias”. Hier werden zwei Aspekte des Phänomens hervorgehoben: Das Verhältnis und die Wiederholung. Das brasilianische Wörterbuch erwähnt weitere Aspekte: “sub-sistema de relacao politica- em general ligado ao coronelismo”: Es handelt sich um ein politisches Subsystem, das im 19. Jahrhundert tatsächlich vorherrschte und Reste des Feudalismus enthielt! Ein italienisches Wörterbuch betont nachdrücklich das gegenseitige Interesse, den gegenseitigen Nutzen und den Austausch als charakteristische Elemente des Klientelismus: “La practica del clientelismo tende a garantire il reciproco interesse o il mutuo vantaggio tra chi fornisse i beneficinisse e chi ne ottiene il controcambio”. Die Definition des Begriffs “Klientelismus” in einem deutschsprachigen Fachwörterbuch ist vollkommener und erwähnt auch Gruppen, d.h. nicht nur Einzelpersonen, und betont die ungleiche Macht zwischen ihnen und damit die Abhängigkeit des Schwachen vom Starken. Auch hier wird auf die Reziprozität der hergestellten Beziehung hingewiesen: “Beziehung zwischen Gruppen oder Personen mit ungleichen Machtpositionen, wobei die eine Seite (Patron) der anderen (Klientel) Unterstützung anbietet, wenn diese ihre Loyalität zusichert” (C. Lenz und N. Ruchlak, Kleines Politisches Lexikon, München, Wien, Oldenbourg 2001, S.111).
Die Reziprozität kann fortgesetzt werden, weil der Bürger auf der einen Seite andere Kinder, Neffen, Schwiegersöhne usw. hat, die ebenfalls versorgt werden müssen, meist auf Kosten des Ganzen. Auf diese Weise breitet sich der Klientelismus wie ein Krebsgeschwür in der gesamten Gesellschaft aus. Auf der anderen Seite hat der Politiker endlich die Möglichkeit, wohlhabender zu leben. Selbstverständlich möchte er weiter in paradiesischen Verhältnissen leben (z.B. ein Politiker von Kreta war 50 Jahre lang Mitglied des griechischen Parlaments).
Der Klientelismus ist verbreitet bei den Konservativen sowie bei den “Sozialisten” und gehört damit zu den Grundzügen der Mentalität der Neugriechen. Ähnlich sieht es auch in den anderen Balkan-Ländern aus, denn auch bei ihnen sind die Demokratie-Defizite gewaltig.
Zusammenfassung
1. Der journalistische und politische Ausdruck “Klientelismus” ist eine unzutreffende und oberflächliche Übersetzung des europäischen Standardbegriffs (terminus scientificus) der Soziologie, Politikwissenschaft und Ethnologie Clientelismus.
2. Es handelt sich um eine Beziehung zwischen Individuen oder in seltenen Fällen zwischen einem Individuum und einer Gruppe.
3. Die Individuen haben eine relativ ungleiche Stellung in der Gesellschaft und im Staat (Beschützer-Beschützter).
4. Der Bürger als Machtloser ergreift in der Regel die Initiative und wendet sich an einen Politiker um Hilfe bietend.
5. Der Politiker verspricht, dem Bürger zu helfen (z.B. Ernennung, wohlgemerkt, nicht für das nicht existierende Unternehmen des Politikers, sondern für de öffentlichen Dienst). So entsteht für die Familie des Bürgers ein großer Nutzen durch die Unterbringung eines Familienmitgliedes, aber hierdurch entsteht eine große Ungerechtigkeit für fähigere Personen, die leer ausgehen.
6. Der Bürger löst sein Versprechen ein, indem er den Politiker wählt, der Abgeordneter, vielleicht eines Tages Minister wird, kurzum, er kann für eine lange Zeit finanziell abgesichert sein.
7. Zwischen dem Bürger und dem Politiker (nicht dem Beamten) steht der Staat als Instrument des Staates und als dominierende Grundlage des Clientelismus im Mittelpunkt. Wir haben es also nicht mit dem “Klientelstaat” zu tun, sondern mit der “Klientelpartei” und somit mit der “Parteiklientelisierung des Staates”, der modernen griechischen Version des Clientelismus.
8. Aber es herrscht, wie so oft, ein begriffliches Chaos. Deshalb schlagen wir hier vor, den terminus scientificus generalis Klientelismus zu verwenden und nicht die Ausdrücke “Klientelstaat” oder “Parteiklientelisierung des Staates”.
9. Der Klientelismus ist normalerweise ein Phänomen der Dritten Welt, ebenso wie die Familienherrschaft. Und doch finden wir in Griechenland beide Überreste des Feudalismus.
10. Das Phänomen des Klientelismus ist ein Anzeichen dafür, dass die Produktivkräfte so unterentwickelt sind, dass es nicht für alle ausreichende Arbeit gibt. Das heißt, es ist kein Zufall, dass der Klientelismus in den Ländern der Dritten Welt und in Griechenland weitverbreitet ist.
11. Der Klientelismus begleitet die griechische Gesellschaft als Symbiose seit der Konsolidierung des modernen griechischen Staates und gehört aus ethnologischer Sicht ganz selbstverständlich zu den seit Langem bestehenden nationalen Krankheiten. 12. Der Klientelismus setzt sich in Europa, insbesondere in Griechenland, durch, weil man hier eine Staatsbildung ohne die conditio sine qua non eines Staates vorfindet, d.h. da Staatsbewusstsein der Bürger, das als Begriff in keinem modernen griechischen Wörterbuch zu finden ist. Der Durchschnittsgrieche betrachtet den Staat eher als seinen Feind. Das Schlimme besteht darin, dass auch der Begriff Rechtsbewusstsein der Bürger unbekannt ist. Stattdessen ist das Wort Rechtsgefühl üblich und sehr beliebt, das jeder nach Belieben und nach seinem Interesse interpretieren kann.
Veröffentlicht von 2014 bis 2017 oft in den wichtigsten griechischen Zeitungen Καθημερινή (Kathimerini), Το Βήμα (To Vima) und τα Νέα (Ta Nea) in Auseinandersetzung mit einigen Politikern der wichtigsten griechischen Parteien und mit griechischen Nationalisten
aus meinem Buch Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.213

Patriotismus, Nationalismus

Patriotismus, Nationalismus
Die Welt befindet sich in einer Übergangzeit: Einerseits wächst durch die allmächtige Globalisierung als ein objektives Phänomen die gegenseitige Abhängigkeit und Verflechtung der Staaten und Nationen, andererseits jedoch sind sich verstärkende Tendenzen des Nationalismus (Russland, China, Indien, USA, Türkei, Ungarn etc.) nicht zu übersehen. Speziell in Deutschland tut man sich wegen der unsäglichen Vergangenheit immer noch mit den mit Begriffen Patriotismus und Nationalstolz fast masochistisch schwer. Mit der Begründung, dass durch Europäische Union etwas Einheitliches in Europa entsteht, neigen vor allem linke, sozialdemokratische, und grüne Politiker dazu, diese Begriffe als überflüssig, sogar zuweilen als lästig zu betrachten bzw. schroff abzulehnen. Möglicherweise ist dieser seltsame Zustand dadurch eingetreten, dass die Deutschen nach dem katastrophalen Zweiten Weltkrieg und den in Verbindung mit ihm stehenden Verbrechen gegen andere Völker nach der üblichen deutschen Art das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben. Hierdurch überlassen sie jedoch diese existenziellen Begriffe der AfD und faschistoiden Kräften, die sie natürlich missbrauchen. Ferner wird die Realität übersehen, dass etliche EU-Mitglieder, wie z.B. Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Griechenland etc. den Patriotismus und den nationalen Stolz als konstitutive Elemente ihrer nationalen Existenz betrachten und pflegen. Internationale betrachtet, kann außerdem eine Explosion des Patriotismus und sogar des Nationalismus konstatiert werden. Dies gilt insbesondere für China, Indien, die Türkei und missbräuchlich auch für das heutige Russland. Mitunter werden die Begriffe Patriotismus und Nationalismus verwechselt und somit ein terminologisches Chaos entsteht. Insofern erweist sich eine genauere Beschäftigung mit diesen termini scientifici als notwendig und sinnvoll.
1. Patriotismus
Sein sprachlicher Ursprung ist das griechische Wort Patir (Πατήρ, Genetiv πατρός: Patros) und nicht das lateinische Wort Pater (Patris). Im Mittelalter tauchte das Wort Patriot (jemand aus der gleichen Εthnie, Landsmann) als Ausgangspunkt für das lateinische Wort Patriota und später für das französische Wort Patriote . Allmählich wurden die Wörter Patrioticus und Patriotique sozusagen als die Voraussetzung für den international übernommenen Begriff Patriotisme, der genau in der Encyclopedie de Diderot et d’ Alembert geprägt worden ist. Es fällt auf, dass diese Entwicklungen in Frankreich stattgefunden haben. Es verwundert daher nicht, dass der Patriotismus ein Produkt der Französischen Revolution von 1789 war. Es liegt ein consenscus generalis professorum et doctorum darüber vor, dass der Patriotismus “als politische Tugend eines sozialpolitischen Verhalten ist, indem nicht vorrangig die eigenen, die individuellen Interessen handlungsleitend sind, sondern das Wohl aller Mitglieder einer politischen Gemeinschaft” (Nation, Staat, D.Nohlen und F. Grotz). Der Patriotismus weist neben dieser rationalen auch eine emotionale Dimension auf, die in den anderen Ländern Europas als “Vaterlandsliebe” bekannt ist, d.h. der Bürger ist auf die Gesamtheit des politischen Gemeinwesens fokusiert und bringt sich real für die Belange des Gemeinwesens bzw. für das Vaterland ein. M.E. ist daher die Verteidigung des Vaterlandes in einer Gefahrensituation eine Selbstverständlichkeit. Ich bin mir dessen bewusst, dass diese Selbstverständlichkeiten den meisten Deutschen abhanden gekommen sind, weil sie sich jahrzehntelang darauf verlassen haben, dass die USA den Schutz Deutschlands übernommen haben. Hinzu kommt noch das ungebremste Konsumdenken. Kurzum, es ist eine gefährliche Situation der Verweichlichung eingetreten. Die Politiker wiederum erfinden solche Merkwürdigkeiten wie “Verfassungspatriotismus”. Dieser Begriff bezeichnet die politische Positionierung einer Person, die mit der emotionalen Bindung an die Werte, die Geschichte, die Tradition, die Kultur usw. ihres Heimatortes verwoben ist; seine Hauptbedeutung ist die Liebe zum Heimatland. Aber manchmal ist Patriotismus auch mit einem starken Gefühl von Stolz und Arroganz verbunden. Der Patriotismus ist ein Produkt und sein Träger ist der Bürger (citoyen). Eines der charakteristischen Merkmale des modernen Bürgers ist das dialektische Wechselverhältnis von Rechten und Pflichten, was in den Balkan-Ländern ein Buch mit sieben Siegeln ist.
2. Nationalismus
Über den Begriff Nationalismus existieren zwei gibt zwei verschiedene Interpretationen: Die französische Interpretation ist eher neutral: Er bedeutet Patriotismus, Liebe zur Nation und Stolz auf sie. Die meisten europäischen Völker haben diese Interpretation akzeptiert. Nach der deutschen Interpretation insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Nationalismus jedoch eine negative Bedeutung erlangt: ein übertriebenes und intolerantes Nationalbewusstsein, das die Stärke und Größe der Nation als höchsten Wert ansieht. Die Völker Nord- und Osteuropas haben inzwischen diese negative Interpretation akzeptiert. In der modernen Weltgeschichte wurde der Begriff des Nationalismus in einer sehr positiven Weise verwendet, vornehmlich von den nationalen Befreiungsbewegungen, zunächst in den arabischen Ländern und dann in allen Ländern, die sich gegen den Kolonialismus erhoben haben. Es war z.B. expressis verbis die Rede vom “arabischen Nationalismus” als Synonym mit dem Patriotismus die Rede. Schlussfolgerung: Nur die Deutschen haben eher psychologische Probleme mit dem Patriotismus. Hierbei handelt es sich um einen anomalen Zustand.
Die Politologie unterscheidet zwischen dem inklusiven und dem exklusiven Nationalismus. Der inklusive Nationalismus stellt eine moderate Form des Nationalbewusstseins oder des Patriotismus dar. Er umfasst alle politischen Gruppen der Gesellschaft und besitzt damit eine hohe integrative und legitimierende Funktion. Der exklusive Nationalismus stützt sich auf ein übersteigertes Wertgefühl, das in Vergleich zu anderen Nationen die eigenen Eigenschaften überhöht oder sogar als die besseren ansieht. Dies kann sogar zur Ausgrenzung anderer Ethnien und nicht selten auch zu Vertreibungen führen.
Literatur
-D. Nohlen und F. Grotz (Hrsg), Kleines Lexikon der Politik, München 2015, S.461.
-O. Dann, Nation und Nationalismus in Deutschland 1770-1990, München 1996.
-D. Sternberger, Verfassungspatriotismus, Frankfurt 1990.
-E. Gellner, Nationalismus und Moderne, Hamburg 1995.
D. Oberdörfer, Der Wahn des Nationalen, Freiburg 1993.
U.Hirchhausen, /J. Leonhard (Hrsg.) Nationalismen in Europa, Göttingen 2001. E. Gellner, Nationalismus und Moderne, Hamburg 1995.
Veröffentlicht von 2012 bis 2018 in den griechischen Zeitungen To Bima (Το Βήμα), Kathimerini (Καθημερινή) und Ta Nea (Τα Νέα) in Auseinandersetzung mit den griechischen Ultrapatrioten und Ultranationalisten.
aus meinem Buch Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S. 228.

Marxismus-Leninismus und “Real existierender Sozialismus”, Warum Zusammenbruch

A) Marxismus-Leninismus und “Real existierender Sozialismus” theoria cum praxi
In meiner Jugend habe ich mich aus Interesse und Neugier freiwillig mit dem Marxismus-Leninismus, der marxistisch-leninistischen Philosophie (insbesondere mit dem dialektischen und historischen Materialismus), der politischen Ökonomie des Kapitalismus, der politischen Ökonomie des Sozialismus, der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung, der internationalen revolutionären Bewegung, der Revolutionstheorie und dem internationalen sozialistischen System befasst und weitere Studien betrieben. Der vorliegende Beitrag kann nur ein kleiner Überblick mit bestimmten Höhenpunkten sein. Es geht in erster Linie um das punctum quaestionis der Problemstellung
1. Konkret: Die marxistisch-leninistische Philosophie hat die Erkenntnistheorie des Demokrit übernommen und sie Widerspiegelungstheorie genannt: Widerspiegelung der objektiven Realität. Sie wurde jedoch auf die Praxis nie angewandt. Es ging vielmehr um eine gewollte Verfälschung der Realität.
2. Die Utopie der absoluten sozialen Gleichheit ist eine Sache, die enttäuschende Realität eine andere. In der Geschichte der Menschheit hat sich die Utopie meist schnell in Tyrannei verwandelt. So wurde die angebliche Diktatur des Proletariats in die Diktatur des Parteiapparats umgewandelt, dann in die Diktatur des Zentralkomitees der Partei, dann in die Diktatur des Politbüros, das sich aus konservativen Personen zusammensetzte, und schließlich in die Diktatur des Generalsekretärs der Partei, unabhängig davon, ob dieser kompetent oder bereits verkalkt war. Erinnern wir uns daran, dass der Niedergang des “Existierenden Sozialismus” in Polen begann, wo sich die Arbeiterklasse erhoben hatte.
3. Sozialpolitische Revolutionen sind nur dann notwendig und erfolgreich, wenn die objektiven Bedingungen bereits ausgereift sind, wie im 18. Jahrhundert in Frankreich, wo im Rahmen der feudalen Autokratie die wirtschaftlichen Bedingungen allmählich ausgereift waren und ein radikaler Widerspruch zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen entstanden war. Die Revolution hat das Problem dieser Opposition radikal gelöst. Auf diese Weise wurden das kapitalistische System (zuerst in England), die bürgerliche Demokratie und der Rechtsstaat geschaffen, und die Einführung von individuellen Grundfreiheiten und Menschenrechten usw. vollzogen. Unabhängig davon, ob uns dieses System gefällt, ist es objektiv das dynamischste und erfolgreichste in der Geschichte der Menschheit. Auf der Grundlage der Privatinitiative, der Kreativität der freien Bürger und der Wettbewerbsfähigkeit kam es zu einer Explosion der Produktivkräfte, der Wissenschaften und der technischen Erfindungen.
4. Es ist historisch hinreichend belegt, dass die großen Theoretiker und Politiker der deutschen Sozialdemokratie Karl Kautsky, Eduard Bernstein und August Bebel mit ihrer Position (grundlegende Reformen des Kapitalismus, keine gewaltsame Revolution) richtig lagen.
5. Nach der marxistisch-leninistischen Philosophie ist die Praxis das Kriterium für die Wahrheit, d.h. nicht nur Theorien und ideologische Doktrinen. Im “Real existierenden Sozialismus” gab es seitens des jeweiligen Politbüros der Partei eine voluntaristische und fehlerhafte Widerspiegelung der Realität und vor allem eine Widerspiegelung ideologischer Träume und Illusionen. Dieser unrealistische Ansatz war in der Tat antimaterialistisch und antimarxistisch. Genau das Gleiche gilt für die konservative, rückständige und unrealistische Kommunistische Partei Griechenlands.
6. Karl Marx hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Wirtschaft vom Niveau der Produktivkräfte abhängt. Jedoch in den ehemaligen sozialistischen Ländern waren die Produktivkräfte unglaublich niedrig. Aber die Produktion ist die Voraussetzung für eine reiche Verteilung von Konsumgütern. Kurzum, die wirtschaftliche Situation in diesen Ländern war im Wesentlichen antimarxistisch.
7. Nach dem totalen Zusammenbruch des “sozialistischen” Wirtschaftsmodells ist dies keine Alternative mehr. Die einzige Möglichkeit für die Arbeitnehmer besteht darin, über die Gewerkschaften für die Verbesserung der Lebensbedingungen im Rahmen des bestehenden Systems und auf zivilisierte Weise wie in den Ländern nördlich der Alpen zu kämpfen.
8. Schließlich sei daran erinnert, dass es China gelungen ist, durch die Privatisierung veralteter und ineffizienter staatlicher Fabriken den Status einer internationalen Wirtschaftssupermacht zu erreichen.
B) “Real existierender Sozialismus”, “Sozialistisches Weltsystem” und die Sowjetunion, Zusammenbruch, Warum?
Zusammenbruch nicht nur der Sowjetunion. Warum ist nicht nur die Sowjetunion zusammengebrochen, sondern der “Real existierende Sozialismus” und das “sozialistische Weltsystem” im Allgemeinen? In Kenntnis des Problems theoria cum praxi haben wir bereits vor 30 Jahren festgestellt, dass die Hauptgründe für den oben erwähnten Zusammenbruch die folgenden sind:
1. Niedrige Produktivität im Vergleich zum Westen (nur 25 % der kapitalistischen Wirtschaft); die Produktivität der russischen Industrie hat heute 30 % der Produktivität der amerikanischen Industrie erreicht. Ein niederländischer Landwirt produzierte so viel wie 60 Kolchosbauern. Bereits Anfang der 1980er-Jahre wandte sich die Sowjetunion mit der Bitte um ein Darlehen an den Internationalen Währungsfonds. So begann der allmähliche Zusammenbruch des Sowjetsystems.
2. Mangel an Demokratie, bürgerlichen und politischen Freiheiten und Menschenrechten. In der gesamten Geschichte Russlands gab es keine Rechte und Freiheiten für den Menschen und den Bürger.
3. In den Staaten Mittel- und Ost -Europas herrschte dem Wesen nach eine sowjetische Besatzung (u.a. bewaffnete Intervention1956 in Ungarn und 1970 in der Tschechoslowakei) sui generis. Den überzeugenden Beweis hierfür lieferte der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Zusammenbruch des Sowjetsystems und dem NATO- Beitritt dieser Staaten. Es gab ferner keine Übereinstimmung zwischen der Souveränität des Staates und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker. Dies gilt in hohem Masse für die DDR.

4. Mangel an Individualität, Feindseligkeit gegenüber dem privaten Unternehmertum, Förderung der Mittelmäßigen, Kampf gegen und im Zusammenhang damit eine sehr begrenzte Kreativität. Dadurch vergrößerte sich der Abstand zum hoch entwickelten Westen bei den Hochtechnologien mit Ausnahme der Militärtechnologien. So ist es auch beim heutigen Russland.

5. Die USA haben unter Präsident Reagan die Sowjetunion durch einen Hochrüstungswettbewerb bewusst in die Knie gezwungen. Es gibt viele Gründe zu der Annahme, dass das heutige Russland das gleiche Schicksal haben wird.
6. Die Vorherrschaft der freien Marktwirtschaft, des bürgerlichen Staates und der liberalen westlichen wirtschaftlichen und politischen Grundordnung konnte sich international größtenteils durchsetzen. Hiermit wurde überzeugend der Nachweis erbracht, dass das westliche System dem “sozialistischen” System weit überlegen ist. 7. Gorbatschow hat ungewollt dazu beigetragen, den Zusammenbruch des wackligen Systems der Sowjetunion zu beschleunigen. Der Alkoholiker Jelzin hat den Staat fast demontiert.
8. Der autoritäre Putin versucht vergeblich, die ehemalige Sowjetunion wiederaufzubauen. Er glaubt, dass er durch moderne Waffensysteme sein Ziel erreichen wird. Die Sowjetunion war eine Supermacht, während Russland nur eine Großmacht ist. Auch dieses System wird zusammenbrechen, weil ihm die erforderliche wirtschaftliche und technologische Grundlage fehlt.
Veröffentlicht von 1915 bis 20019 in den griechischen Zeitungen Το Βήμα (To Vima), Καθημερινή (Kathimerini) und iefimerida in Auseinandersetzung mit fanatischen und verträumten griechischen Kommunisten
Aus meinem Buch Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S. 189ff.

Nord – Europa, Süd – Europa, Kurzer Historischer Überblik, Mentalität, Ein Vergleich

Nord – Europa, Süd – Europa, Kurzer Historischer Überblick, Mentalität, Ein Vergleich
Im Rahmen der Europäischen Union war gelegentlich vor einer EU der zwei Geschwindigkeiten die Rede, davon ausgehend, dass die Entwicklungsunterschiede relativ groß sind. Dabei sollte Deutschland die reichen Länder des Nordens führen, und Frankreich die ärmeren Länder des Südens. Offenkundig lohnt es sich, diese Problematik zu vertiefen, um die europäischen Völker besser verstehen zu können. Im Mittelpunkt der Untersuchung sollen, klimatische, historische, kulturelle, ethnologische und andere Aspekte von Bedeutung stehen. Es werden nur bestimmte, für die europäische Entwicklung signifikante Ereignisse erwähnt. Somit weist der vorliegende Beitrag einen Überblickcharakter auf.
Vorgeschichte
Europa wurde vor etwa 42 000 Jahren von Homo sapiens sapiens besiedelt, der aus Afrika über den Nahen Osten und Südeuropa kam. Nach dem allmählichen Rückzug der Gletscher vor etwa 12 000 Jahren erfolgte die Besiedlung Mittel- und Nordeuropas, wiederum ausgehend von Südeuropa. Die “frühen Europäer” (terminus scientificus) waren Jäger, Fischer und Sammler. Die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen haben die Völker mentalitätsmäßig ebenso unterschiedlich geprägt. In der Zeit zwischen 5500 und 5000 v. Chr. fand in Europa (im Nahen Osten bereits 9000 v. Chr.!) die Agrarrevolution und damit die erste Revolution der Produktivkräfte in der Geschichte der Menschheit statt, deren Träger die aus Kleinasien stammenden Bauernvölker waren. Sie haben sich mit den frühen Europäern vermischt. Zwischen 4000 und 3500 v. Chr. kamen kriegerische Nomaden, die “Indoeuropäer” (so die vorherrschende Meinung der archäologischen Experten), aus den südrussischen Steppen nach Europa und vermischten sich mit der friedliebenden Bauernbevölkerung. Dieser Mischung entstammen die heutigen Europäer, die in ihrer DNA das friedliche Element der Bauern und das aggressive Element der “Indoeuropäer” haben.
Antike
Die europäische Zivilisation begann auf Kreta (minoische Zivilisation) und wurde von den Achäern (mykenische Zivilisation) fortgesetzt. Besonders nach dem 8. Jh. hat sich die griechische Zivilisation auf alle Küsten des Mittelmeers und des Schwarzen Meeres ausgebreitet. Ab dem 7. Jh. v. Chr. begann die griechische Zivilisation in Sizilien und Süditalien (Magna Graecia: Großgriechenland), die Etrusker und später die Römer zu beeinflussen, d. h. von Süden nach Norden. Ab dem 6. Jh. v. Chr. breitete sich die griechische Zivilisation von der Region Marseille (Gallia Graeca: Griechisches Gallien) nach Norden in alle wichtigen Regionen der zahlreichen keltischen Stämme aus. Nach der Eroberung Griechenlands durch das Imperium Romanum (Römisches Reich) haben die Römer, die kulturellen Nachfolger der Griechen, die griechische Kultur sowie ihre eigene Kultur (Gesetze, Verwaltungssystem, Architektur, Bau von internationalen Straßen und Brücken, Aquädukte usw.) an die Gallier und teilweise auch an die Germanen weitergegeben. In der Geschichtswissenschaft spricht man von der “griechisch-römischen Zivilisation”. Bereits seit dem 2. Jh. v. Chr. hat sich die Richtung der Völkerwanderung allmählich umgekehrt. Die armen und kulturell rückständigen Völker (z. B. die Germanen) des germanischen Nordens wollten schon immer in den Süden ziehen, wo es Nahrung, Reichtum, Kultur und vor allem Sonne im Überfluss gab. Zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert n.Chr. gelang es den germanischen Stämmen im Rahmen der großen Völkerwanderung Gallien zu erobern und in das Frankenreich umzuwandeln. Der germanische Stamm der Langobarden zog es vor, in Norditalien zu bleiben, in der ehemaligen Gallia Cisalpina (Gallien diesseits der Alpen), wo sie sich mit den keltischen Römern vermischten. Sie verliehen der italischen Bevölkerung eine hohe Dynamik.
“Respublica Christiana”
Mit diesem Ausdruck ist eigentlich das christliche europäische Mittelalter gemeint, das gar nicht so “dunkel” war, wie manche Historiker behaupten. Im Mittelalter kam es zu bedeutenden und vielschichtigen Gärungen, die systematisch den Weg für den späteren kulturellen, wirtschaftlichen und diplomatischen Aufstieg Europas bereiteten. An den Universitäten wurden Aristoteles und Platon gelehrt, aber auch das römische Recht. Bereits im 9./10. Jh. begann sich Venedig zu einer See- und Handelsgroßmacht zu entwickeln, die fast den gesamten Handel zwischen Europa und dem Nahen Osten übernahm, aber nach dem dynamischen Aufkommen der osmanischen Großmacht im östlichen Mittelmeer im 15. Jh. und die Unterbrechung des üblichen Handelsweges aus Asien nach Europa die Macht Venedigs brach zusammen. Venedig wurde von der maritimen Großmacht Portugal abgelöst, die wiederum von Spanien als maritime und militärische Supermacht abgelöst wurde. In England wurde im Jahr 1215 die berühmte Magna Charta Libertatum (Große Charta der Rechte) verfasst. Der große Philosoph und Theologe Thomas von Aquin (“Summa theologica”, “Summa contra gentiles”) begründete im 13. Jh. mit theologischen Argumenten die Idee des Individuums, die notwendige Voraussetzung für den citoyen (Bürger) im 18. Jh. Es stellt sich die berechtigte Frage, warum die byzantinischen Theologen eine solche Leistung nicht hervorbringen konnten. Der deutsche Mönch Martin Luther erklärte im 16. Jh. dem “Teufel” Papst in Rom die scharfe religiöse Auseinandersetzung und schuf den Protestantismus, der nicht nur in Europa, sondern weltweit eine entscheidende Rolle spielte. Der Protestantismus hat den Fleiß zum höchsten ethischen Prinzip und zur heiligen Pflicht eines jeden Christen erhoben. Calvin, ein anderer großer Protestant, der vor allem in den Niederlanden wirkte, hat darüber hinaus das Leistungsprinzip formuliert: Besonders diejenigen, die wirtschaftliche Erfolge haben und vor allem Gewinn erzielen, werden in den Himmel kommen.
Renaissance (Rinascimento)
Die Renaissance war ein Geschenk des Südens (Italien) an den Norden. Zum zweiten Mal ist der Süden zum mehrseitigen Kultur- und Lichtbringer Europas geworden.
Auf der Grundlage des antiken griechischen Geistes, der natürlich weiterentwickelt wurde, hat sich Norditalien und vor allem Florenz zum wichtigsten kulturellen, künstlerischen, philosophischen und wissenschaftlichen Zentrum Europas entwickelt. Jeder aus Mittel- und Nordeuropa, der über die nötigen finanziellen Mittel verfügte, reiste nach Norditalien, um Musik, Malerei, Architektur, aber auch Philosophie und Recht zu studieren. Gleichzeitig reisten zahlreiche Fachleute aus Norditalien in andere Länder, um die italienische Kultur zu verbreiten. So wurden die Italiener zu den Lehrern Europas, bis die Franzosen im 16./17. bis zum frühen 20. Jahrhundert die kulturelle Hegemonie in Europa übernahmen. Während das katholische Spanien Lateinamerika besetzte und nicht in der Lage war, in eine gesunde Wirtschaft zu investieren, floss ein Großteil des Goldes in das calvinistische Holland, wo auf diese Weise und auf der Grundlage des Welthandels der erste kapitalistische Staat der Welt (Handelskapitalismus) geschaffen wurde.
Aufklärung
Vor Frankreich fanden in England wichtige philosophische, ideologische, politische und rechtliche Entwicklungen statt: Aufklärung mit der Befreiung des menschlichen Geistes, wodurch eine Explosion der menschlichen Kreativität erreicht wurde, Habea-Corpus- Act 1679 und Bill of Rights 1689. Im dynamischen England wurden die Begriffe “fundamental laws” (“Grundrechte”), “civil liberties” und “rights of men” formuliert, international nach dem 2. Weltkrieg in der OHE “human rights”. England hat die Wissenschaften entwickelt, moderne Waffen erfunden, den Parlamentarismus eingeführt und den Industriekapitalismus geschaffen und damit die zweite große Revolution der Produktivkräfte in der Geschichte der Menschheit bewirkt. Der Höhepunkt der politischen und sozialen Entwicklung in Europa war jedoch die bürgerliche Revolution von 1789 in Frankreich und die Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers. Die Europäer studierten die Werke der alten Griechen nicht nur als Philologen wie in Byzanz oder als Humanisten, sondern versuchten schnell, das Wissen für die Anforderungen der modernen Gesellschaft zu nutzen. Basierend auf den Erkenntnissen der Sophisten über das Naturrecht (ius naturae oder ius naturalis ) erfanden sie z.B. das ius rationis (Recht der Vernunft = Rationalität), das erfolgreich als intellektuelle “Atombombe” gegen den absolutistischen Feudalismus und die rückständige römisch-katholische Kirche eingesetzt wurde. Es ist genau dieser Rationalismus, der dem westlichen Kulturkreis auch heute noch eine große Überlegenheit gegenüber den anderen Kulturkreisen verleiht.
Alle Theologen sowie einige katholische und orthodoxe Philosophen bekämpfen die weltgeschichtliche europäische Aufklärung und ihre geistigen Errungenschaften seit 200 Jahren mit aller Härte. Der Kampf der Dunkelmänner gegen die Aufklärung wurde von den Führungen der Katholischen und der Orthodoxen Kirche (Spiritualität) mittels einiger Enzykliken geführt. Dies hatte negative Folgen hinsichtlich des Menschen- und Gesellschaftsbildes in katholischen (Italien, Spanien, Portugal) und in orthodoxen Ländern (alle auf dem ohnehin rückständigen Balkan, sowie in Russland).  Genau dasselbe tun die mohammedanischen Mullahs, Ayatollahs und die islamischen Theologen. Die Feinde der Aufklärung und des Westens sprechen neuerdings von der Postmoderne, aber inzwischen ist die Rede von der Moderne der Postmoderne.
Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurde in den internationalen europäischen Beziehungen das berüchtigte “Justum potentiae aequilibrium europaeum” (“Gerechtes europäisches Kräftegleichgewicht”) angewandt, mit ständig wechselnden Allianzen (früher Freund, heute Feind und in manchen Jahren das Gegenteil), aber mit einer Besonderheit: England war immer das “Zünglein an der Waage” des europäischen Gleichgewichts. Während die anderen europäischen Länder endlos untereinander Kriege führten, gelang es England, das größte Imperium in der Geschichte der Menschheit zu errichten. In den internationalen Beziehungen galt das “Jus publicum europaeum” (“Europäisches öffentliches Recht”: Völkerrecht) mit folgenden Merkmalen: das “Jus ad belllum” (“Recht auf Krieg”(Eroberung), das “Faustrecht” (“Recht des Stärkeren”), die “Löwenverträge” und der unmenschliche Kolonialismus.Durch den Westfälischen Frieden nach Beendigung des 30-jährigen Religionsfriedens 1648 wurde der Grundsatz pacta sunt servanda (Vertäge sind zu einzuhalten) als in den zwischenstaatlichen Beziehungen geltend, eingeführt. Nordeuropa hat am Ende des 18. Jh. durch die Industrierevolution und die Etablierung des Kapitalismus im protestantischen England auf der Grundlage der Kohle und der “Akkumulation von Kapital” (Karl Marx) aus den zahlreichen Kolonien die Führung des Fortschritts in Europa. Relativ spät folgte Deutschland, ebenfalls überwiegend protestantisch, aber Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der Übergang des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium mit den bekannten Ergebnissen (zwei Weltkriege). Das wirtschaftliche Gefälle zwischen dem Norden und dem nunmehr rückständigen Süden, insbesondere der Balkan lebte ohnehin seit Jahrhunderten im Universum des Osmanischen Reiches, hat sich allmählich herausgebildet und nach dem Zusammenbruch des Kolonialismus und nach der staatlichen Wiedervereinigung Deutschlands, das zu einer echten wirtschaftlichen und industriellen Supermacht in Europa geworden ist, beschleunigt, während die ehemaligen Supermächte England und Frankreich einen vielschichtigen Abwärtstrend erlebt haben. Es versteht sich daher von selbst, dass Deutschland, ob es das will oder nicht, die führende Supermacht der Europäischen Union ist.
Mentalität
Die Mentalität der Völker ist das Ergebnis einer Jahrtausend alten Entwicklung, die von äußeren Bedingungen, wie z.B. Klima, Ernährung, geografische Lage etc. sowie von deren Widerspiegelung in den Anschauungen, in der Tradition, in der Religion etc. abhängig ist. Am Anfang stehen die materiellen Lebensbedingungen. So erfordern das strenge Klima und die davon abhängigen schwierigen Lebensbedingungen eine effektive soziale Organisation, einen Verantwortlichen (Führer), Disziplin und Selbstdisziplin, Fleiß, Ausdauer, Geduld, Zielstrebigkeit, Erfindergeist usw. Hierdurch sind  sukzessive unterschiedliche Mentalitäten (Grundverhaltensmuster)  zwischen der Nord- und den Süd-Europäern  entstanden.  Dies sind nüchterne Beobachtungen, die auf den Erkenntnissen der inzwischen überentwickelten Neurowissenschaften beruhen und von den Anhängern der Linken, die nur auf den sozialen Faktor bei der Bildung des ethnischen Grundverhaltensmusters verweisen, nicht berücksichtigt werden. Andererseits ist es nicht wissenschaftlich, nur die Rolle der Neuronen zu erwähnen. Die dialektische Methodik (Hegel, Marx) erfordert, dass alle oben genannten Faktoren in enger Wechselbeziehung und Interaktion betrachtet werden.
Im Folgenden werden nur die wichtigsten Merkmale der Mentalität genannt, die jedoch von Bedeutung sind:
(protestantischer) Norden: Fleiß als edle Form menschlicher Selbstverwirklichung, Dynamik, Ausdauer, Willensstärke, Geduld, Beharrlichkeit, Disziplin, Selbstdisziplin, Organisationstalent, Systematik, Methodik, Effizienz, Sozial-, Staats-, Rechts- und Umweltbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein für das Ganze und Vorrang des Allgemeinen (commune bonum) vor dem individuellen Wohl etc.
Süden (südeuropäische Länder, der Balkan und andere Länder mit orthodoxer Tradition, Griechenland): Das Prinzip des Lebensgenusses, die Regel des geringsten Arbeitsaufwands, Bequemlichkeit, fehlende Dynamik, Ausdauer, Willensstärke, Geduld, Beharrlichkeit, Disziplin und Selbstdisziplin, Organisation, Systematik, Methodik, Effizienz, unterentwickeltes soziales, staatliches, rechtliches und ökologisches Bewusstsein, unterentwickeltes Verantwortungsbewusstsein, ferner Korruption als die Regel in der Gesellschaft und im Staat (die Gegenpole des Nordens). Es ist ferner von besonderem ethnologisch-linguistischem Interesse, dass die Begriffe Arbeitsliebe, Leistungsprinzip und Selbstdisziplin den südeuropäischen Sprachen kaum bekannt sind. Die oben genannten Merkmale der Mentalität sind natürlich nicht absolut. Sicherlich gibt es auch Ausnahmen. Auf alle Fälle ist der methodische Grundsatz der Differenziertheit anzuwenden. Dies gilt uneingeschränkt für die Mentalitätsunterschiede zwischen den Völkern Süd-Europas en general und den Balkan-Völkern, die von den Heerstraßen der modernen europäischen Zivilisation während der jahrhundertealten Beherrschung durch das rückständige Osmanische Reich abgekoppelt waren. Es verwundert daher nicht, dass in ihrem Grundverhaltensmuster teilweise auch Elemente der orientalischen Mentalität konstatiert werden können.
Zusammenfassung
1. Der Fortschritt Europas begann im Süden (Hellas, Rom, Italien, Frankreich), aber in der neueren Zeit hat Nord-Europa die Führung übernommen.
2. Die Völker mit protestantisch-calvinistischer Tradition sind gegenwärtig auf allen entscheidenden Gebieten, wie z.B. in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, im Rechtswesen (Rechtsstaat), im Sozialen (Sozialstaat), in der Volksbildung, im universitären Bereich und in der Verwaltung den Völkern Süd-Europas überlegen.
3. Speziell die Völker mit christlich-orthodoxer Tradition sind hoffnungslos zurückgeblieben. Gleiches gilt übrigens auch für Russland.
4. Die Mentalität der Nordeuropäer entspricht in idealer Weise den Erfordernissen der kapitalistischen Wirtschaft und des bürgerlichen Staates, während die Mentalität der Südeuropäer im Allgemeinen ideal für den Lebensgenuss, aber völlig ungeeignet für die Anforderungen des modernen Lebens ist.
Von 2013 bis 2020 wiederholt in den führenden griechischen Zeitungen Καθημερινή (Kathimerini), Το Βήμα (To Vima) und Τα Νέα (Ta Nea) in Griechisch in Auseinandersetzung mit griechischen Ultranationalisten veröffentlicht.
Aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S. 159ff.

Völkerrechtstheorie, Völkerrechtsphilosophie, Völkerrechtsmerthodologie

Theorie, Philosophie und Methodologie des Völkerrechts, Unterschiede, Θεωρία, Φιλοσοφία και Μεθοδολογία του Διεθνούς Δημοσίου Δικαίου

Hier geht es aber lediglich um die Zusammenfassung des gleichnamigen Artikels:
Panos Terz,Völkerrechtstheorie, Völkerrechtsphilosophie und Völkerrechtsmethodologie, Unterschiede. Demonstratio et Defensio Scienciae latae iuris inter Gentes , Ηράκλειτος: ” Εκ πάντων έν και εξ ενός πάντα”,  Ιn: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, 2010/96/3, S.322-336.

Zusammenfassung

1. Die Völkerrechtswissenschaft ist die Summe und das System von Kenntnissen , Erkenntnissen und Methoden über völkerrechtlich bedeutsame Materien. Ihr Gegenstand ist viel breiter als jener des Völkerrechts als internationale Rechtsordnung.

2. Die Völkerrechtswissenschaft hat folgende Bestandteile und zugleich Wissenschaftsgebiete in statu nascendi: Völkerrechtstheorie, Völkerrechtsphilosophie, Völkerrechtssoziologie. Weitere integrale Bestandteile der Völkerrechtswissenschaft existieren bereits : Völkerrechtsdogmatik, Geschichte des Völkerrechts und Geschichte der Völkerrechtswissenschaft.

3. In epistemischer Hinsicht geht es bei der Theorie um das “Was”, bei der Philosophie um das “Warum” und bei der Methodologie um das “Wie”.

4. Die Völkerrechtstheorie stellt eine systematisch-logisch geordnete Menge von Aussagen und Erkenntnissen über die gesamte Völkerrechtsordnung, über ihre eigenen Bestandteile sowie über ihr Verhältnis zu der Völkerrechtsphilosophie und zu der Völkerrechtsmethodologie dar.

5. Die Völkerrechtstheorie hat folgende funktionen: Empirische, Durchdringungs-, Analytische, Ordnungs-, Normative, Prognostische und Erklärungsfunktion.

6. Die Völkerrechtsphilosophie versteht sich als die Wissenschaft von der Anwendung philosophischer bzw. rechtsphilosophischer Erkenntnisse auf völkerrechtlich bedeutsame Materien in den internationalen Beziehungen.

7. Die Theorie der Völkerrechtsphilosophie untersucht in erster Linie Wesen und Bedeutung der Völkerrechtsphilosophie, das Verhältnis der Völkerrechtsphilosophie zu den anderen Bestandteilen der Völkerrechtswissenschaft und durchdringt theoretisch alle Gegenstände der Völkerrechtsphilosophie selbst.

8. Die Völkerrechtsmethodologie besteht aus der Methodologie der Völkerrechtsdogmatik und der Methodologie der Völkerrechtswissenschaft. Die Methodologie der Völkerrechtsdogmatik hat die folgenden Grundsätze: Reflexivität, Normativität, Funktionalität, Rechtsanalyse und Komparativität.
Die Grundsätze der Methodologie der Völkerrechtswissenschaft sind Komplexität, Systemhaftigkeit, Globalität, Historismus, Differenziertheit und Realitätsbezogenheit.

9. Die Theorie der Völkerrechtsmethodologie befasst sich hauptsächlich mit Wesen und Bedeutung der Völkerrechtsmethodologie, mit ihrem Verhältnis zu den anderen Bestandteilen der Völkerrechtswissenschaft und wirkt theoretisch auf alle Gegenstände der Völkerrechtsmethodologie ein.

10. Von der Methodologie der Völkerrechtswissenschaft sind Methodiken zu unterscheiden, die eher einen technischen Charakter besitzen (Verfahren , Arbeitstechniken).

11. Jeder Bestandteil der Völkerrechtswissenschaft hat bei Beachtung auch der Grundsätze der Allgemeinen Methodologie der Völkerrechtswissenschaft eine eigene Methodologie.

12. Die Methodologie der Völkerrechtsphilosophie stellt die Lehre von den völkerrechtsphilosophischen Methoden, Mitteln und Verfahren dar.

13. Der Völkerrechtsphilosoph muss vor allem die Forschungsergebnisse des Völkerrechtstheoretikers, des Völkerrechtsmethodologen , des Völkerrechtsdogmatikers und des Völkerrechtssoziologen kennen.

14. Zwischen den Bestandteilen der Völkerrechtswissenschaft als System gibt es Wechselbeziehungen, die in ihrer Gesamtheit die gnoseologische Struktur der Völkerrechtswissenschaft ausmachen.

15. Theorie, Methodologie und Geschichte der Völkerrechtsphilosophie als Teilsystem der Völkerrechtswissenschaft sind Subsysteme. Ihre Beziehungen untereinander stellen die Struktur der Völkrrechtsphilosophie dar.

16. Das Völkerrecht ist ein IUS COEXISTENTIAE zwischen Staaten unterschiedlicher Kultur- und Rechtskreise (meine Position, entwickelt zum ersten Mal 2006).

Theorie, Philosophie, Methodologie

Theorie, Philosophie, Methodologie
Linguistische und epistemische Explikationen der Begriffe Theorie, Philosophie und Methodologie
Einleitung
Die Beschäftigung mit diesen termini scientifici hat sich vor ca. 40 Jahren als notwendig erwiesen, weil meinerseits konstatiert wurde, dass hinsichtlich der Begriffe Theorie, Philosophie und Methodologie ein regelrechtes terminologisches Chaos bestand. Daher war die Erzielung einer wissenschaftlichen terminologischen Klarheit die conditio sine qua non, um spezielle und sehr komplizierte Untersuchungen auf dem Gebiet der Völkerrechtswissenschaft realisieren zu können. Es hat sich dabei erneut bestätigt, dass die Spezialwissenschaften das philosophische Fundament unbedingt benötigen. Andernfalls besteht die große Gefahr der fachwissenschaftlichen Horizont-Begrenzung und der kreativitätsindifferenten Nabelschau.
1.Theorie
Das Substantiv Theoria (Θεωρία) ist auf das altgriechische Verb theorein (θεωρείν), im Präsens theoro (θεωρώ) zurück zu führen. Im ursprünglichen Sinne des Wortes bedeutet Theoria das Betrachten oder auch Untersuchungen. Durch die großen Leistungen der altgriechischen Philosophen erlangte der Begriff Theoria die Bedeutung der “geistigen Betrachtung von Ideen , Sachverhalten oder abstrakten Zusammenhängen, die der sinnlichen Wahrnehmung nicht zugänglich sind” (C. Thiel). In der wissenschaftlichen Fachliteratur liegt ein consensus generalis professorum et doctorum darüber vor, welche die prägenden Merkmale der Theorie sind: a) die systematisch geordnete Menge von Aussage, die in einem Zusammenhang stehen; b) die Aussagen beziehen sich auf einen Bereich der objektiven Realität oder des Bewusstseins; c) Erklärung von Phänomenen bzw. Lösung von Problemen. Die Theorie hat eine Reihe von Funktionen wie z.B. die Rationalisierungsfunktion, die Selektionsfunktion (das Relevante aus zahlreichen Informationen herausfiltern), die Ordnungsfunktion (Informationen zusammenfügen, ordnen und systematisch darstellen), die Erklärungsfunktion (es geht um die Kausalität der Zusammenhänge) und schließlich die prognostische Funktion. In linguistischer sowie in epistemische Hinsicht geht es bei der Theorie um da”Was”.
2. Philosophie
Auch bei diesem bedeutungsvollen Begriff bedarf es etymologisch-semantischer Explikationen. Der Begriff Philosophie (Φιλοσοφία) besteht aus zwei Wörtern: a) philein (φιλείν: lieben) und sophia (σοφία: Weisheit). Das zusammengesetzte Werb philosophein (φιλοσοφείν) bedeutet wörtlich “lieben die Weisheit” und dem Wesen nach etwas genauer untersuchen, hinterfragen und über etwas nachdenken. Somit geht es in der Philosophie dem Wesen nach um das “Warum”. Die Fragestellung ist zum ersten Mal bei den ionischen materialistischen Philosophen aufgetaucht. Αυτό αποτελεί την απαρχή της φιλοσοφικής καθώς και της κριτικής επιστημονικής σκέψης. Το φιλοσοφικό διατί είναι σε άλλους Κύκλους Πολιτισμού, όπως στον Κονφουκιανικό, στον Ισλαμικό και στον Ινδουιστικό άγνωστο. Επίσης άγνωστο είναι και στην Ορθοδοξία, γιατί κριτική επιστημονική σκέψη και πίστη αποτελούν ένα οξύμωρον. Platon (Πλάτων) gebrauchte als Erster den Begriff Philosophia und verstand darunter das “Streben nach Weisheit”. Dieser Auffassung entspricht das heutige Verständnis von der Philosophie als “besondere Form der Reflexion und der Wissensbildung” (J. Mittelstraß) sowohl epistemisch als auch disziplinär.
3. Methodologie
Die Methodologie (Μεθοδολογία) ist auf den Begriff Methodos (Μέθοδος) zurückzuführen, der sich aus zwei Wörtern zusammensetz: meta (μετά:nach) und hodos (οδός: Weg). Der altgriechische idealistische Philosoph Parmenides (Παρμενίδης, 6.Jh.v.Chr. verwendete als Erster den Begriff “hodos”) als “Weg der Suche”, als”Weg der Untersuchung” bzw. als “Weg der Forschung”. Der “hodos” des Parmenides entspricht im Prinzip dem gegenwärtig allgemein gebräuchlichen terminus scientificus “Methodos”. Nach vorherrschender Auffassung stellt die Methodologie die Lehre von den wissenschaftlichen Methoden dar, mit dem Ziel, die existierende Realität zu erkennen. Hierbei geht es um die Allgemeine Methodologie, die sich aus dem Entwicklungsstand und den Anforderungen der sozialen Realität sowie aus der Notwendigkeit ergibt, wissenschaftlich begründete Methoden zu entwickeln, die konkreten Phänomenen adäquat sind. Gleichwohl existiert die Allgemeine Methodologie nicht unabhängig von anderen Wissenschaften. Im Gegenteil, zwischen ihnen bestehen ein wechselseitiger Zusammenhang sowie eine beiderseitige Ergänzung und Befruchtung. Die Methodologie ist besonders entwickelt in den USA und in Schweden.
Ist die Methodologie die Lehre von den Methoden (Methodenlehre), so bedeutet die Methode ein Herangehen (approach, approche, acercamiento, avvicinamento) an etwas (Phänomen, Problem etc.) und stellt ein “System von Regeln” dar, das Klassen möglicher Operationssysteme bestimmt, die vom gewissen Ausgangsbestimmungen zu einem konkreten Ziel führen. Allgemeines Ziel, auf das sich alle Methoden richten, ist die Veränderung und (oder) die Erkenntnis der Wirklichkeit. Dabei ist die Zielgerichtetheit ein besonders wichtiges Merkmal jeder Methode. Die Methode ist letztendlich ein Mittel, um gesetzte Ziele zu realisieren. In der Wissenschaftstheorie werden drei Aspekte der Methode besonders unterstrichen: das zielgerichtete Vorgehen, das Verhältnis von Mittel und Einsatz sowie das Verhältnis von Zweck und Realisierung.
Regeln der Methodologie
1. Objektivität
Nach der Theorie der Widerspiegelung (Demokrit, Δημόκριτος) reflektieren wir Phänomene, die objektiv sind, d. h. sie sind außerhalb des menschlichen Gehirns angesiedelt, aber das menschliche Gehirn muss sie mit dem Ziel untersuchen, um zum punctum quaestionis (Kern einer Frage) vorzudringen und herauszufinden, was dieses tatsächlich ist. Genau das ist der Kern der Theorie seit der Zeit der antiken griechischen Philosophen. Demokrit nennt das Ergebnis der Widerspiegelung “dunkle Wahrheit” und empfiehlt eine vertiefte Untersuchung. Aber wie läuft eine solche Untersuchung ab? Phänomene, Ereignisse usw. können interpretiert werden, aber sie können nicht fehlinterpretiert oder sogar absichtlich durch Ideologie und auf der Grundlage des Subjektivismus oder, schlimmer noch, gezielt auf der Grundlage des Voluntarismus verzerrt werden. Der ewige Aristoteles hat in seinen Werken den folgenden methodischen Ansatz verfolgt: Zunächst müssen wir die Natur und die Gesellschaft betrachten.Danach lesen, was andere über sie geschrieben haben. Und schließlich Schlussfolgerungen zu ziehen, die auf den Regeln der Logik beruhen.
2. Komplexität
Aristoteles war der Erste, der auf die Komplexität der Phänomene aufmerksam machte, die in den Massenmedien zu wenig bekannt zu sein scheint, denn die ideologische Besessenheit lässt nur einseitige Sichtweisen zu und wirkt sich somit äußerst negativ auf das Denken aus, das letztlich getrübt wird. Die Linken z.B. betonen den wirtschaftlichen und den sozialen Aspekt, die Rechten den politischen, die Rechtsextremen sehen nur illegale Einwanderer, die Kommunisten lästern über Imperialismus und Plutokratie, der führende Intellektuelle und Philosoph Stelios Ramphos in Griechenland betont vor allem das rückständige Menschen- und Gesellschaftsbild der christlichen Orthodoxie in der heutigen griechischen Tradition und der Theologe und Philosoph Christos Giannaras , einer der führenden Intellektuellen und Kolumnisten, beschäftigt sich mit Moral und anderen Tugenden.
3. Systemhaftigkeit
Aus philosophischer Sicht gibt es Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Aspekten eines Phänomens bzw. eines Problems. Stellt man sich einen Kreis vor, in dem die Aspekte des Problems in gleichen Abständen unter dem Status von Elementen gebündelt sind, so kann man konstatieren, dass jedes Element so eng miteinander mit allen anderen verbunden ist, dass ein neues einheitliches Gebilde entsteht, das das größte Potenzial enthält und eine höhere Qualität als die Qualitäten der zuvor getrennten Elemente hervorbringt. Der systemische Charakter einer allgemeinen Krise z.B. führt zu der Schlussfolgerung, dass von Anfang an ein schrittweises Vorgehen in Bezug auf alle ihre wichtigsten Aspekte eingeleitet werden muss.
4. Globalität
Es gibt viele Aspekte der Globalisierung, wie z. B. wirtschaftliche Verflechtungen, den schädlichen Neoliberalismus mit seinen verhängnisvollen Hedgefonds, das Internet mit Facebook, kulturelle Aspekte (die rasche Verbreitung des American Way of Life (mit all seinen Vorteilen und vielen Nachteilen) und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern in Verbindung mit der Polyglottie. Diese Entwicklungen haben jedoch nichts mit einem Ultra-Patriotismus zu tun, der den Patriotismus für egoistische Zwecke instrumentalisiert. In der europäischen Geschichte waren Superpatrioten meist gefährlich für ihr Land und haben es letztendlich zerstört. Erforderlich sind auch Kenntnisse über andere europäische Völker (Geschichte, Kultur, Religion, Literatur, Ethnologie, Sprache usw.) und darüber hinaus Kenntnisse über andere Kulturkreise (konfuzianischer, islamischer und hinduistischer). Die Erziehung eines Menschen hat ebenso eine globale Dimension. Jedes Volk sollte bereit sein, Wissen von anderen Völkern zu empfangen, insbesondere von den höher weiter entwickelten Völkern, und dabei nicht so sehr an vergangene “Größe” denken. Insgesamt haben Ultranationalisten bzw. Ethnozentristen einen starken Hang zur Selbstüberhöhung, zum Selbstbetrug und zur Fremdenfeindlichkeit.
5. Relativität
Mit wenigen Ausnahmen ist alles relativ, z. B. die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Freiheit, die wissenschaftlichen Erkenntnisse usw. In der Realität aber des Lebens, z.B. hinsichtlich der Europäischen Union liegt das Problem vor allem darin, dass linke Parteien und viele Gewerkschafter die absolute Gerechtigkeit und die absolute Gleichheit fordern. Andere wiederum pochen auf der absoluten Freiheit, was dem Wesen nach Anarchie bedeutet. In der Weltgeschichte hat sich jedoch gezeigt, dass, wenn solche gesellschaftlichen oder politischen Kräfte die Zügel der politischen Macht übernommen haben, all diese Dinge nicht nur relativiert wurden, sondern darüber hinaus völlig über Bord geworfen wurden. Es stellt sich ohnehin die berechtigte Frage, wie es möglich ist, wirtschaftliche Probleme in erster Linie durch ideologische und politische Maßnahmen und durch den antiquierten und inkompetenten Etatismus zu lösen, da es eine contradictio in adiecto (Widerspruch in sich) zwischen Etatismus und wirtschaftlichem Fortschritt gibt. Die Staatswirtschaft z.B. in den ehemaligen Ländern des “Realen Sozialismus” ist zusammengebrochen. Die Forderung nach absoluter sozialer Gerechtigkeit ist auch ein Ausdruck von Surrealismus und Utopismus. Cicero hat sich bereits mit dem sehr interessanten Thema des absoluten Rechts beschäftigt: “summum ius, summa iniuria” (“absolutes Recht, absolute Unrecht”).
6.Differenziertheit
Die bestehenden Besonderheiten und Unterschiede zwischen Menschen, Nationen und Phänomenen müssen berücksichtigt werden, da sonst eine Bewertung auf der Grundlage von Vereinfachung und Verallgemeinerung nicht nur falsch, sondern auch ungerecht sein kann. In der Regel wird eine unzulässige Verallgemeinerung getroffen, wenn es sich beispielsweise um ethnopsychologische Fragen (Grundverhaltensmuster) handelt. Es ist zum Beispiel nicht richtig, die Ansicht zu vertreten, dass alle Deutschen fleißig und diszipliniert seien. Richtig ist vielmehr die differenzierte Betrachtung, dass eben die meisten Deutschen fleißig und diszipliniert sind. Es wäre auch sehr falsch und ungerecht, die Ansicht zu vertreten, dass alle Griechen faul seien. Es stimmt schon, dass für einen großen Teil der Griechen die Arbeitsliebe schon als Begriff unbekannt ist. Insgesamt widersprechen die allgemein bekannten Klischees über Menschen und Nationen den Regeln der Logik, sie können die Realität nicht widerspiegeln und werden daher auch als ungerecht empfunden.
7. Komparativität
Nur durch den Vergleich mit anderen Menschen kann man besser verstehen, wo man steht, was die Ausbildung, die beruflichen Erfolge usw. angeht. Das Gleiche gilt für die Völker. Vergleicht man beispielsweise den Lebensstandard der Griechen mit dem der anderen Balkanvölker, so stellt man fest, dass die Griechen viel besser leben, auch wenn manche meinen, sie würden “dahinvegetieren”. Wir können aber auch andere Vergleiche anstellen, etwa bei der Produktivität und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Produkten, der Effizienz des öffentlichen Sektors, dem Bildungsniveau, dem Organisationsgrad, der Systematik, der Methodik und der Effizienz. In diesen Bereichen ist Griechenland, verglichen mit den EU-Ländern Zentral- und vor allem Nord-Europas in einem unvorstellbaren Ausmaß im Rückstand. Daher ist es nicht übertrieben zu sagen, dass Griechenland immer noch auf dem Weg nach Europa ist. Normalerweise sollten die Griechen aus eigenem Antrieb die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um das Niveau der fortgeschrittenen europäischen Länder zu erreichen.
8. Historizität
Sie bedeutet im Allgemeinen, dass Phänomene und Meinungen der Vergangenheit in ihrem spezifischen historischen Kontext und nicht anhand von Kriterien der Gegenwart bewertet werden müssen. Im Falle einer einseitigen Betrachtungsweise besteht die Gefahr, dass man nicht zu ihrem eigentlichen Kern vordringen kann und das Wissen über die Vergangenheit falsch auf die Gegenwart anwendet. Wir nennen nur zwei Beispiele. Der materialistische Philosoph Demokrit stammte aus den mittleren demokratischen Schichten, was seine Denkweise maßgeblich beeinflusste, während der Idealist Platon ein Vertreter der Sklavenhalterordnung war und ähnliche Einflüsse auf seine Theorie hatte, wie z. B. seine Ansicht, dass Gerechtigkeit das ist, was im Gesetz steht. Fast zur gleichen Zeit sagte der höchst pragmatische Konfuzius als Vertreter der chinesischen Aristokratie genau das Gleiche. Aus historischer Sicht wichtiger ist die Tatsache, dass eine der Voraussetzungen für intellektuellen Erfolg im antiken Griechenland das Eigeninteresse war. Aus einer korrekten Anwendung der Regel der Historizität auf die heutigen Griechen können wir nicht den Schluss ziehen, dass wir als Nachkommen der intelligenten alten Griechen a priori (von Anfang an) ebenso intelligenter als die anderen Völker seien. Gerade diese Absurdität wird im heutigen Griechenland vor allen in der Schulerziehung oft behauptet.
9. Realismus
Fast jeden Tag stößt der aufmerksame Beobachter auf den Surrealismus, der bereits die Dimension einer hedonistischen Sucht angenommen hat. Der Durchschnitts-Grieche fühlt sich glücklich, wenn er sich selbst betrügt und die harte Realität mit seinen nationalistischen Illusionen verwechselt. Ich habe dies oft auf individueller Ebene erlebt, vor allem, wenn eine der vielen Erscheinungsformen des Surrealismus die maßlose Selbstüberschätzung ist. Das ist die Paranoia par excellence schlechthin. Es liegt auf der Hand, dass der heutige Durchschnittsgrieche seinen pathologischen Surrealismus nicht überwinden kann, denn er ist eines seiner charakteristischen Merkmale. Das Fehlen eines realistischen Geistes ist ein Hinweis auf das Fehlen des Rationalismus, was aber nicht bedeutet, dass in Griechenland nur Surrealisten leben würden. Surrealismus in Verbindung mit einer Neunmalklugheit ist unter Künstlern und Politikern, insbesondere auf des linken Spektrums, weitverbreitet.
10. Entwicklung und Veränderung
Der heutige Durchschnittsgrieche haben die unverständliche Angewohnheit, nur die Errungenschaften der alten Griechen zu berücksichtigen, aber wenn es um die Europäer und insbesondere um die Deutschen geht, erwähnen sie die nicht so zivilisierten alten Deutschen sowie die Verbrechen der Nationalsozialisten. Sie sind weder willens noch in der Lage, die Realität zu erkennen, dass “panta rei” ( “πάντα ρεi”, Heraklit zugeschrieben) bedeutet, dass Völker sich entwickeln, Fortschritte machen, Gewohnheiten und Einstellungen ändern sich und sich an neue internationale Standards anpassen. Der Nationalsozialismus herrschte in Deutschland nur 12 Jahre lang, von 1933 bis 1945, aber die deutsche Geschichte ist länger und vor allem seit dem 18. Jahrhundert mit kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften von internationaler Bedeutung verwoben (u.a. 86 Nobelpreise). Es ist allgemein bekannt, dass die Wissenschaft, nicht nur das einseitige Wissen, zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit im 6. Jahrhundert v. Chr. in Ionien mit der Verwendung des Wortes “Warum” (Διατί”) in Erscheinung trat, wodurch das kritische Denken eingeführt wurde. Dieses “Diati” verlangt logische und überzeugende Antworten ohne ideologische Scheuklappen, wie wir sie täglich in den Massenmedien Medien sehen. Außer in seltenen Fällen sind die Journalisten weder willens noch in der Lage, dieses “Warum” anzuwenden und strukturierte, logische und überzeugende Texte zu schreiben. Die Artikel in den meisten Zeitungen sind durch Oberflächlichkeit, Rechthaberei, Demagogie und billigem Populismus durchdrungen. Es ist auch daran zu zweifeln, ob manche Politiker und Journalisten intellektuell überhaupt in der Lage wären, auf berechtigte Fragen vernünftige, logische und überzeugende Antworten zu geben. Nur qualifizierte Wissenschaftler verfügen über das notwendige methodische Rüstzeug, die Erfahrung, das Wissen und die notwendigen besonderen Voraussetzungen wie Fleiß, Systematik, Organisation, starken Willen, Ausdauer, Geduld und Beharrlichkeit, um vertiefte Untersuchungen objektiv und erfolgreich durchzuführen. Ein seriöser Forscher konzentriert seine Aufmerksamkeit auf die wissenschaftliche Forschung und nicht auf die Kanäle, d.h. er leidet nicht an einem kranken Narzissmus.
11.Prognose
Ausgangspunkt für die Vorhersehbarkeit ist die Kenntnis der aktuellen Situation in ihrer Gesamtheit. Die nationalen und internationalen Dimensionen der bestehenden Probleme werden in ihrer dialektischen Verflechtung berücksichtigt. Ausgehend von den Regeln der Logik werden Schlussfolgerungen über mögliche mittel- und langfristige Entwicklungen gezogen. Wir beobachten kontinuierlich die tatsächliche Entwicklung der Phänomene (soziologische Methode im Sinne von Aristoteles). Diese Herangehensweise an die Probleme unterscheidet sich natürlich von den Prophezeiungen, und Utopien, die bekanntlich vorwiegend den Ultra-Linken sehr verbreitet sind.
4. Unterschied zwischen der Theorie und der Methodologie (Methode)
Zwischen der Theorie und der Methode besteht zwar ein inneres Wechselverhältnis, es erweist sich jedoch im Interesse einer weitergehenden begrifflichen Klarheit als erforderlich, auf die zwischen ihnen vorhandenen Unterschiede hinzuweisen. Dabei hat man sich auf die wissenschaftstheoretischen Erkenntnisse zu stützen. Es geht vorwiegend um die folgenden Unterschiede:
a) Die Theorie beschreibt jeweils einen bestimmten Bereich der objektiven Realität. Die Methode hingegen beschreibt die Mittel und die Vorgehensweise, wie hierüber entsprechende Erkenntnisse erzielt werden können. Epistemologisch (erkenntnistheoretisch) formuliert, widerspiegelt die Methode das Verhältnis zwischen dem Objekt des Erkennens und dem erkennenden Subjekt.
b) Bei der Theorie handelt es sich “um ein System von Aussagesätzen”. Die Methode hingegen stellt “ein System von Regeln ” dar (Philosophisches Wörterbuch).
c) Die Theorie hat Aussagecharakter und besitzt eine beschreibende Funktion, während die Methode einen Aufforderungscharakter aufweist. Es könnte grundsätzlich eine gewisse Abhängigkeit der Methode von der Theorie bejaht werden: Ist die Theorie entwickelt, dann liegen Voraussetzungen für eine ebenso entwickelte Methode vor. Genauso war es bei den Auffassungen der Philosophen im Antiken Hellas. Eine wissenschaftliche Methode wiederum vermag, die Theorie ebenso positiv zu beeinflussen.
5. Verhältnis von Theorie, Philosophie und Methodologie
Zwischen der Theorie, der Philosophie und der Methodologie als die wichtigsten Bestandteile der Wissenschaft gibt es inhaltliche Zusammenhänge und Wechselbeziehungen. Diese Feststellung scheint allerdings nicht ausreichend zu sein. Vielmehr sind weitergehende Überlegungen erforderlich. Es wäre z.B. durchaus logisch, von einer Theorie der Philosophie zu sprechen. In diesem Fall würde es in erster Linie um das “Was” der Philosophie” gehen. Im Mittelpunkt der Überlegungen müsste demnach die Fragestellung stehen, was die Philosophie überhaupt ist. Gleiches würde auch für das Verhältnis von Philosophie und Methodologie gelten. Konkret würde es sich um das “Wie” der Philosophie, d.h., um Wege und Verfahren zur Erzielung philosophischer Erkenntnisse, handeln. Es wäre genauso möglich, von einer Philosophie der Theorie zu sprechen. Hier ging es um das “Warum” der Theorie. Bei der Philosophie der Methodologie würde z.B. das “Warum” der Methodologie im Zentrum der Überlegungen stehen. Derartige Gedanken sind, in der Anwendung für die Völkerrechtstheorie , die Völkerrechtsphilosophie und die Völkerrehtsmethodologie von grooßer Bedeutung sein. Das würde wie folgt aussehen: Philosophie und Methodologie der Völkerrechtstheorie, Theorie und Methodologie der Völkerrechtsphilosophie, Theorie und Philosophie der Völkerrechtsmethodologie. Es sei betont, dass es sich hier um Ergebnisse jahrelanger Grundlagenforschung handelt. Es ist nicht Aufgabe des vorliegenden Beitrages, die allgemein bekannten Methoden und Regeln der wissenschaftlichen Betrachtungsweise wie z.B.die soziologische, die erkenntnistheoretische (Deduktion, Induktion), etc. zu wiederholen, sondern darüber hinauszugehen und Methoden und Regeln zu erarbeiten, die den Erfordernissen des gegenwärtigen Lebens eher entsprechen.
Folgend soll die Anwendung der oben gewonnenen Erkenntnisse auf das Völkerrecht als eine internationale Rechtsordnung sowie auf die Völkerrechtswissenschaft erwähnt werden (veröffentlicht in vielen entsprechenden Publikationen, siehe LIteratur-Quellen). 1. Völkerrechtstheorie
a) Die Völkerrechtstheorie ist ein Bestandteil der Völkerrechtswissenschaft sowie ein Wissenschaftsgebiet in statu nascendi. Sie stützt sich größtenteils auf philosophische und teilweise auch auf rechtstheoretische Grundkenntnisse. Sie hat allgemeinen Charakter (Allgemeine Völkerrechtstheorie).
b) Die Völkerrechtstheorie stellt eine systematisch-logisch geordnete Menge von Aussagen bzw. Erkenntnissen über die gesamte Völkerrechtsordnung sowie über das Verhältnis der Bestandteile der Völkerrechtswissenschaft untereinander dar.
c) Zu den Gegenständen der Völkerrechtstheorie gehören vor allem das Wesen des Völkerrechts als Recht, das System und die Struktur des Völkerrechts und der Völkerrechtswissenschaft, die Funktionen des Völkerrechts, die Prinzipien und Normen, das Völkergewohnheitsrecht, die „Allgemeinen Rechtsgrundsätze“, die Normenhierarchie, die Normenbildung und Normendurchsetzung, die Zweige und die Institute des Völkerrechts.
d) Hauptfunktionen des Völkerrechts: a). Ordnungsfunktion: Sie besteht in erster Linie darin, das Verhalten der Staaten so zu steuern, dass das friedliche Zusammenleben der Völker gesichert wird. Hierdurch wird in den internationalen Beziehungen völlige Anarchie verhindert. Die Ordnungsfunktion liegt im Interesse aller Staaten. b). Friedensfunktion: Gewährleistung der internationalen Sicherheit und des Weltfriedens als wichtige Voraussetzung für die Lösung vor allem der globalen Probleme der Menschheit sowie für das Wohlergehen aller Völker. c). Kooperationsfunktion: Förderung der Zusammenarbeit der Staaten auf allen relevanten Gebieten der internationalen Beziehungen durch entsprechende internationale Rechtsinstrumente. d) Stabilisierungsfunktion: Sie wird realisiert hauptsächlich durch die Schaffung stabiler internationaler Vertragsbeziehungen, vorausgesetzt, dass die Verträge auch tatsächlich erfüllt werden (Pacta sunt servanda). e) Anpassungs- und Umgestaltungsfunktion: Zwischen ihr und der oben erwähnten Stabilisierungsfunktion besteht ein dialektisches Wechselverhältnis. f) Sicherungs- und Konfliktregulierungsfunktion: Es geht um die Sicherung der Prinzipien und Normen der gesamten Völkerrechtsordnung durch die dafür geeigneten Organe, Methoden und Maßnahmen. Hierdurch wird ein höheres Maß an Rechtssicherheit in den internationalen zwischenstaatlichen Beziehungen erreicht. g). Gerechtigkeits- und Entwicklungsfunktion: Gewährleisten, dass ein Mindestmaß an Gerechtigkeit in den internationalen Beziehungen herrscht, was in einigen Konventionen (z. B. Staatennachfolge in Verträge, Seerechtskonvention) durch die sachbezogene bevorzugte und präferenzielle Behandlung von Entwicklungsländern sowie durch die Anwendung des Grundsatzes der Nichtgegenseitigkeit beachtet worden ist. h) Legitimitätsfunktion: Es geht vorwiegend darum, dass Handlungen militärischen Charakters durch den UN-Sicherheitsrat gemäß Kapitel VII der UN-Charta legitimiert sein müssen. j) Sanktionsfunktion: Das Völkerrecht verfügt über viele, deren Anwendungen von dem konkreten Kräfteverhältnis abhängt. Es ist z. B. gegenwärtig nicht möglich, die USA für ihr völkerrechtswidriges Vorgehen gegen andere Staaten zur Verantwortung zu ziehen. i) Schutzfunktion: Schutz hauptsächlich der kleinen und schwachen Staaten sowie der Menschenrechte. Die Völkerrechtstheorie besitzt empirische Durchdringungs-, analytische Ordnung-, Erklärungsnormative und prognostische Funktion.
2. Völkerrechtsphilosophie
a) Die Völkerrechtsphilosophie versteht sich als die Wissenschaft von der Anwendung philosophischer bzw. rechtsphilosophischer Erkenntnisse auf völkerrechtlich bedeutsame Materien in den internationalen Beziehungen.
b) Die Völkerrechtsphilosophie kann nicht isoliert von den anderen Säulen der Völkerrechtswissenschaft, vor allem von der Völkerrechtstheorie und der Völkerrechtssoziologie betrieben werden: Es darf zu keiner Verwechslung von Idealität und Realität, von Moralität und Normativität, von Rechtsvorstellungen und Rechtsnormen kommen.
c) Die Völkerrechtsphilosophie setzt sich aus den folgenden Bestandteilen zusammen: Theorie, Methodologie, Geschichte.
d) Die Theorie der Völkerrechtsphilosophie untersucht in erster Linie Wesen und Bedeutung der Völkerrechtsphilosophie, das Verhältnis der Völkerrechtsphilosophie zu den anderen Bestandteilen der Völkerrechtswissenschaft und durchdringt theoretisch alle Gegenstände der Völkerrechtsphilosophie selbst.
e) Zum Gegenstand der Völkerrechtsphilosophie gehören vor allem: Werte, Gerechtigkeit und Billigkeit, Gleichheit/Ungleichheit, Commune bonum humanitatis, Solidarität/Hilfeleistung, Moral, Moralnormen, Verantwortung, Pflicht, Interessen der gesamten Menschheit, Rechtsbewusstsein, Rechtsgefühl, System/Struktur.
f) Zu den Hauptkategorien der Völkerrechtsphilosophie gehören insbesondere die Werte (Gerechtigkeit und Billigkeit, Gleichheit, Commune bonum humanitatis, Interessen der gesamten Menschheit, Solidarität/Hilfeleistung) und die Moralnormen.
g) Die in Resolutionen der UN-Generalversammlung enthaltenen konkreten Moralnormen sind Ausdruck eines consensus opinionis moralis. Die allgemeinen Moralprinzipien (commune bonum humanitatis, Gerechtigkeit, Verantwortung, Pflicht) bringen einen consensus opinionis moralis generalis zum Ausdruck.
h) Während die Rechtsnormen moralische Elemente enthalten, weist nicht jede Moralnorm rechtliche Aspekte auf. Moralnormen können im Rahmen des Normenbildungsprozesses Ausgangspunkt für juristische Regelungen werden. Unter Umständen können konkrete Moralnormen in Rechtsnormen umgewandelt werden.Die Moralnormen stellen Verhaltensaufforderungen dar. Deswegen sind sie von den Staaten zu respektieren.
i) Aus der obligatio moralis ergibt sich die moralische Verantwortung. Bezüglich der Verpflichtungen aus den Moralnormen gilt nicht das Prinzip pacta sunt servanda, sondern vielmehr der allgemeine Grundsatz bona fides. Die Verletzung von Moralnormen zieht moralisch ausgerichtete Reaktivmaßnahmen (Sanktionen) nach sich.
3. Völkerrechtsmethodologie
Die Völkerrechtsmethodologie als internationale Rechtsordnung stellt die Lehre über völkerrechtliche Methoden dar, um völkerrechtsspezifische Erkenntnisse zu erlangen sowie Problemlösungen zu erzielen. Zu diesen Methoden gehören vorrangig die Deskriptivität, die Normativität, der Geneseprozess (historische Methode), die Funktionalität, die Analyse, die Systemhaftigkeit, die Strukturalität, die Differenziertheit, die Komparativität, die empirische Methode, die Stabilität, die Veränderung und die Prognose. Überdies bestehen spezielle Methoden für Völkerrechtszweige sowie für Probleme mit Querschnittcharakter (z. B. Interpretationsmethoden).
4. Methodologie der Völkerrechtswissenschaft
Die Methodologie der Völkerrechtswissenschaft besteht vorwiegend aus der Methodologie der Völkerrechtstheorie, der Völkerrechtsphilosophie und der Völkerrechtssoziologie. Folgend erfolgt eine Beschränkung auf die Methodologie der Völkerrechtsphilosophie. Die Methodologie der Völkerrechtsphilosophie als Bestandteil der Völkerrechtswissenschaft sowie als Wissenschaftsgebiet in statu naschend ist die Lehre über Methoden, um völkerrechtsphilosophische Erkenntnisse zu erzielen. Sie besitzt eine Reihe von Methoden wie z. B. die Objektivität, die Komplexität, die Globalität, die Differenziertheit, die Systemhaftigkeit, die Analyse-Synthese, die Historizität, die Normativität, die Funktionalität, die Komparativität und die Prognose. Sie beziehen sich auf die Gegenstände der Völkerrechtsphilosophie, d. h., sie weisen einen spezifischen Inhalt auf.
veröffentlicht oft von 2013-bis 2018 in der griechischen Zeitung Καθημερινή (Kathimerini) in Auseinandersetzung mit dem griechischen Theologen und Philosophen Christos Giannaras
aus meinem Buch Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S. 50 sowie aus mehreren wissenschaftlichen Büchern und Abhandlungen (siehe im Literaturvezeichnis
Literatur-Quellen
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-Θ. Μητσόπουλος, Ιστορία και ανθολογία της αρχαίας ελληνικής σκέψης, τόμος Β, Αθήνα 1984
-Lexikon unregelmäßiger Verben der Altgriechischen Sprache, (1958, in Griechisch) -Lexikon der philosophischen Begriffe, hrsg. von A. Ulfig, Köln 1977
-E. Frauwallner, Geschichte der indischen Philosophie,2 Bände, Salzburg 1953, 1956 -Thiel, Stichwort “Theorie”in: Enzyclopädie, Philosophie und Wissenschaftstheorie, hrsg. von J. Mittelstraß, Band, Stuttgart-Weimar 1982, S. 260
-Philosophisches Wörterbuch hrsg. von G.Klaus/ M.Buhr, Band 2, Berlin 1976, S.120 -G. Gurst G., Große Materailisten, Leipzig 1965
-A. Grabner-Haiders (Hrsg.), Philosophie der Weltkulturen, Wiesbaden 2006 -Konfuzius, Der gute Weg, Worte des großen chinesischen Weisheitslehrers, zusammengestellt von W. Felitz, Köln 2005
-Laudse, Daudedsching, Leipzig 1973
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-K. Popper, Logik der Forschung, Tübingen 1981
-K. Popper, Die Welt des Parmenides. Der Ursprung des europäischen Denkens, München et alt. 1998
-Veränderung und Entwicklung, Studien zur vormarxistischen Dialektik, hrsg. von von G. Stieler, Berlin 1974
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-P.Terz, Die Völkerrechtssoziologie, Versuch einer Grundlegung in den Hauptzügen, Defensio scientiae iuris inter gentes, in: Papel Politico, Pontificia Universidad Javeriana, 1/2006/11, pp. 250- 303
-P.Terz, Die Völkerrechtsphilosophie, Versuch einer Grundlegung in den Hauptzügen, Pro scientia ethica iuris inter gentes, in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, 2/2000/86, S. 168- 184
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Maßhalten, Mesotes-Prinzip, Aurea mediocritas

Maßhalten, Mesotes-Prinzip, Aurea mediocritas
Einleitende Bemerkung
Das Verständnis und die Interpretation antiker Zitate und philosophischer Texte im Allgemeinen setzen historische, philosophische und methodische Kenntnisse voraus, andernfalls besteht die Gefahr von Fehlinterpretationen und bedeutungslosem oberflächlichem Wissen auf der Ebene des Nachplapperns. Überdies stellt sich die Frage, ob eine Anwendung der Zitate auf die Probleme der heutigen Zeit möglich ist.
1. Methodische Aspekte
α) Wir stellen fest, dass die altgriechischen Zitate als das verdichtete Welt- und Menschenbild der sieben Weisen Βίας ο Πριηνεύς Πιττακός ο Μυτιληναίος Σόλων ο Αθηναίος Χίλων ο Λακεδαιμόνιος Κλεόβουλος ο Ρόδιος (Thales von Milet, Pittakos von Mytilene, Bias von Priene, Solon von Athen, Kleobulos von Lindos, Myson von Chenai, Chilon von Sparta) später die philosophischen Konzepte der meisten bekannten Philosophen der Antike in dem Sinne beeinflusst haben, dass sie Prämisse entscheidender philosophischer Theorien waren. b) Es ist außerdem zu konstatieren, dass ein Gedanke von verschiedenen Weisen auch auf unterschiedliche Weise formuliert worden ist. Daher ist es notwendig, die vergleichende Methode anzuwenden, um gemeinsame Merkmale zu finden. c) Es sei daran erinnert, dass die kulturell unterlegenen römischen Eroberer unter anderem fast alle Zitate übernommen und ins Lateinische übersetzt haben, wobei sie wegen ihrer praktischen Denkart versuchten, den wesentlichen Inhalt wiederzugeben. d) Mitunter wurde der Wortlaut der Zitate in irgendeiner Weise verändert oder einem bestimmten Philosophen zugeschrieben, wobei die grundlegende Bedeutung anderer Zitate oder seines gesamten Werks berücksichtigt wurde. Im zweiten Fall ist dies mit der bekannten Maxime “πάντα ρει” (“panta rhei” (oder “ta panta rhei”: “alles fließt”) geschehen, die Heraklit zugeschrieben wird. Ähnlich verhält es sich mit der Maxime “μέτρον άριστον” (metron ariston” oder “pan metron ariston”: “edel ist das Maßhalten”), die in verschiedenen Formen formuliert worden ist. e) Im Übrigen haben wir festgestellt, dass in diesem speziellen Fall Zitate und termini scientifici (wissenschaftliche Begriffe) letztlich fast denselben punctum quaestionis haben. Dies gilt zum Beispiel für “metron ariston”, “μηδέν άγαν” (meden agan”:nichts übertreiben) und die “aurea mediocritas” (“goldene Mitte”).
2. Quellen und Formulierungsformen der Maximen “Metron Ariston”, “Meden agan” und “aurea mediocritas”
Vor allem vor Platon (Πλάτων: “Der mit den breiten Schultern) und Aristoteles (Αριστοτέλης: “Edler Zweck”) aber auch nach ihnen, haben sich viele Philosophen, aber auch andere Vertreter des griechischen Geistes zu diesem Thema geäußert. Die wichtigsten Maximen werden im Folgenden genannt: «μέτρον επί πάσιν άριστον» Πυθαγόρας (Pythagoras:”edel ist das Maßhalten in allen Dingen” (Χρ. Επη, 38);«Το μέτριον άριστον και το μέσον»: “das Gemäßigte ist edel sowie die Mitte) Αριστοτέλη (Πολιτικά, 1295b); »μέτρο χρώ» (das Maßhalten ist notwendig”) Πιττακού (Ανθ. Στοβ. Γ, 79δ); «μέτρον άριστον»(“das Maßhalten ist edel”), von ihm stammt der Spruch) Κλεοβούλου (“um den Ruhm des Willens) (Διογ. Λαέρτ. Βίοι Φιλ. Ι, 93); «Mέτρα φυλάσσεσθαι» (das Maßhalten immer beachten”) Ησιόδου (Εργα και Ημέραι (Werke und Tage. 694); «πάντων μέτρον άριστον, υπερβασία δ`αλγειναί»: “in allen Dingen Maßhalten, die Übertreibung wird schmerzhaft” (Φωκυλίδη (Γνώμαι, 36); « έντεχνον δέ τό τήν μέσην εν άπασει τέμνειν«: (“es ist gescheit, bei allen Dingen die Mitte zu beachten”) Πλουτάρχου(Herrschaft des Reichtums), (Ηθικά, 7β); «πάντων μεσ άριστα» (aller Dinge ist die Mitte edel”) Θέογνι (Ελεγ. 335, West); «Εί τις υπερβάλλει το μέτριον τεπιτερπέστατα ατερπέστατα αν γίνοιτο» («Wenn man übertreibt, verwandeln sich die angenehmsten Dinge in unangenehmeste”Δημοκρίτου, Demokrit (“Urteil des Volkes”), (Ανθ. Στοβ. ΙΖ, 39); «Τα δe υπερβάλλοντα ουδένα καιρόν δύναται θνητοίς» (“die Übertreibungen können die Menschen nicht glücklich machen” Ευριπίδη, Euripides (Μήδεια, 127-128); «Παιδός, ου ανδρός το αμέτρως επιθυμείν”, Δημοκρίτου (“Es ist das Kennzeichen eines Kindes und nicht eines Mannes, Begierden ohne Mäßigung zu haben”) Demokrit (Απόσπ. 70, Diels); »Ουδ υγιείης της περί σώμ αμέλειαν έχειν χρή, αλλά ποτού τε μέτρον καί σίτου γυμνασίων τε ποιείσθαι, μέτρον δέ λέγω τόδ ό μή σ ανιήσει» (“Du sollst die Gesundheit des Körpers nicht vernachlässigen, sondern maßvoll trinken, essen und dich körperlich betätigen, ich meine maßvoll, das, was dich nicht bedrückt”Πυθαγόρα, Pythagoras (Χρυσά Επη, 32-34): »Σιτία ποτά, ύπνοι, αφροδίσια, πάντα μέτρια» (“Essen, Trinken, Schlaf, fleischliche Liebe, alles in Maßen» Ιπποκράτη (Pferdebändiger), (Ανθ. Stov. PA,22); «Μηδέν άγαν « («Nichts übertreiben” Χίλωνα (Chilon), (Διογ. Λαέρτ. Φιλ. Ι, 41). Aus diesen Beispielen kann die Schlussfolgerung abgeleitet werden, dass der Gedanke des Maßhaltens bei den altgriechischen Philosophen omnipräsent und omnipotent war. Manche Historiker meinen, das würde mit dem betont ausgeglichenen Klima der Ägäis zusammenhängen. Platon war der Erste, der etwas angehobener die Mäßigung (Besonnenheit, Maßhalten) zu der arete (αρετή,Tugend) der σωφροσύνη (sophrosyne, Vernunft) erhoben und damit zum Gegenstand des theoretischen Denkens gemacht hat. Platon hält σωφροσύνη in enger Verbindung mit Besonnenheit, Mäßigung und Maßhalten für unabdingbare Tugenden der Regierenden und der Regierten in einem Staat (Πολιτεία).
3. Das Mesotes – Prinzip des Aristoteles
Platons ehemaliger Schüler Aristoteles war jedoch der erste Philosoph, dem es gelang, eine ausgereifte Theorie der Mäßigung zu entwickeln, die in der Weltphilosophie als der kanon der μεσότητος (Mesotes-Prinzip), ein terminus scientificus, bekannt ist. Im Vergleich zu allen anderen griechischen Philosophen der Antike befasste er sich ausführlich mit dem Problem des Maßes und des Übermaßes und widmete ihm fast das gesamte Kapitel B (insbesondere 1106a bis 1108b) in seinem großen Werk “Nikomachische Ethik” sowie teilweise auch im Werk “Politika” (Politik). Im Mittelpunkt seiner Theorie steht eine Tugend, die sich auf zwei gegensätzliche Laster konzentriert, nämlich aus dem das Übermaß und dem Mangel, und zwischen ihnen in gleichem Abstand als die richtige Mitte liegt: “Die Tugend ist also ein Usus, der vom Individuum frei gewählt wird und in der Mitte liegt [aber in der Mitte heißt “in Bezug auf uns”); diese Mitte wird von der Vernunft bestimmt – genauer gesagt, von der Vernunft, wie ich glaube, vom Weisen bestimmt. Sie ist ein Mittelweg zwischen zwei Übeln, dass die einen auf der Seite des Überschusses und die anderen auf der Seite des Mangels stehen, und ferner in dem Sinne, dass einige Laster Mangel und andere wiederum Überschuss sind im Verhältnis zu dem, was angemessen ist, sei es in den Leidenschaften oder in den Handlungen, während die Tugend sowohl das Mittel findet als auch wählt. Unter dem Gesichtspunkt ihres Wesens und soweit wir an der Definition ihrer Natur interessiert sind, ist die Tugend also ein Mittel, aber unter dem Gesichtspunkt dessen, was richtig und ausgezeichnet ist, ist sie natürlich etwas auf der höchsten Stufe.” “Jedenfalls gilt diese Theorie der Mitte nicht für jede Handlung und jede Leidenschaft; es gibt in der Tat Leidenschaften, bei denen schon das Wort, das sie bezeichnet, an etwas Negatives und Niedriges denken lässt, z. B. Unmut, Schamlosigkeit, Neid, und im Falle von Handlungen: Ehebruch, Diebstahl, Mord; denn all dies – und alle anderen Dinge – werden mit der Gewissheit gesagt, dass sie selbst negativ und niederträchtig sind, und nicht das Übermaß oder der Mangel an ihnen. Es gibt daher keine Möglichkeit, in Verbindung mit ihnen jemals das Richtige zu tun; sie sind immer falsch. Es ist auch nicht möglich, sich nach ihnen richtig oder falsch zu verhalten, indem man Ehebruch mit der Frau begeht, mit der man ihn begehen sollte, zu der Zeit, zu der man ihn begehen sollte, und auf die Art und Weise, wie man ihn begehen sollte; und nur eines dieser Dinge zu tun, ist falsch. Ähnlich ist es also, wenn man erwartet, dass es in Ungerechtigkeit, Feigheit und Ausschweifung Mitte, Verschwendung und Mangel gibt, denn dann gibt es Mittelmäßigkeit in Verschwendung und Mangel, Verschwendung in Verschwendung, Mangel in Mangel.” (Original Αltgriechisch: “λόγῳ καὶ ᾧ ἂν ὁ φρόνιμος ὁρίσειεν. μεσότης δὲ δύο κακιῶν, τῆς μὲν καθ᾽ ὑπερβολὴν τῆς δὲ κατ᾽ ἔλλειψιν· καὶ ἔτι τῷ τὰς μὲν ἐλλείπειν τὰς δ᾽ ὑπερβάλλειν τοῦ δέοντος ἔν τε τοῖς πάθεσι καὶ ἐν ταῖς πράξεσι, τὴν δ᾽ ἀρετὴν τὸ μέσον καὶ εὑρίσκειν καὶ αἱρεῖσθαι. διὸ κατὰ μὲν τὴν οὐσίαν καὶ τὸν λόγον τὸν τὸ τί ἦν εἶναι λέγοντα μεσότης ἐστὶν ἡ ἀρετή, κατὰ δὲ τὸ ἄριστον καὶ τὸ εὖ ἀκρότης. οὐ πᾶσα δ᾽ ἐπιδέχεται πρᾶξις οὐδὲ πᾶν πάθος τὴν μεσότητα· ἔνια γὰρ εὐθὺς ὠνόμασται συνειλημμένα μετὰ τῆς φαυλότητος, οἷον ἐπιχαιρεκακία ἀναισχυντία φθόνος, καὶ ἐπὶ τῶν πράξεων μοιχεία κλοπὴ ἀνδροφονία· πάντα γὰρ ταῦτα καὶ τὰ τοιαῦτα λέγεται τῷ αὐτὰ φαῦλα εἶναι, ἀλλ᾽ οὐχ αἱ ὑπερβολαὶ αὐτῶν οὐδ᾽ αἱ ἐλλείψεις. οὐκ ἔστιν οὖν οὐδέποτε περὶ αὐτὰ κατορθοῦν, ἀλλ᾽ ἀεὶ ἁμαρτάνειν· οὐδ᾽ ἔστι τὸ εὖ ἢ μὴ εὖ περὶ τὰ τοιαῦτα ἐν τῷ ἣν δεῖ καὶ ὅτε καὶ ὡς μοιχεύειν, ἀλλ᾽ ἁπλῶς τὸ ποιεῖν ὁτιοῦν τούτων ἁμαρτάνειν ἐστίν. ὅμοιον οὖν τὸ ἀξιοῦν καὶ περὶ τὸ ἀδικεῖν καὶ δειλαίνειν καὶ ἀκολασταίνειν εἶναι μεσότητα καὶ ὑπερβολὴν καὶ ἔλλειψιν· ἔσται γὰρ οὕτω γε ὑπερβολῆς καὶ ἐλλείψεως μεσότης καὶ ὑπερβολῆς ὑπερβολὴ καὶ ἔλλειψις ἐλλείψεως. ὥσπερ δὲ σωφροσύνης καὶ ἀνδρείας οὐκ ἔστιν ὑπερβολὴ καὶ ἔλλειψις διὰ τὸ τὸ μέσον εἶναί πως ἄκρον, οὕτως οὐδ᾽ ἐκείνων μεσότης οὐδ᾽ ὑπερβολὴ καὶ ἔλλειψις, ἀλλ᾽ ὡς ἂν πράττηται ἁμαρτάνεται· ὅλως γὰρ οὔθ᾽ ὑπερβολῆς καὶ ἐλλείψεως μεσότης ἔστιν, οὔτε μεσότητος ὑπερβολὴ καὶ ἔλλειψις”).
Hierin kommt auch der Gedanke des Ausgleichs zum Ausdruck, der auch bei der Bestimmung der drei Gewalten im Polisstaat eine wichtige Rolle spielt. Ferner: “Οτι δεί το μέσον αιρείσθαι και μή την υπερβολήν μηδέ τήν έλλειψιν, τό δέ μέσον εστίν ώς ό λόγος ό ορθός λέγει» Αριστοτέλη (Ηθ. Νικομ. 1138b, 18-20). Hierdurch stellt Aristoteles eine inhaltliche Verknüpfung zwischen dem Mesotes-Prinzip und der Logik dar, zumal er als Begründer auch der Logik als Wissenschaft gilt. Zusammenfassung: Die Tugend, wie auch die eudaimonia, besteht nach Aristoteles in der “Mitte zwischen zwei Extremen”, zwischen einer Übertreibung und einem Mangel. Die Bescheidenheit zum Beispiel ist ein Mittelmaß zwischen der Arroganz, die ein Zustand der Übertreibung ist und der Kleinlichkeit, die einen Mangel darstellt. Auch der Mut ist ein Mittelmaß zwischen der Kühnheit und der Feigheit, die Freundlichkeit zwischen der Schmeichelei und der Feindseligkeit etc. Im Allgemeinen ist es nicht bekannt, dass Aristoteles das Mesotes-Prinzip auch auf die Politik anwendet. In seinem Buch Politik (Πολιτικά) unterscheidet er zwischen den beiden Übeln, nämlich der Oligarchie und der Tyrannei, und stellt die Demokratie in die Mitte der beiden Extreme, die er lobt, auch wenn sie nicht vollkommen ist. Aristoteles nennt sogar die Schwächen der Demokratie ziemlich ausführlich (Polit. D11.1289a/19), jedoch Platon war ein ausgesprochener Demokratie- und Freiheitsgegner. Aristoteles stellt auch klar, dass die Nichtanwendung des “metron ariston” in der Politik aufgrund von Übertreibungen zu großen Ungerechtigkeiten kommen kann. “Die größten Vergehen werden durch exzessive Begierden und nicht für den Erwerb des Notwendigen begangen” (Politik, 1267a ). Die Stoiker haben eine besondere Variante des “metron ariston ” gepredigt und zwar die αταραξία (Gelassenheit), die allerdings m.E. als eindimensional erscheint. Horaz, der dem Denken Epikurs prinzipiell folgte, spricht von der Mäßigung als der “goldenen Mitte” (aurea mediocritas) und will damit dem richtigen Mittelweg zwischen zu hohem Anspruch und verächtlicher Niedrigkeit (ne quid nimis) folgen.
Schlussfolgerungen
1. Das Adjektiv “ariston” (edles) wird an das Metron angehängt und damit zu einem Prinzip der höchsten Qualitätsstufe erhoben: “metron ariston.
2. Das “μέτρον άριστον ” (“edles Maßhalten”) entspricht vollständig der Logik (“orthos logos”, “ορθός λόγος”).
3. Unkenntnis oder Ablehnung des “metron ariston” in allen Aspekten des menschlichen Lebens führt zu einer vollständigen Metamorphose bis hin zum Gegenteil eines Phänomens.
4. Das “edle Maßhalten” steht im Gegensatz zum Übermaß, das in der Tat ein Hybris bedeutet, die logischerweise die Nemesis nach sich zieht. 5) Das “edle Maßhalten” entspricht den Naturgesetzen und den Regeln der Logik.
5. Anwendung des Wissens auf der Grundlage des “metron ariston”, des “Mesotes-Prinzips”und der “aurea mediocritas” auf die Politik im Allgemeinen und im Besonderen:
α) In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts gelangte es extremen Ideologien, insbesondere der Ultrarechten, faschistischen und rassistischen in Form des italienischen Faschismus und des deutschen Nationalsozialismus sowie der menschenfeindlichen und der extremen Linken in Form des russischen “Kommunismus”-Stalinismus die Herrschaft zu übernehmen und totalitäre Herrschaftssysteme zu errichten, und zwar den italienischen faschistischen Totalitarismus, den deutschen nationalsozialistischen Totalitarismus und den russischen kommunistisch-stalinistischtischen Totalitarismus.  Gegenwärtig konstatieren wir den chinesischen konfuzianisch – kommunistischen Totalitarismus und den persischen orientalisch – islamischen Totalitarismus. Inzwischen entwickelt sich das russische autokratische Herrschaftssystem unter Putin sukzessive zu einer Variante des Totalitarismus.  Dies war und ist eine eklatante Verletzung des “metron ariston” und des Mesotes-Prinzips des Aristoteles.
b) Ablehnung der extremen Parteien in Griechenland, primär der extremen Rechten (Goldene Morgenröte) und der extremen Linken (Kommunistische Partei Griechenlands und der leninistischen, trotzkistischen und maoistischen Komponenten von SYRIZA) ist geboten, da ihre extremen Positionen den Regeln der Logik widersprechen und außerdem eine Gefahr für die Demokratie darstellen. In Deutschland die beiden Parteien AdF und Die Linke als Übel der Politik betrachten und behandeln und sich trotz vorhandener Probleme, sich für die Mitte, d.h. für die liberal – demokratische Grundordnung und konkret für demokratische Parteien entscheiden. Die Herrschaft extremer Ideologien und Parteien führt unweigerlich zu gewaltigen politischen und nationalen Katastrophen (italienischer Faschismus, deutscher Nationalsozialismus und sowjetischer Kommunismus-Stalinismus).
c) Bevorzugung einer Politik, die im Großen und Ganzen mit dem bestehenden System (Demokratie, bürgerlicher Staat, Gewaltenteilung, freie Marktwirtschaft, Bürgerfreiheiten und individuelle Menschenrechte) übereinstimmt. Dies bedeutet nicht, dass die Auswüchse des international zerstörerischen Neoliberalismus übersehen werden dürfen.
d) Die Bürger sollten keine absoluten Forderungen stellen, z.B. absolute soziale Gerechtigkeit, absolute soziale Gleichheit, absolute politische Freiheit, perfekte Menschen und ideale Politiker. Das Absolute ist in Utopien oder in der hohlen und penetranten Rhetorik von Populisten, oder in den Sirenengesängen utopischer Tagträumer und Wolkenreiter angesiedelt. Auch in solchen Fällen ist das “metron ariston” notwendig, manchmal sogar existenziell.
e) Im Allgemeinen sollten die Wähler in einer liberal-demokratischen Grundordnung nicht auf der Grundlage des verhängnisvollen Ultranationalismus und des betrügerischen und hochtoxischen Rechtspopulismus entscheiden.
f) Das Mesotes-Pinzip kann ferner auf hochaktuelle Themen angewandt werden: Ultranationalismus (z.B. in Russland)- Patriotismus- Ethnonihilismus (üblich bei den linken Parteien). Oder sich für das Bremsen des Klimawandels in der Mitte und Desinteresse auf der einen und Gewaltanwendung auf der anderen Seiteeintreten.
g) Der Anwendung des aristotelischen Mesotes-Prinzips sollten sachbezogene Kriterien zugrunde liegen. Geht es z.B. um Soziales, um Politisches, um Ökonomisches oder um internationale Beziehungen, dann sollten die entsprechenden Kriterien erarbeitet werden.
Literatur-Quellen
-A.Picho, Die Geburt der Wissenschaft (Orig. La naissance de la science, Paris 1991), Köln 2000
-Geschichte des wissenschaftlichen Denkens im Altertum, hrsg. von F.Jürss, Akademie der Wissenschaften, Berlin 1982
-Lexikon der Alten Welt, drei Bände, hrsg. von C.Andresen, H.Erbse, O.Gigon et alt., Düsseldorf 2001 (236 Autoren aus dem gesamten deutschen Sprachraum)
-Lexikon der Antike, hrsg. von J. Irmscher, Leipzig 1987 -Χ. Μπαρακλή, Γνωμικά και παροιμίες, Αθήνα 1989 -Griechische Atomisten, Texte und Kommentare zum materialistischen Denken der Antike, Leipzig 1977
-Die Vorsokratiker, Von Thales bis Demokrit, Köln 2016
-Platon, Die Meisterdialoge, Düsseldorf 2005
-Platon, Frühe Dialoge, Frankfurt a./Main 2016
-Αριστοτέλης, Ηθικά Νικομάχεια, Θεσσαλονίκη 2000
-Aristoteles, Nikomachische Ethik, Köln 2009
-Aristoteles, Metaphysik, Köln 2015
-Aristoteles, Die Politik, Düsseldorf 2006
-Seneca, Von der Seelenruhe, Leipzig 1986
-Georges, Kleines Handwörterbuch, Lateinisch-Deutscher Teil, Leipzig 1890,
-O.F. Bollnow, Wesen und Wandel der Tugenden, Frankfurt 1958
-J.Pieper, Das Viergespann: Klugheit, Gerechtigkeit,Tapferkeit, Maß, München 1998
-Th. Vogel, Mäßigung, München 2018
-N. Hartmann, Ethik, Berlin 1949
-F. Kambartel, Gelassenheit, in: J. Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Wissenschaftstheorie Bd. 3, Stuttgart 2008
Der Beitrag wurde von 2014 bis 2018 oft in Καθημερινή (Kathimerini) in Griechisch in Auseinandersetzung mit griechischen “Zitatologen” veröffentlicht.
aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.100

Gesellschaftsvertrag, Antiphon, Epikur, Rousseau

Gesellschaftsvertrag, Antiphon, Epikur, Rousseau
vs. Christos Giannaras
Als orthodoxer Theologe hat der Kolumnist viele intellektuelle und psychologische Probleme mit dem “verdammten Westen” im Allgemeinen und insbesondere mit der europäischen Aufklärung, die international als eine der größten intellektuellen, kulturellen und politischen Errungenschaften der gesamten Menschheitsgeschichte gilt. Ohne sie gäbe es weder die moderne Demokratie, noch den Rechtsstaat, noch den Bürger, noch die weltgeschichtlichen individuellen Menschenrechte und Bürgerfreiheiten, noch die atemberaubenden wissenschaftlichen Errungenschaften auf der Basis des freien Individuums, durch die sich weitere gesellschaftliche Entwicklungen vollziehen. Dass es dabei auch vielfältige Probleme gibt, ist nur natürlich. Die ständige Übertreibung in seinen Artikeln kann jedoch in erster Linie als ein psychologisches Problem sui generis angesehen werden. Es ist bekannt, dass die orthodoxe und die römisch-katholische Kirche wegen ihres Atheismus heftig auf die europäische Aufklärung reagiert haben, aber inzwischen sind viele Jahrzehnte vergangen, und die Neurowissenschaften haben bereits bewiesen, dass der Glaube an eine höhere metaphysische Macht im Allgemeinen, aber nicht an eine bestimmte Religion, dem Menschen angeboren ist. Unverständlich ist jedoch, warum der Autor in fast jedem Artikel den bürgerlichen Begriff des Individuums und der Individualität diffamiert und als Individualismus und Egoismus verdreht. Nun greift er auch den Contrat social (Gesellschaftsvertrag) an, indem er ihn ebenfalls entstellt. Dies ist für mich ein Grund, diese wunderbare intellektuelle und politische Errungenschaft des westlichen Kulturkreises etwas systematischer darzustellen.
Der Gesellschaftsvertrag des Epikur Im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. reiften in Athen die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Beschäftigung mit anthropologischen Fragen, die im Mittelpunkt philosophischer Untersuchungen standen, deren methodische Grundlage das Bild des Menschen, nämlich das einzelne Atomon (Individuum) mit eigener Individualität und Selbstbewusstsein, war. Die Individuen wurden gleichgestellt, und so wurde die Frage aufgeworfen, wie eine überzeugende Erklärung für die Rolle des Individuums im Zusammenhalt der Gesellschaft gegeben werden kann. Hierdurch hat sich die Gesellschaftsvertragstheorie allmählich durchgesetzt. Der Erste, der sich mit diesem neuen Thema beschäftigt hat, war der Sophist Antiphon (Αντιφών): “Und die Regeln des Stadtstaates sind das Ergebnis einer gegenseitigen Vereinbarung, aber nicht vorgegeben. Die Regeln der Natur … sind nicht das Ergebnis gegenseitigen Einverständnisses”. Dieses sophistische Konzept hat seit Demokrit eine weltliche Dimension angenommen: Die Schaffung einer Gesellschaft durch die Übereinkunft von ursprünglich vereinzelten Individuen, so wie das Universum durch die Verschmelzung von Materieteilchen entstanden ist. Epikur übernahm einige der Erkenntnisse der Sophisten, entwickelte sie aber weiter: “Das entsprechende Recht in der Natur ist eine Συνθήκη (Syntheke, Vertrag), die den Nutzen (Συμφέρον, Symferon) betrifft, mit dem Ziel, einander nicht zu schaden und keinen Schaden zu dulden”. Es gibt weitere ähnliche Formulierungen von Epikur.
Im Folgenden wird der Versuch unternommen, seine Theorie zu interpretieren:
1. Die Mythen über Götter und Halbgötter, die angeblich die Gesellschaft und den Staat erschaffen haben, werden damit ad acta gelegt.
2. Die Beziehungen zwischen den Individuen (Ατομα) werden durch ihre Interessen bestimmt. Dieses Grundkonzept des Philosophen ist utilitaristisch, und omnipotent auch heute.
3. Der Vertrag setzt voraus, dass die Partner aus eigenem freiem Willen (Freiwilligkeit) handeln und damit gleichberechtigt sind.
4. Außerdem wird der Grundsatz der Gegenseitigkeit aufgestellt, der auch die gegenseitige Unterlassung betrifft.
5. Überdies wird in der Regel eine individualistische Sichtweise geäußert, denn das Hauptziel ist das Wohl des Einzelnen.
Der Gesellschaftsvertrag bzw. Herrschaftsvertrag der europäischen Philosophen
Die Theorie des Gesellschaftsvertrages von Epikur hat fast alle Philosophen beeinflusst, insbesondere die Staatsphilosophen, die sich in vielen europäischen Ländern mit dem Vertrag entsprechend den Erfordernissen ihrer Zeit (17. und 18. Jahrhundert) befasst haben.
Wir nennen hier nur die wichtigsten Beispiele: die spanischen Covarruvias, Vasquez (Escuela de Salamanca), die Deutschen J. Althusius, C. Wolff (aufgrund des gemeinsamen Zwecks der Vereinbarung tritt der Bürger einen Teil seiner Freiheit ab) und S. Pufendorf (gemeinsame Zwecke des Bürgers und des Staates als Grundlage der Vereinbarung) und die Engländer J. Locke (Ziel der Vereinbarung ist ein sicheres und friedliches Leben in der Gesellschaft und im Staat) und Hobbes (Herrschaftsvertrag, nach dem die Bürger Befugnisse an den Staat abgetreten haben und der Staat die Herrschaft ausübt und zugleich seinerseits verpflichtet ist, sich um das Volk zu kümmern.
All diese Konzepte haben den großen Aufklärer J.J. Rousseau stark beeinflusst, der jedoch den Mittelpunkt seines eigenen “contrat social” (Gesellschaftsvertrag) auf die Grundlage der Vernunft, des Nutzens und der volonté générale (allgemeiner Wille) stellte. Dies bedeutet, dass das allgemeine gesellschaftliche Interesse im Mittelpunkt steht und Vorrang vor individuellen Interessen besitzt. Aber das individuelle Interesse ist ein Teil des allgemeinen gesellschaftlichen Interesses. Ihr Hauptzweck war es, den verschiedenen Individuen eine moralische und politische Einheit zu vermitteln. Insbesondere in Bezug auf das Recht spiegelt sich die Auffassung von J.J. Rousseau in Artikel 6 der berühmten und weltgeschichtlichen Declaration de droits de l Homme et du Citoyen (1789): “La Loi est l expression de la volonté générale”.
Während die sophistische Vertragstheorie von einem individualistischen Menschenbild ausging, beruhte die konfuzianistische “Vertragstheorie” (Konfuzius) auf den charakteristischen Merkmalen der menschlichen Unterordnung und des Gehorsams. Es gab weder das Individuum noch den Bürger. Dies gilt auch heute noch und ist die dominierende Grundlage des konfuzianistischen Kulturkreises in seiner Variante und Weiterentwicklung, dem Konfuzianismus-Kommunismus. Dies ist der Hauptgrund, warum die Chinesen nicht in der Lage waren, eine Theorie des Gesellschaftsvertrages zu entwickeln. Es wurden jedoch Ansichten geäußert, die allenfalls als erste Schritte auf dem Weg zu einer Theorie Herrschaftsvertrages betrachtet werden könnten. Unabhängig von der Art des Vertrags, ob es sich um einen Gesellschafts- oder um einen Herrschaftsvertrag handelte, gab es jedoch im Allgemeinen ein Mindestmaß an Gegenseitigkeit zwischen den Partnern und ein gewisser Zusammenhang von Rechten und Pflichten.

 Literatur – Quellen

-Επίκουρος, Απαντα, Αθήνα 1994

-Χ. Κεχρολόγου, Η Επικούρεια Φιλοσοφία- Ατομο και Κοινωνία, Θεσσαλονίκη 2013

-Θ. Πελεγρίνης, Ηθική Φιλοσοφία, Αθήνα 1997

-Epikur, Briefe, Sprüche, Werkfragmente, Stuttgart 1980

-M. Hosenfelder, Epikur, München 1991

-J.-J. Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Leipzig 1984

-J. Locke, Bürgerliche Gesellschaft und Staatsgewalt, Leipzig 1980

-Th. Hobbes, Leviathan oder Materie, Form und Gewalt eines kirchlichen und  staatlichen Gemeinwesens, Leipzig 1978

-R. Wilhelm, Chinesische Philosophie, Wiesbaden 2007

-Konfuzius, Gespräche in der Morgenstille, Düsseldorf  2008

-Han Fei, Die Kunst der Staatsführung, Die Schriften des chinesischen

Meisters Han Fei, Köln 1994

veröffentlicht in Καθημερινή (Kathimerini), 4.6.2013 in Auseinandersetzung mit dem griechischen Theologen und Philosophen Christos Giannaras

aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.,110.

Gerechtigkeit, Gleichheit

Gerechtigkeit, Gleichheit
1. Gerechtigkeit
Die Gerechtigkeit ist ein komplexes Phänomen. Daher ist nur eine partielle Beschäftigung mit dem Thema möglich. Es stellen sich viele Fragen. Wir erwähnen hier nur die wichtigsten davon: α) Um welche Art von Gerechtigkeit geht es? Ist sie subjektiv oder objektiv? Ist sie wirtschaftlich, sozial, politisch oder rechtlich? b) Wer und nach welchen Kriterien bestimmt den Inhalt der Gerechtigkeit? c) Wer könnte Subjekt oder Objekt der Gerechtigkeit sein? Zur Gerechtigkeit en general Subjektive Gerechtigkeit: Sie ist eine Tugend, eine allgemeine Haltung des Menschen, das heißt, sie ist die Grundtugend, die alle anderen Tugenden beeinflusst und damit den grundlegenden Verhaltenskodex eines Menschen bestimmt, der im Allgemeinen auf der Basis von Tugenden lebt. In diesem Sinne ist Gerechtigkeit ein Grundbegriff der christlichen Theologie und besteht im Gehorsam des gläubigen Christen gegenüber dem Willen Gottes, der das einzige Gesetz seines Willens und Handelns ist. Objektive Gerechtigkeit: Es handelt sich um eine Idee oder einen Grundsatz als Kriterium für die Bewertung von Regeln (Verfassungen, Gesetze und soziale Normen), Handlungen und Taten von normalen Bürgern oder sogar Politikern. Hier stellen sich zwei Fragen: a) Wie ist es möglich, jedem Menschen sein Recht zuzugestehen? Hier stellt sich das Problem der sozialen Gerechtigkeit im Kontext der Gleichheit. b) Wie können wir moralische und rechtliche Verhaltensregeln als gerecht betrachten, auch wenn sie unserem moralischen Willen widersprechen? Verhaltensregeln drücken das Allgemeine aus (vgl. J. Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie, Philosophie und Wissenschaftstheorie, vier Bände, Mannheim, 2004, Bd. 1, S. 745/746). Diese Fragen haben die wichtigsten antiken griechischen Philosophen, insbesondere Aristoteles, beschäftigt.
Wir haben in einer vergleichenden Studie gezeigt, dass im Vorderen Orient, wo die ersten Hochkulturen der Menschheit entstanden, die Gerechtigkeit eine besondere Rolle spielte. In Sumerien (vor 3500 bis 4000 Jahren) z,B., war die Gerechtigkeit das Geschenk eines Gottes (wie im heutigen Christentum) oder eines Königs. Von den vielen ähnlichen Texten werden wir nur diejenigen erwähnen, die auch in der Gegenwart eine gewisse Bedeutung haben. König Lipitischtar rühmt sich selbst als Verfechter der Gerechtigkeit und betont: “Der Starke raubt nicht, der Starke tut dem Schwachen kein Unrecht”. In der Zeit 2220 v. Chr. wurde in Ägypten ein wertvoller Text aufbewahrt, aus dem hervorgeht, dass die Vorstellungen von Gerechtigkeit tatsächlich klassenbezogen sind. Zu dieser Zeit fand die erste soziale Revolution in der Geschichte der Menschheit statt. Der Pharao wurde gestürzt und die Revolutionäre haben die Macht übernommen. Ein Höfling und Hohepriester schrieb unter anderem Folgendes: “Angeblich herrscht in diesem Land Gerechtigkeit. Aber es ist ungerecht, was sie in ihrem Namen tun. Die Reichen sind unglücklich und die Armen freuen sich…”.
Auf jeden Fall ist es interessant zu erwähnen, dass chinesische Philosophen sich intensiv mit sozialer Gerechtigkeit beschäftigt haben. Der Philosoph Mong Dsi aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. formulierte beispielsweise die Ansicht, dass die Gerechtigkeit im richtigen Verhältnis zwischen Rechten und Pflichten liegt (“Gau Dsi”, VI, A, 17). Diese Ansicht ist sehr zeitgemäß und richtig. Es ist unglaublich, aber wahr, dass 2400 Jahre später in der Grundeinstellung der Völker auf dem Balkan Verpflichtungen überhaupt keine Rolle spielen, weil sie kein Rechtsbewusstsein haben, sondern nur einen überentwickeltes “Gerechtigkeitsgefühl” besitzen, das nach eigenem Gutdünken interpretiert wird. Ein anderer chinesischer Philosoph und Vertreter der Mittelschicht, Mo Dsi, vertrat folgende Ansicht: “Humanismus ist Liebe, Gerechtigkeit ist eine gute Tat”. Das erinnert uns ein wenig an Epikur. Der Philosoph Hsün Dse (3. Jh. v. Chr.), der für sein negatives Menschenbild bekannt war, stellte einen Gegensatz her, indem er betonte, dass es einen Widerspruch zwischen Gerechtigkeit und Utilitarismus gibt (“der Wunsch, Eigennutz zu erreichen, unterdrückt die Gerechtigkeit”). Es werden zwei Arten von Interessen unterschieden: a) das individualistische Interesse, das was ungerecht ist, und b) das Interesse des Ganzen, was gerecht ist.
Der Daoismus, eine humanistische Religion und Philosophie, forderte, dass das Individuum und seine Interessen nicht eingeschränkt werden sollten. E bejahte die Gerechtigkeit nur für die Bauern, während die Rechtspositivisten das Gerechtigkeitspostulat mit der Begründung ablehnten, dass Gerechtigkeit in den Gesetzen bereits enthalten sei.
Was die alten griechischen Philosophen betrifft, stellen wir finden wir eine große Abhängigkeit ihrer philosophischen Ansichten von der sozialen Herkunft und der politischen Positionierung fest. Der materialistische Philosoph, Demokrat und Vertreter des Bürgertums, Demokrit (Δημόκριτος) z.Β., hat sich nie mit vager und allgemeiner Gerechtigkeit befasst, sondern sondern hat diese mit dem konkreten Handeln des Einzelnen in seinem eigenen Interesse verbunden. Thrasymachos (Θρασύμαχος)weist in seinem Dialog mit Sokrates auf (Platon, Politeia, I, 343a-3444c) das Folgende hin: Sokrates weiß, dass Gerechtigkeit und Recht und Gerechtigkeit in Wirklichkeit nur dem Stärkeren und dem Stärkeren zugutekommen, aber es ist der Schaden desjenigen, der gehorchen muß. Das heißt, Thrasymachos wollte darauf hinzuweisen, dass der Nutzen des Stärkeren mit der Gerechtigkeit identisch ist. Es ist nur natürlich, dass Demokrits philosophischer Gegner, der der idealistische “Philosophenfürst”und Vertreter der Sklavenhalterordnung Platon auch bei der Frage nach der Gerechtigkeit anders dachte als Demokrit: : “Was jeder Staat für gerecht und gut hält, das ist in der Tat gerecht und gut, solange der Staat es für gerecht und gut hält.” (Politeia, Theatet, 167B, 168B, meine Übersetzung). Es lohnt sich, dies zu interpretieren. α) Der Staat funktioniert im Wesentlichen wie ein orientalischer Despot, der die Gerechtigkeit nach seinem eigenen Geschmack und seinen Interessen durchsetzt und ihre Grenzen bestimmt. b) Zwischen dem Staat und dem Bürger besteht ein Verhältnis der Subordination, was den absoluten Vorrang des Staates vor dem Bürger bedeutet. c) Der Bürger hat weder das Recht noch im Allgemeinen die Möglichkeit, sich an der Gerechtigkeit zu beteiligen. d) Platon beabsichtigte offenkundig, das Sklavensystem aufrechtzuerhalten. e) Es ist keine Übertreibung zu behaupten, dass Platon teilweise totalitär dachte. Vielleicht war dies der Grund, warum die Deutschen Nationalsozialisten haben von allen alten hellenischen Philosophen nur Platon als solchen anerkannt haben.
Sein Schüler Aristoteles war realistischer und kreativer und hat in seinen berühmten Werken seine Werken “Politik”(Πολιτικά) und “Nikomachische Ethik” (“Ηθικά Νικομάχεια”,das gesamte Kapitel 5) eine Gerechtigkeitstheorie erarbeitet: «δίκαιον διορθωτικόν», «δίκαιον συναλλάγμασι διορθωτικόν» και «δίκαιον διανεμητικόν».
Wir werden hier nur die wichtigsten Elemente dieser Theorie erwähnen:
α) Die Forderungen der politisch-sozialen Gruppen oder Schichten an die Gerechtigkeit sind subjektiv und auf sie beschränkt. b) Die Schwachen in einer Gesellschaft fordern Gerechtigkeit, während die Starken sich nicht viel darum scheren. c) Gesetze enthalten im Allgemeinen Gerechtigkeit.
Aristoteles hat die Gerechtigkeit meisterhaft mit der Gleichheit verbunden, nämlich: “Was dem Gleichen gegeben wird, ist gerecht und ist es nicht, wird aber nicht immer dem Gleichen gegeben, und was dem Ungleichen gegeben wird, ist gerecht und ist es nicht, wird aber nicht immer dem Ungleichen gegeben”. (Politik C, 9, 1280a, 10-13 und “das Gesetz ist ein Vertrag und, wie Lykophron der Sophist sagte, ein Garant für alle Gerechten, aber nicht einer, der die Bürger gut und gerecht macht” (ebd. 1280b, 9, 10-13 ). Im altgriechischen Original: “Οίον δοκεί ίσον το δίκαιον είναι, και
έστιν, αλλ’ ου πάσιν αλλά τοις ίσοις  και το άνισον δοκεί δίκαιον είναι, και γαρ έστιν, αλλ’ ου πάσιν αλλά τοις ανίσοις”.(Πολιτικά Γ, 9, 1280α, 10-13  και   “ο νόμος συνθήκη και, καθάπερ έφη Λυκόφρων ο σοφιστής, εγγυητής αλλήλοις των δικαίων, αλλ’ ουχ οίος ποιείν αγαθούς και δικαίους τους πολίτας”(ό.π. 1280β, 9, 10-13 ). Bedeutung: In der Gesellschaft gibt es unterschiedliche Menschen, zum Beispiel reiche und arme, kleine und große Familien. Wenn Gesetze auf sie nach dem Prinzip der rechtlichen Gleichheit angewandt werden, wird das Ergebnis ungerecht sein. Aber Gerechtigkeit erfordert, dass unterschiedliche Gesetze auf unterschiedliche Menschen angewandt werden, damit das Ergebnis gerecht ist. Kurzum, der Staat ist verpflichtet, den Armen und Ohnmächtigen durch besondere Gesetze zu helfen (“gerechtes Mittel”), ein Gedanke, der zweifellos zu den “ewigen Wahrheiten” (“aeternae veritates”) gehört und sogar auf der UNO-Seerechtskonferenz von 1982 eine Rolle derart spielte, dass extra Kapitel für die armen Entwicklungsländer mit Bestimmungen über ihre präferenzielle und bevorzugte Behandlung eingebauten worden sind.
Genau 1700 Jahre später nach Aristoteles entwickelte der Theologe, Philosoph und Kenner des umfangreichen Werks von Aristoteles, Thomas von Aquin (Aquinas), auf der Grundlage der Theorie des Stageirites seine eigene Theorie: “iustitia commutativa”, “iustitia distributiva”, und “iustitia legalis”.Er hat eigentlich die termini des Aristoteles ins Lateinische übersetzt. Die katholische Soziallehre basiert auf diese Gerechtigkeitskonzeption.
Für den Materialisten Epikur war es eine Selbstverständlichkeit, dass das Interesse die Gerechtigkeit bestimmt: “Das Interesse ist Mutter der Gerechtigkeit.” Während die stoischen Philosophen (z.B. Chrysippos, Χρύσιππος) die Gerechtigkeit ausschließlich als einen Begriff der allgemeinen Ethik betrachteten, hat der Leiter der Akademie, Karneades (Καρνεάδης), eine bis heute gültige Auffassung formuliert: “Die Gerechtigkeit verlangt, dass man jedem das gibt, was ihm zusteht”, d.h. das, was ihm entspricht oder was er verdient. Dies wurde in der europäischen Geistesgeschichte als die Meinung des römischen Juristen Ulpianus bekannt: “Iustitia est … suum cuique tribuere”. Im Allgemeinen wurde es jedoch als etwas Abscheuliches bekannt, da es von den deutschen Nationalsozialisten zur Vernichtung der Juden (“Jedem das Seine”) im Konzentrationslager Buchenwald verwendet wurde. Der bereits erwähnte chinesische Philosoph Hsün Dse hat fast dasselbe formuliert wie Chrysippοs, wobei er die Existenz verschiedener sozialer Schichten und Klassen berücksichtigte: “Allen muss gegeben werden, was ihnen zusteht”.
2. Gleichheit
Der Sophist Antiphon (Αντιφών( hat eine ganze Theorie der Gleichheit ausgearbeitet, die Konsequenz der natürlichen Gleichheit wäre dann die (juristische) Gleichheit. Er konkretisiert seine naturalistische bzw. naturrechtliche Argumentation: “Atmen wir alle durch Mund und Nase in die Luft hinaus und essen mit Hilfe der Hände? … (“Αναπνέομεν τε γάρ είς τόν air άπαντες κατά τό στόμα καί κατά τάς ρίνας καί αισθίομεν ερσίν άπαντες”).
Der Sophist Alkidámas ( Αλκιδάμας ) argumentiert in einem Pamphlet sowohl religiös als auch naturalistisch: “Gott hat alle Menschen frei gemacht; die Natur hat niemanden zum Sklaven gemacht” (Scholion an Aristoteles, Rhetorik I 13, 1371b 18). Die Konsequenz der natürlichen Gleichheit wäre dann die (juristische) Gleichheit.
Der Rhetor Isokrates (Ισοκράτης) geht dem Problem auf den Grund: “Während angenommen wurde, dass es zwei Gleichheiten gibt, und die eine das Gleiche an alle und die andere das Entsprechende an jeden knüpft, haben sie die nützlichere Gleichheit nicht außer acht gelassen, sondern jene Gleichheit missbilligt, die lasterhafte Menschen der gleichen Belohnungen und Ehrungen für würdig hält, und jene vorgezogen, die jeden nach seinem Verdienst ehrt und bestraft.”
Schlussfolgerungen α) Die philosophischen Vertreter der oberen Gesellschaftsschichten halten das Gesetz automatisch für gerecht. b) Nach Ansicht der idealistischen Philosophen ist die Gerechtigkeit ein Begriff der allgemeinen Ethik. c) Die Armen und Ohnmächtigen fordern Gerechtigkeit, während die Reichen und Mächtigen sie nicht zulassen. d) Es gibt nirgendwo eine absolute Gerechtigkeit. Sie ist relativ und konkret. e) Die Sozialstaaten helfen den ärmeren Bevölkerungsschichten durch die Schaffung gerechter Lebensbedingungen. Die Anwendung von “horizontalen Maßnahmen” ist gegen die schwächsten sozialen Gruppen in der Gesellschaft und stellen einen Mangel an Gerechtigkeit dar.
Literatur-Quellen
-Platon, Der Staat, Leipzig 1978
-Platons sämtliche Werke in zwei Bänden, Erster Band, Wien MCMXXV
-Αριστοτέλης, Ηθικά Νικομάχεια, Θεσσαλονίκη 2000
-Aristoteles, Nikomachische Ethik, Berlin 1969
-Griechische Atomisten hrsg von F, Jürss etalt., Leipzig 1977
-Fragmente der Vorsokratiker, hrsg. von W.Kranz, Band 2, Berlin 1951
-Lexikon der Antike, hrsg. von J. Irmscher, Berlin etLeipzig 1977
-R.Müller, Menschenbild und Humanismus der Antike, Leipzig 1980
-R. Müller (Hrsg.), Der Mensch als Maß der Dinge, Belin 1976
-R. Wilhelm, Chinesische Philosophie, Wiesbaden 2012
-E. Schwarz, Einführung zu Laudse: Daudedsching, Leipzig 1977
-Geng Wu, Die Staatslehre desHan Fei, Wien, New York 1978
-B. Brentjes, Zum Problem des Humanismus und Menschenbild im Orient, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität, Jena 1972, S. 819ff.
-P.Terz, Menschenbild und Recht in den alten Hochkulturen: Eine universalhistorische und komparative Betrachtung, ISBN: 978-620-0-27129-7, Saarbrücken 2019, 223 S.(Vollständiger Titel: Menschen- und Gesellschaftsbilder sowie Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen in den Schriftdokumenten der alten Hochkulturen, Eine komparative philosophiehistorische Untersuchung)

veröffentlicht von 2014 -20017 in Griechisch in Καθημερινή (Kathimerini) als Auseinandersetzung mit dem griechischen Theologen und Philosophen Christos Giannaras

aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und
Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht,  Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.103 ff.

Interesse (Utilitarismus)

Interesse (Utilitarismus)
Orthodoxe Theologen und vor allem Kleriker der christlichen Orthodoxie (vor allem Russen und Griechen) starten abstrakt moralisierend, scharfe Angriffe gegen den Utilitarismus des Westens und vor allem der Protestanten, um die angebliche moralische “Überlegenheit” der mittelalterlichen byzantinischen Kultur, d. h. des Mystizismus und der Religiosität gegenüber der westlichen Kultur hervorzuheben (siehe in meinen Blog eine Studie über die byzantinische Kultur). Wir haben nicht die Absicht, den Westen und die Protestanten zu verteidigen, sondern uns systematisch und gründlich mit dem in der Tat immerwährenden, interessanten, aber etwas schwierigen Problem des Utilitarismus mit seinen Synonymen Interesse und Vorteil zu befassen. Der verehrte Herr Giannaras gibt uns erneut Anlass, eine zivilisierte und konstruktive Kritik zu üben. Wir werden nachweisen, dass die Inhalte dieser Begriffe tatsächlich aus dem Altgriechischen stammen. Gleichzeitig werden wir zeigen, wie wir den Wissensschatz unserer Vorfahren ohne zur Schau gestellte Anbetung und Ultranationalismus für wissenschaftliche Zwecke nutzen können. Der Westen trank und trinkt weiterhin aus der unerschöpflichen Quelle des antiken griechischen Geistes, während die modernen Griechen es vorziehen, von den Europäern und neuerdings auch von den Amerikanern zu lernen, was die antiken Philosophen gelehrt haben, anstatt ad fontes (zu den Quellen) zu gehen. Dies ist aus nationaler Sicht unwürdig. Und wenn sie die Quellen studieren, dann tun sie dies ausschließlich auf philologische oder linguistische Weise. Das heißt, seit der Zeit des bedeutenden Intellektuellen Korais (Κοραής) haben wir uns mit den antiken Hellenen vermittels des Westens beschäftigt, anstatt sie direkt und systematisch zu studieren und die notwendigen Schlüsse auch für unser heutiges Leben zu ziehen. Aber auch ein anderes, sehr unangenehmes Phänomen ist zu konstatieren, das in der Ignoranz oder, schlimmer noch, in der indirekten Ablehnung des antiken hellenischen Erbes und der Suche nach der Lösung für unsere gegenwärtigen Probleme im Mystizismus und Irrationalismus des byzantinischen Mittelalters liegt.
Die antiken hellenischen Philosophen und das Interesse
Von Anfang an war das Interesse mit dem Atomon (Individuum) verwoben. Der Redner Lysias (Lυσίας( hat dies deutlich gemacht: „Οτι ου περί πολιτείας εισίν αι προς αλλήλους διαφοραί, αλλά περί των ιδία συμφερόντων εκάστω“ (Δήμου καταλ. απολ.10 ):”"Die Meinungsverschiedenheiten unter den Menschen betreffen nicht das politische System, sondern das individuelle Interesse eines jeden”. Aus dieser Konzeption ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass das Wohl des Bürgers die Grundlage der Stadt war. Die Sophisten Antiphon (Αντιφών), Carneades (Καρνεάδης) und Protagoras (Πρωταγόρας) waren konkreter, was den Nutzen für den Einzelnen anging. Doch während Antiphon in erster Linie an das Individuum dachte, richtete Protagoras seine Aufmerksamkeit auf das Interesse der gesamten Gesellschaft. Das ist in der Tat erstaunlich, beeindruckend und auch bewegend für die heutigen Griechen, denn 2300 Jahre später ist genau derselbe Unterschied zwischen J. Bentham und John Mill gemacht worden. Das “allgemeine Interesse” wurde bereits von Demokrit (Δημόκριτος)und Epikur (Επίκουρος) aufgezeigt. Aristoteles (Αριστοτέλης) nannte es “το κοινόν καλόν” (“Das Gemeinwohl”) und Thomas von Aquin (Philosoph und Theologe) hat es übernommen und “commune bonum” genannt. Die sich entwickelnden gesellschaftlichen und politischen Notwendigkeiten haben nach und nach zu einer Verbindung von Interessen- und Vertragstheorie geführt, die für Wissenschaft und Praxis von großer Bedeutung war und ist. In der Mitte des 5. und am Ende des 4. Jh. v. Chr., als sich die Demokratie des Athener Stadtstaates auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung befand, begann eine systematische Beschäftigung mit anthropologischen Fragen und insbesondere mit dem Bild des Menschen. Das Atomon, sein Selbstbewusstsein und die Gleichheit der freien Bürger waren die Voraussetzungen für den Zusammenhalt der Gesellschaft und des Stadtstaates. Es wurde die philosophische und praktische Frage aufgeworfen, wie die dynamischen Beziehungen zwischen den Individuen untereinander sowie zwischen den Individuen und dem Stadtstaat funktionieren. Die Sophisten Antiphon und Protagoras waren die ersten, die die welthistorische Ansicht vertraten, dass die Gesellschaft durch einen Vertrag (Vertrag, Vereinbarung) zwischen den ursprünglich voneinander isolierten Individuen entsteht. Dies war der Ausgangspunkt für die Ausarbeitung einer ganzen Gesellschaftsvertragstheorie durch den ebenfalls anthropozentrisch, d.h. nicht theozentrisch denkenden Epikur. Auch Epikur hatte als Ausgangspunkt seiner Theorie die Vorstellung, dass die Gesellschaft in erster Linie aus miteinander verbundenen Individuen besteht, die durch Vereinbarungen auf der Grundlage gegenseitiger Interessen (Nutzen, Vorteil) und der Vermeidung von Gewalt eine große Einheit, die menschliche Gesellschaft, gebildet haben. Epikur hat die Theorie des Interesses nicht nur auf die Gesellschaft, die Stadt und die Gesetze angewandt, sondern auch auf die Freundschaft angewandt: “Jede Freundschaft wird als interessenorientiert gewählt. Aber das hat seinen Ursprung im Nutzen”); die bildenden Künste (“Gute Kunst ist eine Methode, die das schafft, was für das Leben nützlich ist”) und die wissenschaftliche Arbeit des Forschers (“Mit großer Aufrichtigkeit möchte ich als Forscher allen Menschen vermitteln, was für sie nützlich ist…”). Die Theorie des Interesses ist ein integraler Bestandteil des gesamten wissenschaftlichen Gebäudes von Epikur, das auf der Glückseligkeit und insbesondere auf dem Genuss basiert. Letzteres war für seine Gegner ein Grund, ihn zu verleumden, ohne zu berücksichtigen, was er mit “Eudaimonia” (“Ευδαιμινία”)und “Hedonismus” (“`Ηδονισμός”) meinte: “Es ist nicht möglich, lustvoll zu leben, ohne mit Vernunft, Anstand und Gerechtigkeit zu leben”. Tatsächlich hat Epikur möglicherweise den “geistigen Freuden” den Vorrang vor den materiellen Freuden gegeben.
Französische und englische Philosophen
Ich bitte die Leserinnen und Leser, den folgenden Text sehr aufmerksam zu lesen, denn er enthält den konzeptionellen und methodischen Schlüssel zum besseren Verständnis der theoretischen und wissenschaftlichen Grundlagen wichtiger Aspekte des gegenwärtigen Kulturkreises des Westens. Im 17./18. Jh. haben sich vor allem materialistische Philosophen unter anderen Vorzeichen mit dem Eudämonismus und der Frage des Utilitarismus beschäftigt. Der Franzose Holbach z.B. verwendete das Wort Nützlichkeit im Sinne des Beitrags eines jeden Menschen zum “Glück seiner Mitmenschen”, auch wenn “dies für seine eigene Eudaimonia notwendig ist”. Doch während er den Nutzen für die gesamte Gesellschaft bevorzugte, beschränkte Helvetius ihn auf den Egoismus des Einzelnen. Er hat die Vorstellung formuliert, dass das Interesse (“interet prive”) “das einzige Kriterium für das Handeln des Menschen” sei. Er gehört zu den ersten Philosophen, die das Interesse mit der Moral verbunden haben, indem er schrieb, dass moralische Meinungen Folgen der Wahrnehmungen des Interesses seien. Das Gegenteil von Helvetius hat der berühmte J.J. Rousseau vertreten (“contrat social”: “Gesellschaftsvertrag”): Das Interesse ist Teil der Natur des Menschen, aber es wäre möglich, es durch Erziehung zu einer Triebfeder für moralische Handlungen zu machen (“interet moral”, “amour de l ordre”), was die “volonte general” (allgemeiner Wille) als eine allgemeine psychologische Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft hervorbringen könnte. Während die Franzosen sich vor allem mit den philosophischen und moralischen Aspekten des Interesses befasst haben, hat der Engländer Jeremy Bentham etwas Originelles getan, indem er das Interesse mit der Ökonomie verbunden hat! International bekannt wurde er als Begründer des Hedonistischen Utilitarismus (Hedonistische Nützlichkeit). Nach dem Utilitarismus -Prinzip hängt die moralische Qualität menschlicher Handlungen davon ab, ob sie das Glück aller Individuen maximieren, die in irgendeiner Weise mit ihnen in Verbindung stehen (sehe sein Hauptwerk “An Introduction to the Principles of Morals and Legislation”).
Nach seinem Konzept des “Wohls des Ganzen” hängt dies von den Interessen der Bürger ab. Im Utilitarismus wird das menschliche Handeln theoretisch in dem Sinne interpretiert, dass das Erreichen des Nutzens das treibende Motiv seines Handelns ist. Auch John Mill hat zur Weiterentwicklung des englischen Utilitarismus beigetragen (z.B. in seiner berühmten Abhandlung “Utilitarianism”) und schreibt u.a.: “I would like to reiterate that the opponents of the Utilitarian Principle seldom acknowledge it”: Die Glückseligkeit, die für den utilitaristischen Moralisten das moralische Maß ist, ist nicht die Glückseligkeit des Handelnden selbst, sondern die aller, die gemeinsam handeln.” Ihre wichtigste Botschaft ist folgende: Es gibt keinen Widerspruch zwischen individueller und allgemeiner Glückseligkeit, d.h. das einzelne Individuum denkt natürlich an seine eigenen, aber gleichzeitig an den Nutzen für die ganze Gesellschaft. Gerade dieser entscheidender Aspekt wird seitens der allgemein moralisierenden Theologen und der Kleriker der christlichen Orthodoxie nicht berücksichtigt.
Bentham und Mill haben den englischen Utilitarismus begründet, von dem eine interessante Botschaft ausgeht: „ the greatest happines of the greatest number“ (“das größte Glück der größten Zahl”). Aber gerade durch diese theoretische Positionierung wurde der Liberalismus gerechtfertigt, demzufolge die Vergrößerung des Nutzens eines Einzelnen die Vergrößerung des Nutzens der gesamten Gesellschaft bewirken kann. Insbesondere Benthams Ansicht hat immer wieder zum Credo der verschiedenen Schulen des Realismus geführt. Bentham hätte sich nicht vorstellen können, dass seine Theorie unter völlig anderen Umständen (Globalisierung) zu dem teuflischen Neoliberalismus und den monströsen “Hedgefonds” verzerrt wurde, die die Wirtschaft vor allem der schwachen Länder zerstört haben. Es wäre jedoch falsch und unfair, daraus zu schließen, wie Herr Giannaras es tut, dass der gesamte Westen ausschließlich utilitaristisch denkt und keine moralischen Grundsätze hätte, und dass die orthodoxen Bevölkerungen der armen Länder eine “moralische Überlegenheit” besäßen.
Der vorliegende Text ist eine sehr kurze Zusammenfassung des folgenden Aufsatzes, der dem genialen Epikur gewidmet ist: Panos Terz, Interessentheorie. Eine Studie im Koordinatensystem von Philosophie, Epistemologie und Völkerrechtsphilosophie, In honorem philosophi Graeci, praestabilis Epicuri, in : Papel Politico, Pontificia Universidad Javeriana, Facultad de Sciencias Politicas y Relaciones Internacionales, 1/14/2009, pp. 223-272.
veröffentlicht von 2014 bis 2017 oft in Καθημερινή (Kathimerini) in Auseinandersetzung mit dem griechischen Theologen und Philosophen Christos Giannaras
aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht,

Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN:
978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.107ff.

Werte und Meritokratie

Werte und Meritokratie, Meritokratie, Eine systematische Annäherung an das Thema
Das Konzept der Meritokratie in Verbindung mit Werten weist als komplexes Phänomen vor allem die folgenden Dimensionen auf: sprachliche, philosophische, historische, religiöse, ethnologische und politische.
1. Linguistische (etymologische und semantische Dimension)
Der Begriff der Meritokratie in der griechischen Sprache ist als Produkt der englischen Kultur lediglich eine Übersetzung des englischen Wortes meritocracy, das sich aus dem lateinischen (meritum) und dem griechischen Wort -kratia zusammensetzt (vgl. Handwörterbuch Englisch/ Deutsch, hrsg. von A. Neubert und E. Gröger, Leipzig, 1988, S.492). Meritum (vom Verb merere, mereo) bedeutet Leistung oder auch Verdienst und beschäftigte bereits Cicero. Aus einer Leistung erwächst die Forderung nach Anerkennung und Ehre durch die Gesellschaft (vgl. K. E. Georges, Handwörterbuch, Lateinisch-Deutsch, Leipzig 1890, S. 1574). Die wesentliche Bedeutung der Meritokratie liegt in der Macht der Tüchtigsten im Sinne der verdienstvollsten Menschen und sozialen Gruppen mit der besten Ausbildung und den größten Leistungen für die gesamte Gesellschaft (vgl. Duden, Das große Fremdwörterbuch, Mannheim, Leipzig u.a., S. 85), d.h. das höchste Kriterium für den verdienten Menschen ist seine spezifische Leistung. Normalerweise sollte die Studie an dieser Stelle abgeschlossen werden, aber eine Betrachtung des Verdienstes ist meines Erachtens notwendig, um besser zu verstehen, warum der Begriff der Meritokratie in England geprägt worden ist, während er in den linguistischen Wörterbüchern der neulateinischen (romanischen) Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch), d.h. des europäischen Südens, auch heute noch expressis verbis nicht erwähnt wird.
2.Philosophische Dimension
Wert (value, valeur, valor, valore) ist ein besonderer Aspekt der Beziehung zwischen dem Subjekt (Mensch) in seiner Eigenschaft als soziales Wesen und dem Objekt (Natur, Gesellschaft), in dem die Bedeutung des Objekts für das Leben des Menschen insgesamt und insbesondere für sein materielles und geistiges Leben deutlich wird. Auf diese Weise werden Ideale bzw. Prinzipien und Regeln geschaffen, die für die Grundordnung des menschlichen Verhaltens eine entscheidende Rolle spielen. Im Großen und Ganzen lassen sich die folgenden Wertkategorien unterscheiden: moralische, soziale, politische, nationale, religiöse, kulturelle und ästhetische Werte.
3. Historische Dimension
Jedes soziale System hatte seine eigenen Werte, und darüber hinaus unterschieden sich die Werte zwischen den sozialen Klassen und Schichten innerhalb desselben Systems weiter. Dies lässt sich an den Auffassungen führender Philosophen in fortgeschrittenen Gesellschaften wie der athenischen ablesen. Während z.B. Platon als Vertreter der Sklavenhalterklasse sehr idealistisch an allgemeinen Werten “an sich” interessiert war, war der Materialist und Demokrat Demokrit konkreter, während die zynischen Philosophen als Vertreter des antiken “Proletariats” sich vor allem mit den praktischen und materiellen Bedürfnissen der ärmeren Gesellschaftsschichten beschäftigten. Sie betrachteten Arbeit als den höchsten Wert! Die aufstrebende Bourgeoisie hat nahezu universelle Werte proklamiert, z. B. Liberte, Egalite, Fraternite (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), aber in Wirklichkeit war für sie das Eigentum das Höchste (“sacree”: “heilige”) soziale und politische Wert, während die Proletarier 100 Jahre später durch die “Commune de Paris” (“Pariser Kommune”) vergeblich versuchten, ihren eigenen höchsten Wert, die soziale Gerechtigkeit, zu verwirklichen, die von der “Großen Sozialistischen Oktoberrevolution” 1917 angestrebt wurde, aber schließlich verschwand das kommunistische sozio-politische System und mit ihm seine utopischen Werte und sein Voluntarismus für immer. Die bürgerliche Revolution in Frankreich (1789) hat den citoyen (Bürger) geformt, der von sich aus den Zusammenhang seiner Rechte und Pflichten erkennt und daher ein soziales, staatliches und rechtliches Bewusstsein besitzt. Auch das Unternehmertum ist ein Produkt der bürgerlichen Revolution. In den Balkanländern hat es solche Entwicklungen jedoch nicht gegeben, was enorme negative Auswirkungen hat.
4. Religiöse Dimension
Ausnahmslos alle Weltreligionen haben seit jeher wichtige Werte verkündet, die sich positiv auf den Menschen auswirken. Die orthodoxe christliche Religion zum Beispiel lehrt so entscheidende Werte wie Nächstenliebe (“Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”), Solidarität und Mitgefühl. Die Realität war und ist allerdings ganz anders, zum Teil sogar konträr. Der Protestantismus als praktische christliche Religion des gesunden Menschenverstandes und ohne Sentimentalität und Mystik hat auch etwas von größter Wichtigkeit etabliert, nämlich die Liebe zur Arbeit (Fleiß) als moralischen Wert von höchstem Rang eines jeden Gläubigen: Luther: Ein gläubiger Christ hat die heilige Pflicht, fleißig zu sein, oder ein guter Christ darf nicht faul sein. Dies ist zweifellos von weltgeschichtlicher Bedeutung, denn sie wurde von fast halb Europa, Nordamerika und Australien angenommen und praktiziert und hat Eingang in das politische Leben, die Literatur und die europäische Philosophie gefunden. Um ein paar Beispiele zu nennen: Deutscher idealistischer Philosoph J.G. Fichte (18./19. Jahrhundert): Arbeit ist “Selbstverwirklichung” des Menschen. Karl Marx: “Die Arbeit ist die Sonne, um die sich alles, Mensch und Gesellschaft, dreht”. Aber er hat nie in seinem Beruf gearbeitet! August Bebel: “Die Strahlen der Sonne lassen die Früchte unserer Arbeit reifen”. Der evangelische Dichter Georg Maurer: Arbeit ist die “Selbstbegegnung” des Menschen. Es ist kein Zufall, dass der größte Soziologe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Max Weber, die Entstehung des Kapitalismus indirekt mit der protestantischen Arbeitsethik in Verbindung gebracht hat (z. B. in seinem international bekannten Buch “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus”). Calvinus (16. Jahrhundert) fügte die folgenden Gedanken hinzu, die einen bedeutenden Einfluss auf den Handelskapitalismus der Niederlande und später auf den Industriekapitalismus (Industrielle Revolution) Englands hatten: α) Es ist möglich, das Reich Gottes auf der Erde zu errichten. b) Auf jeden Fall werden nur die Fleißigen in den Himmel kommen, und zwar vor allem diejenigen, die Leistungen erbringen und vor allem Gewinn erzielen. Die Erzielung von Gewinn gilt für jeden (calvinistischen) Protestanten als höchster Wert und Grundsatz. Schon die alten Römer sagten: “Salve lucrum”: “Es lebe der Gewinn”. Solche Gläubigen stehen bereits an der Schwelle zum Himmel. Das heißt, dass alle faulen und erfolglosen Gläubigen in die Hölle kommen werden. Zwei weitere Religionen haben ebenfalls den Fleiß als einen höheren religiösen Wert anerkannt, nämlich der Konfuzianismus und die Sikhs in Nordindien.
5. Ethnologische Dimension
Hier richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Mentalität einiger Völker, die sich in einem langen Prozess entwickelt hat (siehe in meinem Blog die Studie “Deutsche und Griechen, Mentalität, Eine komparative Studie”). Klima, Lebensbedingungen, Tradition, Religion usw. haben zur Bildung der Mentalität beigetragen. Es ist natürlich nicht notwendig, hier alle entscheidenden Merkmale zu nennen, sondern nur diejenigen, die für unser Thema unmittelbar relevant sind. Zwei Grundzüge des modernen Griechen sind der Lebensgenuss im Sinne des Eudaimonismus und Hedonismus, der in der Zeit nach der Unabhängigkeit monströse Formen und Dimensionen angenommen hat, und das Prinzip der geringen Anstrengung, ein diplomatischer Ausdruck für Faulheit. Beides ist das genaue Gegenteil der oben genannten protestantischen Grundsätze. Die anderen Völker Südeuropas haben im Wesentlichen ähnliche Lebensvorstellungen. Es ist sicher kein Zufall, dass in unseren Sprachen die Ausdrücke “Liebe zur Arbeit” und “Leistungsprinzip” fehlen, die die Grundlage der Leistungsgesellschaft bilden. Im Allgemeinen werden auch vage moralische Werte genannt, wie z. B. geistige Vitalität, Fröhlichkeit, Selbstvertrauen, Mut und Tapferkeit (siehe Benselers Wörterbuch Griechisch-Deutsch, Leipzig 1981, S.78). In den protestantischen Ländern werden die beiden Grundprinzipien des Protestantismus auch heute noch gelebt, ebenso wie andere Werte wie Gesetzestreue, Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein und der Vorrang der Interessen des Ganzen vor den Interessen des Einzelnen (Gemeinwohl). Der Konfuzianismus betont unter anderem besonders Fleiß, Disziplin und Wettbewerbsfähigkeit als treibende Kräfte für den Erfolg in der Gesellschaft. Das heißt, die wirtschaftlichen und sonstigen Erfolge von China, Japan, Südkorea, Taiwan und inzwischen auch Vietnam, also in den Ländern mit konfuzianischer Tradition haben starke ethnologische, religiöse und traditionelle Grundlagen.
6. Ethnische Dimension
Seit dem 19. Jahrhundert betrachten wir den Patriotismus (Philopatria), der auf einem gesunden Nationalbewusstsein beruht, als einen hohen Wert, weil er eng mit der Existenz der Nation verwoben ist. Aber aus der Philopatria leiten sich Verpflichtungen gegenüber dem Vaterland als Ganzes ab, während der verbale und billige Patriotismus der Mehrheit der Griechen etwas Verachtenswertes ist (siehe in meinem Blog den Artikel “Patriotismus, Philopatria”). Der echte Patriort erkennt das Wechselverhältnis von Rechten und Pflichten, was jedoch den meisten Griechen ein Buch mit sieben Siegeln ist
7.Politische Dimension
Was die Werte in Griechenland betrifft, so herrschten dort fast normale Verhältnisse. Doch Anfang der 1980er- ahre begann ein allmählicher Verfall und eine Zerstörung der traditionellen Werte auf allen Ebenen. Was geschehen ist, hat die Dimension eines großen moralischen, nationalen und sozialen Verbrechens angenommen, denn es ist noch schlimmer als die wirtschaftliche Katastrophe. Es stellt sich die Frage, mit welchen Politikern und mit welchen Menschen die Erneuerung Griechenlands auf neuen gesunden Grundlagen erreicht werden kann, wenn die größten Werte fehlen? Auf der Grundlage des “Gesellschaftsvertrags” a la grec ist das griechische Volk negativ beeinflusst worden (siehe in meinem Blog den Artikel “Gesellschaftsvertrag des gegenseitigen Korrumpierens”). Natürlich gibt es ein paar Ausnahmen, aber der moralische Niedergang ist so groß, dass die Politiker der alten Parteien ohne Scham aus kleinlichen Parteiinteressen die Fehler der Vergangenheit wiederholen, indem sie 2012einen völlig ungeeigneten Politiker alten Stils in die Weltbank schickten, der weder Dynamik, noch Fähigkeiten, noch Durchhaltevermögen, noch Intellektualität ausstrahlt, obwohl er zeitweise Minister der PASOK war. Vor einigen Wochen hat die Neue Demokratie ähnliche Fehler begangen, indem sie inkompetente Rentner in wichtige Positionen berufen hat, natürlich mit fetten Gehältern. Diese Phänomene sind für die im Ausland lebenden Griechen, die in leistungsorientierten Gesellschaften leben, unverständlich, unvorstellbar, widerlich und beschämend.
Es wird sicherlich neue Politiker oder Technokraten geben, die weitaus bessere Aussichten und Möglichkeiten für eine solch herausragende Position mit entsprechendem Gehalt haben. Was geschehen ist, ist eine Hybris im Sinne der antiken griechischen Tragödien, sodass es nicht lange dauern wird, bis die verantwortlichen Politiker zur Rechenschaft gezogen werden.
Schlussfolgerungen
α) In der Geschichte, der Tradition und der Gesellschaft Griechenlands fehlen seit 200 Jahren die notwendigen Voraussetzungen für eine wirkliche, d.h. nicht nur verbale Meritokratie. Noch schlimmer: Es gibt keine meritokratische, sondern eine faulokratische, kleptokratische, teilweise sogar pseudomeritokratische politische Tradition. Als die britische Regierung in den 1830er Jahren Admiral Gordon fragte, was er von griechischen Politikern halte, die ein Darlehen von England erhalten wollten, gab er die folgende hochinteressante und vielsagende Antwort: Mit Ausnahme des Ministerpräsidenten Zaimis, sind alle anderen Lügner und Diebe. Das Schicksal des Darlehens hat seine Einschätzung bestätigt.
b) Die Positionierung im Namen der Regierung von Mr. Papoutsis in der Weltbank und die Ernennung nutzloser ehemaliger Politiker in wichtige Positionen ist nach modernen griechischen Maßstäben (Zerstörung der Werte) normal,aber sie steht im Widerspruch zu den Werten des fortgeschrittenen Europas (siehe in meinem Blog den Artikel “Europa, Nord-Süd, Geschichte, Vergleich”). c) Auf diese Weise wird bekräftigt, dass Griechenland kulturell nicht zu dem entwickelten Europa, sondern auf dem ewig rückständigen Balkan und teilweise sogar zum Nahen Osten gehört, wo es weder das Individuum noch den bewussten Bürger (citoyen) gibt, daher gedeihen Bürokratie, Egoismus, Familienherrschaft, Korruption, Anarchokratie und Faulokratie, teilweise sogar Kleptokratie (siehe in meinem Blog die Artikel “Korruption, Südeuropa” und “Griechenland, Ost, West”., und “Junger Grieche, Balkan-Ostländer”). Bemerkung: Was ich über Griechenland schreibe, gilt für alle Balkanländer.
veröffentlicht von 2013 bis 2016 oft in Kathimerini (Καθημερινή) und in Vima (Βήμα)
aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S. 95

Mensch, Individuum, Bürger, Anthropozentrismus, Individualismus, Individuum und Gesellschaft, Bürger und Staat

Mensch, Individuum, Bürger, Anthropozentrismus, Individualismus, Individuum und Gesellschaft, Bürger und Staat
A) Ausgangspunkt und Grundlage für die Formulierung einer einheitlichen Betrachtungsweise ist die Sicht des Menschen als genus humanum (menschliche Gattung) mit ihren konstituierenden Elementen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen weist der Mensch die folgenden grundlegenden Erscheinungsformen auf:
α) Der Mensch ist in erster Linie ein biologisches Wesen. Obwohl dies eine Selbstverständlichkeit ist, hat der Marxismus in den ehemaligen “sozialistischen” Ländern bis Ende der 1970er-Jahre diese menschliche Eigenschaft mit folgenden Argumenten abgelehnt: (1) Die menschliche Kriminalität im Kapitalismus hat ausschließlich soziale Wurzeln. Da aber auch im “Sozialismus” Kriminalität festgestellt wurde, und zwar nicht wenig, war der Staat gezwungen, alle Beweise für Kriminalität zu Staatsgeheimnissen zu erklären! (2) Auch die Kriege wurden ausschließlich durch den Kapitalismus verursacht, aber in Wirklichkeit gab es Kriege zwischen sozialistischen Ländern (z.B. zwischen China und Vietnam und heftige Kämpfe an der Grenze zwischen der damaligen Sowjetunion und China in der Nähe des Amur-Flusses). Das war eine unvorstellbare Heuchelei auf höchster staatlicher Ebene, obwohl die Kommunisten das Monopol auf absolute Wahrheit und Moral für sich beanspruchten. Die Neuronen gehören durch das Gehirn zu der biologischen Manifestation des Menschen und bilden als Ganzes ein ontologisches System durch Billionen von Synapsen von maximaler Mobilität. Das Gehirn als Ganzes ist die komplexeste, komplizierteste und vollkommenste Schöpfung der ewigen Energie oder Kraft, auf der sowohl das Universum als auch der Mensch beruhen. Im Gehirn des Menschen, und nicht in einem anderen Organ des menschlichen Körpers, werden sowohl das rationale Denken als auch die Gefühle, einschließlich der Glaube, geboren. Aber der Glaube als Produkt des menschlichen Gehirns unterliegt Einflüssen sozialer, politischer und kultureller Art.
b) Der Mensch ist ein soziales Wesen, zwischen dem und der Gesellschaft eine dialektische Wechselwirkung besteht. Der Marxismus erkennt diesen Aspekt als den vorherrschenden an und betont die wirtschaftliche Dimension stark und einseitig.
c) Der Mensch ist ein politisches Wesen (Aristoteles: “zon politikon”, (ζώον πολιτικόν”), zwischen dem in seiner Eigenschaft als Individuum einerseits und als Staatsbürger andererseits zumindest theoretisch dialektische Wechselbeziehungen bestehen.
d) Der Mensch ist ein kulturelles Wesen, was bedeutet, dass Kultur als etwas absolut Notwendiges zu seinem Leben gehört. Die vorgenannten Erscheinungsformen des Menschen bilden im Lichte der Systemtheorie ein kognitives System, dessen Elemente eng miteinander verbunden sind (jedes mit allen anderen). Auf diese Weise entsteht ein qualitativ höheres Gebilde, das eine große Dynamik entwickelt, was bedeutet, dass mit der Zeit allmählich Wandlungen stattfinden, die einer bestimmten Form des Evolutionsgesetzes entsprechen. Das bedeutet insbesondere, dass das menschliche Gehirn mit seinen 100 Milliarden Neuronen und zwei Billionen Synapsen in seiner Gesamtheit als zentrales Organ des Menschen in seiner Eigenschaft als biopsychologisches Wesen dynamische Wechselbeziehungen mit den anderen Erscheinungsformen des Menschen unterhält. Andere Ausdrücke wie homo economicus (der ökonomische Mensch: der Mensch, der in erster Linie an die Wirtschaft denkt), homo consumens (der Mensch, der vor allem an den Konsum denkt, wie z. B. das primitive Konsumverhalten) und homo violens (der gewalttätige Mensch) sind eher journalistisch, allenfalls soziologisch, haben aber noch nicht die Qualität von wissenschaftlichen Begriffen (termini scientifici) erreicht.
B) Anthropozentrismus, Atomozentrismus, Individualität, Individualismus, Egoismus
Der Ansatz ist philosophisch und basiert auf dem Menschenbild des westlichen Kulturkreises, das eng mit den individuellen (subjektiven) Rechten des Menschen verwoben ist. Der Ansatz kann nicht theologisch sein, obwohl er bekannt ist, denn es gibt viele Religionen mit ihrer jeweiligen Theologie und ihrem jeweiligen Menschenbild. Der Anthropozentrismus wurde im alten Griechenland entwickelt. Der Sophist Protagoras (Πρωταγόρας) hat den folgenden weltgeschichtlichen Satz formuliert: „Πάντων χρημάτων μέτρον εστίν άνθρωπος“.
Man könnte diesen berühmten Satz wie folgt interpretieren:
(1) Ersetzung des theozentrischen durch ein anthropozentrisches System.
(2) Der Mensch ist ein aktives Wesen, das seine soziale und physische Umwelt verändert.
(3) Es besteht eine Wechselwirkung zwischen der Umwelt und dem Menschen.
(4) Der Mensch erobert seine Umwelt und entwickelt sich im Verhältnis zu ihr weiter.
(5) Der Mensch ist der Maßstab, an dem Gesellschaft, Regeln, Gesetze und Sitten gemessen werden.
(6) Das Zitat drückt eine kritische Haltung gegenüber der Religion aus.
(7) Es wird klargestellt, dass die rechtlichen Regeln des Staates und die moralischen Regeln der Gesellschaft relativ sind. Der stoische Philosoph Poseidon (Ποσειδών) ging noch weiter: “So wie unser Körper aufrecht und zum Himmel aufrichtet, so ist es auch unser Geist, der betrachten kann, was er will; die Natur hat ihn so geschaffen, dass er dasselbe will wie die Götter, sofern er seine Kräfte einsetzt…” ( meine Übersetzung aus dem Altgriechischen).
Diese für seine Zeit revolutionäre Auffassung könnte folgendermaßen interpretiert werden:
(1) Kriecht nicht wie die Tiere, sondern geht mit erhobenem Kopf. Dies kommt in dem Begriff anthropos (Mensch, άνθρωπος: άνω θρώσκω όπωπα: nach oben schauen) deutlich zum Ausdruck.
(2) Verhaltet Euch mit Würde und Selbstvertrauen.
(3) Erlaubt niemandem, Euch zu beleidigen und zu demütigen.
(4) Lasst Euch nicht unterdrücken.
(5) Fordert und verteidigt Euere Rechte.
(6) Seid Euch der eigenen Stärke und der eigenen Entwicklungsmöglichkeit bewusst. (7) Verteidigt Euere Selbstbestimmung (Autonomie). Erlaubt niemals Fremdbestimmung durch andere, weder durch Götter noch durch Menschen. Meine Studenten (Studenten, Doktoranden) aus islamischen Ländern waren erschrocken, als sie solche “Blasphemien” im Rahmen einer speziellen Universitätsvorlesung hörten. Sie teilten mir mit, dass Protagoras und Poseidon, wenn sie in einem islamischen Land gelebt hätten, hätte man sie sofort enthauptet. Dies ist der große kulturelle Unterschied zwischen dem westlichen Kulturkreis einerseits und dem islamischen Kulturkreis (Theozentrismus und teilweise Theokratie) andererseits.
Der römische Dichter Lucretius Carus lobt in seinem philosophischen Gedicht “De rerum natura” (“Von der Natur der Dinge”) den forschenden Geist des Menschen: “Unten kroch vor den Augen aller das entehrte menschliche Leben, verkrüppelt durch die Last der Religion, die vom Himmel herab ihr schreckliches Gesicht zeigte und die Sterblichen bedrohte. Dann, als erster ein Grieche, wagte er es, seine Augen darauf zu richten und ihm zu widerstehen. Weder die Mythen der Götter, noch die Donnerschläge, noch das bedrohliche Rauschen des Himmels hielten ihn auf. Sie stärkten kaum den Mut seiner Seele, und er durchwanderte das weite Universum in Gedanken und im Geist. Und er kam siegreich zu uns zurück, um uns zu sagen, was möglich ist und was nicht. Und ferner, dass die Finsternis des Geistes nicht durch die Strahlen der Sonne, noch durch die hellen Pfeile des Tages zerstreut werden, sondern durch die Betrachtung der Natur und den Logos”(meine Übersetzung aus dem Lateinischen). Der Anthropozentrismus hat im fortgeschrittenen Europa das Individuum und den Bürger, die Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit hervorgebracht. Aber im Allgemeinen ist der Mensch nicht ausschließlich ein “homo homini lupus”(“der Mensch ist für den Menschen ein Wolf,” Demophilos (Δημόφιλος), Plautus), auch nicht ausschließlich “homo res sacra homini” (“der Mensch ist für den Menschen etwas Heiliges”, Seneca). Hier gilt der Grundsatz der Mitte (Μεσότης) des Aristoteles, den die Römer in “aurea mediocritas” (“Goldener Mittelschnitt”) nannten.
C) Atomon, Individualität
Der Begriff Individuum wurde von dem italienischen Philosophen und Theologen Thoma von Aquin (Aquinas, 13. Jahrhundert) geprägt. Er ist die wörtliche Übersetzung des griechischen Begriffes Atomon (Unteilbares).
Die prägenden Merkmale des modernen Individuums sind heute die folgenden: Autonomie, eigener Wille, Entscheidungsfreiheit, Würde, Selbstvertrauen, Selbstachtung, Selbsterkenntnis, Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein (andere sind nicht schuld am eigenen Versagen), Gesellschaftsbewusstsein.  Genau dieses Individuum war und ist noch in der Gegenwart die conditio sine qua non Voraussetzung und Grundlage für den modernen Bürger (citoyen), ein Produkt der europäischen Aufklärung und insbesondere der französischen bürgerlichen Revolution.
Die Individualität eines Menschen kommt in seiner Persönlichkeit und in seiner Besonderheit zum Ausdruck. Die europäischen Historiker sind fast einhellig der Ansicht, dass die Individualität der alten Hellenen eines der “Geheimnisse” ihrer welthistorischen vielfältigen Errungenschaften war. Dies gilt auch für die Gegenwart: Die Individualität (nicht Individualismus) ist eine der entscheidenden Voraussetzungen für die große Kreativität der Wissenschaftler des westlichen Kulturkreises bei der Verwirklichung der dritten großen Revolution der Produktivkräfte in der Menschheitsgeschichte(z.B. die atemberaubenden Leistungen vorwiegend der amerikanischen Forscher auf dem Gebiet der Hochtechnologien). Die Individualität wird von ihren Gegnern, hauptsächlich vom Katholizismus und von der Orthodoxie, absichtlich mit dem Individualismus verwechselt, der ein negatives Phänomen ist, weil er den absoluten Vorrang des Individuums vor der Gesellschaft akzeptiert. Dies wurde bereits in der römischen Komödie “Andria” von Terentius erwähnt: “Proximus sum egomet mihi” (“Jeder denkt nur an sich selbst”), sowie in Sophokles’ Ajax und Euripides’ Medea. Eine besondere Ausprägung des Individualismus ist der Egoismus, der vor allem die Durchsetzung der eigenen Interessen mit legitimen oder illegitimen Mitteln, auch gegen die Mitmenschen, bedeutet. Im Laufe der Zeit wurde der Individualismus durch die Wechselwirkung von Rechten und Pflichten des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft und dem Staat eng mit der Gesellschaft verbunden. Demokrit (Δημόκριτος), der Begründer des antiken hellenischen Materialismus und philosophischer Gegner Platons, hat diesen Zusammenhang bereits unterstrichen. Individualität ist etwas ganz anderes als Individualismus, der in Wirklichkeit Egoismus ist. Täglich (2.2.20)
D) Individuum und Gesellschaft, Bürger und Staat
1. Antike griechische Philosophen
Nach den großen Reformen von Kleisthenes (Ende des 6. JH. v.Chr.) und der Demokratisierung des politischen Lebens in Athen wurde die Polis (Πόλις, Stadtstaat) zu einem Zentrum der Ansichten über soziale und moralische Werte. Das demokratische Gemeinwesen wollte ein Bewusstsein für das Ganze schaffen und verlangte daher von jedem Bürger als Tugend den Nutzen für das Gemeinwesen. Dieses gesellschaftliche Nützlichkeitsprinzip ist das entscheidende Kriterium für die Bewertung eines jeden Bürgers und nicht mehr seine Herkunft. Das war unbestritten revolutionär.
Auf diese Weise entstand allmählich das Modell des demokratischen Bürgers, der das Bewusstsein der Verantwortung für das gesellschaftliche Ganze besaß. Jeder Bürger betrachtete sich als Teil eines einzigen Organismus, nämlich der Polis. Im Allgemeinen bestand ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Allgemeinheit und den wirtschaftlichen Interessen des Einzelnen.
Die Sophisten waren die Ersten, die das Interesse des Ganzen als ein besonderes moralisches Prinzip für jeden Bürger betrachteten. Die kynischen Philosophen, als Vertreter der unteren sozialen Schichten, waren in der Lage, die bestehenden Klassenwidersprüche zu erkennen und versuchten, eine wirkliche soziale Befreiung der Menschen zu erreichen. Vor allem Epikur (Επίκουρος) und die kynischen Philosophen betrachteten in der Zeit der Krise der Stadt den Menschen als ein individualistisches Wesen. Epikur vertrat die Ansicht, dass es so etwas wie eine Gesellschaft nicht gibt, sodass jeder für sich selbst sorgen muss und formulierte den berühmt-berüchtigten Satz “λάθα βιώσας” (“latha wiosas”: “lebe im Verborgenen”, d.h., kümmert Dich nicht um die Gesellschaft und die anderen Menschen.) Dies bedeutete jedoch eine Ablehnung der Teilnahme am sozialen und politischen Leben der Polis und stand im Widerspruch zum idealen Modell des Polisbürgers. Mit anderen Worten: Der Mensch war seiner Meinung nach kein “zoon politikon” (Aristoteles), sondern ein Wesen mit egoistischen Tendenzen. Epikur hat die individuelle Lehre des Demokrits auf die sozialen Beziehungen übertragen. Er betrachtete Demokrits atomon als ein Bild des einzelnen Menschen in der Gesellschaft mit dem Selbstbewusstsein des Einen und Besonderen. Individualismus und Egoismus waren für Epikur die Hauptantriebskraft für das Handeln eines jeden Menschen. Genau 2300 Jahre vor dem Schweizer Philosophen J.J.Rousseau (“contrat social”: “Gesellschaftsvertrag”) hat Epikur die Theorie de Syntheke ( Συνθήκη, Vertrag) in der Gesellschaft, also den Gesellschaftsvertrag aufgestellt. Er hat die bestehenden sozialen und Klassenprobleme erkannt und war deswegen völlig verzweifelt. Aber er ist noch nicht so weit gegangen, um die konsequentere Schlussfolgerung zu ziehen, nämlich die Veränderung des sozialen und politischen Status quo durch den Kampf. Er zog stattdessen die Verwirklichung der “individuellen Glückseligkeit” in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten vor. Die theoretische Prämisse für Epikur war die Autonomie des Individuums als souveränes moralisches Prinzip.
Der Individualismus der Vertreter des antiken “Proletariats”, der kynischen Philosophen, war stärker, weil er tief in der Gesellschaft verwurzelt war. Im 4. Jahrhundert vollzog sich durch die Verschärfung der Unterschiede zwischen den reichen und den armen Bürgern ein Wandel der sozialen und politischen Beziehungen. Dieser Wandel führte zu neuen philosophischen Positionen, wie etwa der Ersetzung des Begriffs Bürger durch den Begriff Mensch. Die kynischen Philosophen versuchten, die Mitglieder der Polis dazu zu bewegen, durch Bildung und Selbsterziehung eine individualistische Bewusstseinsveränderung zu erreichen. Sie haben mit einem zynischen Individualismus bewusst ein Gegengewicht zum vorherrschenden Prinzip des Allgemeinwohls geschaffen, das für die unteren sozialen Schichten bereits an Wert verloren hat. Doch die kynischen Philosophen sahen nicht die Gesellschaft, sondern den Staat als Feind, verteidigten die Rechte und die Individualität ihrer Persönlichkeiten gegen den Staat und forderten die Befreiung von Gesetzen, Pflichten, Sitten, Bedrängnissen, religiösen Funktionen und Traditionen. So wurde die städtische Gesellschaft in die normale “Bürgergesellschaft” und die Gemeinschaft der Armen als kollektive soziale Kraft aufgeteilt. Allmählich reifte das Bewusstsein für den Wert des Einzelnen, aber es gab keine Organisation für arme Menschen, die ihre Rechte einfordern konnten. So haben sie ein psychologisches Mittel erfunden, nämlich den Individualismus. Politisch gesehen handelte es sich um eine Protestbewegung, die im 18. Jahrhundert einen großen Einfluss auf die europäischen Konzepte der Menschenrechte hatte. Noch heute kann man in modernen Verfassungen Gedanken der kynischen Philosophen erkennen, die vom Establishment verleumdet wurden, daher der beleidigende Name Kynische Philosophen (Hundephilosophen von Κυν: Hund).
2. Europäische Philosophen
Gerade diese individualistische Ethik Epikurs hatte im 18. Jahrhundert großen Einfluss auf die bürgerliche Aufklärung in England und Frankreich und (Hobbes, Hutcheson, Hume, Rousseau, La Mettrie, Helvetius, Holbach). Ihnen gefiel vor allem Epikurs Auffassung, dass der Egoismus die stärkste Triebkraft des Menschen sei, sie versuchten aber, ihn für die Gesellschaft nützlich zu machen.
Die beiden wichtigsten Vertreter des englischen Utilitarismus J. Bentham und J. Mill versuchten, auf der Basis des individualistischen Hedonismus einen sozialen Eudaimonismus (“das größte Glück für die größte Zahl”) zu etablieren, d.h. durch individualistischen Hedonismus möglichst viele Mitglieder der Gesellschaft glücklich zu machen.
E) Bürger und Staat
Das Individuum mit den bereits erwähnten Charakteristika sind seit der Bürgerlichen Französischen Revolution 1789 die unabdingbare Voraussetzung für den citoyen(Bürger), der folgende essenzielle prägende Merkmale aufweist: Staatsbewusstsein, Rechtsbewusstsein, Steuerbewusstsein, Umweltbewusstsein, Gemeinwohl und Anerkennung des dialektischen Wechselverhältnisses von Rechten und Pflichten.
Nach jahrelangen Untersuchungen konnte ich jedoch feststellen, dass solche Bürger in erster Linie in den Staaten mit protestantischer Tradition leben. Umsonst könnte man nach ihnen hingegen in Ländern mit der christlich- orthodoxer Tradition suchen. Dieser Unterschied ist der eigentliche Grund für die nicht zu übersehenden Probleme innerhalb der Europäischen Union.
Literatur-Quellen
-Αριστοτέλης, Ηθικά Νικομάχεια, Θεσσαλονίκη 2000
-Der Mensch als Maß der Dinge, hrsg. von H. Müller, Akademie der Wissenschaften, Berlin1976
-J.-P. Vernant, Der Mensch der griechischen Antike, Frankfrt/aM.1996
-W.Jaeger, Paideia, Die Formung des griechischen Menschen, Berlin1954
A. GIardina (Edit.), L, Uomo Romano, Rom 1989
A. Gurjewitsch, Das Individuum im europäischen Mittelalter, München 1934
-J. Le Goff (Hrsg.), Der Mensch des Mittelalters, Frankfurt a.M.,1996
-E.Garin (Hrsg.), Der Mensch der Rennaissance, Essen 2004
-F. Furet,Der Mensch der Romantik, Essen 2004
-M. MacDnald,DEin Gehirn, Ein Missing Manual,Handbuch, Köln 2008
-Στέλιου Ράμφου, Ο Καημός του Ενός (Die Wehmut des Einzelnen), Αθήνα  2000. In diesem beeindruckenden Werk (400 S.) gelingt es dem Philosophen Stelios Ramfos als Einzigem, in das punctum quaestionis des Menschenbildes der christlichen Orthodoxie einzudringen. Mir hat er geholfen, den orthodoxen Christen, in erster Linie, den Griechen und den Russen, besser zu verstehen. Ihm gebührt dafür Dank.
-Panos Terz, Die internationale Rechtssubjektivität des Individuums im Kontext der Verwirklichung von Individualrechten. Zur Begriffsbestimmung der Menschenrechte, in: “Menschenrechte in unserer Zeit”, Konferenz der Universitäten Amsterdam und Leipzig, Juristische Fakultäten, (1.2.89) Kluwer, Deventer 1990, S. 236- 242. Hierin zum ersten Mal die Interpretation der Zitate von Protagoras und Poseidonios.
-P.Terz, Menschenbild und Recht in den alten Hochkulturen: Eine universalhistorische und komparative Betrachtung, ISBN: 978-620-0-27129-7, Saarbrücken 2019, 223 S.(Vollständiger Titel: Menschen- und Gesellschaftsbilder sowie Rechts- und Gerechtigkeitsvorstellungen in den Schriftdokumenten der alten Hochkulturen, Eine komparative philosophiehistorische Untersuchung)
veröffentlicht in Griechisch in Kαθημερινή (Kathimerini) von 2012 – 2017 als Auseinnandersetzung mitdem griechischen Theologen und Philosophen Christos Giannaras
aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Erster Band ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 S., hier S.113 ff., Griechisch.

Freiheit im Lichte der Philosophie,der Ideengeschichte, der Politikwissenschaft, der Soziologie und des Rechts

Freiheit im Lichte der Philosophie, der Ideengeschichte, der Politikwissenschaft, der Soziologie und des Rechts

Die Komplexität des Themas erfordert eine systematische Herangehensweise, da sonst die Gefahr besteht, in Dutzende von Themen abzudriften. Ich beabsichtige nicht, im Folgenden alle zahlreichen Meinungen aufzuführen, die in der Vergangenheit zum Thema Freiheit geäußert wurden, sondern nur die wichtigsten Richtungen in Theorie und Praxis.
Im Lichte der Philosophie
Freiheit bedeutet im Allgemeinen vor allem das Verhältnis des Menschen zur objektiven Notwendigkeit (Gesetzmäßigkeit) in Natur und Gesellschaft und insbesondere den Grad und die Qualität des Wissens darüber und seiner Anwendung. Um dieses Ziel zu erreichen, sind vor allem wirtschaftliche, politische, rechtliche und ideologische Voraussetzungen erforderlich. Nach den vorherrschenden philosophischen und politischen Wissenschaften in Europa wird die folgende Unterscheidung getroffen: α) Negative Freiheit, das heißt Freiheit von etwas: die Abwesenheit von Zwang und Unterdrückung von außen, vor allem durch Staat, Gesellschaft und andere Individuen, und Handlungsfreiheit, nach I. Kant “politische Selbstbestimmung”, nach Hegel ohne Unterdrückung, aber durchaus “Einsicht in die Notwendigkeit”). b) Positive Freiheit, die Freiheit für etwas bedeutet: Durch die von der Gesellschaft und vom Staat zu schaffenden Bedingungen kann der Bürger die grundlegenden Bestrebungen seines Lebens verwirklichen: Willensfreiheit oder Autonomie. Es kommt jedoch auf die Qualität der Bedingungen an, z. B. ob sie ausreichen, damit der Bürger seine Fähigkeiten entwickeln kann.
Im Rahmen der Geschichte der Philosophie und der Ideengeschichte werden wir nur die wichtigsten Ansichten über die Freiheit erwähnen. Aristoteles (Αριστοτέλης) unterschied zwischen freiwilligem und unfreiwilligem menschlichem Verhalten: Unfreiwillig ist, was unter Druck oder aus Unwissenheit getan wird. Freiwillig ist das, dessen Grundprinzip auf den handelnden Menschen gerichtet ist, der sich der Umstände seines Handelns voll bewusst ist (Ηθικά Νικομάχεια, III, 3). Hier wird ein Zusammenhang zwischen der freien Wahl aufgrund des eigenen Willens und dem entsprechenden Bewusstsein konstatiert. Auf diese Weise wurde zum ersten Mal die Theorie der Willensfreiheit aufgestellt. Während Platon (Πλάτων), ein Gegner der Demokratie, ein Übermaß an Freiheit ablehnt (“Η άγαν ελευθερία έοικε εις άγαν δουλείαν μεταβάλλειν”: “Das Übermaß an Freiheit ist zu einem Übermaß an Sklaverei geworden”, Πολιτεία, 564A), weist der Redner Isokrates (Ισοκράτης) in seiner Rede vor dem Obersten Gerichtshof (Αρειος Πάγος) auf einige Schwächen der Demokratie in Verbindung mit der Freiheit hin: “Denn diejenigen, die damals die Stadt regierten (d.h. zur Zeit von Solon (Σόλων) und Kleisthenes, Κλεισθένης), haben keine Verfassung geschaffen, die nur dem Namen nach als die liberalste und sanfteste von allen gilt, während sie in der Praxis denen, die sie leben, anders erscheint; auch keine Verfassung, die die Bürger so erzieht, dass sie Anarchie für Demokratie halten, Freiheit von der Gesetzlosigkeit, Gleichheit von der Anmaßung und Glückseligkeit von der Macht eines jeden, zu tun, was er will, sondern eine Verfassung, die, indem sie ihren Abscheu vor denjenigen zeigt, die diese Dinge tun, und sie bestraft, alle Bürger besser und intelligenter macht.” Im Original Altgriechisch: «Οἱ γὰρ κατ’ ἐκεῖνον τὸν χρόνον τὴν πόλιν διοικοῦντες κατεστήσαντο πολιτείαν οὐκ ὀνόματι μὲν τῷ κοινοτάτῳ καὶ πραοτάτῳ προσαγορευομένην, ἐπὶ δὲ τῶν πράξεων οὐ τοιαύτην τοῖς ἐντυγχάνουσι φαινομένην, οὐδ’ ἣ τοῦτον τὸν τρόπον ἐπαίδευε τοὺς πολίτας ὥσθ’ ἡγεῖσθαι τὴν μὲν ἀκολασίαν δημοκρατίαν, τὴν δὲ παρανομίαν ἐλευθερίαν, τὴν δὲ παρρησίαν ἰσονομίαν, τὴν δ’ ἐξουσίαν τοῦ ταῦτα ποιεῖν εὐδαιμονίαν, ἀλλὰ μισοῦσα καὶ κολάζουσα τοὺς τοιούτους βελτίους καὶ σωφρονεστέρους ἅπαντας τοὺς πολίτας ἐποίησεν». Dieser interessante Gesichtspunkt zeichnet sich immer noch von einer hohen Aktualität aus.
Der niederländisch-jüdische Philosoph Baruch Spinoza, der als erster eine dialektische Beziehung zwischen Freiheit und objektiver Notwendigkeit herstellte, leistete einen bedeutenden Beitrag zur Bildung des europäischen Freiheitsbegriffs: “Ich nenne also ein Ding frei, wenn es nur durch die Notwendigkeit seiner Natur existiert und funktioniert”(Briefwechsel 228 ff.). Auf diese Weise wird die Freiheit als Bewusstsein der Notwendigkeit interpretiert. Der große deutsche Philosoph Hegel hat fast die gleiche Ansicht vertreten. Freiheit ist ihrem Wesen nach konkret, selbstbestimmt für die Ewigkeit und damit zugleich notwendig (Hegel, Werke, 8, S.110ff.).
Aus der Geschichte der Philosophie ist bekannt, dass Karl Marx viele Ideen Hegels übernommen, mit dem Materialismus kombiniert und den Dialektischen Materialismus begründet hat, der auch auf die marxistische Auffassung von Freiheit angewandt wurde. Die Hauptbestandteile dieser Auffassung sind auch a) die dialektische Beziehung zwischen Notwendigkeit und Freiheit, b) die Freiheit als Bewusstsein der objektiven Notwendigkeit, c) die Anwendung dieser Notwendigkeit auf das soziale Handeln, d) die Freiheit ist ein konkreter historischer Begriff und e) die Freiheit ist nie und nirgends absolut. Die Anwendung jedoch dieser beeindruckenden  Gedanken in der Realität des kommunistischen Totalitarismus war völlig ausgeschlossen.
Im Lichte der praktischen Philosophie und der politischen Wissenschaft ist die Freiheit ein grundlegendes Kriterium für die Organisation der Gesellschaft und insbesondere ihrer politischen Institutionen, die unter anderem die Aufgabe haben, die Freiheit der Bürger gegenüber anderen Bürgern sowie gegenüber der staatlichen Macht zu schützen. Überdies muss eine liberale (bürgerliche) Gesellschaftsordnung im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung der Bürger beitragen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist ein demokratisches System, was im Allgemeinen das Recht auf politische Beteiligung der Bürger am politischen Prozess bedeutet.
Im Lichte der Soziologie wird die liberte civile von der liberte naturell unterschieden. Beide Begriffe wurden ursprünglich von dem großen französischen Aufklärer J.J. Rousseau formuliert. Die Liberte civile bedeutet, dass sich der Bürger des Umfangs der bestehenden Möglichkeiten seines Handelns auf der Grundlage der Achtung der gesellschaftlichen Regeln und des Gesetzes bewusst ist. Das heißt, der bewusste Bürger ist sich der Regeln und Gesetze bewusst und respektiert sie freiwillig, denn nur so kann eine Gemeinschaft von Menschen existieren und funktionieren. Auf diese Weise entsteht eine stabile Beziehung zwischen allen Bürgern. Die Liberte naturell (natürliche Freiheit) bezieht sich auf den Rahmen der Möglichkeiten jenseits der gegenseitigen Verpflichtungen, gemeinsame Werte, Regeln und Wege der Bedürfnisbefriedigung zu respektieren. Die natürliche Freiheit besteht also in der Fähigkeit des Menschen, seine legitimen Wünsche im Rahmen seiner Möglichkeiten zu verwirklichen.
Die berühmte “Allgemeine Erklärung der Menschenrechte” der Vereinten Nationen (1948) behandelt das inzwischen festgeschriebene Recht ohne Einschränkung: “Jeder Mensch hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Der “Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte” (1966) ist jedoch konkreter und enthält in den Artikeln 19 und 20 auch rechtliche Einschränkungen. Erster Absatz des Artikels 18 : ” 1. Jeder Mensch hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit…”. In den folgenden Absätzen gibt es jedoch Einschränkungen: “1. Jeder hat das Recht, seine Meinung endgültig zu äußern. … 3. “Die Ausübung dieses Rechts ist mit besonderen Pflichten und einer besonderen Verantwortung verbunden. Sie kann daher begrenzt sein. Beschränkungen müssen jedoch gesetzlich vorgeschrieben und absolut notwendig sein (a) für die Rechte und den guten Ruf anderer und (b) zum Schutz der nationalen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung, der öffentlichen Gesundheit oder der Moral. Wir empfehlen den Anarchisten, dies sehr sorgfältig zu lesen. Ähnlich sind auch die Artikel 19 und 20 formuliert. Aber es gibt auch einen äußerst interessanten Aspekt der Freiheit, wenn wir ihr Verhältnis zur Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft und des Bürgers gegenüber dem Staat betrachten, während Freiheit in Verbindung mit Individualismus (nicht Individualität), Egoismus und Eigennutz für eine Gesellschaft und für einen Staat zweifellos destruktiv ist. Genau das ist seit 200 Jahren auf dem Balkan und in Lateinamerika der Fall.
Literatur-Quellen
-Πλάτων, Πολιτεία, Αθήνα 2004
-Platon, Der Staat, Stuttgart 2004
-Αριστοτέλης, Ηθικά Νικομάχεια, Αθήνα 2011, σ. 43-61 (Γ Βιβλίο)
-Aristoteles, Nikomachische Ethik, Köln 2009, S. 55-87 (Drittes Buch)
-Ισοκράτης, Απαντα, Αθήναι 1992
-I.Kant, Grundlegung der Metaphysik der Sitten, Frankfurt 1986 (Erste Ausgabe, Riga 1786)
-J.S. Mill, Über die Freiheit (Orig. On Liberty), Stuttgart 2013
-C. Taylor, Negative Freiheit, Zur Kritik des neuzeitlichen Individualismus, Frankfurt /M. 1999
-E. Fromm, Die Furcht vor der Freiheit, München 1995
-G. Keil, Willensfreiheit und Determinismus, Stuttgart 2009
-J. Schapp: „Freiheit, Moral und Recht“, Tübingen 2017
-C.Bay, The Structure of Freedom, Stanford1965
-Ilustrierte Geschichte der westlichen Philosophie (The Oxford illustrated History of Western Philosophy, edit. by Anthony Kenny et Oxford University Press, 1994 ),  Köln 1995, S. 133 (Descartes), S.211, 359 (Fichte), S. 219ff., 360 f. (Hegel), S. 198-200 (Kant), S. 169 f. (Leibniz), S. 163 f. (Spinoza), S. 337 f. (Hobbes), S. 344 f. (Locke), S. 364 (J.St. Mill),S. 340 (Milton), S. 347 (Montesquieu), S. 352 (Paine), S. 349 f. (Rousseau)
-Philosophisches Wörterbuch, hrsg. von Georg Klaus / Manfred Buhr, Band 1, Leipzig 1969, S.374-377

-Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, hrsg. von J. Mittelstraß, Band 1., Stuttgart 2004, S.675- 682

-Lexikon zur Soziologie (128 Autoren), hrsg. von Werner Fuchs – Heinritz et alt., Opladen 1995, S. 213

-Kleines Politik-Lexikon, hrsg. von C. Lenz / N. Ruchlak,  München / Wien 2001, S.67/68.

-Geschichte des wissenschaftlichen Denkens im Altertum, hrsg, vonFritz Jürss, Akademie der Wissenschaften, Berlin 1982, S. 167,S.182, S.328, S.385, S.588. -Kulturgeschichte der Antike, Griechenland, hrsg. von R. Müller, Akademie der Wissenschaften, Berlin 1976, S.21, S.202, S.224, S. 249, S.252.

-Kulturgeschichte der Antike, Griechenland, hrsg. von R. Müller, Akademie der Wissenschaften, Berlin 1976, S.21, S.202, S.224, S. 249, S.252.

veröffentlicht von 2012 bis 2018 oft in der griechischen Zeitung Kathimerini (Καθημερινή)  in Auseinandersetzung mit dem griechischen Theologen und Philosophen Christos Giannaras

aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.83ff.

 

Ελευθερία στην Φιλοσοφία, στην Πολιτολογία και στην Κοινωνιολογία

Η Ελευθερία υπό το πρίσμα της Φιλοσοφίας, της Ιστορίας των Ιδεών, της
Πολιτολογίας, της Κοινωνιολογίας και της Νομικής Επιστήμης

Η πολυπλοκότητα του θέματος απαιτεί μία συστηματική θεώρηση ειδάλλως υφίσταται κίνδυνος διολίσθησης σε δεκάδες θεμάτων.Παρακάτω δε σκοπεύω να αναφέρω όλες τις πολυάριθμες διατυπωθείσες γνώμες γύρω από την Ελευθερία στο παρελθόν, αλλά μόνον τις σημαντικότερες κατευθύνσεις στη θεωρία και στην πράξη.
Υπό το πρίσμα της Φιλοσοφίας
η ελευθερία σημαίνει σε γενικές γραμμές πρωτίστως τη  σχέση του ανθρώπου με την αντικειμενική αναγκαιότητα (νομοτέλεια) στη φύση και στην κοινωνία και ιδιαιτέρως το επίπεδο και την ποιότητα της γνώσης περί αυτής και περί της εφαρμογής της. Για την επίτευξη αυτού του σκοπού είναι απαραίτητες πρωτίστως οικονομικές, πολιτικές νομικές και ιδεολογικές προϋποθέσεις.
Σύμφωνα με τις επικρατούσες φιλοσοφικές και πολιτικές επιστήμες στην Ευρώπη συντελείται ο εξής  διαχωρισμός:
α) Η αρνητική ελευθερία που σημαίνει ελευθερία από κάτι: ανυπαρξία εξαναγκασμού και καταπίεσης έξωθεν πρωτίστως εκ μέρους του κράτους, της κοινωνίας και άλλων ατόμων και  ελευθερία των πράξεων, σύμφωνα με  I.Kant „πολιτική αυτοδιάθεση“, Hegel: Ναι μεν χωρίς καταπίεση, αλλά οπωσδήποτε «Einsicht in die Notwendigkeit“: „επίγνωση της αναγκαιότητας»).
β) Η θετική  ελευθερία  που σημαίνει ελευθερία για κάτι: Μέσω συνθηκών που πρέπει να δημιουργηθούν εκ μέρους της κοινωνίας και του κράτους ο πολίτης δύναται  να υλοποιήσει τις βασικές επιδιώξεις του βίου του: ελευθερία της βούλησης ή και αυτονομία. Εξαρτάται όμως από την ποιότητα των συνθηκών, εάν π.χ αυτές  είναι επαρκείς για να εξελίξει ο πολίτης τις ικανότητές του.
Υπό τον φακό της Ιστορίας της Φιλοσοφίας και της Ιστορίας των Ιδεών θα αναφέρουμε μόνο τις καθοριστικές απόψεις περί την Ελευθερία.
Ο Αριστοτέλης έκανε διάκριση μεταξύ της εκουσίας και της ακουσίας ανθρώπινης συμπεριφοράς: Ακούσιο είναι ό,τι γίνεται υπό πίεση ή λόγω άγνοιας. Εκούσιο θεωρείται αυτό του οποίου η βασική αρχή εστιάζεται στον ενεργούντα άνθρωπο, ο οποίος έχει πλήρη επίγνωση των συνθηκών της ενέργειάς του (Ηθικά Νικομάχεια, ΙΙΙ, 3). Εδώ σημειώνεται μία σύνδεση μεταξύ της ελεύθερης επιλογής επί τη βάσει της ιδίας βούλησης και της ανάλογης επίγνωσης. Τοιουτοτρόπως έχει εμπεδωθεί για πρώτη φορά η Θεωρία της ελευθερίας της βούλησης.
Ενώ ο Πλάτων, ένας αντίπαλος της δημοκρατίας, αποκρούει την υπερβολική ελευθερία (“Η άγαν ελευθερία έοικε εις άγαν δουλείαν μεταβάλλειν”:”φαίνεται πως η υπερβολική ελευθερία μετατρέπεται σε υπερβολική υποδούλωση”,Πολιτεία 564Α), ο ρήτωρ Ισοκράτης εφιστά στο λόγο του προ του Αρείου Πάγου την προσοχή επί μερικών αδυναμιών της δημοκρατίας σε συνδυασμό με την ελευθερία: «Διότι εκείνοι που διοικούσαν την πόλη τότε (εννoεί στην εποχή του Σόλωνα και του Κλεισθένη), δε δημιούργησαν ένα πολίτευμα το οποίο μόνο κατ’ όνομα να θεωρείται το πιο φιλελεύθερο και το πιο πράο από όλα, ενώ στην πράξη να εμφανίζεται διαφορετικό σε όσους το ζουν· ούτε ένα πολίτευμα που να εκπαιδεύει τους πολίτες έτσι ώστε να θεωρούν δημοκρατία την ασυδοσία, ελευθερία την παρανομία, ισονομία την αναίδεια και ευδαιμονία την εξουσία του καθενός να κάνει ό,τι θέλει, αλλά ένα πολίτευμα το οποίο, δείχνοντας την απέχθειά του για όσους τα έκαναν αυτά και τιμωρώντας τους, έκανε όλους τους πολίτες καλύτερους και πιο μυαλωμένους» («Οἱ γὰρ κατ’ ἐκεῖνον τὸν χρόνον τὴν πόλιν διοικοῦντες κατεστήσαντο πολιτείαν οὐκ ὀνόματι μὲν τῷ κοινοτάτῳ καὶ πραοτάτῳ προσαγορευομένην, ἐπὶ δὲ τῶν πράξεων οὐ τοιαύτην τοῖς ἐντυγχάνουσι φαινομένην, οὐδ’ ἣ τοῦτον τὸν τρόπον ἐπαίδευε τοὺς πολίτας ὥσθ’ ἡγεῖσθαι τὴν μὲν ἀκολασίαν δημοκρατίαν, τὴν δὲ παρανομίαν ἐλευθερίαν, τὴν δὲ παρρησίαν ἰσονομίαν, τὴν δ’ ἐξουσίαν τοῦ ταῦτα ποιεῖν εὐδαιμονίαν, ἀλλὰ μισοῦσα καὶ κολάζουσα τοὺς τοιούτους βελτίους καὶ σωφρονεστέρους ἅπαντας τοὺς πολίτας ἐποίησεν»). Αυτή ή ενδιαφέρουσα άποψη αναδεικνύει μεγάλη επικαιρότητα. Στη διαμόρφωση της ευρωπαϊκής αντίληψης περί την ελευθερία έχει συμβάλλει σημαντικά ο ολλανδοεβραίος φιλόσοφος Baruch Spinoza, ο οποίος διεπίστωσε ως πρώτος μία διαλεκτική σχεση  μεταξύ της ελευθερίας και της αντικειμενικής αναγκαιότητας: «Ονομάζω λοιπόν ένα πράγμα ελεύθερο, εάν αυτό υφίσταται και λειτουργεί μόνον μέσω της αναγκαιότητας της φύσης του» (Briefwechsel 228 ff.). Με αυτό τον τρόπο η ελευθερία ερμηνεύεται ως επίγνωση της αναγκαιότητας. Σχεδόν την ίδια άποψη έχει διατυπώσει και ο μεγάλος Γερμανός Φιλόσοφος Hegel: Μία ελευθερία, η οποία δε θα είχε ουδεμία αναγκαιότητα, και μόνον η αναγκαιότητα χωρίς ελευθερία, αυτά είναι αόριστοι και ουχί αληθείς ορισμοί. H ελευθερία είναι στην ουσία της συγκεκριμένη, για την αιωνιότητα αυτοκαθορισμένη και έτσι ταυτόχρονα αναγκαία (Werke, 8, S.110ff.).
Από την Ιστορία της Φιλοσοφίας είναι πασίγνωστο, ότι ο Karl Marx έχει παραλάβει πολλές ιδέες του Hegel, τις έχει συνδυάσει με τον υλισμό και εμπέδωσε τον Διαλεκτικό Υλισμό, ο οποίος εφαρμόσθηκε και στη μαρξιστική αντίληψη περί την ελευθερία. Τα κύρια συστατικά στοιχεία αυτής της άποψης είναι επίσης α) η διαλεκτική σχέση μεταξύ της αναγκαιότητας και της ελευθερίας, β) η ελευθερία ως επίγνωση της αντικειμενικής αναγκαιότητας, γ) η εφαρμογή αυτής της αναγκαιότητας στην κοινωνική πράξη, δ) η ελευθερία αποτελεί μία συγκεκριμένη ιστορική έννοια και ε) η ελευθερία ουδέποτε και πουθενά είναι απόλυτη.
Υπό το πρίσμα της Πρακτικής Φιλοσοφίας και της Πολιτολογίας η ελευθερία αποτελεί ένα βασικό κριτήριο για τη διοργάνωση της κοινωνίας και ιδιαιτέρως των πολιτικών θεσμών της, οι οποίοι έχουν μεταξύ άλλων το καθήκον να προστατεύσουν την ελευθερία των πολιτών έναντι άλλων πολιτών καθώς και έναντι της κρατικής εξουσίας. Πέραν τούτου πρέπει ένα φιλελεύθερο (αστικό) κοινωνικό σύστημα να συμβάλλει στα πλαίσια των δυνατοτήτων του στην υλοποίηση της αυτοπραγμάτωσης των πολιτών. Η πιό σημαντική προϋπόθεση για αυτό είναι το δημοκρατικό σύστημα που σημαίνει γενικά το δικαίωμα της πολιτικής συμμετοχής των πολιτών στο πολιτικό γίγνεσθαι.
Υπό το πρίσμα της Κοινωνιολογίας διαχωρίζεται η liberte civile από την liberte naturell. Αρχικά έχουν διατυπωθεί και οι δύο εκφράσεις από το μεγάλο Γάλλο διαφωτιστή J.J. Rousseau. H liberte civile σημαίνει, ότι ο πολίτης έχει συνειδητοποιήσει το πλαίσιο των υπαρχουσών δυνατοτήτων των ενεργειών του επί τη βάσει του σεβασμού των κοινωνικών κανόνων και του νόμου. Δηλαδή ο συνειδητός πολίτης γνωρίζει τους κανόνες και τους νόμους και τους σέβεται αυτοβούλως, γιατί μόνον έτσι μπορεί να υπάρξει και να λειτουργήσει μία κοινότητα ανθρώπων.Τοιουτοτρόπως δημιουργείται μία σταθερή σχέση μεταξύ όλων των πολιτών. Η liberte naturell  (φυσική ελευθερία) αφορά το πλαίσιο των δυνατοτήτων πέραν των αμοιβαίων υποχρεώσεων σεβασμού των κοινών αξιών, κανόνων και τρόπων προς ικανοποίηση των αναγκαιοτήτων. Ετσι  η φυσική ελευθερία έγκειται στην ικανότητα του ανθρώπου, να υλοποιήσει στα πλαίσια των δυνατοτήτων του τις θεμιτές επιθυμίες του.
Η περιφημη „Γενική Διακήρυξη των ανθρωπίνων δικαιωμάτων „ του Οργανισμού των Ηνωμένων Εθνών ( 1948 ) ασχολείται με το εν τω μεταξύ διευρεθέν δικαίωμα χωρίς περιορισμό: „ Κάθε άνθρωπος εχει την απαίτηση για ελευθερία της σκέψης, της συνείδησης και της θρησκείας. …“(άρθρο 18 ). Αλλά η „Διεθνής Σύμβαση περί των πολιτικών και των αστικών δικαιωμάτων (1966) είναι πιό συγκεκριμένη και εκτός τούτου εμπεριέχει περιορισμούς δια νόμου στα άρθρα 19 και 20. Πρώτα το άρθρο 18 : « 1. Ο καθείς έχει το δικαίωμα για ελευθερία της σκέψης, της συνείδησης και της θρησκείας… „. Στα παρακάτω άρθρα υπάρχουν όμως περιορισμοί : „1. Ο καθείς έχει το δικαίωμα, να εκφράζει τη γνώμη του οριστικά. … 3. „Η άσκηση του δικαιώματος συνεπάγεται ιδιαίτερες υποχρεώσεις και ιδιαίτερη υπευθυνότητα. Γι αυτό μπορεί να περιορισθεί. Οι περιορισμοί όμως πρέπει να προβλέπονται δια νόμου και να είνα απόλυτα απαραίτητοι α) για τα δικαιώματα και την καλή φήμη άλλων και β ) για την προστασία της εθνικής ασφάλειας, της δημόσιας τάξης, της υγείας του λαού ή της ηθικής“. Συνιστούμε στους αναρχικούς να το διαβάσουν αυτό πολύ προσεκτικά.
Αλλά υπάρχει και μία άκρως ενδιαφέρουσα πτυχή της ελευθερίας, εάν λάβουμε υπ` όψη τη σχέση της με την υπευθυνότητα του ατόμου έναντι της κοινωνίας και του πολίτου έναντι του κράτους, ενώ η ελευθερία σε συνδυασμό με ατομικισμό (όχι ατομικότητα), εγωϊσμό και συμφεροντολογία είναι για μίαν κοινωνία και για ένα κράτος αναμφιβόλως καταστροφική. Ακριβώς αυτό συμβαίνει στα Βαλκάνια και στη Λατινική Αμερική εδώ και 200 χρόνια .
Πηγές
-Αριστοτέλης, Ηθικά Νικομάχεια, Αθήνα 2011, σ. 43-61 (Γ Βιβλίο)
-Aristoteles, Nikomachische Ethik, Köln 2009, S. 55-87 ( Drittes Buch )
-I.Kant, Grundlegung der Metaphysik der Sitten,  Frankfurt 1986 (Erste Ausgabe, Riga 1786)
-J.S. Mill, Über die Freiheit (Orig. On Liberty), Stuttgart 2013
-C. Taylor, Negative Freiheit, Zur Kritik des neuzeitlichen Individualismus, Frankfurt /M. 1999
-E. Fromm, Die Furcht vor der Freiheit, München 1995
-G. Keil, Willensfreiheit und Determinismus,Stuttgart 2009
-J. Schapp: „Freiheit, Moral und Recht“,Tübingen 2017
-C.Bay,The Structure of Freedom, Stanford1965
-Ilustrierte Geschichte der westlichen Philosophie (The Oxford illustrated History of Western Philosophy, edit. by Anthony Kenny et Oxford University
Press, 1994 ),  Köln 1995, S. 133 (Descartes), S.211, 359 (Fichte), S. 219ff. ,360 f. (Hegel), S. 198-200 (Kant), S. 169 f. (Leibniz), S. 163 f. ( Spinoza ), S. 337 f. (Hobbes), S. 344 f. ( Locke ), S. 364 ( J. St. Mill),S. 340 (Milton ), S. 347 (Montesquieu), S. 352 (Paine), S. 349 f. (Rousseau)
-Philosophisches Wörterbuch, hrsg. von Georg Klaus / Manfred Buhr, Band 1, Leipzig 1969, S.374-377
-Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, hrsg. von J. Mittelstraß, Band 1., Stuttgart 2004, S.675 – 682
-Lexikon zur Soziologie (128 Autoren), hrsg. von Werner Fuchs – Heinritz et
alt., Opladen 1995, S. 213
-Kleines Politik-Lexikon, hrsg. von C. Lenz / N. Ruchlak,  München / Wien 2001, S.67/68.
-Geschichte des wissenschaftlichen Denkens im Altertum, hrsg, vonFritz Jürss,
Akademie der Wissenschaften, Berlin 1982, S. 167,S. 182, S. 328, S. 385,S. 588.
-Kulturgeschichte der Antike, Griechenland, hrsg. von R. Müller, Akademie der Wissenschaften, Berlin 1976, S. 21, 202, 224, 249, 252.

Ontologie in der Philosophie

Ontologie in der Philosophie
Hier wird der Versuch unternommen, die Ontologie im Lichte des vorherrschenden philosophischen Denkens darzustellen, zu dem die theologische Sichtweise auf dieses Thema nicht gehört.
Es sei darauf hingewiesen, dass das philosophische Konzept der Ontologie (in erster Linie die Ontosophie, die der aristotelischen “ersten Philosophie” entspricht) weder im Oströmischen Reich formuliert wurde, obwohl die Fachleute etwa 1000 Jahre zur Verfügung hatten, noch in Griechenland, sondern in Deutschland.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde sie ebenso in Deutschland erstmals von R. Goclenius (Lexicon philosophicum, Frankfurt 1613) und A. Calonius (Metaphysica divina, Rostock 1636) und etwas später von J. Caramuel Lobkowitz (Rationalis et realis philosophia, Löven 1642) erwähnt.
Die Ontologie ist teilweise an die Stelle der Metaphysik getreten, wurde aber von einigen Philosophen als Teil der Metaphysik betrachtet. Die Ontologie war also nicht allgemein eine Theorie der Prinzipien des Seins, sondern in erster Linie eine Theorie des Wesens und der Bedeutung des Seins (des Seienden). Diese theoretische Interpretation wurde jedoch von dem deutschen Philosophen Christian Wolff (Universität Leipzig und später Universität Halle) zu einem Wissenschaftszweig  weiterentwickelt. Warum wurde dies in byzantinischer Zeit nicht getan? Wolff weist in seinem berühmten Werk Philosophia prima sive ontologia (Frankfurt, Leipzig 1730. §1) auf den Zweck der Ontologie hin, auf der Grundlage der Logik alle determinierten Elemente des Seins so zu formulieren, dass sie die höchste Qualität der Allgemeinheit erlangen.
Der Philosoph I. Kant hat diese Auffassung abgelehnt und eine andere Definition vorgeschlagen: Die Ontologie ist eine Wissenschaft, die ein System aller logischen Prinzipien und Begriffe enthält, aber nur unter der Bedingung, dass diese sich auf Gegenstände beziehen, die durch die Sinne identifiziert worden sind und daher mit Hilfe der Empirie bewiesen werden können Preisschrift über die Fortschritte der Metaphysik, Akad.-Ausg. XX, 255, 260).
Die Ontologie war und ist ein weiterer Gegenstand der Beschäftigung der Erkenntnistheorie, in der deutsche und amerikanische Philosophen, insbesondere N. Hartmann, teilweise M. Heidegger und W.V.O. Quine, international führend sind. Hartmann bewertet die Ontologie als eine Theorie des Seins an sich. Andere ähnliche Ansichten werden zur Kenntnis genommen. Der gemeinsame Punkt ist der folgende: Die Ontologie befasst sich sowohl mit dem Sein als auch mit allen wichtigen und unmittelbaren Elementen, die zum Sein gehören. Der Philosoph Jacoby macht folgende interessante Feststellung: Ontologie ist “die Theorie dessen, was per se unabhängig vom Bewusstsein des Erkennenden existiert”.
Daher unterscheidet sich die Ontologie von der theologischen Sichtweise (Neo-Thomismus) des “göttlichen Seins”, die zur theologischen Metaphysik gehört, und der ontologische Ansatz war ein prägender Teil der philosophischen Theorien von Platon, Aristoteles, Plotin, die mittelalterliche Scholastik, Wolff und Leibnitz. Es wird der Vesuch konstatiert,  ausgehend von der Grunderfahrung, das Sein als Sein zu definieren. Das heißt, es handelt sich um eine Logik, um eine Gesamtheit der Erkenntnisse über die Begriffe um die Wirklichkeit,  was stark an den objektiven Idealismus erinnert.
Die größten Gegner der Ontologie waren die englischen und französischen Materialisten des 17. und 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert spielte die Ontologie keine Rolle, aber im frühen 20. Jahrhundert wurde sie von einem deutschen Philosophen wiederentdeckt (H. Pichler, Über Chr. Wolffs Ontologie, 1910). Der Begriff “Neue Ontologie” wurde bereits formuliert  als Antwort auf die starken Tendenzen des Subjektivismus und Mystizismus (Positivismus, Neokantrianismus, Lebensphilosophie, Existenzialismus) innerhalb der Philosophie bewertet.
Die wichtigsten Vertreter der Neuen Ontologie sind  N. Hartmann, G. Jacoby, Husserl (“Universale Ontologie”), Heidegger (“Funtamentalontologie”), Sartr (“Phänomenologische Ontologie”) und H. Conrad-Martius (“Realontologie”). Sehr interessant ist Hartmanns Definition: Ontologie bedeutet dass das  Wissen nicht eine Schöpfung, Einpflanzung oder Konstruktion eines Objekts ist, wie der Idealismus versucht, zu sagen, sondern die Lokalisierung von etwas, das dem Wissen darüber vorausgeht. Hartmann macht eine weitere Unterscheidung zwischen dem realen und dem idealen Sein und versucht, den Gegensatz zwischen Idealismus und Materialismus zu überwinden.
Der amerikanische Philosoph O. Quinn war der wichtigste Vertreter der Analytischen Philosophie und vertrat eine eigentümliche Sicht der Ontologie ohne metaphysische oder theologische Dimensionen: Die Wahrheit einer Theorie kann die Existenz von Objekten oder die Erfüllung der Werte bestimmter Eigenschaften zur Voraussetzung haben (The Ways of Paradox and Other Essays, New York 1966, Cambridge Mass. 1976). Das übergeordnete Ziel seiner Theorie ist die Verwissenschaftlichung der Welt und des Lebens. Dies ist das Gegenteil von Heideggers Ansicht (Sein und Zeit, Halle 1927, Tübingen 1979).
Es  seien auch die  Vertreter der Neo-Scholastik genannt ( die Scholastik stützt sich im Allgemeinen auf die Bibel), die versuchen, die völlig überholte Ontologie des Mittelalters wiederzubeleben. Der Neoklassizismus befasst sich in erster Linie mit Fragen wie der philosophischen Rechtfertigung kirchlicher Lehren, der Versöhnung des Glaubens mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, der Religion mit der Wissenschaft oder dem Kampf gegen alle fortschrittlichen philosophischen Ideen, insbesondere gegen  Atheismus und Pantheismus.
Weitere Literatur-Quellen
-Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Edit. J.
Mittelstraß, Band 2, Stuttgart. Weimar, 2004, S. 995, 1077-1079.
-Philosophisches Wörterbuch, Edit. G.Klaus-M. Buhr, Band 2,
S. 784-785, 806-808.
- M. Heidegger, M. Sein und Zeit, Halle 1927, Tübingen 1979.
-J.NB. Lotz,  Ontologia, Barcelona 1963.
-R. Zocher, Die philosophische Grundlehre, Eine Studie zur
Kritik der Ontologie, Tübingen 1939
-J. Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie, Bd. 2 Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen, Berlin 2019
-T. Honderich, Ontology, in:  The Oxford Companion to Philosophy, Oxford University Press 2005
-M. Battista, Ontologia, metafisica, Bologna 1905
-A. Pescador, Ontología, Buenos Aires 1966
Veröffentlicht in Griechisch in Καθημερινή (Kathimerini ), 23.11.16 als Auseinandersetzung mit dem Philosophen und Theologen Christos Giannaras
Aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik, Erster Band) ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.66

Metaphysik in der Philosophie

Metaphysik (in der Philosophie, nicht in der Theologie)
Zur Metaphysik systematisch
Auch hier halte ich es für notwendig, das sehr schwierige Thema der Metaphysik nur im Lichte der modernen Philosophie darzustellen. Die Theologie ist völlig uninteressant, denn während sich die Philosophie als Wissenschaft auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt, hat die Theologie den Glauben als Hauptgrundlage, der wiederum Spekulationen, Überzeugungen und durch sophistische Spitzfindigkeiten im Wesentlichen wirklich zu “heilig” erhobene Phantasien zum Ausdruck bringt. 1. das Konzept der aristotelischen Metaphysik Der Begriff “Metaphysik” (griech. “Μεταφυσική”, engl. metaphysics, franz. metaphysique) war zunächst die Bezeichnung für die 14 Bücher des Aristoteles, die der Peripatetiker Andronikus (Ανδρόνικος) von Rhodos (70 v. Chr.) hinter den acht Büchern der “Physik” (“nach der Physik”, die Physik als “zweite Philosophie”) eingeordnet hat. Ihr Inhalt war die “erste Philosophie (“über die erste Philosophie”) oder, nach Theophrast (Θεόφραστος), “die Theorie der Ersten” (die Theorie dessen, was als erstes existiert), die Aristoteles (Αριστότελης) als eine Wissenschaft definiert hat, die das Sein im Allgemeinen betrachtet, zu dem die Objekte gehören, die sind “die ersten Ursachen und Prinzipien” (Met. A2.982b9) oder “das Seiende Sein” (Met. E1.1026a31) oder beides zusammen “die ersten Ursachen des Seins (Met. C1.1003a30-31). In einem anderen Werk verwendet Aristoteles den Begriff “Weisheit” (Eth.Nic. Z7.1141a16ff.). Die “erste Philosophie” befasst sich nicht mit der Natur, sondern mit dem Wesen ihres Fundaments, ist also auch die Wissenschaft des Göttlichen (Met.A8.1074a35-36).
Im Gegensatz zu Platon (Πλάτων, Ιδέες) hat Aristoteles eine philosophische Theorie der begrifflichen Struktur der Erkenntnisgewinnung sowie der Erkenntnis auf der Grundlage von Empirie aufgestellt. Die wichtigsten Begriffe der Metaphysik des Aristoteles sind Form, Materie, Substanz, Wesen, Wahrheit, Seele, Unsterblichkeit, Freiheit und Gott. Es ist genau diese Interpretation der Metaphysik, die dazu geführt hat, dass sie später als “allgemeine Metaphysik” (Metaphysica generalis) bezeichnet wurde. Seit der Zeit des Aristoteles wird seit Jahrhunderten eine direkte Beziehung und sogar Synonymität zwischen der Philosophie und der Metaphysik festgestellt.
2. Begriff und Wesen der Metaphysik
Im Mittelalter galt die Metaphysik als eine allgemeine philosophische Theorie des Übernatürlichen, das jenseits der materiellen Welt existiert und das “wahre Sein” und die Grundlage des “Seins selbst” darstellt. In diesem Sinne wurde die Metaphysik von Thomas von Aquin (S.c.g.III, 25) als “prima philosophia” betrachtet und wird auch heute noch von idealistischen Philosophen (z.B. Neo-Thomisten) als grundlegende und entscheidende Wissenschaft für bestimmte wissenschaftliche Disziplinen, wie Logik, Erkenntnistheorie, Ontologie, Ästhetik etc. als “spezielle Metaphysik” (“Metaphysica specialis”) betrachtet. Im Mittelalter galt die Metaphysik als die “Königin der Wissenschaften” (Thomas von Aquin), die sich insbesondere mit dem Unterschied zwischen dem göttlichen und dem kosmischen Sein befasst. Alle metaphysischen Begriffe zeichnen sich durch Endgültigkeit und Unbeweglichkeit aus. Ausgehend von einem hypothetischen Grundprinzip (Gott, Sein, Idee, Ich, Monade, a priori, Materie, Gegensatz, Zeit, Wille, Hoffnung usw.) versuchen die Metaphysiker, die Welt zu deuten. Im Wesentlichen hat die Metaphysik ein dogmatisches Konstrukt geschaffen, das aus zahlreichen Konzepten und Ideen besteht, die keinen Bezug zur objektiven Realität haben. Das ist das prägende Merkmal der Metaphysik. 3. Gegner der scholastischen Metaphysik Die scholastische Metaphysik ist eine Synthese aus der idealistischen antiken griechischen Philosophie einerseits und der christlichen Theologie (“Gotteslehre”) andererseits. Bereits am Ende des Mittelalters, in der Übergangszeit von der via antiqua (antikes Leben) zur via moderna (modernes Leben) und der entscheidenden und fast weltgeschichtlichen Trennung von Philosophie und Theologie, Wissen und Glauben, Intelligenz und “göttlicher” Offenbarung, begann allmählich die Infragestellung der Wahrheit der (aristotelischen) scholastischen Metaphysik. Die Auseinandersetzung mit dem antiken griechischen Geist hat neu und vor allem ohne religiöse Scheuklappen und große Verzerrungen stattgefunden. Dieser Befreiungsprozess wurde durch den Protestantismus intensiviert und erreichte seinen Höhepunkt in der Europäischen Aufklärung. Die englischen Empiristen M.D. Humes, W. Ockham, Francis Bacon, J. Locke und kurz danach die berühmten französischen Materialisten C.A. Helvetius, P.H. d` Holbach und J.O. de La Metrie haben die scholastische Metaphysik fast frontal angegriffen und sie als etwas Obskures, Betrügerisches und Pathologisches bezeichnet, d.h. als Pseudowissenschaft für “kranke Geister”. Dies sind tödliche Schläge. Der größte Philosoph der Welt nach Platon und Aristoteles, der Deutsche Immanuel Kant, machte sich daran, das zu zerstören, was er für ein unwissenschaftliches metaphysisches Konstrukt hielt, vor allem durch sein berühmtes Werk “Kritik der reinen Vernunft” (1781), in dem er die Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnis untersucht und zeigt, dass sie nicht über die Grenzen der Erfahrung hinausgehen darf. Andererseits plädiert er jedoch für eine korrekte transzendentale metaphysische philosophische Theorie (B XXXVI) als Wissenschaft über die Grenzen der menschlichen Intelligenz. Dazu hat er eine kleine Abhandlung unter dem Titel “Träume eines Geistersehers” veröffentlicht (A 115, Akad. Ausg. II, 368). Überhaupt stellt Kants Transzendentalphilosophie eine echte “Kopernikanische Wende” und den Abschluss der scholastischen Metaphysik dar. Kant hat die scholastische Metaphysik wie folgt verspottet: “Die Metaphysik ist ein dunkler Ozean ohne Ufer und Leuchttürme mit philosophischen Wracks”. Voltaire sagte etwas ebenso Spöttisches: “Viertausend Bände Metaphysik werden uns nicht lehren, was die Seele ist”.
Der andere Titan der Weltphilosophie, der Deutsche Georg Wilhelm Friedrich Hegel, unternahm einen Generalangriff auf die mittelalterliche Metaphysik, der ihr einseitige Methode und abstrakte Begriffe vorwarf, und vorschlug , dass die Philosophen sie durch die Logik ersetzen sollten, in der sich der Geist durch geeignete logische Begriffe, insbesondere auf dialektische Art und Weise, entwickeln kann. An sich hatte die traditionelle Metaphysik viele wichtige Gegner, die ihr vorwarfen, dogmatisch und ein “phlosophisches Wörterbuch obskurer Pseudowörter” zu sein, “das nichts Nützliches enthält” (Walch). Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die allgemeine Auffassung durchgesetzt, dass für die Metaphysik die letzte Stunde geschlagen hat. Zu den größten Gegnern der Metaphysik gehören heute die linguistische analytische Philosophie, der logische Empirismus und die Wissenschaftstheorie (die allmählich den Begriff der Philosophie ersetzt). Alle modernen Philosophen werfen der Metaphysik vor, absichtlich die Realität mit Phantasien zu verwechseln. So vergleicht der Philosoph Carnap die Metaphysik mit der “Lyrik mit der Umhüllung einer Theorie” und die Metaphysiker mit “Musikern ohne musikalische Fähigkeiten”. Und der Philosoph L. Wittgenstein (Tractatus logico-philosophus, 1921) bewertet die Metaphysik als eine Beschäftigung innerhalb der Grenzen zwischen dem Verständlichen und dem Unsinnigen. Wittgenstein schreibt sehr interessant: “Wenn man von etwas nicht sprechen kann, soll man schweigen”. Bertrand Russel geht noch weiter und stellt fest: “Um ein guter Philosoph zu sein, muss man der Metaphysik abschwören”.
3. Metamorphose der Metaphysik
Die rasante Entwicklung der Naturwissenschaften (in Europa und den USA, nicht auf dem Balkan und auch nicht im orthodoxen Russland) zwang die Vertreter der Metaphysik, sich an die neuen Gegebenheiten etwas anzupassen. Es sind neue Naturwissenschaften entstanden, die sich auf die Sammlung und systematische Analyse von Daten stützen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass weder Gegenstände noch ihre Begriffe einen ewigen Charakter haben, statisch und unveränderlich sind. Die bestimmenden Prinzipien sowohl im Leben als auch in der Wissenschaft sind der ständige Wandel (Heraklit “Panta-rhei”:”Πάντα ρει”) und der Fortschritt, Generell besteht seit dem letzten Jahrhundert ein gewisses Interesse an der Metaphysik als Studienobjekt, aber einige Philosophen (z.B. Husserl) haben versucht, die Metaphysik als “Erste Philosophie” wiederzubeleben, um der menschlichen Existenz einen “tiefen Sinn” zu geben. Es stellt sich die berechtigte Frage, was die Menschen in dem riesigen Kulturkreis des Konfuzianismus ohne Gott und Metaphysik machen. Hat denn ihr Leben keinen Sinn?
Literatur-Quellen
-Aristoteles, Metaphysik, ISBN 978-3-7306-0215-7, Köln 2015
-I. Kant, Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, Leipzig 1979
-I. Kant, Kritik der reinen Vernunft, Leipzig 1986
-I. Kant, Kritik der praktischen Vernunft, Leipzig 1978 -M. Buhr, Immanuel Kant, Leipzig 1967
- Oxford illustrierte Geschichte der westlichen Philosophie, Oxford University Press, 1994
-Geschichte des wissenschaftlichen Denkens in der Antike, hrsg. von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Fritz Jürss, Akademie der Wissenschaften, Berlin 1982
-A. Pichot, Die Geburt der Wissenschaft, Paris 1991
-H. Poller, Die Philosophen und ihre Kernideen, Ein historischer Überblick, ISBN 978-3-7892-8271-3, München 2007
-Enzyklopädie der Philosophie und Wissenschaftstheorie, Hrsg. J. Mittelstraß, ISBN 3-476-02012-6. Stuttgart- Weimar, 2004, Bd. 2, S. 870-874, Bd. 4, S. 333-336 -Philosophisches Wörterbuch, herausgegeben von G. Klaus-M. Buhr, Bd. 2, S. 715-716, 1094, Berlin 1966
-DUDEN, Die Philosophie, Eine faktische Enzyklopädie der Philosophie, Hrsg. R. Ohlig, ISBN 3-411-02206-X
-Geschichte der mittelalterlichen Philosophie, Verlag der Wissenschaften, ISBN 3-326-00464-8, Berlin 1989 (Universitätslehrbuch)
-R. Carnap, Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache, Erkenntnis 2(1931), S.219-241 (schwer verständlich, aber sehr nützlich)
-M. Heidegger, Kant und das Problem der Metaphysik, Frankfurt 1985
-G. Knapp, Der antimetaphysische Mensch, Darvin-Marx-Freud, Stuttgart 1973 (ein tödlicher Schlag gegen die Metaphysik)
-W. Krampf, Die Metaphysik und ihre Gegner, Meisenheim 1973 (sehr aufschlussreich) -E. Topitsch, Vom Ursprung und Ende der Metaphysik, Eine Studie zur Weltanschauungskritik, München 1972. Hier wird das Ende der traditionellen scholastischen Metaphysik, die in der Theologie immer noch vorherrscht, evident.
-F. Kaulbach, Einführung in die Metaphysik, Darmstadt 1982 (Universitätshandbuch)  J. Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie, Bd. 2 Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen, Berlin 2019 (philosophisches Hohelied auf den Geist der Aufklärung)
-M. Blay, Dictionnaire des concept philosophiques, Paris 2013
-J. Grondin, Einführung in die Metaphysik, Verlag Herder 2006
-J.L. Pardo, La metafisica, Preguntas sin respuesta y problemas sin solucion, Valencia 2006 (vielsagender Titel: Die Metaphysik, Fragen ohne Antwort und Probleme ohne Lösung)
veröffentlicht in Griechisch in Καθημερινή (Kathimerini) in Auseinandersetzung mit dem griechischen Philosophen und Theologen Christos Giannaras (20.11.16)
Aus meinem Buch: Panos Terz, (Enzyklopädische und Allgemeinbildung, populärwissenschaftlich: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Politik), Band 1, ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, S.68 ff.

Ευρωπαϊκός Διαφωτισμός, Αγγλικός Διαφωτισμός, Γαλλικός Διαφωτισμός

Ο κοσμοϊστορικός ΕΥΡΩΠΑΙΚΟΣ ΔΙΑΦΩΤΙΣΜΟΣ
Defensio Lucis  Aeternae Occidentalis versus “lucis sancti” orientalis virorum obscurorum theologorum orthodoxorum
(Υπεράσπιση του Αιωνίου Φωτός της Δύσης κατά του ανατολίτικου “αγίου φωτός” των σκοταδιστών  ορθόδοξων Θεολόγων)
Μία συστηματική, νηφάλια και εκλαϊκευμένη επιστημονική θεώρηση
1. Προοίμιον
Το παρόν ειδικό σχόλιο αποτελεί μίαν ακαδημαϊκή αντιπαράθεση με τη διαρκή δυσφήμιση του Ευρωπαϊκού Διαφωτισμού εκ μέρους του Θεολόγου και Φιλόσοφου κ. Χ. Γιανναρά. Επισημαίνω τον ακαδημαϊκό τρόπο της αντιπαράθεσης, κάτι που δεν εφαρμόζεται ούτε στον πολιτικό στίβο, ούτε στον ελληνικό τύπο, ούτως ή άλλως ούτε στο διαδίκτυο, όπου επικρατεί ένα κλίμα του συγκρουσιασμού, των αντεγκλήσεων, των διαστρεβλώσεων και των προσωπικών προσβολών. Το σχόλιο αφορά μόνο την εχθρική τοποθέτηση του κ. Γιανναρά στην επιφυλλίδα του έναντι του Διαφωτισμού, τον οποίο κατηγορεί σχεδόν για όλα τα κακά του κόσμου και γενικά έναντι του ατομοκεντρισμού και του φιλελεύθερου πνεύματος της Δύσης αενάως ηθικολογώντας χωρίς να παρουσιάσει ένα καλύτερο κοινωνικοπολιτικό και οικονομικό σύστημα, ενώ σημειώνεται μία τάση συμπάθειας σε αυταρχικούς πολιτικούς (Πούτιν, Ερντογκάν), εν μέρει και σε ολοκληρωτικά συστήματα. Εως τώρα δεν έχει γράψει, τί είναι κατά τη γνώμη του ο Διαφωτισμός. Περίμενα ματαίως πέντε έτη ελπίζοντας, ότι κάποιος θα έκανε την απαραίτητη συστηματική αντιπαράθεση με τις σκοταδιστικές θέσεις του κ. Γιανναρά, αλλά τελικά αποφάσισα να το κάνω εγώ, ειδάλλως θα περίμενα έως τη μεταφυσική, υπερβατική και φαντασιακή «Δευτέρα Παρουσία».
Τί σημαίνει άραγε η έννοια Διαφωτισμός; Πότε, σε ποιές χώρες και διατί έχει εμφανισθεί ο Διαφωτισμός; Ποιά είναι τα χαρακτηριστικά γνωρίσματα και οι καθοριστικές επιτεύξεις του; Διατί τον μισούν οι ιεράρχες και οι θεολόγοι του Ρωμαιοκαθολικισμού και ιδιαιτέρως της Ορθοδοξίας; Διατί υφίσταται ουδεμία σχέση μεταξύ των ιδεών του ατομοκεντρικού Διαφωτισμού και των αρχών των ολοκληρωτικών συστημάτων; Είναι οι βασικές ιδέες του Διαφωτισμού παρωχημένες, όπως ισχυρίζονται οι εχθροί του; Είναι η Μεταφυσική και ο Μυστικισμός του Χριστιανισμού και ιδιαιτέρως της Ορθοδοξίας επαρκείς και κατάλληλοι να αντικαταστήσουν στο 21ο αι. τον ήδη υλοποιημένο Διαφωτισμό; Επιδιώκουν στα σοβαρά να επανέλθουν στο Μεσαίωνα;
2. Εννοια του Διαφωτισμού
α) Υπό την ευρύτερη έννοια  ο Διαφωτισμός σημαίνει την ατομική επιδίωξη μίας αυτοτελούς νοημοσύνης του ανθρώπου. Τον ευστοχότερο ορισμό του Διαφωτισμού έχει διατυπώσει ο Γερμανός ο κορυφαίος Φιλόσοφος Ιmmanuel Kant: « έξοδος του ανθρώπου από την αυθυπαίτια ανωριμότητητά του». Πέραν τούτου μας διδάσκει ο Kant: «Ανωριμότητα είναι η ανικανότητα να χρησιμοποιήσει κανείς το νου του χωρίς την καθοδήγηση από κάποιον άλλον». Κάθε Διαφωτισμός προϋποθέτει Κριτική στις κυριάρχουσες επίσημες απόψεις περί της φύσης, του ανθρώπου, της κοινωνίας, του κράτους, του θεού (των θεών), των ηθικών και των νομικών κανόνων. Κανόνες, οι οποίοι προέρχονται από έξω, από άλλους αποτελούν «χειροπέδες μίας παντοτινής ανωριμότητας» (Kant). Ο Διαφωτισμός διακηρύττει την πρόοδο της κοινωνίας και της ανθρωπότητας ως μία χρονοβόρα διαδικασία και πρεσβεύει τη βασική άποψη, ότι ο νους (ΛΟΓΟΣ) είναι σε κάθε άνθρωπο έμφυτος και ότι η ΑΥΤΟΝΟΜΙΑ του ανθρώπινου Λόγου (όχι ο θεός) αποτελεί την υψίστη εξουσία για τον άνθρωπο περί του τί είναι καλό ή κακό, αληθές ή ψευδές. Αλλά μόνον η κατάλληλη παιδεία οδηγεί σε τέτοια ανθρώπινη ικανότητα.
β) Συγκεκριμένα πρόκειται για ένα διανοητικό και φιλοσοφικό κίνημα, το οποίο αντανακλούσε τις οικονομικές, και πολιτικές επιδιώξεις του Τρίτου κοινωνικού στρώματος και δη του αστικού στο πλαίσιο της χειραφέτησής του από τα δεσμά του φεουδαλικού απολυταρχισμού. Ως διανοητικό κίνημα ο Διαφωτισμός έχει εμπεδωθεί  μέσω συνεχούς και άκρως επιτυχούς σύγκρουσης με τον Σχολαστικισμό, τη Μεταφυσική, το Μυστικισμό, το μονοπώλιο της «Αλήθειας» και γενικά με την καθυστέρηση και το ΣΚΟΤΟΣ του Χριστιανισμού και δη του Ρωμαιοκαθολικισμού. Δεν είναι λοιπόν τυχαίο που αυτό το κίνημα έχει άμεση σχέση με το πραγματικό Φως του ανθρώπινου λόγου και της επιστήμης κατά του φαντασιακού και «υπερβατικού» «φωτός του αγίου πνεύματος», δηλαδή κατά του ΣΚΟΤΑΔΙΣΜΟΥ, ο οποίος ακόμη επικρατεί στις χώρες με ορθόδοξη παράδοση “από την Κρήτη έως το Βλαδιβοστόκ ” (Στέλιος Ράμφος) καθώς και στις ισλαμικές χώρες. Τοιουτοτρόπως  η Εποχή του Διαφωτισμού έxει αυτονομασθεί ως «the Age of enlightenment“, „ le siegle des lumieres“ή „siecle eclaire“(γαλλ.), „Aufklärung“(γερμαν.), „Illumιnismo“(ιταλ.) , „Illustracion“ (ισπαν.) και „prosvetschenije“(ρως.)
3. Ιστορικές ρίζες και βάσεις του Ευρωπαϊκού Διαφωτισμού
Η Ιστορία της Φιλοσοφίας στην Ευρώπη αξιολογεί γενικά την αρχαία ελληνική Φιλοσοφία και ιδιαιτέρως τους Σοφιστές ως την πρώτη ρίζα του Διαφωτισμού. Κατά τη γνώμη μου  ο αρχαίος ελληνικός Διαφωτισμός έχει τις ρίζες του στον Υλισμό των Φιλοσόφων της Ιωνίας, έπονται ο Δημόκριτος, ο Επίκουρος και ιδίως οι Σοφιστές. Σύμφωνα με τον Εγελο (Hegel) οι Σοφιστές είναι οι φορείς του αρχαίου ελληνικού Διαφωτισμού). Κατόπιν αναφέρονται η Αναγέννηση και το κίνημα του Ανθρωπισμού (Humanismus) μέσω της νέας Εικόνας του ανθρώπου και δη του ανθρώπου με εξελιγμένη ΑΥΤΟΠΕΠΟΙΘΗΣΗ και μεγάλη γενική μόρφωση, κάτι που αντιτίθετο διαμετρικά στη χριστιανική Εικόνα του ανθρώπου. Ο Διαφωτισμός έχει στηριχθεί εκτός τούτου σε επιτεύξεις των φυσικών επιστημών (Galilei ως εμπεδωτής της σύγχρονης φυσικής επιστήμης μέσω του πειράματος), Keppler (ηλιοκεντρισμός), Newton (νόμος της έλξης-βαρύτητας, «Philosophiae naturalis principia methematica» : “Μαθηματικές Αρχές περί της Φιλοσοφίας της Φύσης”,1687), οι οποίες έχουν κυριολεκτικά συγκλονίσει την κοσμοαντίληψη του Χριστιανισμού υπό τη μορφή του Ρωμαιοκαθολικισμού. Τοιουτοτρόπως προετοίμασαν το έδαφος για νέες φιλοσοφικές θεωρίες και για τη ραγδαία εξέλιξη των επιστημών.
4. Αγγλία, η γενέτειρα του Ευρωπαϊκού Διαφωτισμού
Δεν είναι ευρέως γνωστό, ότι ο Διαφωτισμός έχει εξελιχθεί πολυδιάστατα πρώτα στην Αγγλία. Αυτός είναι ο λόγος, γιατί παρακάτω παρουσιάζω τους σημαντικότερους Αγγλους Διαφωτιστές, οι οποίοι ήταν στην κυριολεξία δάσκαλοι των Γάλλων Διαφωτιστών, σχετικά εκτενώς. Ετσι αποδίδω στους ήρωες και «αγίους» της ευρωπαϊκής προόδου και της επιστήμης φόρο τιμής. Θα γίνει βαθμιαία αντιληπτό, ότι οι καθοριστικές οικονομικές πολιτικές και κοινωνικές αξίες του Δυτικού Κύκλου Πολιτισμού ύστερα από το Μεσαίωνα έχουν την αφετηρία στην Αγγλία. Ηδη κατά το τέλος του 16ου αι. αρχισε η διαδικασία χειραφέτησης της αγγλικής αστικής τάξης, επί τη βάσει της παραγωγής και ταυτόχρονα έλαβε χώραν πρωτίστως μέσω της “Glorious Revolution” (“Ενδοξη Επανάσταση”, 1688/1689) μία ελαφρά αστικοποίηση της αριστοκρατίας. Στο πέρασμα από τον 17ο προς τον 18οαι. ο αγγλικός Διαφωτισμός έχει φθάσει στο αποκορύφωμά του.
Αφετηρία του Διαφωτισμού ήταν ο FRANCIS BACON (16ος-17ος αι.), ο γενάρχης του αγγλικού υλισμού και σχεδόν όλων των εμπειρικών επιστημών. Στο διεθνώς γνωστότατο έργο του «Essays» (“Πονήματα”) εμπεδώνει τη θεωρία του common sense (κοινός νους), η οποία έχει επηρεάσει πολύ την ευρωπαϊκή φιλοσοφική αντίληψη. Στο έργο του «Novum organum scientiarum» ( “Νέον Οργανον των Επιστημών”,1620), προτείνει ένα πρόγραμμα μεταρρύθμισης της επιστήμης με σκοπό τη ριζική μεταλλαγή των ανθρωπίνων και των κοινωνικών σχέσεων. Το σχεδόν απίστευτο έγκειται στην προσπάθειά του, να συμβάλλει μέσω φιλοσοφικών γνώσεων στον εκμοντερνισμό της παραγωγής («Nova Atlantis»). Σήμερα ονομάζεται αυτό Πρακτική Φιλοσοφία (στην Ευρώπη υπάρχουν ήδη τέτοιες πανεπιστημιακές έδρες). Ο Bacon έχει διατυπώσει και το εξής διάσημο: «Γνώσις είναι ισχύς». Ακολούθησε o THOMAS HOBBES (επίσης 16ος-170ς αι.), ο οποίος έχει εξελίξει τις απόψεις του F.Bacon μεν περαιτέρω, αλλά ήταν αντίθετος με μερικές θεϊστικές τάσεις του Bacon. Απαίτησε να εκδιωχθεί η Θρησκεία από τη Φιλοσοφία, η οποία δέον να ασχολείται με τα σώματα, εννοώντας όχι μόνον το ανθρώπινο (φυσικό), αλλά και το κρατικό (τεχνητό) σώμα, το οποίο δημιουργείται μέσω συνθηκών μεταξύ των ανθρώπων. Επομένως προτείνει τη «Filosofia naturalis» (“Φιλοσοφία της Φύσης”) και τη «Filosofia civilis» (“Φιλοσοφία του Πολίτου”). Τα σπουδαιότερα συγγράμματά του είναι «The Elements of Law, nature and politics» (“Τα Στοιχεία του Δικαίου, της Φύσης και της Πολιτικής”), «De cive» (Περί του Πολίτου”) και το περιβόητο «Leviathan», στο οποίο εμπεδώνεται μία νέα Θεωρία του κράτους. Ταυτόχρονα απορρίπτει τη μεσαιωνική θεολογική ψευδοθεωρία του κράτους. Εν ολίγοις, το ξήλωμα των παρωχημένων και άχρηστων θεολογικών απόψεων συντελείται βαθμιαία, μεθοδικά και συστηματικότατα και τελικά επιτυχέστατα.
Ο σημαντικότερος Φιλόσοφος του αστικού κοινωνικού στρώματος στα τέλη του 17ου αι. ήταν o John Locke. Το έργο του «An essay concerning human understanding» (” Πόνημα περί της ανθρωπίνης νοημοσύνης”) εμπεδώνει τη Σενσουαλιστική Γνωσιοθεωρία, η οποία αποτελεί το φονταμέντο της Φιλοσοφίας του Ευρωπαϊκού Διαφωτισμού και ιδιαιτέρως του Σενσουαλιστικού Υλισμού. Ο Locke εκφράζει αντίθεση στον ισχυρισμό του Descartes, ότι οι ιδέες είναι σε κάθε άνθρωπο έμφυτες. Εν τούτοις, αυτός παραμένει ένας ιδεαλιστής Φιλόσοφος, γιατί διαπιστώνει, ότι υπάρχουν δύο αλήθειες: μια την οποία εκλαμβάνει η ανθρώπινη νοημοσύνη αφ ενός και η αλήθεια της “θεϊκής αποκάλυψης” αφ ετέρου. Στο σημαντικότατο για την ευρωπαϊκή Θεωρία του κράτους και τη Θεωρία του φυσικού Δικαίου (“φύσει δίκαιον”, “jus naturae”) συγγράμματός του «Two treatises of government» (“Δύο μελέτες περί της κυβερνήσεως”) πρεσβεύει την άποψη, ότι το κράτος βασίζεται σε μία συνθήκη μεταξύ του λαού και του άρχοντα, και ότι πρέπει να υπάρχουν δύο εξουσίες, η νομοθετική και η εκτελεστική. Είναι η πρώτη φορά που έχει διατυπωθεί κάτι τέτοιο στη νεώτερη ευρωπαϊκή ιστορία. Ονομάζει ένα τέτοιο κράτος «κράτος του Λόγου» (ratio). Ενα από τα σπουδαιότερα καθήκοντα του κράτους είναι κατά τηνγνώμη του η προστασία του δικαίου της ατομικής ιδιοκτησίας. Αυτό ανταποκρίνεται πλήρως στα ταξικά συμφέροντα της ανερχόμενης αστικής τάξης και του καπιταλισμού. Επονται Μασόνοι και Ντεϊστές (π.χ. Anthony Collins, Matthews Tindal, John Toland et alt.), οι οποίοι έχουν επιτεθεί μετωπικά, εντατικά και συστηματικά εναντίον της Θρησκείας και της Σχολαστικιστικής Θεολογίας, την οποία θεωρούσαν ως το μεγαλύτερο εχθρό τους. Εν ολίγοις: Η κατατρόπωση της σχολαστικιστικής Θεολογίας αποτελούσε την conditio sine qua non για την εμπέδωση της επιστημονικής γνώσης και μεθοδολογίας. Οι Αγγλοι συνέχισαν την αποδόμηση της Θρησκείας και της Θεολογίας της και στον τομέα της Ηθικής Φιλοσοφίας απορρίπτοντας ό,τι έχει σχέση με τη μεσαιωνική χριστιανική ηθική. Εδώ πρωτοστάτησαν ο ιατρός Bernard de Mandeville και ο κόμης Shaftesbury. Ο πρώτος εκφράζει στο σύγγραμμά του «The Fable of the Bees : or Privat Vices, Public Benefits» (“Το Παραμύθι των Μελισσών: Προσωπικά Αμαρτήματα ως Δημόσια Πλεονεκτήματα”) ισχυρό μίσος και μεγίστη απέχθεια έναντι της αφάνταστης υποκρισίας της χριστιανικής ηθικής και διατυπώνει την άποψη, ότι εγωϊσμός, απάτη, απληστία κλπ. είναι ανθρώπινα φαινόμενα όμως υπερεξελιγμένα σε ιερείς, πλουσίους και πολιτικούς. Μόνον σε μερικές περιπτώσεις υπερβάλλει θέλοντας να αντιμετωπίσει τέτοιες συνήθειες μόνον μέσω νόμων και της κρατικής εξουσίας. Ο εγωϊσμός, όπως ο Mandeville τον αντιλαμβάνεται, που δεν αντιτίθεται στους νόμους, μπορεί κάλλιστα να συμφωνεί στα πλαίσια της ανθρώπινης κοινωνίας με το γενικό συμφέρον. Ο ντεϊστής Shaftesbury απορρίπτει και τον Υλισμό και τη χριστιανική ηθική και νομίζει, ότι το ηθικό είναι σε κάθε άνθρωπο έμφυτo. Kατά τη γνώμη του, έχει κάθε άνθρωπος τη δυνατότητα να εκλάβει μέσω του Λόγου του, ποιές δiκές του ή ξένες πράξεις είναι στην αστική κοινωνία επιτρεπτές και ηθικές. Σκοπός του είναι να επιτευχθεί στην κοινωνία ο ανθρωπισμός. Στην περαιτέρω εξέλιξη του Εμπειρισμού, του Σενσουαλισμού και του Σκεπτικισμού (αντίπαλος της Μεταφυσικής) έχει συμβάλλει και ο Φιλόσοφος, Οικονομολόγος και Ιστορικός David Hume, ο οποίος έχει ασκήσει επιρροή ακόμη και στις φιλοσοφικές αντιλήψεις του I.Kant (κυρίως στο έργο του «Kritik der reinen Vernunft»), στον ευρωπαϊκό Θετικισμό και στην Αναλυτική Φιλοσοφία.
Ο πιο γνωστός αντίπαλος του Αγγλικού Διαφωτισμού ήταν αυτονοήτως ένας κληρικός, ο επίσκοπος George Berkeley, υπέρμαχος φυσικά της Υποκειμενικής Ιδεαλιστικής Φιλοσοφίας. Στο κύριο έργο του «Treatise concerning the principles οf human knowledge» (“Μελέτη περί των αρχών της ανθρώπινης γνώσεως”, 1710) απορρίπτει την ύπαρξη μίας αντικειμενικής πραγματικότητας και ισχυρίζεται, ότι αυτό που γενικά ονομάζουμε πραγματικότητα αποτελεί μόνον μία σύνδεση αισθημάτων, τα οποία προκαλεί ο Θεός στο ανθρώπινο μυαλό (sic). Σε αυτή τη μεσαιωνική σχολαστική αντίληψη βασίζεται η «Γνωσιοθεωρία» του. Σε τέτοιο καθυστερημένο επίπεδο εστιάζεται ακόμη (ίσως και αιωνίως) και η θεολογική Μεταφυσική της Ορθοδοξίας.
Οι πρυτανεύουσες απόψεις των Αγγλων (και Σκωτσέζων) Διαφωτιστών έχουν εκφρασθεί αργότερα με συνέπεια και συστηματικότητα από άλλους Φιλόσοφους, όπως π.χ. από τον Jeremy Bentham και τον John Mill. Ο Jeremy Bentham («An Introduction to the Principles of Morals and Legislation“( ” Εισαγωγή στις Αρχές της Ηθικής και της Νομοθεσίας “) έγινε διεθνώς φημισμένος ως θεμελιωτής του Ηδονιστικού Ουτιλιταρισμού (Ηδονιστικός Ωφελιμισμός). Σύμφωνα με την Αρχή του Ωφελιμισμού  η ηθική ποιότητα των ανθρωπίνων πράξεων εξαρτάται από το εάν αυτές μεγεθύνουν την ευτυχία όλων των ατόμων, τα οποία έχουν κάποια σχέση με αυτές. Σύμφωνα με τη δική του αντίληψη περί του „καλού του συνόλου“ αυτό εξαρτάται από τα συμφέροντα των πολιτών. Μέσω του Ουτιλιταρισμού ερμηνεύεται θεωρητικά το ανθρώπινο πράττειν υπό το νόημα, ότι η επίτευξη του Οφέλου είναι το κινητήριο μοτίβο των πράξεών του. Εδώ σημειώνεται μία άμεση σχέση μεταξύ του Ατομοκεντρισμού και του Ωφελιμισμού.
Στην περαιτέρω επεξεργασία και εξέλιξη του αγγλικού Ουτιλιταρισμού έχει συμβάλλει και ο John Mill („Utilitarianism“:”Ωφελιμισμός” “). Μεταξύ άλλων γράφει:“Θα ήθελα εκ νέου να επαναλάβω, ότι οι αντίπαλοι της Ωφελιμιστικής Αρχής σπάνια το αναγνωρίζουν: Οτι η ευδαιμονία, η οποία αποτελεί για τον ουτιλιταριστή μοραλιστή το ηθικόν μέτρον, δεν είναι η δική του ευδαιμονία του ενεργούντος, αλλά όλων των συμπραττόντων“. Το κύριο μήνυμά τους είναι το εξής: Μεταξύ της ατομικής και της γενικής Ευδαιμονίας   ουδεμία αντίθεση επιτρέπεται, δηλαδή να σκέπτεται το συγκεκριμένο άτομο φυσικά το δικό του, αλλά και ταυτόχρονα και το Ωφέλημα για όλην την κοινωνία. Αυτό μπορεί να αξιολογηθεί ως διαλεκτική σχέση μεταξύ του συμφέροντος του ατόμου και του συμφέροντος της κοινωνίας. Δηλαδή δεν πρόκειται για μονόδρομο και εγωϊστικό συμφέρον. Ο Bentham και o Mill έχουν θεμελιώσει τον αγγλικό Ουτιλιταρισμό, ο οποίος εκπέμπει ένα ενδιαφέρον μήνυμα: „ the greatest happines of the greatest number“ (” η μεγίστη ευτυχία για τον μέγιστο αριθμό” (ανθρώπων). Πρωτίστως μέσω αυτής της θεωρητικής τοποθέτησης έχει δικαιολογηθεί ο φιλελευθερισμός, σύμφωνα με τον οποίο η μεγέθυνση του Οφέλους του ενός μπορεί να επιφέρει τη μεγέθυνση του Οφέλους όλης της κοινωνίας.
5. Γαλλικός Διαφωτισμός, Αποκορύφωμα και υλοποίηση του Ευρωπαϊκού Διαφωτισμού
Ο Γαλλικός Διαφωτισμός έχει δεχθεί μεγάλη ώθηση από τη σύγκρουση μεταξύ του τρίτου κοινωνικού στρώματος και της φεουδαλικής απολυταρχικής Μοναρχίας, κάτι που ήταν καθοριστικό σε όλο τον 18οαι. Ο Διαφωτισμός έχει εμφανισθεί ως κίνημα των Γάλων διανοουμένων στη μεταβατική περίοδο από τον17ο προς τον 18ο.αι. σε συνδυασμό με τη γενική κρίση του Ancien Régime και έφθασε στο crescendo του μέσω της νικήτριας Αστικής Επανάστασης το 1789 και της καθολικής εγκαθίδρυσης της εξουσίας της αστικής τάξης. Στην Γαλλία σημειώνεται μία ιδία μορφή του Διαφωτισμού, του οποίου το ιδιαίτερο χαρακτηριστικό γνώρισμα ήταν ο ριζοσπαστισμός και ή άμεση επαφή με την πολιτική και την κοινωνική πραγματικότητα. Διαπιστώνουμε συνολικά τρία βασικά στάδια του Γαλλικού Διαφωτισμού: Το πρώτο στάδιο (πρώιμος Διαφωτισμός) έχει ως χαρακτηριστικά στοιχεία α) μία κοσμοαντίληψη, η οποία έχει επηρεασθεί καθοριστικά από τη σενσουαλιστική Θεωρία του Locke και β) την απόρριψη του Ρασιοναλισμού του Descartes. Ο γαλλικός τρόπος ζωής, όπως η απόλαυση hic et nunc και όχι σε ένα φαντασιακό μεταθανάτιο «παράδεισο» καθώς και ο αντιμεταφυσικαλισμός, ο αντικληρικαλισμός και ο αντιθεολογισμός απαιτούσαν στην ουσία κοινωνιολογικές, υλιστικές, αντιμεταφυσικές, αθεϊστικές και αντιθρησκευτικές θεωρίες. Ο πρώτος θεωρητικός του Γαλλικού Διαφωτισμού ήταν ο Pierre Bayle («Dictionnaire historique et critique» : “Ιστορικό και κριτικό Λεξικό” 1697) έχει πρωτοστατήσει στην παραλαβή του αγγλικού common sense, έχει συμβάλλει επιτυχώς στην κονιορτοποίηση της Σχολαστικιστικής Μεταφυσικής και έχει διατυπώσει εντόνως την άποψη, ότι η αθεϊστική κοινωνία γρήγορα θα επικρατήσει, γιατί οι αθεϊστές είναι έντιμοι, ενώ η θρησκεία έχει μέσω της δεισιδαιμονίας και της ειδωλολατρικής λειτουργίας στις χριστιανικές εκκλησίες εξαθλιώσει από ηθική άποψη τον άνθρωπο. Μερικά έτη αργότερα εμφανίσθηκε στο σκηνικό των Διαφωτιστών ο Bernard Le B. De Fontenelles με τρία σημαντικά συγγράμματα ( „Digression sur les Anciens et les Modernes „(” Θεώρηση των Παρελθόντων και των Συγχρόνων”),„Histoire des oracles“ ( “Ιστορία των Μαντειών” ) και „ “De l`origine des fables“ ( “Περί της προελεύσεως των παραμυθιών”), στα οποία ασχολείται κυρίως με την βαθμιαία εξέλιξη του ανθρωπίνου πνεύματος υπό το νόημα της Προόδου. Εδώ πρόκειται για τον πρώτο Φιλόσοφο, ο οποίος έχει ανακαλύψει την Πρόοδο ως βασικό νομοτελειακό κανόνα της ιστορίας της ανθρωπότητας. Αυτή η λίαν καινότομη άποψη έχει περαιτέρω εξελιχθεί ιδιαιτέρως από τον Φιλόσοφο Holbach φιλοσοφικά καθώς και πολιτικά με ριζοσπαστικό τρόπο. Με τον μεγάλο ρόλο της Προόδου στην ανθρώπινη ιστορία έχει ασχοληθεί υπό τον φακό της Ιστορίας της Φιλοσοφίας και ο Condorcet στο έργο του „Esquisse des progres de l`esprit humaine“ ( “Σχέδιο μίας παρουσιάσεως της προόδου του ανθρωπίνου λόγου”). Αλλά ο σημαντικότερος Γάλλος Διαφωτιστής («Ηεγεμόνας» του Γαλλικού Διαφωτισμού) στο πρώτο ήμισυ του 18ου αι. ήταν ο Voltaire (François-Marie), ο οποίος αποφάσισε να πάει στην Αγγλία για τρία χρόνια (1694-1778), όπου έχει ασχοληθεί υπό το νόημα σπουδών συστηματικά με τη νέα Φυσική Επιστήμη του Newton και με τη σενσουαλιστική Γνωσιοθεωρία του Locke. Δηλαδή έχει αναγνωρίσει τους Αγγλους ως Φωτοδότες της επιστημονικής σκέψης. Εχοντας μία τόσο ισχυρή επιστημονική βάση κατόρθωσε να συνδυάσει το νέο Φυσικό Δίκαιο (φύσει δίκαιον,jus naturae, jus naturalis) , με την Εμπειρία και τελικά με τον ανθρώπινο Λόγο. Αντικειμενικά έχει προετοιμάσει μίαν άκρως πειστική φιλοσοφική επιχειρηματολογία για τη δημιουργία της αστικής κοινωνίας και για την εγκαθίδρυση του αστικού κράτους. Αρχισε ήδη να κινείται βαθμιαία από τη Θεωρία στη μελλοντική Πράξη. Και ο Voltaire αξιολογεί τη θρησκεία ως πηγή της δεισιδαιμονίας, του φανατισμού, της κακίας, της αμάθειας και της καταπίεσης του λαού. Γι αυτόν  πρωταρχικός σκοπός ήταν να απελευθερώσει την ανθρωπότητα (όχι μόπο τον γαλλικό λαό) μεταξύ άλλων και από τη θρησκευτική δεισιδαιμονία και την αδιαλλακτικότητα της χριστιανικής εκκλησίας. Εν τούτοις δήλωσε τουλάχιστον μια φορά, ότι η θρησκεία είναι κατάλληλη και απαραίτητη για τη χειραγώγηση και διοίκηση του λαού. Δηλαδή δεν ήταν μόνο θεωρητικός, αλλά και πραγματιστής.
Σε σύγκριση με το Voltaire ο Charles de S. de Montesqieu ήταν μόνον εν μέρει Διαφωτιστής. Στο έργο του «De l`esprit des lois“ (” Περί του πνεύματος των νόμων”) έχει αναπτύξει την άποψή περί των τριών εξουσιών νομοθετική, εκτελεστική και δικαστική εξουσία, κάτι που έχει όχι αμέσως αλλά τον 19ο και τον 20αι. αναγνωρισθεί ως υπόδειγμα φιλελεύθερης αστικής Θεωρίας του κράτους.
Το δεύτερο στάδιο του Γαλλικού Διαφωτισμού είχε ως αφετηρία το «Code de la nature» του Morely και τον Jean-Jacques Rousseau, του οποίου η συμβολή στις επιτυχίες του Διαφωτισμού πρωτίστως μέσω του πολιτικού συγγράμματός του „Contrat social“ (“Κοινωνικό Συμβόλαιο”) καθώς και των άλλων έργων του „Discours sur les sciences et les arts“ (“Μελέτη περί των επιστημών και των καλών τεχνών”,1750) , „Discours sur l`origine et les fondements de l` inégalité parmi les hommes“ ( “Μελέτη περί της προελεύσεως και των βάσεων της ανισότητος μεταξύ των ανθρώπων”, 1754), «Nouvel Héloise» και „Emile“ ήταν όντως τεράστια και καθοριστική. Τοιουτοτρόπως  αυτός έχει ενδυναμώσει το ιδεολογικό και πολιτικό υπόβαθρο του αναγκαίου αγώνα της αστικής τάξης κατά του φεουδαλικού απολυταρχικού συστήματος, το οποίο εμπόδιζε την εξέλιξη των παραγωγικών δυνάμεων και την αλλαγή του κοινωνικοπολιτικού status quo. O Rousseau ήθελε μία κοινωνία ισότιμων και μορφωμένων πολιτών χωρίς πλούσιους και φτωχούς, χωρίς καταπίεση, όπου θα ίσχυε η “Volonté Générale” (“Γενική Βούληση”) και όχι η “Volonté de tous” (“Βούληση όλων”) που σημαίνει το άθροισμα των βουλήσεων των πολιτών σε ένα κράτος. Θα μπορούσαμε να το διατυπώσουμε και διαφορετικά: Συμφέρον του συνόλου (Δημόκριτος) ή «το κοινόν καλόν» (Αριστοτέλης), αλλά οι Φιλόσοφοι και οι Πολιτολόγοι της ανερχόμενης αστικής τάξης ήθελαν οπωσδήποτε να επισημάνουν την πανανθρώπινη πτυχή των αστικών επιδιώξεων και εννοιών (επιτυχέστατο τέχνασμα ιστορικών διαστάσεων). Ετσι κατόρθωσαν να ομιλούν και να ενεργούν όχι μόνον στο όνομα της αστικής τάξης, αλλά και στο όνομα όλου του λαού. Στα πλαίσια του διαφωτιστικού κινήματος υπήρχε και μία πτέρυγα των οπαδών του Μηχανιστικού Υλισμού (la Mettrie, C. Helvetius, D`Holbach και ο σημαντικότερος από όλους ο Denis Diderot). Αυτοί είχαν ως βάση της τοποθέτησής των τη φυσική του Descartes, τη Θεωρία περί της Φυσικής του Newton και τον Υλιστικό Σενσουαλισμό του Locke. Οι υλιστικές ή και ντεϊστικές απόψεις τους έχουν ασκήσει καθοριστική επιρροή στη γαλλική νεολαία της προεπαναστατικής εποχής. Αυτό έχει συντελεσθεί πρώτα από όλα μέσω της περίφημης «Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ (“Εγκυκλοπαίδεια ή εξηγητικό Λεξικόν των επιστημών, των καλών τεχνών και των επαγγελμάτων”, 1751-1772) , την οποία εξέδωσαν o Diderot και D` Alembert, αλλά έχουν συμμετάσχει με άρθρα σχεδόν όλοι οι Διαφωτιστές. Κυρία επιδίωξη ήταν η μόρφωση όλου του λαού επί τη βάσει επιστημονικών γνώσεων και κατά της χριστιανικής Μεταφυσικής και γενικά κατά του θρησκευτικού σκοταδισμού. Μέσω αυτού του αξιοθαύμαστου επιστημονικού έργου έχει λάβει χώραν ίσως το πιο δυνατό χτύπημα κατά της σκοταδιστικής Θεολογίας. Το τραύμα των εκπροσώπων των κληρικών και της Θεολογίας εστιάζεται τόσο βαθειά στην ψυχή τους που ακόμη και σήμερα τρομάζουν, όταν ακούν τη λέξη ΕΓΚΥΚΛΟΠΑΙΔΕΙΑ, ή όταν κάποιος μιλάει για εγκυκλοπαιδική μόρφωση, την οποία προσπαθούν να υποβιβάσουν και να συκοφαντήσουν, υπογραμμίζοντας τη «γνώση» περί φαντασιακών και ψευδοδιανοητικών και μεταφυσικών αερολογιών. Μπορούμε να συγκρίνουμε τη γαλλική Εγκυκλοπαίδεια με μίαν ατομική βόμβα κατά του σκοταδισμού. Το διαφωτιστικό Ius Rationis (Δίκαιο του Ορθού λόγου: ΟΡΘΟΛΟΓΙΣΜΟΣ) ή το ΦΩΣ του ανθρωπίνου ΛΟΓΟΥ έχει ολοσχερώς συντρίψει το “αγιον φως” ή στην ουσία τον θρησκευτικό σκοταδισμό.
Το τρίτο στάδιο του Γαλλικού Διαφωτισμού (Υλoποίηση) έχει λάβει χώραν κάτω από την επίδραση του αμερικανικού εμφυλίου πολέμου για ανεξαρτησία και της εμπέδωσης ενός δημοκρατικού συστήματος στις ΗΠΑ («Virginia Declaration of Rights“) και έχει φθάσει στο αποκορύφωμά της μέσω της αστικής επανάστασης το 1789. Εμφανίσθηκαν άλλοι πρωταγωνιστές, όπως ο J.P.Marat, o J.P. Brisot , o A.N. de Condorcet και ο Abe E.J. Sieres, οι οποίοι έχουν ασχοληθεί στα συγγράμματά τους κυρίως με την αντικατάσταση του σάπιου φεουδαλικού συστήματος με το αστικό σύστημα. Εχει επίσης αποδειχθεί, ότι η αστική τάξη δεν ήταν ενιαία. Ηδη άρχισαν οι αντιπαραθέσεις και συχνά οι εξοντωτικές συγκρούσεις μεταξύ των Γιρονδίνων και των Ιακωβίνων (Maximilien Robespierre).
Μία από τις μεγαλύτερες, αληθώς κοσμοϊστορικές επιτεύξεις της Αστικής Επανάστασης είναι η ατομοκεντρική „Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen“, η οποία έχι συγκλονίσει τα φεουδαλικά καθεστώτα και τα εξωπραγματικά θεολογικά κατασκευάσματα. Ο θεοκεντρισμός έχει αντικατασταθεί εσαεί με τον υπέροχο ΑΝΘΡΩΠΟΚΕΝΤΡΙΣΜΟ υπό τη μορφή του ΑΤΟΜΟΚΕΝΤΡΙΣΜΟΥ. Βαθμιαία έγινε αντιληπτό, ότι το “βασίλειο” της ανθρώπινης νοημοσύνης ήταν απλούστατα η εξουσία της αστικής τάξης, η ισότητα ήταν τελικά μόνον η ισότητα των πολιτών προ των δικαστηρίων, και γενικά έχει εγκαθιδρυθεί μία αστική και δημοκρατική Ρεπούμπλικα, ένα κράτος του δικαίου, επί τη βάσει των ανθρωπίνων δικαιωμάτων, των ελευθεριών των πολιτών και των τριών εξουσιών του κράτους. Αλλά ο διαχωρισμός κράτους και εκκλησίας έχει επιτευχθεί πολύ αργότερα (1905) μέσω του “Loi relative à la séparation des Eglises et de l’Etat”.Οι εκκλησίες και κοινότητες των πιστών δεν είναι δια νόμου αναγνωρισμένες, το θρησκευτικό μάθημα καθώς και θρησκευτικά σύμβολα είναι στα σχολεία απαγορευμένα, και το κράτος δεν εισπράττει φόρους για την εκκλησία.
ΟΙ χώρες με ορθόδοξη είναι και σε αυτό το σημαντικότατο πεδίο καθυστερημένες, γιατί στο μυαλό του μεσαίου ορθόδοξου εστιάζεται σχεδόν αρχετυπικά μία μεσαιωνική Εικόνα του Ανθρώπου και μία τελείως παρωχημένη σχολαστικιστική ορθόδοξη Κοσμοαντίληψη, η οποία εμποδίζει κάθε γνήσια και αποτελεσματική Πρόοδο μέσω βασικών, ριζικών και διαρθρωτικών μεταρρυθμίσεων αρχίζοντας με τον αναγκαιότατο διαχωρισμό Κράτους και Εκκλησίας. Χωρίς έναν ριζικό εξευρωπαϊσμό, εξορθολογισμό και εκσυγχρονισμό αυτές οι χώρες δεν έχουν η Ελλάδα.
Συμπεράσματα
1.Ο Ευρωπαϊκός Διαφωτισμός ξεκίνησε από την Αγγλία, όπου έχουν διατυπωθεί συστηματικά οι φιλοσοφικές Θεωρίες Σενσουαλισμός, Εμπειρισμός, Σκεπτικισμός, Υλισμός, Ουτιλιταρισμός, Ντεϊσμός καθώς και ο Αθεϊσμός.
2. Οι βασικές απόψεις του Αγγλικού Διαφωτισμού ήταν συγκεκριμένη έκφραση των οικονομικών, πολιτικών και κοινωνικών συμφερόντων της ανερχόμενης αστικής τάξης. Η εγκαθίδρυση του Παρλαμενταρισμού και η εμπέδωση της Βιομηχανικής Επανάστασης έχουν άμεση σχέση με το Διαφωτισμό.
3. Η κατατρόπωση της ολέθριας επιρροής της σκοταδιστικής Σχολαστικιστικής Θεολογίας και του χριστιανικού κλήρου σε όλο τον βίο ήταν η πρωταρχική και ευγενής επιδίωξη των Διαφωτιστών.
4. Οι Αγγλοι (και Σκωτσέζοι) Διαφωτιστές είναι οι πολιτισμικοί και επιστημονικοί κληρονόμοι των αρχαίων Ελλήνων Υλιστών Φιλοσόφων.
5. Ο Αγγλικός Διαφωτισμός είναι ατομοκεντρικός.
6. Ο Αγγλικός Διαφωτισμός και η υλοποίησή του στον πολιτικό στίβο έχουν συμβάλλει στην εμπέδωση βασικών ελευθεριών („civil liberties“) και δικαίων („rights of Englishmen“).
7. Ο Γαλλικός Διαφωτισμός έχει παραλάβει τις βασικές θεωρίες του Αγγλικού Διαφωτισμού, τις έχει συγκεκριμενοποιήσει και τελικά υλοποιήσει. Είναι σε σύγκριση με τον Αγγλικό Διαφωτισμό πιο ριζοσπαστικός, πιό πολιτικός και πιο κοινωνιολογικός.
8. Ο Γαλλικός Διαφωτισμός έχει εκλάβει στοιχεία της όξυνσης των διενέξεων και συγκρούσεων μεταξύ της αστικής τάξης και του Ancien regime, είναι πιο συγκεκριμένος και αναδεικνύει μίαν εχθρική στάση έναντι της Θρησκείας.
9. Ο Γαλλικός Διαφωτισμός δώρησε στην ανθρωπότητα τον διαχωρισμό των εξουσιών σε ένα κράτος, τις βασικές ελευθερίες και τα ανθρώπινα δικαιώματα στην πιο ώριμη μορφή.
10. Γενικά ο Ευρωπαϊκός Διαφωτισμός έχει εμπεδώσει τον ΣΚΕΠΤΙΚΙΣΜΟ, ο οποίος αυτονοήτως δέον να εφαρμοσθεί και σε αυτόν τον ίδιο υπό το νόημα, ότι και οι δικές του αξίες και αλήθειες δεν είναι απόλυτες και μοναδικές, εάν λάβουμε υπ όψη και τους άλλους κύκλους πολιτισμού.
11. Εν τούτοις: Ο Διαφωτισμός έχει δημιουργήσει τις θεωρητικές και ιδεολογικές βάσεις του Κύκλου Πολιτισμού της Δύσης με την καθολική και αναμφισβήτητη ανωτερότητά του. Προσπάθειες να τον αντικαταστήσουν με ολοκληρωτικά συστήματα, έχουν αποτύχει παταγωδώς. Προς το παρόν δεν υφίσταται στην πραγματικότητα κανένα καλύτερο οικονομικό και κοινωνικοπολιτικό σύστημα. 12. Ο Διαφωτισμός έχει εμπεδώσει μία σύγχρονη Εικόνα του Ανθρώπου παραμερίζοντας τη χριστιανική μεσαιωνική Εικόνα του Ανθρώπου, δημιουργώντας μία μοντέρνα αντίληψη περί του Ατόμου και του Πολίτου καθώς και μία σύγχρονη Κοσμοαντίληψη, ενώ η χριστιανική “εικόνα του ανθρώπου” και η χριστιανική κοσμοαντίληψη έχουν πεταχθεί στην ιστορική κάλαθο των αχρήστων.
13. Οι μεγαλύτεροι εχθροί του Διαφωτισμού ήταν το φεουδαλικό απολυταρχικό σύστημα με τους ιδεολόγους του, η ρωμαιοκαθολική Εκκλησία με τους Θεολόγους της (ο Διαφωτισμός τους έχει σπάσει εσαεί τη ραχοκοκαλιά), τον παρελθόντα αιώνα τα ολοκληρωτικά συστήματα ως αντίπαλα της Ατομικότητας, των ελευθεριών και των δικαιωμάτων της (Φασισμός, εθνικοσοσιαλισμός και κομμουνισμός-λενινισμός-σταλινισμός) και είναι σήμερα η ορθόδοξη Εκκλησία ιδιαιτέρως η ρωσική με τους Θεολόγους της, το ολοκληρωτικό σύστημα στην Κίνα, το Ισλάμ, εν μέρει και άκρως συντηρητικοί ή πολιτισμικά καθυστερημένοι επιστήμονες ακόμη και στη Δύση.
14. Ματαίως και αδίκως  ο Θεολόγος κ. Χρήστος Γιανναράς συκοφαντεί την αστική Δημοκρατία και τον καπιταλισμό, εκτός εάν σκέπτεται τις φαντασιώσεις του Πλάτωνα περί Φιλοσόφων κυβερνητών ή επιθυμεί την εποχή προ του Διαφωτισμού πού σημαίνει επιστροφή στον Σχολαστικισμό και τελικά στο Μεσαίωνα. Κατά τα άλλα είναι αυτονόητο, ότι οι Θεολόγοι καταπολεμούν λυσσωδώς τον Διαφωτισμό.
15. Αλλά ο Διαφωτισμός έχει υπογραμμίσει μόνο το Λόγο και παραμέλησε τελείως το συναίσθημα αγνοώντας, ότι και τα δύο ανήκουν στον άνθρωπο στην ολότητά του. Λόγος και συναίσθημα αποτελούν μία διαλεκτική οντότητα.
Πηγές
Παρακάτω αναφέρω μόνο μερικές πηγές από τη Βιβλιοθήκη μου:
-John Locke, Bürgerliche Gesellschaft und Staatsgewalt, Leipzig 1980
-John Milton, Zur Verteidigung der Freiheit, Leipzig 1987
-Thomas Hobbes, Leviathan, I, II, Leipzig 1978
-Pierre Bayle, Verschiedene Gedanken über einen Kometen, Leipzig 1975 -J.Swift, Respektlose Schriften, Leipzig 1979
-G. Winstanley, Gleichheit im Reiche der Freiheit, Leipzig 1983
-Voltaire, Philosophisches Wörterbuch, Leipzig 1967
- Jean-Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Leipzig 1984
-La Metrie, Der Mensch, Eine Maschine (franz.-deutsch), Leipzig 1984
-Die Welt der ENCYCLOPEDIE, Edit. Hans Magnus Enzensberger, übers. Aus dem franz., ISBN 3-8218-4711-3, Frankfurt a.M.,2001 (έχει εκδοθεί από τον Denis Diderot και τον Jean le Rond d`Alambert).
-J. Roux, Freiheit wird die Welt erobern, Leipzig 1985
-W. Bahner, Aufklärung als europäisches Phänomen, Leipzig 1985 -Französische Aufklärung, Akademie der Wissenschaften, Leipzig 1974
-M. Geier, Aufklärung, Das Europäische Projekt, ISBN 978 3 498 02518 2, Hamburg, 2012
-Die Französische Revolution im Spiegel der deutschen Literatur, Leipzig 1979 -E. Cassirer, Die Philosophie der Aufklärung, Tübingen 1932
J.Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie, Band 2, Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen, Berlin 2019
-P. Chaunu, La civilisation de l`Europe des lumieres, Paris 1971
-H.Ley, Geschichte der Aufklärung und des Atheismus, 3 Bände, Berlin 1966-1971(αυτό το σύγγραμμα μου άνοιξε κυριολεκτικά τα μάτια, σε ό,τι αφορά τις θρησκευτικές δοξασίες)
-L.M. Marsak, The Enlightenment, New York 1972
-H. Poller, Die Philosophen und ihre Kerngedanken, Ein geschichtlicher Überblick, ISBN 978-3-7892-8271-3, München 2007
-Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Edit. J. Mittelstraß, ISBN 3-476-02012-6, Stuttgart- Weimar 2004, Band 1, S. 213-218
-Philosophisches Wörterbuch, Edit. G.Klaus-M. Buhr, Band 1, S. 135-154 (άκρως διαφωτιστικό).
-P.-Y. Beaurepaire, L’Europe des Lumières, Paris 2004.
-F. Díaz, Europa: de la Ilustración a la Revolución, Madrid 1994.
-J. Israel, Enlightenment Contested. Oxford University Press. 2006
Καθημερινή (4.12.2016,18.4.17), Διάλογος με το Φιλόσοφο και Θεολόγο Χρίστο Γιανναρά
Από το βιβλίο μου: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος, ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 σελίδες, σ.29 ff.
Auszug

Europäische Aufklärung, Englische Aufklärung, Französische Aufklärung, Deutsche Aufklärung?

Die welthistorische EUROPÄISCHE AUFKLÄRUNG
Defensio Lucis Aeternae Occidentalis versus “lucis sancti” orientalis virorum obscurorum theologorum orthodoxorum balkanorum (Verteidigung des Ewigen Lichts des Westens gegen das orientalische “heilige Licht” der obskurantistischen orthodoxen Theologen)
Ein systematischer und populärwissenschaftlicher Beitrag
1. Präambel Was bedeutet der Begriff “Aufklärung”?
Wann, in welchen Ländern und warum ist die Aufklärung entstanden? Welche sind ihre Merkmale und ihre wichtigsten Errungenschaften? Warum hassen die Kirchenfürsten und Theologen des römischen Katholizismus und insbesondere der Orthodoxie die Aufklärung? Warum gibt es keine Verbindung zwischen den Ideen der individuellen Aufklärung und den Prinzipien totalitärer Systeme? Sind die Grundideen der Aufklärung obsolet, wie ihre Gegner behaupten? Sind die Metaphysik und die Mystik des Christentums und insbesondere der Orthodoxie ausreichend und geeignet, um im 21. Jh. die vielfältigen Herausforderungen zu meistern? Möchten die Feinde der Aufklärung ins Mittelalter zurückkehren?
2. Der Begriff der Aufklärung
α) Im weitesten Sinne bedeutet die Aufklärung das individuelle Streben nach einem autonomen menschlichen Geist. Die treffendste Definition der Aufklärung stammt von dem deutschen Philosophen Immanuel Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit”.Darüber hinaus lehrt uns Kant: “Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.” Und weiter :Jede Aufklärung setzt eine Kritik der vorherrschenden offiziellen Ansichten über Natur, Mensch, Gesellschaft, Staat, Gott(e), moralische und rechtliche Normen voraus. Regeln, die von außen, von anderen kommen, sind “Handschellen einer ewigen Unmündigkeit” (Kant). Die Aufklärung verkündet den Fortschritt der Gesellschaft und der Menschheit als einen langwierigen Prozess und vertritt die grundlegende Ansicht, dass die Vernunft jedem Menschen angeboren ist und dass die Autonomie der menschlichen Vernunft (nicht Gott) die oberste Autorität für den Menschen ist, was gut oder böse, wahr oder falsch ist. Aber nur eine gute Ausbildung führt zu solchen menschlichen Fähigkeiten.
b) Es handelte sich um eine intellektuelle und philosophische Bewegung, die die wirtschaftlichen und politischen Bestrebungen des Dritten Standes, insbesondere des Bürgertums, im Kontext ihrer Emanzipation von den Fesseln des feudalen Absolutismus widerspiegelte. Als intellektuelle Bewegung hat sich die Aufklärung durch eine kontinuierliche und äußerst erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Scholastik, der Metaphysik, der Mystik, dem Monopol der “Wahrheit” und allgemein mit der Rückständigkeit und Finsternis des christlichen Teologie, insbesondere des römischen Katholizismus, etabliert. Es ist kein Zufall, dass diese Bewegung in direktem Zusammenhang mit dem realen Licht der menschlichen Vernunft und der Wissenschaft gegen das imaginäre und “transzendentale” “Licht des Heiligen Geistes” steht, d.h. gegen den Obskurantismus, der in Ländern mit orthodoxer Tradition “von Kreta bis Wladiwostok” (Stelios Ramphos) sowie in islamischen Ländern noch immer vorherrscht. So wurde die Aufklärung als “le siegle des lumieres” oder “siecle eclaire” (französisch), enlightenment” (englisch), “Aufklärung” (deutsch), “illuminazione”(italienisch), “Illustracion” (spanisch) und “prosvetschenije” (russisch) bezeichnet.
3. Historische Wurzeln und Grundlagen der europäischen Aufklärung
Die Geschichte der Philosophie in Europa bewertet im Allgemeinen die antike griechische Philosophie und insbesondere die Sophisten als die ersten Wurzeln der Aufklärung. Meiner Meinung nach hat die antike griechische Aufklärung ihre Wurzeln im Materialismus der ionischen Philosophen, gefolgt von Demokrit (Δημόκριτος), Epikur (Επίκουρος) und vor allem den Sophisten. Nach Hegel sind die Sophisten die Träger der antiken griechischen Aufklärung. Danach werden die Renaissance und die Bewegung des Humanismus durch das neue Bild des Menschen und insbesondere des Menschen mit fortgeschrittenem Selbstbewusstsein und großer Allgemeinbildung erwähnt, das dem christlichen Menschenbild diametral entgegengesetzt war. Die Aufklärung stützte sich auch auf die Errungenschaften der Naturwissenschaften (Galilei als Begründer der modernen Naturwissenschaft durch Experimente), Keppler (Heliozentrismus), Newton (Gravitationsgesetz, “Philosophiae naturalis principia methematica”: “Mathematische Prinzipien zur Naturphilosophie”, 1687), die das Weltbild des Christentums in Form des römischen Katholizismus buchstäblich erschüttert haben. Sie bereiteten damit den Boden für neue philosophische Theorien und für die rasche Entwicklung der Wissenschaften.
4. England, die Geburtsstätte der europäischen Aufklärung
Es ist nicht allgemein bekannt, dass sich die Aufklärung in vielerlei Hinsicht zuerst in England entwickelte. Deshalb stelle ich im Folgenden die wichtigsten englischen Aufklärer, die im wahrsten Sinne des Wortes Lehrer der französischen Aufklärung waren, etwas ausführlicher vor. Damit zolle ich den Helden und “Heiligen” des europäischen Fortschritts und der Wissenschaft den notwendigen Tribut. Sukzessive soll deutlich werden, dass die bestimmenden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Werte des westlichen Kulturkreises nach dem Mittelalter ihren Ursprung in England haben. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts begann der Prozess der Emanzipation des englischen Bürgertums auf der Grundlage der Produktion, und gleichzeitig fand eine leichte Verstädterung der Aristokratie statt, vor allem durch die “Glorious Revolution” (1688/1689). In der Zeit zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert erreichte die englische Aufklärung ihren Höhepunkt. Der Beginn der Aufklärung war Francis Bacon (16.-17. Jahrhundert), der Begründer des englischen Materialismus und fast aller empirischen Wissenschaften. In seinen international bekannten Essays begründete er die Theorie des gesunden Menschenverstandes (“common sense”), die einen großen Einfluss auf das europäische philosophische Verständnis hatte. In seinem Werk “Novum organum scientiarum” (1620) schlägt er ein Programm zur Reform der Wissenschaft vor, das auf eine radikale Veränderung der menschlichen und sozialen Beziehungen abzielt. Das fast Unglaubliche liegt in seinem Versuch, durch philosophische Erkenntnisse zur Modernisierung der Produktion beizutragen (“Nova Atlantis”), was heute als Praktische Philosophie bezeichnet wird (in Europa gibt es bereits solche Lehrstühle). Bacon hat auch den folgende berühmten Satz formuliert: “Wissen ist Macht”. Ihm folgte Thomas Hobbes (ebenfalls 16.-170. Jahrhundert), der F. Bacons Ansichten weiterentwickelte, sich aber gegen einige von Bacons theistischen Tendenzen wandte. Er verlangte, dass die Religion aus der Philosophie ausgeschlossen wird, die sich mit Körpern beschäftigen muss, und zwar nicht nur mit dem menschlichen (natürlichen) Körper, sondern auch mit dem staatlichen (künstlichen) Körper, der durch Verträge zwischen Menschen geschaffen wird. Er schlägt daher die “Philosophia naturalis” (“Philosophie der Natur”) und die “Philosophia civilis” (“Philosophie des Bürgers”) vor. Seine wichtigsten Schriften für die Theorie des Staates und die Theorie des Naturrechts (“φύσει δίκαιον”, “jus naturae”) sind «The Elements of Law, nature and politics» (“Die Elemente des Rechts, der Natur und der Politik” ), “De cive” (“Über den Bürger”) und der berühmt-berüchtigte “Leviathan”, in dem eine neue Theorie des Staates aufgestellt wird. Zugleich lehnt er die mittelalterliche theologische Pseudotheorie des Staates ab. Kurzum, der Abbau veralteter und unbrauchbarer theologischer Ansichten erfolgt schrittweise, methodisch, systematisch und letztlich erfolgreich. Der wichtigste Philosoph der bürgerlichen Gesellschaftsschicht im späten 17. Jahrhundert war John Locke. Sein Werk “Ein Essay über den menschlichen Verstand” begründete die sensualistische Erkenntnistheorie, welche die Grundlage der europäischen Philosophie der Aufklärung und insbesondere des sensualistischen Materialismus bildet. Sie widerspricht der Behauptung von Descartes, dass die Ideen jedem Menschen angeboren seien. Er bleibt jedoch ein idealistischer Philosoph, weil er meint, dass es zwei Wahrheiten gibt: eine, die von der menschlichen Intelligenz erfasst wird auf der einen und die Wahrheit der “göttlichen Offenbarung” auf der anderen Seite. In seiner für die europäische Staats- und Naturrechtstheorie wichtigsten Abhandlung «Two treatises of government» “Zwei Abhandlungen über die Regierung”) vertritt er die Auffassung, dass der Staat auf einem Vertrag zwischen dem Volk und dem Herrscher beruht und dass es zwei Gewalten geben muss, die Legislative und die Exekutive. Es ist das erste Mal, dass dies in der modernen europäischen Geschichte festgestellt wurde. Er nennt einen solchen Zustand einen “Zustand der Vernunft” (ratio). Eine der wichtigsten Aufgaben des Staates ist es seiner Meinung nach, das Recht auf Privateigentum zu schützen. Dies entspricht uneingeschränkt den Klasseninteressen der aufstrebenden Bourgeoisie und der Kapitalismus. Es folgen Freimaurer und Deisten (z. B. Anthony Collins, Matthews Tindal, John Toland u.a.), die sich frontal, intensiv und systematisch gegen Religion und scholastische Theologie wandten, die sie als ihren größten Feind betrachteten. Kurz gesagt: Η die Zerschlagung der scholastischen Theologie war die unabdingbare Voraussetzung conditio sine qua non für die Etablierung der wissenschaftlichen Erkenntnis und der wissenschaftlichen Methodologie. Die Engländer setzten die Zerstörung der Religion und ihrer Theologie sowie auf dem Gebiet der Moralphilosophie, indem sie alles ablehnten, was mit der mittelalterlichen christlichen Moral. zu tun hatte. Hier waren der Arzt Bernard de Mandeville und der Graf Shaftesbury besonders aktiv. Ersterer drückt in seiner Abhandlung «The Fable of the Bees: or Privat Vices, Public Benefits» (Die Fabel von den Bienen: oder Private Laster, öffentlicher Nutzen”) starken Hass und völlige Abscheu vor der unvorstellbaren Heuchelei der christlichen Moral aus und vertritt die Ansicht, dass Egoismus, Selbstsucht, Betrug, Gier etc., in der Tat zwar menschliche Eigenschaften darstellen, aber bei Priestern, den vermögenden Leuten und den Politikern überdurchschnittlich entwickelt sind.
Nur in einigen Fällen übertreibt er es, wenn er bei der Bekämpfung solcher Phänomene ausschließlich auf die Staatsgewalt und die Gesetze setzt, weil der Egoismus, wie Mandeville ihn versteht, der nicht die Gesetze verletzt, durchaus dem allgemeinen Interesse entsprechen könnte.
Der Deist Shaftesbury lehnt den Materialismus sowie die christliche Moral ab und meint, dass die Moral jedem Menschen angeboren ist. Seiner Meinung nach hat jeder Mensch das durch seine Vernunft zu verstehen, was er selbst oder andere menschliche Handlungen in der bürgerlichen Gesellschaft zulässig und moralisch betrachtet. Zweck ist die Verwirklichung des Humanismus in der Gesellschaft. Zur weiteren Entwicklung des Empirismus, des Sensualismus und des Skeptizismus Gegner der Metaphysik) hat auch der Philosoph, Ökonom und Historiker David Hume beigetragen, der einen großen Einfluss sogar auf die Entwicklung der  philosophischen Konzepte von I. Kant (insbesondere in seinem Werk  ”Kritik der reinen Vernunft”), auf den europäischen Positivismus sowie auf die  Analytische Philosophie ausübte. Der bekannteste Gegner der englischen Aufklärung war in der Tat ein Geistlicher, der Bischof George Berkeley, natürlich ein Verfechter der subjektiven idealistischen Philosophie. In seinem Hauptwerk «Treatise concerning the principles οf human knowledge» (“Abhandlung über die Grundsätze der menschlichen Erkenntnis” 1710) lehnt er die Existenz einer objektiven Realität ab und behauptet, dass das, was allgemein als Realität bezeichnet wird, ist nur eine Assoziation von Empfindungen, die Gott im menschlichen Geist bewirkt (sic). Diese mittelalterliche scholastische Auffassung ist die Grundlage seiner”Erkenntnistheorie”". In einem solchen rückständigen Zustand befindet sich (vielleicht ewig) die theologische Metaphysik der Orthodoxie vor allem in Russland. Die vorherrschenden Ansichten der englischen (und schottischen) Aufklärungsphilosophen wurden später von anderen Philosophen, z. B. Jeremy Bentham und John Mill, konsequent und systematisch vertreten. Jeremy Bentham (“An Introduction to the Principles of Morals and Legislation”, “Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung”) wurde er als Begründer des hedonistischen Utilitarismus international bekannt. Nach dem Prinzip des Utilitarismus hängt die moralische Qualität menschlicher Handlungen davon ab, ob sie das Glück aller Individuen, die in irgendeiner Weise mit ihnen verbunden sind, erhöhen. Nach seiner Vorstellung vom “Wohl des Ganzen” hängt dies von den Interessen der Bürger ab. Im Utilitarismus wird das menschliche Handeln theoretisch in dem Sinne interpretiert, dass das Erreichen des Nutzens das treibende Motiv für sein Handeln ist. Hier wird eine direkte Beziehung zwischen Individualismus und Utilitarismus festgestellt. John Mill (“Utilitarismus”) trug zur weiteren Ausarbeitung und Entwicklung des englischen Utilitarismus bei. Er schreibt unter anderem: “Ich möchte noch einmal wiederholen, dass die Gegner des utilitaristischen Prinzips es selten erkennen: dass das Glück, das für den utilitaristischen Moralisten der moralische Maßstab ist, nicht das Glück des Handelnden selbst, sondern das Glück aller Handelnden ist.” Ihre wichtigste Botschaft ist folgende: Zwischen individueller und allgemeiner Glückseligkeit ist kein Widerspruch erlaubt, das heißt, dass der einzelne Mensch natürlich an seine eigene und gleichzeitig an den Nutzen für die ganze Gesellschaft denken soll. Dies kann als eine dialektische Beziehung zwischen dem Interesse des Einzelnen und dem Interesse der Gesellschaft bewertet werden. Das heißt, es handelt sich dem Wesen nach nicht um ein einseitiges, egoistisches Interesse. Bentham und Mill haben den englischen Utilitarismus begründet, von dem eine interessante Botschaft ausgeht: “das größte Glück der größten Zahl” (“das größte Glück für die größte Zahl” (von Menschen). Vor allem mit dieser theoretischen Position wurde der Liberalismus gerechtfertigt, wonach die Steigerung des Nutzens einer Person zu einer Steigerung des Nutzens der gesamten Gesellschaft führen kann.
5. Französische Aufklärung, der Höhepunkt und die Verwirklichung der europäischen Aufklärung
Die französische Aufklärung wurde in hohem Maße durch den Konflikt zwischen des Dritten Standes und der feudal-absolutistischen Monarchie stimuliert, der das gesamte 18. Jh. erfasste. Die Aufklärung ist als Bewegung französischer Intellektueller in der Übergangszeit vom 17. zum 18. Jahrhundert in Verbindung mit der allgemeinen Krise des Ancien Régime entstanden und erreichte durch die siegreiche bürgerliche Revolution von 1789 und die allgemeine Etablierung der bürgerlichen Macht ihren Höhepunkt. Frankreich erlebte dabei eine besondere Form der Aufklärung, die sich durch ihre Radikalität und den direkten Kontakt mit der politischen und sozialen Realität auszeichnete. Es gab drei Hauptphasen der französischen Aufklärung: Die erste Phase (Frühaufklärung) war gekennzeichnet durch (a) eine Weltanschauung, die entscheidend von Lockes sensualistischer Theorie geprägt war und (b) die Ablehnung des Rationalismus von Descartes. Die französische Lebensweise, wie der Genuss hic et nunc und nicht in einem imaginären “Paradies” nach dem Tode. Die Antimetaphysik, der Antiklerikalismus und der Antitheismus erforderten im Wesentlichen soziologische, materialistische, antimetaphysische, atheistische und antireligiöse Theorien. Der erste Theoretiker der französischen Aufklärung war Pierre Bayle (“Dictionnaire historique et critique”: “Historisches und kritisches Lexikon” 1697) hat Pionierarbeit bei der Übernahme des englischen common sense geleistet und erfolgreich zur Zertrümmerung der scholastischen Metaphysik beigetragen. Lautstark die Ansicht vertreten, dass sich die atheistische Gesellschaft schnell durchsetzen wird, weil Atheisten ehrlich sind, während die Religion durch Aberglauben und Götzendienst in den christlichen Kirchen den Menschen moralisch verarmt hat. Einige Jahre trat De Fontenelles mit drei wichtigen Schriften (“Digression sur les Anciens et les Modernes” (“Betrachtung der Vergangenheit und der Moderne”), “Histoire des oracles” (“Geschichte der Fabeln”) und “De l`origine des fables” (“Über den Ursprung der Fabeln”) auf, in denen er sich hauptsächlich mit der allmählichen Entwicklung des menschlichen Geistes unter dem Begriff des Fortschritts beschäftigt. Somit war er der erste Philosoph, der den Fortschritt als das Grundgesetz der Menschheitsgeschichte entdeckt hat. Diese höchst unorthodoxe Sichtweise wurde vor allem von dem Philosophen Holbach sowohl philosophisch als auch politisch radikal weiter entwickelt. Die besondere Rolle des Fortschritts in der Menschheitsgeschichte wurde auch von Condorcet in seinem Werk “Esquisse des progres de l`esprit humaine” (“Plan einer Darstellung des Fortschritts der menschlichen Vernunft”) im Lichte der Geschichte der Philosophie behandelt und unterstrichen. Der wichtigste französische Aufklärer (“Fürst ” der französischen Aufklärung) in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war jedoch Voltaire (François-Marie), der beschloss, für drei Jahre (1694-1697) nach England zu gehen, wo er sich systematisch mit der neuen Naturwissenschaft Newtons und der sensualistischen Erkenntnistheorie Lockes beschäftigte. Das heißt, er hat die Engländer als die Vorreiter des wissenschaftlichen Denkens anerkannt. Auf dieser soliden wissenschaftlichen Grundlage gelang es ihm, das neue Naturrecht (φύσει δίκαιον, jus naturae, jus naturalis) mit der Erfahrung und schließlich mit der menschlichen Vernunft zu verbinden. Voltaire hat objektiv ein höchst überzeugendes philosophisches Argument für die Schaffung der bürgerlichen Gesellschaft und für die Errichtung des bürgerlichen Staates vorbereitet. Er hat bereits damit begonnen, allmählich von der Theorie zur künftigen Praxis überzugehen. Voltaire bewertet die Religion als Quelle des Aberglaubens, des Fanatismus, des Bösen, der Unwissenheit und der Unterdrückung des Volkes. Ihm ging es in erster Linie darum, die Menschheit (nicht nur das französische Volk) unter anderem von dem religiösen Aberglauben und der Intoleranz der christlichen Kirche zu befreien. Allerdings hat er zumindest einmal gesagt, dass die Religion für die Beeinflussung und Verwaltung des Volkes angemessen und notwendig ist. Das heißt, er war nicht nur ein Theoretiker, sondern auch ein Pragmatiker. Im Vergleich zu Voltaire war Charles de S. de Montesqieu nur teilweise ein Aufklärer. In seinem Werk “De l`esprit des lois” (“Über den Geist der Gesetze”) hat er die Auffassung von den drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative entwickelt, die nicht sofort, aber im 19. und 20. Jahrhundert als Modell der liberalen bürgerlichen Staatstheorie anerkannt wurde.
Die zweite Phase der französischen Aufklärung geht von Morelys “Code de la nature” und von Jean-Jacques Rousseau aus, der vor allem mit seiner politischen Abhandlung “Contrat social” (“Gesellschaftsvertrag”) und seinen anderen Werken “Discours sur les sciences et les arts” (“Studien über die Wissenschaften und die schönen Künste”) beitrug, 1750), “Discours sur l`origine et les fondements de l` inégalité parmi les hommes” (“Studie über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen”, 1754), “Nouvel Héloise” und “Emile”zu den gewaltigen Erfolgen der Aufklärung entscheidend beitrug.
Auf diese Weise hat Rousseau den ideologischen und politischen Hintergrund des notwendigen Kampfes der Bourgeoisie gegen das feudale autokratische System gestärkt, das die Entwicklung der Produktivkräfte und die Veränderung des sozial-politischen Status quo behinderte. Rousseau wollte eine Gesellschaft gleicher und gebildeter Bürger, ohne Reiche und Arme, ohne Unterdrückung, in der die “Volonté Générale” (“Allgemeiner Wille”) vorherrscht und nicht die “Volonté de tous” (“Wille aller”), d.h. die Summe des Willens der Bürger eines Staates. Wir könnten es auch auf andere Art formulieren: Das Interesse des Ganzen (Demokrit) oder das “Gemeinwohl” (Aristoteles), aber die Philosophen und Politikwissenschaftler der aufstrebenden Bourgeoisie wollten sicherlich den gesamtmenschlichen Aspekt der bürgerlichen Bestrebungen und Konzepte hervorheben (ein gelungener Trick von historischem Ausmaß). So gelang es ihnen, nicht nur im Namen des aufstrebenden Bürgertums zu sprechen und zu handeln, sondern auch im Namen des ganzen Volkes. Innerhalb der Aufklärungsbewegung gab es auch einen Flügel von Anhängern des mechanistischen Materialismus (J. de la Mettrie, C. Helvetius, D’Holbach und vor allem Denis Diderot), die ihre Position auf die Physik von Descartes, die physikalische Theorie von Newton und den materialistischen Sensualismus von Locke stützten. Ihre materialistischen oder sogar deistischen Ansichten haben einen entscheidenden Einfluss auf die französische Jugend der vorrevolutionären Zeit ausgeübt. Dies wurde vor allem durch die berühmte “Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers” (“Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers”, 1751-1772) erreicht, die von Diderot und D’Alembert herausgegeben wurde, an der aber fast alle Schriftsteller der Aufklärung beteiligt waren. Das Hauptziel bestand darin, das gesamte Volk auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und gegen die christliche Metaphysik und den religiösen Obskurantismus im Allgemeinen aufzuklären. Mit dieser bewundernswerten wissenschaftlichen Arbeit wurde der vielleicht stärkste Schlag gegen die obskurantistische Theologie geführt. Das Trauma der Vertreter des Klerus und der Theologie ist so tief in ihrer Seele verankert, dass sie auch heute noch erschrecken, wenn sie das Wort Enzyklopädie hören oder wenn jemand von enzyklopädischer Bildung spricht, die sie zu entwürdigen und zu verleumden versuchen, indem sie das “Wissen” von imaginären, pseudointellektuellen und metaphysischen Allüren hervorheben. Wir können die französische Enzyklopädie mit einer Atombombe gegen den Obskurantismus vergleichen. Das aufklärerische Ius Rationis (Recht der Vernunft) oder das Licht der menschlichen Vernunft hat das “heilige Licht” oder in der Tat den religiösen Obskurantismus vollständig zerschmettert. Die dritte Stufe der französischen Aufklärung (Materialisierung) fand unter dem Einfluss des amerikanischen Bürgerkriegs um die Unabhängigkeit und die Errichtung eines demokratischen Systems in den USA (“Virginia Declaration of Rights”) statt und erreichte ihren Höhepunkt durch die bürgerliche Revolution in Frankreich im Jahr 1789. Andere Protagonisten wie J.P. Marat, J.P. Brisot, A.N. de Condorcet und Abe E.J. Sieres traten auf, die sich in ihren Schriften hauptsächlich mit der Ablösung des verrotteten Feudalsystems durch das bürgerliche System beschäftigt haben. Es hat sich auch gezeigt, dass die Bourgeoisie nicht einheitlich war. Zwischen den Girondinsten und den Jakobinern (Maximilien Robespierre) war es bereits zu Konfrontationen und häufig zu internen Auseinandersetzungen gekommen. Eine der größten, wahrhaft weltgeschichtlichen Errungenschaften der bürgerlichen Revolution ist die individualzentristische “Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen”, das feudalabsolutistische Regime und die theologischen Konstrukte erschüttert hat. Der Theozentrismus ist auf unbestimmte Zeit durch den wunderbaren Anthropozentrismus in Form des Atomozentrismus ersetzt worden.
Allmählich hat man begriffen, dass das “Reich” der menschlichen Intelligenz lediglich die Macht der Bourgeoisie war, dass die Gleichheit letztlich nur die Gleichheit der Bürger vor den Gerichten war und dass auf der Grundlage der Menschenrechte, der bürgerlichen Freiheiten und der drei Gewalten des Staates im Allgemeinen eine bürgerliche und demokratische Republik, ein Rechtsstaat, errichtet wurde. Es war jedoch keine Rede von einem Sozialstaat. Die Trennung von Kirche und Staat wurde ferner erst viel später (1905) durch das “Loi relative à la séparation des Eglises et de l’Etat” vollzogen. Kirchen und Glaubensgemeinschaften sind gesetzlich nicht anerkannt, Religionsunterricht sowie religiöse Symbole in Schulen sind verboten, und der Staat erhebt keine Steuern für die Kirche. Die orthodoxen Länder sind auch in diesem wichtigen Bereich rückständig, weil in den Köpfen der Durchschnittsbürger ein fast archetypisches mittelalterliches Menschenbild und eine völlig überholte scholastisch-orthodoxe Weltsicht vorherrschen, die jeden echten und wirksamen Fortschritt durch grundlegende, radikale und strukturelle Reformen verhindern. Ohne eine radikale Europäisierung, die Durchsetzung der Ratio und die Modernisierung haben die Länder orthodoxer Provenienz keine Zukunft.
Die geschichtsgestaltende Europäische Aufklärung in Verbindung mit der Bürgerlichen Revolution in Frankreich (1789) schuf die solide ideologischen und wissenschaftlichen Prämissen für die Entstehung, der Demokratie, des Parlamentarismus, des modernen Individuums, des Citoyen, der Gewaltenteilung, der individuellen Menschenrechte, der Freiheiten der Bürger, des Rechtsstaates, der Explosion der menschlichen Kreativität und der Wissenschaften und insgesamt des Siegeszuges des westlichen Kulturkreises. Es ist daher unschwer zu konstatieren, dass jene Kulturkreise und Völker, die etwa Ähnliches wie die Aufklärung nicht erlebt haben, in ihrer Gesamtentwicklung zurückgeblieben sind. Dies gilt in Sonderheit für den gesamten islamischen Kulturkreis, und was die Länder anbelangt, uneingeschränkt für Russland sowie für alle Balkan-Länder.
Schlussfolgerungen
1. Die europäische Aufklärung begann in England, wo die philosophischen Theorien des Sensualismus, Empirismus, Skeptizismus, Materialismus, Utilitarismus, Deismus und Atheismus systematisch formuliert wurden.
2. Die grundlegenden Ansichten der englischen Aufklärung waren ein konkreter Ausdruck der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen des aufstrebenden Bürgertums. Die Etablierung des Parlamentarismus und die Durchführung der industriellen Revolution stehen in direktem Zusammenhang mit der Aufklärung.
3. Die Überwindung des verderblichen Einflusses der obskurantistischen scholastischen Theologie und des christlichen Klerus auf das gesamte Leben und die Befreiung des Menschen von der religiösen Finsternis (Sarastro in Mozarts Oper Zauberflöte: “Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht”) war das vorrangige und edle Hauptziel der Aufklärung.
4. Die englischen (und schottischen) Aufklärer sind die kulturellen und wissenschaftlichen Erben der antiken griechischen materialistischen Philosophen.
5. Die englische Aufklärung ist individualistisch ausgerichtet.
6. Die englische Aufklärung und ihre Umsetzung in der politischen Arena haben dazu beigetragen, die grundlegenden bürgerlichen Freiheiten und Rechte der Engländer zu etablieren.
7. Die französische Aufklärung hat die grundlegenden Theorien der englischen Aufklärung aufgegriffen, sie konkretisiert und schließlich umgesetzt. Verglichen mit der englischen Aufklärung ist sie radikaler, politischer und sozialer.
8. Die französische Aufklärung hat Elemente der Verschärfung der Konflikte und Auseinandersetzungen zwischen der Bourgeoisie und dem Ancien Regime aufgenommen, ist konkreter und hebt eine feindliche Haltung gegenüber der Religion hervor.
9. Die französische Aufklärung brachte der Menschheit die Gewaltenteilung im Staat, die Grundfreiheiten und die Menschenrechte in ihrer ausgereiftesten Form bei.
10. Generell hat die europäische Aufklärung einen Skeptizismus etabliert, der auch auf sich selbst angewandt werden muss, in dem Sinne, dass die eigenen Werte und Wahrheiten nicht absolut und einzigartig sind, wenn man andere Kulturkreise in Betracht zieht.
11. Und doch: Die Aufklärung hat die theoretischen und ideologischen Grundlagen des westlichen Kulturkreises mit seiner universellen und unbestreitbaren Überlegenheit geschaffen. Versuche, sie durch totalitäre Systeme zu ersetzen, sind kläglich gescheitert. Gegenwärtig gibt es in der Tat kein besseres wirtschafts- und sozialpolitisches System, auch wenn dies einige Unzulänglichkeiten aufzeigt.
12. Die Aufklärung hat ein modernes Menschenbild geschaffen, indem sie das mittelalterliche christliche Menschenbild beiseitegeschoben hat und ein modernes Konzept des Individuums und des Bürgers sowie eine moderne Weltanschauung schuf.
13. Die größten Feinde der Aufklärung waren das feudal-absolutistische System mit seinen Ideologen, die römisch-katholische Kirche mit ihren Theologen (die Aufklärung hat ihnen für immer das Rückgrat gebrochen), im letzten Jahrhundert die totalitären Systeme als Gegner der Individualität, ihrer Freiheiten und Rechte (Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus-Leninismus-Stalinismus-Autokratie) und heute ist es die orthodoxe Kirche, insbesondere die russische mit ihren zurück gebliebenen Theologen, das totalitäre System in China, der Islam und teilweise auch sehr konservative oder kulturell rückständige Wissenschaftler selbst im Westen.
14. Die Europäische Aufklärung schuf die allseitige solide Basis für die Überlegenheit des westlichen Kulturkreises gegenüber den anderen Kulturkreisen.
15. Die Aufklärung hat jedoch nur die Ratio des Menschen hervorgehoben und die Emotio radikal abgelehnt. Allerdings der Mensch in seiner Ganzheit benötigt nicht nur die Ratio, sondern auch die Emotio, wobei beide eine dialektische Einheit darstellen.Dies ist von der konservativen Postmoderne ausgenutzt worden.
Literatur-Quellen
Folgend werden nur Bücher aus meiner Privatbibliothek aufgeführt
:-John Locke, Zivilgesellschaft und Staatsgewalt, Leipzig 1980.
-John Milton, Zur Verteidigung der Freiheit, Leipzig 1987.
-Thomas Hobbes, Leviathan, I, II, Leipzig 1978.
-Pierre Bayle, Verschiedene Gedanken über einen Kometen, Leipzig 1975.
-J. Swift, Respektlose Schriften, Leipzig 1979.
-G. Winstanley, Gleichheit im Reich der Freiheit, Leipzig 1983.
-Voltaire, Philosophisches Wörterbuch, Leipzig 1967.
- Jean-Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Leipzig 1984.
-La Metrie, Der Mensch, eine Maschine (französisch-deutsch), Leipzig 1984.
-Die Welt der Encyklopedie, Hans Magnus Enzensberger (Hrsg.),
Aus dem Französischen, ISBN 3-8218-4711-3, Frankfurt a.M. 2001 (herausgegeben von Denis Diderot und Jean le Rond d`Alambert).
-J. Roux, Die Freiheit wird die Welt erobern, Leipzig 1985.
-W. Bahner, Die Aufklärung als europäisches Phänomen, Leipzig 1985.
-Französische Aufklärung, Akademie der Wissenschaften, Leipzig 1974.
J. Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie, Band 2, Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen, Berlin 2019 (philosophisches Hohelied auf den Geist der Aufklärung)
-M. Geier, Aufklärung, Das europäische Projekt, ISBN 978 3 498 02518 2, Hamburg 2012.
-Die Französische Revolution im Spiegel der deutschen Literatur, Leipzig 1979.
-E. Cassirer, Die Philosophie der Aufklärung, Tübingen 1932.
-P. Chaunu, La civilisation de l`Europe des lumieres, Paris 1971.
-H. Ley, Geschichte der Aufklärung und des Atheismus, 3 Bände, Berlin 1966-1971 (dieser Text hat mir buchstäblich die Augen geöffnet, was religiöse Überzeugungen betrifft).
-L.M. Marsak, Die Aufklärung, New York 1972.
-H. Poller, Die Philosophen und ihre Hauptideen, ein historischer Überblick, ISBN 978-3-7892-8271-3, München 2007.
-Enzyklopädie der Philosophie und Wissenschaftstheorie, J. W., Hrsg. Mittelstraß, ISBN 3-476-02012-6, Band 1,Stuttgart-Weimar 2004, S. 213-218.
-Wörterbuch der Philosophie, Hrsg. G. Klaus-M. Buhr, Band. 1,Berlin 1966, S. 135-154 (sehr aufschlussreich).
-Pierre-Yves Beaurepaire, L’Europe des Lumières, Paris 2004.
-F. Díaz, Europa: de la Ilustración a la Revolución, Madrid 1994.
-Israel, Jonathan I., Enlightenment Contested. Oxford University Press 2006.
Prof.i.R., Dr.,Dr.s.,Dr.habil., Völkerrecht, Theorie der internationalen Beziehungen, Allgemeine Methodologie der wissenschaftlichen Grundlagenforschung (Studium in: Rechtswissenschaften, Philosophie, Politische Ökonomie, Politologie; Teilstudium in: Hochschulpädagogik, Hochschulpsychologie und Hochschulmethodik).
Von 2012 bis 2017 (das letzte Mal am 6.10.2017) oft in Griechisch veröffentlicht in: iefimerida und  Καθημερινή (Kathimerini),
Aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung:Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Erster Band ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 Seiten, Griechisch, S.29 ff.Bemerkung: Dieser Beitrag ist im Zuge der Auseinandersetzung mit dem griechischen orthodoxen Theologen und Philosophen Christos Giannaras (Χρήστος Γιανναράς), einem fanatischen Gegner der Europäischen Aufklärung, erarbeitet worden.
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Deutsche Aufklärung?
Aufklärung, Deutschland
1. Die Kirchenfürsten der Orthodoxie haben gegen die Aufklärung und ihre Konsequenzen (Individuum, Citoyen, Menschen- und Bürgerrechte, kritisches Denken, Anthropozentrismus gegen Theozentrismus etc.) Enzykliken herausgegeben. Noch heute wendet sich die russisch-orthodoxe Kirche massiv gegen die Grundwerte des Westens.
2. Die Aufklärung ist eine Errungenschaft der Engländer und später der Franzosen. Abgesehen von I.Kant, haben sich die Deutschen nichtan diesem Prozeß beteiligt. Errungenschaften der französischen Aufklärung sind von Napoleon gewaltsam in die deutschen Länder eingeführt worden, jedoch mit mäßigem Erfolg.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde nach der gescheiterten März-Revolution der Obrigkeitsstaat etabliert, der sich auf den berüchtigten deutschen Untertan stützte. Mit Ausnahme des kurzen Intermezzos der Weimarer Republik, herrschte ein totalitäres System, und im Osten Deutschlands folgte das totalitäre Herrschaftssystem kommunistischer Provenienz. Hieraus folgt, dass speziell im Osten Deutschlands die Menschen bis zum Zusammenbruch des “Real existierenden Sozialismus keine Demokratie-Erfahrung besaßen. Daher entwickelt sich das demokratische Bewusstsein, verbunden mit vielen ökonomisch-politischen und sozialpsychologischen Problemen sehr langsam. Gerade diese Situation wird von der AfD ausgenutzt. 22.6.23

Protestantismus – Calvinismus

Protestantismus-Calvinismus
1. Der Protestantismus war ursprünglich eine Reaktion des Mönchs Martin Luther (Sprachen: Latein, Altgriechisch, Hebräisch) auf die Korruption, die Ausschweifung, den Autoritarismus, die Heuchelei, die Falschheit und die Prostituierung der damaligen römisch-katholischen Kirche. Sukzessiv kam er zu dem Schluss, dass der Papst in Rom der eigentliche Antichrist, d.h. der Teufel, sei! Um das richtige Christentum zu verbreiten, übersetzte er die Heilige Schrift ins Deutsche, damit die Gläubigen sie besser verstehen konnten. Seine Anhänger warfen die Ikonostasen, die Weihrauchgefäße, die Kerzenständer, die “heiligen Knochen” und alles andere, was ihrer Meinung nach heidnisch war, aus den Kirchen. Sie lösten die Klöster auf, schickten Mönche und Nonnen in ihre Häuser, ermunterten sie, zu heiraten und Familien zu gründen, und er selbst heiratete eine schöne Nonne, die später ein Handelsunternehmen gründete und großen finanziellen Erfolg hatte.
2. Einige Herrscher unterstützten Martin Luther, dann kam es zum schrecklichen und zerstörerischen “Dreißigjährigen Religionskrieg”, der Mitteleuropa so sehr verwüstete, dass die Führer beider religiöser Fraktionen schließlich beschlossen, 1648 den Westfälischen Frieden zu schließen.
Der Protestantismus wurde vor allem durch die damals militärisch starken Schweden gerettet. Der Vertrag verkündete unter anderem zwei Grundsätze, die nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa und teilweise auch für die ganze Welt von entscheidender Bedeutung waren: (a) “Ejus Regio cujus Religio” (“Wessen Land, dessen Glaube”), d.h. die Religion der Untertanen war abhängig von der Religion des jeweiligen Herrschers. (b) Sie kamen auf der Grundlage eines protestantischen Vorschlags überein, den neuen Grundsatz “Pacta sunt servanda” (“Verträge sind einzuhalten”) einzuführen, zu formulieren und getreu anzuwenden. Sie haben diesem Prinzip das Adjektiv “heilig ” verliehen. Wer ihn nicht respektiert, ist unmoralisch, unzivilisiert, verachtenswert, strafbar und damit sündhaft. Bis zum Westfälischen Frieden galt nur der allgemeine Grundsatz “bona fides” (“Treu und Glauben” des römischen Rechts.)
3. Moralische Grundsätze des Protestantismus: (1) Das ethische Prinzip der Arbeit mit sehr interessanten Aspekten: Der gute Christ hat die heilige Pflicht, fleißig zu sein. Arbeit ist für ihn eine besondere Form der “Selbstverwirklichung” des Menschen. Darüber gibt es als Grundlage auch  philosophische Ansichten. In der protestantischen Literatur wird die Arbeit als “Sebstbegegnung” des Menschen gesehen. Diese Begriffe sind übrigens in den Sprachen der mediterranen Völker nicht bekannt.
Das bedeutet, dass der Fleiß ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Identität ist. Durch seine Arbeit ehrt der Protestant Gott, der ihn dadurch liebt und segnet. Durch seinen Fleiß schafft der Protestant die notwendigen Voraussetzungen, um eines Tages direkt in den Himmel zu kommen, “hic et nunc” (“hier und jetzt”) zu schaffen und sich nicht so sehr mit der “Ewigkeit” zu beschäftigen. Der faule Mensch wird zweifellos und auf ewig in die Hölle kommen. (2) Das calvinistische ethische Leistungsprinzip. So entstand in erster Linie der Handelskapitalismus in Holland und dann der Industriekapitalismus in England. Das ist ohne Übertreibung faszinierend. Vor allem aus der Synthese der Produktivkräfte mit dem Protestantismus ist das kapitalistische System hervorgegangen (Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus). (3) Der Protestant ist ein Individuum, besitzt Individualität, lehnt aber Individualismus und Egoismus ab (orthodoxe Geistliche und Theologen verwechseln diese Begriffe absichtlich). Er erkennt an, dass es eine dialektische Interdependenz zwischen privaten und gesellschaftlichen Interessen gibt. In strittigen Fällen überwiegen jedoch die Interessen des Ganzen. Das bedeutet, dass sein soziales Bewusstsein überentwickelt ist.
(4) Als bewusster Bürger besitzt der Protestant bzw. der Calvinist auch ein Staatsbewusstsein, d.h. ebenfalls die Anerkennung der dialektischen Wechselbeziehung zwischen den Rechten und den Pflichten gegenüber seinem Staat. (5) Er ist darüber der Protestant bzw. der Calvinist verfügt über ein hoch entwickeltes Rechtsbewusstsein und ist daher gesetzestreu. (6) Der Protestant bzw. der Calvinist ist sehr sparsam, vermeidet Schulden, und für ihn ist es unvorstellbar und unverständlich, dass er mehr ausgibt, als er einnimmt. Er verachtet die arbeitsscheuen Menschen vom ganzen Herzen. (7) Er ist, verglichen mit den Katholiken und vor allem mit den Orthodoxen, in allen Bereichen des Lebens sehr bescheiden. z.B. Wohnung, Auto, Kleidung, Gehälter für die Mitglieder der Regierung und Parlament (sehr niedrig), kleine Regierungen, kleine Parlamente (z. B. das niederländische Parlament nur 100 Mitglieder in einem Land mit 18 Millionen Einwohnern), wenige Beamte  (Niederlande nur 265 000). (8) Der Protestant stellt sein Reichtum nicht zur Schau, denn er lehnt, ja verachtet solche Gewohnheiten. Es ist kein Zufall, dass, verglichen mit den katholischen und vor allem mit den orthodoxen Ländern, gibt es in den protestantischen Ländern relativ wenig Korruption.
4. Protestantisch-preußische Synthese des Grundverhaltensmusters, Merkmale:
Es geht in erster Linie um die positiven “Preussischen Tugenden”, die unklugerweise von einigen Deutschen abgelehnt werden. Dies ist ein Zeichen dafür, dass man nach dem Zweiten Weltkrieg in großer Übertreibung das Kind mit dem Bade ausgeschüttet hat. Inzwischen hat dieser Fehler in der Gesellschaft zu negativen Erscheinungen geführt.
α) Ordnung und Glaubwürdigkeit auf individueller, gesellschaftlicher und staatlicher Ebene. z.B. “pünktlich sein”, Versprechen einhalten, wie dies auch in der Wendung “Ein Mann, ein Wort” zum Ausdruck kommt. Das bedeutet, dass die Ehre eines Mannes eng mit seiner Glaubwürdigkeit verbunden ist. Natürlich gilt dies auch für die Frauen. b) Die Voraussetzungen für die Verwirklichung der eigenen Ziele schaffen. Auch hierfür gibt es interessante Sprüche wie “Erst die Arbeit und dann das Vergnügen” oder “Bevor man fliegt, muss man zuerst laufen lernen” oder  “Wenig sprechen und viel tun”. Hierbei handelt es sich wahrhaftig um   ”Böhmische Dörfer” für die mediterranen Völker.
c) Er besitzt bei der Arbeit neben Fleiß auch Geduld und Ausdauer und achtet auf Systematik, Methodik, Organisation und Effizienz.
Diese Grundsätze des Protestantismus haben sich insbesondere nach der Gründung der des Deutschen Reichs im Jahr 1871 in ganz Deutschland ausgebreitet.
5. Rolle der Pfarrer -Familien: Es ist ferner unbedingt erforderlich, auf eine hochinteressante Besonderheit hinzuweisen: In den letzten 400 Jahren haben die Familien der protestantischen Pfarrer 45% der wissenschaftlichen Elite Deutschlands hervorgebracht. Diese Familie besaßen eine hohe humanistische Bildung.

6. Es ist offensichtlich, dass die Länder mit protestantischer Tradition (Mittel- und Nord- Europa, Nordamerika) in der Wirtschaft, in der Verwaltung, im Schul- und Hochschulwesen, in der Wissenschaft (Nobelpreise), in den Hoch-Technologien, in der Wirtschaft sowie als Rechts- und Sozialstaaten den Ländern mit katholischer und vor allem mit orthodoxer Tradition überlegen sind.

7. Was speziell die Länder mit orthodoxer Tradition anbelangt, ist ihre vielseitige Rückständigkeit nicht zu übersehen. Auch im dort vorherrschenden Menschen- und Gesellschaftsbild kann man relativ leicht Überbleibsel mittelalterlicher Provenienz finden, weil ihre Völker weder die Renaissance noch die Aufklärung erlebt haben.

Veröffentlicht von 2014 bis 2020 oft in Griechisch oft in: Καθημερινή, Νέα, iefimerida und Πρώτο Θέμα in Auseinandersetzung mit dem griechisdchen Philosophen und Theologen Christos Giannaras

Aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz): Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik), Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, 284 Seiten,S.34ff.

 

Mystik (Okkultismus)

Mystik (Okkultismus)
Die Wissenschaft ist ein sich ständig weiterentwickelndes System des Wissens über die Eigenschaften, die Kausalabläufe und die Gesetze der Natur, der Gesellschaft und des Denkens in Form von Begriffen, Kategorien, Regeln, Theorien und Hypothesen. Wissenschaft ist auch die Arbeit, die Wissen hervorbringt, das nach den Regeln des logischen und kritischen Denkens als richtig bewiesen werden muss, sodass es durch den einstimmigen Konsens der Experten ( consensus professorum et doctorum ) als solches anerkannt wird (1). Es versteht sich von selbst, dass nur forschende Wissenschaftler in der Lage sind, eine kohärente Meinung zu ihrer jeweiligen Wissenschaft zu äußern und nicht Journalisten oder Unwissende. Wissenschaftliche Kenntnisse kann man sich in erster Linie durch unverzichtbare Studien aneignen oder teilweise durch das Studium geeigneter Texte, vorausgesetzt, man beherrscht die Grundlagen der wissenschaftlichen Methodik bzw. Methodologie. Es ist überflüssig, darauf hinzuweisen, dass Zitate, Sprichwörter und Sentimentalität nicht zum Erwerb ernsthafter wissenschaftlicher oder philosophischer Kenntnisse beitragen. Eine solche Rückständigkeit, die den unwissenden Lesern auf jeden Fall großen Schaden zufügt, ist im fortgeschrittenen Europa völlig unbekannt, jedoch auf dem Balkan ganz normal.
Was bedeutet Mystik im Lichte der Philosophie?
Es handelt sich um eine besondere Form religiöser Frömmigkeit und Erfahrung, die darin besteht, sich von der Welt der Sinne und des Verstandes zu lösen und sich einer tiefen Einsicht zuzuwenden, um einen Zustand des Geistes (Ekstase) zu erreichen, durch den eine Vereinigung der menschlichen Seele mit dem Göttlichen erreicht wird. Die entsprechende religiöse Erfahrung wird nicht durch die Kenntnis der formalen theologischen Lehre erlangt, sondern durch das Cognito dei experimentalis et non doctrinalis (2). Diese Art der Verschmelzung wurde unio mystica genannt und ist das bestimmende Merkmal jeder Manifestation von Mystik. (3) Dieser Prozess setzt die Selbstverleugnung des Menschen als konkretes Zeichen seiner freien Entscheidung voraus. Die Entwicklung dieses Phänomens als etwas Menschliches wird im Folgenden kurz erwähnt, was bedeutet, dass es neben dem Intelligiblen (der Vernunft) noch andere konstituierende Elemente der menschlichen Existenz gibt. Geschichte,
Philologie, Religionsgeschichte, Religionspsychologie, Psychoanalyse und neuerdings auch Mystik oder Mystizismus
Der Mystizismus ist bereits in der prähistorischen schamanischen Ära aufgetreten, als es darum ging, die Menschen mit dem Göttlichen durch den Schamanen (Magier) zu vereinen, der dies vermittels besonderer Substanzen, Musik und Tanz erreichen konnte. In der Weltmythologie gilt jedoch der ägyptische Gott der Weisheit, Thot, als der mythische Förderer des Okkultismus, der später von den alten Griechen übernommen wurde, bei denen er als Hermes Trismegistus (Ερμής Τρισμέγιστος) bekannt wurde. Die Wissenschaft hat sich bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. in Ionien von der Religion und ihrer Mystik befreit, wo die ersten Philosophen Europas Ihre philosophischen Denkrichtungen entwickelten, und das entstanden ist, was man im Allgemeinen immer noch als Wissenschaft definiert. Die ionischen Hellenen legten damit das Fundament des wissenschaftlichen Denkens. Aber Pythagoras war Wissenschaftler und zugleich auf einem bestimmtem Gebiet ein Mystiker, wobei er die Mystik in Ägypten lernte. Aber insgesamt und endgültig hat sich die Wissenschaft durch die weltgeschichtliche europäische Aufklärung von der Religion und ihrem extremen Mystizismus befreit.
Der international führende Religionshistoriker Mircea Eliade bewertet diese Mischung verschiedener Traditionen als “eschatologische und apokalyptische Spekulationen”. Bereits in der transzendentalen “heiligen Rede”, der Apotheose des Menschen und der Unsterblichkeit wird auf diese Geheimnisse hingewiesen. Die beherrschende Idee der Hermetik ist nach den hermetischen Büchern (Corpus hermeticum, “Smaragdtafeln”) die Entsprechung zwischen der niederen Welt der Erscheinungen und der höheren Welt des Geistes. Im Rahmen der Mysterien für die Götter Isis und Osiris war die mystische Erfahrung mit der Gottheit nur für die Priester nach einem zehntägigen Fasten möglich. Aber nach der monistischen und zugleich pantheistischen Theologie der Hermetik in ihrer optimistischen Ausprägung kann der Gläubige durch den Anblick der schönen Welt als einer göttlichen Schöpfung Gott berühren, der Einer, Alles und Schöpfer ist, weshalb er auch Vater (Πατήρ) genannt wird. Aber nach der pessimistischen Ausprägung des Hermetismus ist die Welt etwas Negatives, sie ist keine Schöpfung (des ersten) Gottes, denn er sei jenseits der Materie und im Mysterium seiner Existenz. Deshalb sei es besser, sich von der Welt abzuwenden, wenn der Mensch Gott begegnen und sich schließlich mit ihm vereinen will. Es gibt auch einen sehr interessanten philosophischen Aspekt: das Göttliche und die spirituelle Komponente (Geist) des Menschen seien identisch. Wie die Gottheit enthält auch der menschliche Geist Leben und Licht (4). Interessanter für unser Thema sind jedoch die orphischen und phrygischen Mysterien sowie der Dionysos-Kult mit folgenden erstaunlichen, wir würden sagen zu Recht modernen Elementen: a) Das Mysterium kann nicht gelehrt werden, der Mensch muss seine eigene Erfahrung machen. b) Während des Rituals des Mysteriums wird der Mensch vollständig mit dem Göttlichen vereint. c) Verwirklichung der Vereinigung mit dem Göttlichen durch die Ekstase mittels sanfter Musik und einem speziellen Gruppentanz. d) Besonders im Dionysos-Kult wird darüber hinaus die Enorasis (Ενόρασις) erwähnt. Platon schreibt im “Phaedrus (Φαίδρος), dass der Zweck der Mysterien darin besteht, die Seele dorthin zu erheben, wo sie einst auf die Erde hinabgestiegen ist (5). Daher unterscheidet sich die Mystik auf der Grundlage der Erfahrung etwas von der religiös-theologischen und idealistisch-philosophischen Mystik, während die materialistischen Philosophen die Mystik ausnahmslos ablehnen. Mystik findet sich beispielsweise im Christentum, im Judentum (Kabbala und Chassidim) (6), in der alten chinesischen Philosophie und Religion des Taoismus, im indischen Buddhismus, insbesondere in der Philosophie des Yoga, im Islam (Sufismus/Derwische) und in der jüdischen Tradition (Kabbala und Chassidim). Vor allem im Sufismus und Chassidismus ist die Vereinigung mit Gott eng mit der Ekstase durch magische und süße Musik, mit wunderbaren Liedern und mit Tanz verbunden (ich habe eine große Sammlung von Musik zu diesem Thema), (7). Die wichtigsten mystischen Philosophen und Theologen waren zwar der Neuplatoniker Plotin (3. Jh.), Dionysius Areopagit (Διονύσιος Αρεοπαγίτης, 5. Jh., Bischof in Athen), viel später der deutsche Meister Eckhart (13./14. Jh.) und noch später der Russe Iwan Kirejeskij (19. Jh.), aber Platon hat in seinem Symposion (211 a-d) Eros als den ersten erwähnt: Es ist die mystische Sicht des ursprünglich Schönen konkret und letztlich als Idee. Es ist kein Zufall, dass der große deutsche Mystiker Meister Eckhart von den Ideen Platons beeinflusst wurde. Mit Plotinus (Πλωτίνος) aber begann die Entwicklung der Mystik auf philosophischer Ebene. Für Πλωτίνος ist das Eine die höchste Stufe des Seins, während die Materie die niedrigste ist. Die Einheit erfolgt schrittweise und in Etappen. Wir möchten hier nicht näher darauf eingehen, aber die wichtigsten Elemente dieses Konzepts müssen erwähnt werden. Plotinus lehnte die Materie radikal ab und nahm mystische Elemente auf. Dionysios Areopagites hat in seinem Werk “Über die mystische Theologie” vor allem betont, dass a) Gott ganz anders ist als das, was wir kennen, und dass es daher nicht nötig ist, ihn zu beschreiben, b) dass es eine enge Verbindung zwischen der Welt und Gott durch sein diffuses Licht gibt, und c) dass der Mensch als denkendes Wesen den Sinn seiner Existenz in einem mystischen Prozess der Annäherung an und schließlich der Vereinigung mit Gott verstehen muss. Dies kann jedoch nur erreicht werden, wenn der Mensch sich von der materiellen Welt löst. Seiner Mystik zufolge werden drei Stufen durchlaufen: Katharsis (Κάθαρσις), Erleuchtung und Vereinigung. Seine Mystik enthält auch pantheistische Tendenzen, die einen bedeutenden Einfluss auf die Mystik des europäischen Mittelalters hatten (8). Sehr interessant und beeindruckend, ist die Meinung von Meister (Magister) Eckhart (13. Jahrhundert), der in seinem Werk “Opus tripartitum” (“Dreiteiliges Werk”) seine fast pantheistischen Ansichten formuliert, die zu jener Zeit sehr gefährlich waren: Geistiger Weg zur Befreiung der menschlichen Subjektivität von irdischen Problemen durch die Transzendenz des Geistes zur endgültigen Vereinigung mit dem Ersten. Der menschliche Geist ist mit göttlichen Eigenschaften und dem schöpferischen Prinzip ausgestattet. Gott wird in der Seele des Menschen durch einen “kleinen psychischen Funken” geboren. Nachdem Christus in das reine Wesen des Menschen eingedrungen ist, nimmt er ein göttliches Wesen an, sodass Intelligenz und Willen überspringen können. Gerade in diesem “kleinen Lebensfunken” findet die wesentliche Vereinigung des Menschen mit Gott statt. Die Auffassung vom “kleinen Lebensfunken” stammt im Wesentlichen von den stoischen Philosophen, die meinten, dass es sich um einen Funken göttlichen Lichts handelt, der die ganze Welt und den menschlichen Körper ergreift und auf die Spitze der Seele gerichtet ist. Meister Eckhart hat die traditionelle Vorstellung von Gott als Person abgelehnt und die Auffassung formuliert, dass Gott eine Einheit ist, das wahre Sein, die erste Ursache, die innere Grundlage des Menschen, ein echter Geist und eine Totalität des kosmischen und menschlichen Seins. Gott ist als oberste ontologische und moralische Instanz das Sein, das Gute, das Wahre und das Eine (9). Seine Meinung zum Gottesbegriff: Gott als reines Wesen, erste Ursache und als die Gesamtheit der menschlichen Existenz. Kurzum, es handelt sich auch hier um eine eher pantheistische Auffassung. Der Meister Eckhart hat die Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht als eine Beziehung zwischen Herr und Knecht, sondern als eine Beziehung der gleichen Liebe gesehen (10). Es ist daher kein Zufall, dass die Sancta Inquisition ihn als Ketzer bestrafte.
Die Mystik war und ist in der orthodoxen Kirche und insbesondere in der russischen Kirche weiter überentwickelt. Der bekannteste theologische Vertreter dieser anthroposophischen Sichtweise war Iwan Kirejewskij, der die Gemeinschaft der Kirche als eine sopornost (Vereinigung) aller Gläubigen im mystischen Leib Christi betrachtete. In seinem Werk “Über die Notwendigkeit und Möglichkeit neuer Prinzipien in der Philosophie” hat er sein philosophisches Credo wie folgt formuliert: Ablehnung des Rationalismus, der westeuropäischen Scholastik und der absoluten Eigentumsrechte und Ablehnung des Individualismus, denn beides sind die faulen Wurzeln des westlichen Denkens, das nur teilweise der Gesamtheit der Welt entspricht, während der russisch-orthodoxe Geist aufgrund seines Glaubens die Gesamtheit der Dinge widerspiegeln kann (sic). Rationalismus und Klugheit, für die Aristoteles verantwortlich gemacht wird, sind seiner Meinung nach nutzlose und verworfene Dinge (sic). All dies ist nicht die wahre Wahrheit, zu der nur der Glaube der orthodoxen Kirche führt (11). Meiner Meinung nach verwechselt er Individualität mit Individualismus und Egoismus, wie auch die meisten griechisch-orthodoxen Theologen.
Der deutsche protestantische Theologe und Kulturphilosoph Ernst Troeltsch hat die prägenden Elemente der westlichen Mystik treffend aufgelistet:
1. Innerlichkeit der religiösen Erfahrung, Vorrang des Gefühls vor dem Verstand.
2. Vorrang der Individualität und der psychologischen Introspektion.
3. Nicht die formale Kirche, sondern der freie Geist bestimmt die religiöse Haltung und die Religiosität im Allgemeinen.
4. Das Göttliche ist verinnerlicht, es wohnt in der Seele des Mystikers und ist nicht außerhalb von ihm konzentriert.
5. Herrschaft des Geistes durch “göttliche Adoption”.
6. Die Geschichte hat gegenüber der persönlichen Erfahrung nur eine untergeordnete Bedeutung.
7. Vorrang der Gewissensfreiheit als Wesensmerkmal des Menschen vor dem Naturrecht.
8. Traditionen, Gottesdienste und formale Institutionen sind überflüssig.
9. Die Individualität steht im Mittelpunkt.
Die theologische Mystik spielt auch in der islamischen Religion eine wichtige Rolle, vor allem in einigen Fällen mit starken politischen Ausprägungen, und es ist sehr interessant, was einer der größten islamischen Mystiker, Al Dshunaid, schreibt, der Folgendes feststellt: Durch Selbstverleugnung und Hingabe an Gott ist es möglich, dass “der Weg der Liebe” die Strenge Gottes überwindet. Doch die verantwortliche Priesterschaft reagierte auf solche und ähnliche Vorstellungen drakonisch: Sie kreuzigten ferner den Perser Al-Halladsh und tötete 1191 auf Befehl von Salah Adin einen anderen großen Mystiker, Suhraward, als Ketzer. Ibn Arabi (13. Jh.), ein Vertreter des mystischen Pantheismus, hat die absolute Innerlichkeit Gottes hervorgehoben, der sich diejenigen zu eigen macht, die das Universum und die Menschen lieben (13). Eine besondere Ausprägung der islamischen Mystik ist der Sufismus (Tasawwuf), vom arabischen Wort souf (Wolle, Gewand). Ihr Ziel ist es, direkte Gotteserkenntnis zu erlangen, die nicht durch die Vermittlung eines Priesters oder durch den Koran im Allgemeinen erzielt werden kann. Es handelt sich dabei um die “Bruderschaft der Derwische” (vom persischen Darwesh), welche die Vereinigung mit Gott durch die Ekstase eines speziellen Tanzes aus allmählich beschleunigtem Drehen und religiösen Gesängen anstreben. Aber irgendwann hat die offizielle islamische Kirche auch sie bestraft (14). Mevlana Celaleddin Rumi, der Begründer des Sufismus aus Konya (Iconion), (13. Jahrhundert) hat unter anderem die Meinung vertreten, dass “alle Egos im Feuer des Göttlichen verbrannt werden müssen”. Nach der theoretischen Position der Sufis muss derjenige, der mit Gott eins sein will (Fana), absolutes Vertrauen in Ihn haben (tawwakul) und darüber hinaus dem Weg (Tariga) folgen, um sich im mystischen Zustand (Hal) zu befinden. Drei spezifische Bedingungen sind notwendig: Angst oder Katharsis, Liebe oder Opfer und Wissen.
Im Zusammenhang mit der ersten monotheistischen Religion, dem Judentum, ist im 18. Jahrhundert unter den osteuropäischen Juden (Aschkenasim) relativ spät eine mystische Sekte, der Chassidismus, als Reaktion der frommen (chassidischen) Juden auf die europäische Aufklärung entstanden (15). Die Vereinigung mit Gott auf der Grundlage des Gottesverständnisses dieser mystischen Sekte enthält Elemente des Polytheismus.
Der europäische Rationalismus (ius rationis ) als Höhepunkt der europäischen Aufklärung hat Religion und Mystik verdrängt. Es ist aber vielleicht überraschend, dass auch in der Neuzeit bei einigen Philosophen mystische Tendenzen zu beobachten sind, allerdings eher von reaktionärem Charakter (z.B. Jaspers, “Lehre vom “Umgreifenden” und Heidegger “Weltfrömmigkeit”).
Schlussfolgerungen: a) Viele Religionen und insbesondere alle drei monotheistischen Religionen sind sich ihrer Mystik bewusst. b) Die Mystik wendet sich gegen das Auslegungsmonopol des jeweiligen priesterlichen Establishments für heilige Texte. c) Das Establishment bestraft Mystiker oft hart als Ketzer. d) In sozialer und politischer Hinsicht sind zwei Hauptrichtungen der Mystik zu erkennen, eine reaktionäre und eine progressive.
Anmerkungen-Literatur
1.Vgl. J.Mittelstraß et alt. (Edit.), Enzyklopädie, Philosophie und Wissenschaftstheorie, vier Bände, Band 4, ISBN 3-476-02012-6, Stuttgart/Weimar 2004, S.719/720. 2. G.
2. Wehr, Europäische Mystik, ISBN 3-926642-54-8, Wiesbaden, S. 8-14,17-26
3. Vgl. J.Mittelstraß et alt. ibid., Band 2, S.947-949.
4.Vgl. M. Eliade, Geschichte der religiösen Ideen (Orig. Histoire des croyances et idees religieuses, Paris 12978, 1992), ISBN 3-451-05274-1, Band 2, Breisgau 2002, S. 245-256.
5. Siehe sehr ausführlich P.Fiebag /E.Gruber/ R. Holbe, Mysterien des Altertums, ISBN-3-426-66469-0, Gütersloh/München 2002, S.145, 147, 153, 157.
6. Kabbala, Eine Textauswahl, hrsg. von H. Werner, ISBN 3-899836-349-X, Köln 2002. 7. M. Klaus/M. Buhr (Edit.), Philosophisches Wörterbuch, Band 2, Leipzig, 1969, S. 752-754.
8. Siehe sehr ausführlich Η.- N. Wöhler, Geschichte der mittelalterlichen Philosophie, Lehrbuch, ISBN 3-326-00464-8, Berlin, 1990, S. 13-15.
9. Vgl. id., S. 169-175.
10. Vgl. H.-N, Wöhler, ibid., S.173/174.
11.Vgl. Ian Buruma / Avishai Margalit, Okzidentalismus, Der Westen in den Augen seiner Feinde ( Orig.: Occidentalism. The West in the Eyes of its Enemies, New York 2004), ISBN 3-446-20614-0, München / Wien 2005, S.79-85.
12. Ernst Troeltsch, Aufsätze zur Geistesgeschichte und Religionssoziologie, ISBN 3-511-06214-4.
13. Vgl. Yves Thoraval, Lexikon der islamischen Kultur (Orig. Dictionnaire de civilisation musulmane, Paris, 1995), ISBN 13 : 978.3.937872.05.6, S. 333-336).
14. Vgl. id., p. 96).
15. Vgl. J. Maier, Judentum von A-Z, Glauben, Geschichte, Kultur, ISBN 978.3.86756.011.5, Erfstadt, 2001, S.91-94.
Weitere Literatur
-Apokalypse, Apokalypsen, Hrsg. E. Hennecke, Wiesbaden 2007,

-Meister Eckhart, Textauswahl und Kommentare von G.Wehr, Wiesbaden 2015,

-Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch, Eine Sammlung von Sagen, Allegorien und Fabeln, Hrsg. D.Ehrmann, Wiesbaden 2004.

C.Kiesewetter, Die Geheimwissenschaften, Eine Kulturgeschichte der Esoterik, Wiesbaden 2006, 700 S.

Veröffentlicht in Griechisch in: Καθημερινή (Kathimerini,28.12.2013, 11.12.1016) in Auseinandersetzung mit dem griechischen Philosophen und Theologen Christos Giannaras
aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz), Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Φιλοσοφία, Διεθνές Δίκαιο, Διεθνείς Σχέσεις, Πολιτολογία, Πρώτος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Philosophie, Völkerrecht, Internationale Beziehungen, Erster Band ), ISBN: 978-620-0-61337-0, Saarbrücken 2020, 289 S., S.72 ff.

Mythos, Geschichte, Epos, Glaube, Metamorphose

Mythos, Geschichte, Epos, Glaube, Metamorphose
1. Was bedeutet der Begriff “Geschichte”?
Nach dem Geschichtsverständnis, das bereits im 19. Jahrhundert im fortgeschrittenen Europa vorherrschte, ist die Geschichte eine anerkannte Wissenschaft, die sowohl in der universitären Ausbildung als auch in der Forschung von Fachleuten behandelt wird. Die Geschichte befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung bestimmter Ereignisse und Phänomene. Das Problem liegt vor allem in der Interpretation der Ereignisse, die von der methodischen Herangehensweise und der Positionierung des betreffenden Fachmanns abhängt, ob z. B. die idealistische oder materialistische oder eine andere Methode angewandt wird. Die erste befasst sich in erster Linie mit Fakten in Verbindung mit Ideen, während die zweite in erster Linie Klassenkämpfe und Produktivkräfte zum Gegenstand hat. Vielmehr führt eine Kombination der beiden Hauptmethoden zu korrekteren Ergebnissen. Ein weiteres Problem wird festgestellt, wenn der Historiker beispielsweise dazu neigt, die objektive Realität wiederzugeben oder sie aus nationalistischen Gründen falsch zu interpretieren oder gar zu verzerren. Dies ist in der Regel in den Schulbüchern einiger Länder der Fall, in denen im Rahmen der patriotischen Erziehung die Wahrheit absichtlich verzerrt oder die Wahrheit durch Unterdrückung wichtiger Ereignisse verfälscht wird. Unabhängig vom spezifischen Zweck von Geschichtsbüchern verlangt das Ethos des Wissenschaftlers, dass ein Historiker immer und überall die objektive Wahrheit veröffentlicht und nicht seine eigene subjektive “Wahrheit”, die natürlich nur eine subjektive Interpretation oder Fehlinterpretation ist. Bei besonders wichtigen internationalen Ereignissen wird die Regel des Vergleichs der Meinungen von Historikern angewandt und dann das methodische Prinzip des consensus generalis professorum et doctorum (allgemeiner Konsens der Professoren und Doktoren) angewandt, das sich in Universitätslehrbüchern und Wörterbüchern widerspiegelt. Überdies ist jeder Wissenschaftler von Berufs wegen verpflichtet, in seinen Büchern auch andere Meinungen zu einem bestimmten Sachverhalt zu erwähnen, und nicht nur seine eigene Meinung. Die Mehrheit der Geschichtswissenschaftler lehnt den Mythos zu Unrecht ab, weil sie nicht bereit sind, die besondere Rolle des menschlichen Unterbewusstseins zu berücksichtigen. Dasselbe gilt für die ausschließlich auf der Vernunft basierende ideologische Kritik am Mythos.
2. Mythos
Der Begriff “Mythos” bezog sich in der polytheistischen Antike zunächst auf Erzählungen über die Götter und die Überlieferung von der Existenz und dem Wirken göttlicher Mächte (Totemismus, Monotheismus). Mythen dienen grundsätzlich dazu, dem menschlichen Leben einen Sinn zu geben. Es sei daran erinnert, dass die unvergleichlichen antiken griechischen Mythen zusammen mit der Philosophie und der Kultur der alten Griechen im Allgemeinen zu den wichtigsten Grundlagen des westlichen Kulturkreises gehören. Ferner ist die moralische und formende Rolle dieser Mythen schon von der Antike bis zur Gegenwart beachtlich. Die Ilias war bereits im antiken Griechenland die Grundlage für eine angemessene Erziehung der Schüler. In Indien stützt sich die schulische Erziehung der Kinder auch heute noch auf die Epen Ramayana (im Wesentlichen ein ideologisches Instrument zur Rechtfertigung des unmenschlichen Kastensystems) und insbesondere Mahabharata (ein sehr humanistischer Mythos). Das Gleiche gilt für das persische Epos Shahname und das georgische Epos “Der Riese mit dem Tigerfell” von Shota Rustaveli. In der Geschichte der Menschheit wurden Mythen leider teilweise von den herrschenden Klassen in ein ideologisches und politisches Werkzeug verwandelt, um die Macht z.B. des Pharao oder des orientalischen Despoten über die Massen zu legitimieren. Die wichtigsten Arten von Mythen sind die folgenden: α) Mythen, die sich mit der Erschaffung des Universums befassen (Theogonien, Kosmogonien, Anthropogonien). b) Mythen, die sich mit dem Ende der Welt befassen (Eschatologien). (c) Soteriologien (Messianismen). (d) Mythen, die sich mit dem Lauf der Welt befassen (Epochen, Wandlungen). (e) Darüber hinaus werden auch nationale Mythen erwähnt, die sich auf die Genese einer Nation oder auf große nationale Taten beziehen. Und doch können Mythen einen erheblichen positiven oder negativen Einfluss auf die nationale Identität ausüben. Im Folgenden sollen einige besondere nationale Mythen erwähnt werden: (1) Der größte griechische Nationalmythos besteht in dem Glauben, dass alle Neugriechen Nachkommen der alten Griechen sind. Weiterhin gehören die “Einzigartigkeit” oder “Besonderheit” der Griechen, die fast rassistische Auffassung von der “Überlegenheit” der Griechen und der “griechische Dämon” zu den allgemeinen Mythen der heutigen Griechen. Im Grunde handelt es sich dabei um eine nationale Selbstbefriedigung, denn diese Mythen stehen im Widerspruch zur Realität, und es gibt einen Grund, die Neugriechen im Allgemeinen als mythensüchtig zu bewerten. (2) Die Franzosen tun etwas Ähnliches, indem sie sich ausschließlich als reine Nachfahren der alten Kelten (Galli) betrachten und den wichtigsten alten germanischen Stamm der Franken, von dem sich der Ethnonym Frankreich ableitet, beiseiteschieben. (3) Die “Turanischen Völker” behaupten, von einem “Grauen Wolf” abzustammen. (4) Die Rumänen behaupten, dass sie von den Römern abstammen, vergessen aber die Daker (Thraker). In der Tat hat sich die Mehrheit der Daker mit der Minderheit der Römer vermischt, aber die Sprache ist neulateinisch. So wurden die ethnischen Namen der Valahi Moldavi in Romani (Römer) geändert. (5) Die Bulgaren weisen stark auf den slawischen Ursprung hin, mittlerweile auch ein wenig auf den thrakischen, aber sie vergessen absichtlich die asiatischen Hunnen (Asparuch, Isparich). (6) Die Nordmakedonier sind in erster Linie eine Mischung aus Illyrern, Thrakern, Slawen, mittelalterlichen Bulgaren und Albanern, aber da sie keine bedeutende Geschichte besitzen, sind sie zu “Nachfahren” der alten Makedonier mutiert. f) Die politischen Mythen sind eine besondere Erscheinungsform von Mythen im Allgemeinen und sie werden vor allem mit der Demokratie in Verbindung gebracht. Der Ausgangspunkt politischer Mythen von weltgeschichtlicher Bedeutung ist der Dreiklang der Französischen Revolution von 1789 Liberte, Egalite, Fraternite (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). Viele europäische Länder, darunter auch Griechenland, haben zwar das Schema wichtiger politischer Errungenschaften wie des bürgerlichen Staates übernommen, nicht aber dessen Wesen, weil die historischen, wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen für die Errichtung eines modernen demokratischen Staates völlig fehlten. Das Gleiche gilt für die anderen Balkanstaaten sowie für die lateinamerikanischen Staaten. In diesen Staaten sind die demokratischen Institutionen noch unterentwickelt, während der Mythos eines fortgeschrittenen demokratischen Systems geschaffen wurde. Besonders in Griechenland ist auch der linke Mythos zu konstatieren, der bereits in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts tiefe Wurzeln hat: (1) Die Linken waren und sind angeblich moralisch überlegen im Vergleich zu den Rechten. (2) Die Linken haben eine bessere Bildung, weil sie über Kenntnisse des Marxismus-Leninismus verfügen. (3) Nur die Linken kämpfen konsequent für die soziale Gerechtigkeit. (4) Nur die Linken sind in der Lage, alle politischen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen.
3. Epos
Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Epos ein relativ langes Gedicht über Helden. Sie thematisiert häufig Themen aus der Mythologie und der alten Geschichte. Das Epos wird im Allgemeinen nicht als zuverlässige historische Quelle angesehen. Meine Bibliothek enthält fast alle wichtigen Epen aus verschiedenen Zeiten, Kulturen und Ländern, darunter das älteste Epos der Menschheit Gilgamesch (vor etwa 4.500 Jahren), natürlich die Ilias und die Odyssee, die Aeneis (Virgil), die indischen Epen Mahabharata und Ramayana, das deutsche Epos Die Nibelungen, das persische Epos Schahname, das finnische Epos Kalevala, das georgische Epos Der Held mit dem Tigerfell, der irische Epos Der Rinderraub und das russische Epos Rajivilovskaya Letopis (Die Chronik von Ratchevil). In allen Epen handelt es sich um Gedichte (Produkte der dichterischen Phantasie), die mit einer in erster Linie eigenwilligen Interpretation bekannter historischer Ereignisse verbunden sind. So war der Grund für den Trojanischen Krieg der Interessenkonflikt der Achäer mit Troja (Ilion, im hethitischen Vilousa) und nicht die Entführung der schönen Helena. Schliemanns Entdeckung bezog sich tatsächlich auf eine Zeit 1000 Jahre vor dem Trojanischen Krieg usw. Und doch hätte Schliemann ohne Homer weder Troja noch Mykene gefunden. Damit ist hinreichend bewiesen, dass es den Archäologen jener Zeit an schöpferischer Phantasie mangelte. Der historische Reisende Pausanias 2. Jh. n. Chr. (nicht verwandt mit dem spartanischen König Pausanias), der aus Kleinasien stammte, stützte seine “Reisen” auf das, was er selbst vorfand (Unterschied zu Herodot), aber auch auf viel ältere Quellen. Sein Buch ist wichtig für das Verständnis der antiken Geschichte der Zivilisation, enthält aber auch viele Fehler. Im Folgenden wird auf konkrete Beispiele aus der griechischen Mythologie eingegangen: a) Ist Homers Ilias, Geschichte oder Dichtung? Es besteht ein internationaler Konsens unter Altphilologen (consensus generalis professorum et doctorum), dass die Ilias und das indische Mahabharata epische Gedichte mit einem historischen Kern sind (einige Ereignisse in der Bronzezeit). In der königlichen Bibliothek in der hethitischen Hauptstadt Hattuscha (Argyroupolis, Silberstadt) wurden fast alle Staatsarchive in Keilschrift gefunden. In einem Dokument wird ein Brief des hethitischen Königs an das Oberhaupt der Achaiyava (Achäer) erwähnt, in dem er sie auffordert, die Stadt Vilousa sofort zu verlassen, da er sie sonst schwer bestrafen werde. Er nennt sie Räuber! Das Hethitische gilt als die älteste indoeuropäische Sprache. Ihr eigenes Epos ist etwa 600 Jahre älter als die Ilias und heißt Ullikummi. Historiker gehen davon aus, dass die Griechen Getreide aus der Ukraine (“Schwarzes Land”: Fruchtbares Land) einführten, aber gezwungen waren, der Stadt Ilion, welche die Fahrt durch die Dardanellen kontrollierte, hohe Zölle zu bezahlen und sie dadurch zu großem Reichtum gelangte. Doch als Ilion die Zölle wiederholt erhöhte, beschlossen die Achäer, das Problem endgültig kriegerisch zu lösen. b) In der Odyssee wird die lange und abenteuerliche Reise des Odysseus erwähnt. In Wirklichkeit waren es jedoch zahlreiche Reisen und ähnliche Abenteuer von Hunderten von Griechen in der Bronzezeit, welche die Grundlage für die Literatur des Epos bildeten. c) Die Göttin der Schönheit und des Krieges Aphrodite kam als Ischtar aus Babylonien nach Phönizien, wo ihr Name in als Aschterut umgewandelt und vor ca. 3200 Jahren von den Phöniziern nach Zypern gebracht wurde, wo sie in Aphrodite (die aus dem Schaum Steigende) umbenannt wurde. So macht der Name macht einen Sinn.
4. Glaube, Mythos, Metamorphose
α) Der Glaube ist eine Sache, Wissen eine andere. Der Glaube ist jedem Menschen inhärent, denn, wie vor einigen Jahren von führenden Neurobiologen wissenschaftlich nachgewiesen wurde, existiert in seinem Gehirn unter den 100 Milliarden Neuronen eine Gruppe, die für den Glauben im Allgemeinen, aber ohne religiöse Konkretisierung, zuständig ist. Der Mensch kann heidnisch, polytheistisch(Hindus), pantheistisch oder monotheistisch, monotheistisch usw. sein. Der Glaube ist seine eigene Angelegenheit und zugleich ein Menschenrecht. Mit anderen Worten: Es ist nachgewiesen worden, dass der Glaube Teil der menschlichen DNA ist. Daher ist es unmöglich, sie zu verbieten. Ungerecht, unzivilisiert und unwissenschaftlich handeln daher auch diejenigen, die sich über Gläubige lustig machen (Siehe ausführlich hier im Blog den Beitrag Glaube).
β) Der Glaube ist zuerst in den Mythen aller Völker zum Ausdruck gekommen, d.h. die Religion ist durch die Mythologie gegangen. Der neutrale und objektive Beobachter kann die drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) besser verstehen, wenn er sich systematisch mit der vorangegangenen Mythologie der Völker des Nahen und Vorderen Orients beschäftigt.
γ) Die Menschen beobachten seit Tausenden von Jahren die ewige Natur, d.h., besonders die Pflanzen, die Bäume, Früchte und nach der Erfindung der Landwirtschaft das Getreide, Sie richten ferner ihr Augenmerk auch auf den Mond und später auf die Sonne. In der Mythologie vieler Völker wurde die Naturphänomene mit der Geburt bestimmter Gottheiten (Osiris, Tumuts, Adonis usw.) in Verbindung gebracht, die im Winter starben und im Frühjahr wieder zum Leben erwachten (Auferstehung).
δ) Die Metamorphosen waren ein fester Bestandteil aller heidnischen und polytheistischen Religionen und insbesondere der totemistischen Mythen und sogar der Gedichte (z. B. Ovid, “Metamorphosen”). Am bekanntesten sind die Verwandlungen von Menschen in Tiere, z.B. die Verwandlung von Piraten in Fledermäuse, von Hyazinthen in eine Blume gleichen Namens wie Narziss, von Daphne in einen Baum, von der Braut Syrinx in eine Flöte etc. Neue Religionen übernahmen aus Gründen der Zweckmäßigkeit teilweise die Tradition heidnischer Religionen; so auch das Christentum, der Islam und in großem Umfang der Hinduismus, um die Religionen für das einfache Volk akzeptabel zu machen. Normalerweise haben z.B. die vielen Ikonen in römisch-katholischen wie auch orthodoxen Kirchen und die gesamte Liturgie nichts mit dem christlichen Glauben zu tun und sind dennoch notwendig.
e) Dasselbe gilt für die Zahl drei (“Heilige Dreifaltigkeit”). Bereits in der Mittelsteinzeit (8000 -5.500 v. Chr.) war die symbolische Bedeutung der Drei bekannt: Mond, Erde, Unterwelt (Reich des Hades). Der Mond war die oberste Gottheit, weil die Wildjäger mit Hilfe des Mondlichts auf Jagt gingen. Durch den Ackerbau im Neolithikum wurde der Mond durch die Sonne ersetzt, die plötzlich zur obersten Gottheit erhoben worden war. Im Vorderen Orient gab es in der Regel göttliche Dreifähigkeiten, z. B. in Ägypten Isis, Osiris und Horus, in Mesopotamien dasselbe (Vater, Mutter und Sohn). Daraus entstand die christliche Heilige Dreifaltigkeit, nur dass die Mutter durch den Heiligen Geist ersetzt wurde. Die patriarchalische Weltanschauung hatte jedoch die Mutter aus der Trinität ausgeschlossen. In der Philosophie wurde die Trinität vor allem von Aristoteles (drei Gewalten bzw. drei Elemente des Staates) und in der jüngeren europäischen Geschichte von den drei weltgeschichtlichen Parolen der Französischen Revolution von 1789 (Liberte, Egalite, Fraternite) fortgeführt (siehe ausführlich hier im Blog den Beitrag Die Heilige Dreifaltigkeit in der Mythologie.
Literatur
-Bancroft,Α., Origins of the Sacred-The Way of the Sacred in Western Tradition, London, New 1987
-Beowulf, Ein altenglisches Heldenepos, Leipzig 1988
-Botheroyd,S./P., Keltische Mythologie, Wien, 2004
-Der Streit um das Heldenstück, Keltische Sagen aus dem alten Irland, Leipzig und Weimar 1987
-Das Nibelungen Lied, zweisprachig, Mannheim 1988
Die Edda, Götterdichtung, Spruchweisheiten und Heldengesänge der Germanen,
München 1981
-Das Ramayana, Epos des Valmiki, Berlin 1976
-Der Rinderraub, Altirisches Epos, Leipzig 1976
Der Sid, Das altspanische  Heldenlied, Leipzig 1974
-Eliade, Μ.,Histoire des croyances et idees religieuses, Paris, 1976 (Geschichte der religiösen Ideen, Freiburg i. B., 1978), (Ein Standard-Werk,4 Bände)
-Eliade,Μ., La naissance du monde, Paris, 1959
-Εnzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, hrsg. von Jürgen Mittelstraß,Band 2, Stuttgart, 2004
-Golowin,S. /M. Eliade/J. Campbell, Die grοßen Mythen der Menschheit, Erfstadt 2007
-Homer, Ilias & Odyssee, zweisprachig, Frankfurt am Main-Leipzig 1992
-James,E. O., The Cult of the Mother Goddes, London, 1959
-Jordan, M., Myths of the World, London, 1996
-Kalevala, Rostock 1968
-Kleines Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Leipzig 1989
-Κορνήλιος  Καστοριάδης, Η ελληνική ιδιαιτερότητα (Die griechische Besonderheit), Αθήνα 2007
-Knaurs Lexikon der Mythologie, München, 1999
-Larrington, C.(Edit.), The Feminist Companion to Mythology, Pandora Press, 1992
-Mahabharata, Das Heldenepos des alten Indien, Leipzig-Weimar 1982
-Ovid, Metamorphosen, Leipzig1971
-Radziwill-Chronik, Rauchspur der Tauben, Leipzig-Weimar 1986
-Schahname, Das persische Königsbuch, Leipzig-Weimar1988
-Schmidtbauer, W., Mythos und Psychologie, München 1999
-Schota Rusthaweli, Der Recke im Tigerfell, Berlin 1980
-Steinwed,D./D. Först, Die Jenseitsmythen der Menschheit, Düsseldorf 2005,
veröffentlicht in Griechisch oft in: Vima (22. 10. 2012),Κathimerini (20.11.2014) und iefimerida (12.11.2015, 10.10.2017) in Auseinandersetzung mit dem griechischen Philosophen und Theologen Christos Giannaras
aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (PanosTerz): Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, 284 S., S.13ff.

Prophetie, Apokalypse, Katastrophologie, Futurologie

Prophetie, Apokalypse, Katastrophologie, Futurologie
Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit komplexen und vielschichtigen Phänomenen und allgemeinen Themen muss auf einer angemessenen Herangehensweise beruhen, die zweifellos Kenntnisse der Methodik der wissenschaftlichen Forschung voraussetzt, auch wenn es um spezifische aktuelle gesellschaftspolitische Fragen geht. Seit ich begonnen habe, Rezensionen in der griechischen elektronischen Presse zu veröffentlichen (März 2012), habe ich mit großer Überraschung festgestellt, dass die Methodik nur in seltenen Fällen angewandt wird. Es herrschen Obsessionen vor, der verderbliche moderne griechische Surrealismus, ein primitiver Populismus, eine billige Überempfindlichkeit, eine im fortgeschrittenen Europa undenkbare Oberflächlichkeit und ein Überpatriotismus. Es ist daher kein Zufall, dass die verschiedenen Begriffe, die in der Regel einen bestimmten, definierten und international anerkannten Inhalt haben, häufig durcheinander gebracht werden. Was unser Thema betrifft, so erwähnen wir die für uns interessanten Konzepte: Prophezeiung, Offenbarung, Mythologie, Poesie, Mystik, Paranoia, Katastrophologie und Prognose. Im Folgenden werden wir uns auf einige dieser Konzepte konzentrieren, um ihre charakteristischen Merkmale zu ermitteln.
Prophetie
Die Prophezeiung ist bereits eine Erfindung und Fähigkeit der Schamanen. Im alten Griechenland hatte es die Bedeutung, das Göttliche oder die Zukunft anzukündigen und zu deuten. Der Prophet spielte die Rolle eines Vermittlers zwischen den Göttern und den Menschen, die in einem Orakel versammelt waren, um etwas über ihre Zukunft zu erfahren. Prophezeiung bzw. Voraussage wurde mit Ekstase, mit Visionen und vor allem mit Offenbarung in Verbindung gebracht (vgl. J. Irmscher (Hrsg.), Lexikon der Antike, Leipzig 1987, S. 473 und E. Hennecke (Hrsg.), Apokryphe Apokalypsen , Wiesbaden 2005, S.11 ). Doch während sich das antike Griechenland zur Wiege des Wortes entwickelt hat, war das antike Israel das Zentrum der Prophetie und der zahlreichen Propheten (nabi, chozäh), die oft mit der herrschenden Klasse und dem säkularen Staat im Allgemeinen in Konflikt geraten sind (J. Maier,Judentum von A-Z, Glauben, Geschichte, Kultur, Erftstadt, 2001, S. 330/332). Sie haben in der Regel die Initiative ergriffen, um ihre Verkündigungen zu machen. Apokalypse Ursachen für das Auftreten des Phänomens der Apokalypse: Die ideologische Wurzel der Offenbarung ist weitgehend auf die teleologische Geschichtsauffassung im alten Israel ausgerichtet, doch haben die Juden wichtige Elemente höherer Kulturen und Religionen übernommen, z. B. die Essenz der persischen Soteriologie und die babylonische Vorstellung von den sieben (7) Zeitaltern der Menschheit. Aus der hellenistisch-römischen Orakelliteratur (“Sibyllinische Bücher”) haben sie jene über eine mythische Persönlichkeit aus der idealisierten Vergangenheit übernommen, die die Offenbarung verwirklicht. Das Ergebnis waren ganze Bücher der Offenbarung (vgl. C. Andresen u.a. (Hrsg.), Lexikon der Alten Welt, 3 Bände, hier Band 1, S.206). Interessante Informationen: 236 Fachwissenschaftler aus allen deutschsprachigen Ländern haben an der Erstellung dieses Standard-Lexikons (über dreitausend Seiten) mitgewirkt.. Vor dem Erscheinen der ersten Bücher der Offenbarung (Daniel und Henoch) war die internationale politische Lage der Juden äußerst verzweifelt. Der kulturelle und militärische Konflikt mit den griechischen Eroberern hatte bereits begonnen (Antiochus 4er Epiphanes ). Die jüdischen Intellektuellen sprachen lieber Griechisch und waren größtenteils Anhänger der stoischen Philosophie, von der das Christentum die Nächstenliebe übernommen hat (siehe in meinem Blog: “Nächstenliebe, griechische Stoiker und chinesische Philosophen”). Viele jüdische Entscheidungsträger sahen sich großen Gefahren ausgesetzt, darunter vielleicht auch der Verlust ihrer religiösen und ethnischen Identität. Die frommen (chasidim), eher religiösen, stellten sich bereits das kommende Ende der Welt vor. Sie haben in den frühen Offenbarungen methodisch den unvermeidlichen Untergang mächtiger Königreiche und Imperien gemäß “Gottes Zeitplan” erwähnt und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Geschichte endet, aber dann wird sie WIEDERHERGESTELLT werden (Nekronomie) und Israel wird triumphieren! Das Buch des Propheten Jesaja ist voll von Phantasien und Symbolismus mit Engeln, Monstern, Tieren und Teufeln (siehe ausführlich das international renommierte Standardwerk (4 Bände) des rumänisch-französischen führenden Historikers religiöser Ideen M. Iliade , Histoire des croyances et idees religieuses, Paris 1978, 1992, Kap. 25 ). Aus der berühmtesten Offenbarung des “Heiligen Johannes des Theologen” seien sehr charakteristische Beispiele für seine ekstatischen Visionen zitiert: “Und ich sah und hörte einen Engel mitten auf der Erde fliegen, der mit lauter Stimme sagte: “Wehe, wehe, wehe denen, die auf der Erde wohnen, denn die Stimmen der Posaune der drei Engel, die kommen werden, um die Posaune zu blasen, verstummen”" (vgl. Η,13). Ein weiteres Fragment: “Und ich hörte eine große Stimme aus dem Tempel, die zu den sieben Engeln sagte: ‘Geht hin und gießt aus die Schalen des Zorns Gottes auf die Erde … Und der sechste Engel goss seine Schale aus über den großen Teich Euphrat, und sein Wasser vertrocknete, damit der Weg der Könige von Osten bereitet würde” (KJV 1:1,12). Und nun der Höhepunkt, sehr zeitgemäß: “…und sah ein Weib sitzen auf einem scharlachroten Tier, das war voll Namen der Lästerung und hatte sieben Häupter und zehn Hörner….und auf ihrer Stirn stand geschrieben: Mysterium, Babylon die Große, die Mutter der Huren und der Gräuel auf Erden. Und sie sahen das Weib trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Qualen Jesu… ” (KJV, 3-6).
Die Schreiber der Offenbarung waren brillant. Sie gingen absichtlich in die Vergangenheit zurück und berichteten von Ereignissen, die sich angeblich in der fernen Vergangenheit ereignet hatten, um den verängstigten Juden Trost und Mut zu spenden. Und doch wird im Religionsunterricht den Schülern erzählt, die Propheten hätten die Zerstörung von vier Königreichen und Imperien vorausgesagt. Doch ungeachtet ihres mystischen und mythologischen Charakters die Offenbarung ist ein bemerkenswertes literarisches Werk der besonderen Art.
Katastrophologie
Die Autoren der Offenbarung waren vielleicht die ersten Katastrophologen der Welt. Aber gegenwärtig ist es unglaublich, dass amerikanisch-jüdische Ökonomen (Krugman, Rubini) und sogar große Groß-Investoren (Soros) gerne die Rolle von Katastrophologen zu spielen scheinen, indem sie in den Medien immer wieder mit großer Zuversicht die Ansicht vertreten, dass der Euro kurz vor dem Zusammenbruch und die EU kurz vor dem Auseinanderbrechen steht, und andere wunderliche Dinge. Rubini hat sogar die Zeit ( Jahr, Monat) vorausgesagt. Wir haben uns bereits 2012 und danach mit ihnen beschäftigt (siehe in meinem Blog die Artikel “Rubini, Ο μεγάλος Καταστροφολόγος”, “George Soros, Ο ψευτοπροφήτης”, “Paul Krugman, Νομπελίστας”).
Futurologie
Die Futurologie hat mit Prophezeiungen und Offenbarungen nichts zu tun, denn es handelt sich um eine Wissenschaft, die als solche erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, jedoch schon im 19. Jahrhundert waren einige Wissenschaftler in der Lage, weltgeschichtliche Ereignisse wie den Ersten Weltkrieg und das globale Umweltproblem vorherzusagen. Erinnern wir uns daran, dass der bekannte französische Schriftsteller Jules Verne auf der Grundlage der großen Errungenschaften der physikalischen und technischen Wissenschaften seiner Zeit einige Entwicklungen in den Naturwissenschaften vorausgesagt hat. In einigen Wissenschaften ist es relativ gut möglich, Vorhersagen zu treffen, aber dies erfordert eine zeitaufwendige systematische und methodische Vorbereitung der Art von wissenschaftlicher Grundlagenforschung mit dem notwendigen breiteren gesellschaftspolitischen Kontext durch erfahrene wissenschaftliche Forscher.
häufig in Kathimerini (Καθημερινή) veröffentlicht (2015, 2016, 2017) aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (PanosTerz): Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, 284 S., S. 19

“Goldenes Zeitalter”, Ein Mythos

“Goldenes Zeitalter”, Ein Mythos
Es handelt sich um ein Phänomen, das seit der Erfindung der Schrift im Vorderen Orient bekannt ist. Immer wenn sich soziale Missstände oder Klassenkämpfe verschärften, Kriege stattfanden, Naturkatastrophen vorkommen oder es Probleme mit der neuen Generation gab, hatten die Menschen den Wunsch, die Situation zum Besseren zu verändern. Da sie aber nicht wissen konnten, was in der Zukunft geschehen würde, versuchten sie sich selbst beeinflussend vorzustellen, dass in der idealisierten Vergangenheit einmal alles besser gewesen sei. Historiker haben dieses psychologische Phänomen “Mythos des Goldenen Zeitalters” genannt. In einem der ältesten schriftlichen Denkmäler der menschlichen Zivilisation, einem sumerischen Gedicht aus dem Jahr 3000 v. Chr. (!), wird der Mythos eindrucksvoll erwähnt: “Es war einmal vor langer Zeit, – es gab keine Schlangen, – es gab keine Skorpione, – es gab keine Hyänen, – es gab keine Angst, – der Mensch hatte keinen Rivalen, – das mehrsprachige sumerische Sprache. – Das große Land der göttlichen Hoheitsgesetze, -unser Sumer, -das Land mit allen Notwendigem, -das Land von Martou, -mit seiner Wärme, -das ganze Universum, -alle vereinigten Völker, -wurden dem Gott Enlil mit nur einer Sprache gepriesen.” Was bedeutet dieser Text? 1. Es bedeutet Nostalgie nach einer idealisierten Vergangenheit. 2. Er drückt das Bedauern über eine fast paradiesische, verlorene Vergangenheit aus. 3. Der Dichter war mit den Lebensbedingungen, die dort herrschten, nicht zufrieden. 4. Es gab keine Möglichkeit, die unangenehme Situation zu ändern, und so tröstete er sich mit der verklärten Vergangenheit. 5. Zur Zeit des Dichters war die Gesellschaft bereits in Klassen unterteilt. 6. Es herrschte orientalische Willkür und Despotismus sowie die Regel “homo homini lupus” (“der Mensch ist für den Menschen ein Wolf”). 7. Hier wird implizit eine universelle Gerechtigkeit und Brüderlichkeit zum Ausdruck gebracht. In einem altägyptischen Gedicht wird die Ungerechtigkeit ebenfalls erwähnt: “Im Lande gab es nichts Ungerechtes, -kein Krokodil raubte, -kein Schlangenbiss, -zur Zeit der frühen Götter”. Auslegung: 1. Aus dem Gedicht ergibt sich die Schlussfolgerung, dass in Ägypten die Klassenkonflikte bereits akut geworden waren und die soziale Ungerechtigkeit groß war. 2. Der Raub durch das Krokodil ist vielleicht eine Allegorie für die Konzentration des Reichtums in wenigen Händen und die unerträglichen Steuern. 3. Der Verweis auf die frühen Götter impliziert, dass die Religion und der Glaube im Allgemeinen bereits zu einem Instrument der Unterdrückung der Massen durch das theokratisch pharaonische System entwickelt wurde. Auch der Hinduismus hat einen eigenen “Mythos des Goldenen Zeitalters”, der jedoch als “Zeitalter der Wahrheit” (“satya yuga”) bezeichnet wird und folgenden Inhalt hat: Die Menschen hatten keine Krankheiten und keine Begierden. Sie hatten es auch nicht nötig, hart zu arbeiten. Sie lebten friedlich, einfach und tugendhaft. Doch plötzlich kam die Gier auf, und die Menschen häuften ständig Eigentum an. Damit endete das “Goldene Zeitalter” und wurde vom “Dunklen Zeitalter” (“Kali-Zeitalter”) abgelöst, in dem Krieg, Krankheit, Armut und Hungersnot herrschten. Es ist sehr interessant, dass es im alten China verschiedene Versionen des “Goldenen Zeitalters” gab. Dies hing möglicherweise von unterschiedlichen Weltanschauungen ab. Theoretiker und Pragmatiker, Moralisten und Ethiker, Vertreter des Naturrechts und andere des positiven Rechts, fanatische Befürworter und auch fanatische Gegner des Gesellschafts- und Staatssystems waren in der Regel Anhänger des Mythos vom “Goldenen Zeitalter”. Der größte Theoretiker und Philosoph des alten China, Konfuzius, vertrat die Ansicht, dass in der Zeit der “heiligen” Könige Yao und Shun und der drei Dynastien Yü, Tang und Wu “das Gemeinschaftseigentum herrschte. Jeder sprach die Wahrheit und lebte einträchtig mit den anderen… Es gab keine Diebe, Räuber, Mörder und Verbrecher. Deshalb haben sie die Tore (der Städte) nicht geschlossen. Das war die Ära der großen Gemeinschaft”. Und Konfuzius’ großer Rivale, der Philosoph Mo zi, schrieb etwas Ähnliches. Auslegung: 1. Die Weisen versuchten, die Richtigkeit ihrer Lehre durch die Erfolge vergangener Zeiten bestätigt zu wissen. 2. Der Verweis auf die alte Vergangenheit steht der Weiterentwicklung der Gesellschaft entgegen. Gleichzeitig sollte sie jedoch durch die “große Gemeinschaft” des Konfuzius oder durch die Schaffung eines zentralen und großen bürokratischen Reiches erreicht werden. 3. Beide waren unzufrieden mit der chaotischen und anarchischen Situation in China. 4. Aus den zitierten Zitaten von Konfuzius geht hervor, dass er bereits die Grundursache vieler Übel in der Gesellschaft erkannt hatte, nämlich das Eigentum an den Produktionsmitteln. Die Kombination mit dem “Großen Weg” (Dau-Prinzip) bedeutet meines Erachtens, dass Konfuzius das Gemeinschaftseigentum als ein natürliches Phänomen ansah. In dieser Hinsicht können wir ein naturrechtliches Argument erkennen. Anders als beide Philosophen bewertet Laudse bewertete den viel bewunderten Anfangszustand als “Goldenes Zeitalter”: “Der große Dau ist verloren gegangen, – die Güte und Ehrlichkeit – die Intelligenz ist erschienen,- dann herrschte die große Heuchelei, – die Sippe wurde zerstört…- der Staat wurde wegen der Verwirrung aufgelöst…”. Im zehnten Kapitel seines Buches empfiehlt er eine einfache Güte: “Schafft die Heiligkeit ab, -lehnt die Intelligenz ab, – die Menschen werden hundertmal mehr gewinnen, – schaltet die Güte ab, -lehnt die Ehrlichkeit ab- – die Menschen werden sich wieder lieben – schaltet die Geschicklichkeit, Menschenfreundlichkeit ab,- es wird keine Diebe und Räuber mehr geben, – so lehre das Volk: Für die Rückkehr zur Einfachheit und Aufrichtigkeit; wenig wollen, nicht viel wünschen.” Aus seinem großen Hass gegen die Unterdrücker der Bevölkerungsmehrheit und gegen die Habgier der herrschenden Klassen und aus seinem Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse konnte er jedoch nicht die logische Schlussfolgerung einer Veränderung der Verhältnisse durch eine soziale Revolution ziehen. Stattdessen wurde versucht, die Lösung der sozialen Probleme in einer Rückkehr zur ursprünglichen Situation zu finden. Aus dieser Position ziehen wir jedoch den Schluss, dass er die soziale Entwicklung ablehnte. Wegen dieser naiven Haltung war es ihm daher nicht möglich, Veränderungen in der Gesellschaft zum Nutzen der Masse des Volkes herbeizuführen, die sonst im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit stand.
Der Pragmatiker Han Fei, ein Vertreter der städtischen Sklavenklasse, unterschied sich stark von ihm. Sein wichtigstes Argument war, dass im “Goldenen Zeitalter” Gesetze nicht notwendig waren. Han Fei schreibt Folgendes: “In der Antike brauchten die Menschen das Land nicht zu bebauen, weil sie die Samen und Früchte essen konnten. Niemand versuchte, Konsumgüter zu produzieren, weil die Bevölkerung klein war und Nahrungsmittel im Überfluss vorhanden waren. Es gab keine Konflikte zwischen den Menschen, die Mittel der Bestrafung und Anerkennung waren nicht bekannt, überall herrschte Frieden und Ordnung” . Han Fei hat große intellektuelle Anstrengungen unternommen, um andere davon zu überzeugen, dass im Interesse von Frieden und Ordnung strenge Gesetze notwendig sind.
Im antiken Griechenland drückte der Mythos vom “Goldenen Zeitalter” vor allem den Wunsch der Unterdrückten und Armen nach einem Leben in Gerechtigkeit aus. Die Ansichten der alten Griechen über Recht und Gerechtigkeit wurzelten in ihrem Glauben an anthropomorphe Götter. Ausgehend von einem starken Selbstbewusstsein als Menschen, wagten sie es, zwischen den Göttern zu unterscheiden, und betrachteten Zeus als den größten Bösewicht gegen die menschliche Gattung. Sie haben die Meinung geäußert, dass die Menschen im “Goldenen Zeitalter” unter den Bedingungen der Gerechtigkeit lebten, während durch die Machtübernahme durch den Zeus ein Übergang zu Lebensbedingungen stattgefunden hat, unter denen die Gerechtigkeit ihren Wert verloren hat. Hesiod zufolge gab es im “Goldenen Zeitalter” keine Kriege, keine harte Arbeit, keine Streitigkeiten, keine gefährlichen Seereisen und kein PRIVATEIGENTUM. Klassenkonflikte und Unzufriedenheit aufgrund der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse in Griechenland und Rom waren für andere Philosophen und Dichter Anlass, sich der vermeintlich besseren Vergangenheit zuzuwenden.
Der bekannte römische Dichter Publius Ovidius Naso beschrieb in seinen “Metamorphosen” (Buch I, Strophe 90), insbesondere im Zusammenhang mit den “Vier Jahreszeiten” und im Rahmen seiner Kosmogonie, das “Goldene Zeitalter” wie folgt: “…Freiwillig und ohne Gesetz praktizierte das Menschengeschlecht das Recht und war treu, – Strafe und Angst waren unbekannt…-jeder hatte Schutz ohne Richter,…-es gab weder Helm noch Schwert…,-ohne Kriege waren die Völker sicher, -ohne Pflugscharen brachte die Erde Weizen hervor, ein Fluss aus Milch und Honig…” und weiter: “Es tauchten alle erschienen alle Grausamkeiten,- Ehrfurcht, Glaube und Wahrheit verschwanden, – an ihre Stelle traten Betrug und hinterlistige Habgier, – Gewalt und Leidenschaft für das Privateigentum,- de Krieg trat ein… ” Der Lyriker übertreibt sehr, während Poseidonios realistischer ist: “In jenem Goldenen Zeitalter hatten die Weisen die Macht in ihren Händen. Sie verhinderten Gewalt und schützten die Schwachen”. Aus diesen wenigen Worten des Poseidonios kann man schließen, dass es den Herrschern zu seiner Zeit an Weisheit mangelte und sie daher Gewalt gegen die Volksschichten ausübten. Wir finden außerdem ein Gefühl der geistigen Überlegenheit der Weisen gegenüber den Politikern. veröffentlicht in Καθημερινή (Kathimerini) ,2012, 2017, 6.5.18 in Auseinandersetzung mit dem griechischen Philosophen und Theologen Christos Giannaras
auch in meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz): Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, 284 Seiten, S.22.

Auferstehung in der Mythologie

Auferstehung in der Mythologie
Ausgangspunkt der These: Der Mythos ging der Religion voraus, aber die Religion enthält immer noch Elemente des Mythos. Dies gilt insbesondere für den heidnischen und den christlichen Mythos um die Auferstehung.
Ich beabsichtige nicht, die bekannten Fakten über die Auferstehung Jesu Christi aus dem Neuen Testament, der Hauptgrundlage der christlichen Religion, die zweifellos ein Mythos ist, zu wiederholen.
Nach Ansicht von Fachhistorikern und Mythologen stehen Götter und Halbgötter (mythische Helden) im Mittelpunkt des Auferstehungsphänomens.
Im Allgemeinen werden zwei Kategorien von mythischen Auferstehungen unterschieden:
α) Götter und Helden, die jährlich sterben und dann wieder auferstehen. Dies sind die Götter der Vegetation. Das allmähliche Verschwinden der Vegetation und das Einsetzen der Dürre bedeuten, dass der Gott stirbt. Dieses traurige Ereignis wird meist von Opferklagen begleitet (vgl. G. Billinger, Knaurs Lexikon Mythologie, München 2004, S. 59/60).
Aber wenn das lang ersehnte Regenwetter zurückkehrt und die Vegetation aus dem Hades wieder auftaucht, wird es von den Menschen mit Freude, Begeisterung und Hymnen begrüßt. Besonders in den heiligen Zeremonien (Hymnen, Klagen) findet eine Vereinigung der Gläubigen mit dem auferstandenen Gott statt (vgl. P. Fiebag et alt., Mysterien des Altertums, München, 2002, S. 156 ff.).
Die Gläubigen betrachten die Auferstehung Gottes als ihre eigene Auferstehung,das heißt, sie drücken ihre große Freude über die ihre zukünftige Wiederauferstehung im Voraus aus.
Bei den Göttern generell gehören die wichtigsten zu den Vegetationsgöttern, die direkt mit den Göttinnen verwandt sind, die aus dem Hades zur Erde getragen werden, wie Tamuzu (Tumuzi) durch Ishtar (akkadische Göttin, syrische Ashterut, griechisch: Ashtarte, Göttin der Liebe und Krieg, Vorbild für Aphrodite), Osiris durch Isis (bilden zusammen mit ihrem Sohn Horus eine Dreifaltigkeit (vgl. Die Enzyklopädie der östlichen Mythologie, München 1999, S. 67), Adonis (zunächst Phönizischer Gott: “Mein Herr”, daher Adonia: in der Antike berühmte mystische Riten) durch Aphrodite, der phrygische
Gott Attis durch Cybele (phrygische Göttin, Große Mutter, Magna Mater)
und Persephone durch eine andere Göttin, Demeter (vgl. H. Gärtner, Kleines
Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Leipzig 1989, S.
298).
b) Zu dieser Kategorie gehören Götter oder Helden, die von Göttern oder Menschen getötet wurden. Sie werden nach einem Jahr wiederbelebt.
Nach dem christlichen Glauben hat nach drei Tagen (die magische Zahl 3) die Auferstehung des Gottessohnes Jesus Christus stattgefunden.
In anderen Religionen bzw. Mythologien gibt es ebenso Fälle der Auferstehung:
Tod und Wiederauferstehung des hinduistischen Liebesgottes Kam (Sanskrit: erotischer Wunsch, aber philosophisch gesehen, handelt es sich nach den Veden (heilige Bücher der hinduistischen Elitenreligion) um eine Personifizierung der Macht der Welt. Kam wurde von dem Gott Shiva bestraft, indem er ihn in Asche verwandelte, weil er Shivas i beim Yoga gestört hat. Er wurde wiedergeboren und heiratete Rati (Lust).
Ungefähr das gleiche Schicksal ereilte den orphischen Zagreus,
der Shinto (Japan) O-Kuni-nushi, der Perückengott Ayar Cachi o
der polynesische Gott Ono, der griechische Gott Herkules und der germanische Gott Baldurn oder Baldr (vgl. W. Golther, Germanische Mythologie, Handbuch,
Gesamtausgabe, Essen, 2004, S.294 ff.,335 ff.423).
Folgend sollen einige ausführlicher erwähnt werden:
-Horus in Ägypten (“Sohn Gottes”, “guter Hirte”, “Lamm Gottes”, “die
Wahrheit”, “das Licht” usw.) wurde von einem Mann namens Typhon verraten, danach wurde gekreuzigt, begraben und nach drei Tagen ist er wieder auferstanden.
-Attis in Phrygien, wurde gekreuzigt, begraben und nach drei Tagen ist er auferstanden.
-Mithras in Persien hatte 12 Jünger und vollbrachte viele Wunder und nach
nach seinem Tod wurde er begraben und nach drei Tagen ist er auferstanden.
-Zitiert aus Platons “Politeia”, “Mythos des ᾿Helden des Armenius”:
“Jemand, der nach seinem Tod wieder ins Leben zurückgekehrt ist, beschreibt uns, wie die Seelen während des Zeitraums von tausend Jahren leben, zwischen der Zeit seines Todes und der Zeit seiner Rückkehr ins Leben, als er wieder von den Toten zurückkehrte.
“Wenn ein Mensch stirbt, wenn die Seele den Körper verlässt, bis zum Augenblick seines Todes, wenn die Seele den Körper verlässt
bis zum Zeitpunkt der nächsten Wiedergeburt: [“……
Der Armenier, der von Geburt an ein Pamphylus war. Er wurde im Krieg getötet, und als sie nach zehn Tagen kamen, um die Leichen der Toten zu holen, die
verwesen, war seine Leiche noch unversehrt und intakt.
Deshalb trugen sie ihn nach Hause, um ihn zu begraben. Nach seinem Tode lag er auf dem Feuer und zwölf Tage später kehrte er ins Leben zurück und begann zu erzählen, was er in der anderen Welt gesehen hatte.”
Schlussfolgerungen
α) Das Phänomen der Auferstehung ist ein Element der Mythologie und der Religionen in allen großen Kulturen. Das heißt, es ist etwas Menschliches, was bedeutet, dass der Mensch den Mythos in Verbindung mit dem religiösen Glauben erfand, der sich in seinem Gehirn und insbesondere in seinen Neuronen konzentriert, wie die Neurowissenschaft bewiesen hat.
b) Die Auferstehung spiegelt in der Mythologie die Auferstehung der Natur nach dem Winter wider, nach dem das Saatkorn in der Erde (“Reich des Todes”) gelegen hat, und drückt im Wesentlichen transzendent und mystisch die Hoffnung des Menschen auf ein Leben nach dem physischen Tod aus.
c) Die Auferstehung ist naturwissenschaftlich nicht beweisbar, aber sie ist seit mindestens viertausend Jahren Bestandteil der Weltreligionen.
d) Die Auferstehung Jesu Christi ist ein Mythos als Ausdruck des absoluten Vorrangs des Glaubens vor dem WISSENSCHAFTLICHEN WISSEN. Aber der Glaube ist eine persönliche Angelegenheit des Menschen.
Veröffentlicht in Griechisch seit 2014 oft in der Καθημερινή (Kathimerini)
aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz): Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band) , ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, 284 S., S. 52

Religion

Religion
1. Der Begriff Religion
bedeutet a) eine besondere Form des Glaubens, die von einer größeren Gemeinschaft von Menschen anerkannt wird, b) die Verehrung Gottes, c) eifrige Hingabe und d) das Studium der Religion (Duden, Das Große Fremdwörterbuch, Mannheim/Leipzig, 2000, S. 1159 ).
2. Bedeutung von Religion
Mittelpunkt aller großen Religionen steht die Frömmigkeit der Gläubigen. Zwiscen den meisten Religionen einerseits und anderen menschlichen Positionen und Richtungen, wie z.B. in den Wissenschaften, der Philosophie und den bildenden Künsten andererseits besteht ein entscheidender Unterschied: heilig und sakral in der Religion, nicht-sakral und säkular in der Gesellschaft.
Zum Sakralen und Heiligen gehören Gott und Götter, besondere Orte und Zeiten, Texte und Handlungen, Gebote und Verbote und Menschen als Vorbilder, z.B. die Heiligen. Das Heilige gibt dem religiösen Handeln einen bestimmenden Sinn. In der Zeit vor der europäischen Aufklärung und auch heute noch in Ländern außerhalb des westlichen Kulturkreises spielte und spielt die Religion eine wichtige Rolle bei der Stärkung des Zusammenhalts von Nationen und Gesellschaften, indem sie vielen Aspekten des Lebens einen Sinn verleiht.
Aber gerade diese Rolle der Religion birgt viele Gefahren, wie z.B. einige Formen von Dogmatismus, Fundamentalismus und Fanatismus, weil die Religion für die Verwirklichung unheiliger Ziele instrumentalisiert wird (z.B. politisch motivierter Scheinglaube, Religion als “Opium des Volkes”, besonders in Indien,usw.). Im westlichen Kulturkreis begann mit der Renaissance, dem Humanismus, der Aufklärung, der Unabhängigkeit von Moral und Politik und der raschen Entwicklung der Wissenschaften und der schönen Künste der Einfluss der Religion auf die Gesellschaft allmählich zu schwinden. Bereits im antiken Griechenland wurde die Religion kritisiert (Xenophanes und andere), aber die intensivsten ideologischen Debatten wurden in der Aufklärung geführt, obwohl einige Schritte in diese Richtung längst im 17. Jahrhundert von dem spanisch-niederländischen Juden Baruch Spinoza unternommen wurden. Der materialistische Philosoph und exzellenter Erkenntnistheoretiker hatte auf der Grundlage eines cognitiven Systems den pantheistischen Monismus theoretisch begründet (Gott als Natur ist die einzige, absolute und ewige Essenz).
Französische Aufklärer, in erster Linie Materialisten, vertraten die Ansicht, dass die Religion und insbesondere die katholische Kirche eine tragende Säule des Ancien Régime und der feudalen Macht war. Frankreichs größter materialistischer Philosoph des 18. Jahrhunderts, P.T. Holbach, bewertete die Religion als Mittel der Unterdrückung und Korruption (siehe sein berüchtigtes Werk “Le christianisme devoile”, London, 1766), während der “Fürst der Aufklärer” Voltaire die Religion zwar anprangerte, gleichzeitig aber ihre positive Rolle für den sozialen Zusammenhalt und die Stabilität betonte. Der atheistische und gerissene Putin tut heute das Gleiche. Engländer (E.H. Cherbury, J. Toland, Shaftesburi etc. (auch heute noch ist London das Zentrum der Atheisten in aller Welt) und Deutsche (die führenden Philosophen I. Kant und G.F. Hegel sowie der Philosoph J.G. Fichte) haben den Anspruch der christlichen Religion auf das Wahrheitsmonopol zurückgewiesen. Dies ist in der Tat “schwere Artillerie”.
Im Vergleich zu ihnen war  F. Nietzsche zweifellos ein fanatischer Feind der christlichen Religion. Wir ziehen es vor, seine Schimpfkanonaden nicht zu erwähnen, aber seine Haupt-These sei erwähnt, dass die Religion pervers sei und die Menschheit zerstörte.
Und Karl Marx war an sich ein großer Feind der Religion, aber die Neomarxisten A. Gramsi, E. Bloch, R. Garaudy und M. Horkheimer haben zu Recht darauf hingewiesen, dass die Position von Marx und dann des orthodoxen Marxismus nicht dialektisch war, und sie haben insbesondere die praktische, befreiende und volksverbundene Kraft der Religion hervorgehoben. Im Bereich der Philosophie finden wir auch positive Ansichten über Religion (Platon ohnehin, Aristoteles).
Im Allgemeinen werden die folgenden Argumente für die Notwendigkeit der Religion angeführt:
1. Politisch: Religion ist eine Möglichkeit für hohe Staatsbeamte, die Bürger zur Einhaltung moralischer Normen zu bewegen. Kriton hat bereits die Rolle der Götter, d.h. der Religion, bei der Aufrechterhaltung der moralischen Ordnung hervorgehoben (VS 88 B 25).
2. Wissenschaftlich: Die Religion ist ein Versuch, Erklärungen für Naturphänomene zu geben, über die das notwendige Wissen fehlt (vor allem Demokrit und Lukrez).
3. Anthropologisch: Eine der Grundlagen der Religion ist das Bedürfnis und der Wunsch des Menschen, eine kulturelle Stabilität zu erlangen. Cicero zufolge sind Furcht und Verehrung des Göttlichen ein Grundbedürfnis des Menschen.
4. Moralisch: Die Religion vermag den Menschen zu beeinflussen, sittlich und zum Nutzen des Ganzen zu handeln (I. Kant, J. Fichte, kontroverse Haltung), (vgl. Enzyklopädie Philosophie und Wissenschafstheorie, hrsg,. von J. Mittelstraß, Bd. 3, Stuttgart/Weimar, 2004, S. 577-586).
5. Kulturell: Die Religionen haben durch ihre moralischen Grundsätze wesentlich zur Zivilisation der Völker beigetragen. Wir erwähnen nur die wichtigsten davon: die Zivilisierung der Russen und der Balkanvölker durch die christliche Orthodoxie, die zahlreichen alten deutschen und keltischen Völker durch den römischen Katholizismus, die Zivilisierung von Völkern durch den Hinduismus und den Buddhismus.
6. Historisch: Vom Mesolithikum der alten Schamanen über die ganze Welt, in allen Rassen und bei allen Völkern bis zum heutigen Tag gibt es in fast allen Fällen Religionen mit der notwendigen Priesterschaft als Vermittler zwischen Mensch und Gott (siehe das erstaunliche Buch A. Bancroft, Origins of the Sacred-The Way of the Sacred in Western Tradition, London/New York, 1987).
7. National: Die entscheidende Rolle der christlichen Religion im Prozess der Ethnogenese vieler europäischer Nationen und insbesondere der Spanier, Polen, Russen und Balkanvölker, vor allem der Griechen, ist allgemein bekannt.
8. Es ist daher kein Zufall, dass das Menschenrecht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit seit dem Zweiten Weltkrieg in wichtigen internationalen Dokumenten verankert ist: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948, Artikel 18), Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte (1966, Artikel 18), Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte (1950, Artikel 9).
Die Religion hat jedoch ihre Unschuld verloren, seit sie mit der Macht verschmolzen wurde. Sie wurde fünftausend Jahre lang von der Macht instrumentalisiert, in Sumerien, in Ägypten und später in Akkadien, in Babylonien (es gibt zahlreiche Texte zu diesem Thema, die den verschlossenen Theologen der christlichen Orthodoxie natürlich völlig unbekannt sind), im Römischen Reich usw. Vor allem im Imperium Romanum Orientalis (Oströmisches Reich), wo das Christentum zur Reichsreligion erklärt wurde, erfolgte seine vollständige Instrumentalisierung für die Zwecke der kaiserlichen Macht. Das Gleiche geschieht heute in Russland: Der Patriarch ist Putins Diener.
Erinnern wir uns daran, dass viele große Verbrechen im Namen der Religion begangen wurden (die Plagen der Anhänger christlicher Sekten in Byzanz, die schweren Verbrechen der unmenschlichen “Santa Inquisicion”, schreckliche Verbrechen bis hin zum Völkermord durch die Kreuzritter (deus vult: Gott will es), gegenseitiger Streit und Gräueltaten zwischen Katholiken und Protestanten 30 jahrelang (Religionskrieg), für die jedoch nicht Glaube und Religion verantwortlich sind, sondern deren Instrumentalisierung und Ausbeutung für politische Zwecke, wie dies heute beim “politischen Islam” der Fall ist (Taliban, Al Qaida, “Islamischer Staat” usw.).
Allgemeine Schlussfolgerungen
α) Die Religion ist in Verbindung mit dem Glauben ein menschliches Phänomen, sie gehört zu den Grundfreiheiten und -rechten eines jeden Menschen und Bürgers, kann aber nicht durch äußere Mächte den Menschen aufgezwungen werden.
b) Die Religion ist in der Lage, den sozialen und nationalen Zusammenhalt durch ihre moralische Lehre zu stärken.
c) Nichtreligiöse Menschen haben die moralische Pflicht, dieses Menschenrecht zu achten.
d) Die Instrumentalisierung der Religion durch die politischen Behörden ist in der Regel eine Selbstverständlichkeit.
Veröffentlicht in Griechisch in: Καθημερινή (Kathimerini), 30.10.16, 29.3.2020 in Auseinandersetzung mit dem griechischen Philosophen und Theologen Christos Giannaras
Aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz): Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band), ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, S.29 ff.
Zeit (6.2.24)

Göttin – Matriarchat

Göttin – Matriarchat

Einleitende Bemerkungen, Probleme des Ansatzes

Die Herangehensweise an das hochinteressante, aber komplexe Thema stützt sich auf Dokumente wie Hymnen und andere Gedichte, die einen Zeitraum von 4500 Jahren abdecken, was bedeutet, dass sie nicht nur aus der Eisenzeit, sondern auch aus der Bronzezeit stammen, vor allem aus der Region des Vorderen Orients, wo vor etwa 10.000 Jahren der Ackerbau erfunden wurde und somit die Zivilisation entstand, die ersten Staaten gegründet und die ersten Rechtskodizes bereits 4.000 Jahre vor Christus formuliert wurden (codex  Eschnuna), lange vor dem allgemein bekannten Gesetzgeber Hammurabi.
Was die wissenschaftlichen Literatur-Quellen anbelangt, so stützt sich die Studie auf die Schriften bedeutender Spezialisten, nämlich Archäologen, Religionswissenschaftler, Mythologen, Archäophilologen, Historiker, Ethnologen und Soziologen. Aus Platzgründen können nicht alle der zahlreichen Literatur-Quellen genannt werden. Der vorliegende Text bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen journalistischem Artikel und populärwissenschaftlicher Studie.
Es wurde festgestellt, dass es beim Thema Matriarchat keine Einstimmigkeit unter den Experten gibt, was für viele Aspekte gilt. Manche bezweifeln, dass das Matriarchat wirklich existierte. Auch über den Begriff und seine Definition gibt es unterschiedliche Auffassungen. Außerdem ist es fast zur Gewohnheit geworden, dass jede der oben genannten Wissenschaften ihre eigene Definition hat. Vor allem die Vertreter der marxistisch-materialistischen Weltanschauung vertreten Ansichten, die sich von allen anderen völlig unterscheiden. Das Gleiche gilt für die Mythologen.
In einer relativ langen Zeit, teilweise schon seit dem 18. und systematisch seit dem 19 wurde das Matriarchat erforscht. In der Zwischenzeit werden vor allem in Mitteleuropa sensationelle archäologische Entdeckungen gemacht, welche die seit langem aufgestellten Theorien schnell infrage stellen. Überdies hat die systematische und langjährige ethnologische Forschung dazu beigetragen, das Wissen über das Phänomen des gegenwärtigen Matriarchats bei 160 indigenen Völkern zu erweitern.
Der methodische Ansatz wird wie folgt durchgeführt:
1. Definition des Matriarchats.  2. Archäologische Funde als Hauptgrundlage für die Theorie des Matriarchats. 3. Das Matriarchat in den Mythen des Vorderen Orients. 4. Matriarchat, Rechtfertigung, Interpretation. 5. Literatur-Quellen.
1. Definition des Matriarchats
Zunächst ist die Definition des Matriarchats in einem der weltweit anerkannten linguistischen Wörterbücher zu berücksichtigen: “Macht der Mutter, soziales System, in dem die Frau die privilegierte Stellung im Staat und in der Familie innehat, sowie das Verfahren der Vererbung und die soziale Stellung auf der Grundlage der mütterlichen Herkunft” (siehe DUDEN, Das große Fremdwörterbuch, Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter, Mannheim, Leipzig et alt. Diese Definition hat jedoch einen sehr allgemeinen und komplexen Charakter und ist daher für die Zwecke dieser Studie eher ungeeignet.Daher wird untersucht, welche ebenfalls komplexe (von vielen Experten) Definition im Allgemeinen international zumindest bekannt, wenn nicht sogar akzeptiert ist. Methodisch ist es jedoch vorzuziehen, die charakteristischen Merkmale des Matriarchats zu nennen:
1) Der Ausgangspunkt ist, dass es sich um ein soziales System handelt.
2) Organisation aller sozialen und rechtlichen Beziehungen auf der Grundlage der matrilinearen Abstammung (“matrilineare Linie”).
3) Religiöse Konzepte haben als Ausgangspunkt eine Ahnenfrau oder eine Große Göttin.
4) In Gesellschaft und Religion spielen Frauen eine entscheidende Rolle.
Einige Wissenschaftler sind jedoch so vorsichtig, dass sie nur von einem hypothetischen Gesellschaftssystem des Matriarchats sprechen, in dem ausschließlich Frauen die politische Macht innehaben (z. B., E. W. Müller, Mutterrecht, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, 6/1984, S. 261). Es gibt noch viele andere Definitionen des Matriarchats, aber es ist weder angebracht, noch aus Platzgründen möglich, sie alle aufzuführen.
Wichtiger sind andere entscheidende Positionen, die auch heute noch in der entsprechenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Matriarchat von Bedeutung sind. Es werden nur die wichtigsten erwähnt:
1) Vor allem englische Archäologen haben im 18. und 19. Jahrhundert die Position formuliert, dass es in prähistorischer Zeit ein kulturelles Matriarchat mit der Verehrung einer Großen Göttin als dominierende Grundlage gab.
2) Mit erheblicher Verspätung haben deutschen Experten die Ansicht vertreten, dass vor allem in der Jungsteinzeit das Matriarchat vorherrschte.
3) Der Historische Materialismus betrachtet das Matriarchat als eine allgemeine und notwendige Stufe der archaischen Geschichtsperiode. Auf dieser grundlegenden Ansicht basiert die marxistische Kulturwissenschaft im Rahmen ihrer Opposition gegen das Patriarchat und natürlich in erster Linie gegen den Kapitalismus, der ihrer Meinung nach enorme Übel über die Welt gebracht hat, während in der matriarchalen Vergangenheit nicht nur des Neolithikums (5500/5000-3000 v. Chr.) und Mesolithikums (8000-5500/5000 v. Chr.), sondern auch des Paläolithikums (von den Anfängen bis 8000 v. Chr.), Achtung: Die Zahlen gelten vor allem für Europa) hat sich der erste Kommunismus in der Geschichte der Menschheit durchgesetzt, unter Berufung auf die tatsächlich gefundenen Statuen von Idolen weiblicher “Gottheiten” ! Das nennt man “Wissenschaft”, die sogar besonders einzigartig sei.
4) Feministinnen haben wahrscheinlich aufgrund politischer Ziele systematisch und auf breiter Ebene die Theorie aufgestellt, dass Frauen in der ersten historischen Periode der Menschheit, die in der Regel prähistorisch ist, eine entscheidende Rolle vor allem im Bereich der Kultur gespielt haben. Die Auseinandersetzung mit diesen Ansichten findet in Abschnitt 4 des Rahmenplans statt.
5) Wir stellen mit Interesse fest, dass politische Ziele auch in der zeitgenössischen Ethnologie einen entscheidenden Einfluss auf die Haltung von Ethnologinnen zur Frage des Matriarchats ausüben. Feministisch ausgerichtete Wissenschaftlerinnen in fortgeschrittenen Ländern haben das Konzept des Matriarchats bereits in den 70er -Jahren des letzten Jahrhunderts abgelehnt. Die gleiche Position vertritt die Sozialanthropologie, die inzwischen aufgehört hat, diesen Begriff als terminus scientificus (wissenschaftlicher Begriff) zu verwenden.
Im Gegensatz dazu verteidigen Wissenschaftlerinnen aus asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern, die sich wissenschaftlich mit ihren eigenen Ethnien auseinandersetzen, den Begriff Matriarchat mit dem politischen Ziel, zu beweisen, dass in ihren Ländern vor dem Kolonialismus und der Christianisierung die Stellung der Frau in der Gesellschaft stark war und dass das Patriarchat ein Produkt der europäischen Christen sei (Siehe insbesondere Ifi Amadiume, Reinventing Africa: Matriarchy, Religion and Culture, London /N. Jersey1997 und M. Harroun Foster, Lost Women of the Patriarchy, Iroquois Women in the Historical Literature, UCLA American Indian Studies Center,1995).
Die moderne Ethnologie bevorzugt den Begriff Matrilinearität, was bedeutet, dass die Abstammung von der Frau (Urgroßmutter,Großmutter,Mutter) in Gesellschaften ohne staatliche Organisation vorherrscht, die fast ausschließlich von Ackerbau und Viehzucht abhängen und eine entscheidende Rolle spielen, wenn es um Erbschaftsprobleme geht. In vielen indigenen Ethnien gibt es auch das interessante Phänomen der Matrilokalität, das heißt, dass der Bräutigam im Falle einer Heirat zur Familie der Braut zieht.
2. Archäologische Funde als Hauptgrundlage für die Theorie des Matriarchats
Die einzigen Artefakte, die mit dem Matriarchat in Verbindung gebracht werden können, sind die zahlreichen Idole von Frauen mit riesigen Brüsten, aber auch mit großen Bäuchen und riesigen Hinterteilen. Diese wurden vor allem in Mitteleuropa gefunden, vielleicht weil die Paläoarchäologen dort am besten arbeiten.
In Griechenland wurde keine derartige Statuette aus dem Paläolithikum und Mesolithikum gefunden, was aber nicht bedeutet, dass es sie auf griechischem Gebiet nicht gibt. Leider haben sich die archäologischen Ausgrabungen, bis auf wenige Ausnahmen, auf die klassische griechische Periode konzentriert.
Die bekanntesten Idole sind aus dem Jungpaläolithikum die “Venus von Willensdorf” (1908), die “Venus von Galgenberg”, die “Göttin” von Kostjonki I (1983), drei schwangere Frauen vom selben Fundort, daneben aus dem Mesolithikum dicke und einige dünne Statuetten, aber nur als Göttinnen.
In der Jungsteinzeit sind fast alle Funde von Frauenstatuetten dünn (in der Türkei und Malta dick) und mit winzigen Brüsten (Jordanien), und plötzlich gibt es auch Funde, die Männer darstellen, die mit einer Streitaxt kämpfen! Falls es das Matriarchat tatsächlich gegeben hat, wäre es hier definitiv zu Ende gewesen.
In der Bronzezeit wurden weibliche Idole, außer in seltenen Fällen wie den schönen weiblichen Statuetten von den Kykladen, durch männliche ersetzt (Männer mit Waffen oder als Löwen oder auf dem Thron sitzend), (vgl. Brockhaus, Weltgeschichte, 1, S.56, 69, 80, 8, 89,95, 99/100, 119, und Brockhaus, Kunst und Kultur, 1, Mannheim , Leipzig, 1997, S. 30, 32-34, 41, 62, 150/151).
Weibliche Idole werden von führenden Archäologen recht unterschiedlich interpretiert. Eine Denkschule lehnt die Ansicht als nicht überzeugend ab, dass die Statuetten die Existenz des Matriarchats bereits in der jüngeren Altsteinzeit (ca. 30.000-8.000 Jahre v. Chr.) beweisen könnten und es daher keine anthropologischen Erkenntnisse gebe.
Selbst Funde aus der Jungsteinzeit in Ägypten, Kreta, Griechenland und dem weiteren Nahen Osten sind angeblich kein Beweis für eine religiöse Funktion. Eine andere Denkschule vertritt genau das Gegenteil
Im Allgemeinen war die Theorie, dass das Neolithikum friedlich war, noch vor einigen Jahren weitverbreitet. Die Ergebnisse spezieller und langfristiger Ausgrabungen in den 1980er -Jahren in Deutschland und Österreich haben zweifelsfrei bewiesen, dass es bereits im Neolithikum zu gewaltsamen und manchmal brutalen Konflikten zwischen der landwirtschaftlichen Bevölkerung gekommen war. In einem Fall massakrierten die Feinde die gesamte Bevölkerung eines Dorfes (siehe J. Petrasch, Mord und Krieg in der Bandkeramik, in: Archäologisches Korrespondenzblatt 29/1999, S. 505 ff.). Dieses und andere ähnliche Beispiele sind ein Hinweis für die historische Tatsache, dass bereits in der Jungsteinzeit teilweise soziale Differenzierungen und Hierarchien auftraten mit der Folge, dass Konflikte um wirtschaftliche Interessen und die Verteilung der produzierten Güter ausgetragen wurden. Einfach formuliert: Welche Sippe auch immer aufgrund des Klimas hungerte, beraubte gewaltsam die benachbarte wohlhabende Sippe.
Schlussfolgerung: Vom Spätpaläolithikum bis zur Bronzezeit wurden über einen Zeitraum von mindestens 25 000 Jahren weibliche Idole gefunden, die weibliche Gottheiten darstellen. Es ist eine Frage der Interpretation der archäologischen Funde, ob sich durch sie das soziale System des Matriarchats nachweisen lässt.
3. Das Matriarchat in den Mythen des Vorderen Orients
Die Untersuchung des Phänomens des Matriarchats stützt sich vor allem auf die berühmten Mythen des Vorderen Orients, die in der Tat die ältesten in der Kulturgeschichte der Menschheit sind, da die Schrift in dieser Region bereits 3.000 Jahre vor Christus erfunden wurde! Zwischen dem 2. und 3. Jahrtausend wurde im Vorderen Orient das Matriarchat durch das Patriarchat ersetzt. Diese Tatsache wird im babylonischen Mythos von der Erschaffung der Welt erwähnt, wo der Kampf zwischen der Göttin Tiamat und dem Gott Marduk mit zahlreichen Verbündeten ausführlich beschrieben wird.
Einer der wichtigsten Religionshistoriker in enger Verbindung mit Mythen, d.h. ein Mythologe, ist der Engländer Edwin O. James, der das international bekannte Standardwerk über das Matriarchat “The Cult of the Mother Goddess, An Archaeological and Documentary Study, London 1959, (“The Cult of the Divine Mother…”) verfasst  hat, das noch heute als Standardwerk gilt, aber inzwischen, wie  bereits erwähnt wurde, die spezielle Archäologie sich weiterentwickelt hat. Dieses Buch hat mir schon in den 70er -Jahren geholfen, die zahlreichen hymnischen Mythen besser zu verstehen, die ich nach und nach gesammelt und immer mit Bewunderung gelesen habe.
Interessanterweise stellt der Autor die Statuen der weiblichen Göttinnen in ihrer Entwicklung dar: er beginnt mit den paläolithischen fetten und hässlichen, geht über die mesolithischen halbfetten und erträglichen, zu den neolithischen schlanken und schönen, und erreicht die hochästhetischen weiblichen Göttinnen der Bronzezeit (siehe E.J., oben, in der deutschen Übersetzung “Der Kult der Großen Göttin”, Bern 2003, S. 57-107).
Was die Mythen über die Gottheiten im Vorderen Orient betrifft, so sei daran erinnert, dass sie in der Zeit des Patriarchats, d. h. der Männerherrschaft, entstanden sind. Männer mit priesterlichen Ämtern, manchmal auch Könige, haben Göttinnen erfunden, aber sie haben auch die Rolle der Frauen für den sozialen Zusammenhalt und insbesondere für die religiöse Erziehung der Kinder und allgemein für den politischen Einfluss auf die Gläubigen berücksichtigt. Das bedeutet, dass die Religion nicht nur als menschliches Phänomen notwendig war, sondern auch begann, sich in ein politisches Herrschaftsinstrument zu verwandeln.
Von den zahlreichen und eindrucksvollen Beispielen sollen hier nur einige wenige, aber aussagekräftige genannt werden. Ich möchte betonen, dass ich zwar einige Hymnen habe, diese aber nicht ausreichen, um daraus viele Schlussfolgerungen zu ziehen. Deshalb stütze ich mich auf ein erstaunliches Buch, einen wahren Schatz, der fast alle Hymnen enthält, die mit dem Matriarchat zu tun haben (Siehe Vera Zingsem, Göttinnen großer Kulturen, Köln 2005, 1. Auflage: Der Himmel ist mein, die Erde ist mein, Göttinnen großer Kulturen im Wandel der Zeiten, Tübingen 1995).
Wir zitieren als Beispiel eine kurze Passage aus der legendären sumerischen “Heiligen Hochzeit”: “Stolz nähert sich der König den heiligen Hüften (Schenkeln), – Stolz nähert sich Dumuzi den heiligen Hüften von Inanna, – er legt sich neben sie auf das Bett, – nachdem er in ihren heiligen Flaum eingedrungen ist… ” (V.Z., oben, S.95).
Der Geschlechtsverkehr fand ausnahmslos im Heiligtum des göttlichen Tempels statt, wo das Paar allein war, d.h. der König wollte keine Zeugen im Falle einer sexuellen Impotenz, die seine Entthronung zur Folge hätte. Kurz gesagt, das Wunder wurde ohne Zeugen vollbracht, was auch von anderen Wundern bekannt ist.
Meine Interpretation des “heiligen” Geschlechtsverkehrs:
α) Der König war in Sumerien, ähnlich wie der Pharao in Ägypten, für eine erfolgreiche Landwirtschaft als dominierende Grundlage der Ernährung der Bevölkerung verantwortlich.
b) Alle waren davon überzeugt, dass die Fruchtbarkeit der Pflanzen, der Tiere und der Menschen von der Fruchtbarkeitsgöttin und damit vom Beischlaf des Königs mit der Priesterin als Personifikation der Göttin Inanna (etymologische Bedeutung im Sumerischen: “Königin des Himmels und der Erde”) abhing. Diese sowie weitere Göttinnen wie Ischtar, Astarte, Aphrodite, Venus waren zugleich die Personifizierung der Lebe, des Krieges und der Schönheit.
c) Das Wichtigste ist jedoch wahrscheinlich die machtpolitische Bedeutung. Von der großen Macht der Muttergöttin im Sinne des Matriarchats sind in der entwickelten Männerherrschaft im Vorderen Orient zwei Dinge geblieben: Das eine war die Apotheose und die Entfernung der ehemals mächtigen Göttin in den Himmel, d.h. weit weg von der Macht. Entscheidender war jedoch die Liebesbeziehung des Königs mit der Vertreterin der Göttin. Von ihr empfing der König alljährlich die heilige Salbung seiner Macht, so wie Jahrtausende später der Kaiser vo dem römisch-katholischen Papst oder von  dem orthodoxen Patriarchen als conditio sine qua non (absolut notwendige Bedingung) für die kaiserliche Macht erhielt.
Und daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, wie mächtig Religion und Priesterschaft waren. Wir zitieren eine weitere Passage aus dem Gedicht “Der Eid der Ischtar”: “Große Ischtar, Schöpferin der Menschen, sie, die den “Mächten der Ordnung” Dauer gibt, die auf einem hohen Thron sitzt !-königliche Ischtar, schillernd von Igiku, Schöpferin aller Menschen, sie, die für die Ordnung der Wesen sorgt” (siehe V. Z. oben…, S.120 ).

4. Matriarchat, Rechtfertigung, Interpretation

Nur durch Wissen, und sei es noch so umfangreich, ist es nicht möglich, komplexe Probleme zu erkennen und zu lösen. Dies ist der Hauptgrund für die Anwendung einer anerkannten wissenschaftlichen Methodologie, die jedoch meist allgemeiner Natur ist. Ausgangspunkt der Methodologie ist in der Regel die allgemeine Unterscheidung zwischen Idealismus und Materialismus (Marxismus), die jedoch für eine erfolgreiche Annäherung an das betreffende Thema nicht ausreicht.
Im Hinblick auf das komplexe Phänomen des Matriarchats wurden die Spezialwissenschaften mit ihrer jeweiligen methodischen Positionierung genannt, nämlich Archäologie, Theologie (insbesondere Religionsgeschichte), Mythologie, Geschichte, Ethnologie und Soziologie. Zu erwähnen sind auch andere Wissenschaften wie die Neurowissenschaften, z.B. die Neurobiologie, die Neurophilosophie, die Neurotheologie usw. Auch die Psychoanalyse und ihre Methoden werden im Allgemeinen erwähnt. Normalerweise sollten die erforderlichen interdisziplinären wissenschaftlichen Forschungsgruppen mit dem Ziel eingerichtet werden, bestehende Probleme erfolgreich lösen zu können. Doch kleinliche Egoismen der Vertreter der Fachwissenschaften sowie organisatorische und technische Probleme erschweren es, solche eher idealen Forschungsbedingungen zu schaffen. Wir haben in einer verantwortlichen Position sehr negative Erfahrungen damit gemacht.
Daher werden wir hier einen anderen Ansatz für das Thema wählen, der den Bedürfnissen und dem Charakter des Themas angemessen ist, ohne eine bestimmte Methode bevorzugen zu wollen.
Der Homo sapiens sapiens verfügte über eine ausreichende Intelligenz, um seine physische Umwelt zu überwachen, denn seine Lebensbedingungen hingen direkt von ihr ab. Dabei handelt es sich in erster Linie um einen Zeitraum von mehreren Dutzend Jahrtausenden, in dem der Mensch als Raubtier, Sammler und Fischer lebte. Nach der üblichen Arbeitsteilung war die Jagd Sache des Mannes, der Tage oder Wochen unterwegs war, um geeignete Beute zu finden. Kurz gesagt, der Mann war oft nicht an seinem Wohnort und hatte daher wenig mit seinen Kindern zu tun, für deren Erziehung die Frauen zuständig waren.
Der Mensch machte im Allgemeinen zum Beispiel die entscheidende Beobachtung, dass das Weibliche in allen Wesen die objektiv vorherrschende Rolle spielte:
α) Die Frau trug zur Fortpflanzung der menschlichen Gattung bei, weil sie die Kinder zur Welt brachte und damit den Säuglingen das Leben schenkte. Das hatte die Qualität eines Wunders.
b) Weil der Mensch kein Wissen hatte, um das Phänomen der Schwangerschaft zu verstehen, erschien ihm dieses als etwas Magisches, als ein Mysterium und Göttliches mit der Frau als Protagonistin, der gegenüber die Männer Ehrfurcht und Dankbarkeit empfanden. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum Kinder überall auf der Welt die Mutter mehr lieben als den Vater.
c) Die Mutter ernährte den hilflosen Säugling zunächst mit ihrer Milch. Es ist verständlich, dass durch diese Fähigkeit und Leistung der Status der Mutter in der Familie und in kleinen Gesellschaften erhöht wurde. Außerdem empfand das Kind große Liebe und Dankbarkeit gegenüber seiner Mutter, die es ernährte und beschützte.
d) In ihrer Eigenschaft als Sammlerin hat die Frau im Laufe der Zeit genaue und wertvolle Kenntnisse über die Eigenschaften von Gräsern, Kräutern und Früchten erworben. So konnte sie beispielsweise nützliche von giftigen Gräsern und Kräutern unterscheiden und aufgrund ihrer großen Erfahrung feststellen, welche von ihnen Stoffe enthielten, die Halluzinationen auslösten, und welche sich für Farbstoffe eigneten.Sie erwarb die Fähigkeit, auf der Grundlage von Naturprodukten eine geeignete Ernährung zuzubereiten.
Auf diese Weise hat eine Frau die ernährungsphysiologischen Eigenschaften des Weizens entdeckt und damit den Grundstein für die gewaltige Erfindung der landwirtschaftlichen Produktion (erste große Revolution der Produktivkräfte in der Menschheitsgeschichte) vor ca.10.000 Jahren im Nordirak gelegt. Die Landwirtschaft legte den Grundstein für die erste menschliche Zivilisation, die in Sumerien (Südirak) begann. Deswegen betrachteten die Männer die Frauen als Kennerinnen und Zauberinnen und brachten ihnen Ehrfurcht und Dankbarkeit entgegen.
e) Zu allen Zeiten und bei allen Völkern haben die Frauen die wichtige Aufgabe der Hüterin des Feuers wahrgenommen. In diesem Bereich war die ganze Familie von ihr abhängig.
g) Während der Mann als Jäger unterwegs war, hat die Frau einfache Haushaltsgeräte und -techniken erfunden, um die Lebensbedingungen zu erleichtern, weil sie, nicht der Mann, die nötige Zeit zur Verfügung hatte.
h) Es versteht sich von selbst, dass sich diese entscheidende Rolle der Frau in den frühesten Mythen der Menschheit widerspiegelt, in denen dargelegt wird, dass zuerst die Göttinnen und dann die Götter erschienen sind. Aber auch dieser Prozess hat Tausende von Jahren gedauert.
i) Es ist also kein Zufall, dass in allen Kulturen und in allen Sprachen die Phänomene der Erde und der Natur weibliche und nicht männliche Namen erhalten haben.
Aus den genannten Argumenten ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die Rolle der Frauen so entscheidend war, dass die ersten Idole (Statuetten) Frauen und nicht Männer darstellten, und man fragt sich, warum nicht auch Göttinnen, die vor den Göttern erschienen sind.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Matriarchat dem Patriarchat vorausgegangen ist und viel länger gedauert hat als dieses. Während das Matriarchat ein natürliches Phänomen war, ist das Patriarchat ein kulturelles Phänomen.  Nach Jahrtausenden der Männer- und Phallusherrschaft haben es Frauen in Europa auf der Grundlage sozialistisch-sozialdemokratischer wie auch protestantischer Konzepte geschafft, wichtige Aufgaben in allen Bereichen der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft usw. zu übernehmen.
Besonders bewundernswert sind die Erfolge der Frauen in den nördlichen protestantischen Ländern, wo es eine Selbstverständlichkeit ist, dass eine Frau das wichtige Amt des Präsidenten oder des Premierministers (auch für Armee und Polizei) bekleidet und dass die Regierung zu 50 bis 70 Prozent aus Frauen besteht. Hier bietet sich ein glorreiches Feld des Ruhms für andere Religionen, insbesondere für den völlig rückständigen und höchst patriarchalischem   Islam, mit sehr negativen Folgen für die Gesellschaft.
Literatur
1. Wissenschaftliche Literatur
- K. Müller (Hrsg.) Die Frühgeschichte der Menschheit, Menschen der Urzeit, Von den Anfängen bis zur Bronzezeit (Übers. aus dem Engl. „People of the Past. The Epic Story of Human Origins and Development“),Köln 2004.
-V. Kruta, L Europe des origines. La protohistoire 6000-500 avant J.-C., Paris, 1992.
-E. Probst, Deutschland in der Steinzeit, Jäger, Fischer und Bauern zwischen Nordseeküste und Alpenraum, München 1991.
-B. Hrouda (Hrsg.), Der Alte Orient, München 2003.
-A. Bancroft, Origins of the Sacred-The lten Orient, Leipzig 1973.
-V. Zingsem, Göttinnen großer Kulturen, Köln 2007.
-J. Edwin, The Cult of the Mother Goddes, London, 1959.
-M. Gimbuta, The Goddeses und Gods of Old Europe, London 1974.
-C. Larrington (Edit.),The Feminist Companion to Mythology, London, 1992.
-W. Golther, Germanische Mythologie, Handbuch-Gesamtausgabe, Essen 2004.
-S. et P. F. Botheroyd, Lexikon der keltischen Mythologie, Wien, 2004.
2.   Populärwissensftliche Literatur
-G. Bellinger, Knaurs Lexikon der Mythologie, München 2004.
-M. Jordan, Myths of the World, London 1996.
-S. Golowin / M. Eliade / J. Cambell, Die großen Mythen der Menschheit, Efstadt 2007.
-V. Ions, History of Mythology, London, 1997.
-R. Storm, Die Enzyklopädie der Östlichen Mythologie (Übers. aus dem Englischen), München 1999.
-H. MacCall, Mesopotamian Myths, London 1987.
-W. Beltz, Das Tor der Götter, Altvorderasiatische Mythologie, Berlin 1978.
-W. Beltz, Die Schiffe der Götter, Ägyptische Mythologie, Berlin 1987.
-H. Gärtner, Kleines Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Leipzig 1989.
-A. Birrell, Chinese Myths, London 2000.

Veröffentlicht ab 2014 in Griechisch häufig in de Kathimerini (Καθημερινή).
Aus meinem Buch: Παναγιώτης Δημητρίου Τερζόπουλος (Panos Terz): Εγκυκλοπαιδική και Κοινωνική Μόρφωση, Εκλαϊκευμένα: Θρησκεία, Ιστορία, Εθνολογία, Πολιτισμός, Γλωσσολoγία, Δεύτερος Τόμος (Enzyklopädische und Allgemeinbildung: Religion, Geschichte, Ethnologie, Kultur, Linguistik, Zweiter Band), ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, 284 Seiten, ISBN: 978-620-0-61339-4, Saarbrücken 2020, S.61

Heilige Dreifaltigkeit in der Mythologie

Die Heilige Dreifaltigkeit in der Mythologie
Ich möchte darauf hinweisen, dass die Mythologie mir sehr geholfen hat, die Religionen, einschließlich das Christentum, besser zu verstehen, denn normalerweise die Mythologien gehen den Religionen voraus, die in jedem Fall viele Elemente der betreffenden Mythologie übernommen und in ihren eigenen Glauben integriert haben. (siehe allgemein das berühmte und sehr aufschlussreiche Werk des französisch-rumänischen Experten für vergleichende Religionswissenschaften Misrea Eliade , Histoire des croyances et idees religieuses, 4 Bände, Paris 1976, 1992, in deutscher Übersetzung: Geschichte der religiösen Ideen, 4 Bände, Breisgau 1972, Budapest 2002. Ich empfehle Gläubigen, Atheisten, Polytheisten und Pantheisten, dieses herausragende wissenschaftliche Werk zu studieren). Was die christliche Dreifaltigkeit anbelangt, so habe ich nicht die Absicht, Eulen nach Athen zu tragen. Ich werde jedoch versuchen, kurz die mythologischen Wurzeln der in der Tat komplexen christlichen Trinitätslehre zu beschreiben, die, soweit ich mich aus dem Religionsunterricht in der Schule erinnere, niemand verstanden hat.
Drei Aspekte des Problems waren für uns völlig unverständlich. a) Ist das nicht eine schwere Beleidigung der menschlichen Intelligenz? b) Wo ist die Mutter geblieben?
In allen patriarchalischen Gesellschaften lieben die Kinder die Mutter und fürchten den Vater. c) Was bedeutet dieser “Heilige Geist”? Die Antwort des Theologielehrers war immer die folgende: Dies ist ein heiliges Dogma und daher eine Frage des Glaubens. Aber damals hatte ich noch keine Ahnung von der Metaphysik und Mystik des Christentums und der internationalen Mythologie.
Der Arianismus (benannt nach dem Theologen Arius von Alexandria, 4. Jh. n. Chr.) war neben dem Nestorianismus und dem Monophysitismus eine der wichtigsten religiösen Sekten. Der Hauptkern seiner Lehre war die Auffassung, dass Jesus Christus keine Substanz, sondern nur eine Schöpfung des einen und einzigen Gottes ist. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit dem Areius erarbeitete und formulierte er auf zwei ökumenischen Konzilien (325 und 381) die Lehre, dass Gott eine dreifaltige Einheit ist, eine Heilige Dreifaltigkeit, die aus dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist besteht, der jedoch nur vom Vater kommt. Mit anderen Worten, es handelt sich im Wesentlichen um theologische Konstruktionen von Männern (Priestern und Theologen). Allmählich hat sich eine Differenz zur römisch-katholischen Ekklesia herausgebildet, die nach wie vor die Auffassung (auch eine Lehre) vertritt, dass im Rahmen der Trinitas (allgemein: Trinitatis) auch der Heilige Geist vom Sohn ausgeht (filioque). Über dieses theologische Problem haben große Kontroversen zwischen den beiden christlichen Kirchen stattgefunden. Das interessante Problem ist, dass jede christliche Kirche davon überzeugt ist, dass sie absolut die richtige Lehre vertritt.
Im Westen wurde die häretische Ansicht des Tritheismus 1090 von Roscelin de Compiegne formuliert, aber vom Vatikan abgelehnt (vgl. B. Sartorius, Die Orthodoxe Kirche, Übersetzung αus dem Französischen, Stuttgart 1981, S. 61-63 und H. Biedermann, Knaurs Lexikon der Symbole, München 2005, S. 100). Im Übrigen zitiere ich den Koran (Sure 4, 169: Wahrlich, der Messias Jesus, der Sohn der Maria, ist der Gesandte Gottes. “Darum glaubt an Gott und an seinen Gesandten, aber sagt nicht: Dreifaltigkeit”) und Sure 5, 116, S. 124: “Es ist nicht wahr, dass es neben Gott noch zwei Götter gibt, Jesus und Maria” (siehe Der Koran, ISBN 3-86047-455-3, Verlag Julius Kitts Nachfolger, Leipzig-M.Ostrau). Hier hat der Prophet Mohammed etwas verwechselt. Verglichen mit der komplexen Heiligen Dreifaltigkeit ist seine Lehre einfach und verständlich. Viele Historiker sind davon überzeugt, dass diese Einfachheit einer der entscheidenden Gründe für die relativ schnelle Akzeptanz des Islam durch die Völker des Nahen Ostens ist. Das einfache Volk interessiert sich nicht sonderlich für komplexe und obskure theologische Konstrukte. Warum hat die Zahl drei eine besondere, fast magische Bedeutung?
Die Zahl Drei mit ihren vielen Erscheinungsformen ist in fast allen Kulturen und allen großen Religionen bekannt. Die Archäologen sind sich einig über den Ursprung des Mythos der Zahl Drei, der in die Mythologie, sogar in die bildende Kunst, die Religion, die Politik, die Staatstheorie usw. eingedrungen ist. Es ist erwiesen, dass die Menschen bereits in der Mittelsteinzeit (8000 bis etwa 5500 v. Chr.) aufgrund der Lebensbedingungen von Jägern, Sammlern und Fischern sowie des Schicksals nach dem Tod erkannt haben, dass drei Phänomene eine entscheidende Rolle spielen: der Mond, die Erde und der Hades. Weil die Jagd aber nachts im Licht des Mondes besonders erfolgreich war, wurde der Mond zur höchsten Gottheit erklärt, aber sie schätzten auch die (Mutter) Erde und dachten an die Zukunft nach dem Tod, was bedeutet, dass das Metaphysische und Mystische eng mit der menschlichen Existenz verbunden war.
So ist die erste Dreifaltigkeit in der Kulturgeschichte der Menschheit ausnahmslos in allen menschlichen Gruppen entstanden: Mond, Erde, Hades. In einigen Fällen besteht die Dreifaltigkeit aus dem Mond, der Sonne und der Erde oder dem Hades. Spezialisierte Archäologen führen zahlreiche Beispiele an, wie drei Steine um den Kopf des Verstorbenen (vor 25.000 Jahren), eine Darstellung von drei Vögeln, drei mit Juwelen besetzte Tierzähne, drei Linien usw. (vgl. A. Bancroft, Mythen, Kultstätten und die Ursprünge des Heiligen, Übersetzung aus dem Englischen, Düsseldorf, 2004, S. 68/69, 99, 181ff.) oder Dreiecke, die mindestens 7000 v. Chr. auf Knochen eingraviert wurden, sogar Dreiecksformen als Darstellung des weiblichen Geschlechtsorgans oder der Dreizack als Symbol des männlichen Geschlechtsorgans (vgl. Η.Βiedermann, Knaurs Lexikon der Symbole, München 2004, S. 99).
In der Jungsteinzeit, in der Bronzezeit und vor allem in der Eisenzeit haben sich die drei Symbole in der Mythologie und in den ersten Religionen ausgebreitet, aber entscheidend war unmittelbar mit der Einführung der Landwirtschaftskunst im Nahen Osten die Erhebung der Sonne zu der höchsten Gottheit, weil sie durch ihre Strahlen zur Reifung des Getreides beigetragen hat. Das bedeutet, dass das Schicksal der rettenden landwirtschaftlichen Produktion vollständig von dem männlichen Gott Sonne abhing. Auf diese Weise wurde die neue dynamische Dreifaltigkeit von Sonne-Erde-Hades über Jahrtausende hinweg etabliert. Gleichzeitig wurde der weltgeschichtliche Aufstieg des Patriarchats schrittweise vorbereitet. Es sind zahlreiche Zahlensymbole erschienen.
Folgend seien nur die wichtigsten und bekanntesten. Es ist erstaunlich, dass sich der rastlose und h