Tsipras und Mitsotakis, Eine Vergleich

Tsipras und Mitsotakis, Eine Vergleich

Tsipras hat mit Mühe und Not sein Studium beendet, gehörte während des Studiums zu der Jugend der KP Griechenlands, wies starke revolutionär-romantische und teilweise auch anarchistische Tendenzen auf und hat in seinem Beruf nie gearbeitet. Er gilt als Linkspopulist und als begnadeter Redner, wobei seine Redekunst sich auf das in Hellas sehr beliebte Pathos und auf den Messianismus stützt.
Jedoch während seiner  vierjährige Karriere als Ministerpräsident erfolgte eine Ovidische  Metamorphose im Sinne des Chamäleon hin zu einem Kleinbürger mit pseudorevolutionärem Mäntelchen. Am Anfang benutzte er solche Begriffe wie „Klassenkampf“ national und international, er wollte die „knechtenden Verträge“ mit der Troika „zerreißen“ und versprach   100 tausend Personen in der aufgeblähten griechischen Verwaltung einzustellen und außerdem den Lebensstandard,  wie er vor der großen Krise  (2009) bestand, wieder herzustellen.

Führende Politiker der linken Bewegung Griechenlands  wie die über 90 Jahre alten Protagonisten Manolis Glezos und Mikis Theodorakis haben des öfteren  ihre Enttäuschung bzw. Verachtung gegenüber diesem (wörtlich)Verräter zum Ausdruck gebracht.

Es hat sich nunmehr eindeutig gezeigt, dass es sich um einen politischen Hasardeur und Karrieristen ohne  echte  Ideale handelt, der gerne am reich gedeckten Tisch der bürgerlöichen Klasse mit goldenen Löffel speist.

Mitsotakis hat an den amerikanischen Elite – Universitäten Harvard und Stanford
vor allem Wirtschaftswissenschaften mit Erfolg studiert und danach war er im internationalen Bankwesen tätig. Mitsotakis hat schon in der Vergangenheit mit Erfolg einen Ministerposten begleitet. Er gilt als sehr fleißig, ernsthaft , sachlich (bei griechischen Politikern eine Seltenheit). und rational (ebenfalls eine Seltenheit). Ihm fehlt allerdings das Charisma eines Politikers nach griechischen Kriterien ( Emotionen, Theatralismus, rhetorische Fähigkeiten, Ausstrahlungskraft , Kontaktfreudigkeit).
Mitsotakis hat nur wenige Versprechungen gemacht und erklärte dem ihn verhassten Populismus den Kampf.

Mitsotakis hat sich eher nach europäischen Kriterien (Leistungsprinzip, in Hellas fast unbekannt) systematisch auf die Regierungsübernahme vorbereitet. So hat er sich z.B. vor zwei Jahren an die Auslandsgriechen  (über fünf Millionen) gewandt , um geeignete Berater  zu gewinnen. Hierdurch  verfügt seine Regierung über eine hohe Anzahl von hochqualifizierten Ministern und Beratern.

Es wird ihm sicherlich die  Neuorganisation des chaotischen griechischen Staatsapparates  gelingen. Vielleicht wird  er es auch schaffen, die griechische Wirtschat in erster Linie mittels   notwendiger Investitionen anzukurbeln. Aber den gordischen Knoten (354 Milliarden Euro Schulden !) wird auch er nicht lösen können.  Experten haben ausgerechnet, dass
Griechenland mindestens 50 Jahre bräuchte, um diesen astronomischen Schuldenberg abzutragen.

Die Zeit (9.7.19), Münchner Merkur (10.7.19)