Multikulturalismus

Multikulturalismus, sachlich, systematisch

Ich möchte die Bemerkung voranstellen, dass es zwischen der Realität und der Idealität einen gewaltigen Unterschied gibt.

Obwohl seit Jahren Fachwissenschaftler und insbesondere Soziologen und Kulturtheoretiker mit dem Phänomen des Multikulturalismus befassen, stellen wir fest, dass es keine einheitliche Definition gibt. Dies ist vielleicht der Grund dafür, dass eine vernünftige Diskussion hierüber  kaum möglich ist. Gleiches gilt auch für den übergeordneten Begriff der Kultur, der mitunter mit dem Begriff der Zivilisation verwechselt wird.

Folgend seien die Hauptauffassungen über den Multikulturalismus dargestellt.

a) In einem konkreten Land  existieren gleichzeitig unterschiedliche oder sogar konträre Kulturen ohne Beziehungen untereinander.

b) Neben der einheimischen Hauptkultur („Leitkultur“) bestehen weitere Kulturen, die jedoch nicht gleichberechtigt mit der einheimischen Kultur sind.

c) Es gibt gleichberechtigte Kulturen, die sich gegenseitig beeinflussen.

d) Zwar sukzessive Anpassung auf freiwilliger Basis der fremden Kulturen an die  Hauptkultur , jedoch bei Beibehaltung einiger Elemente der eigenen Kultur. D.h. Integration   aber keine kulturelle Assimilation.

Bei diesen Hauptauffassungen sollten bestimmte Faktorten beachtet werden, wie z.B. , ob das Land ehemalige Kolonialmacht ist,  ob es  um Menschen aus dem gleichen Kulturkreis kommen  und ob die fremde Kultur aufklärerisch-demokratisch  oder stark religiös-autoritär geprägt  ist. Die Klärung dieser essentiellen Fragestellungen ist bei der Integration von  Menschen fremder Kulturen von ausschlagender Bedeutung.

Des weiteren ist zu prüfen, wann es beim Zusammentreffen unterschiedlicher oder sogar konträrer  Kulturen mitunter schwerwiegende Probleme ethno-religiösen und politischen Charakters entstehen. In diesem Falle könnte man von einer tickenden Bombe für den sozialen Zusammenhang sprechen.

Insgesamt  kann festgestellt werden, dass Nationalkulturen innerhalb des selben Kulturkreises, z.B. des Kulturkreises des Westens eher die Variante d) in Frage . In concreto bedeutet dies z.B. die in Deutschland seit vielen Jahren lebenden Europäer sich freiwillig an die deutsche Hauptkultur anpassen, ohne ihre kulturelle Identität zu verlieren. Bei ihnen kann es sogar zur partiellen Verschmelzung der deutschen mit  der eigenen Kultur kommen.

Der  Konfuzianische Kulturkreis  existiert neben der deutschen Kultur  ohne wesentliche gegenseitige Beeinflussung. Es wird konstatiert, das die  in Deutschland lebenden Angehörigen dieses Kulturkreises  sich durch Fleiß und Disziplin ( Merkmale des Konfuzianischen Kulturkreises) auszeichnen  und es vermeiden, besonders aufzufallen.

Es kann objektiv und sachlich  auch im Sinne der demokritischen Widerspiegelungstheorie hier die Ansicht vertreten werden, dass  das Zusammentreffen des Islamischen Kulturkreise mit  dem Kulturkreis des Westens  auf deutschem Boden problematisch ist, weil eben die beiden Kulturkreise  vorwiegen hinsichtlich des Menschen- und Gesellschaftsbildes nicht nur unterschiedlich, sondern darüber hinaus konträr sind. Hieraus ergeben sich fast unüberwindliche Probleme bei der Integration  der Angehörigen des Islamischen Kulturkreises in die deutsche Gesellschaft. Teilweise   sind die Rückschläge so gravierend, dass sogar türkische  Intellektuelle in Deutschland von einer „Deutschfeindlichkeit“ vieler Muslime  insbesondere der dritten Generation sprechen. Es ist unbestritten, dass die Integrationsunwilligkeit muslimischer Menschen in die Deutsche Gesellschaft besonders groß ist.

Wir stellen  ferner fest, dass Muslime als einzige Bevölkerungsgruppe ihre  ethno-religiöse Identität durch bestimmte äußere Merkmale prononciert unterstreichen, was oft zu einer Selbstisolierung führt. In diesem Falle  gilt die Hauptauffassung a). Die Zeit ( 13.12.18)