Supermacht, Großmächte, Mittlere Mächte, Regionalmächte, EU keine Weltmacht

U-Gipfeltreffen: Mehr Mut zur Weltmacht
Nawalny, Belarus, Gasstreit: Die EU muss sich beim Sondergipfel mit außenpolitischen Problemen befassen. Noch fehlt ihr Gestaltungskraft. Doch das ändert sich langsam.
Ein Kommentar von Ulrich Ladurner, Brüssel
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In der Theorie der internationalen Beziehungen wird im Allgemeinen unterschieden zwischen den Supermächten, den Großmächten, den Mittleren Mächten und den Regionalmächten mit Abstufung, während der Begriff Weltmach wenig aussagekräftig ist.
Merkmale der Supermacht: erster Platz in folgenden Bereichen: Militär (Atommacht, modernste Streitkräfte aller Waffengattungen), Wirtschaft, Größe der Bevölkerung, Größe des Territoriums, Rohstoffe, Wissenschaft (Hochtechnologien, Erfindungen), Staatsorganisation, dominierender Einfluss in den internationalen Beziehungen (Politik, Diplomatie). Dies trifft, abgesehen von dem internationalen Einfluss nur für die USA zu. Russland hingegen könnte nur auf militärischem Gebiet als Supermacht betrachtet werden. China wiederum könnte als Supermacht in statu nascendi (im Entstehungsprozess) eingeschätzt werden.
Merkmale der Großmacht: Militär (Atommacht) ohne hochentwickelte Wirtschaft , Rohstoffe, Größe des Territoriums, Größe der Bevölkerung (Russland, Indien) oder hochentwickelte Wirtschaft ohne Atommacht zu sein (Japan).
Mittlere Macht: Mit (Großbritannien, Frankreich) oder ohne Atomwaffen (Deutschland)., gut funktionierende Wirtschaft und Wissenschaft.
Regionalmacht: Mit ( Pakistan, Israel) oder ohne Atomwaffen (Türkei, Iran).
Die EU ist eine internationale europäische Organisation mit supranationalen Elementen, d.h. dass die Staaten in den wichtigsten bereichen unter Beachtung ihrer Interessen und auf der Grundlage ihrer Souveränität entscheiden. Auf dem Feld der internationalen Beziehungen und konkreter der Diplomatie hat die EU immer noch nicht die Qualität eines Players erreicht, sie ist also ein Zwerg. Dies gilt größtenteils auch für die militärische Stärke. Es ist kaum damit zu rechnen, dass die EU sich überhaupt zu einer nennenswerten Macht, geschweige denn, zu einer Weltmacht entwickelt. Se stellt nur auf dem Gebiet der Ökonomie eine Großmacht dar.
Frankreich versucht krampfhaft die politische, diplomatische und militärische Führung der EU zu übernehmen, während Deutschland sich mit Wirtschaftlichen Erfolgen begnügen muss.
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, teilweise auch Russland müssen sich damit abfinden, international keine wichtige Rolle spielen zu können, während China ständig, und dynamisch zu einer für die USA bedrohlichen Supermacht aufsteigt, womit in den nächsten Jahren mit einem Gleichgewicht eventuell auch mit einem „Gleichgewicht des Schreckens ) zwischen den beiden Supermächten gerechnet werden kann. Dabei bleibt Russland nichts weiter übrig, als das „Zünglein an der Waage“ zu sein, während die EU die einzige Chance hat, zwischen den beiden Supermächten zu agieren oder wegen des politischen Systems vorwiegend mit den USA eng zusammen zu arbeiten.
Schlussfolgerung: Eine “Weltmacht“ EU ist nichts weiter als eine schöne Chimäre. Also Schuster bleibe bei Deinen Leisten. Professor a.D. für Völkerrecht und Theorie der internationalen Beziehungen. Ansonsten siehe ISBN: 978-620-0-44488-2, 2019 und
ISBN: 978-620-0-44645-9, 2020. Zeit (1.10.20)

 

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